Medizinische/Zahnmedizinische/Tiermedizinische Fachangestellte – Organisieren, assistieren und betreuen

Von Hans-Martin Barthold | 15. Februar 2019

Medizinische Fachangestellte Barbara Kronfeldner (Foto: Verband medizinischer Fachberufe e.V.)

Seit über 25 Jahren schon arbeitet Barbara Kronfeldner im kleinen bayerischen Ort Elisabethszell als Medizinische Fachangestellte (MFA). Und erlebt diesen Beruf noch immer als einen wunderschönen. Für sie, die als bestimmendes Motiv ihrer Berufswahl angibt, ganz nah an den Menschen sein und ihnen helfen zu wollen, sei es sogar der bestmögliche. Tatsächlich kennt sie viele Patienten bereits seit ihrer Ausbildung. „Es gibt keine nachhaltigere Belohnung als das Strahlen glücklicher Patientenaugen“, sagt sie. Und hat daran großen Anteil, auch wenn das nur selten öffentlich ausgesprochen wird. Im Gegenteil, die Wertschätzung von Ärzten wie Patienten fällt in der Regel spärlich aus. Da sind die Medizinischen Fachangestellten oft noch immer die Arzthelferinnen, wie die frühere Berufsbezeichnung lautete, die dienstbaren Geister ohne Namen und Gesicht, jederzeit auswechselbar, aus der Perspektive mancher Ärzte nur ein notwendiger Kostenfaktor.

Kluge Ärzte wissen freilich, welch großer Anteil am Erfolg ihrer Praxen den Medizinischen Fachangestellten zukommt. Und dass, wer hier spart, am falschen Ende spart. Immerhin laufen die ersten Patientenkontakte bei den Medizinischen Fachangestellten und nicht den Ärzten auf. Medizinische Fachangestellte am Empfang durch preiswertere Hotelfachfrauen zu ersetzen, wie von forschen Unternehmensberatern empfohlen und von manchen Praxen euphorisch aufgenommen, waren jedenfalls weniger erfolgreich als erhofft. Auch wenn die Patienten wissen, dass die MFA keine Diagnose stellen und keine Medikation verschreiben dürfen, so erwarten sie aber gleichwohl medizinischen Sachverstand. Etwa um abschätzen zu können, ob bei den geschilderten Symptomen eine sofortige Untersuchung durch den Arzt, gar ein Verweis auf den Notdienst notwendig werden, oder der nächste freie Termin übermorgen ausreicht.

Die Praxen arbeitsfähig halten

Blutdruckmessung – Auch das erledigen die MFA (Foto: Wikimedia/Pia von Lützau)

Doch erschöpft sich die Tätigkeit von Medizinischen, Zahnmedizinischen und Tiermedizinischen Fachangestellten darin keineswegs. „Wir“, weist Susanne Haiber als Präsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V. auf den Zentralpunkt, „gewährleisten ganz wesentlich den reibungslosen Ablauf der Behandlung und Versorgung der Patienten.“ Dazu gehörten die Patientenbetreuung, die Betriebsorganisation und das Qualitätsmanagement der Praxis, die Dokumentation des Patientenkontaktes, die Durchführung diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen unter Anleitung und Aufsicht des Arztes, das Handling von Not- und Zwischenfällen. Der Arzt soll sich, wenn er ins Behandlungszimmer zum Patienten kommt, ganz auf dessen Behandlung konzentrieren können und nicht wertvolle Zeit mit der Abnahme etwaiger Verbände, dem Aufrufen der Patientendaten oder der Suche nach den erforderlichen medizinischen Instrumenten verlieren. Das haben die Medizinischen und Zahnmedizinischen Fachangestellten alles bereits vorbereitet. „Mein Chef soll sich ganz auf die Wurzelbehandlung oder den Einsatz eines Implantats konzentrieren können“, erklärt die aus Gummersbach stammende und zur Zahnmedizinischen Fachassistentin fortgebildete Sylvia Gabel. „Alles andere machen wir.“

Zu allem anderen gehört, ganz wichtig, auch die Abrechnung der vom Arzt erbrachten Leistungen bei den Kostenträgern. Es ist eine Tätigkeit im Backoffice und ohne Patientenkontakt. Sie erfordert umfangreiches kaufmännisches Knowhow ebenso wie sichere Kenntnisse über das jeweilige Vertragsrecht. Das sieht bei den gesetzlichen Krankenversicherern anders aus als bei den privaten und differiert auch innerhalb beider Systeme von Versicherer zu Versicherer. Noch eine wichtige Ergänzung. Medizinische, Zahn- und Tiermedizinische Fachangestellte dürfen bestimmte medizinische Tätigkeiten übernehmen, allem voran in der Diagnostik. Wie etwa die Blutabnahme, das Durchführen eines EKG, das Anfertigen einer Röntgenaufnahme oder das Impfen. Doch stellt sich die Situation in den drei medizinischen Fachberufen unterschiedlich dar. Für die Medizinischen Fachangestellten regelt ein sogenannter Delegationsrahmen, was sie tun dürfen, gegebenenfalls auch vor Beginn der Sprechstunde, wenn der Arzt noch nicht angekommen, aber schon auf dem Weg zur Praxis ist.

Trotz Weisungsgebundenheit hohe Verantwortung

Zahnmedizinische Fachangestellte Sylvia Gabel (Foto: Verband medizinischer Fachberufe e.V.)

Die Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA) können dagegen erst tätig werden, wenn der Zahnarzt anwesend ist. In der Tierheilkunde regelt das jede Praxis individuell. „Wir assistieren sogar bei Operationen und der Diagnostik“, beschreibt Nicole Josten-Ladewig ihren Berufsalltag. Und weist damit auf einen Aspekt, der sie an ihrem Beruf auch nach 30 Jahren noch immer fasziniert. Genauso wie die Vielfalt der „Patienten“. Denn anders als in der Human- und Zahnmedizin, bei der die fachärztliche Spezialisierung der Praxen von der Allgemeinmedizin über die Neurologie bis hin zur Strahlentherapie und Urologie reicht, behandeln Tierärzte vom Hund über die Katze, das Pferd, den Wellensittich und Zierfisch bis hin zur Schlange oder einem Waran alles Tierische wie zugleich sämtliche Krankheitsbilder. Allerdings spezialisieren sich auch Tierärzte zunehmend. Schon immer auf Groß- oder Kleintiere, nun auch auf Pferde, Rinder, Hunde oder andere Tierarten, daneben auf Fachgebiete wie die Kardiologie oder die Augenheilkunde.

Während aber die Anatomie des Menschen gleich ausgebildet ist, das Herz stets links und die Lunge rechts verortet sind, zeichnen sich die einzelnen tierischen Gattungen und Arten durch große Unterschiede aus. Das fordert den Tiermedizinischen Fachangestellten (TFA) ein überaus umfangreiches tiermedizinisches Wissen ab. So überrascht es nicht, dass mehr als jeder dritte TFA-Azubi über das Abitur verfügt, während bei den MFA nur 19 Prozent und den ZFA gar nur 11 Prozent ein Zeugnis mit der Hochschulreife besitzen. Freilich sind nicht bloß die Wissensanforderungen hoch, sondern auch die körperlichen Belastungen groß. Nicole Josten-Ladewig: „Einen 100 Kilogramm schweren Bernhardiner auf den OP-Tisch zu hieven, ist Schwerstarbeit.“ Dazu kommen regelmäßige Nacht- und Wochenenddienste, während die meisten MFA und ZFA die Wochenenden zu ihrer eigenen freien Verfügung haben.

Dem Chef stets ganz nah

Susanne Haiber ist die Präsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V. (Foto: Verband medizinischer Fachberufe e.V.)

Was den Berufsalltag aller MFA, ZFA und TFA auszeichnet, ist ihre enge Verbindung zum Chef. Sie sind gewissermaßen dessen rechte Hand. Das bedeutet ein Doppeltes. Sie sind wichtig und ohne sie liefe nichts oder doch nur sehr wenig. Immerhin ist ein Rechtshänder ohne rechte Hand nicht handlungsfähig. Doch ist die rechte Hand nicht autonom. Sie führt nur aus, was das Gehirn als Steuerzentrale ihr an Befehlen vorgibt. So ist das auch bei allen drei medizinischen Fachberufen. „Wir organisieren den täglichen reibungslosen Ablauf der Praxen, aber stets nach den Vorstellungen und Anordnungen des Arztes“, bringt es Susanne Haiber auf den Punkt. Diesem Anspruch haben sich alle medizinischen Fachberufe unterzuordnen. Das sollte wissen, wer sich mit diesem Berufswunsch trägt. Mehr noch, er sollte es ohne wenn und aber akzeptieren! Es trifft Berufsanfänger ebenso wie langjährig Berufserfahrene. Ob sich dahinter auch ein Grund für die hohen Dropout-Quoten– MFA: 24 %, ZFA und TFA jeweils 30 % – während der Ausbildung verbirgt?

Das gewinnt umso mehr an Bedeutung, als die überwiegende Zahl der Arzt-, Zahnarzt- und Tierarztpraxen noch immer Kleinstunternehmen sind, wo der Chef den ganzen Arbeitstag sehr präsent ist. Noch etwas gilt für alle drei medizinischen Fachberufe. Egal, ob MFA, ZFA oder TFA, hier wie dort brauchen die Frauen und ganz wenigen Männer viel Empathie, soziale Kompetenz sowie überdurchschnittlich gute kommunikative Fähigkeiten. Warum? Weil ihnen die meisten Menschen oft in einer Ausnahmesituation gegenüberstehen. Es sei denn, sie kommen zu routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Aber sonst suchen sie den Arzt auf, weil es irgendwo zwickt. Und man weiß nicht weswegen. Ist es nur eine vorübergehende Allerweltserkrankung oder vielleicht doch etwas Ernsthaftes? Das macht vielen Angst. Und alle, ob in der Handwerkerlatzhose oder mit Schlips und Kragen, haben den Wunsch nach individueller persönlicher Zuwendung.

Das Vertrauen der Patienten gewinnen

Durchführung eines intrakutanen Tests auf Allergie bei einem Hund (Foto: Wikimedia/self)

Da müssen dann die Fachangestellten alle Antennen ausfahren, gut beobachten können, bereit und fähig sein, jedes Wort zu wägen, andernorts angesammelten Frust auf keinen Fall am Patienten abzureagieren. Und wer meint, Tiermedizinische Fachangestellte wären davon nicht betroffen, der irrt. Schließlich geht es in tierärztlichen Praxen kaum weniger emotional zu. Lebensgefährliche Erkrankungen ihrer Tiere erleben die Besitzer nicht selten wie die von engen Familienangehörigen. Um ein Letztes sollte wissen, wer einen dieser medizinischen Fachberufe in seine Berufswahl einbezieht. Patienten sind anspruchsvoller geworden. Für viele von ihnen ist der Arzt, Zahnarzt oder Tierarzt nicht mehr nur Mediziner, sondern in erster Linie Dienstleister. Die perfekte Dienstleistung wünschen sie sich auch von den Praxismitarbeiterinnen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen und manchmal auch, sollten sie nicht erfüllt werden, unflätig die Aggressionen seitens der Patienten, mehr noch der Angehörigen. Zum Beispiel wenn der vereinbarte Termin wegen einer länger als geplant dauernden anderen Behandlung nicht auf die Minute eingehalten werden kann.

Doch sind Arztpraxen eben keine Reparaturwerkstätten. Gefragt sind die MFA, ZFA und TFA in solchen Situationen deshalb also auch als Streitschlichter für die Deeskalation. Dennoch bleiben sie für gar nicht wenige Eltern, aber durchaus auch den einen oder anderen Arzt, nur ein schlichtes Anhängsel der Götter in Weiß. Das allerdings ist falsch. Auch wenn sie überwiegend weisungsgebunden, unter den Fachleuten heißt das: in Delegation, arbeiten, tragen die MFA, ZFA und TFA doch ein hohes Maß an Verantwortung. Und das nicht allein bei der Anliegenklärung. Wer schon einmal ein Rezept mit dem falschen Medikament oder versehentlich eine Kälte- statt einer Wärmetherapie erhalten hat, weiß, wovon die Rede ist. Und wer beim Tierarzt, der zugleich auch eine Apotheke führen darf, von der TFA ein überlagertes und nicht mehr wirkfähiges Medikament erhält, ebenfalls.

Betreuen statt belehren

Von der tiermedizinischen Fachangestellten vorbereitet – Besteck in einem tierärztlichen Behandlungszimmer (Foto: Wikimedia/Sujalajus)

Erschwerend kommt die permanente Arbeitsverdichtung hinzu. In den 102.000 Arztpraxen wurden zuletzt 553 Millionen Behandlungsfälle und über eine Milliarde Arztkontakte gezählt. Und nicht weniger als zwei von drei ambulanten Notfällen werden in den niedergelassenen Praxen behandelt. Tendenz in allen Bereichen steigend. Ähnliches gilt für die 42.000 Zahnarzt- und knapp 11.000 Tierarztpraxen. Das macht den Spagat zwischen Empathie und Effizienz für die 441.000 MFA, die 200.000 ZFA und die etwa 15.000 TFA erkennbar schwieriger. Darüber hinaus lässt ihnen der wachsende Dokumentationsaufwand immer weniger Zeit für die patientenorientierte Zuwendung. Und dass bei einer unübersehbaren Veränderung der Patientenstruktur in den Arzt- und Zahnarztpraxen. Durch den demografischen Wandel und die gestiegene Multimorbidität nimmt die Zahl älterer Patienten zu, aufgrund verkürzter Liegezeiten in den Krankenhäusern ebenso der Anteil von Akutbehandlungen, wegen Beidem auch der Betreuungsaufwand. Abhängig von der fachärztlichen Ausrichtung, besonders in onkologischen sowie palliativmedizinischen Praxen, betreuen Medizinische Fachangestellte immer öfter auch Schwerstkranke und sogenannte austherapierte Patienten mit einer nur noch geringen Lebenserwartung. Berührungsängste mit den Begriffen Tod und Sterben sollte da niemand haben.

Das gilt in gleicher Weise für die Tiermedizinischen Fachangestellten. Auch sie sehen viel Leid. „Unheilbar kranke Tiere euthanasieren zu müssen, gehört zu unserem Berufsalltag“, berichtet Nicole Josten-Ladewig. Da gelangen die, die heilen wollen, nicht selten selbst an Grenzen. Zumal im Angesicht solcher Diagnosen keine Schönheitspreise verliehen werden. Wie überhaupt alle medizinischen Fachberufe, am intensivsten freilich die in den Tierarztpraxen, eine gewisse Ekeltoleranz gegen Körperausscheidungen, Wunden und Verletzungen mitbringen sollten. Genauso wie Mut. Tierärzte und die ihnen assistierenden Tiermedizinischen Fachangestellten müssen die natürlichen Fluchtdistanzen der Tiere regelmäßig überschreiten. Als Folge davon kommen Biss- und Trittverletzungen immer wieder vor. Zuletzt bedürfen MFA, ZFA und ganz besonders die TFA einer ausgeprägten Beobachtungsgabe. Nicht alle Patienten können ihr Befinden klar artikulieren, Tiere ohnehin nicht. Wie also beurteilen, ob die Behandlung erfolgreich ist?

Zukünftig größere Arbeitseinheiten

Behandlungsraum der Zahnmedizinischen Klinik in Mannheim (Foto: Wikimedia/Dr. Dr. Valentin)

Die in der Vergangenheit typische Arbeitskonstellation in den Praxen, die aus einem Arzt, zugleich der Chef, und drei bis vier Medizinischen, Zahnmedizinischen oder Tiermedizinischen Fachangestellten bestand, prägt den Berufsalltag zwar weiterhin. Doch bündeln Ärzte und Zahnärzte vor allem in den Ballungszentren, aber auch wegen zunehmender Teilzeitarbeit der weiblicher werdenden Ärzteschaft, ihre Kräfte zunehmend in Gemeinschaftspraxen und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), bei Tierärzten in Gruppenpraxen und Tierärztlichen Kliniken. Das beeinflusst auch den Arbeitsalltag der jeweiligen medizinischen Fachangestellten. Denn das neue Geschäftsmodell sieht die strikte Trennung von medizinischen und administrativen Prozessen vor. Deshalb werden die Arbeitsabläufe organisatorisch viel stärker vorstrukturiert und hält die Arbeitsteilung ähnlich der in Krankenhäusern Einzug in den Berufsalltag. Ganzheitliches Arbeiten vom Empfang über die Behandlungsassistenz bis zum Ausfüllen des Rezeptes oder einer Heilverordnung und der Verabschiedung gibt es in dieser neuen Betriebsumgebung nicht mehr. Barbara Kronfeldner hat genau das während einer kurzen beruflichen Stippvisite im nahegelegenen Kreiskrankenhaus schmerzlich vermisst. Und ist in die Praxis zurückgegangen.

Doch die Entwicklung hin zu Gemeinschaftspraxen, facharztübergreifenden Medizinischen Versorgungszentren und Tierkliniken verändert unmerklich auch die medizinischen Fachberufe. Die Arbeitsstätte wird größer und die Aufgabentrennung komplexer, das Arbeitsklima geschäftsmäßiger, die Fixierung auf den Chef lockerer, die medizinfachlichen Ansprüche wachsen. Denn eine steigende Zahl von Ärzten arbeitet inzwischen im Angestelltenverhältnis und nicht mehr als Freiberufler. Zahlreiche MVZ werden mittlerweile nicht mehr von sogenannten Vertragsärzten, sondern von Krankenhausgesellschaften oder auch nichtärztlichen juristischen Personen betrieben. Da ist auch der Arzt dann nur noch Arbeitnehmer. In einem MVZ, von denen es inzwischen 2.821 gibt, arbeiten im Durchschnitt fünf bis sechs Ärzte und zwischen 30 bis 40 MFA. Aber auch in der Zahnarztpraxis von Sylvia Gabel in Gummersbach sind vier Zahnärzte und 18 ZFA tätig.

Große Fachkräftenachfrage

Tiermedizinische Fachangestellte Nicole Josten-Ladewig (Foto: privat)

Die in ganz Norddeutschland bekannte Lüneburger Tierklinik, in der Nicole Josten-Ladewig ihr Geld verdient, zählt rund 70 Mitarbeiter, davon 22 Tierärzte und 35 Tiermedizinische Fachangestellte. Über die Hälfte der Tierarztpraxen sind auf Kleintiere spezialisiert, nur noch jede zehnte auf Nutztiere, der Rest macht beides. „Statt täglich dreißig Kunden und drei Operationen, wie in einer Einzelpraxis, sind es bei uns zweihundert und zwanzig, darunter auch sehr komplizierte Wirbelsäulen-Operationen“, beschreibt Josten-Ladewig die Unterschiede. Die Tiermedizinischen Angestellten assistieren hier wie dort bei allen Behandlungen. Das trifft auch bei den Zahnmedizinischen Fachangestellten zu. Die Medizinischen Fachangestellten assistieren dagegen nur in den ambulanten OP-Zentren und einigen Fachrichtungen wie etwa bei Augenärzten, Orthopäden und Chirurgen, auch bei Urologen und Gynäkologen. Bei den übrigen Fachrichtungen sind sie während der Behandlungen eher selten „zugelassen“. Manche genießen, andere vermissen das.

Kaum irgendwelche Berufe besitzen derart gute Arbeismarktchancen wie die medizinischen Fachberufe. Überall können sie tätig werden, von Flensburg bis Konstanz, von Köln bis Frankfurt an der Oder, in den Ballungsgebieten ebenso wie auf dem platten Land, die MFA darüber hinaus nicht lediglich in den Praxen niedergelassener Ärzte, sondern jede zehnte auch in einem Krankenhaus. Ebenso attraktiv sind die Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, beim rasanten medizinischen Fortschritt aber natürlich auch zwingend notwendig. Besonders gilt das im Bereich der Hausärzte, deren Mangel im ländlichen Raum zunehmend größer wird. Barbara Kronfeldner ist dafür gutes Beispiel. Sie hat eine Qualifikation zur Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (VERAH) abgeschlossen und fährt einen Tag in der Woche zu Patienten, die nicht mehr in die Praxis kommen können. Nein, sie ersetzt den Arzt nicht. Doch übernimmt sie Aufgaben im Wundmanagement, bei der Blutzuckerkontrolle oder in der Dekubitusprophylaxe. „Ich genieße den intensiven Kontakt zu den Patienten“, sagt sie und packt bereits die Koffer für den nächsten Tag.

Gute Ausbildungs- und Berufschancen

Einhaltung der Hygienevorschriften – Auch eine Aufgabe für Zahnmedizische Fachangestellte (Foto: Wikimedia/Barbaricino)

Die Zahl arbeitsloser MFA und ZFA liegt mit rund zwei Prozent auf niedrigem Niveau. Mit vier Prozent ist auch die Lage bei den TFA als gut zu bezeichnen. Hoch ist indessen die Zahl der Teilzeitbeschäftigten. Bei den MFA arbeiten mehr als die Hälfte aller Beschäftigten Teilzeit. Geringer ist der Wert bei den ZFA und TFA. Und auch wenn die Zahl der Ausbildungsverträge auf hohem Niveau stabil ist, beklagen die niedergelassenen Ärzte den Mangel an Fachkräften, an dem sie selbst nicht ganz unschuldig sind, lautstark. Was könnte helfen? Vor allem eine angemessene Wertschätzung und eine deutlich bessere Bezahlung. Das würde gewiss auch den geringen Anteil männlicher MFA, ZFA und TFA erhöhen und das Qualitätsniveau der Bewerber verbessern helfen.  Denn ob der schon versuchte Ersatz der ZFA durch Cobots, von dem Sylvia Gabel berichtet, der Weisheit letzter Schluss ist, wird sich erst noch zeigen müssen. Das Behandlungsbesteck zureichen, dürfte der Roboter schon bald sicher können. Doch Empathie vermögen auf absehbare Zeit nur MFA, ZFA und TFA zu vermitteln.

 


Daten, Fakten & Links
(Quelle: Verband medizinischer Fachberufe e.V.; BiBB)

Berufstätige in den medizinischen Fachberufen:

  • Medizinische Fachangestellte (MFA): 441.000 (davon 326.000 in Arztpraxen und 54.000 in Krankenhäusern).
  • Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA): 200.000.
  • Tiermedizinische Fachangestellte (TFA): 15.000.

Altersstruktur Berufstätiger in medizinischen Fachberufen:  keine Angaben verfügbar.

Arbeitslose in den medizinischen Fachberufen:

  • Medizinische Fachangestellte (MFA): 8.357 (1,9%)
  • Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA): 4.250 (2,1%)
  • Tiermedizinische Fachangestellte (TFA): 586 (4%)

Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge in den medizinischen Fachberufen (2017):

  • Medizinische Fachangestellte (MFA): 15.708 (Frauenanteil: 97,5 %)

Qualifikationsstruktur: Abitur 19%, Realschulabschluss 62%, mit und ohne Hauptschulabschluss 17%

  • Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA): 12.006 (Frauenanteil: 98 %)

Qualifikationsstruktur: Abitur 11%, Realschulabschluss 56%, mit und ohne Hauptschulabschluss 31%

  • Tiermedizinische Fachangestellte (TFA): 2.403 (Frauenanteil: 94 %)

Qualifikationsstruktur: Abitur 38%, Realschulabschluss 58%, mit und ohne Hauptschulabschluss 4%

Einkommen (Berufsanfänger) brutto und Ausbildungsvergütung im 1. Ausbildungsjahr (in Klammern):

  • Medizinische Fachangestellte (MFA): 1.884 Euro (805 Euro); bundesweit gültiger Tarifvertrag
  • Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA): 1.891 Euro (800 Euro); Tarifvertrag gilt nur für Hamburg, Hessen, Saarland und Westfalen-Lippe)
  • Tiermedizinische Fachangestellte (TFA): 1.730 Euro (630 Euro); bundesweit gültiger Tarifvertrag

Weiterführende Informationen:

und
https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index;BERUFENETJSESSIONID=gHVvy-Kp-3lYuwrayWFTNTlYJFEQRxGOB4d1Ghl_5zW2DJN9i62k!220398258?path=null/suchergebnisse/kurzbeschreibung&dkz=33213

und
https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index?path=null/kurzbeschreibung&dkz=14704&_afrLoop=8931171264604609&_afrWindowMode=0&_afrWindowId=null&_adf.ctrl-state=1bsr4o5m1h_74

und
https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index?path=null/kurzbeschreibung&dkz=33214

 

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