Studienabbruch – Den Phönix aus der Asche geben

Von Hans-Martin Barthold | 15. Mai 2016

Wenn das Studium zur Sackgasse wird und der Abbruch droht (Foto:

Wenn das Studium zur Sackgasse wird und der Abbruch droht (Foto: Wikipedia)

Es verursacht nicht nur hohe volkswirtschaftliche Kosten. Nein, es ist auch ein Problem mit weitreichenden persönlichen Folgen. Gemeint ist das Phänomen tausendfacher Studienabbrüche. An den Universitäten wechselt etwa jeder dritte Studienanfänger meist schon in den ersten zwei Semestern das Studienfach und/oder die Hochschule, um einen Neustart zu versuchen. Andere verlassen die Alma Mater früher oder später, gar nicht selten nach einem solchen wiederum erfolglosen zweiten Anlauf, ganz ohne irgendeinen berufsqualifizierenden Abschluss. An den Fachhochschulen soll es jeden Vierten betreffen. Anders als die Bildungspolitik der Öffentlichkeit weis machen wollte, hat die Umstellung auf die Bachelor-/Masterstruktur daran wenig geändert. Im Gegenteil, die Dropout-Quoten kennen nur eine Richtung. Und die zeigt steil nach oben. Tatsächlich geht die Schere zwischen Studienanfängern und Absolventen beständig weiter auf.

Eine jüngste Befragung der Universität Maastricht und des Bundesinstituts für berufliche Bildung (BIBB) bestätigt diese Situation. Von den 12.000 kontaktierten Studenten ist nicht weniger als jeder Dritte mit seinem Studium unzufrieden. Mehr noch, von diesen unzufriedenen Studierenden könnte sich wiederum ein gutes Drittel eine betriebliche Ausbildung als Alternative vorstellen und die Hochschulen für immer verlassen. Rechnet man diese Zahlen hoch, sind rund 300.000 Studenten massiv von einem Studienabbruch bedroht. Für die Bildungspolitik ist das mindestens eine gelb-rote Karte, hat sie doch für viele junge und hoffnungsfrohe Menschen die Weichen falsch gestellt. Mit dem Programm „JOBSTARTER plus“ versucht das Bundesbildungsministerium zwar Wiedergutmachung, indem es Studienabbrecher durch die Anerkennung von Studienleistungen für die betriebliche Ausbildung eine Verkürzung der Ausbildungszeit ermöglicht. Freilich ist das Ganze kaum mehr als ein Tropfen auf den berüchtigten heißen Stein.

Über die Gründe von Studienabbrüchen wird viel spekuliert, bewiesen ist bisher freilich wenig. Das beginnt bereits bei den statistischen Grundlagen. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) Hannover bestätigt das. Es sei davon auszugehen, dass es sich bei einem erheblichen Teil der Angaben zu den Schwundquoten von Studierenden lediglich um Schätzungen der Hochschulen handele, heißt es in der im letzten Jahr veröffentlichten Untersuchung. Deshalb taugen die vorliegenden Zahlen kaum mehr als zum Aufzeigen von Tendenzen. Aber auch die sind eindeutig. Und werden indirekt durch die Angaben des Statistischen Bundesamtes zu den Studienanfängern gestützt. Ein stetig zunehmender Teil der Studienanfänger befindet sich nämlich bereits im zweiten, dritten oder sogar in einem noch weiter fortgeschrittenen Hochschulsemester, war also vorher in einem anderen Studienfach eingeschrieben, ohne es abgeschlossen zu haben.

Wer ist von der Gefahr eines Studienabbruchs besonders bedroht und wie können sich Studienanfänger davor schützen? Wir haben drei Experten um Auskunft gebeten. Rainer Hoppe ist als Studien- und Berufsberater immer öfter als Nothelfer gefordert. Professor Marold Wosnitza von der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule Aachen forscht seit Jahren zum Thema. Philipp Nolden, ebenfalls von der RWTH Aachen, schreibt aktuell seine Doktorarbeit darüber. Aber lesen Sie selbst. (bart)

 


Weiterführende Informationen

Ergebnisse der Studierendenbefragung zur Attraktivität der beruflichen Bildung (StAB): https://www.bibb.de/de/37652.php

DZHW-Studie „Studienbereichsspezifische Qualitätssicherung im Bachelorstudium. Befragung der Fakultäts- und Fachbereichsleitungen zum Thema Studienerfolg und Studienabbruch“:   http://www.dzhw.eu/pdf/pub_fh/fh-201503.pdf

Exmatrikulierten-Befragung der Universität Konstanz 2010 – 2014: http://www.aktuelles.uni-konstanz.de/presseinformationen/2015/71/

Ausgewählte Ergebnisse der Studierendenbefragung der Justus-Liebig-Universität Gießen 2014 : http://www.uni-giessen.de/org/admin/stab/stl/servicestelle/datenportal/datencontainer/oeffentlichrechte/Studierendenbefragung/2014/dateien_oeffentl/stb14bericht

„JOBSTARTER plus“: http://www.jobstarter.de/de/studienabbrecherinnen-und-abbrecher-1923.php

“Studienabbruch – und dann?”: http://www.studienabbruch-und-dann.de/de/fragen-und-antworten-60.html

 

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