Yachtpersonal – Die Jobs auf den Superyachten vor Mallorca

Von Bernd Kempen | 15. Oktober 2021

Hinweis: Der Bericht erschien im Original zuerst in der „Mallorca Zeitung“ vom 05.05.2021. Autor und Verlag haben uns freundlicherweise die Genehmigung zum Nachdruck erteilt.

 

Spätestens ab Anfang Juni kommt in Palmas Hafen wieder Bewegung. Dann starten viele der hier seit Monaten im Winterschlaf liegenden Super- oder Megayachten mit ihren Eignern, mit deren Gästen oder aber mit Charterurlaubern zu Tagesausflügen vor Mallorcas Küste oder gar wochenlangen Törns durchs Mittelmeer. Und benötigen dafür entsprechendes Teilzeitpersonal an Bord.

Megayacht „Al Lusai“ im norwegischen Hafen Kristiansand (Foto: wikimedia/Dauerlaeufer)

Besatzungen von Segel- oder Motoryachten mit Längen von mehr als 25 oder 30 Metern bestehen in der Regel aus einem für die Führung und Steuerung hauptverantwortlichem Skipper, einem oder mehreren Deckmatrosen für die „handwerklichen” Tätigkeiten an Deck – im Englischen daher auch als Deckhands bezeichnet –, einem Koch sowie einer Stewardess, die für die Betreuung der Passagiere zuständig ist.

Voraussetzungen

Grundsätzlich sollte jeder, der an Bord einer Yacht arbeiten will, über Grundkenntnisse der „Seemannschaft” verfügen, einem international festgelegten Verhaltenskodex für Bootsbesatzungen. Dazu gehören neben Leinen- und Knotenkunde vor allem das Wissen über die Anwendung von Sicherheitsmaßnahmen auf See. Insbesondere natürlich im Notfall. Die Mehrzahl aller Skipper, die im Auftrag der ­Eigner auch für die Einstellung von zusätzlich benötigtem Crew-Personal zuständig sind, ­fordert heutzutage von den Bewerbern ein ­sogenanntes STCW-Basiszertifikat, eine international anerkannte Bescheinigung über die Absolvierung eines mehrtägigen Seefahrt-­Sicherheitskurses. Außerdem muss für den ­Arbeitsvertrag ein ärztliches Zeugnis über den Gesundheitszustand vorgelegt werden. Für die Vervollständigung fehlender Qualifikationen bieten verschiedene Ausbildungszentren (siehe unten) ihre Dienste an.

Die Segelyacht „Mirabella V“ vor den griechischen Kykladen (Foto: wikimedia/ArnoWinter)

Ausschlaggebend für die Einstellung als Deckhand oder Stewardess ist natürlich vor ­allem die Praxiserfahrung. Kenntnisse beim Umgang mit „Bord-Spielzeugen” wie Jetskis, Stand-up Paddle oder Tauchausrüstungen sind ebenfalls von Vorteil. In vielen Fällen müssen Steward oder Stewardess die Aufgaben des Kochs übernehmen oder zumindest bei der Zubereitung der Mahlzeiten mithelfen. Berufserfahrungen in der Gastronomie sind daher ebenfalls Grundvoraussetzung.

Wer gar als Kapitän auf einer Superyacht anheuern will, benötigt neben den Ausbildungsnachweisen Tausende von Seemeilen ­Erfahrung. Bei vielen Skippern auf großen ­Privatyachten handelt es sich um diplomierte Schiffsingenieure. Sie werden in der Regel von den Bootseignern langfristig angestellt, um die Yacht auch während der Winterpause permanent zu betreuen.

Unter Segel oder Motor

Die größte Nachfrage nach Teilzeit-Crewmitgliedern besteht auf Motoryachten. Doch es gibt, insbesondere in Palma, auch Supersegel­yachten, auf denen in der Sommersaison zusätzliches Bordpersonal rekrutiert wird. Deren Anforderungen unterscheiden sich zum Teil wesentlich. Grundvoraussetzung sind hier ­natürlich weitreichende Segelkenntnisse, um bei anfallenden Kursmanövern Schoten und Leinen bedienen zu können. Aufgrund des ­geringeren Platzes an Bord und der im ­Vergleich zu einer Motoryacht geringeren ­Bewegungsfreiheit wird auf Segelyachten nur auf bereits erfahrenes Crew-Personal zurückgegriffen.

Gehälter und Verträge

Yacht „GO Georg Town“ im Hafen von Venedig (Foto: wikimedia/Kasa Fue)

Generell werden in der Yachting-Branche überdurchschnittliche Gehälter gezahlt, die je nach Position und Aufgabenbereich variieren, in der Regel jedoch ab 2.000 Euro netto pro Monat beginnen. Arbeitsverträge für ­Köche, Deckhands oder Stewards werden über die Crew-Vermittlungsagentur abgewickelt und unterliegen hinsichtlich ihrer Vorgaben der Rechtssprechung des jeweiligen Landes, in dem das Crewmitglied an Bord geht.

Das gilt – zumindest auf dem Papier – auch für die täglichen Arbeitszeiten an Bord. Feierabend- oder Wochenendregelungen sind ­während der wochenlangen Fahrten in der ­Regel kaum umsetzbar, die Crew muss dem Kapitän schließlich rund um die Uhr auf Abruf zur Verfügung stehen. So sieht es zudem das internationale Seerecht vor. Immerhin: Kost und Logis sind für Crewmitglieder an Bord frei. Und wer dann nach einem dreimonatigen Törn wieder an Land geht, hat während dieser Zeit kaum einen Cent ausgegeben.

Bewerbung

Crew-Personal für Luxusyachten wird heutzutage nahezu ausschließlich über darauf spezialisierte Jobbörsen vermittelt. Mit dem ­Lebenslauf in der Hand die Stege von Yacht zu Yacht abzuklappern, hat deswegen in der Regel kaum Aussicht auf Erfolg. Auf Mallorca haben sich in den vergangenen Jahren rund ein Dutzend Crew-Agenturen etabliert, auf deren Websites man seine Bewerbung ähnlich wie bei anderen Jobbörsen direkt hochladen kann, um anschließend für ein Vorstellungsgespräch beim Skipper eingeladen zu werden.

Ähnlich wie auch in anderen Superyacht-Hotspots weltweit unterliegt aber auch die Yachtie-Szene auf Mallorca ihren eigenen ­Gesetzen hinsichtlich der Fluktuation von Crewmitgliedern, die auf Zeit anheuern. Das Motto lautet: Zahlreiche Stellen werden innerhalb dieses Community-Netzwerkes inoffiziell ausgeschrieben und besetzt.

 


Weitere Informationen
(Stand: 05.05.2021)

Allgemeine Info
www.yachtarbeit.de

Ausbildungszentren
www.palmaseaschool.com
www.deepbluesea.training
www.sea-tech.com
www.edumaritime.net

Crew-Agenturen
www.elcrewco.com
www.crewnetwork.com
www.vanallencrew.com
www.globalcrewservices.com
www.crewandconcierge.com
www.invisiblecrew.com
www.acrew.com

 

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