Ein Plädoyer für die Freiheit der Berufswahl

Von Hans-Martin Barthold und Co-Autor Peter Scheurer | 14. April 2022

Eulen nach Athen zu tragen, ist wenig originell. Weshalb wir an dieser Stelle darauf verzichten. Nur so viel. Es ist keine Kleinigkeit, sich zum Ende der Schulzeit für eine Ausbildung oder ein Studium, später eventuell wegen Arbeitslosigkeit oder einem unerwarteten Karriereknick für einen beruflichen Neustart entscheiden zu müssen. Die Folgen sind in jedem Fall tiefgreifend. Doch das alles ist bekannt. Nach wie vor unbeantwortet ist freilich die Frage, wie lässt sich das Problem am besten lösen und wie gelingt eine Entscheidung, die sich als tragfähig erweist, die Menschen beruflich erfolgreich und glücklich werden lässt. Beratungsangebote und Versprechungen gibt es viele, altbekannte ebenso wie neue digitale. Die Einen schwören auf eine zeitintensive Selbsterkundung und nachhaltige Gespräche. Die Anderen setzen auf das Matching von in nur wenigen Minuten zu bearbeitender Apps. Die Dritten glauben an die Ratschläge externer Coaches. Die Letzten richten sich nach  Arbeitsmarktprognosen. Der überzeugende Beweis ihrer aller Tauglichkeit für eine sichere Berufswahl steht gleichwohl hier wie dort noch immer aus.

Die Botschaft des Grundgesetzes ist eindeutig (Foto: Wikimedia/Klaschwotzer)

Aber keine Angst. Wir wollen niemanden langweilen und uns deshalb auch nicht in fruchtlosen Diskussionen über noch so ausgeklügelte Methoden bei der Berufswahl verlieren. Das ist ein Thema für Spezialisten. Uns geht es um einen anderen Punkt. Und der ist einfach erklärt. Eine für den Einzelnen befriedigende und für die Gesellschaft gleichzeitig wertschöpfende Berufswahl gelingt nur in Freiheit. Der Freiheit, selbst und ohne Einflussnahme Dritter entscheiden zu können, wohin der berufliche Weg gehen soll. Dieses Recht ist übrigens sogar im Artikel 12 des Grundgesetzes verbrieft. Trotzdem lauern so manche Gefahren. Auch wenn sie nicht für jeden und in allen Situationen sofort erkennbar sind, ist die Freiheit der Berufswahl inzwischen löchrig wie ein Schweizer Käse. Nein, wir meinen weniger die vielfach zu Unrecht gescholtenen Eltern. Die entgegen den Wünschen ihrer Kinder tatsächlich oder auch nur vermeintlich Druck ausüben, diesen oder jenen Beruf zu ergreifen. Es gibt sie, gewiss. Eine Mehrheit aber stellen sie heute nicht mehr dar. Die Rede soll hier stattdessen von Gefährdungspotentialen sein, die sich meist unter dem Deckmantel von Modernität und wissenschaftlicher Erkenntnis präsentieren.

Am Anfang jeder Entscheidung steht die Information

Als wichtigste Entscheidungsparameter gelten dabei Fragen wie: Welche Ausbildung bietet später einen sicheren Arbeitsplatz? Wo winkt eine gute Bezahlung? Wo sind die Aufstiegschancen am größten? Berufliche Erfüllung und persönliches Glück scheinen eine nur noch nachrangige Rolle zu spielen. Wir geben zu, es sind nicht alle unglücklich geworden, die in den Zeiten unserer Eltern mit Blick auf regionale Gegebenheiten oder aus sozialen und ökonomischen Zwängen heraus statt ihres Traumberufs eine Brot- und Buttertätigkeit ergreifen mussten. Doch hat sich die Welt seitdem verändert. Viele Berufe sind anspruchsvoller geworden. Als umso wichtiger erweist sich deshalb heute die Passgenauigkeit von beruflichen Anforderungen und persönlichen Begabungen. Menschen mit einer Rechenschwäche werden selten gute Kaufleute, ohne Empathie nie einfühlsame Erzieher und bei nur geringem Interesse an Technik keine klugen Kfz-Mechatroniker. Berufliches Glück ebenso wie die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen garantiert indes nur Eines: Die eigenen Stärken und Schwächen ohne die interessengeleitete Einflussnahme Dritter herauszufinden. Schließlich schöpfen nur zufriedene Mitarbeiter ihr Leistungspotential voll aus.

Freilich bedarf auch die freieste Entscheidung stets umfänglicher, vor allem aber objektiver Informationen. Alles andere wäre nicht mehr als die Spontaneität eines Lottospielers, der hofft, das Glück möge schon auf ihn fallen. Doch die Chancen auf einen Sechser mit Zusatzzahl liegen bekanntlich nicht höher als 1 zu 140 Millionen. Darüber hinaus ist es nicht allein die in manchen Fällen tatsächlich fehlende Bereitschaft der Berufswähler zur zeitintensiven Recherche. Genauso oft erweist es sich als ein Problem mangelnder und mehr noch mangelhafter Informationsquellen. Die Analyse von Berufen als auch Arbeitsfeldern ist, keiner weiß das aus eigener Erfahrung besser als wir vom „Berufsreport“, genauso zeit- wie kostenaufwändig. Kein privater Berufs- oder Personalberater kann das leisten. Sogar die Qualität der Datenbank BERUFENET von der staatlichen Bundesagentur für Arbeit (BA) als dem nach wie vor größten Player auf dem Berufsberatungsmarkt lässt im Laufe der Zeit immer mehr zu wünschen übrig.

Vom Ende her denken

Wichtiger aber noch hat die BA die Freiheit der Berufsentscheidung schon vor vielen Jahren leichtfertig auf dem Altar der Ökonomisierung geopfert. Das goldene Kalb heißt heute: Arbeitsmarkttauglichkeit, was den Anpassungsdruck auf die Arbeitnehmer erhöht und ihre Berufswahlfreiheit ganz entscheidend einschränkt. Der Arbeitsmarkttauglichkeit einer Berufswahl ist grundsätzlich nicht zu widersprechen, denn auch deren Freiheit sind Grenzen gesetzt. Schließlich wird aus Freiheit ohne Verantwortung Anarchie, in der das Recht des Stärkeren gilt. Vor diesem Hintergrund besitzt die arbeitsmarktorientierte Messlatte durchaus ihre Berechtigung. Doch heißt es, vom Ende her zu denken und nicht lediglich alles am kurzfristigen Erfolg auszurichten. Aber genau das tut die BA nicht. Zwei Dinge zeigen das. Die ehemals eigenständige Organisationseinheit Berufsberatung wurde aufgelöst und zum bloßen Appendix der Vermittlungsabteilung degradiert. Den Führungskräften, die die Nöte ihrer Berufsberater an die Zentrale in Nürnberg weiterleiten könnten, fehlen indessen die Antennen für deren Probleme. Sie besitzen meist keine eigene Beratungserfahrung.

Die Berufsberater ächzen und verzweifeln deshalb zunehmend öfter an kurzsichtigen Vorgaben. Die sich auf einen einzigen Punkt konzentrieren, der schnellstmöglichen Integration ihrer Kunden in ein Beschäftigungsverhältnis. In die berufskundliche Kompetenz als wichtigstes Handwerkszeug von Berufs- und Arbeitsberatern muss man da kein Geld mehr investieren. Es reicht, wenn diese die mehr oder weniger detaillierten Vorgaben der Stellenanbieter mit dem Qualifikationsprofil der Bewerber mechanistisch abgleichen und eine Vermittlung vornehmen. Die Entwicklung intelligenter Alternativen für Bewerber wie der nach Fachkräften suchenden Unternehmen gelingt so allerdings nicht. Die BA springt wieder einmal zu kurz. Die durch neue Eingruppierungen erreichten Lohnkosteneinsparungen werden sich andernorts teuer niederschlagen. Engagierte Fachkräfte wachsen nicht auf den Bäumen. Engagement setzt Entscheidungsfreiheit voraus, die auf Wissen basiert. Und Wissen braucht in diesem Fall ebenso leistungsbereite wie (berufs)kundige Berater.

Bis zum Fall des Beratungsmonopols in den 90er Jahren mussten die Berufsberater der BA je nach Einsatzgebiet noch ein Fachhochschul- oder universitäres Studium abgeschlossen haben. Akzeptiert wurden alle Fachrichtungen. Darüber hinaus mussten sie über Berufspraxis verfügen. In einem anschließenden Traineeprogramm erlernten sie dann das für ihren Job unerlässliche methodische Rüstzeug. Mit dem Fall des Monopols aber durfte in- und außerhalb der BA ab sofort jedermann berufsberaten. Eine bestimmte Qualifikation dafür war nicht mehr vorgeschrieben. Das erwies sich als Todesurteil für eine ebenso professionelle wie qualitativ hochwertige Berufsberatung. Während das Handwerk einen ähnlichen Fehler korrigierte und schon vor Jahren zur Aufrechterhaltung fachlicher Mindeststandards den zuvor abgeschafften Meisterzwang wieder einführte, hat sich in der Berufsberatung der BA bis heute nur wenig verändert.

Mangel an Beratungsqualität

Immerhin müssen sich die Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit für die Übernahme von Beratungsaufgaben nun wenigstens wieder über entsprechende Lehrgänge qualifizieren. Daneben hat die BA-interne Fachhochschule nach langen Jahren Pause erneut einen beratungsorientierten Studiengang in ihr Portfolio aufgenommen. Auf Berufspraxis außerhalb der Verwaltung aber verzichtet die BA weiterhin. Diese einseitige, allein auf eine Tätigkeit in der öffentlichen Verwaltung beschränkte Berufserfahrung, die fehlende Kenntnis vom Arbeitsleben in einem Wirtschaftsunternehmen bedeuten eine nachhaltige Qualitätsminderung. Berufsberater und Berufsberaterinnen der alten Schule, für die ihr Job eine zweite Karriere war, mussten schließlich niemandem mehr etwas beweisen. Sie besaßen den unschätzbaren Vorteil, nicht mehr selbst Karriere machen zu müssen. Sie verfügten über ein gerüttelt Maß an Lebenserfahrung. Sie wussten aus eigener Erfahrung, dass Fehler zum Leben und zur Berufsentscheidung dazu gehören. Sie wurden deshalb nicht zum Komplizen ihrer Kunden. Doch sie hatten Geduld.

Freilich wird es ein Zurück zum Status quo ante nicht geben. Auch wenn das Zurück ein Vorwärts zu besserer Qualität wäre. Der Gesichtsverlust, den der Nürnberger Vorstand auch in seiner neuen Zusammensetzung fürchtet, wird das nicht zulassen. Mehr noch ist sein finanzieller Spielraum durch die vielen Milliarden Kurzarbeitergeld in der Corona-Pandemie aufgebraucht. Alles das liegt gleichwohl nicht im schuldhaften Verhalten der einzelnen Beratungsfachkräfte. Vielmehr gründet es in den aktuellen und mittels sonst überwiegend in Vertriebsorganisationen eingesetzten Zielzahlsystemen allein auf die kurzfristige Arbeitsmarktorientierung ausgerichteten Prioritäten der Bundesagentur für Arbeit. Es gäbe Vorschläge, wie die (berufs)beraterischen Kompetenzen wieder zu verbessern wären. Was hinderte die Bundesagentur, ihren künftigen Berufsberatern in einer Art Gap Year Arbeitserfahrungen außerhalb ihrer eigenen Mauern zu ermöglichen, nicht erneut in sozialen Unternehmen, sondern in Industrie und Handwerk. Realitätsnah mit der Verpflichtung zur individuellen Bewerbung und Bewährung außerhalb ihres bisherigen wie künftigen Wirkungskreises. Und zur berufslebenslangen berufskundlichen Recherche.

Nötig sind Berater, keine Verkäufer

Auch für Jugendliche in Chicago, hier auf dem Sears Tower, ist die Berufswahl eine schwierige Entscheidung (Foto: Wikimedia/Sally Kerr)

Das würde das Verständnis für die mannigfaltigen Probleme ihrer Kunden ebenso erhöhen wie es gegenüber deren Misserfolgen demütiger werden ließe. Dem so wichtigen Vertrauen der Kunden täte das Eine wie das Andere gut. Berufswahl ist schließlich ein Reifeprozess in der schwierigen Etappe des Erwachsenwerdens oder einer einschneidenden Lebensveränderung. Beides gelingt nur in Freiheit und Vertrauen. Dies auszuhalten, die notwendigen Spielräume zu gewähren, ist auch unter Kostengesichtspunkten sinnvoll. Zur Wiederholung: Nur zufriedene Mitarbeiter schöpfen ihr Leistungspotential voll aus. Eine zwar teure, aber am Ende gelungene Berufswahl ist allemal preisgünstiger als eine mit Druck erzwungene Entscheidung, die zu hohen Kosten korrigiert werden muss. Ein Blick rechts und links der Bundesagentur, das heißt in die Personalabteilungen großer Unternehmen, in die Kammern (insbesondere Industrie- und Handels- sowie Handwerkskammern), in Wirtschaftsverbände, private Bildungsanbieter und Personalberatungen, die ebenfalls berufsberaterisch tätig werden, ist weithin ein Blick in die Trostlosigkeit.

Die Berater dieser Institutionen haben einen ausschließlich interessengeleiteten Blick auf die Berufslandschaft. Über eine qualifizierte beraterische Ausbildung verfügen sie nicht. Lediglich ihr Verkaufstalent ist hoch professionell. Das wichtige Überblickswissen über Berufe und ihre Verschränkungen, Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten wie Studienangebote an Fachhochschulen und Universitäten fehlt fast vollständig. Ist es ausnahmsweise doch vorhanden, dann eher zufällig. Diesen „Fachleuten“ geht es weniger um Berufsberatung als vielmehr um unternehmens- beziehungsweise branchenspezifische Nachwuchswerbung. Oft sind sie auch im Outplacement eingesetzt. Bevorzugt werden weithin Mitarbeiter mit Marketingerfahrungen. Die Freiheit des Berufswählers verspricht das alles eher nicht. Die Unternehmenskunden diktieren die Ziele. Ähnlich sieht die Situation in den Zentralen Studienberatungen der Hochschulen aus. Fazit: Allen Anbietern von Berufsberatung ermangelt es an einem verbindlichen Qualitätsmanagementsystem.

Dem BerufsBeratungsRegister (BBR) des Deutschen Verbandes für Bildungs- und Berufsberatung (dvb) als Versuch einer Kammeraufsicht auf Freiwilligkeit war nur ein kurzes Leben beschieden. Das Gewicht des dvb ist bis heute begrenzt, die Rückendeckung der Politik fehlt nahezu vollständig. Es bleibt der Platz am Katzentisch. So datiert das vorzügliche „Berufsbild Berufsberater/Berufsberaterin“ bereits aus 2007, freilich ohne damit etwas von seiner Aktualität verloren zu haben. Zum verbindlichen Standard erhoben wurde es aber weder in- noch außerhalb der Bundesagentur. Lehrer, Sozialpädagogen und Erzieher bedürfen der staatlichen Anerkennung. Berufsberaten jedoch darf jeder. Das ist ein Skandal! Eine weitere wichtige Informationsquelle für Berufswähler sind Print- und Onlinemedien. Meist sind sie den Stellenanzeigenplattformen als Trigger vorgeschaltet. Mit der die Verlage gutes Geld verdienen. Boten diese Berichte in früheren Jahren vielfach sogar den Beratungsfachkräften wichtige Informationen, erreichen sie dieses Niveau heute bloß noch in Ausnahmefällen.

Selbst denken

In Zeiten eines sich ausbreitenden konstruktiven Journalismus, in dem die faktenbasierte Information hinter die haltungsorientierte Botschaft in Form einer positiven „Lösung“ tritt, bleibt nach Einschätzung zahlreicher Fachleute die Neutralität viel zu oft auf der Strecke. Man spricht vom Nudging. Der Leser soll, von ihm selbst unbemerkt, auf den vom Redakteur favorisierten rechten Weg gestupst werden. Auch hier gerät deshalb die Freiheit des Berufswählers allzu schnell unter die Räder. Bleibt ein Letztes. Die Digitalisierung hat, wen wundert es, auch die Berufsberatung erfasst. Und so gibt es zahlreiche Apps, die versprechen, in zwanzig Minuten den passenden Beruf finden zu können. Die bekannteste App dürfte die „AzubiWelt“ der Bundesagentur für Arbeit sein. Bei deren Markteinführung beobachteten Beratungsfachkräfte wie Schüler allerdings merkwürdige Auffälligkeiten.

Auch Usern mit geringen mathematischen Kenntnissen und noch weniger Interessen wurden zur Verwunderung in hohem Maße IT-Berufe empfohlen. Diktierte da etwa die Arbeitsmarktnachfrage nach einschlägig vorgebildeten Fachkräften das Ergebnis? Nach zunehmender Kritik überarbeitete die BA die Software. Was freilich zu einer grundsätzlichen Frage führt. Wer bestimmt eigentlich die Algorithmen, die nicht nur der App der Bundesagentur für Arbeit hinterlegt sind? Welche Ziele und Überlegungen bestimmen die hier festgelegten Entscheidungshierarchien und damit die Ergebnisse? Doch kein einziger Anbieter legt seine Quellcodes offen. Das ist aufschlussreich. Schließlich gibt es keine freiheitsgeleitete (Berufswahl)Entscheidung ohne Transparenz. Weshalb die Situation ein Geschmäckle hat. Nicht wenige nennen es auch Manipulation. Das wiegt schwer, denn die Berufswahl ist schließlich ein ganz intimer persönlicher Prozess.

Berufsberatung statt Berufslenkung

So bleibt zum Schluss eines zu betonen. Eine tragfähige Berufswahl ist kein 100m-Sprint, sondern gleicht eher einem Marathonlauf. In dem sich der Berufswähler nicht nur tiefgehend selbst analysieren muss. Seine Aufgabe ist es zugleich, viele Informationen einzuholen, ihre Seriosität zu prüfen und ihre Inhalte zu einer Schablone zusammenzufügen. Die er anschließend mit seinem Persönlichkeitsprofil und der zukünftigen Arbeitsmarktnachfrage abgleicht. Welchen Informationen er welche Bedeutung zumisst, kann nur er selbst bestimmen. Diese Freiheit sollte er sich nicht nehmen lassen und er sollte sie auch nicht für falsche Versprechungen an Dritte abgeben. Berufswähler sollten keinen anderen für sich denken lassen! Sie sind gut beraten, die Seriosität ihrer Informationsquellen ebenso zu überprüfen, wie sie die Berufsberater um Auskunft nach deren eigenen Berufserfahrungen befragen sollten. Freiheit verspricht freilich keine anstrengungslose Geruhsamkeit. Im Gegenteil. Freiheit fordert denen, die sie anstreben, eine hohe Einsatzbereitschaft ab. Ob sich dabei Aufwand und Nutzen lohnen, muss jeder Einzelne für sich selbst beantworten. Darüber nachzudenken scheint gleichwohl sinnvoll.

Die Berufswähler, und nur sie (!), bestimmen, wie, wie schnell und zu welchem (Berufs)Ziel sie gelangen möchten. Manche schaffen diesen Schritt in einer geraden Linie, andere gehen kürzere oder längere Umwege, einige benötigen gar mehrere Anläufe. Ein Urteil darüber steht niemandem zu. Entscheidend ist allein, ob der Berufswähler sein wie auch immer definiertes Ziel erreicht, egal wie und wann. Wir hören schon die Einwände der Sozialwissenschaftler aus dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung als auch der Volkswirte aus dem Bundesarbeitsministerium. Weil das der Gesellschaft viel zu viel Geld koste, bedürfe es zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage einer effizienten Berufsberatung. In der DDR, die Älteren unter unseren Lesern erinnern sich vielleicht noch, formulierte man diese Einwände direkter und weniger verklausuliert. Dort setzte man die Interessen der Unternehmen ohne schlechtes Gewissen an die erste Stelle und betrieb Berufslenkung. Das sorgte für viel persönliches Leid und auch ökonomisch war das Projekt alles andere als ein Erfolg. Genau deshalb plädieren wir für die Freiheit der Berufswahl, für Meinungsvielfalt und nicht Meinungseinfalt.

 


Weiterführende Informationen

https://de.wikipedia.org/wiki/Berufsfreiheit

 

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