Private Hochschulen – Ohne Moos nichts los

Von Rainer Hoppe und Hans-Martin Barthold | 15. August 2015

Universität Witten/Herdecke: Hier ist nicht nur die Architektur weltoffen und modern (Foto: Universität Witten/Herdecke)

Universität Witten/Herdecke: Hier ist nicht nur die Architektur weltoffen und modern (Foto: Universität Witten/Herdecke)

Die Zahl der Studierenden in Deutschland wächst und wächst, mit ihr die Zahl der Hochschulen. Während die Steigerung bei den staatlichen Universitäten und Fachhochschulen eher gering ausfällt, verzeichnen die Privaten einen regelrechten Gründungsboom. Von über 450 Hochschulen in Deutschland sind schon jetzt 120 kommerziell privatwirtschaftlich organisiert, die meisten davon Fachhochschulen, von denen sich wiederum eine ganze Reihe auf Fernstudiengänge spezialisiert haben. Weitere 40 befinden sich in konfessioneller Trägerschaft. Doch lange nicht jede private Hochschulgründung ist ein Erfolgsmodell. Die jüngste Pleite steht nach Spiegel-online in Neuss bevor, wo der privaten Fachhochschule die Insolvenz drohen soll. Was für die dortigen Studenten die Garantie wert ist, ihr Studium auch in einem solchen Fall beenden zu können, wird sich zeigen. Als im März 2014 die private FH Kunst Arnstadt überraschend ihre Pforten von einem Tag auf den anderen schloss, standen 104 Studierende vor dem Nichts. Als einzige Ausweichmöglichkeit wurde ihnen die Fortsetzung  des Studiums im 400 km entfernten Ottersberg nahe Bremen angeboten. Wohnungssuche, höhere Mieten, Umzug – selbstverständlich auf eigene Kosten.

Gleichwohl wäre es unzulässig, alle privaten Hochschulen über einen Kamm zu scheren. Immerhin gibt es zahlreiche gelungene Gründungen zum Nutzen von Wissenschaft,  örtlicher Wirtschaft und/oder Absolventen. Es gibt darüber hinaus Paradiesvögel, die etwas bieten, das nur sie zu bieten haben. Freilich gibt es auch Trittbrettfahrer, die sich angesichts knapper Angebote wie rigider Zulassungsbeschränkungen an den staatlichen Hochschulen die Verzweiflung dort abgelehnter Bewerber zu Nutze machen und schnelles Geld wittern. Hervorragend bewährt haben sich private Angebote vor allem dort, wo private Unternehmen und private Studienanbieter gemeinsam duale Studiengänge entwickelten. Dass diese Konzeption gleichwohl nicht ausschließlich privat organisiert sein muss, beweist die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) mit ihren über das ganze Ländle verstreuten Standorten. Und auch viele staatliche Fachhochschulen setzen auf dieses Modell. Immerhin sichert es der regionalen Wirtschaft gut qualifizierte Fachkräfte. Ein wichtiger Grund für die Unternehmen, sich personell und finanziell zu engagieren.

Finanzierungen oft auf Kante genäht

Fachhochschule Arnstadt-Balingen: Sie lehrte nur drei Sommer lang (Foto:

Fachhochschule Arnstadt-Balingen: Sie lehrte nur drei Sommer lang (Foto: Wikipedia/Giorno2)

Während staatliche Hochschulen außer den Drittmitteln, die sie für Forschungsprojekte einspielen, von den Bundesländern unterhalten werden, obschon allerorten mehr schlecht als recht, tragen private Hochschulen für ihren Haushalt die alleinige Verantwortung.  Studiengebühren sind ihre wichtigste Einnahmequelle. Aber sie reichen oft nur für eine Existenz von der Hand in den Mund. Langfristige Planungen, gar teure Forschung sind in den meisten Fällen nicht möglich, die staatlichen Startguthaben, die in der einen oder anderen Form gewährt werden, bald aufgezehrt. Und auch die Hoffnungen auf großzügige Spenden aus der Wirtschaft erfüllen sich nur selten. Allein Hochschulen mit einer millionenschweren Stiftung im Rücken, so wie etwa die Hamburger Bucerius Law School oder die Otto-Beisheim School of Management in Vallendar, müssen sich um ihren Bestand keine Sorgen machen. In Hamburg decken die Erträge aus dem Stiftungsvermögen nicht weniger als 51 Prozent des jährlichen Haushalts. Dennoch ist sie angesichts von 1.000 Euro Studiengebühren pro Monat keine Hochschule für jedermann. Die Beisheim School verlangt mit 950 Euro nur unwesentlich weniger.

Von so viel Unbeschwertheit wie in Hamburg und Vallendar können viele andere private Hochschulen nur träumen. Über Jahre tobte in Internetforen ein erbitterter Kampf darum, welche Hochschule denn besser, elitärer, zukunftsversprechender sei: Die Beisheim School in Vallendar oder die European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel, inzwischen mit einem zweiten Standort und einer Law School in Wiesbaden. Der Kampf scheint entschieden. Trotz mehr als 1.000 Euro monatlicher Studiengebühren und einer großzügigen Anschubfinanzierung der hessischen Landesregierung für die Wiesbadener Law School pfeift die EBS finanziell inzwischen aus dem letzten Loch. Unregelmäßigkeiten, in die sogar der mittlerweile abgelöste Hochschulpräsident mit dem Vorwurf der Untreue verwickelt ist, stellen die Hochschule in ein grelles Zwielicht. Wie viele Bewerber noch immer meinen, sich mit dem Zertifikat einer solchen Hochschule Vorteile bei der Stellensuche verschaffen zu können, wird am Ende das Schicksal der EBS maßgeblich entscheiden.

Elitenauslese mit Steuergeldern

Jacobs University Bremen: Mit vielen Vorschusslorbeeren gestartet, inzwischen in den Mühen der Ebene angekommen (Foto:

Jacobs University Bremen: Mit vielen Vorschusslorbeeren gestartet, inzwischen in den Mühen der Ebene angekommen (Foto: Internationa University Bremen/Harald Rehling)

Auch wenn Häme nicht angebracht ist, darf man doch gespannt sein, wie lange es die EBS noch gibt und in welcher Form. Unter solch unglücklichen Umständen können schließlich auch die Studierenden ihren Champagner gar nicht mehr so ausgelassen genießen, wie das in besten Zeiten der Fall war! Überhaupt hört man gelegentlich von unzufriedenen Studierenden, die ihr Studium an den privaten Hochschulen abbrechen, weil sie sich dort in einer Welt wiederfinden, die nicht die ihre ist, weil das Cabrio nicht mehr im Trend liegt oder der Aktenkoffer nicht mehr der aktuellen Mode entspricht. Studiengebühren sorgen nun einmal für eine soziale Auslese. Wer sich aber anpassen kann und wessen Eltern es vor allem auch bezahlen wollen, der findet vielerorts nicht nur gute Studienbedingungen, sondern erwirbt auch einen Bonus bei der Arbeitsstellensuche. Allerdings gilt ebenfalls, private Hochschulen, die in den Rankings gut abschneiden natürlich besonders, sind nicht an jedem Bewerber interessiert, sondern haben ganz spezielle Ansprüche.

Noch ein letztes Beispiel, wie eng Licht und Schatten in den privaten Hochschulen beieinander liegen. Die private Jacobs University Bremen wurde als eine der besten deutschen Universitäten überhaupt gefeiert. Modern sei sie, innovativ, biete Spitzenforschung, dazu beste Studienbedingungen. Aber auch ihre Existenz steht auf des berühmten Messers Schneide. Die allen Privatinitiativen sonst geneigte Wochenzeitschrift DIE ZEIT titelte im Februar letzten Jahres: „Jacobs University Bremen kämpft ums Überleben“. Während der Senat der klammen Hansestadt der eigenen Universität und der eigenen Fachhochschule die finanziellen Daumenschrauben immer enger anzieht, greift sie der Jacobs University bis auf weiteres großzügig unter die Arme. Über 100 Millionen Euro sollen es mittlerweile sein. Wie lange sie das politisch durchhält, wird spannend zu beobachten sein. Arbeiterkindern und ihren Eltern zu erklären, weshalb sie in heruntergekommenen Hörsälen studieren müssen, die Jacobs University die Finanzspritzen des Landes aber etwa auch dazu nutzt, ihren Präsidenten Heinz-Otto Peitgen nach nur einem Jahr mit einem goldenen Handschlag von 800.000 Euro wieder zu verabschieden, wird kein leichtes Unterfangen. Der Unmut der Steuerzahler in Bremen wächst jedenfalls, wie die letzte Landtagswahl zeigt.

Lücken zwischen Anspruch und Wirklichkeit

International School of Management – Campus Dortmund (Foto:

International School of Management – Campus Dortmund (Foto: Wikipedia/Tbachner)

Vor diesen finanziellen Abgründen verwundert es nicht, dass private Hochschulen nur selten das Risiko teurer natur- und ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge eingehen und stattdessen lieber auf kostengünstige wirtschaftswissenschaftliche (Buch)Studiengänge setzen. Einzige Ausnahme ist die Medizin. Da gibt es genügend Interessenten, die über Geld nicht sprechen müssen, weil sie genügend Schotter zur Verfügung haben. Unsere Analyse stellt die privaten Hochschulen deshalb auch nicht in einen Vergleich mit den staatlichen Universitäten oder Fachhochschulen. Wir wollen die privaten Hochschulen lediglich an ihren eigenen Ansprüchen messen. Und da klafft so manche Lücke. Die Blamage, dass sich gerade die Business Schools im Umgang mit Geld sehr amateurhaft zeigen, ist eine der peinlichsten. Die Leipzig Graduate School of Management – Eigenwerbung: „Deutschlands erste Adresse für Management-Ausbildung“ – ist dafür bestes, wenn auch nicht einziges Beispiel. Nach der Wiedervereinigung mit einem zinslosen Darlehen des Landes Sachsen in Höhe von nicht weniger als 25 Mio. DM angeschoben, dazu mietkostenfrei in landeseigenen Immobilien untergebracht, musste sogar um Stundung der Darlehensrückzahlungen bitten. Da reicht es für die Absolventen wahrscheinlich nur noch für eine Karriere in der Finanzwirtschaft.

Ein Blick auf die Paradiesvögel zeigt, auch hier tobt der Kampf ums Geld. Viele Hochschulen dieser Couleur zielen auf Interessenten mit bestimmten Weltanschauungen oder Lebenseinstellungen. Da offeriert die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter beispielsweise einen anthroposophischen Studiengang „Eurythmie“, Eigenwerbung: „Mit der Zeit gehen – gegen den Strom schwimmen“. Auch die seit langen Jahren bekannte Private Universität Witten/Herdecke, seit 1982 staatlich anerkannt, gehört in diese Gruppe. Sie präsentiert sich mit allseits anerkannt leistungsfähigen Studienangeboten in Human- und Zahnmedizin sowie in den Wirtschaftswissenschaften. Dennoch schwebt die Universität seit ihrer Gründung zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Mal bewundert wegen ihres Menschenbildes, der Patienten- und Studierendenorientierung, mal so knapp bei Kasse, dass die Menschen im Ruhrtal jedes Mal eine unangekündigte Sonnenfinsternis vermuteten. Dabei waren es nur die Pleitegeier, die es über der Witten/Herdecker Uni dunkel werden ließen.

Kosten-Nutzen orientiertes Geschäftsmodell

Bucerius Law School Hamburg: Ein umfangreiches Stiftungsvermögen ermöglicht nobles Ambiente mitten in Hamburg (Foto:

Bucerius Law School Hamburg: Ein umfangreiches Stiftungsvermögen ermöglicht nobles Ambiente mitten in Hamburg (Foto: Wikipedia/Karschti)

Konrad Schily, ihr ehemaliger Präsident, bearbeitete jede nordrhein-westfälische Landesregierung unabhängig von ihrer Parteifarbe, und er sah deren einige kommen und gehen, ohne Gnade. So lange, bis sie mürbe wurde und der Finanzminister den nächsten Überlebenscheck unterschrieb. Nichtsdestotrotz müssen die Eltern der Studierenden mittlerweile jeden Monat auch hier tief in die Tasche greifen. Die Studiengebühren für Sofortzahler belaufen sich auf monatlich 802 Euro, spätere Zahlungen allerdings im Rahmen eines intelligenten umgekehrten Generationenvertrags möglich. Zu diesen, einer bestimmten Weltanschauungen verpflichteten Hochschulen gehören sicherlich auch die kirchlichen Hochschulen aller Konfessionen. Diesen Hochschulen wird oft unterstellt, dass sie nur einschlägige religiös oder sozial ausgerichtete Studienangebote bieten. Doch sie können auch mehr. Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, gegründet 1980, bietet ihren über 5.000 Studierenden neben Studiengängen in Katholischer Theologie und Philosophie auch Fächer wie Geographie, Journalistik, Politikwissenschaften, Soziologie und Wirtschaftswissenschaften.

Gemeinsam ist allen privaten Hochschulen ein stringent Kosten-Nutzen-orientiertes Geschäftsmodell. Die meisten Angebote finden sich vorrangig dort, wo das Interesse und die Nachfrage der Studierwilligen hoch, die Angebote staatlicher Hochschulen indessen knapp und die Studiengänge zulassungsbeschränkt sind. In einem solchen Umfeld, die privaten Hochschulen würden wohl von Markt sprechen, lassen sich schließlich auch unmoralisch hohe Studiengebühren durchsetzen – bis zu 1.600 Euro jeden Monat! So verfügt das Land Berlin momentan über 42 Hochschulen. Nur 12 davon sind staatlich, 27 aber in kommerzieller Trägerschaft, drei sind kirchlich. Auch Hamburg zählt mehr private als staatliche Hochschulen. Da wirkt das von privaten Bildungsanbietern noch freie Münster geradezu unterentwickelt. Anders als man vermuten möchte, steht die Dichte privater Hochschulen in keiner erklärbaren Relation zur politischen Einfärbung der jeweiligen Landesregierungen. Das Bild ist vielmehr ambivalent. Die meisten privaten Hochschulen, darunter viele Neugründungen, finden sich in Nordrhein-Westfalen und Berlin, dicht gefolgt von Baden-Württemberg und Hessen. Die rote Laterne hält Mecklenburg-Vorpommern, auf den Plätzen davor das Saarland, Brandenburg, Sachsen Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen.

Markt wird unterschiedlich definiert

Private Fachhochschule im Deutschen Roten Kreuz Göttingen: Konzeption ging nicht auf (Foto:

Private Fachhochschule im Deutschen Roten Kreuz Göttingen: Konzeption ging nicht auf (Foto: Wikipedia/Tjö)

Was sagt uns das? Richtig, die Betreiber privater Hochschulen zieht es unwiderstehlich in die zahlungskräftigen, mehr noch zahlungsbereiten Bundesländer. Die armen Regionen sind da eher uninteressant. Es sei denn, man heißt Berlin. Solange man sexy ist, wird Armut toleriert. Umso mehr, wenn der Bürgermeister, wie weiland Klaus Wowereit, trotzdem die Spendierhosen anhat. Es geht um mögliche Immobilien, eine bereits nutzbare Hochschulinfrastruktur und natürlich Bares. Selbst Landkreise und Kommunen bieten in diesem Wettbewerb inzwischen mit und gehen oft genug unkalkulierbare Risiken ein. Bei üppigen Angeboten in cash, sprich: Subventionen, pfeifen die Betreiber dann auch schon mal auf die eine oder andere Infrastruktureinheit. So bietet die SRH Hochschule Calw beispielsweise einen Studiengang Medien- und Kommunikationsmanagement an, ein „zukunftsorientierter Studiengang“, wie es heißt, der „eine Karriere im Medienumfeld und Bereichen der Kommunikation“ verspricht. Zwar kennt man Calw als die Geburtsstadt Hermann Hesses, aber als Medienzentrum ist es bislang nicht in Erscheinung getreten. Und die Medien-Hot Spots Hamburg, München oder Köln liegen nicht gerade in der Nachbarschaft.

Die Liste solcher Beispiele ließe sich beliebig fortsetzen. Da ist die Fachhochschule des Mittelstandes Bielefeld (FHM) mit einem Studiengang Sportjournalismus & Sportmarketing. Zwar hat der heimische Fußballklub Arminia in der abgelaufenen Saison einen tollen Lauf gehabt, doch war das eben nur in der 3. Liga. Und auch das Internationale Tennisturnier im nahe gelegenen Halle präsentiert sich mit der Zugehörigkeit zur ATP World Tour 500 lediglich zweitklassig. Wie bei den meisten anderen privaten Hochschulen sind freilich auch die Webseiten der FHM edel und ein wirklicher Blickfang. Sie lassen kaum Fragen offen. Bis auf die zu den Studiengebühren. Danach muss man lange suchen. Warum wohl? Auffällig ist darüber hinaus, wie häufig diese Hochschulen mit Angaben ähnlich „Ohne Numerus clausus!“ oder auch mit „Aufnahme ohne Aufnahmeprüfungen!“ werben. Und selbst wenn Aufnahmeprüfungen vorgesehen sind, beschwichtigen oft genug schon die Studienberater an den Telefon-Hotlines, dass diese wirklich nicht schlimm und eigentlich für jeden zu schaffen seien. Beides klingt für Studieninteressierte fürs Erste sehr verlockend.

Angebote konsequent an der Nachfrage ausgerichtet

Die Ruppiner Kliniken sind Ausbildungskrankenhaus für die neu an den Start gegangene Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane MHB (Foto: Ruppiner Kliniken GmbH Neuruppin)

Die Ruppiner Kliniken sind Ausbildungskrankenhaus für die neu an den Start gegangene Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane MHB (Foto: Ruppiner Kliniken GmbH Neuruppin)

So gehört es zum Geschäftsmodell der privaten Hochschulen, Studiengänge anzubieten, in denen die staatlichen Hochschulen viele Bewerber ablehnen (müssen), etwa in Psychologie und Medizin. Dagegen ist nicht zu polemisieren. Es ist ebenso legitim wie nachvollziehbar. Wenn, ja wenn denn Preis und Qualität stimmen. Doch genau an diesem Punkt lohnt genaues Hinschauen. Das bewahrt vor späteren Enttäuschungen. Denn was man auf den vielen bunten Werbeseiten nur selten findet, ist der nicht unbedeutende Tatbestand, dass die an privaten Hochschulen ausgebildeten klinischen Psychologen etwa, und seien sie noch so gut, so intelligent, empathisch und analytisch, auch nur die geringste Chance haben, ihre späteren Arbeitsleistungen jemals mit einer deutschen Krankenversicherung abrechnen zu können. Immerhin schreibt das Psychotherapeutengesetz (§ 6) vor: „Die Ausbildungen … werden an Hochschulen oder an anderen Einrichtungen vermittelt, die als Ausbildungsstätten für Psychotherapie … staatlich anerkannt sind.“ Daran mangelt es vielerorts noch. So werden deren Absolventen im späteren Beruf ihrerseits auf die Suche nach betuchten Privatkunden gehen müssen!

Da sind die Hochschulen, die auf die wieder steigende Nachfrage nach Medizinstudienplätzen aufgesprungen sind, einen deutlichen Schritt weiter. Sie können garantieren, dass die von ihnen ausgebildeten Studenten als Arzt arbeiten dürfen – ohne wenn und aber. Fünf private Anbieter gibt es momentan schon für ein Medizin-Studium in Deutschland – und es wird in den kommenden Jahren vermutlich noch der eine oder andere dazukommen. Von der privaten Universität Witten/Herdecke war bereits die Rede. Sie kann inzwischen nicht nur auf 35 Jahre autonome Ausbildungserfahrung verweisen, sie hat sich auch in der Forschung einen Namen gemacht. Daran müssen die anderen Anbieter, die in der Regel auf Kooperationen mit ausländischen Hochschulen setzen beziehungsweise angewiesen sind, noch kräftig arbeiten. Da ist die Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB) mit jährlich 46 Studienplätzen und 1.533 Euro monatlicher Studiengebühren. Sie führt die Modelle staatlicher Universitäten fort, hebt die bisherigen Grenzen von vorklinischem und klinischem Studienabschnitt auf und setzt wie die Humboldt-Universität in Berlin auf die Methode des Problemorientierten Lernens.

Ganz unterschiedliche Gründungsmodelle

Otto-Beisheim School of Management in Vallendar: Eine Hochschule im Sonnenschein auch bei Regenwetter (Foto:

Otto-Beisheim School of Management in Vallendar: Eine Hochschule im Sonnenschein auch bei Regenwetter (Foto: Wikipedia/Reinhardhauke)

Die Kassel School of Medicine mit 24 Studienplätzen pro Jahr und 1.000 Euro Studiengebühren bietet das Studium in einer Kooperation mit der University of Southampton an, wo auch die ersten beiden Studienjahre stattfinden. In die erste Reihe der bekannten deutschen Medizin-Universitäten hat sich die  School of Medicine Kassel in diesem Jahr schon allein dadurch  aufgeschwungen, in dem sie sich nun an dem Auswahltest für Medizinische Studiengänge (TMS) beteiligt und dort in einer Reihe mit den renommierten staatlichen Universitäten in Göttingen, Heidelberg, Lübeck, Marburg, München u.a. aufgeführt wird. Alles andere muss sie erst noch unter Beweis stellen. Ein ähnliches Modell praktiziert der Asklepios Campus Hamburg (ACH), der formalrechtlich Teil der gut beleumundeten Medizinischen Fakultät der Budapester Semmelweis-Universität ist. Dort studieren die Studenten auch in den vorklinischen Semestern. Erst für die Klinik kommen die Studenten dann nach Hamburg.

Betreiber des ACH ist der Asklepios-Konzern. Damit steigt erstmals eine Krankenhauskette in die Medizinerausbildung ein. Die daraus erwachsenden Entwicklungen zu beobachten, wird spannend werden. Schon jetzt aber ist klar, der spätere Arbeitgeber verdient sogar noch an der Ausbildung seines eigenen Fachkräftenachwuchses. Die Studiengebühren belaufen sich in der Hansestadt auf 1.250 Euro pro Monat. Noch anders liegen die Dinge an der Medical School Nürnberg, die ebenfalls 1.125 Euro Studiengebühren verlangt. Beobachter der Szenerie sprechen bei der fränkischen Neugründung von einem Franchise-Modell, der Medizinische Fakultätentag gar von einem „wissenschaftlichen Discounter“. Tatsächlich ist die Medical School Nürnberg eine Offshore-Gründung der Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg, zu deren spendabelsten Gönnern Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz gehört. In Nürnberg arbeiten aber gerade einmal zwei Medizinprofessoren, der Rest der naturwissenschaftlichen Lehre wird von der eigens deshalb durch die bayerische Landesregierung zur Technischen Hochschule gelifteten ehemaligen Nürnberger Fachhochschule beigesteuert.

Erfolg und Misserfolg nahe beieinander

Dresden International University (DIU): Campus im World Trade Center Dresden, einer der teuersten Adressen der Stadt (Foto: World Trade Center Dresden)

Dresden International University (DIU): Campus im World Trade Center Dresden, einer der teuersten Adressen der Stadt (Foto: World Trade Center Dresden)

Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg verleiht nach 5 Jahren bereits den Studienabschluss „Dr. med. univ.”, der in Deutschland anerkannt werden muss, auch wenn der Ruf der Salzburger Privatuniversität insbesondere unter ihren Kritikern ein eher geteiltes Echo auslöst. Bei der Akkreditierung habe es manche Ungereimtheit gegeben, heißt es. Das erinnert an manches mit großen Vorschusslorbeeren bedachte, aber oft schon nach wenigen Jahren grandios gescheiterte Projekt. Das Stuttgart Institute of Management and Technology (SIMT) hatte noch Glück. Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit flüchtete es unter die Fittiche der staatlichen Stuttgarter Universität. Der Aufschlag der International University in Germany Bruchsal war dagegen hart und ungebremst. Sie machte zuletzt jeden Monat mehr als 200.000 Euro Verluste. Da zog der Betreiber, das Hamburger Unternehmen Educationtrend, ohne viel Federlesens die Notbremse und schloss die Türen. Das Land musste 15 Millionen Euro Steuergelder abschreiben, die Stadtväter die gerade erst aufgestellten Ortsschilder mit der Beschriftung „Universitätsstadt Bruchsal“ wieder abmontieren lassen. So schnell kann es in der privaten Hochschulszene gehen.

Überhaupt verleitet die Orientierung am Bewerbermarkt zu zahlreichen unkonventionellen Studienangeboten, um es zurückhaltend zu formulieren. Die Frage nach der späteren arbeitsmarktlichen Akzeptanz und Nachfrage wird, wenn überhaupt, eher kryptisch oder blumig beantwortet. „Zur Berufsausübung sind gegebenenfalls weitere gesetzliche Bestimmungen zu beachten. Der Studienabschluss allein begründet noch keine Berufszulassung“, heißt es beispielsweise von der Dresden International University zu ihrem Studiengang Osteopathische Medizin. Und weil es so viele interessierte Nachfragen gibt, wird demnächst wohl auch ein Studiengang Kinderosteopathie kreiert. Ähnlich die Dinge an der Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik und Kunst Berlin mit dem Studienangebot Life Coaching oder der Hochschule für Medienkunst, Literarisches Schreiben, Popmusik und Kleinkunst München und ihrem Studiengang Literarisches Schreiben. Dass nur jeder zehnte Buchautor von diesem Job leben kann, findet sich auf der Münchner Homepage jedenfalls nicht. Jeder Bewerber sollte deshalb sehr verantwortlich prüfen, worauf er sich einlässt und wie erfolgversprechend (s)ein Investment in ein privatwirtschaftlich organisiertes Studium ist.

 


Weiterführende Informationen
Liste privater Hochschule in Deutschland: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_privater_Hochschulen_in_Deutschland
Verband der Privaten Hochschulen e.V: http://www.private-hochschulen.net/home.html

 

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