“Meine Auslandsstudienaufenthalte waren eine persönliche und fachliche Horizonterweiterung”

Von Hans-Martin Barthold | 15. November 2015

Elena Hubert hat Spaß beim Skifahren (Foto: Thomas Ziemann)

Elena Hubert hat Spaß beim Skifahren (Foto: Thomas Ziemann)

Drei Mal schon war Elena Hubert während ihres Studiums im Ausland. Zuerst ging sie für ein dreimonatiges Praktikum an die kanadische Westküste nach Vancouver. Ihr zweites Ziel war Trondheim, wo sie sich für ein Semester an der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens einschrieb. Zuletzt führte sie ein Forschungsaufenthalt im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an die Tshwane University of Technology nach Pretoria/Südafrika. Zwei weitere Auslandssemester an den Universitäten in Budapest und Prag sind geplant. Ist Elena Hubert also eine Globetrotterin? Sie gibt zu, dass auch Neugier – auf ferne Länder und fremde Kulturen – ein Motiv für ihre bisherigen Auslandsaktivitäten war. Als eigentlichen Grund verweist sie allerdings auf etwas anderes. „Die Wissensentwicklung in meinem Fach macht eine grenzüberschreitende Kommunikation erforderlich“, erklärt die Geologiestudentin aus der kleinen Universitätsstadt Freiberg unweit Dresdens ihre Reiselust. Bei der Jobsuche und für die Karriere von Geologen seien Auslandserfahrungen deshalb schon lange eine Notwendigkeit.

Wie macht man einen Auslandsaufenthalt, gleich ob Studium oder Praktikum, zum beruflichen Erfolgsfaktor? „Das Wichtigste ist eine gute Planung“, weiß Elena Hubert. Sie startete ihre Auslandsaufenthalte nach dem vierten Studiensemester. Mit den ersten Überlegungen hatte sie allerdings schon lange zuvor begonnen. „Ich empfehle jedem, ganz viele Informationen einzuholen, am besten von Studierenden, die schon einmal an den Orten und Universitäten waren, wo du hin möchtest“, rät die gebürtige Berlinerin auslandsinteressierten Studierenden. Wo man die findet? Als erstes sollte man an der heimischen Universität beim Internationalen Universitätszentrum (Redaktion: an anderen Hochschulen auch Akademisches Auslandsamt oder International Student Service genannt) oder den ERASMUS-Koordinatoren beziehungsweise den Fremdsprachenlehrenden nachfragen. Eine weitere ergiebige Quelle ist auch die Website des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Unter den spezifischen Länderinformationen sind zahlreiche Erfahrungsberichte ehemaliger Auslandsstudenten und –praktikanten veröffentlicht. Schließlich lohnt es sich auch, mit den Incoming-Beauftragten der Wunschhochschulen Kontakt aufzunehmen.

Elena Hubert genießt den norwegischen Sommer (Foto: Thomas Ziemann)

Elena Hubert genießt den norwegischen Sommer (Foto: Thomas Ziemann)

Die Planungen der Auslandsaufenthalte von Elena Hubert besitzen einen durchgängigen und sich mit jeder Station verdichtenden roten Faden. Der heißt: geologische Kompetenz, insbesondere für ihren Studienschwerpunkt, die Hydrogeologie. „Das gilt auch für meine nächsten Auslandsstationen Budapest und Prag“, erklärt Elena Hubert. Im Nachbarland Tschechien könnte sie sich sogar den Berufseinstieg vorstellen. Tschechisch lernt sie jedenfalls schon seit zwei Jahren. Für das Praktikum im kanadischen Vancouver nutzte sie das DAAD-Programm „Research Internships in Science and Engineering (RISE)“. Bis hin zur Arbeitserlaubnis sei alles sehr gut vorbereitet gewesen, lobt Hubert die Hilfe der deutschen Austauschorganisation. Für das anschließende ERASMUS-geförderte Auslandssemester in Trondheim traf die Geologiestudentin eine pragmatische Entscheidung. Sie entschloss sich, auf die Anerkennung dortiger Studien- und Prüfungsleistungen zu verzichten. „Das gab mir mehr Spielraum, Lehrveranstaltungen zu belegen, die interessant waren, aber in Freiberg keine curriculare Bedeutung hatten“, berichtet sie.

Geologiestudenten büffeln bekanntlich nicht nur Theorie in Hörsälen, sondern müssen immer wieder auch zu Exkursionen ins Gelände. Bei entsprechenden Angeboten in Trondheim war Elena Hubert deshalb immer dabei. „Über die direkten fachlichen Erkenntnisse wollte ich auch einfach Land und Leute kennenlernen“, sagt sie. Mehr davon ist ihrem Erfahrungsbericht (http://tu-freiberg.de/sites/default/files/media/internationales-universitaetszentrum-alexander-von-humboldt-170/pdf/erfahrungsberichte/13_ntnu_hubert.pdf) zu entnehmen. Im Gegensatz zum DAAD-geförderten Praktikum sowie dem Auslandssemester sei der persönliche Aufwand für den Forschungsaufenthalt ebenso wie der individuelle fachliche Mehrwert ungleich größer gewesen, weist Elena Hubert auf einen wichtigen Punkt. Thematisch baute die Freiberger Master-Studentin auf ihren Arbeitserfahrungen aus dem kanadischen Praktikum auf.

Elena Hubert erkundet Norwegen per Schiff (Foto: Thomas Ziemann)

Elena Hubert erkundet Norwegen per Schiff (Foto: Thomas Ziemann)

„Unbedingt notwendig ist für einen Auslandsaufenthalt ohne den Rahmen einer Organisation oder eines Programmes ein fester Ansprechpartner aus deinem Fachbereich“, erklärt sie ihre Erfahrungen. Bei ihr ergab sich der Kontakt zu einem Professor, der  kurz zuvor von der Technischen Universität Freiberg an die Universität in Pretoria gewechselt war. Man könne solche Kontakte aber auch auf einschlägigen Konferenzen knüpfen. Dieser Kontakt half ihr, gleich nach der Ankunft mit ihren wissenschaftlichen Arbeiten beginnen zu können. Sie hatte lediglich acht Wochen Zeit. Ihr Thema: Elektrische Leitfähigkeit und gelöste Feststoffe in Grubenwässern aus Bergwerken. Auch hierüber hat sie einen Bericht geschrieben (http://tu-freiberg.de/sites/default/files/media/foerderkreis-freiberger-geowissenschaften-4308/Reiseberichte/kurzbericht_elenahubert.pdf). Ihre Auslandstrips hielten für Elena Hubert auch noch eine ganz und gar ungeplante Nebenerkenntnis bereit. „Seit meinen Auslandsstationen weiß ich, nicht zu weit weg von meiner Familie sein zu wollen.“ Tschechien käme da gerade recht.   zurück zum vorigen Beitrag