eSports – Karriere als Pro-Gamer

Von Hans-Martin Barthold | 15. Oktober 2021

 

Hinweis: eSports eine Nische? Schon lange nicht mehr. Heute ist eSports ein Milliardengeschäft. In dem den eSportlern eine wichtige Funktion zukommt – bei den Profis mit schwindelerregend hoch dotierten Verträgen der Starspieler. So ist es nicht verwunderlich, dass der Beruf des professionellen eSportlers auf der Rangliste von immer mehr Jugendlichen ganz weit oben steht. Die Performance Marketing Agentur Peak Ace hat in Zusammenarbeit mit dem Webportal auspreiser.de einige interessante Zahlen und Beobachtungen zusammengestellt. Die wichtigsten Ergebnisse des Reports „eSports – Nische war gestern. Was macht eSports zur Multi-Milliarden-Dollar-Industrie?“ stellen wir in der folgenden Zusammenfassung vor.

——————

 

Das europäische Alliance-Team in der Disziplin Dota 2 im Wettkampf (Foto: Wikimedia/IgorNazario)

In seinen Anfängen war eSport ein Teil der Untergrundkultur. Doch inzwischen hat sich die ursprüngliche Untergrundkultur zu einem Millionen schweren Wirtschaftszweig entwickelt, in dem im letzten Jahr nahezu eine Milliarde Umsatz erzielt und knapp 500 Millionen Zuschauer vor den Screens gezählt wurden. Worin sich der eSport vom bloßen Gaming unterscheidet? Ganz einfach, eSport ist das amateurhafte oder professionelle wettbewerbsorientierte Spielen von Videospielen wie etwa CSGO, League of Legends, Call of Duty oder Fortnite. Insider unterscheiden in den Breiten- und Leistungssport. Alle diese Videospiele, auch Titel oder Disziplinen genannt, haben wie Fußball, Basketball oder Eishockey ein eigenes Regelwerk, ein Spielfeld und eine Wettbewerbsinfrastruktur, die Spieler, Teams, nach Alter und Spielniveaus unterschiedene Ligen, Fernsehen, Rundfunk und Publikum umfasst.

Fachleute erwarten mit Blick auf das wirtschaftliche Potential von eSports eine weitere rasante Steigerung. Schon für 2023 gehen sie von rund 1,6 Milliarden Dollar Einnahmen aus. Die bereits genannten hohen Zuschauerzahlen sind den werbenden Unternehmen natürlich nicht verborgen geblieben. Sie investieren inzwischen kräftig in die eSport-Szene. Der größte Teil der Einnahmen der Branche entfallen auf Sponsoring und Werbung. Der Rest stammt aus Medienrechten, Publisher-Gebühren, Merchandise- und Ticket-Umsätzen, schließlich auch Streaming-Anteilen. Gemessen am Umsatz stellen Asien und Nordamerika die größten eSports-Märkte dar. Allein auf China entfällt ein Fünftel des Marktes.

Professionelles Gaming bedarf Leidenschaft und Trainingsfleiß

Zwar erreicht Deutschland im eSport international (noch) keine Spitzenposition. Ein Schattendasein aber fristet eSport nicht mehr. Es gibt inzwischen eine Vielzahl an Profispielern, die sogenannten Pro-Gamer. Sogar Fußballvereine haben mittlerweile eSport-Teams, das Branchenmagazin „kicker“ seit kurzem eine eigene Rubrik. Die Spieler dort können durchaus ein Festgehalt von 10.000 Euro erreichen. Auch einzelne Spieler sind sehr erfolgreich. Kuro Takhasomi (KuroKy) hat im Spiel „Dota 2“nach Angaben des Reports bislang mehr als fünf Millionen US-Dollar verdient. Bei den Preisgeldern stehen die USA, China und Südkorea mit großem Abstand an der Spitze. Es folgen Schweden und Dänemark. Deutschland belegt Platz 9.

(Quelle: auspreiser.de)

Die Wettbewerbe finden heute in riesigen Hallen statt, die mit den Spielerteams und tausenden Zuschauern gefüllt sind. Die Wettbewerbe ziehen sich meist über viele Stunden hin. Dafür trainieren die Profispieler jeden Tag viele Stunden sehr hart. Das wichtigste, was die Spieler brauchen, sind mentale Schärfe und physische Fitness. Für den perfekten Spielzug bedienen die Spieler ihr Eingabegerät immerhin bis zu 400 Mal in der Minute! Die Wettkämpfe gliedern sich ähnlich den traditionellen Sportarten in unterschiedliche Niveaustufen. Es beginnt mit unzähligen lokalen Turnieren, bei denen die Preisgelder nur wenig attraktiv sind. Doch geht für die zukünftigen Pro-Gamer kein Weg an ihnen vorbei. Schließlich dienen sie der Sichtung und Entdeckung von Talenten.

Lange Wege bis zum Top-Level

Das Overwatch League-Team der Vancouver Titans beim Wettkampf in der Blizzard Arena von Los Angeles (Foto: Wikimedia/dallas fuel)

Die Strukturen des eSport werden immer professioneller. Gute Pro-Gamer können weit mehr verdienen als nur die Kosten für den Lebensunterhalt. Unter jungen Menschen ist die Karriere als Pro-Gamer deshalb durchaus attraktiv. 28 Prozent der 16- bis 24-Jährigen, so der hier zitierte Report, vermag sich nach aktuellen Befragungen eine Karriere als eSportler vorzustellen, sofern parallel die Schul- oder Berufslaufbahn weiterverfolgt werden kann. Das allerdings wird sich, je länger je weniger realisieren lassen. Gelegenheitsspieler bringen es schon aktuell nicht mehr weit. Das Training verschlingt viel Zeit. eSports professionell zu spielen, ist ein Full-time-Job. Die Investitionen in die Ausrüstung liegen für die Spieler mit 2.500 Euro allerdings auf niedrigem Niveau.

Ebenso wie Fußball-, Basketball- oder Eishockeyspieler die verschiedenen Übungen und Spielzüge immer und immer wieder trainieren müssen, müssen die ehrgeizigen wie erfolgshungrigen Pro-Gamer die Maps, Runs und Level auch täglich durchspielen. Da wie dort müssen die Abläufe im Unterbewusstsein abgespeichert werden. Wie bei allen kompetitiven Spielen und Sportarten ist dafür eine enorme Zahl an Übungsstunden notwendig. Nur so lassen sich Reflexe, Skilllevel und Technik in Topform halten und noch weiter verbessern. eSport ist also kein einfaches Geschäft. Und so verwundert es nicht, dass die Chancen, Pro-Gamer zu werden mit lediglich 0,00008 Prozent sehr gering sind. Die Zahl der Gamer im Amateur- und Profibereich wird für Deutschland mit 4.500 angegeben, die der Gamer insgesamt mit 34 Millionen (Quelle: Game Branchenverband), wovon nahezu jede zweite eine Gamerin ist.

eSport ist noch eine Männerbastion

In der eSport-Profiszene sind Frauen indessen bislang noch unterrepräsentiert. Jedenfalls sind sie bei den größten und lukrativsten Wettbewerben eine Minderheit. Nicht eine einzige weibliche Teilnehmerin schaffte es unter die einhundert Finalisten, die beim Fortnite World Cup 2019 um immerhin 30 Millionen Dollar Preisgeld kämpften. Die Diskrepanz bei den erzielten Preisgeldern ist deshalb signifikant. Hier der Vergleich der Top 6 männlicher und weiblicher Pro-Gamer:

 

Männer Frauen
   Johan (NOtail) Sundstein: 6.964.323 $       Sasha (Scarlett) Hostyn: 303.028 $
   Kyle (Bugha) Giersdorf: 3.154.062 $       Li (VKliooon) Xiaomeng: 238.010 $
   Peter (dupreeh) Rasmussen: 1.889.656 $       Katherin (Mystik) Gunn: 122.550 $
   Lee (Faker) Sang-hyeok: 1.257.616 $       Rumay (Hafu) Wang: 84.467 $
   Ian (Crimsix) Porter: 1.158.159 $       Ricki Ortiz: 81.366 $
   Feg: 1.003.000 $       Kim (Geguri) Se Yeon: 70.297 $

 

Noch können sich diese Zahlen nicht mit den Spielergehältern in den konventionellen Spielen wie Fußball, Basketball oder Eishockey messen. Der Anstieg der Zuschauerzahlen insbesondere auf den Streaming-Plattformen wie vor allem Twitch könnte die Lücke freilich schnell schließen. Man darf gespannt sein.

Viele Fragen, nur wenige Antworten

Die Zuschauer schauen 2019 gebannt auf das Match zwischen den Dallas Fuels und den Pariser Etenals, zwei Teams aus der Overwatch League (OWL), 2019 im Kampf um den Sieg (Foto: Wikimedia/dallas fuel)

Welche Folgen die psychischen wie physischen Belastungen einer Karriere als Pro-Gamer haben können, lässt der Report vorerst allerdings unbeantwortet. Klar aber ist, die langen Trainingseinheiten und Wettbewerbszeiten vor den Bildschirmen ihrer PCs sind jedenfalls nicht ohne Gefährdungspotential. Ebenfalls unberücksichtigt bleibt der Aspekt, inwieweit eSport zu Recht mit dem Begriff Sport verknüpft wird. Jedenfalls dann, wenn man denn Sport als Körperertüchtigung und damit der Gesundheit zuträglich versteht. Fragen an dieser Stelle sind deshalb durchaus erlaubt. Gleichwohl ist dem Argument, Leistungssport, gleich welcher Disziplin, habe mit dieser Art Körpergesundheit schon lange nichts mehr gemein, nur schwer zu begegnen. Immerhin sind die körperlichen Gebrechen ehemaliger Leistungssportler allseits bekannt. Im übrigen aber gilt auch Schach als Sport. Zur Aufwertung der Disziplin eSport ist die begriffliche, zielgruppenorientierte wie organisatorische Verbindung zum Sport freilich sehr geschickt gesetzt.

Wie viele Pro-Gamer spielsuchtgefährdet sind, darüber gibt es zwar zahlreiche Gerüchte, gleichwohl keine verlässlichen Daten. Die Community spricht darüber jedenfalls nur ungern. Amateur- wie Pro-Gamerinnen klagen, so der Report, über vielfache verbale Beschimpfungen, sexuelle Belästigungen bis hin zur Androhung von Vergewaltigung. Das ist umso bemerkenswerter, als der Altersdurchschnitt der Pro-Gamer sehr jung ist. So scheint eSport ein hohes Aggressionspotential zu besitzen, über dessen gezielten Abbau offensichtlich aber noch wenig nachgedacht wird. Auch gibt es keinerlei Erkenntnisse, wie lange ein Pro-Gamer auf Spitzenniveau spielen kann, und wie die eventuellen Übergänge in einen zivilen Beruf gelingen. Untersuchungen über diese Aspekte wären wünschenswert.

 


Weiterführende Informationen

eSport: https://www.game.de/esport/
eSport-Bund Deutschland e.V.: https://esportbund.de/esport/was-ist-esport/
FAQ eSport: https://www.game.de/was-ist-esport-faq/
Zahlen und Fakten: https://de.ority.gg/blogs/esports/esport-deutschland-in-zahlen-daten-und-fakten
Report „eSports – Nische war gestern. Was macht eSports zur Multi-Milliarden-Dollar-Industrie?“:  https://www.auspreiser.de/esports-report

 

Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.

Haben Sie Fragen, Anregungen oder Kritik? Dann schreiben Sie dem Autor eine Mail: info@berufsreport.com