Das passende Studienangebot (4) – Lehramtsstudien-gänge für die Spezialisten der Wissensvermittlung

Von Rainer Hoppe | 15. Mai 2018

Lehramtsstudiengänge bilden eine besondere Form des Studiums. Nicht allein, weil es hier möglich ist, ganz verschiedene Interessen unter einem (Studien-)Dach zu vereinen, etwa Mathematik und Musik oder Sport und Biologie. Besonders ist auch die Organisation dieses Studiums. Denn nicht die Hochschulen und noch weniger die Studierenden bestimmen die Auswahl der Studienfächer sowie einzelner Lehrveranstaltungen. Federführend für Ablauf und Inhalt sind die Kultusminister der sechzehn Bundesländer. Sie legen in den Prüfungsordnungen für das Erste und Zweite Staatsexamen fest, wie das Studium angeboten wird, für welchen Schultyp, mit welcher Fächerkombination und mit welchen zahlreich vorhandenen Sonderregeln. So erlebt man in der Lehrerausbildung den Föderalismus in Reinkultur. Schließlich haben sechzehn Bundesländer je eigene und nicht selten stark voneinander abweichende Vorstellungen von Bildung, Schule und Lehrerausbildung.

Wichtige Aufgabe für Lehrer: Zum Selbstlernen motivieren (Foto: Wikimedia/woodleywonderworks)

Deshalb sind die Voraussetzungen sowohl für den Studienbeginn als auch die spätere Berufszulassung ganz unterschiedlich. So ist etwa das Lehramt an Haupt- und Realschulen in Niedersachsen vergleichbar mit dem Lehramt für die Sekundarstufe I im Saarland, das allerdings anders als in Niedersachsen auch zum Unterrichten im Sek. I–Bereich der Gymnasien berechtigt. In Bayern beendet man das Studium noch immer mit einem Staatsexamen, in den meisten Bundesländern inzwischen mit einem Master. Und natürlich haben einzelne Unterrichtsfächer je nach Bundesland andere Bezeichnungen und andere Lehrinhalte. Darüber hinaus gibt es Unterrichtsfächer, die nicht in allen Bundesländern angeboten werden, zum Beispiel Friesisch nur in Schleswig-Holstein. Dass in diesem Gewimmel auch die Lehrerbesoldung in den einzelnen Bundesländern sogar für die Lehrer gleichen Schultyps ebenso wenig identisch ist wie die Struktur und Länge des praktischen Vorbereitungsdienstes (Referendariat), verwundert da schon nicht mehr.

Unterschiedliche Anforderungen in den verschiedenen Schulformen

Immerhin aber erkennen seit 2014 die Bundesländer gegenseitig alle Lehrerausbildungen an, und zwar unabhängig vom Bildungsverlauf und Abschluss! Wichtig zu betonen: dies gilt trotz manch bürokratischer Hürden im Detail auch bereits für die Zulassung in den praktischen Vorbereitungsdienst. Davon unberührt bleibt das Erfordernis zu entscheiden, an welchem Schultyp man später unterrichten möchte. Grundsätzlich können Studienanfänger unter fünf verschiedenen Schulformen auswählen. Am Beispiel Niedersachsens sind das:

  • Lehramt an Grundschulen
  • Lehramt an Haupt- und Realschulen
  • Lehramt an Gymnasien
  • Lehramt an berufsbildenden Schulen
  • Lehramt für Sonderpädagogik

Nicht alle Bundesländer bieten aber die gesamte Palette an Lehramtsstudiengängen für alle Schultypen an. Und auch die Terminologie ist zum Teil stark abweichend. In Hessen heißt das Lehramt für Sonderpädagogik Lehramt für Förderschulen. In Brandenburg heißt das Lehramt an Grundschulen Lehramt Primarstufe. In Hamburg gibt es (noch immer, früher gab es das in mehreren Bundesländern) das Lehramt der Primarstufe und Sekundarstufe I. In Nordrhein-Westfalen sind die berufsbildenden Schulen mit dem Lehramt an Berufskollegs abgedeckt. Die Liste der Beispiele könnte problemlos verlängert werden. Unabhängig davon gibt es freilich auch so etwas wie ein gemeinsames Grundmuster. In der Regel sind zwei Unterrichtsfächer zu studieren. Dazu müssen Lehramtsstudenten, wenn auch nach Bundesland und Schultyp in unterschiedlichem Umfang, Lehrveranstaltungen in Pädagogik, Psychologie, Soziologie und Philosophie, gelegentlich auch Bildungswissenschaften genannt, belegen.

Kombinationsdschungel bei Unterrichtsfächern

Universität Hamburg: Fakultät für Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft (Foto: UHH/Dichant)

In der Regel gibt es für jede Schulform mehr oder weniger, auf jeden Fall aber immer verbindliche Kombinationsvorschriften für die Zusammenstellung der beiden Unterrichtsfächer. Nur mit einer Sondergenehmigung des für das Bundesland zuständigen Kultusministeriums, in dem sich die angestrebte Hochschule befindet,  kann hiervon abgewichen werden. Auch wenn jedes Bundesland eigene Vorschriften hat, gilt bundesweit doch eine Faustregel: Die Fächer Evangelische und Katholische Religion und, wo es das schon gibt, Islamische Religion können nicht miteinander kombiniert werden. Im Übrigen muss gelegentlich wie in Baden-Württemberg das Unterrichtsfach Religion mit der Religion des Lehramtsstudenten und späteren Lehrers übereinstimmen.

Am restriktivsten sind die Kombinationsvorschriften für das Lehramt an Grundschulen. In beinahe allen Bundesländern sind in der Fächerkombination Deutsch oder Mathematik, teilweise ergänzt um Englisch und/oder Sachunterricht, teilweise auch Deutsch und Mathematik zu wählen. Muss lediglich eines der vorgenannten Fächer als Unterrichtsfach gewählt werden, kann entsprechend der Kombinationsvorschriften ein weiteres Fach hinzu gestellt werden. Ist die Kombinationsvorschrift Deutsch und Mathematik zwingend vorgegeben, müssen diese Fächer durch ein drittes Fach ergänzt werden. Für die Lehrämter an Haupt- und Realschulen, für die Sekundarstufe I, Oberschulen und andere sind die Kombinationsvorschriften je nach Bundesland sehr divers. Den größten Spielraum bieten Nordrhein-Westfalen und Bremen. Am stärksten reglementiert ist das Studium in Bayern, wo für jedes einzelne Fach Kombinationsoptionen mit möglichen anderen Fächern erlassen wurden.

Auf die curriculare Bedeutung der Unterrichtsfächer achten

Ähnlich verhält es sich bei den Lehrämtern für das Gymnasium, für die Sekundarstufe II usw. Auch hier gibt es Bundesländer, die wie Nordrhein-Westfalen und Bremen nahezu alle denkbaren Fächerkombinationen zulassen, während in anderen Bundesländern teilweise sehr strenge Kombinationsregelungen gelten. Bayern erlässt auch hier sehr detaillierte Vorschriften, welche Fächer zu dem ersten gewählten Fach hinzugewählt werden dürfen. Niedersachsen sieht Kombinationen mit mindestens einem „Hauptfach“ vor, hebt diese Einschränkung aber zugleich wieder auf, wenn es um Kombinationen in den naturwissenschaftlichen Fächern oder um Kombinationen mit dem Fach Musik geht. Für einige Unterrichtsfächer gibt es in den meisten Bundesländern weitere Voraussetzungen wie z.B. den Nachweis des Latinums für einige Fächer, insbesondere Geschichte, Religion und Fremdsprachen. Werden diese nicht erfüllt, sind diese Nachweise zusätzlich zum Studium der Unterrichtsfächer an der Hochschule nachzuholen.

Kreatives Lernen als spiraliger Prozess (Foto: Wikimedia/Markus Bärlocher)

Bei einer sehr freien Kombinationsgestaltung sollte allerdings bedacht werden, wie sinnvoll eine Verbindung zweier nur zweistündiger Unterrichtsfächer wie zum Beispiel Kunst und Sport, die in einigen Bundesländern tatsächlich zugelassen wird, für den Berufsalltag eines Lehrers ist. Immerhin bedeutet das dann, in einer Unterrichtswoche in bis zu 13 verschiedenen Klassen unterrichten zu müssen. Einer engen Bindung zwischen Schülern und Lehrern dürfte das wenig zuträglich sein. Auch für das Lehramt an berufsbildenden Schulen, Berufskollegs usw. sind die Richtlinien sehr unterschiedlich. Eine Faustregel gilt allerdings auch hier. Fast überall muss ein allgemeinbildendes Fach mit einem berufsbildenden Fach kombiniert werden. Die Palette der berufsbildenden Fächer reicht von Wirtschaft über Metalltechnik und Hauswirtschaft bis zu Gesundheit. Je nach Häufigkeit in der Berufslandschaft gibt es auch hier Fächer mit einer mehr oder weniger großen curricularen Bedeutung.

Vielfältige Zulassungsverfahren

Eher selten werden die Lehrämter für Sonderpädagogik, Förderschulen usw. angeboten. In den bevölkerungsreichen Bundesländern werden entsprechende Studienmöglichkeiten meist an zwei Universitätsstandorten angeboten. Hier wählt man zumeist zwei sonderpädagogische Fachrichtungen aus, in denen man unterrichten möchte. In Baden-Württemberg erstreckt sich das Angebot über die Fachrichtungen Lernen, Sprache, Emotional-soziale Entwicklung, Geistige Entwicklung, Körperliche und motorische Entwicklung, Lernen bei Blindheit und Sehbehinderung sowie Hören. Dazu muss ein allgemeinbildendes Fach belegt werden. Welche Auswirkungen das Konzept der Inklusion und damit verbunden die Auflösung eines Teils der Förderschulen auf den Bedarf an Sonderpädagogen hat, lässt sich im Moment noch nicht abschließend beurteilen.

In den Kultusministerien fallen alle wichtigen Entscheidungen – Hier: Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst (Foto: Wikimedia/Henning Schlottmann)

Je nach Bundesland und Schultyp sind auch Lehramtsstudiengänge häufig zulassungsbeschränkt. Das heißt, nicht alle Studienplatzbewerber bekommen in jedem Studienfach für jeden Schultyp eine sofortige Zulassung. Dazu lassen die Hochschulen für jeden Lehramtstyp in jedem Unterrichtsfach einzeln zu. Zur Immatrikulation aber muss in der Regel eine Zulassung in beiden Fächern vorliegen. Es sollte deshalb verantwortlich überlegt werden, für welchen Schultyp und für welches Unterrichtsfach die Chancen ausreichend groß sind. Gegenwärtig liegt die Zahl der Bewerber in Fächern wie Deutsch, Biologie und Politik weit über der Zahl der vorhandenen Studienplätze, was eine sofortige Zulassung unsicher macht. Fächer wie Physik oder Erdkunde sind indessen meist zulassungsfrei. In einigen Fächern wie Musik, Kunst, Sport, gelegentlich aber auch in den Fremdsprachen, wird eine Zulassung darüber hinaus von fachspezifischen Aufnahmeprüfungen abhängig gemacht. Im Übrigen gewähren zahlreiche Hochschulen etwa für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder die Ableistung eines Bundesfreiwilligendienstes (BFD) einen Bonus.

Aufwendige Informationsrecherche

Immer mehr, obschon nicht alle Hochschulen vergeben ihre Lehramtsstudienplätze inzwischen über die Stiftung Hochschulstart. Dies schränkt die Zahl der Bewerbungsmöglichkeiten für Gymnasiasten ein, da Hochschulstart nur 12 gleichzeitige Bewerbungen zulässt. Daneben sind allerdings Bewerbungen an den Hochschulen, die die Zulassung der Studienbewerber weiterhin selbst vornehmen, selbstverständlich zusätzlich möglich. Das macht die Situation sehr unübersichtlich. Gleichwohl gestatten die meisten Hochschulen nur eine einzige Bewerbung pro Bewerber, so dass Bewerber sich vorab sowohl für den Schultyp als auch für die angestrebte Fächerkombination entscheiden müssen. Die verantwortliche Sichtung der verschiedenen Angebote und Regelungen bedarf deshalb eines sehr großen Zeitaufwandes. Interessenten für ein Lehramtsstudium sollten damit frühzeitig genug beginnen.

Vordenker der modernen Pädagogik: Denkmal von Heinrich Pestalozzi in Zürich (Foto: Wikimedia/Roland Zumbühl)

Lehrer und solche, die es werden wollen, müssen hartnäckig sein! Aber damit noch nicht genug. Um ein erfolgreicher und glücklicher Lehrer zu werden, bedarf es schließlich mehr als nur des Interesses an den Unterrichtsfächern. Lehrer arbeiten mit Schülern ganz unterschiedlicher Altersstufen, damit auch unterschiedlicher Entwicklungsphasen und Interessen, unterschiedlicher Begabungen, Biografien und sozialen Umfeldern. Dies gilt es, in jeder Unterrichtseinheit ständig zu berücksichtigen. Es erfordert eine permanente Flexibilität. Während der Volksmund oft behauptet, Lehrer wären die Berufstätigen mit den meisten Ferien, sieht die Realität doch ganz anders aus. Denn Lehrer arbeiten nicht nur im Unterricht, den sie zumeist zuhause umfangreich vorbereiten müssen. Dazu kommen aufwendige Korrekturarbeiten. Weiter müssen sie sich, in der Grundschule wohl noch mehr als an den weiterführenden Schulen, um das Lernumfeld der Schüler kümmern.

Kein Job für „faule Säcke“

Zusätzlich beraten sie Eltern und helfen ihnen, das Lernen der Schüler zu begleiten. Sie achten auf Missstände und Erziehungsdefizite. Sie entwickeln Maßnahmen, diese zu korrigieren. Bei Bedarf arbeiten sie mit Jugendämtern und Schulpsychologen zusammen. Sie nehmen regelmäßig an Schul- und Klassenkonferenzen, Elternabenden und Schulinformationsveranstaltungen teil, betreuen Schüler in der Nachmittagsbetreuung, bei Schulveranstaltungen und Klassenfahrten, sie initiieren, betreuen und leiten Schulprojekte. Im Einzelfall werden auch Hausbesuche erwartet. Sie betreuen Referendare und sie sind ständig selbst zur Weiterbildung verpflichtet. All das vergessen die Stammtische gerne, wenn es um die Arbeit von Lehrern geht. Fazit: Neben dem Interesse an den Unterrichtsfächern gehören ein pädagogischer Ethos, die Freude an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die fortdauernde Motivation, Wissen vermitteln sowie über die Welt und das Leben aufklären zu wollen, zu den zentralen Aufgaben jedes Lehrers.

Oft wird in den Medien beschrieben, wer besser nicht Lehrer werden sollte. Dabei schälen sich insbesondere die folgenden drei Persönlichkeitsprofile heraus. Der Einstein-Typ. In einem Fach zwar überdurchschnittliche Begabungen zu besitzen, sich dann aus Sicherheitsgründen aber doch lieber für den Lehrerberuf und gegen eine Karriere in der Wissenschaft oder der Industrie zu entscheiden, ist eine der denkbar schlechtesten Voraussetzungen für den Lehrerberuf. An der Universität verbindet die Studierenden eines Faches das gleich große Interesse an Inhalten und Fragestellungen. Das stellt sich in der Schule völlig anders dar. Denn hier spreizt die Bandbreite zwischen interessierten Schülern und totalem Desinteresse, zwischen hohem Leistungsvermögen und Versagen. Der Lehrer ist für alle Schüler da. Weder darf er nur mit den Begeisterten eine ganze Unterrichtsstunde fachsimpeln, so verlockend das ist. Schließlich besitzen auch die Schwachen oder eher uninteressierten Schüler einen Anspruch auf Unterricht. Anders formuliert: Keine Schule besitzt den Charakter einer Universität und kein Lehrer kann von Schülern mit gleichem Wissenshunger und einem gleich hohen intellektuellen Potentialen ausgehen.

Lehrer sind Allrounder

Der Erzieher-Typ. Er weiß um die vielfältigen Anforderungen des Lehrerberufs. Und er freut sich darauf. Er freut sich auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Er möchte ihnen beistehen und helfen. Doch Lehrer sind nicht nur Erzieher und Pädagogen. Abhängig zwar von der gewählten Schulform sind sie ganz wesentlich und in erster Linie Wissensvermittler. Deshalb auch das Studium zweier Unterrichtsfächer. Daran geht kein Weg vorbei. Oft läuft es dann auf Deutsch hinaus. Die Muttersprache kann doch schließlich jeder. Das ist richtig und falsch zugleich. Doch umfasst dass Unterrichtsfach Deutsch sogar für das Grundschullehramt mehr als nur Lesen und Schreiben. Es umfasst die mit Logik vollgestopfte Linguistik ebenso wie umfangreiche und arbeitsaufwendige Literaturrecherchen. Und natürlich schließt es auch Fragestellungen aus der vergleichenden Literaurwissenschaft über die Literaturen verschiedener Kulturkreise und Epochen ein. Man muss keine nobelpreisverdächtigen Leistungen erzielen, aber ohne ein ausreichendes Interesse für die zu studierenden Unterrichtsfächer geht es nicht!

Spezieller pädagogischer Ansatz: Montessorischule Naumburg (Foto: Wikimedia/Reise Reise)

Der Pragmatiker-Typ. Er kennt den Beruf aus der Familie oder der Perspektive des Schülers. Die tatsächlichen oder auch nur vorgeblichen Vorteile dieses Berufes strahlen eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Warum also noch lange weitersuchen? Das ist mühselig und das Ergebnis unsicher. Genauso wichtig, er lässt sich in aller Regel und mit ein wenig Kompromissbereitschaft gut umsetzen. Zuletzt bietet er ein sicheres Einkommen, gute Bedingungen zur Verbindung von Beruf und Familie, dazu fast ein Vierteljahr Ferien. Ja sicher, auch diesen Typ des Lehramtsinteressenten gibt es. Zur Mehrheit aber reicht es gewiss nicht. Wer allerdings einen Vertreter dieser Gruppe mal als Lehrer in der Schule erlebt hat, der weiß, was das für Schüler bedeuten kann. Zweifelhaft auch, ob das für den betreffenden selbst eine gute Grundlage für ein erfülltes und glückliches (Berufs)Leben ist. Ich hege Zweifel, denn wie es in den Wald hineinruft, schallt es zurück.

Berufsaussichten günstig, aber Prognosen schwierig

Viele seriöse Indizien deuten darauf hin, dass das Studium eines Lehramtes durchaus eine lukrative Berufsalternative sein kann. Es ist viel über fehlende Lehrer und unbesetzte Stellen in den Schulen zu hören. Die Kultusministerien verfügen über genaue Zahlen, wie viele Lehrer an den Schulen in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen werden. Allein an den Gymnasien erreichen in den nächsten zehn Jahren über 30 Prozent aller Lehrer die Pensionsgrenze. Dazu steigt seit Jahren die Geburtenrate wieder. Darüber hinaus wachsen die Zuzüge aus Ländern innerhalb und außerhalb der Europäischen Union. Dadurch wächst die Zahl der Schulpflichtigen. Zuletzt wandeln sich die Anforderungen in den Schulen. Kinder, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, aber schon bald nach der Ankunft in Deutschland eine Schule besuchen müssen, benötigen immerhin eine sehr intensive Betreuung. Auch die Inklusionsversuche der Bundesländer erfordern eine aufwendige Betreuung und am Ende mehr Lehrer.

Bremisches Lehrerseminar im Gymnasium an der Hamburger Straße (Foto: Wikimedia/Florean Fortescue)

Das alles mag für ein Studium eines Lehramtes sprechen. Dennoch ist Vorsicht geboten. Denn niemand weiß, wie viel Geld die politischen Entscheidungsträger von Bund und Ländern in den nächsten Jahren für und in die Schulen investieren mögen. Immerhin können Klassengrößen erhöht oder reduziert, ganze Schuljahre abgeschafft oder wieder hinzugefügt werden. Auch die Umfänge von Unterrichts- und Stundenplänen sind nicht in Stein gemeißelt. Selbst die Unterrichtsstundenbelastung für Lehrer ist jederzeit veränderbar. Jede Entscheidung aber, gleich ob so oder so, wird massive Auswirkungen auf den Lehrerbedarf haben. Viele Interessierte orientieren sich am momentanen Bedarf an Lehrern. Listen mit Mangelfächern gelten als Geheimtipp. Doch sind diese Listen nicht mehr als ein Blitzlicht der gegenwärtigen Situation. Man hat die Fächer im Ohr, wo Mangel herrschen soll: Mathematik, Chemie, Physik, Musik – quer durch alle Schultypen, dazu Informatik, Spanisch und Latein an Gymnasien.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Doch ist zu bedenken, dass die heutigen Abiturienten und diesjährigen Studienanfänger ihr Studium und den praktischen Vorbereitungsdienst frühestens 2025, realistischer wohl eher erst 2027 beendet haben werden. Ist dann der Lehrerarbeitsmarkt noch genau derselbe wie heute? Meine Empfehlung lautet deshalb, die Berufswahl, die Wahl der Schulform wie die der Unterrichtsfächer an den persönlichen Interessen und Leistungspotentialen auszurichten. Ein Letztes. Vorausschauendes Denken macht sich immer bezahlt. Aus der Perspektive eines 19jährigen Abiturienten mag die Lehrertätigkeit an einer Grundschule verlockend sein. Der Altersabstand verspricht ein gutes Standing. Aber auch Lehramtsstudierende werden älter und am Ende von Studium und Referendariat ist der Abstand zu Zehnt- und Zwölftklässlern ähnlich wie bei Studienbeginn zu Grundschülern.

Ein Allerletztes. Wer den Beruf des Lehrers anstrebt, übernimmt soziale Verantwortung nicht bloß für sich selbst, sondern auch für künftige Schülergenerationen. Ersparen Sie Schülern das, was der vor wenigen Wochen verstorbene deutsche Lyriker Anfried Astel einmal so ausgedrückt hat:
„Ich hatte schlechte Lehrer.
Das war eine gute Schule“

 

Weiterführende Informationen

“Über den Beruf Lehrer – Pausenlose Interaktion”: https://www.berufsreport.com/lehrer-pausenlose-interaktion/

Lehrer werden: https://cp.sodis.de/dbs/lehrer-werden/lw.php?seite=welcome

Wie werde ich eigentlich Lehrer: http://www.studieren-im-netz.org/vor-dem-studium/wie-werde-ich-eigentlich/berufsspecial-lehrer

Aufgaben und Kompetenzen von Lehrern: http://wubel.care-line.ist-im-web.de/entscheidung/berufseignung/aufgaben-und-kompetenzen-des-lehrers/

Lehramtsstudium: https://www.hochschulkompass.de/studienbereiche-kennenlernen/lehramt.html

Anerkennung der Abschlüsse: https://www.kmk.org/themen/allgemeinbildende-schulen/lehrkraefte/anerkennung-der-abschluesse.html

 

 

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