Müritz-Nationalpark – Naturschutz mit Herz, Hand und Verstand

Von Hans-Martin Barthold | 15. November 2018

Ranger im Müritz-Nationalpark (Foto: Barbara Lüthi Herrmann)

Manche junge Menschen träumen davon, irgendwann einmal in einem Nationalpark zu arbeiten. Das wäre die Erfüllung all ihrer Berufswünsche. Für Ulrike Schade, im Müritz-Nationalpark zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, ist dieser Traum vor Kurzem Wirklichkeit geworden. „Für Biologen wie mich“, sagt sie, „sind das hier absolute Premiumjobs.“ Nicht selten aber wird der Traum ein Traum bleiben. Schließlich ist die Zahl der Stellen in den 16 deutschen Nationalparks überschaubar, die Personalfluktuation und -nachfrage ebenfalls. Für zusätzliche Einstellungen fehlt den Landwirtschaftsministern das Geld. Ein wenig Hoffnung aber gibt es nun. Im Müritz-Nationalpark wird in den kommenden zehn Jahren nicht weniger als jede zweite der insgesamt 76 Planstellen wegen Altersabgängen neu zu besetzen sein. Warum? Die Gründergeneration verabschiedet sich in den Ruhestand. Mit 322 km², das entspricht 45.000 Fußballfeldern, ist der Müritz-Nationalpark landflächenmäßig der größte Nationalpark Deutschlands.

Was die Augen potentieller Bewerber zum Glänzen bringt, löst bei Dany Poganatz, als stellvertretende Amtsleiterin auch für das Personal zuständig, indessen gemischte Gefühle aus. Nicht wegen des damit verbundenen Arbeitsaufwandes, sondern vor allem wegen des schwierigen Wissenstransfers bei einem solch heftigen Umbruch. Immerhin zeichnet sich die Nationalparkverwaltung durch schlanke Strukturen und flache Hierarchien aus. Da bestehen die Arbeitseinheiten oft nur aus wenigen Mitarbeitern. Für einige Aufgaben ist sogar nur ein einziger Kollege zuständig. „Aber allein für die wenigen Führungspositionen habe ich die Möglichkeit, den Nachfolger für eine geordnete Übergabe sechs Monate vor dem Ausscheiden des bisherigen Funktionsträgers einzustellen“, formuliert die ausgebildete Juristin das Problem. Bei allen anderen Arbeitsplätzen, für die aufgrund der gehaltlichen Eingruppierung vor allem Berufsanfänger ohne Berufserfahrung eingestellt werden, geht der alte Mitarbeiter, bevor der neue kommt. Eine funktionierende Wissensweitergabe wird so unmöglich.

Traumhaftes Ambiente, anspruchsvolle Aufgaben

Das Ostufer der Müritz – Blick auf die Landschaft des Nationalparks (Foto: Ulrich Meßner)

Da braucht es deshalb Bewerber, die vor dem Sprung ins kalte Wasser keine Angst haben und die zupacken können. Dazu kommt der Standort mitten in der strukturschwachen mecklenburgischen Seenplatte. Trotz wundervoller Büros im idyllischen Schloss von Hohenzieritz zögert am Ende der eine oder andere Bewerber doch und sagt schweren Herzens ab. Ohne Zweifel ist die Landschaft östlich der Müritz traumhaft schön. Aber eben auch dünn besiedelt und mit einer eher grobmaschigen Infrastruktur. Für Reichtümer fehlt der Region seit jeher fast alles. Die Böden karg, Bodenschätze nicht vorhanden, von der Industrie verschmäht, Universitäten: Fehlanzeige. Die einzige Ausnahme: das Militär mit großen Kasernen und riesigen Truppenübungsplätzen. Die nutzten schon das kaiserliche Heer, die Wehrmacht, die Rote und die Volksarmee, zuletzt die Bundeswehr. Heute lädt die Landschaft mit ihrem sanften melancholischen Charme zur nachhaltigen Entschleunigung ein. Und immer mal wieder erinnert eine Hinweistafel daran, hier befindet sich der Müritz-Nationalpark.

Doch zurück zu Dany Poganatz im Schloss Hohenzieritz, das heute die Verwaltung des Müritz-Nationalparks beherbergt, und ihren Personalsorgen. Denn der Blick vom Schreibtisch im Schlossgebäude auf einen der schönsten Landschaftsgärten Mecklenburg-Vorpommerns, die günstigen Immobilienpreise, die überaus kollegiale Arbeitsatmosphäre sind das Eine. Eine Arbeitsstelle für den Ehepartner, weiterführende Schulen und Ausbildungsmöglichkeiten für die Kinder zu finden, das ganz Andere. Manche Einstellung ist schon an diesen Problemen gescheitert. Doch was die Naturschutz-Arbeit betrifft, kann dem Müritz-Nationalpark kaum ein anderer Arbeitgeber das Wasser reichen. Der Wahlspruch der Frauen und Männer im Schloss Hohenzieritz ist ebenso einfach wie gleichzeitig kompliziert. „Wir wollen die Natur Natur sein lassen. Wir wollen ihr Zeit geben, sich nach ihren eigenen Gesetzen zu entfalten.“

Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen

200jährige Buchen im Revier Serrahn (Foto: Barbara Lüthi Herrmann)

Warum das schwierig sein soll? Weil die Frauen und Männer an der Müritz keine bis dahin unberührte Landschaft übernahmen, sondern Flächen, die bis auf wenige Ausnahmen bereits über viele Jahrzehnte vom Menschen genutzt wurden. Forstwirtschaftlich, land- und fischereiwirtschaftlich, touristisch und ein gar nicht geringer Teil eben auch militärisch. Da hatten es die Pioniere der Nationalparkbewegung in den USA leichter. Zwar berichtete auch der erste Ranger des Yellowstone-Nationalpark Harry Yount 1880 von Wilderei. Doch waren die Fußabdrücke des Menschen im bereits 1872 gegründeten Park im Vergleich zu den Flächen östlich der Müritz nur flüchtig. Da reichte es, die Besucherströme über einige wenige öffentliche Eingänge und Wege zu steuern, die gewerbliche Nutzung ohne wenn und aber zu unterbinden. In der Mecklenburger Seenplatte gestaltete sich das alles viel schwieriger. Denn im erst 1990 gegründeten Müritz-Nationalpark musste man sich zu allererst einmal darauf verständigen, was denn Natur und deren natürlicher Zustand mitten in einer Kulturlandschaft sind.

Parallel dazu stand man vor der Aufgabe, seine Rolle als Moderator für eine solche (Rück)Entwicklung zu definieren. Entsprechende Meinungen und Vorschläge gab es zahlreiche, ein fertiges Konzept allerdings hatte niemand. Eine zusätzliche Herausforderung auch, dass die Nationalparkmannschaft aus der Verschmelzung der unteren Forst- und Naturschutzbehörde hervorging. Rückblickend bildet freilich genau das die Grundlage für den heutigen Erfolg. Es dauerte zwar, bis die Forstwirtschaftler (Siehe dazu auch: „Förster – Die Veränderung ist das Beständige“) und Umweltschützer menschlich wie fachlich die gleiche Sprache sprachen und sich vor allem den gleichen Zielen verpflichtet fühlten. Beides müssen auch heute Berufsanfänger schnell lernen. Diese Konstellation besaß freilich einen unschätzbaren Vorteil. Die Fachdiskussionen fanden und finden unter einem gemeinsamen Dach statt. Die unerquicklichen Revierkämpfe der einen gegen die andere Behörde und darüber, auf wessen Budget dieses oder jenes Projekt zu verbuchen ist, haben ausgedient.

Jeder Mitarbeiter auch ein Kommunikator

Planungschef Sven Rannow (Foto: Lars de Wilde)

„Hinter dem Slogan die Natur Natur sein lassen zu wollen, steht die Idee des Nutzungsverzichts“, umschreibt der promovierte Landschaftsplaner Sven Rannow das, wofür seine Mitarbeiter tagtäglich arbeiten. Weshalb aber auf die Nutzung komplett verzichten? Wäre nicht eine umweltverträgliche Nutzung ausreichend? „Wir sind überzeugt, nur über einen vollständigen Nutzungsverzicht die Biodiversität sowie den Wildtierbestand erhalten zu können.“ Sven Rannow ist wie Dany Poganatz einer von vier Dezernenten, verantwortlich für Grundlagen und Planung und sollte es deshalb wissen. Besonders Forstwissenschaftler müssen ihre Blickrichtung ändern. „Das Ziel unserer Arbeit im Nationalpark sind nicht mehr forstwirtschaftliche Höchsterlöse durch den Verkauf eingeschlagenen Holzes“, beschreibt Ralf Pauli die neue Perspektive. Pauli ist einer von fünf Revierleitern, Förster alle zusammen. Zu seinem Revier Serrahn gehört auch der älteste Buchenwald Europas, seit 2011 UNESCO-Weltnaturerbe.

Mit den riesigen Stämmen dort ließe sich trotz des gegenwärtigen Überangebots gutes Geld verdienen. Aber Holz zum Verkauf geschlagen wird im Müritz-Nationalpark seit Beginn dieses Jahres nirgendwo mehr. Nur noch aus Gründen der Verkehrssicherheit an Straßen, unter Stromleitungen und am Rande von Siedlungen.  Welche Daseinsberechtigung besitzen die Förster dann aber noch? Er und seine Kollegen generierten jetzt andere Werte, sagt der Revierleiter ebenso stolz wie selbstbewusst. „Mit wissenschaftlichen Methoden beobachten wir, was passiert, wenn die Natur sich selbst überlassen ist“, formuliert er es. Monitoring nennt sich das. Doch beobachten sie nicht nur, sondern bewerten die Messreihen und geben der konventionellen Waldwirtschaft Anregungen zur Optimierung ihrer bisherigen Arbeitsprozesse. Aber nicht allein die Forstwirtschaft ist Adressat der gewonnenen Erkenntnisse. „Wir tragen unsere Ergebnisse und Ideen unters Volk“, definiert Sven Rannow eine wichtige Aufgabe aller Nationalparkmitarbeiter.

Ranger: Qualifikationsprofil im Wandel

Summer School zum Thema Moorlandschaft (Foto: Nationalparkamt Müritz)

So dürfen denn auch die 30 Ranger nicht auf den Mund gefallen sein. Sie sind allesamt gelernte Forstwirte und verfügen darüber hinaus über die bundesweit einheitlich geregelte Fortbildung zum Geprüften Natur- und Landschaftspfleger. Neben ihren Aufgaben im Monitoring, dem Wegebau sowie der Reparatur von Brücken und Aussichtstürmen führen sie jedes Jahr ungezählte Besuchergruppen durch den Park. Gewiss setzt das beste Fachqualifikationen voraus. Doch bestätigt sich auch hier, wirklich überzeugend gelingt Kommunikation nur mit dem Herzen. Wenn die Besucher also spüren, dass die Schutzgebietsbetreuer, wie die Ranger auch noch genannt werden, von dem, was sie machen und über das sie reden, selbst überzeugt sind. Das verlangt ihnen nach Einschätzung der Personalverantwortlichen Dany Poganatz immer größere Erklärungs-, Transfer- und Vermittlungskompetenzen ab.

„Das Qualifikationsprofil des klassischen Forstwirts wird für uns deshalb an Bedeutung verlieren“, wagt die Personalchefin des Müritz-Nationalparks einen Blick in die Zukunft. Sein produktionsausgerichtetes Knowhow passt immer weniger zu den Anforderungen, die an die modernen Schutzgebietsbetreuer gestellt werden. Deren Arbeitsalltag wird bereits heute stark durch die Aufgaben im Monitoring und der Besucherbetreuung bestimmt. Deshalb könnte die Dominanz der Forstwirte unter den Rangern wohl tatsächlich bald der Vergangenheit angehören. Zur Fortbildung zum Geprüften Natur- und Landschaftspfleger werden immerhin schon jetzt auch Personen mit anderen Erstausbildungen zugelassen. Sven Rannow greift noch etwas weiter aus. „Als Nationalpark“, erklärt er, „agieren wir stets über die Grenzen unseres Territoriums hinaus.“ Mit den Anrainern, den Bewohnern der Region, Kommunal- und Landespolitikern.

Statt Paradies mitten im Leben

Das ist eine wichtige Information an zukünftige Bewerber, besonders die mit einem Hochschulabschluss. „Wir sind keine Insel der Seligen“, weist Rannow auf einen wichtigen Punkt. „Wer bei uns arbeiten möchte, weil er hofft, hier die heile Welt zu finden, sollte seine Bewerbung tunlichst noch einmal überdenken.“ Nicht nur gilt es, die erforderlichen Diskussionen mit den Kollegen der anderen Fachdisziplinen zu führen. Auch nach außen und gegenüber der Politik ist die Daseinsberechtigung des Nationalparks stets aufs Neue unter Beweis zu stellen, nicht selten in einem harten Ringen. In einem Bundesland, das bekanntlich nicht zu den reichsten gehört, hat das gar nicht selten eine besondere Brisanz. Dazu muss man zwei Dinge wissen. Als erstes, die Einnahmequellen für Nationalparks sind begrenzt. Anders als in den US-amerikanischen Parks gibt es an der Müritz keine Eingänge und werden für das Betreten keine Gebühren erhoben. Der Park ist überall frei zugänglich. Was so bleiben soll.

Stellvertretende Amtsleiterin Dany Poganatz (Foto: Lars de Wilde)

Die zweite Begründung scheint ebenso wichtig. Die Finanzierung der Nationalparks ist Aufgabe der Bundesländer. Der Begriff Nationalpark scheint deshalb missverständlich. Und klar ist auch, reiche Bundesländer besitzen mehr Möglichkeiten als die weniger reichen. An der Müritz hat man damit seine Erfahrungen. „Wir mussten schon mehrere Personalkonzepte umsetzen“, berichtet Dany Poganatz. In jeder Runde waren es am Ende weniger Mitarbeiter als zuvor. Innerhalb von zwanzig Jahren schrumpften die anfänglichen 150 Planstellen auf nur noch 76 zusammen. Darüber klagt im Schloss Hohenzieritz indessen niemand. Die Mitarbeiter haben die Ärmel hoch gekrempelt und jeder Einzelne sich mutig den erhöhten fachlichen Anforderungen gestellt. Mit gutem Erfolg. Nun aber sorgt eine neue Entwicklung für Ärger. „Erhöhte fachliche Anforderungen“, erklärt die stellvertretende Amtsleiterin Poganatz, „müssen sich am Ende auch in der Dotierung der Planstellen niederschlagen.“ Dies ist leider nicht immer der Fall.

Umwelt und Natur erlebbar machen

Noch sind die Frauen und Männer der Nationalparkverwaltung optimistisch, mit ihren Argumenten auf Gehör zu treffen. Denn nur so kann es gelingen, ebenso gut qualifizierte wie leistungsfähige Nachwuchskräfte an sich binden zu können. Zusätzlich sollten die über ein gerüttelt Maß an Konfliktbeständigkeit und Frustrationstoleranz verfügen. „Denn“, lässt Dany Poganatz einen Blick in den Maschinenraum des Nationalparks zu, „im Monitoring können wir mit unseren personellen Kapazitäten nur das Nötigste machen.“ Soll heißen, es gäbe noch viel mehr zu erkunden, zu beobachten, zu messen und zu entschlüsseln. Immerhin hängt hier alles mit allem zusammen. Bislang stehen vor allem Forstwissenschaftler, Biologen (Siehe dazu auch: „Biologen – Fachleute für lebende Systeme“) und Landschaftsplaner (Siehe dazu auch: „Landschaftsplaner – Anwälte von Natur und Umwelt“) auf der Lohnliste. „Wir sind aber auch an Landschaftsökologen, Geografen, Geoinformatikern, Raumplanern und Absolventen von naturschutzorientierten Studiengängen interessiert“, blickt Sven Rannow voraus. Daneben werden für die Visualisierung der Arbeitsergebnisse auch Mediengestalter und –designer benötigt.

Der Biologe Hendrik Fulda leitet das Referat Umweltbildung (Foto: Lars de Wilde)

Eine wichtige Aufgabe für alle Nationalparks ist es, die Ergebnisse ihrer Arbeit der interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren. Nicht allein um Akzeptanz für die eigenen Belange zu gewinnen, sondern vielmehr um aufzuklären und zu bilden. Auch der Müritz-Nationalpark verwendet darauf große Anstrengungen. Dem Job Hendrik Fuldas kommt deshalb große Bedeutung zu. Der Biologe Fulda ist verantwortlich für die Umweltbildung. In dieser Funktion leitet er in Personalunion gleichzeitig das zum Nationalpark gehörige und idyllisch gelegene Jugendwaldheim Steinmühle. „Wir wollen erreichen, dass die Menschen sich mit uns, mehr noch mit dem Naturschutz verbunden fühlen“, erklärt er Ziel und Zweck seines Tuns. Die Zielgruppe reicht von der Kita über Schulklassen bis zu Berufstätigen und sogar Rentnern. Fulda arbeitet weniger theorie- als erlebnisorientiert. „Nach zwei Stunden schon haben die Kiddies ihr Smartphone vergessen“, beschreibt er, wie spannend Naturschutz sein kann.

Souverän drinnen und draußen

Was für Hendrik Fulda gilt, gilt auch für die meisten der anderen Nationalparkbeschäftigten. Nur im Büro und am Schreibtisch sitzt kaum jemand. Bei den Förstern im Revier ahnt das jeder. Doch auch die Biologen, Landschaftsplaner, Geografen und Mediendesigner müssen immer wieder raus. Wie Sven Rannow tauschen sie den feinen Zwirn regelmäßig gegen die Outdoorausrüstung. Im Übrigen nicht nur bei Sonnenschein, sondern auch wenn es regnet und stürmt. Der Müritz-Nationalpark ist eben kein Standardarbeitgeber. Wer die fachliche wie persönliche Herausforderung sucht, findet sie zwischen Wäldern, Seen und Mooren. Revierleiter Ralf Pauli drückt es mit einem Augenzwinkern etwas pathetischer aus. „Was wir hier machen“, sagt er, „ist ein großes gesellschaftliches Experiment. Der Mensch ist da nur geduldeter Gast.“ Wohl wahr. Voraussetzung für alle, die mitmachen (wollen): mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Wirklichkeit stehen, zugleich bereit, neue und unbekannte Wege zu gehen und sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen.

Das Jugendwaldheim Steinmühle am Grü-nower See (Foto: Nora Künkler)

Dass die kürzlich aufgestellten Dienstpostenbeschreibungen vorrangig auf formale Qualifikationen wie Abschlüsse und Noten ausgerichtet sind und die genauso bedeutsamen Softskills nur am Rande, wenn überhaupt Berücksichtigung finden, bereitet Personalchefin Poganatz Kopfschmerzen. Das öffentliche Dienstrecht engt ihren Entscheidungsspielraum an dieser Stelle stark ein. „Dies führt manchmal dazu“, erklärt sie, „dass der an Hand der Bewerbungsunterlagen am besten scheinende Bewerber einzustellen ist, nicht der wirklich gut geeignete.“ Den Nationalpark als Arbeitgeber kennenzulernen bieten sich Praktika wie auch eine Zusammenarbeit für Bachelor- und Masterarbeiten, sogar für eine Promotion an. Alena Maidel, Biologiestudentin mit dem Schwerpunkt Ökologie und kurz vor Abschluss ihres Bachelorstudiums, nutzt diese Möglichkeit gerade. Sie ist dafür aus Ulm, wo sie studiert, extra an die Müritz gekommen. „Ich wollte unbedingt Einblicke in die Berufspraxis gewinnen“, formuliert sie ihre Motive.

Vielfältige Kennenlernmöglichkeiten

Junior Ranger beim Arbeitseinsatz zum Schutz der seltenen Sumpfsitter (Foto: Nora Künkler)

Führungen für Kinder und Erwachsene, gemeinsame Gebietskontrollen mit erfahrenen Rangern oder Kartierungsarbeiten im Rahmen des Wildtiermonitorings machen der 22-Jährigen viel Freude. Ob sie nach ihrem Studium zurückkommen wird? Da ist noch nichts entschieden. Zuerst einmal denkt sie an einen Wechsel ins Ausland. Aber wer weiß. Für Schüler und junge Menschen aus der Region kann der Kontakt zum Nationalpark schon viel früher beginnen. Darauf verweist Hendrik Fulda. Ab der dritten Klasse kann man als Junior Ranger die Arbeit im Aktivmodus kennenlernen. Einige machen nach dem 15. Geburtstag als Volunteer Ranger weiter. Auch externe Volunteers sind herzlich wilkommen. Worauf sich die Hoffnung der Nationalparkmitarbeiter richtet? Nicht mehr als etwas Außerirdisches wahrgenommen zu werden, sondern als etwas, das zum Alltag dazugehört und das Leben der Menschen um eine wichtige Facette reicher macht. „Wir sind inzwischen fast überall akzeptiert, sogar bei den Bauern und Jägern“, ist Ralf Pauli stolz. Das große Engagement ehrenamtlicher Natur- und Landschaftsführer, die Zusammenarbeit mit immer mehr Nationalpark-Partnern aus dem touristischen Umfeld, bestätigen ihn.

 


Unternehmenssteckbrief
(Stand: 01.11.2018)

Gründung: 1990 (Nationalparkamt: 1996).

Sitz der Unternehmenszentrale: Schlossplatz 3, 17237 Hohenzieritz.

Mitarbeiter: 76.

Beschäftigungsmöglichkeiten: bestehen u.a. für

  • Forstwissenschaftler/Forstwirtschaftler
  • Biologen
  • Landschaftsplaner, Landespfleger, Raumplaner
  • Landschaftsökologen, Umweltwissenschaftler, Absolventen aus dem Bereich Naturschutz
  • Geografen, Geoinformatiker
  • Mediendesigner, Mediengestalter
  • Juristen, Beamte des gehobenen allgemeinen Verwaltungsdienstes, Verwaltungsfachangestellte, Kaufleute für Büromanagement
  • Ranger (Schutzgebietsbetreuer)
  • Köche, Hausmeister

Budget: Keine Angaben.

Ausbildungsmöglichkeiten: keine.

Duales Studium: nein.

Schülerpraktika: ja

Kontaktmöglichkeiten: Ulrike Schade, u.schade@npa-mueritz.mvnet.de

Internet: www.mueritz-nationalpark.de

 

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