Gesundheitswissenschaftler – Gesundheit strategisch denken

Von Hans-Martin Barthold | 15. November 2018

Es sind Probleme wie dieses, an deren Lösungen Gesundheitswissenschaftler arbeiten. „Männer und Frauen in Deutschland leben 12 beziehungsweise 13 Jahre weniger beschwerdefrei als Männer und Frauen in Schweden“, erklärt Professor Bernhard Badura vor kurzem während eines Interviews in ARD-Alpha. Die Folgen seien nicht lediglich eine geringere individuelle Lebensqualität, sondern auch häufigere Arztbesuche und eine höhere Anzahl an Frühverrentungen. Dieser übermäßige Leistungsverschleiß, wie Badura es bezeichnet, sei nicht nur teuer, sondern schlimmer noch, hausgemacht. Einschlägige Untersuchungen zeigten, dass die Ursachen in jedem zweiten Fall in den Arbeitsbedingungen, allem voran in einer unprofessionellen Führungskultur deutscher Unternehmen gründeten. „Vorgesetzte und deren Führungsverhalten werden bei uns immer mehr zu einem Risikofaktor für die Gesunderhaltung von Arbeitnehmern“, ist sich der emeritierte Professor sicher.

Bernhard Badura, emeritierter Professor der Universität Bielefeld (Foto: Screenshot Youtube)

Viele Vorgesetzte führten ausschließlich mit Druck und Repression, um nur ja die kurzfristigen Unternehmensziele zu erreichen, anstatt langfristig für den Job zu begeistern. Sie sähen oft selbst keinen Sinn in ihrer Arbeit und könnten deshalb auch für die Mitarbeiter keine innere Bindung dazu herstellen. Das führe je öfter umso mehr zur psychischen Erschöpfung, dem berüchtigten Burnout. „Rückenschule“, sagt Badura, „kann nicht die fehlende Rückendeckung durch die Führungskraft ersetzen.“ Und macht damit deutlich, worin sich die Problemlösungsansätze von Gesundheitswissenschaftlern und Ärzten unterscheiden. Wollen Ärzte den einzelnen Patienten heilen, ist es das Ziel von Gesundheitswissenschaftlern gesellschaftliche Strukturen so zu gestalten, dass Menschen daran nicht krank werden. Denn sie wissen, Gesundheit und Krankheit haben nicht allein mit bestimmten Zuständen des Körpers zu tun, sondern in gleicher Weise mit psychischen und gesellschaftlichen Lebensumständen. Bernhard Badura gründete vor 25 Jahren an der Universität Bielefeld den ersten Fachbereich Gesundheitswissenschaften.

Datenanalyse statt Diagnose

Tatsächlich halten Gesundheitswissenschaftler keine Sprechstunde, untersuchen nicht, verschreiben keine Rezepte, operieren nicht. Ihr Arbeitsplatz ist weder die Praxis noch das Labor und schon gar nicht der Operationssaal. Ihr Arbeitsplatz ist das Büro, der Schreibtisch und der Konferenzraum. Aber doch leisten sie einen großen Beitrag zur Gesunderhaltung. Dafür ein Beispiel. Kathrin Duhme arbeitet bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln als wissenschaftliche Referentin für Tabakprävention und Nichtraucherförderung. Ihre Aufgabe ist so einfach wie anspruchsvoll. Nein, es geht nicht darum, mit der hundertsten Plakatkampagne auf die bei einem frühen Einstieg ins Rauchen exponentiell steigende Lungenkrebsgefahr hinzuweisen. Das weiß inzwischen jedes Kind. „Gesundheitsförderung“, sagt Duhme, „ist zwar auch weiterhin Information, immer stärker aber Unterstützung und Hilfe zur Verhaltensänderung, wie das ‚Rauchfrei‘-Online-Ausstiegsprogramm oder die Telefonberatung zum Nichtrauchen.“ Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Eine Repräsentativerhebung der BZgA zeigt, dass in der Altersgruppe der 12 bis 17Jährigen aktuell nur noch 7,4 Prozent rauchen.

Kathrin Duhme verdient ihr Geld bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Foto: Kathrin Duhme)

2001 waren es immerhin noch 27,5 Prozent. Vier von fünf Jugendlichen haben sogar keinerlei Erfahrungen mit dem Rauchen. Diese Daten werden durch das BZgA-Forschungsreferat erhoben. In dem ist auch der eine oder andere Gesundheitswissenschaftler tätig ist. Als wissenschaftliche Grundlage der Präventionsmaßnahmen dienen Kathrin Duhme eine Vielzahl von Daten. Sie setzt die vorhandenen Daten zueinander in Verbindung, interpretiert sie und bereitet sie im Rahmen der Kampagnen auf. Typische Fragestellungen hierfür sind beispielsweise: Wer raucht? Wer raucht weshalb? Welche konkreten Erkrankungsrisiken sind mit dem Rauchen verbunden? Erhöhen die Intensität und die Dauer des Rauchens die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung? Was sind die Motive, mit dem Rauchen aufhören zu wollen? Warum beginnt jemand nach drei Monaten Abstinenz erneut zu rauchen? Wie kann die Zielgruppe angesprochen werden? Wann sollen und wie können die Ergebnisse derartiger Präventionsprojekte evaluiert werden?

Entstehungsgründe von Krankheiten ermitteln

Was lässt sich aus diesem Beispiel für ein mögliches Kompetenzprofil von Gesundheitswissenschaftlern ableiten? Als erstes brauchen Gesundheitswissenschaftler ein enges Verhältnis zu Zahlen und Statistiken, dazu gute Kenntnisse über die jeweilige Zielgruppe. Weiter sollten sie sicher in der Formulierung ihrer Ergebnisse und Vorschläge sein. Die anschließende Umsetzung der Ergebnisse übernehmen in der Regel andere. Und geduldig sollten sie sein, einen langen Atem haben. Denn die Ergebnisse ihrer Arbeit stehen meist am Ende eines langdauernden Prozesses. Kathrin Duhme erfüllt alle diese wichtigen Voraussetzungen. Bevor sie den Master in Gesundheitswissenschaften an der Universität Flensburg erwarb, hat sie Soziale Arbeit studiert, in der Jugendhilfe gearbeitet und war während ihres Masterstudiums studienbegleitend in der Suchtberatung tätig. „Von diesen Erfahrungen profitiere ich in hohem Maße“, reflektiert Duhme ihre Arbeit. „Ich kann viele praxisorientierte Zusammenhänge besser erkennen und verstehen.“

Anke Schlieker – Projektleiterin Gesundheitsmanagement bei der Hamburger Versicherung HanseMerkur (Foto: privat)

Ganz ähnlich formuliert es Anke Schlieker. „Die Strukturen des Gesundheitswesens sind besonders“, weiß sie. „Um sie zu verstehen, helfen Lebens- und Berufserfahrung ganz wesentlich.“ Auch Schlieker studierte die Gesundheitswissenschaften erst in einer späteren Phase ihres Berufslebens. Zuvor schloss sie bei der Berliner AOK eine Ausbildung zur Sozialversicherungsfachangestellten ab und arbeitete danach zwei Jahre in der Gesundheitsförderung. Doch mit der Zeit wuchs der Wunsch nach mehr eigenen Gestaltungsmöglichkeiten. Deshalb entschloss sie sich zum Studium der Gesundheitswissenschaften an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Vier Jahre später schloss sie es als Diplom-Gesundheitswirtin ab. Seitdem arbeitet sie bei der privaten Krankenversicherung HanseMerkur, heute als Projektleiterin Gesundheitsmanagement, unterbrochen nur durch die Promotion an der Universität Bremen.

Krankheitskosten ökonomisch interpretieren

Will die Politik durch den Einsatz von Gesundheitswissenschaftlern Kosten sparen, erhoffen sich Unternehmen wie die HanseMerkur von ihrem Einsatz einen ökonomischen Vorteil. „Wir wollen betriebswirtschaftlich effektiver werden“, formuliert Anke Schlieker die Erwartungen ihrer Geschäftsleitung. Von Gesundheitswissenschaftlern fordere die deshalb, Gesundheit in all ihren Bezügen denken und sie mit ihren sozialen Bedingungen verknüpfen zu können. „Und genau das ist unsere Profession“, bestätigt Schlieker ebenso selbstbewusst wie zutreffend. Immerhin verknüpfen die gesundheitswissenschaftlichen Studiengänge die Medizin mit der Biologie, Epidemiologie, Soziologie, Psychologie und Ökonomie. Sie präsentieren sich so als klassisch interdisziplinäres Fachgebiet. Auf noch etwas gilt es hinzuweisen. Gesundheitswissenschaftler sind keineswegs bloße Macher. Wie sich bei Anke Schlieker zeigt, arbeiten sie auch im außeruniversitären Bereich wissenschaftsorientiert. „In der Analyse wissenschaftlicher Studien und epidemiologischer Untersuchungen muss ich methodisch sicher sein“, sagt sie, „Statistiken muss ich seriös interpretieren können.“

Johannes Brettner arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Baye-rischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (Foto: Johannes Brettner)

Ähnlich sind die Anforderungen bei Johannes Brettner, obwohl sein Arbeitgeber, das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), ganz anderen Aufgaben verpflichtet ist als die HanseMerkur in Hamburg. Brettner, der erst nach einem Bachelor in Volkswirtschaft zum Masterprogramm Public Health an der Ludwig-Maximilians-Universität München stieß, arbeitet beim LGL als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Präventionsberichterstattung. Dort geht es um Datenbereitstellung und Dateninterpretation für die Bürger, die Medien sowie politische Entscheidungsträger. „Wie in der Volkswirtschaft betrachtet man auch in der Gesundheitswissenschaft die Probleme und Strukturen aus übergeordneter Sicht“, erklärt Brettner die Schnittmenge dieser beiden Studiengänge. Wie Anke Schlieker erhebt auch Johannes Brettner die entsprechenden Daten nicht selbst, sondern greift in den meisten Fällen auf bereits vorhandene Datenbestände zurück, bevorzugt auf solche von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, des Statistischen Bundes- beziehungsweise Landesamtes und des Robert-Koch-Instituts.

Wissenschaftliche Methoden sicher beherrschen

Wie viele Gesundheitswissenschaftler bedarf deshalb auch Brettner guter Recherchefähigkeiten.  Derzeit erstellt er einen umfangreichen Präventionsbericht, daneben auch kürzere Gesundheitsreporte/Monitore. Ebenfalls zu seinen Aufgaben gehört es, kurzfristige Informationsanfragen, zum Beispiel des bayerischen Landtags oder der Öffentlichkeit, zu beantworten. Viel Zeit bleibt ihm da oft nicht. Und die inhaltliche Bandbreite streut von A bis Z. Genau diese Vielfalt aber fasziniert den Bayern an seiner Arbeit. Eine Vorliebe, die er mit den meisten seiner Kollegen teilt. Die Verwendung statistischer Methoden, die für viele andere Studierende eine Herausforderung sind, waren für den gelernten Volkswirt ein Heimspiel. Sein Nachholbedarf wartete in den medizinischen Fachinhalten. „Auch wenn ich nicht alle Wirkmechanismen im Detail verstehen muss“, erklärt er, „muss ich doch wissen, worin das Wesen einer Erkrankung besteht.“ Kummer macht ihm gelegentlich die geringe Qualität und Lückenhaftigkeit bei einigen der verfügbaren Daten, besonders auf regionaler Ebene.

Alice Freiberg – Doktorandin am Boysen-TU Dresden-Graduiertenkolleg (Foto: privat)

Die Analyse, Interpretation und Aufbereitung der einschlägigen Daten sind die Kernkompetenzen von (Gesundheits)Wissenschaftlern. Alice Freiberg sieht denn auch genau darin ihre berufliche Zukunft. Nach einer Berufsausbildung zur Physiotherapeutin und einem anschließenden Studium der Physiotherapie entschied sie sich für das Masterprogramm Gesundheitswissenschaften/Public Health an der Technischen Universität Dresden. „Ich wollte endlich eine Antwort auf die Frage, wie sich therapeutischer Erfolg messen lässt und welche Diagnoseinstrumente wissenschaftlich fundiert sind“, beschreibt sie ihre Motive zur erneuten Immatrikulation. Jetzt promoviert sie über das Thema gesundheitlicher Auswirkungen von Technologien der erneuerbaren Energien wie etwa Windenergieanlagen. „Das könnten durchaus auch Mediziner bearbeiten“, gibt Alice Freiberg freimütig zu. Ihr Vorteil als Gesundheitswissenschaftlerin aber sei, bereits im Studium gelernt zu haben, sich schnell in andere Fachwelten hineinzudenken, sie miteinander zu verknüpfen und daraus abgeleitete Problemstellungen aus der Vogelperspektive zu analysieren.

Interdisziplinär und anwendungsorientiert

Maria Girbig, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Studiengangskoordinatorin der TU Dresden, bestätigt Alice Freiberg. „Der interdisziplinäre Charakter der Gesundheitswissenschaften spiegelt sich bereits in der Zusammensetzung unserer Studierenden“, sagt sie. Da sitzen in den Seminaren Mediziner neben Wirtschaftswissenschaftlern, Physiotherapeuten neben Soziologen, Medizintechniker neben Psychologen, Sozialpädagogen neben Gesundheits- und Krankenpflegern. Bewerbern ohne medizinischen Kontext wird eine einjährige gesundheitswissenschaftsaffine Tätigkeit abverlangt. „Alle Studierenden sollten die Grundsätze gesundheitswissenschaftlicher Fragestellungen verstehen können.“ Der Dresdener Studiengang Gesundheitswissenschaften/Public Health ist organisatorisch an der Medizinischen Fakultät, konkret am Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin, verortet. Ebenso wichtig, er wird nur als weiterbildender Master-Studiengang angeboten.

Professor Christian Weidmann lehrt Gesundheitswissenschaften an der Hochschule Furtwangen (Foto: privat)

Wie die Universitäten verfolgen auch die Fachhochschulen in den Gesundheitswissenschaften einen interdisziplinären Ansatz. Wie die Universitäten lösen sie sich vom Einzelfall, fokussieren den Blickwinkel ihrer Absolventen auf das Versorgungssystem und nicht auf den einzelnen Hämoglobinwert, wie es Studiendekan Christian Weidmann von der Hochschule Furtwangen salopp formuliert. Worin sie sich von den universitären Studienangeboten freilich unterscheiden, ist ihr strikter Anwendungsbezug. So münden die Absolventen auch seltener in der Datenanalytik als vielmehr im betrieblichen Gesundheitsmanagement ein. Wo es dann gilt, Gesundheitsprogramme zu entwickeln, Mobilitätshürden auszumachen und für deren Abhilfe zu sorgen oder die Mitarbeiter für bewegte Pausen zu motivieren. Der Bachelorabschluss besitzt dafür nach Einschätzung der Arbeitgeber das genau passende Profil. „Unsere jüngste Absolventenbefragung zeigt jedenfalls ein gutes Ergebnis“, berichtet der Professor aus Furtwangen. „Nahezu alle Absolventen sind problemlos untergekommen.“

Immer und immer wieder dazulernen

Müssen Gesundheitswissenschaftler mancherorts erst langatmig erklären, was sie können, wozu sie imstande sind und wie sehr sie zum Gewinn eines Unternehmens beizutragen in der Lage sind, werden sie im Schwarzwald mit seinen vielen mittelständischen Arbeitgebern mit offenen Händen empfangen. „Die Betriebe leiden inzwischen unter Fachkräftemangel“, beobachtet Christian Weidmann. „Deshalb müssen sie ihre alternden Belegschaften gesundheitlich fit halten. Unsere Absolventen kommen da gerade recht.“ Manchmal teilen sich mehrere Betriebe auch einen davon. Insgesamt aber sieht auch Weidmann in der öffentlichen Wahrnehmung Nachholbedarf. „Unsere Fachdisziplin ist hierzulande noch nicht wirklich etabliert“, glaubt er. Den Gesundheitswissenschaftlern fehle ganz anders als in den USA und Großbritannien die zur Professionalisierung notwendige berufliche Standardisierung. „Das Anliegen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern, ist aufgrund der unrühmlichen Rolle der Gesundheitsämter während des Dritten Reichs belastet“, bestätigt Johannes Brettner. Die daraus erwachsenen Lücken sind bislang noch nicht geschlossen.

Typische Fragestellung von Gesundheitswissenschaftlern: Welche gesundheitlichen Auswirkungen gehen von Windenergieanlagen aus? (Foto: Wikimedia/M. Metz)

Wer seine berufliche Zukunft mit den Gesundheitswissenschaften verbinden möchte, sollte allerdings noch um einige Dinge mehr wissen. Gesundheitswissenschaftler werden in aller Regel als Fachexperten beschäftigt. Als solche übernehmen sie vielfach die Funktionen in der Projektsteuerung. Dafür sind gute organisatorische wie kommunikative Fähigkeiten unabdingbar. Und das nicht nur innerhalb des eigenen Unternehmens, sondern oft auch darüber hinaus. Denn mit der Durchführung der entwickelten Konzepte werden immer öfter einschlägige Dienstleister beauftragt. Vor diesem Hintergrund sind Karrieren in einer Führungsfunktion bis hin zum Geschäftsführer oder Vorstandsvorsitzenden eher selten. Als gutachterliche Fachexperten, mehr noch, weil der Wissenszugewinn in der Medizin und deren Komplementärwissenschaften ein sehr dynamischer ist, müssen sie einen hohen Weiterbildungsaufwand schultern.

Beruf mit Zukunft

„Diese Mühe trägt sich umso leichter“, sind die Erfahrungen Johannes Brettners, „je größer die Übereinstimmung zwischen den eigenen Interessen und den Inhalten der Gesundheitswissenschaften ist.“ Ohne diese innere Verbindung wird es in der Tat beschwerlich. Vor allem auch deswegen, weil Gesundheitswissenschaftler sowohl in privatwirtschaftlichen Unternehmen wie in staatlichen Institutionen stets Teil einer klar gegliederten Hierarchie sind. In der andere über die Umsetzung einer Idee entscheiden und dafür oftmals Aspekte berücksichtigen müssen, die nicht gesundheitswissenschaftlicher Natur sind. Weswegen Gesundheitswissenschaftler nicht zuletzt eine gut ausgeprägte Frustrationstoleranz und einen realistischen Blick für das in der jeweiligen Situation Machbare mitbringen sollten. „Denn“, sagt Anke Schlieker; „manchmal scheitert eine hervorragende Idee nicht am bösen Willen des Chefs, sondern schlicht an höherer Gewalt, soll heißen, an fehlenden finanziellen Möglichkeiten.“

Ein Projekt von Gesundheitswissenschaftlern: Motiv der Aktion „rauchfrei! Bist du dabei?“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Foto: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA, Köln)

Worauf sich Gesundheitswissenschaftler einstellen müssen? „Mit der Digitalisierung verändern sich die Kommunikationswege“, so Kathrin Duhme. „Wir können über die Sozialen Medien die Zielgruppen ansprechen. Darüber hinaus ist die Betrachtung ihrer unmittelbaren örtlichen Lebensbedingungen ein weiterer wichtiger Baustein unserer Arbeit.“ Die Bedeutung der Gesundheitswissenschaften werde wachsen, sind alle meine Gesprächspartner überzeugt. „Der demografische Wandel, die zunehmende Lebenserwartung, die Veränderungen in der Arbeitswelt, das Anwachsen chronischer Erkrankungen als auch die kostenintensive Neuentwicklung von Medikamenten werden die Nachfrage nach unseren multidisziplinären Kompetenzen weiter anwachsen lassen“, glaubt denn auch Anke Schlieker. Johannes Brettner der das ebenso sieht, steuert ein letztes Argument bei. „Noch“, sagt er, „sind lange nicht alle Entstehungsgründe für Krankheiten aufgeklärt.“ Zumal es hierfür keine monokausalen und für alle Regionen gleichermaßen gültigen Erklärungen gibt.

 


Daten, Fakten & Links
(Stand:01.10.2018)

Berufstätige Gesundheitswissenschaftler: es liegen keine belastbaren Zahlen vor.

Altersstruktur berufstätiger Gesundheitswissenschaftler: statistische Daten stehen nicht zur Verfügung. Aufgrund der erst späten Etablierung gesundheitswissenschaftlicher Studiengänge handelt es sich bei den Gesundheitswissenschaftlern allerdings um eine sehr junge Berufsgruppe.

Arbeitslose Gesundheitswissenschaftler: keine Angaben.

Einkommen: https://www.gesundheit-studieren.com/berufe/gehalt/gesundheitsmanager/

Studienmöglichkeiten: https://www.studis-online.de/Studiengaenge/Gesundheitswissenschaften/

Weiterführende Informationen: https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index;BERUFENETJSESSIONID=4xpObpB5deFaFGhg3Fhh5pghmIDU3wWFz30BeO4DGybZIgOhUMPr!1024174852?path=null/kurzbeschreibung&dkz=59295

 

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