Gärtner – Grünexperten statt Blumenflüsterer

Von Hans-Martin Barthold | 15. Oktober 2021

 

Michael Mannott, Chefgärtner der Wolfsburger Wohnungsbaugesellschaft NEULAND, ist mit Leib und Seele Gärtner (Foto: hmb)

Wie immer suchen wir neugierig nach dem ganz normalen Berufsalltag. Schließlich wollen wir wissen, wo und wie Gärtner tagtäglich arbeiten. So habe ich mich mit Michael Mannott verabredet und nicht mit dem Direktor der Herrenhäuser Gärten in Hannover. Michael Mannott ist Gärtnermeister, arbeitet bei der Wolfsburger Wohnungsbaugesellschaft NEULAND und ist im Sommer Chef von 36 Fachkräften. Davon sind 24 fest angestellt. Die anderen besitzen, wie in der Branche üblich, Saisonverträge von März bis November. In seiner Funktion trägt Mannott Verantwortung für die Pflege und Rekultivierung von 650.000 m² Grünfläche, ca. 5.000 Bäumen, von unzähligen Blumenrabatten und mehreren Kilometern Hecken. Bei Neubauten geht es auch um die Erstanlage von Grünflächen. An Arbeit mangelt es ihm und seinem Team also nicht. Die meisten seiner festen Mitarbeiter kennt Michael Mannott bereits seit ihrer Ausbildung. Sie alle sind gelernte Gärtner der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau.

Bundesweit entfallen nicht weniger als zwei von drei Ausbildungsverträgen des Berufes Gärtner auf genau diese Fachrichtung. Das Gleiche gilt für die Zahl der berufstätigen Gärtner insgesamt. Deren Zahl freilich schwer zu beziffern ist. Das Statistische Bundesamt gibt statt der Zahl ausgebildeter Gärtner lediglich die Zahl der im Erwerbsgartenbau beschäftigten Mitarbeiter an. Das waren zuletzt 277.000. Die Zahl der Saisonkräfte, von denen viele über keine einschlägige Berufsausbildung verfügen, übersteigt mit 202.000 die Zahl der qualifizierten ständigen und Familienarbeitskräfte um ein Dreifaches. In diesen Zahlen nicht enthalten sind schließlich Gärtner, die in Betrieben arbeiten, die weniger als die Hälfte ihres Umsatzes mit Gartenbautätigkeiten erwirtschaften.  Doch aus den Untiefen der Statistik zurück zum Beruf.

Neben dem Garten- und Landschaftsbau gibt es noch weitere sechs Berufsfachrichtungen: Baumschule, Friedhofsgärtnerei, Gemüsebau, Obstbau, Staudengärtnerei sowie Zierpflanzenbau, demnächst vielleicht auch Einzelhandelsgärtnerei. Berufsinhaltlich lassen sich diese Fachrichtungen drei Kategorien zuordnen, zwischen denen es freilich Überschneidungen gibt: der Produktion (Zierpflanzenbau, Obstbau, Gemüsebau,  Baumschule, Staudengärtnerei), dem Dienstleistungsbereich (Garten- und Landschaftsbau, Friedhofsgärtnerei, den Spezialisten für Außen- und Innenbegrünung) sowie dem Verkauf (Baumschule, Staudengärtnerei, Zierpflanzenanbau/Einzelhandelsgärtnerei). Michael Mannott nimmt mich mit zu zwei seiner derzeitigen Baustellen. Auf der ersten werden die Rasenflächen und Gehölze neu angelegt, die alten zuvor gerodet.

Pflanzen, bauen und pflegen

Auf einem Teil der Wege ist bereits neues Pflaster verlegt. „Von meinen Mitarbeitern“, sagt Michael Mannott stolz. Doch dann bin ich überrascht. Gegenüber greift ein Bagger, wie man ihn sonst nur auf großen Baustellen sieht, altes Gehölz und füllt es in einen bereitstehenden Container. Auf seinem Aufbau das Logo NEULAND. Ich schaue fragend zum Chefgärtner. „Ja, der gehört uns“, entgegnet er. „Angst vor Technik und großen Maschinen sollte man als Garten- und Landschaftsbauer nicht haben.“ Wir fahren zum nächsten Projekt. Dort wässert Pascal Behm gerade eine Hecke, die er vor wenigen Wochen selbst neu angepflanzt hat. Die ebenfalls neu gesetzten und schon gut vier Meter hohen Bäume sind anschließend dran. Mal sehen, ob der Wassertank auf dem Anhänger seines mit vielen Zusatzfunktionen ausgestatteten Traktors dafür noch ausreicht. In Kürze wird Pascal Behm auf Wunsch und mit Förderung seines Arbeitgebers den Lkw-Führerschein erwerben.

Pascal Behm, bei der Wolfsburger Wohnungsbaugesellschaft NEULAND Gärtner der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau, steigt in sein Dienstgefährt (Foto: hmb)

Ich frage ihn, zu welchen Anteilen er denn überhaupt Gärtner und ob er nicht viel mehr Tiefbauer beziehungsweise Baumaschinenmechaniker ist. Er hört diese Frage offensichtlich nicht zum ersten Mal, lacht ein entwaffnendes Lächeln und beantwortet sie, nein: nicht diplomatisch, sondern wahrheitsgemäß. „Das hängt ganz vom Projekt ab.“ Mal überwiege diese und mal jene Seite seines Berufes. „Wir“, schaltet sich Michael Mannott ein, „können beides. Das ist das Tolle an unserem Beruf.“ Gärtner der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau können die wunderschönsten Blumenrabatten anlegen, weil sie wissen, welche Pflanze wann blüht und wie hoch sie wächst, ob sie eher in der prallen Sonne stehen möchte oder Schatten beziehungsweise Halbschatten bevorzugt. Sie beschneiden Hecken und Bäume und begrünen Dächer. Aber sie können eben auch Baupläne lesen, unterschiedliche Bodenhöhen einmessen, Abwasserrohre verlegen, Regenwassereinläufe setzen, Wege und Plätze pflastern sowie Spielplatzgeräte aufstellen.

Große Vielseitigkeit und kein Auftrag wie der andere

„Als Garten- und Landschaftsbauer müssen wir über ein breites Wissen von Pflanzen und ihren Ansprüchen an Standort, Bodenstruktur und Nährstoffbedarf verfügen“, fasst Michael Mannott zusammen. Als wichtig erweist sich aber auch, die Kosten zu kennen, die ihre anschließende Pflege verursacht. Das sei man den Mietern schuldig. Die Pflegekosten seien Betriebskosten und würden auf die Mieter umgelegt. „Von allen gärtnerischen Fachrichtungen besitzen wir arbeitsmäßig die größte Vielseitigkeit, ohne allerdings die Wissenstiefe der auf Zierpflanzen, Stauden oder Bäume spezialisierten Kollegen zu erreichen.“ Das wie auch die große Selbständigkeit in der Ausführung ihrer Arbeit sind wohl die Gründe, weshalb die beiden Männer ihren Beruf so lieben und um nichts in der Welt tauschen möchten. Im Gegenteil, bei Pascal Behm war es genau umgekehrt. Bevor er sich für die Ausbildung zum Gärtner Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau entschied, hatte er eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker (heute: Land- und Baumaschinenmechatroniker) abgeschlossen. Weil Pascal Behm vom Ausbildungsbetrieb nicht übernommen wurde, heuerte er als Saisonkraft bei Michael Mannott an.

Sarah Heinen auf einem Versuchsfeld ihres Arbeitgebers Rijk Zwaan (Foto: privat)

Dort gefiel es ihm so gut, dass er die Mühsal einer nochmaligen Ausbildung auf sich nahm. Bereut hat er es nicht. Orts- und Szenenwechsel nach Westfalen, genauer nach Welvern. Das liegt zwischen Hamm und Soest. Sarah Heinen hat hier bei der Firma Rijk Zwaan Welvern im Sommer ihre Ausbildung als Gärtnerin der Fachrichtung Gemüsebau abgeschlossen. Das Unternehmen ist eine hundertprozentige Tochter des niederländischen Gemüsezüchters Rijk Zwaan. Der ist mittlerweile mit Betriebsteilen in dreißig Ländern vertreten und beschäftigt weltweit 3.500 Mitarbeiter, darunter viele Gärtner wie Sarah Heinen. Ähnlich wie Pascal Behm hat auch sie ein berufliches Vorleben, eines als Buchhändlerin. Aber anders als beim Wolfsburger Garten- und Landschaftsbauer war es bei Sarah Heinen nicht die fehlende Stelle als vielmehr die Entwicklung ihres Berufes vom belesenen Buchberater zum nur noch Buchverkäufer, derentwegen sie diesen Berufswechsel vollzog. Heute ist sie mit sich wieder im Reinen, selbst wenn ihr an manchen Abenden der Rücken schmerzt. „Ich finde körperliche Arbeit schön“, formuliert sie es.

Ein Auge für die Pflanzen

Rijk Zwaan Welvern baut nicht wie die meisten anderen Gemüseproduzenten für den Verkauf an. Am Standort Welver betreibt das Unternehmen mit Hof Flerke eine rund 20 ha große Demo- und Versuchsstation, in der die Eigenschaften neuer und bekannter Sorten geprüft werden. Auf den Arbeitsalltag von Gärtnern der Fachrichtung Gemüsebau hat das freilich keine Auswirkungen. „Unsere Arbeit beginnt mit der Aussaat und der Aufzucht der Jungpflanzen“, beginnt Sarah Heinen die Schilderung ihres Arbeitsalltags. Ausgesät wird Saatgut von Neuzüchtungen sowie Standardsorten, um zum Ende der Kulturperiode die Sorten mit den optimalen Eigenschaften zu bestimmen. Nach kurzer Zeit im Gewächshaus werden die Jungpflanzen nach den Vorgaben der Züchter mit unterschiedlichen Abständen auf die Felder gesetzt. Dort müssen sie gepflegt, nach Schädlingsbefall untersucht und gedüngt werden.

Viele unterschiedliche Kohlsorten auf den Versuchsfeldern von Rijk Zwaan Welver (Foto: Screenshot aus YouTube – https://www.rijkzwaan.de/%C3%BCber-uns)

„Wie die Gärtner aller Fachrichtungen brauchen auch wir ein tiefes Verständnis für Pflanzen als Lebewesen“, erklärt Sarah Heinen die wichtigste Anforderung ihres Berufes. „Welche Bedürfnisse hat die Pflanze und wie halte ich die Pflanze samt ihrem Lebensraum gesund? Welche Reize stimulieren das Wachstum der Pflanze: Bodenbeschaffenheit, Feuchte, Nährstoffangebot, Temperatur, Lichtverhältnisse? Und welche Schädlinge setzen ihr zu?“ Da reagiert jede Pflanzenart anders. „Und ich muss wissen, welche Gemüseart auf die verschiedenen Reize in den jeweiligen Wachstumsphasen wie anspricht“, weist Sarah Heinen auf das hin, was ihren Beruf ebenso anspruchsvoll wie spannend macht. Das alles setzt ein Grundverständnis für Biologie, vor allem Botanik und Genetik, voraus. Immerhin muss Sarah Heinen wissen, wie verstoffwechselt diese oder jene Gemüseart die zur Verfügung stehenden Nährstoffe und woran sind Mangelerscheinungen zu erkennen.

Unkraut jäten bleibt wichtige Aufgabe

Freilich gilt es immer wieder auch, Unkraut zu entfernen. „Weil wir uns bei Rijk Zwaan Welvern dem integrierten Pflanzenschutz verpflichtet fühlen, erfolgt das vorwiegend manuell, das heißt mit der Hacke oder den bloßen Händen. Nach der Inaugenscheinnahme durch die Züchter steht als letztes die Ernte an. Die Früchte werden an die Tafel abgegeben. Im Gegensatz zu Rijk Zwaan Welvern arbeiten konventionelle Gemüseproduktionsbetriebe in fast allen Prozessabschnitten mit aufwändiger Technik. Ganz ohne kommt allerdings auch Sarah Heinen nicht aus. „Die sachgerecht zu bedienen, sind in die Ausbildung entsprechende Maschinenlehrgänge integriert“, blickt sie zurück. Und was macht Sarah Heinen bei Frost und Schnee im Winter? „Dann haben wir für all das Zeit, was während der Saison liegen geblieben ist.“ Die Werkstätten aufräumen, die Maschinen und Anbaugeräte instand setzen, wenn notwendig auch reparieren, die Gitterboxen streichen, die in der Saison aufgelaufenen Überstunden abbauen und natürlich die nächste Saison vorbereiten.

Andre Honnen prüft noch einmal die Qualität der Jungpflanzen vor dem Umtopfen (Foto: privat)

Mein Bild vom Gärtner als sanftem Blumenflüsterer erweist sich immer mehr als ein romantisches, aber doch weit jenseits der Wirklichkeit verortetes Klischee. Das muss ich mir spätestens nach meinem Kontakt mit Andre Honnen eingestehen. Andre Honnen ist Ausbilder für den Beruf Gärtner, Fachrichtung Zierpflanzenbau, und Juniorchef des gleichnamigen Gartenbaubetriebes im niederrheinischen Geldern nahe der holländischen Grenze. Honnen züchtet Zierpflanzen, von der Chrysantheme bis zum Vergissmeinnicht, insgesamt vierzehn verschiedene Sorten, und verkauft sie anschließend an Gartencenter und Baumärkte in ganz Deutschland. Während der Liefertage verlassen bis zu 100.000 Pflanzen seinen Hof. „Da muss alles bis ins letzte Detail genau geplant sein“, bestätigt er meine Vermutung. 34.000 m² bewirtschaftet Honnen, nichts mehr davon unter freiem Himmel, alles unter Glas- und Foliengewächshäusern.

Industrielle Arbeitsorganisation

„Wir arbeiten inzwischen industriell“, charakterisiert Andre Honnen die Arbeitsabläufe seines Unternehmens, in dem er 18 ausgebildete Gärtner der Fachrichtung Zierpflanzenbau beschäftigt. Das beginnt beim Einkauf der Jungpflanzen. Die werden in Afrika bestellt und von dort eingeflogen. „Wir topfen sie danach mit unserem Pflanzroboter in größere Töpfe um und kultivieren sie anschließend bis zur Verkaufsreife“, schildert der gelernte Gärtner Fachrichtung Zierpflanzenbau und jetzige Meister. Der Roboter pflanzt mit ca. 8.000 Blumentöpfen pro Stunde nicht nur viel schneller, erklärt Honnen, sondern darüber hinaus auch weit genauer, als es beim Umtopfen per Hand gelingt. Die Personaleinsparung gibt er mit zwischen zwei und drei Fachkräften an. Freilich gelingt diese Automatisierung noch nicht bei allen Zierpflanzenarten. Wo er angesichts dieser hohen Automatisierung dann noch ausgebildete Gärtner Fachrichtung Zierpflanzenbau benötige, frage ich Andre Honnen.

Die Antwort kommt ohne lange Überlegung. „Für die Steuerung des Wachstumsprozesses braucht es das fachlich geschulte Auge und die geschickten Hände des Gärtners ebenso wie für die Ortung von Krankheiten und Schädlingen“, erklärt er. Auch wenn sein Unternehmen Zierpflanzen nicht nur für den Freilandanbau, sondern auch Zimmerpflanzen züchtet, liegt die Hauptsaison doch von Anfang März bis Ende Mai. Im Hochsommer beginnt dann die sowohl zeit- als auch sehr pflegeintensive Aufzucht der Weihnachtssterne. Über den frühen Arbeitsbeginn um 6 Uhr werden auch die zum 1. August eingestellten neuen Azubis überrascht sein. Das Problem der modernen Zierpflanzenbauer sind die vom Handel vorgegebenen taggenauen Liefertermine. „Viele Pflanzen sind gut planbar“, formuliert es Andre Honnen salopp, „andere dagegen sind schwerer beherrschbar.“ Zu früh ist ein geringes Problem, da fährt Andre Honnen die Pflanzen ins Kühlhaus. Zu spät bedeutet Verhandlungen mit den Kunden, evtl. Preisabschläge, im schlimmsten Fall die Entsorgung als Kompost.

Jahreszeiten bestimmen den Arbeitsrhythmus

Andre Honnen war nach Abschluss seiner Ausbildung für ein halbes Jahr in den USA. Hat er dort viel lernen können? „Eher nicht“, fällt sein ernüchterndes Fazit aus. Es werde alles in viel größerem Maßstab gemacht und das Management sowie die Logistik seien hoch professionell. „Statt wie bei uns 3,4 Hektar groß, erstreckten sich die Gewächshäuser dort über 110 Hektar“, erzählt er. Signifikant sei die Spezialisierung auf nur einzelne wenige Pflanzenarten. Die es mittlerweile allerdings auch bereits in Deutschland gibt. Andre Honnen kooperiert in der Ausbildung mit Betrieben, die sich allein auf die Aufzucht von Orchideen oder Hortensien beschränken. Doch die Automatisierung sei wegen der billigen mexikanischen und puertorikanischen Arbeitskräfte viel geringer ausgeprägt. Im Windschatten der Automatisierung ist freilich die Zahl der Ausbildungsplätze so stark wie in keiner anderen gärtnerischen Fachrichtung zurückgegangen. Im letzten Jahr begannen 546 Azubis mit der Ausbildung im Zierpflanzenbau. Vor zwanzig Jahre waren es mit 1.535 noch drei Mal so viele. Ein Erlebnis war der Aufenthalt in den USA aber allemal, schwärmt Andre Honnen noch immer. Was da wie dort gleich ist, ist indessen die Bestimmung und Abhängigkeit des Gärtnerberufs vom Lauf der Jahreszeiten.

Olaf Beier ist Chef der gleichnamigen Einzelhandelsgärtnerei im schleswig-holsteinischen Siek (Foto: privat)

Dem pflichtet auch mein letzter Gesprächspartner bei. Und das sogar, obwohl Olaf Beier nur einen kleinen Bruchteil seiner zum Verkauf stehenden Pflanzen noch selbst aufzieht. Olaf Beier betreibt eine Einzelhandelsgärtnerei im nordöstlich von Hamburg gelegenen Ort Siek, Landkreis Stormarn. Tatsächlich können sich dieser Entwicklung zunehmend weniger ehemalige Produktionsbetriebe der Fachrichtung Zierpflanzenbau entziehen. Für ihn, seine Frau und seinen Sohn sowie die sechs angestellten gärtnerischen Fachkräfte geht es um Beratung und Verkauf. Das allerdings auf anspruchsvollem Niveau. Weshalb die Azubis in den Fachrichtungen Zierpflanzenbau, Staudengärtnerei und Baumschule auch den Schwerpunkt „Verkaufen und Beratung“ wählen können. Was sollte einer mitbringen, der als Gärtner beraten und verkaufen möchte? „So vielfältig unser Angebot ist, genauso breit muss das Wissen über die Pflanzen und deren Lebensbedingungen der bei uns tätigen Fachkräfte sein“, bringt es Olaf Beier in seiner Antwort auf den Punkt. Mit Blick auf eine hohe Beratungsqualität haben sich auch seine Mitarbeiter auf ausgewählte Produktgruppen spezialisiert.

Nur Begeisterung kann begeistern

Doch damit nicht genug. „Wir sind ähnlich den Floristen auch Gestalter“, ist Olaf Beier die Ergänzung wichtig, „und benötigen deshalb auch ein überdurchschnittlich gut ausgeprägtes ästhetisches Empfinden. Welche Präsentation spricht den Kunden an, was macht ihn  neugierig, wie stelle ich eine emotionale Beziehung des Kunden zur Pflanze her?“ Zu all dem müsse aber unbedingt der souveräne Umgang mit Menschen hinzukommen, beschließt Beier die Aufzählung der Qualifikationen, nach denen er seine Mitarbeiter und Auszubildenden auswählt. „Nur wenn es uns gelingt, unsere eigene Begeisterung für Pflanzen auf den Kunden zu übertragen, sind wir gut“, ist der Chef der Landgärtnerei Beier überzeugt. Eines aber, bedeutet er, fehle noch. „Als Verkäufer leben wir vom Verkauf.“ Was nichts anderes heißt, als dass Beratungsgespräche irgendwann zum Abschluss zu bringen sind. „Das ist beim Gärtner in einem botanischen Garten anders.“

Gärtner sorgen auch in den Parks des herbstlichen Paris für eine bunte Blumenpracht (Foto: Wikimedia/Dinkum)

Die Hauptsaison ist auch bei Olaf Beier das Frühjahr. In den Monaten von März bis Juni ballt sich alles: Kunden, Ware, Bestellungen, Pflege der Pflanzen. „Da müssen wir alle gut organisiert sein“, ist seine Erfahrung. Im Sommer wird das Verkaufsgeschehen unbedeutend, die Pflege der Pflanzen umso intensiver. Im Oktober zieht der Verkauf für die Herbstpflanzungen noch einmal an. Dann kommen die Adventsausstellungen, die aber bald schon nach dem ersten Adventssontag auslaufen. „Im Januar schließen wir unser Geschäft und bauen die Mitarbeiter ihre Überstunden ab“, ist es bei Olaf Beier wie bei nahezu allen anderen Gärtnereien auch die stille Zeit vor dem Sturm der nächsten Saison. Doch der ist jedes Jahr einer, der wieder in den Bann schlägt. Das Austreiben, das Grünwerden,  Wachsen, Blühen, das Reifen der Früchte, die Farben des Herbstes, das Absterben im Winter – dazu die Gewissheit des ewigen Neubeginns dieses Kreislaufs. Und mitten drin die Gärtner als die Fachleute fürs Grün unserer Umwelt. Gibt es etwas Erfüllenderes?

 


Daten, Fakten & Links
(Stand: 30.09.2021)

Berufstätige Gärtner (in 2016): Die Zahl berufstätiger Gärtner lässt sich nur schwer eingrenzen. Die Zahl der Beschäftigten in Gartenbaubetrieben gibt das Statistische Bundesamt mit 277.000 an. Der Frauenanteil beträgt 18%. Vier Fünftel der Beschäftigten werden als Saisonkräfte beschäftigt. Eine nicht unwesentliche Zahl ausgebildeter ist im Handel und in Tiefbauunternehmen tätig. Ihre Zahl wird offiziell nicht erfasst.
Altersstruktur berufstätiger Gärtner in Unternehmen des Gartenbaus (in 2016):

  • jünger als 30 Jahre: 21%
  • zwischen 30 bis 55 Jahre: 54%
  • älter als 55 Jahre: 25%

Arbeitslose Gärtner: Infolge der hohen Zahl an Saisonarbeitskräften keine belastbaren Daten vorhanden.
Gartenbaubetriebe (in 2016): insgesamt 27.195

  • mit Schwerpunkt Erzeugung: 14.305

davon u.a.:

  • Blumen und Zierpflanzen: ca. 3.000
  • Baumschulen: ca. 1.500
  • Gemüse: 1.000
  • Obst: 4.521
  • mit Schwerpunkt Handel und Dienstleistungen: 1.238
  • landwirtschaftliche Betriebe mit Gartenbau, auf den weniger als die Hälfte der Betriebseinnahmen entfällt: 11.652

Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge in 2020 (in Klammern Frauenanteil):

  • gesamt: 5.487 (20%); das bedeutet gegenüber dem Jahr 2000 einen Verlust an Ausbildungsstellen von 19%.
  • Fachrichtung Zierpflanzenbau: 546 (51%); das bedeutet gegenüber dem Jahr 2000 einen Verlust an Ausbildungsstellen von 64%.
  • Fachrichtung Gemüsebau: 213 (52%); das bedeutet gegenüber dem Jahr 2000 einen Zugewinn an Ausbildungsstellen von 20%.
  • Fachrichtung Baumschule: 279 (33%); das bedeutet gegenüber dem Jahr 2000 einen Verlust an Ausbildungsstellen von 54%.
  • Fachrichtung Obstbau: 66 (32%); das bedeutet gegenüber dem Jahr 2000 einen Verlust an Ausbildungsstellen von 23%.
  • Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau: 4.113 (12%); das bedeutet gegenüber dem Jahr 2000 einen Zugewinn an Ausbildungsstellen von 7%.
  • Fachrichtung Friedhofsgärtnerei: 183 (36%); das bedeutet gegenüber dem Jahr 2000 einen Verlust an Ausbildungsstellen von 18%.
  • Fachrichtung Staudengärtnerei: 87 (55%); das bedeutet gegenüber dem Jahr 2000 einen Verlust an Ausbildungsstellen von 34%.

Bestandene Abschlussprüfungen in 2019 (in Klammern Veränderungen zum Jahr 2000): 3.546 (- 36%)
Ausbildungsvergütung (Bundesdurchschnitt):

  • 1. Ausbildungsjahr: 615 Euro brutto
  • 2. Ausbildungsjahr: 687 Euro brutto
  • 3. Ausbildungsjahr: 763 Euro brutto

Hinweis: Nicht alle Betriebe gehören einem Arbeitgeberverband an und sind deshalb nicht an Tarifverträge gebunden. Die Ausbildungsvergütung wird dann vom Unternehmen festgelegt.
Einkommen: für Berufsanfänger ca. 2.000 bis 2.300 Euro brutto, Berufserfahrene ca. 2.500 bis 2.900 Euro brutto.
Hinweis: Nicht alle Betriebe gehören einem Arbeitgeberverband an und sind deshalb nicht an Tarifverträge gebunden. Der Lohn/das Gehalt wird dann zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber individuell ausgehandelt.
Weiterführende Informationen:
Gärtner: https://www.beruf-gaertner.de/
Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau: https://www.galabau.de/ausbildung.aspx

 


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