Geowissenschaftler – Die Zukunftsgaranten

Von Hans-Martin Barthold | 15. November 2020

Auf einen Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull 2010 hatten Geologen schon lange hingewiesen (Foto: Wikimedia/Boaworm)

Die Legenden über Geowissenschaftler, allen voran Geologen, Geophysiker, Hydrogeologen und Mineralogen, scheinen unausrottbar. Das Muster, dem sie folgen, ist seit Jahrzehnten unverändert, ihr Wahrheitsgehalt mal größer und mal kleiner, immer aber einseitig und nicht selten bis zur Unwirklichkeit deformiert. Durchtrainiert und braun gebrannt sind sie in diesen Erzählungen. Und welterfahren. Haben in Kanada heikle Begegnungen mit übermannsgroßen Grizzlys, in der Sahara mit giftigen Skorpionen und in der Karibik mit  tropischen Wirbelstürmen bestanden. Abenteurer eben. „Hardrocker“ werden sie deshalb genannt. Und stehen für viele mit dem, was sie tun, auf der falschen Seite. Im Permafrostboden des hohen Nordens und vor den malerischen Stränden der karibischen Inseln nach den letzten Ölfeldern zu suchen. In einer der heißesten Regionen der Sahara die Erschließung großer Gaslagerstätten vorzubereiten. In den Kohlegruben Australiens die von den Kunden gewünschten Kohlearten für den Abbau identifizieren. Die weiter steigende CO2-Konzentration in der Atmosphäre? So what …

Da gerät dann schnell aus den Augen, dass nur Geowissenschaftler mit ihrem Können die Trinkwasserversorgung als eines der größten Zukunftsprobleme der Menschheit sicherzustellen vermögen. Dass sie durch die Entwicklung von Frühwarnsystemen gegen Erdbeben und Vulkanausbrüche tausende Menschenleben retten. Dass ohne sie die Altlastensanierung kontaminierter Flächen heute noch in den Kinderschuhen stecken würde. Dass ohne sie viele Windkraftanlagen wegen fehlerhafter Berechnungen der Standfestigkeit des Bodens für die Begründung deren Fundamente wohl schon beim ersten Sturm wieder umstürzen würden. Und dass es ohne sie keine sicheren Deponien gäbe. Was an diesen unterschiedlichen Perspektiven deutlich wird? Geowissenschaftler als Fachleute für alle Prozesse unterhalb und direkt an der Erdoberfläche besitzen ein dickes Image-, besser wohl noch, ein Wahrnehmungsproblem durch Dritte. Keineswegs der alleinige, aber doch ein wichtiger Grund liegt in der vom Gegenstand ihres Tuns vorgegebenen interdisziplinären Struktur der Erdsystemwissenschaften, deren Teil sie sind.

Mathe, Physik, Chemie und Biologie wichtige Grundlagen

Dominic Hildebrandt studiert Geowissenschaften an der Universität Heidelberg (Foto: privat)

Die seit mehreren Jahren bereits rückläufigen Studienanfängerzahlen treiben mittlerweile einigen Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft Sorgenfalten auf die Stirn. Immerhin wissen sie, dass der Klimawandel, die Energiesicherung aber auch die Bereitstellung wichtiger Rohstoffe ohne einen großen geowissenschaftlichen Input kaum zu bewältigen sein werden. Doch bei den Abiturienten scheint diese Erkenntnis noch immer nicht angekommen zu sein. Liegt es an der unübersehbaren Dominanz der Mathematik und Naturwissenschaften in den Studiencurricula? Oder doch eher an einem fehlenden klar umrissenen Berufsprofil? Wohl an beidem. „Mathe, Physik, Chemie und Bio nehmen einen in den beiden ersten Semestern tatsächlich fast vollständig in Beschlag“, bestätigt der Studierendenvertreter Dominic Hildebrandt vom Dachverband der geowissenschaftlichen Fachschaften GeStEIN e. V. und studentischer Vertreter im Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler e. V. „Da muss man sich durchbeißen.“ Und die unklaren Konturen des Berufsprofils teilen die Geowissenschaftler mit allen, die für ihren Job interdisziplinäres Wissen benötigen.

Dennis Lemke, promovierter Geologe, ist dafür ein gutes Beispiel. Der gebürtige Flensburger mit einem Studienabschluss von der Universität Hannover arbeitet als Project Manager Water and Soil bei der Evonik Real Estate GmbH & Co.KG in Hanau. Er arbeitet in einem Team, das für die Sanierung kontaminierter Böden und verunreinigten Wassers der Liegenschaften von Evonik zuständig ist. Evonik ist eines der weltweit führenden Unternehmen in der Spezialchemie und beschäftigt in über 100 Ländern mehr als 32.000 Mitarbeiter. Entsprechend groß ist die Verantwortung für den promovierten Geologen. „Die Laboruntersuchungen könnten auch Chemiker und die Modellrechnungen auch Mathematiker machen“, erklärt Lemke die besondere Situation der Geowissenschaftler. Und vielfach muss er mit diesen Fachkollegen oft eng kooperieren. „Doch die konzeptionellen Modelle erstellen und die dafür notwendigen Eingangsparameter festlegen, das können nur wir Geowissenschaftler.“ Und zwar bei jedem Projekt wieder neu. „Denn jedes Projekt“, fügt Lemke noch an, „ist trotz ähnlicher Muster stets ein Unikat.“ Nichts von der Stange, keine Routine(n). Bei jedem Projekt gilt der alte Bergmannsspruch „Vor der Hacke ist es duster“.

Steter Wechsel von Schreibtisch- und Feldarbeit

Justus Krawinkel hat sich mit seinem Geobüro in der Nähe von Stuttgart auf Geotechnik und Altlasten spezialisiert (Foto: privat)

Darüber hinaus schätzt Dennis Lemke den Wechsel zwischen Einsätzen im Gelände und der Arbeit im Büro. Auch bei Friedwalt Weber und Justus Krawinkel befinden sich die Gummistiefel stets griffbereit neben dem Schreibtisch. „Ich stehe oft im Dreck“, sagt Justus Krawinkel, und macht dabei nicht den Eindruck, deswegen unglücklich zu sein. Weber und Krawinkel, beide ebenfalls promovierte Geologen, führen als selbständige Geowissenschaftler eigene Geobüros mit einem vergleichbaren Leistungsprofil. Der eine in Adelberg östlich von Stuttgart, der andere im saarländischen Heusweiler. Webers Büro ist spezialisiert auf Baugrund, Altlasten, Abfallwirtschaft und Hydrogeologie, Krawinkels Schwerpunkte liegen auf Geotechnik und Altlasten. Typisch für die Jobs aller drei Geowissenschaftler ist der Anwendungsbezug dessen, was sie tagtäglich tun. Selbst Paläontologen, die sich mit den Lebenswelten der geologischen Vergangenheit beschäftigen, genießen diesen Luxus.

In der Tat können und wollen Lemke, Weber und Krawinkel eher weniger erklären, wie die Erde vor vielen Millionen Jahren entstanden ist, auch wenn es das Herz des Geologen bei diesen Fragen wärmt. Für wissenschaftliche Fragen, warum die Gesteinseinschlüsse gerade an dieser Stelle und nicht hundert Meter weit entfernt erfolgten, ist nicht die Zeit, obgleich es die meisten Geologen natürlich im Hinterkopf beschäftigt und letztlich auch nicht unwichtig ist. Stattdessen müssen sie kurzfristig für ein konkretes Problem eine ebenso praktikable wie nachhaltige und kostengünstige Lösung suchen. Friedwalt Weber nennt dafür ein Beispiel. Das Wasserversorgungsunternehmen einer Stadt hat die Verunreinigung seines Grundwasserreservoirs festgestellt und beauftragt Webers Büro mit der Klärung des Sachverhalts. Da muss er dann als erstes schauen, in welche Richtung das Grundwasser fließt, aus welchem Stoff die Verunreinigung besteht, wie dieser Stoff in welchem Medium reagiert, womit sich dieser Stoff ausfällen und am Ende umweltfreundlich entsorgen lässt. Damit endet Webers Arbeit. Denn die Planung der Ausführung übernehmen Ingenieure.

Rechtliche Regelungen allerorten

Dennis Lemke bei der Datenerhebung an einer Grundwasserkontrollanlage (Foto: Evonik)

Dass Dennis Lemke hin und wieder auch berufliche Termine im Ausland wahrzunehmen hat, muss an dieser Stelle nicht besonders betont werden. Vielleicht aber doch seine vielfältige beratende Mitarbeit in Gremien auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene. Dort wird über die gesetzlichen Auflagen beraten, die anschließend die Arbeit von Geowissenschaftlern bestimmen. Kein Arbeitsfeld von Geowissenschaftlern, in dem nicht auch die letzten Handgriffe durch irgendeine Rechtsverordnung reglementiert würden. Ohne ein gewisses Maß an juristischem Einfühlungsvermögen geht es deshalb in den Erdsystemwissenschaften nicht. Auch nicht ohne Sensibilität für politisch-soziologische Fragestellungen. Die Insider sprechen an dieser Stelle von der Geoethik. Ist es besser, den Kies für den Bau neuer Wohnungen in einem Tagebau vor den Toren der Stadt zu gewinnen, oder zum Preis eines hohen Energieverbrauchs von weit her, vielleicht sogar aus dem Ausland anliefern zu lassen? Es ließen sich ohne Mühe viele weitere solche Beispiele finden.

Etwa, weshalb man das für die Batterien der E-Autos benötigte Lithium aus Südamerika bezieht, wo es doch eine große Lagerstätte in Sachsen gibt? Der Lithiumabbau in Südamerika steht in der Kritik, weil er den Lebensraum indigener Völker zerstört. Da stellt sich die geoethische Frage, ob ein Abbau in Sachsen aus Umwelt- und wirtschaftlichen Gründen eine Alternative wäre, auch wenn der Abbau hierzulande deutlich teurer wäre. Daneben gibt es noch zahlreiche andere spannende geowissenschaftliche Themen. Justus Krawinkel nennt zwei davon. „Wie müssen wir mit den existenziell schutzwürdigen Gütern Wasser, Boden und Luft umgehen“, die eine. „Aus welchen Rohstoffen können wir zukünftig noch die Dinge des täglichen Bedarfs produzieren“, die andere. Das Urban Mining ist zwar noch nicht im Radar der Öffentlichkeit, in Fachkreisen aber wird es bereits seit längerem intensiv diskutiert. Was darunter zu verstehen ist? Krawinkel: „Lohnt die Aufarbeitung alter Müllhalden zur Rohstoffrückgewinnung und wie könnte die Recyclierung dieser Rohstoffreserven aussehen?“

In großen Zeitachsen denken

Ein Geologe wirft den ersten Blick auf die Gesteinsproben in einem frischen Bohrkern (Foto: Wikimedia/Geuz)

Will man den Kern geowissenschaftlichen Arbeitens quer über alle Arbeitsfelder definieren, dann ergibt sich ein Dreiklang aus Messwerte erheben, Daten analysieren/bewerten, nachhaltige Lösungsvorschläge entwickeln und deren Folgen abschätzen. Zwar sind Geowissenschaftler auf die Probleme der Gegenwart fokussiert, ihre Lösungen aber greifen weit in die Zukunft. Diese Langfristperspektive unterscheidet sie von vielen anderen Berufen. Eigentlich ist es genau diese Mischung, die sich viele junge Menschen für ihren Beruf wünschen. Um dann doch achtlos an den Geowissenschaften vorbei zu gehen. Und das gerade jetzt. Wo zur Klärung der politisch hoch kontroversen Endlagerfrage der Bedarf an Geowissenschaftlern in den staatlichen Geologischen Diensten und Landesämtern steigt, wie Manuel Lapp vom sächsischen Landesamt in Freiberg weiß. Die Arbeit hier ist freilich eine besondere. „Wir verwalten 125 Kilometer Bohrkerne aus ganz Sachsen“, beschreibt Lapp seine Arbeit, „und geben die daraus zu gewinnenden Informationen kostenlos an unsere Kunden weiter.“ Die Kunden sind insbesondere Hochschulen, Forschungsinstitute und Unternehmen.

Die moderne Informationstechnik verändert die Arbeit von Manuel Lapp und seiner sechzig Fachkollegen inzwischen stark. Immer leistungsfähigere Datenbanken entlasten sie von stereotypen Routinetätigkeiten. Auch die Anfertigung einschlägiger Bodenkundekarten wird einfacher. „Gleiches gilt für die Modellierung“, ergänzt Friedwalt Weber. Gleichwohl bleibe die Geoinformatik Handwerkszeug. „Dafür“, gibt Lapp zu bedenken, „wachsen die Anforderungen an die Bewertung der Daten und damit an die fachliche Expertise jedes einzelnen Geowissenschaftlers.“ Eine Kompetenz übrigens, die nur bedingt automatisierbar ist. Während Geowissenschaftlern in der Industrie und in den Geo- und Ingenieurbüros ihrer Einschätzung zufolge die Promotion keine gravierenden Vorteile verschafft, sieht Manuel Lapp bei seinem Arbeitgeber genau das. Nicht lediglich fürs Standing, sondern im engen Sinn fachlich. Tatsächlich besitzt seine Tätigkeit eine deutlich größere Schnittmenge zu den Wissenschaftsstrukturen des Studiums.

Mit Interessenskonflikten leben

Vibroseis-Messzug im Alpenvorland (Foto: Wikimedia/Techcollector)

Die Arbeit von Geowissenschaftlern ist in allen Arbeitsfeldern von Interessenskonflikten begleitet, denen es zu widerstehen gilt. Die müssen nicht immer so eskalieren wie bei der aktuellen Endlagersuche, wo einige Politiker schon mal verbal zum Vorschlaghammer griffen. Den Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), so Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber, „hätte ein Geologiestudent im dritten Semester gekonnt.“ Noch deftiger der ehemalige Ex-Verkehrsminister Peter Ramsauer. Er bezeichnete die BGE-Mitarbeiter, darunter zahlreiche Geowissenschaftler, allesamt als „durchgeknallte Narren“. Doch gibt es Interessenkonflikte nicht nur in derartigen politisch aufgeladenen Projekten. Immerhin ahnen auch die Bauherren eines Einfamilienhauses die Folgekosten, wenn das Ergebnis eines Plattendruckversuchs ungünstige Werte zur Bodenmechanik ergibt. „Da warten keine Blumensträuße auf mich“, sind die Erfahrungen Justus Krawinkels. Wie bei den Geowissenschaftlern im Öl- und Energiegeschäft, in der Community kurz aber respektvoll ‚Ölis‘ genannt, geht es auch in den kleinen Geobüros stets um Umsatz, Kosten und Gewinn.“

Allerdings kann er die erhobenen Messwerte nicht für die Kundschaft schönen. Weil es unredlich wäre, aber auch aus Selbstschutz. Schließlich steht er in der Haftung für den Fall, dass das Haus auf instabilem Grund irgendwann doch absackt und wegen Einsturzgefahr unbewohnbar werden sollte. In vielen Berufsjahren hat Krawinkel indessen gelernt, mit dieser Verantwortung umzugehen. „Leidenschaft und Begeisterung für die Geowissenschaften haben bisher immer noch die Oberhand behalten“, steuert Manuel Lapp seine eigenen Erfahrungen bei und lacht ein glückliches Lachen. Freilich weiß er, dass auch Leidenschaft und Begeisterung am Ende nichts gegen die arbeitsmarktlich stark zyklische Abhängigkeit von Rohstoffpreisen, der Baukonjunktur sowie bei Infrastrukturmaßnahmen, in der Energie- und Umweltpolitik von Entscheidungen der politischen Administration ausrichten können. Steigende Rohstoffpreise pushen die Exploration und bedeuten bessere Berufschancen. Umgekehrt gilt das Gleiche.

Beruf mit hoher Zukunftsbedeutung

Auch Manuel Lapp vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie muss regelmäßig ins Gelände (Foto: privat)

Davon betroffen sind alle Geowissenschaftler, neben den Geologen und Hydrogeologen auch die kleine Schar der Geophysiker, die Bodenparameter sowohl für die Exploration von Rohstofflagerstätten, Altlasten und Baugrunduntersuchungen mit geophysikalischen Verfahren ermitteln. Weswegen sie guter Kenntnisse in der Elektrotechnik und Elektronik bedürfen. Die Hoffnung, mit der Aufnahme einer Beschäftigung jenseits der deutschen Grenzen den Wellentälern des hiesigen Arbeitsmarktes entkommen zu können, erweist sich in den meisten Fällen als trügerisch. Denn Rohstoffe, Wasser, Infrastruktur und Umweltschutz besitzen inzwischen in fast allen Ländern eine große nationale Bedeutung. Der Ausbau der Geowissenschaften und die Förderung gut ausgebildeter Geowissenschaftler besitzt dort deshalb seit Jahren bereits hohe Priorität, weiß Manuel Lapp. Über die Sinnhaftigkeit des Geoengineering, dass das kurzwellige Sonnenlicht reflektieren und CO2 in sogenannten Kohlenstoffsenken speichern möchte, und dadurch entstehender Arbeitsplätze für Geowissenschaftler gehen die Meinungen weit auseinander. Der Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler bietet Berufsanfängern übrigens mit seinem BDG-Mentoring-Programm eine gute Einstiegshilfe.

Dennis Lemke sieht die Beschäftigungschancen von Geowissenschaftlern positiv. „Der Green Deal“, formuliert er seine Hoffnung, „macht deutlich, welchen Bedeutungszuwachs die Themen Boden und Wasser gerade erfahren.“ Die Fortschritte in der Analytik werden im Übrigen dazu führen, dass noch mehr Altlasten als bisher erkannt werden und durch Geowissenschaftler bearbeitet werden müssen. „Wir Geowissenschaftler verfügen über ein Inselwissen, was keine andere Berufsgruppe besitzt. Ohne uns geht es also nicht.“ Stimmt. In der Folge verbleiben die meisten Geowissenschaftler während ihrer gesamten Berufskarriere in einer Expertenfunktion. „Deshalb hat man uns eingestellt“, ist Dennis Lemke überzeugt. Umso wichtiger wird es bei einer Bewerbung, genau sagen zu können, was man kann. Friedwalt Weber erinnert sich seiner Berufsanfänge in einem Bochumer Ingenieurbüro. Mit seinem Chef saß er bei der Ruhrkohle AG. Die brauchten ein Umweltgutachten über eine ehemalige Kokereifläche. Ob sie das übernehmen könnten. Der Chef schwieg betreten. Weber meldete sich und sagte, er sei dazu in der Lage. Der Chef unterdrückte einen Wutanfall. Aber Weber schaffte es. Für seinen Chef wurde es ein gutes Geschäft, denn die RAG hatte noch viele solcher Flächen.

Friedwalt Weber führt ein Geo-büro im saarländischen Heusweiler (Foto: privat)

Angebotsvielfalt verlangt zielführende Entscheidungen

Für Studieninteressierte ist es nicht einfach, sich einen Überblick über die zahlreichen geowissenschaftlichen Studienangebote zu verschaffen. Die Mehrzahl der knapp dreißig Universitäten mit einschlägigen Studienangeboten haben die ehemals und an einigen Hochschulen auch heute noch eigenständigen Studiengänge Geologie/Paläontologie, Mineralogie und Geophysik zu einem Studiengang Geowissenschaften zusammengefasst. Die Curricula unterscheiden sich von Universität zu Universität zum Teil ganz erheblich. Das gilt vor allem für die Masterprogramme. Insgesamt lassen sich fünfzig (!) verschiedene Studiengangsbezeichnungen finden. Das beginnt beim Georessourcenmanagement, geht über die klassischen Geowissenschaften bis hin zum Tropical Hydrogeology and Environmental Engineering. Dieser Wirrwarr verlangt Studienbewerbern eine intensive Informationsrecherche ab. Das seit wenigen Monaten online gegangene englischsprachige Infoportal GUIDE (Geoscience University Degree) des Berufsverbandes Deutscher Geowissenschaftler leistet eine gute Hilfe. Nicht nur kann man bei der Suche zwischen Bachelor- und Masterprogrammen sowie Studienorten wählen, sondern auch die Inhalte der Studienprogramme automatisch vergleichen lassen.

Das immer noch wichtigste Werkzeug eines Geologen ist der Hammer. (Foto: Wikimedia/James St. John)

Das wird besonders für Studierende wichtig, die sich später einmal selbständig machen und dafür in die Sachverständigenliste für Geotechnik der Landesingenieurkammern aufnehmen lassen wollen. Denn dafür müssen im Studium bestimmte Lehrveranstaltungen belegt worden sein. Bachelorabsolventen finden Stellenangebote, etwa in der Bohrbetreuung und Bauberatung. Für die anspruchsvolle Datenauswertung aber werden ausschließlich Masterabsolventen eingesetzt. Neben den naturwissenschaftlichen Inhalten erweisen sich die Gelände- und Kartierungsübungen, die für die Mehrheit der Studierenden zu den Studienhighlights zählen, für einige Studienanfänger als eine große Hürde. Auch hier zeigt sich der strikte Anwendungsbezug der Geowissenschaften. Deshalb heißt die Devise: So viele Praktika wie möglich. Dennis Lemke etwa war beim Bau des Gotthard-Basistunnels dabei. Dominic Hildebrandt hat sich für einen anderen Weg entschieden. Nach dem Bachelorabschlus an der Ludwig-Maximilians-Universität und der Technischen Universität München ist er in diesem Semester an die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg gewechselt. Im Masterstudiengang Geowissenschaften beschäftigt er sich insbesondere mit der Rekonstruktion vergangener Umwelt- und Klimabedingungen. Seine berufliche Zukunft sieht er in einer Wissenschaftskarriere.



Daten, Fakten & Links
(Stand:01.11.2020)

Absolventen geowissenschaftlicher Studiengänge seit 1975:  21.000 (Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler BDG). Diese Absolventen verteilen sich auf die einzelnen Fachrichtungen wie folgt:

  • Geologie: 15.000
  • Mineralogie: 3.500
  • Geophysik: 2.500

Die berufstätigen Geowissenschaftler verteilen sich nach Angaben des BDG auf die einzelnen Beschäftigungsbereiche wie folgt:

  • Industrie und Wirtschaft: 25%
  • Freiberufler, Geo- und Ingenieurbüros: 25%
  • Ämter und Behörden: 15%
  • Hochschulen und Forschungseinrichtungen: 10%
  • Fachnahe und fachfremde Beschäftigungen: 25%

Altersstruktur berufstätiger Geowissenschaftler: keine Angaben vorhanden.
Arbeitslose Geowissenschaftler: keine Angaben vorhanden.
Studienanfänger im Wintersemester 2019/2020:

  • Geowissenschaften: 3.474 (Frauenanteil: 47%)
  • Geologie/Paläontologie: 113 (Frauenanteil: 47%)
  • Geophysik: 604 (Frauenanteil: Frauenanteil: 50%)
  • Mineralogie: 14 (Frauenanteil: Frauenanteil: 14%)

Hinweis: Auffällig hoch ist in allen Studiendisziplinen der Anteil der Studienanfänger, die zuvor bereits in einem anderen Studienfach eingeschrieben waren und erst dann in die Geowissenschaften gewechselt sind. Er liegt quer über alle Studiengänge hinweg bei derzeit 49%!
Studienabsolventen im Prüfungsjahr 2019:

  • Bachelor: 1.046 (Frauenanteil: 42%)
  • Master: 1.325 (Frauenanteil: 43%)

Einkommen: abhängig von Branche und Region sowie Berufserfahrung, bei öffentlichen Arbeitgebern auch vom Familienstand und Beschäftigungsverhältnis (angestellt o. verbeamtet). Die Bandbreite der Jahresbruttoeinkommen für Berufsanfänger liegt zwischen 35.000 Euro in Geobüros bis 60.000 Euro (öffentliche Verwaltung).
Studienmöglichkeiten: https://geoscience-studies.org/
Weiterführende Informationen:

 

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