Mentale Gesundheit – Wohlbefinden steigert Arbeitsleistung

Von Hans-Martin Barthold | 14. April 2022

Hinweis: Psychische Erkrankungen nehmen zu. Laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN) ist jedes Jahr mehr als jeder vierte erwachsene Deutsche von einer psychischen Erkrankung betroffen. Das ist sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber ein großes Problem, wie eine Veröffentlichung der Online-Arztpraxis Zava in Zusammenarbeit mit der Performance Marketing Agentur Peak Ace zeigt. Die wichtigsten Ergebnisse dieses Berichtes stellen wir in der folgenden Zusammenfassung vor.

 

Die Spanne psychischer Erkrankungen ist breit. Sie reicht von Angst- und depressiven Störungen bis zu Depressionen und zur Suchtproblematik. Unter Berufstätigen häuft sich indessen das Burnout-Syndrom. Der AOK-Bundesverband informierte bereits 2019 über eine Verdoppelung dieser Diagnose innerhalb nur eines Jahrzehnts. Unter Burnout versteht man einen Zustand starker emotionaler, körperlicher und geistiger Erschöpfung als Folge von andauerndem Stress. Eine klare wissenschaftliche Definition des Begriffs Burnout existiert jedoch bislang nicht. Menschen mit dieser Symptomatik fühlen sich ausgebrannt, leer und kraftlos. Sie fühlen sich von den Erwartungen, die Kollegen und Vorgesetzte an sie stellen, überfordert. Die emotionale Erschöpfung sowie die Angst vor dem Versagen nehmen in gleichem Maße zu wie die individuelle Leistungsfähigkeit abnimmt.

Für das Burnout-Syndrom gibt es nach Information der DGPPN innere wie äußere Ursachen. Das sind im Einzelnen:
Innere Ursachen:

  • Geringes Selbstbewusstsein
  • Selbstwert nur durch Arbeitserfolge
  • Überhöhte Selbstansprüche
  • Hohes Streben nach sozialer Belohnung
  • Übermäßig ausgeprägter Ehrgeiz
  • Nicht „Nein“ sagen können
  • Arbeitsmoral „bis zum Umfallen“
  • Nicht-Akzeptanz eigener Schwächen

Äußere Ursachen:

  • Zu hohes Arbeitsaufkommen (Zeitdruck)
  • Wenig Selbstbestimmung
  • Sinnlos erscheinende Aufgaben
  • Viel Kontrolle von außen
  • Wenig Anerkennung oder Lob
  • Fehlendes Gemeinschaftsgefühl
  • Ungerechtigkeiten und Konflikte
  • Schlechte Work-Life-Balance

Eigene Grenzen erkennen

Nicht alle diese genannten Ursachen sind vom Einzelnen zu beeinflussen, wohl aber gibt es so etwas wie eine Prophylaxe. Die DGPPN listet Aktivitäten auf, die helfen sollen, einem Burnout vorzubeugen. Der wichtigste Schritt hierfür sei es, heißt es, die körperlichen sowie mentalen Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren. Ein permanentes Überschreiten dieser Grenzen mache auf Dauer krank und unzufrieden. Als Vorbeugung diene daher alles, was entspanne und positive Gefühle hervorrufe, zum Beispiel: Zeit für Freizeit, genügend Schlaf, ausreichende Bewegung, gesunde Ernährung, Genussmittel bewusst und nur in geringen Mengen konsumieren (beispielsweise wenig Alkohol und Kaffee) oder ganz darauf verzichten, Pflege sozialer Kontakte, Einsatz von Entspannungstechniken (beispielsweise Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder Meditation).

Ernst Barlach: Der Einsame (Foto: Wikimedia/Rufus46)

Was auf das Burnout-Syndrom zutrifft, gilt freilich auch für alle anderen psychischen Diagnosen. Schlimmer als die große Zahl der von psychischen Erkrankungen Betroffenen ist allerdings die Tatsache, dass sich nach Informationen der DGPPN nicht einmal jeder fünfte Erkrankte in Behandlung begibt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Auch wenn dafür keine empirischen Daten vorliegen, scheint doch in vielen Fällen die Angst vor Diskriminierung und Stigmatisierung der Grund für das Verstecken dieser Krankheit zu sein. So bleiben psychische  Erkrankungen häufig sehr lange undiagnostiziert und unbehandelt. Was das für die Arbeit im Beruf bedeutet, braucht es nicht vieler Erklärungen. Wer mental nicht gesund ist, kann sein Leistungspotential nicht ausschöpfen. Die Situation aber ist im Wandel. Aktuelle Analysen der Techniker Krankenkasse und der DAK haben ergeben, dass Krankschreibungen aufgrund psychiatrischer Diagnosen zunehmen.

Professionelle Hilfen erforderlich

Das Bewusstsein für die eigene mentale Gesundheit ist damit offensichtlich auf dem Vormarsch. Die häufigsten Diagnosen entfallen neben Burnout-Symptomen bereits seit vielen Jahren mit gleichbleibender Tendenz auf Angst- und depressive Störungen, Alkohol und Depressionen. Auffallend ist laut DAK, dass Frauen mit je 328 Fehltagen pro 100 Versicherte deutlich mehr Krankschreibungen aufweisen als ihre männlichen Kollegen. Auf die entfallen 203 Fehltage je 100 Versicherte. Als Gründe vermutet die DAK weiterhin bestehende Rollenstereotype und die größere Bereitschaft von Frauen, bei Erkrankungen schneller zum Arzt zu gehen. Dadurch könnten psychische Störungen bei Frauen früher erkannt, häufiger diagnostiziert und besser behandelt werden. Im Zusammenhang damit wird davon ausgegangen, dass die Dunkelziffer psychischer Erkrankungen bei Männern weit über der von Frauen liegt.

Dazu erklärt Frank Tenbrock, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in Düsseldorf: „Psychische Erkrankungen bessern sich nicht von selbst. Je länger eine solche Krankheit andauert, desto schwieriger kann es sein, sie zu behandeln.“ Vor dem Hintergrund langer Wartezeiten auf einen Behandlungstermin bietet Tenbrock deshalb als Partnerarzt des zertifizierten Videodienstanbieters sprechstunde.online eine digitale Sprechstunde an. Dies ist Hausärzten, Fachärzten und Psychotherapeuten seit April 2019 erlaubt. Tatsächlich ermöglicht dieses Angebot eine frühzeitige Abklärung und anschließende Priorisierung für eine erforderliche Diagnose wie Behandlung. Ulrike Thieme, Ärztin und stellvertretende Ärztliche Leiterin der Online-Arztpraxis ZAVA, weist gleichwohl darauf hin, dass das den Gang zum Arzt zwar sehr gut vorbereiten, aber nicht ersetzen könne.

Eigene Prävention

Doch zuvor stellt sich die Frage, was jeder Einzelne tun kann, um seine Resilienz, also die individuelle Widerstandsfähigkeit, zu verbessern. Einfacher formuliert, wie kann man mit Stress und negativen Erfahrungen so umgehen, dass man daran nicht psychisch erkrankt. Trotz der Komplexität der menschlichen Psyche, so die Aussagen der DGPPN, ließen sich einige Faktoren benennen, die einen Einfluss auf die mentale Gesundheit hätten. Vom Einzelnen unbeeinflussbar sind indessen seine genetische Veranlagung und seine individuellen Charaktereigenschaften. Einwirken kann er freilich auf:

  • Sozialverhalten und soziales Umfeld: Ein ausgeprägtes Sozialverhalten und ein stabiles soziales Umfeld wirken sich positiv auf die mentale Gesundheit aus.
  • Sport und Bewegung: Sport und ausreichende Bewegung beeinflussen das Wohlbefinden und die mentale Gesundheit positiv.
  • Bildung: Vielseitige Interesen und der Zugang zu Bildung und Erfolg können sich positiv auf die mentale Gesundheit auswirken.
  • Vergangenheit: Probleme aus der Vergangenheit, die erfolgreich überwunden wurden, können die mentale Gesundheit stärken und Resilienz fördern.

Burnout vielfach Ergebnis unpassender Berufswahl

Was in dieser allgemeinen Aufzählung freilich fehlt und um was wir sie mit Blick auf das beruflich veranlasste Burnout deshalb ergänzen wollen, ist wohl als wichtigstes die Wahl des passenden Berufs. Denn die lässt es erst gar nicht zu Burnout bedrohlichen Situationen kommen. Schließlich garantiert die Wahl des passenden Berufes Zufriedenheit mit dem, was arbeitstäglich zu tun ist. Die Übereinstimmung von persönlichen Begabungen wie Kompetenzen zu den jeweiligen beruflichen Anforderungen ist wichtigste Voraussetzung für stete Arbeitserfolge. Belastungen, die sich in jedem Beruf von Zeit zu Zeit einstellen, werden subjektiv nicht als Überlastung empfunden. Eigene Schwächen ergeben sich infolge der Passgenauigkeit von individuellen Begabungen und berufsspezifischen Anforderungen ebenso wenig wie etwaige überhöhte Selbstansprüche. Jemand, der mit seinem Beruf eins ist, bedarf keiner übermäßigen Anstrengungen um soziale Belohnung, weil er sie vor dem Hintergrund guter Arbeitsergebnisse regelmäßig ganz von selbst erhält.

 


Weiterführende Informationen

https://www.zavamed.com/de/zava-report-mental-health.html (enthält Hinweise zu weiteren themenbezogenen Primär- und Sekundärquellen)

 

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