Kameraleute – Die den Bildern einen Ausdruck geben

Von Hans-Martin Barthold | 15. Oktober 2021

  

Einen unbefristeten Arbeitsvertrag besitzt kaum einer von ihnen. Die meisten arbeiten ihr Berufsleben lang als Freelancer. Was ihrem Erfolg und ihrer Berufszufriedenheit allerdings nur wenig Abbruch tut. Im Angelsächsischen nennt man sie Cinematographer, im News- und Sportbereich auch Cameraman. Hierzulande heißen sie schlicht und einfach Kameraleute. Und jeder meint, bei dieser Berufsbezeichnung schon zu wissen, was die Männer und Frauen hinter den mit viel High Tech ausgestatteten Bildaufnahmegeräten so alles tun. Bei genauem Hinsehen erweist sich das freilich und in vielen Details ganz besonders als ebenso ergänzungs- wie erklärungsbedürftig. Das Weiterlesen lohnt also. Tatsächlich beinhaltet der Job weit mehr, als nur das Objektiv auf die Spielszene oder das Geschehen draufhalten zu können. Es kommt auf die richtige Einstellung an, die der Kamera und die der Kameraleute zu ihrer Arbeit. Ebenso auf die passenden Schwenks, die gewünschte Schärfe sowie die szenengerechte Ausleuchtung.

Kamerateam beim Dreh der ZDF-Serie „Flemming“ (Foto: Wikimedia/Ralf Roletschek)

Auch wenn Kameraleute selten so berühmt wie Regisseure oder Schauspieler werden, sind sie doch wie diese um nichts weniger wichtig und wie sie Künstler. Das haben ihnen die Richter des Bundessozialgerichts in einem Urteil aus dem Jahr 2017 sogar schwarz auf weiß bescheinigt. Ohne sie geht sowohl beim inszenierten Erzählen im Kinofilm, Fernsehspiel oder einer TV-Serie als auch beim nicht-inszenierten Berichten im Nachrichten- und dokumentarischen Bereich wenig. Doch neben einem guten Gespür und Auge für szenische Darstellungen ebenso wie für die journalistische Botschaft bedarf der gestalterische Erfolg von Kameramännern- und -frauen zusätzlich breiter technischer Kenntnisse, vor allem aus der Optik. „Dennoch macht nicht die Kamera, sondern der Kameramann die Bilder“, rückt der 1. Vorsitzende des Bundesverbandes der Fernsehkameraleute e.V. (BVFK) Frank Trautmann die Prioritäten wieder in die richtige Reihenfolge. Und er ist sich sicher, dass das auch in den nächsten Jahrzehnten so bleiben wird.

Kameraarbeit ist Teamarbeit

Freilich ist Kameramann nicht gleich Kameramann. Die Arbeit hinter dem Objektiv ist Teamwork mit unterschiedlichen Aufgaben. Sogar in Low-Budget-Produktionen steht hinter der Kamera ein Team. Umgangssprachlich wird der Kameramann meist mit dem Chef des Kamerateams, dem lichtsetzenden beziehungsweise bildgestaltenden Kameramann gleichgesetzt, der auch Director of Photographie (DoP) genannt wird. Dabei ist der DoP als die höchste Karrierestufe für Kameraleute, eigentlich gar kein Kameramann (mehr). Er nimmt eine Leitungsfunktion wahr, die er freilich ohne einschlägige Berufserfahrung nicht ausfüllen könnte. Direkt hinter der Kamera aber steht er nur noch selten. Er ist Manager des hoch arbeitsteiligen Bildproduktionsprozesses. Sein Hauptaugenmerk liegt auf der Einrichtung von Licht und Kamera, die vom Schwenker beziehungsweise Operator bedient wird, je nach vorgegebener Perspektive auch von den Dollys aus. Darunter versteht man Kamerawagen, Hubsäulen und Kräne. Die Männer hinter tragbaren Kameras bei Live-Events und Großereignissen im Sport gleichen mit ihren aufwendigen Halterungssystemen Ninja-Kriegern und werden Steadycam Operatoren genannt.

Kameramann Daniel Hacker am Set der Horror Comedy Web-Serie „Discocalypse“ (Foto: Wikimedia/Daniel Hacker)

In Absprache mit dem DoP bestimmen die Schwenker und Steadycam Operatoren als Wichtigstes den Bildausschnitt. Sie müssen sich mit Blenden und Zoomeinstellungen auskennen. Das Verhältnis von DoP und Operatoren gleicht dem von eineiigen Zwillingen. Die Einen denken im wortlosen Gleichklang wie der Andere. Zumindest erleichtert das die Arbeit am Set. Dem Schwenker wiederum arbeitet der 1. Kameraassistent zu. Im Branchenjargon wird er als Focus Puller bezeichnet. Die Aufgabe des Focus Puller ist das sogenannte Schärfeziehen, das heißt die manuelle Änderung der Schärfenebene am Objektiv. Der Schärfepunkt jedes Bildes erweist sich für die Geschichte, die ein Film erzählen will, als zentrales dramaturgisches Element. „Denn er bestimmt die Aufmerksamkeit des Zuschauers, er lenkt dessen Blick auf die vom Regisseur ausgelegte Spur, er öffnet das Tor zum Verständnis der Geschichte“, formuliert es Robert Berghoff. Der langjährig berufserfahrene Kameramann war zehn Jahre lang Mitglied im Vorstand des Berufsverbandes Kinematografie (BVK) und weiß, wovon er spricht.

Die Kunst, eine Geschichte in Bildern darzustellen

Wo es 1. Kameraassistenten gibt, gibt es natürlich auch 2. Kameraassistenten. Ihr Platz ist allerdings nicht hinter der Kamera, sondern im Backoffice, wo sie Verantwortung für die Vollständigkeit sowie das jederzeit störungsfreie Funktionieren des Equipments tragen. Um dabei den Überblick zu behalten, müssen sie bei nicht selten mehr als dreißig einschlägigen Material-Koffern selbst gut organisiert sein. Und weil sie beim Dreh auch die berühmte Klappe schlagen, werden die 2. Kameraassistenten am Set von allen nur Clapper Loader gerufen. Zum Kamerateam gehören darüber hinaus auch ein Digital Imaging Technician (DIT) sowie der Data-Wrangler als dessen Assistent. Ihnen obliegt das Management der elektronischen Filmkamera-Daten. Bei größeren Produktionen kommen auch Second-Unit-Kameraleute zum Einsatz. Sie drehen parallel zu den eigentlichen Dreharbeiten sogenannte Establishing Shots, Action- und Stuntszenen, Luft- oder Trickaufnahmen. Wenig bekannt ist schließlich, dass der Oberbeleuchter einer der wichtigsten Vertrauensleute des DoP ist. Die beiden verbindet ein enges Vertrauensverhältnis.

Frank Trautmann ist Chefkameramann der Vektorskop GmbH in Berlin (Foto:Art & Photo)

Die im szenischen und nicht-szenischen Bereich verwendeten Kameras unterscheiden sich kaum voneinander, auch wenn sich die Ziele in Fiction und NonFiction stark voneinander unterscheiden. Frank Trautmann beschreibt sie so: „Kameraleute halten anders als Fotografen keine individuellen Eindrücke fest, sondern versuchen mit einer Vielzahl aneinandergereihter Bewegtbilder die Geschichte des Drehbuchautoren und die Interpretation des Regisseurs visuell nachzuerzählen oder einen nachrichtlichen Sachverhalt bildnerisch zu erklären“. Tolle Bilder könne heute jeder machen, gibt er unumwunden zu. Mit Bildern eine Geschichte zu gestalten, ist er überzeugt, sei jedoch etwas ganz anderes. Trautmann kennt sich aus. Neben seinem ehrenamtlichen Engagement im Bundesverband der Fernsehkameraleute arbeitet er seit vielen Jahren hauptberuflich als Chefkameramann bei der SAT.1 Berlin Produktion. Dann aber weist er auf einen wichtigen Unterschied. „Fernsehkameraleuten wird eine sehr hohe Eigenverantwortung abverlangt“, formuliert er den. „Bei den Nachrichten gibt es keinen Regisseur, der Redakteur ist häufig das erste Mal mit dem Thema konfrontiert, im Dokumentarfilm sind die Teams klein, überhaupt entbehren Live-Drehs der Möglichkeit einer Korrektur durch Wiederholung.“

Den dramaturgischen Bogen visualisieren

Fernsehkameraleute müssen deshalb unbekannte Situationen stets schnell erfassen und meist oft ohne die Möglichkeit zur vorherigen fachlichen Diskussion entsprechende Entscheidungen treffen. Freilich besitzt ihr Produkt auch keinen Ewigkeitswert. Das ist im szenischen Bereich anders. Zwar akzeptieren, warum eigentlich (?), noch längst nicht alle Regisseure die Kameraleute als Partner auf gleicher Augenhöhe. Doch selbst dann und trotz eventuell unterschiedlicher Lesarten des Drehbuchs wird eine Verständigung darüber in den Vorgesprächen unerlässlich. Gewiss sind die Zeitbudgets in der Spielfilmproduktion ebenfalls eng, weil auch hier Zeit Geld ist. Doch mit dem Aktualitätszwang im Newsbereich sind sie nicht vergleichbar. Und kluge Regisseure wissen, das Produktionstempo wird ganz wesentlich von der Arbeit der Kameraleute bestimmt. Partnerschaftliches Einvernehmen garantiert deshalb nicht nur einen guten Film, es hält auch die Kosten im Zaum. Freilich reicht es nicht, dass Kameraleute exzellente Bildfolgen im Kopf haben. Sie müssen ihre bildnerischen Lösungen sowohl gegenüber dem Regisseur wie auch dem Operator präzise beschreiben und begründen können.

Eine akademische Ausbildung, wie sie inzwischen von einigen Hochschulen angeboten wird, hält Robert Berghoff deshalb für hilfreich. Berghoff studierte erst ein paar Semester Theaterwissenschaften in München und schloss dann in Hamburg an der Hochschule für bildende Künste ein Studium der visuellen Kommunikation ab. Anschließend schwenkte er die Kamera für die Tagesschau, verschiedene Magazinsendungen, die Sportschau, in Spielfilmen für Kino und Fernsehen, in Musikfilmen und „Tatort(en)”, zahlreichen TV-Serienteilen sowie Dokumentationen.  „Bis ich mir im szenischen Film einen Namen erarbeitet habe“, schaut er zurück, „vergingen dann allerdings gut fünfzehn Jahre.“ Ein Gespür für den dramaturgischen Bogen unterscheide den guten vom weniger guten Kameramann. Viel Fachliteratur zu lesen, schule den Blick dafür, ist Berghoff überzeugt. „Ein guter Kameramann“, bestätigt denn auch Frank Trautmann, „besitzt eine ganz natürliche Autorität. Er ist nicht auf den Applaus von der Galerie angewiesen. Er weiß, ohne ihn geht es nicht.“ Die akademische Ausbildung an einer Hochschule ist unter Kameraleuten indessen nicht unumstritten.

Kein Erfolg ohne Praxiserfahrungen

Robert Berghoff, wo er sich am wohlsten fühlt: In der Nähe einer Kamera (Foto: Privat)

Sogar Robert Berghoff als Befürworter einer akademischen Kameraausbildung unterstreicht die Bedeutung praktischer Berufserfahrung nachdrücklich. Sie ist das A und O für eine erfolgreiche Karriere. Nur über einschlägige Projekte wird man in der Szene ebenso sichtbar wie bekannt. Schon während seines Studiums in Hamburg jobbte Berghoff als Kabelträger beim NDR, arbeitete später als 2. und 1. Kameraassistent. Sieben Jahre zog er anschließend als Kameraassistent von einem Projekt zum nächsten. „Irgendwann war ich dann Kameramann.“ Ähnlich Frank Trautmanns Weg. Nach Abschluss einer Ausbildung als Fotograf bewarb er sich beim Saarländischen Rundfunk um ein Ausbildungspraktikum als Kameraassistent und wurde genommen. „Zu jener Zeit arbeiteten wir noch mit 16mm-Filmen“, erinnert er sich. Seinen ersten Vertrag erhielt er von einer kleinen Produktionsfirma, die auf Werbe- und Industriefilme spezialisiert war. „Da konnte ich noch sehr viel ausprobieren und experimentieren“, schwärmt er bis heute.

Bevor er bei der SAT.1 Berlin Produktion zum Chefkameramann aufstieg, drehte er als Freelancer vor allem für RTLplus und die Telefilm Saar zahlreiche Reportagen und Dokumentationen. Berufliche Herausforderungen gab es fast täglich. Von einer erzählt er. Für einen Beitrag über die Arbeitswelt der Elterngeneration soll er einen Teilbeitrag über Frauen in der Waschküche am Waschbrett liefern. Klingt nicht gerade kompliziert, wurde es aber. Der Raum im Heimatmuseum war klein. Viel zu klein, um die Frauen samt Zuber und Waschbrett so in die Kamera zu bekommen, dass die Bilder etwas von der authentischen Atmosphäre dieser Arbeit vermitteln. Was tun? Schon am nächsten Morgen muss er die Aufnahmen früh im Funkhaus abliefern. Dann die Lösung. Trautmann richtet das Objektiv auf den Hintergrund der Waschfrauen. Dorthin projizierte die Sonne für wenige Augenblicke die Spiegelungen der Wasserbewegungen. „Das machte das Bild kompakt und wertete es dramaturgisch auf“, erinnert er sich, als wäre es erst gestern gewesen.

Kameraleute denken mit

Spätestens jetzt weiß ich um die Wahrheit dessen, was mir Frank Trautmann ganz am Anfang unseres Gespräches anvertraute. „ Solange dir gesagt werden muss, was du wie aufzunehmen hast“, erinnert sich Trautmann an die Aussage eines seiner früheren Chefs, „solange bist du noch kein Kameramann.“ So gesehen, war der Beitrag über die Wäscherinnen sein Gesellenstück. Freilich bestimmen der Kameramann und die Kamerafrau nicht das, was der Kinobesucher oder Fernsehzuschauer am Ende zu sehen bekommt. Zwischen ihrer Arbeit und dem fertigen Film oder dem gesendeten Beitrag steht der Cutter oder, wie er heute genannt wird, der Editor. „Als Kameramann leitet mich die Ästhetik der Bilder“, beschreibt Frank Trautmann die Zusammenarbeit, „die Cutter beziehungsweise Editoren folgen stattdessen deren innerer Logik. Ich bin der Mann für den Raum, die Cutter und Editoren die Fachleute für die Zeit.“ Im Tagesgeschäft eines Fernsehsenders wissen Kameraleute aber meist nicht, wer ihren Beitrag schneidet.

Im szenischen Bereich können Kameramänner stärkeren Einfluss auf den Schneidevorgang nehmen. „Ich folge gerne den Wegen der Figuren, bin quasi zu Gast in ihrem Universum und mag es, wenn Regisseure die Schauspieler nicht zu kleinteilig inszenieren. Mit schnellen, unaufwändigen Perspektivwechseln erreiche ich eine Vielfalt an bildlichem Ausdruck, den ein Cutter/Editor zum Rhythmisieren braucht.“ Andere Kollegen bevorzugen zur Durchsetzung der eigenen Handschrift eine eher minimalistische Kameraarbeit. Da bleibt dem Cutter beim Schneiden dann nur ein geringer Gestaltungsspielraum. Doch gleich wie, Kameramänner müssten es aushalten, nicht die perfekten Bilder erschaffen zu können. Sie sollten es aber genauso aushalten können, Bilder zu Projekten erstellen zu müssen, zu denen sie keinen inneren Zugang finden. Wer Kameramann werden möchte, weil er meint, sich in diesem Beruf besser verwirklichen zu können als ein Chirurg oder Informatiker, ist gut beraten, noch einmal über seinen Plan nachzudenken. „Auch Filmarbeit ist Lohnarbeit. Nicht jedes Projekt wird zur Herzensangelegenheit“, formuliert Robert Berghoff seine Erfahrungen.

Zu jedem Stoff gute Bilder einfangen

Auch mit einem anderen Aspekt ihres Berufes müssen Kameraleute umgehen lernen. Es ist die Industrialisierung des Filmgeschäfts. Streamingdienste wie Netflix & Co. geben dieser Entwicklung einen weiteren großen Schub. Bei Serien arbeiten oft zwei Teams parallel und wechseln alle drei Folgen die Regisseure und Kameraleute. Nur die Schauspieler bleiben. Da braucht es dann von den Kameraleuten die Bereitschaft, sich immer wieder auf neue Menschen und neue Teams einlassen zu wollen. Noch einen Schritt weiter auf diesem Weg sind die Daily Soaps. Hier arbeiten Schauspieler, Regisseure und Kameraleute zwar hoch professionell, doch sind sie vor allem (Kunst)Handwerker, deren Job Wissen mit praktischen Fähigkeiten kombiniert. Zeit für ausführliche Vorgespräche über das Drehbuch, für Probeaufnahmen aus verschiedenen Perspektiven, für eine zweite oder gar dritte Klappe ein und derselben Szene bleibt indessen nicht.

Shotmaker im Einsatz (Foto: Wikimedia/http://www.shotmaker.com 9)

Robert Berghoff kennt das Arbeiten in der Serienproduktion. „Die Zusammenarbeit“, erzählt er, „bewegt sich beruflich auch hier auf hohem Niveau, die Atmosphäre ist eine im gegenseitigen Respekt und sehr warmherzig, Teamarbeit eben.“ Bildgestalter bestimmen selten die Inhalte von Filmen, aber durch ihre individuelle Lesart der Dramaturgie, ergänzen und unterstützen sie die Intention von Drehbuch und Regie. Wie gut oder schlecht ihnen das gelingt, ist für ihren Berufsweg entscheidend. Bei jedem Projekt fangen sie von vorne an, müssen sich stets neu beweisen. Die Lorbeeren, die sie beim letzten Film erhielten, sind beim nächsten Projekt bereits schon wieder Schall und Rauch. So gehen die Karrieren von Kameraleuten rauf und runter, quer, schräg, in rasendem Tempo oder verzögert. Einen linearen Aufstieg, abhängig von der Zeit an Berufsjahren, wie er für Beamte gilt, den gibt es für Kameramänner und –frauen nicht. Sie müssen sich immer wieder neu beweisen.

Eine Branche in ständiger Bewegung

Das im Übrigen auch als ihre eigenen Unternehmer. Fernsehkameraleute sind im Durchschnitt 11 bis 15 Tage im Monat im Einsatz. Die vom BVFK geforderte Untergrenze des Tageshonorars liegt derzeit bei 450 Euro. Filmkameraleute erhalten dagegen Wochen- oder Projektgagen und erzielen ein durchschnittliches Monatseinkommen von etwa 5.500 Euro. Wenn die Aufträge wie jetzt in der Coronapandemie ausbleiben, kann die Summe freilich auch deutlich geringer ausfallen. Was einen guten Kameramann und eine gute Kamerafrau auszeichnet? Sie benötigen neben Geduld und Ausdauer sowie für Außendrehs und oft genug sehr lange Arbeitstage eine gute körperliche Konstitution. Vor allem aber brauchen sie ein möglichst engmaschiges Netzwerk. Nicht, um sich in dunklen Hinterzimmern gegenseitig die lukrativen Aufträge zuzuschanzen. Vielmehr ist der Beruf des Kameramanns einer, der von der persönlichen Anerkennung durch Regisseure und Produzenten lebt. Und dafür gilt es, sich einen guten Ruf, einen Namen zu erobern. Man muss sichtbar sein. Das umso mehr, als die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt groß ist.

Kameramann bei der Übertragung eines Fußballspiels (Foto: Wikimedia/Arne Müseler)

Das trifft nach Ansicht Michael Neubauers, Geschäftsführer des Berufsverbandes Kinematografie, insbesondere für die Absolventen hochschulischer Studiengänge ohne ausreichende praktische Berufserfahrung zu. „Sie haben keine wirkliche Perspektive“, lautet seine Feststellung auf der Internetseite des Verbandes. Zumindest dann, wenn sie nicht bereit sind, trotz ihres akademischen Abschlusses ganz unten zu beginnen. Darüber hinaus gibt es bei den Fernsehsendern in regelmäßigen Abständen Diskussionen über Einsparpotentiale. Damit sind weniger die automatischen Kameras bei der „Tagesschau“ und anderen Nachrichtensendungen gemeint. Diese Entwicklung ist schließlich schon lange abgeschlossen. Hinter den Kameras, die die Sprecher aufnehmen, steht bereits seit Jahr und Tag kein Kameramann mehr. Auch im Newsbereich wird erwogen, die aus Redakteur, Kameramann und Tontechniker bestehenden Crews auf ein 1-Mann-Team einzudampfen. Der Redakteur liefert neben dem Text dann auch gleich Bild und Ton mit. Natürlich weiß Frank Trautmann darum. Bange machen will er sich davon allerdings nicht machen lassen.

Ausbildung will gut überlegt sein

„Gute Qualität  geht auch im Nachrichtenbereich nicht ohne professionelles Knowhow hinter der Kamera“, ist er überzeugt. Bleiben zwei Fragen. Zuerst die nach dem empfehlenswerten Zugang in den Beruf. Praktische Berufserfahrungen sind ein Muss. Darin sind sich alle einig. Die aus dem Film, wie Robert Berghoff, ein Studium befürworten, und die aus dem Fernsehen, wie Frank Trautmann, die einen Zugang über eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton (Siehe dazu: „Mediengestalter Bild und Ton – (Kunst)Handwerker für Fernsehen und Radio“; https://www.berufsreport.com/mediengestalter-bild-und-ton-kunsthandwerker-fuer-fernsehen-und-radio/) präferieren. Das Studium muss nicht unbedingt Kamera heißen. Die Technik kann man sich über Learning by Doing aneignen. Das Studium sollte Kompetenzen für die Bildersprache von Geschichten vermitteln. Der Weg über die Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton schärft wiederum den Blick des künftigen Kameramannes für die Schnittstellen der Arbeit hinter der Kamera mit Schnitt und der Tontechnik. „Bis man am Ziel DoP angelangt ist“, lässt es Frank Trautmann allerdings nicht an Deutlichkeit mangeln, „dauert es mindestens zehn Jahre.“ Auf die andere Frage findet sich bis auf die üblichen Leerformeln keine Antwort. Weshalb gibt es im Zeitalter der Gleichberechtigung der Geschlechter unter den Kameraleuten so wenige Frauen? Andere Berufe sind da schon weiter.

 


Daten, Fakten & Links
(Stand: 01.10.2021)

Berufstätige Kameraleute: belastbare Zahlen über die Zahl berufstätiger Kameraleute liegen nicht vor.
Altersstruktur berufstätiger Kameraleute:  ebenfalls keine Daten vorhanden.
Arbeitslose Kameraleute: Da die meisten Kameraleute als Freiberufler arbeiten, gibt es über arbeitslose Kameraleute keine belastbare Daten.
Einkommen:
Fernsehkameraleute:  Tageshonorar zwischen 300 bis 575 Euro brutto.
Filmkameraleute: Monatseinkommen zwischen 2.000 bis 5.500 Euro.
Studienmöglichkeiten: https://www.hochschulkompass.de/studium/studiengangsuche/erweiterte-studiengangsuche.html?tx_szhrksearch_pi1%5Bsearch%5D=1&genios=&tx_szhrksearch_pi1%5Bview%5D=&tx_szhrksearch_pi1%5Bfach%5D=Kamera&tx_szhrksearch_pi1%5Bstudtyp%5D=3&tx_szhrksearch_pi1%5Bohnelehramt%5D=1&tx_szhrksearch_pi1%5Bzusemester%5D=&tx_szhrksearch_pi1%5Blehramt%5D=&tx_szhrksearch_pi1%5Bsprache%5D=&tx_szhrksearch_pi1%5Bname%5D=&tx_szhrksearch_pi1%5Bplz%5D=&tx_szhrksearch_pi1%5Bort%5D=&tx_szhrksearch_pi1%5Btraegerschaft%5D=
Weiterführende Informationen:
Kameramann (DoP): https://kinematografie.org/berufsverband/bb_dop.php
Kameramann (Operator): https://kinematografie.org/berufsverband/bb_op.php
Kameramann (1. Kameraassistent): https://kinematografie.org/berufsverband/bb_fp.php
Kameramann (2. Kameraassistent): https://kinematografie.org/berufsverband/bb_fp.php
Kameramann (Digital Imaging Technician): https://kinematografie.org/berufsverband/bb_dit.php
Kameramann (Datenassistent): https://kinematografie.org/berufsverband/bb_da.php
Fernsehkameramann: https://static.bvfk.tv/bvfk_folder/files/Arbeitsp.%20und%20Dokum.%20AG%C2%B4s/1704-BVFK-Berufsbild.pdf

 

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