Umweltmanager – Arbeiten in den Mühen der ökologischen Ebene

Von Hans-Martin Barthold | 14. April 2022

Innovatives Umweltmanagement: Fernwärmespeicher des Kraftwerkes Theiß zur Versorgung des Fernwärmenetzes im österreichischen Krems (Foto: Wikimedia/Ulrichulrich)

Sie haben eine klare Sicht auf das, was zu tun ist, um die Lebensqualität unserer Welt auch für die nachwachsenden Generationen zu bewahren. Die Rede ist von Umweltmanagern im betrieblichen Umweltschutz. Doch wissen sie auch, dass die Wahrheit viele Farben und keiner sie für sich allein gepachtet hat. Weswegen umweltpolitische Schaukämpfe ebenso wenig ihr Metier sind wie ideologiegetriebene Diskussionen mit der Geschäftsführung oder Projekte allein für die Galerie. Den Nachrichten sind sie deshalb auch nur selten eine Headline wert. Anders als die Beamten in den staatlichen Überwachungsinstitutionen besitzen sie keine hoheitlichen Befugnisse. Ihre Aufgabe ist es, die freiwillige Verpflichtung ihres Unternehmens umzusetzen, alle Prozesse innerhalb der eigenen Mauern so umweltverträglich wie irgend möglich zu gestalten. Dafür müssen sie die betriebliche Wirklichkeit mit ihren Freiräumen wie Begrenzungen akzeptieren. Fachliche Dünnbrettbohrer haben es schwer.

Als erstes sollten die Fachkräfte im betrieblichen Umweltschutz deshalb die Fähigkeit und Bereitschaft mitbringen, zwischen dem Erwünschten und dem aktuell Machbaren unterscheiden zu können. Was ihnen in aller Regel Kompromissbereitschaft gepaart mit einem langen Atem abverlangt. Schließlich wissen sie oder lernen es doch wenigstens schnell: Hysterie hat noch nie geholfen, Probleme zu lösen. Notwendig sind stattdessen ein kühler Kopf und ein hohes Maß an branchenspezifischer fachlicher Kompetenz. Die Rolle des Pausenclowns haben sie gleichwohl schon lange hinter sich gelassen. Wie ihnen das gelungen ist? Ganz einfach. Umweltschonendes Verhalten in allen unternehmensinternen Funktionsbereichen wächst sich mehr und mehr zu einem harten Wettbewerbsfaktor aus. So steigt die innerbetriebliche Akzeptanz für die Mitarbeiter aus dem Bereich des Umweltschutzes. Klaus Schmid, Leiter Umwelt- und Klimaschutz bei der Münchner MTU Aero Engines AG, freut das. „Auch wenn du nicht bei jedem Projektvorschlag sofort mit einem Blumenstrauß bedacht wirst“, wie er es humorvoll beschreibt. Tatsächlich ist Schmids fachliches wie persönliches Standing Ergebnis harter Arbeit.

Immer mehr Unternehmen implementieren Umweltmanagementsysteme

Klaus Schmid ist beim Münchner Triebwerksbauer MTU für das Umweltmanagementsystem verantwortlich (Foto: MTU)

In der Fertigung und Produktion als den Herzkammern jedes Unternehmens hat sich der Umweltschutz den Zielen kurzer Durchlaufzeiten, hoher Qualität und niedriger Kosten einzufügen. „Wenn du in einem solchen Umfeld als Umweltbeauftragter nach deiner Einschätzung gefragt wirst“, formuliert Schmid die kleinen Erfolgserlebnisse eines Umweltmanagers, „dann hast du offensichtlich wenig falsch und das Meiste richtig gemacht.“ Noch mehr gilt das, wenn Kollegen anderer Abteilungen aus freien Stücken ihm ihre Ideen zur Verbesserung der Umweltbilanz vorstellen. Aber manchmal ist es auch ein zähes Ringen und brauchen Umweltmanagementbeauftragte ein hohes Frustrationspotential. Doch was sind das für Männer und Frauen, die im betrieblichen Umweltmanagement arbeiten und über welche Qualifikationen müssen sie verfügen? Die Frage provoziert mehrere Antworten. Schließlich ist Umweltmanager nicht gleich Umweltmanager. Zu unterscheiden ist zwischen den Umweltmanagementbeauftragten (UMB), wie Klaus Schmid einer ist, den Umweltgutachtern und schließlich den Betriebsbeauftragten gemäß Immissionsschutz-, Wasserhaushalts- und Kreislaufwirtschaftsgesetz.

Das klingt ziemlich verwirrend. Und ist es auch. Noch gravierender sind die häufig schlecht, weil uneindeutig formulierten einzelnen Verordnungstexte. Die vielen einzelgesetzlichen Regelungen zum Umweltschutz ähnlich dem Sozialgesetzbuch in einem harmonisierten Umweltgesetz zusammenzuführen, scheiterte kläglich. 2009 stellte der damalige Umweltminister Sigmar Gabriel alle entsprechenden Bemühungen ein. Bis jetzt gibt es keinen neuen Anlauf, stattdessen weiter viele vereinzelte Gesetze und Verordnungen. Das ist bedauerlich, aber nicht zu ändern. Dennoch entschließen sich immer mehr Unternehmen, ein Umweltmanagementsystem (UMS) zu implementieren. Manche aus innerer Überzeugung, andere den Zwängen des Marktes folgend. Die Zulieferer der Automobilindustrie etwa können davon ein Lied mit vielen Strophen singen. Sie erhalten schon seit geraumer Zeit keine neuen Verträge mehr, wenn sie nicht ein Zertifikat über ein funktionierendes Umweltmanagementsystem vorlegen können.

Wichtige Voraussetzung: Kenntnis der betrieblichen Prozesse

Klaus Schmid hat den Entwicklungs- und Produktionsprozess auch dieses MTU-Turbinentriebwerks begleitet (Foto: Wikimedia/Matti Blume)

Für dessen Planung, Einführung, Kontrolle und gegebenenfalls Optimierung benötigen Unternehmen wie Institutionen oder öffentliche Verwaltungen entsprechend kompetente Fachkräfte, die die dazu erforderlichen Aktivitäten sinnvoll zu strukturieren vermögen. Gesetzlich ist für die Umweltmanagementbeauftragten keine bestimmte Qualifikation vorgeschrieben. Diese Entscheidung bleibt den Unternehmen vorbehalten. Klaus Schmid beispielsweise studierte Maschinenbau mit der Vertiefungsrichtung Umwelttechnik. Und hatte damit bei MTU Aero Engines, einem Triebwerksbauer, alle Trümpfe auf seiner Seite und erhielt den Job als Leiter des Umwelt- und Klimaschutzes. Als wichtigste Voraussetzung für die Funktion eines UMB erachtet Schmid das Verständnis, besser wohl: das Verstehen der Wertschöpfungsprozesse im Unternehmen. Immerhin müsse der UMB in dieser Prozesskette die relevanten Umweltrisiken erkennen und wissen, wo man wie eingreifen kann.

Schmid ist überzeugt, dass ein Leiter Umwelt- und Klimaschutz nicht unbedingt Ingenieur sein müsse. Freilich lässt er keinen Zweifel daran, dass seine Arbeitseinheit als Ganzes sehr wohl technischer Kompetenzen bedarf und seine Ingenieurqualifikation ihm die Arbeit durchaus erleichtert. Anders sieht es für die Umweltmanagementbeauftragten in kleinen und mittleren Betrieben aus. Im Gegensatz zu MTU in München mit über 5.000 Beschäftigten verfügen sie über keine solche üppige Infrastruktur wie Klaus Schmid und nehmen wie Robin Balte die Funktion oft sogar nur nebenamtlich wahr. Weshalb sie zwingend einer einschlägigen fachlichen Vorbildung bedürfen. Balte arbeitet beim regionalen Netzbetreiber LSW Netz GmbH und Co.KG in Wolfsburg als Referent für Energiekonzepte und ist darüber hinaus gleichzeitig als Umweltschutzbeauftragter berufen. Was Ingenieure aus ihrem Studium nicht mitbringen und deshalb nachzuholen haben, ist die Methodenkompetenz, also das Wissen, wie Managementsysteme funktionieren und wie man sie erfolgreich steuert.

Umweltrisiken lokalisieren und auflösen

Lisa Kauerauf arbeitet als Umweltmanagerin bei der envia Mitteldeutsche Energie AG in Chemnitz (Foto: envia)

Beides sehen die beiden Umweltmanagementbeauftragten des in Chemnitz ansässigen Energieversorgers enviaM, Lisa Kauerauf und Kerstin Fetsch, ganz ähnlich. Auch ihr beruflicher Hintergrund korrespondiert mit ihren Aufgaben. Kerstin Fetsch ist gelernte Kraftwerksingenieurin. Lisa Kauerauf ergänzte ihren Bachelor in Verkehrswirtschaft durch einen Master in Umweltplanung mit dem Schwerpunkt Energiewirtschaft. „Wir analysieren alle Unternehmensprozesse aus einer übergeordneten ganzheitlichen Sicht auf deren Umweltauswirkungen“, beschreibt Lisa Kauerauf ihre Tätigkeit. Die einschlägigen Ziele sind zuvor in engster Abstimmung mit der Geschäftsführung in der Umwelterklärung festgeschrieben. Die wird in regelmäßigen Abständen aktualisiert. Auch dafür ist Lisa Kauerauf zuständig. Wie alle Umweltmanagementbeauftragten arbeitet sie deswegen eng mit der Geschäftsführung zusammen.

Auch wenn die nicht den Weg für das Erreichen der betrieblichen Umweltziele vorgibt, so doch dessen Ziel. „Für die anschließende Lösung der festgestellten Probleme sind dann allerdings die Fachabteilungen zuständig.“ Mit Klaus Schmid teilt sie die Ansicht, dass sich die Umwelterklärung, die das Unternehmen zu erstellen und zu veröffentlichen hat, nicht allein auf die Prozesse, sondern auch auf die Produkte beziehen sollte. Denn beides sei vielfach miteinander verschränkt. Damit rückt ein anderer Punkt in den Vordergrund. „Gegenüber den Fachabteilungen besitzen wir in der Regel keinerlei Weisungsbefugnis“, formuliert den Robin Balte. Was zählt, sind gute Argumente. „Als Umweltmanager“, so Balte, „sind wir vor allem Koordinatoren, die von einer guten Zusammenarbeit mit Führungskräften profitieren und im regelmäßigen Austausch mit der Geschäftsführung stehen sollten.“ Auch Balte ist für seinen Job gut vorbereitet. An der Technischen Universität Braunschweig begann er ein Studium Umweltingenieurwesen, wechselte aber des größeren Anwendungsbezugs wegen bald an die benachbarte Fachhochschule Wolfenbüttel und dort in die Energietechnik.

Auch im betrieblichen Umweltschutz diktiert der Mehrwert

Hat schon einen langen Weg in der Energiewirtschaft hinter sich: Umweltmanagerin Kerstin Fetsch von der envia Mitteldeutsche Energie AG in Chemnitz (Foto: envia)

Ich frage die Kraftwerksingenieurin Kerstin Fetsch, welche Kompetenzen ein Umweltmanagementbeauftragter wie sie neben der fachlichen Qualifikation noch besitzen müsse. Sie überlegt nicht lange. „Ohne eine gute Kommunikationsfähigkeit wie -bereitschaft geht in unserer Funktion nichts“, sagt sie. „Aber gleichzeitig müssen wir uns, wenn es darauf ankommt, auch durchzusetzen wissen.“ Darüber hinaus brauche man eine gewisse Prognosekompetenz. Denn mit Blick auf bevorstehende Investitionen gehe es ganz wesentlich auch darum, frühzeitig zu erkennen, ob und gegebenenfalls wann und wie der Gesetzgeber die umweltrechtlichen Rahmenbedingungen verändere. „Darüber hinaus sollten wir auch gute Organisatoren und Moderatoren sein“ ergänzt Lisa Kauerauf ihre Kollegin. „Immerhin sind wir als Umweltmanagementbeauftragte nur dann erfolgreich, wenn es uns gelingt, Menschen mit unterschiedlichen Meinungen zusammenzuführen und viele verschiedene Prozesse aufeinander abzustimmen.“

Tatsächlich ist Umweltschutz aus unternehmerischer Perspektive kein Selbstzweck. Darin sind sich alle meine Gesprächspartner einig. „Man erwartet von dem, was wir tun, selbstverständlich einen Mehrwert“, gibt Klaus Schmid freimütig zu. Und ist überzeugt, dass das dem betrieblichen Umweltschutz helfe und nicht schade. Immerhin zwinge es die Umweltmanagementbeauftragten zur Entwicklung anwendungsfähiger Lösungen. Er nennt dafür ein Beispiel. Infolge der beständig steigenden Treibstoffkosten suchen die Airlines nach verbrauchsgünstigen Flugzeugen. „Darauf müssen die Flugzeugbauer und ihre Zulieferer wie wir eine Antwort finden.“ Sein Unternehmen habe für das Modell A320 neo inzwischen Triebwerke entwickelt, die einen um 16 Prozent geringeren Treibstoffverbrauch und CO2-Ausstoß hätten als die der vorherigen Triebwerksgeneration. Andere Meilensteine anderer Branchen sind wasserlösliche Lacke, CO2-freie Kühlmittel oder geschlossene Stoffkreisläufe.

Fachliche Kompetenz, Persönlichkeit, Integrations- und Kompromissfähigkeit

Die enviaM AG baut das Geschäft mit E-Ladesäulen aus (Foto: enviaM AG)

Worin der Erfolg eines Umweltmanagementbeauftragten besteht, frage ich meine Gesprächspartner. Stellvertretend für alle formuliert es Robin Balte. „Wir müssen ein Netzwerk im Unternehmen aufbauen, um bei umweltschutzrelevanten Informations- und Entscheidungsprozessen einbezogen zu werden.“ Wichtig dafür, fügt Kerstin Fetsch hinzu, sei freilich mit Blick auf eine Modernisierung der jetzigen Anlagen auch die Kenntnis über den Stand der Entwicklung neuester Umwelttechnik. Ein Letztes, auf das die Cottbusserin hinweist. Es ist das hohe Maß an rechtlicher Verantwortung, das nicht nur aber eben auch auf den Schultern der Umweltmanagementbeauftragten liegt. „Wir müssen bei allem Umweltbezug darauf achten“, erklärt sie, „dass die umweltorientierte Neuorganisation unserer Prozessketten kein Organisationsverschulden provoziert.“ Denn dafür haftet der Vorstand, der das allerdings an denjenigen weitergeben kann, der das Organisationsverschulden verursacht hat. Und das kann teuer werden.

All das zeigt, dass der Job eines Umweltmanagementbeauftragten nur in den seltensten Fällen einer für Berufsanfänger ist. Denn er verlangt Führungs- und Integrationsfähigkeit ebenso wie ein gerüttelt Maß an Berufs- und Lebenserfahrung. Er verlangt Persönlichkeit, die auf Menschen zugehen und sie begeistern kann. „Wer meint, den Holzhammer auspacken zu müssen“, ist Klaus Schmid überzeugt, „sollte sich nach einer neuen Stelle umsehen. Denn der Holzhammer ist Ausdruck seines Scheiterns.“ Das umso mehr als die Funktion des Umweltmanagementbeauftragten wie bei Lisa Kauerauf häufig mit der Übernahme von Aufgaben im Betriebssicherheits- oder wie bei Klaus Schmid im Arbeitsschutzmanagement verbunden werden. Ist die Tätigkeit im Umweltmanagement ein Karrieresprungbrett? Wohl eher selten. „Was wir machen“, begründet es Klaus Schmid, „sind Softaufgaben.“

Öffentliche Verwaltungen noch am Anfang

Klasisches Umweltmanagement im Klärwerk der Stadtentwässerung Kiel (Foto: Wikimedia/Louis-F. Stahl)

Das Bild des Umweltschutzmanagements und der Umweltmanagementbeauftragten in der öffentlichen Verwaltung, wo sie vielfach auch als Klimamanager bezeichnet werden, ist uneinheitlich. Der politische Druck veranlasst immer mehr Kommunal- und Länderverwaltungen, Stellen für entsprechende Fachkräfte auszuschreiben. Die Trennlinien zwischen betrieblichem beziehungsweise institutionellem und allgemeinem Umweltschutz sind dabei allerdings oft fließend. Bislang machten es viele Kommunen so wie die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover, bei der es, wie sie auf unsere Nachfrage mitteilt, „die Funktion Umweltmanager explizit nicht gibt.“ Weiter teilt man uns mit: „Zur Erarbeitung des Masterplans Klimaneutral 2050 hatten wir über Bundesförderungsmittel eine zeitlich befristete Klimaschutzmanagerin finanziert bekommen. Die eingestellte Person war Architektin.“ Im städtischen Bereich Umweltschutz gäbe es allerdings diverse Themen und eine große Bandbreite von Fachdisziplinen. Die reiche vom Architekten über den Landschaftswissenschaftler bis zum Umweltingenieur.

Freilich betont die Stadtverwaltung: „Die Qualifizierung bezüglich Organisation/Projektsteuerung/Projektmanagement ist dann als Zusatzqualifikation zu sehen, nicht umgekehrt.“ Die Anstellung eines Umweltmanagementbeauftragten steht im Belieben der Unternehmen. Die auch frei sind, seine Aufgaben und Zuständigkeiten festzulegen. Nicht so bei der Anstellung der sogenannten Betriebsbeauftragten. Je nach Art, Größe und Umweltrelevanz der im Unternehmen betriebenen Anlagen sind sie gesetzlich zur Anstellung solcher Betriebsbeauftragten verpflichtet und müssen deren Bestellung bei der zuständigen Behörde anzeigen. Zwar werden auch hier keine konkreten beruflichen Voraussetzungen definiert. Doch müssen die Betriebsbeauftragten gesetzlich festgelegte Anforderungen hinsichtlich der Fachkunde und ihrer persönlichen Zuverlässigkeit erfüllen. Die Betriebsbeauftragten sind nach den gesetzlichen Vorschriften verantwortlich für die Einhaltung und Überwachung der umweltgesetzlichen Vorschriften nach dem Bundesimmissionsschutz-, Wasserhaushalts- und Kreislaufwirtschaftsgesetz. Die Unternehmen können mit der Wahrnehmung dieser Aufgaben auch externe Fachkräfte betrauen.

Betriebsbeauftragte sind gesetzlich vorgeschrieben

Einsatz eines umweltschonenden Kabelpflugs (Foto: enviaM AG)

Darüber hinaus haben die Betriebsbeauftragten die Geschäftsführung in allen einschlägigen Angelegenheiten zu beraten und schließlich auf die Entwicklung umweltfreundlicher Verfahren hinzuwirken. Im Gegensatz zu den Umweltmanagementbeauftragten unterliegen die Betriebsbeauftragten einem besonderen Kündigungsschutz. In der Regel arbeiten die UMB mit Blick auf die umfangreiche fachliche Expertise der Betriebsbeauftragten eng mit diesen zusammen. Mehr noch sind sie ein wichtiger Baustein in allen Umweltmanagementsystemen. Sowohl deren Implementierung als auch die Einstellung von Umweltmanagementbeauftragten zahlt sich freilich erst aus, wenn man sich dies durch das Zertifikat eines unabhängigen und neutralen Umweltgutachters bestätigen lässt. Ralf Utermöhlen, promovierter Chemiker und Geschäftsführender Gesellschafter der Braunschweiger Umweltgutachterorganisation & Beratungsgesellschaft Agimus GmbH, ist so einer.

Wie alle Umweltgutachter hat auch Ralf Utermöhlen einen langen Ausbildungsweg hinter sich. Den schreibt das Umweltauditgesetz (UAG) detailliert vor. Umweltgutachter müssen drei Bedingungen erfüllen. Sie müssen zuverlässig und gegenüber dem Unternehmen, welches sie zertifizieren, wirtschaftlich unabhängig sein. Als Drittes und Wichtigstes müssen sie über ein erfolgreich abgeschlossenes Hochschulstudium in den Fachrichtungen Wirtschafts- oder Verwaltungswissenschaften, in einer Naturwissenschaft, einer Ingenieurdisziplin, den Bio-, Agrar-, Forst- oder Geowissenschaften, der Medizin oder des Rechts verfügen. Vom Erfordernis eines Hochschulstudiums kann abgesehen werden, wenn eine Fachschulausbildung abgeschlossen wurde, die Meisterqualifikation vorliegt oder der Nachweis über eine fünfjährige Tätigkeit in leitender Stellung beziehungsweise als Selbständiger geführt werden kann.

Umweltgutachter haben einen langen Ausbildungsweg

Auch beim Bau und Betrieb alternativer Energieanlagen ist Umweltmanagement vonnöten – Hier: Das Fundament einer Windenergieanlage bei Schonungen (Foto: Wikimedia/Störfix)

Darüber hinaus haben alle Bewerber in einer Prüfung, die beim ersten Anlauf kaum mehr als jeder Zweite besteht, die erforderliche Fachkunde nachzuweisen. Die Prüfung erstreckt sich neben dem allgemeinen Umweltrecht auf die Methodik der Umweltbetriebsprüfung, die Begutachtung von Umweltmanagement und –informationen sowie zulassunsgbereichsspezifische Angelegenheiten des Umweltschutzes. Übersetzt für den Normalbürger heißt Letzteres, Umweltgutachter werden stets nur für eine oder mehrere Branchen bestellt. All das reicht aber immer noch nicht. Vor der endgültigen Zulassung steht noch eine mindestens dreijährige eigenverantwortliche hauptberufliche Tätigkeit, in der praktische Kenntnisse über den betrieblichen Umweltschutz zu erwerben sind. Alle zwei Jahre überprüft die zuständige staatliche Organisation, ob die Voraussetzungen für die Zulassung weiterhin vorliegen.

Alle sechs Jahre müssen sich Umweltgutachter darüber hinaus einer praktischen Überprüfung im Rahmen einer echten Zertifizierung unterziehen. Und natürlich unterliegen sie der Verpflichtung zur ständigen Fortbildung. Wer bis hierher gelesen hat, den wird es nicht überraschen, dass Umweltgutachter auf dem Arbeitsmarkt Mangelware sind. Die Unternehmen spüren das schon lange. Ralf Utermöhlens Agimus GmbH hat auf die nächsten freien Termine für Zertifizierungen häufig eine Wartezeit von mehr als neun Monaten. Außer drei zugelassenen Umweltgutachtern beschäftigt Utermöhlen noch mehrere Inhaber von sogenannten Fachkenntnisbescheinigungen. Diese Fachkräfte dürfen eine gutachterliche Tätigkeit nur im Rahmen eines Angestelltenverhältnisses und unter Aufsicht eines Umweltgutachters wahrnehmen. Für die meisten ist es eine Gelegenheit, die für die Gutachterzulassung geforderte dreijährige Berufspraxis zu erwerben.

Prüfen, aber nicht beraten

Ralf Utermöhlen ist Geschäftsführender Gesellschafter der AGIMUS GmbH (Foto: AGIMUS)

Ralf Utermöhlen und seine Partner zertifizieren je nach Kundenwunsch entsprechend der beiden wichtigsten Umweltmanagementsysteme. Das ist die deutsche DIN ISO 14001 und das europäische Eco-Management and Audit Scheme (EMAS). Beide Managementsysteme streben einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess an und beziehen die Belegschaften mittels entsprechender Weiterbildungsaktivitäten mit ein. Während sich die DIN ISO 14001 aber im Wesentlichen auf den reinen Umweltschutz beschränkt, stellt EMAS darüber hinaus auch auf die Verbesserung der Öko-Effizienz ab. „EMAS fasst die Umweltziele weiter“, erklärt Ralf Utermöhlen, „und hat zum Ziel, durch die Reduzierung überflüssiger Stoffströme die ökonomische und ökologische Leistungsbilanz zu steigern.“ Die entsprechenden Anforderungen werden im Managementhandbuch, verschiedenen Anweisungen und Prozessbeschreibungen niedergelegt. Die sind die Arbeitsgrundlage für Ralf Utermöhlens Tätigkeit.

„Die Arbeit von uns Umweltgutachtern ist eine rechtlich normative“, beschreibt der Braunschweiger Utermöhlen das, was er tut. Was nichts anderes heißt, als dass er bei jeder Zertifzierung und Rezertifizierung entsprechend der DIN ISO 14001 sowie bei jeder Validierung und Revalidierung entsprechend EMAS die rechtskonforme Übereinstimmung von Zielvorgabe und Ist-Zustand zu überprüfen hat. Stellt er Friktionen fest, muss er die in seinem Prüfbericht benennen. Allerdings darf er die Unternehmen nicht beraten, wie die Fehler- beziehungsweise Schwachstellen beseitigt werden können. „Meine Aufgabe ist es, die Diagnose zu stellen“, formuliert er seine Position. „Die Verschreibung der Medizin aber obliegt anderen.“ Die Hälfte seiner Arbeitszeit entfällt mit der Erstellung des Auditplanes und der Niederschrift seines Prüfberichts auf das Büro. Die andere Hälfte ist er für Interviews und die Inaugenscheinnahme der betrieblichen Situation vor Ort. Genau das genießt er. „Ich sehe vieles Interessante, was andere nie zu Gesicht bekommen.“

 


Daten, Fakten & Links
(Stand:01.04.2022)

Über die Zahl der berufstätigen als auch arbeitslosen Umweltmanagementbeauftragten, Betriebsbeauftragten und Umweltgutachter sowie deren Geschlechterquote und deren Altersstruktur liegen keine Daten vor.

Einkommen: abhängig von Ausbildung, Branche, Größe des Unternehmens, Region und Berufserfahrung im Durchschnitt zwischen 2.500 Euro und 6.000 Euro brutto. Über die Einkommenssituation Selbständiger liegen keine Angaben vor.
Weiterführende Informationen:
Umweltmanagementbeauftragter: https://umweltmanagement.me/umb_umweltmanagementbeauftragter/aufgaben_umweltmanagementbeauftragter/
Umweltgutachter: https://de.wikipedia.org/wiki/Umweltgutachter
Betriebsbeauftragter: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/betriebsbeauftragte-52294

 

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