DFS Deutsche Flugsicherung GmbH – Cleared for take-off

Von Hans-Martin Barthold | 15. August 2020

Der Name der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH ist ihr Programm. Per Gesetz hat die Bundesrepublik der DFS die Organisation und Überwachung der Sicherheit des zivilen und militärischen Luftverkehrs über Deutschland übertragen. So ist die DFS ein sogenanntes beliehenes Unternehmen. Was nichts anderes heißt, als dass der Staat einen privatrechtlich organisierten Betrieb mit der Wahrnehmung hoheitlicher Aufgaben betraut. Mit großem Erfolg in diesem Fall. In den knapp drei Jahrzehnten ihres Bestehens hat es in Deutschland keinen einzigen Flugunfall gegeben, den einer der 5.600 Mitarbeiter der DFS hätte verantworten müssen. Öffentliche Aufmerksamkeit erhalten sie dennoch eher selten. Selbst von den Vielfliegern wissen die wenigsten um die Bedeutung der DFS für einen sicheren Flug. Denn anders, als es zu den Glanzzeiten des Liedermachers Reinhard Mey noch galt, ist die Freiheit über den Wolken schon lange nicht mehr grenzenlos. Immerhin wollen in normalen Zeiten nicht weniger als 10.000 Flugbewegungen jeden Tag unfallfrei durch den deutschen Luftraum geleitet werden. In der Tat wird da der Platz manchmal schon ziemlich eng.

Das Luftverkehrsaufkommen effizient steuern

Pascal Dombrowsky arbeitet als Center-Lotse im Area Control Center Langen (Foto: DFS Deutsche Flugsicherung GmbH)

Damit der Flugverkehr sicher und effizient abgewickelt werden kann, arbeiten in der DFS nicht nur Fluglotsen. Gleichwohl bleibt die Flugverkehrskontrolle die zentrale Aufgabe der DFS. Fast die Hälfte der Mitarbeiter, zuletzt waren das 2.675 Männer und Frauen, arbeitet in den einschlägigen operativen Abteilungen. Davon sind etwa 1.800 als Centerlotsen in den drei Area Control Centern (ACC) in Bremen, Langen bei Frankfurt und München sowie im Upper Area Control Center (UAC) in Karlsruhe tätig.  Weitere 500 haben ihren Arbeitsplatz als Towerlotsen in der Platzkontrolle auf einem der 16 internationalen deutschen Flughäfen. Pascal Dombrowsky ist Centerlotse im Kontrollzentrum Langen. Gearbeitet wird in Zweierteams aus Radar- und Koordinierungslotsen. Der eine hält den Kontakt zu den Piloten, der andere ist für die Übernahme aus sowie die Übergabe an die angrenzenden Sektoren zuständig. Nach zwei Stunden Arbeit und einer 30minütigen Pause wechseln die beiden Kollegen die Plätze. Pascal Dombrowskys Sektor erstreckt sich auf eine Fläche von etwa 100 mal 200 km und eine Höhe bis zu 8.000 Metern. Für die Höhe darüber sind die Kollegen des UAC zuständig.

Pascal Dombrowsky liebt seinen Job. Dass der Lotsenberuf ein Beruf im Hintergrund ist, stört ihn nicht. „Mit unserer Fehlerlosigkeit sorgen wir ein Stück weit selbst für unsere Unsichtbarkeit“, sagt er stolz. Freilich ist der Beruf des Fluglotsen kein klassischer Ausbildungsberuf. Fluglotsen erwerben am Ende ihrer Ausbildung eine Lizenz, für deren Fortschreibung alle zwei Jahre die medizinische Tauglichkeit, ausreichende Englischkenntnisse, eine Mindestzahl an Einsatzzeiten und entsprechende Arbeitsleistungen nachzuweisen sind. Die übrigen Arbeitsplätze in der Flugverkehrskontrolle verteilen sich auf Flugdatenbearbeiter und Flugberater. Beide nehmen Serviceaufgaben für Lotsen wahr und verfügen über eine der Qualifikation der Fluglotsen weitgehend vergleichbare Ausbildung. Die Flugdatenbearbeiter sind unter Berücksichtigung aller flugzeug- und flugspezifischen Vorgaben für die Datenpflege zuständig. Die Flugberater stellen Luftkarten und die sogenannten Lufthandbücher zusammen, aus denen die Piloten alle luftfahrtrelevanten Informationen und Verordnungen der Bundesrepublik einschließlich deren temporärer Änderungen entnehmen können.

Den Fluglotsen die Arbeit erleichtern

Radarstation der DFS in Hamburg (Foto: DFS Deutsche Flugsicherung GmbH)

Mit welchen Aufgaben sind die übrigen DFS-Mitarbeiter betraut und über welche Ausbildungen verfügen sie? In einem Satz zusammengefasst: Sie halten mit dem, was sie tun, den Fluglotsen den Rücken frei und sorgen für beste Arbeitsbedingungen in den Kontrollzentren und der Platzkontrolle auf den Flughäfen. Das gilt für Techniker und Manager gleichermaßen. Fluglotsen sind in ihrer täglichen Arbeit auf eine funktionierende Technik angewiesen. Dafür sind die Flugsicherungsingenieure zuständig, die die entsprechenden technischen Einrichtungen rund um die Uhr überwachen und eventuelle Störungen sofort beheben. Als Systemmanager erfolgt ihr Einsatz direkt in den Kontrollcentern sowie im Schichtbetrieb. Auch für die Weiterentwicklung dieser Systeme ist ihre fachliche Expertise unverzichtbar. Da geht es etwa um die Erweiterung von Ortungsanlagen, die Anpassung der Systeme an veränderte Luftraumstrukturen und vieles andere mehr. Die Projektteams setzen sich aus Ingenieuren der Nachrichtentechnik, der Luft- und Raumfahrttechnik, Informatikern, Physikern und Wirtschaftsingenieuren zusammen.

Eine weitere wichtige Berufsgruppe sind die etwa 400 IT-Spezialisten, die mit den Ingenieuren und Technikern in einem permanenten fachlichen Dialog stehen. Die Informatiker finden in der DFS eine ganz besondere Arbeitssituation vor. „Flugsicherungssoftware ist keine Massenware, die wir auf dem freien Markt einkaufen könnten“, erklärt der Personalrecruiter Yannick Wagner. Dennoch fangen die Programmierer der DFS nur in den seltensten Fällen auf der grünen Wiese an. „Schließlich sind die Systeme in ihrer Grundstruktur bereits vorhanden“, weist Wagner auf einen wichtigen Aspekt der Arbeit von Informatikern innerhalb der DFS hin. „Es geht vornehmlich um deren Weiterentwicklung und Optimierung.“ Neben der IT, die die Fluglotsen unterstützt und die sehr anschaulich ist, sind die DFS-Informatiker natürlich auch für die gesamte Bürokommunikation zuständig. Alle IT-Aktivitäten und IT-Fachkräfte sind im IT-Systemhaus in Langen zusammengefasst.

Einzigartige Forschung und Entwicklung

Oliver Haßa leitet in der Forschung & Entwicklung die Realzeitsimulation (Foto: DFS Deutsche Flugsicherung GmbH)

Die DFS braucht Ingenieure und Naturwissenschaftler aber nicht allein in ihren operativen Funktionseinheiten, sondern ebenso in der unternehmenseigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Es handelt sich um angewandte Forschung und natürlich geht es auch hier um die Arbeit der Lotsen und deren Effizienzsteigerung bei einem gleichbleibend hohen Sicherheitsstandard. Die rund 80 Mitarbeiter des Forschungszentrums, zu dem neben der Abteilung „Simulation, Forschung und Entwicklung“ auch das Simulatorzentrum gehört, forschen an der klassischen Schnittstelle eines Mensch-Maschine-Systems. „Derzeit“, erklärt der Leiter Realzeitsimulation, Oliver Haßa, „müssen Fluglotsen noch viele Entscheidungen manuell treffen. Wir arbeiten insbesondere an der Entwicklung von Assistenzsystemen für einen höheren Automatisierungsgrad.“ Das scheint schwieriger, als für den Laien auf den ersten Blick erkennbar. Aus vier Gründen, wie Oliver Haßa deutlich macht. Und er muss es wissen. Haßa ist Ingenieur der Luft- und Raumfahrttechnik mit dem Schwerpunkt Flugführung. Bevor er zur DFS gewechselt ist, sammelte er in der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) wertvolle erste Berufserfahrungen.

Die besonderen Bedingungen der DFS-Forscher kulminieren vor allem in vier Aspekten. „Wir bewegen uns in der Flugverkehrskontrolle in einem 4D-System“, formuliert Haßa den ersten. Darüber hinaus sei das Luftverkehrssystem ein emergentes System. Das zeichnet sich durch eine Besonderheit aus. Bei der Integration neuer Subsysteme kann das Gesamtsystem völlig neue Eigenschaften aufweisen, die nicht vorhersehbar sind. So haben Routenänderungen im Anflugnahbereich eines Flughafens wie beim internationalen Drehkreuz Frankfurt in der Regel europaweite Auswirkungen. Bei größeren Veränderungen des Luftraumes können diese weltweit spürbar sein. Weiter ist der Flugverkehr ein System der kontinuierlichen Bewegung. „Ein Auto, einen Zug oder ein Schiff kann man anhalten“, beschreibt es der Flugführungsexperte Haßa, „ein Flugzeug nicht.“ Die letzte Problematik, erklärt der DFS-Mann, liege darin, in der Flugsicherheit die Richtigkeit von Lösungen nicht in einem Echtzeit-Experiment austesten zu können. „Wir haben vor dem Alltagseinsatz nur die Simulation“, bringt er die Schwierigkeit auf den Punkt. „Und deshalb brauchen wir Leute, die die Situation(en) in ihrer hohen Komplexität vorwegdenken und in entsprechende Software überführen können.“

„Safety first“ ist oberstes Gebot

Der Arbeitsplatz eines Center-Lotsen verlangt eine gute Selbstorganisation (Foto: DFS Deutsche Flugsicherung GmbH)

Allerdings arbeiten Oliver Haßa und seine Kollegen aus der F&E stets eingezwängt in enge Rahmenbedingungen. Die von ihnen entwickelten Systeme müssen nämlich nicht nur den internationalen gültigen Regelwerken entsprechen. Sie müssen vielmehr auch mit der überaus heterogenen technischen Infrastruktur der Luftraumnutzer kompatibel sein. „Neben modern ausgestatteten Flugzeugen der neuesten Generation fliegen stets auch Maschinen, die schon dreißig Jahre auf dem Buckel haben“, schildert Oliver Haßa die Problematik. Der personell zweitgrößte Funktionsbereich nach der Flugverkehrskontrolle sind die operativen Supportdienste. Auch hier weist die Mitarbeiterstruktur auf die Prioritäten der DFS. Den Flugverkehr in der kürzesten Zeit und zu den geringstmöglichen Kosten von Punkt A nach Punkt B zu führen, ist die eine Anforderung. Doch steht die Sicherheit im Zweifel stets über der Ökonomie. Entsprechend groß ist die Bedeutung von Safetymanagern und Verfahrensplanern.

Safetymanager, die meisten davon ehemalige Fluglotsen, erstellen Regeln und Vorschriften für ein fehlerfreies Arbeiten ihrer ehemaligen Kollegen, identifizieren Risiken im laufenden Betrieb, arbeiten die Verbesserungen ins bestehende Regelwerk ein, informieren und schulen die Mitarbeiter. Die Aufgaben der Verfahrensplaner liegen dagegen in der Flugroutenplanung. Die ist bei den in großer Höhe liegenden Streckennetzrouten einfacher als bei den An- und Abflugrouten der jeweiligen Flughäfen. Dafür müssen die Verfahrensplaner nationale wie internationale Vorgaben und Richtlinien beachten, das vorhandene Streckennetz sowie die zugehörigen Verknüpfungspunkte kennen, die Übergabebedingungen der angrenzenden Kontrollzentren berücksichtigen und um die flugphysikalischen Eigenschaften der zu erwartenden Luftraumnutzer wissen. Auch dies also eine sehr komplexe Aufgabe.

Gemeinsam und zusammen

Die Unternehmenszentrale der Deutschen Flugsicherung GmbH in Langen bei Frankfurt (Foto: DFS Deutsche Flugsicherung GmbH)

Der DFS-Campus in Langen ist einer der größten Flugsicherungsstandorte weltweit. Hier ist die Zentrale mit den allgemeinen administrativen Diensten wie Personal, Recht, Kommunikation, Controlling und Planung angesiedelt. Neben dem Kontrollcenter befinden sich auf dem Campus mit eigenem Bahnhof aber auch die DFS-Akademie mit einem umfangreichen Seminarportfolio für die Aus- und Fortbildung, das IT-Systemhaus, das Technikzentrum, die Logistik, die Energiezentrale und das Forschungszentrum. 3.100 Mitarbeiter stark ist die Belegschaft in Langen. Was die Atmosphäre auszeichnet? „In der DFS“, beschreibt es Yannick Wagner, „laufen alle in dieselbe Richtung.“ Soll heißen, alle Informationen werden geteilt. Alle fühlen sich dem gleichen Ziel verpflichtet. Keiner arbeitet des persönlichen Vorteils wegen gegen den anderen. Wagner hat mit vorherigen Arbeitserfahrungen in anderen Unternehmen gute Vergleichsmöglichkeiten. Und deshalb weiß er diese Bedingungen zu schätzen.

Noch lassen sich die Folgen von Corona auf die Entwicklung des Flugverkehrs und damit auch auf die DFS nicht sicher vorhersagen. Klar ist aber, dass sich der mittelfristige Personalbedarf der DFS mit Blick auf die Altersstruktur der Beschäftigten kaum verringern und die Personalgewinnung wegen der hohen Spezialisierung schwierig bleiben dürften. „Allein von den Flugsicherungsingenieuren“, berichtet die Abteilungsleiterin Young Talents Management, Martina Zorbach, „werden in den kommenden fünf Jahren 150 Kollegen altersbedingt ausscheiden.“ Bis auf wenige Berufsgruppen wie etwa Juristen praktiziert die DFS bei der Rekrutierung ihres Berufsnachwuchses eine Doppelstrategie. Neben Direkteinstellungen vom Markt wird für fast alle Arbeitsbereiche selbst ausgebildet, überwiegend in Form dualer Studiengänge. „Außer einer hervorragenden fachlichen Qualifikation besitzen diese Absolventen fundierte Arbeits- und Betriebserfahrungen und sind daher sofort arbeitsfähig“, schwärmt Martina Zorbach von ihren Vorzügen.

Duale Studienmöglichkeiten vom Feinsten

So sieht der moderne Remote Tower auf dem Flughafen Saarbrücken aus. Die Lotsen, die den Flugbetrieb in Saarbrücken überwachen, sitzen in Leipzig. (Foto: DFS Deutsche Flugsicherung GmbH)

Duale Studienmöglichkeiten bieten sich Abiturienten und Fachoberschülern in vier Fachbereichen. Zuerst als Flugsicherungsingenieur. Für eine erfolgreiche Bewerbung werden gute Kenntnisse in Physik und Mathematik sowie sichere Englischkenntnisse vorausgesetzt. Die studientheoretischen Abschnitte werden an der Hochschule in Darmstadt absolviert. Im dualen Studium Informatik können die Studierenden zwischen den Vertiefungsrichtungen Application Engineering, Technische Informatik oder Telekommunikation wählen. Gute Englischkenntnisse und eine starke Affinität zur IT sind selbstverständlich. Besonders hoch legt die DFS die Eingangshürden für das duale Studium Luftverkehrsmanagement, das die Betriebswirtschaftslehre mit Luftrecht und der Logistik verknüpft, und für das die Fachhochschule Frankfurt, heute: Frankfurt University of Applied Sciences, als Ausbildungspartner fungiert. Das Abitur sollte nicht schlechter als 2,0 ausgefallen sein. In Deutsch, Mathe und Englisch werden überdurchschnittliche Leistungen erwartet. Auslandsaufenthalte und erste Berufserfahrungen als Praktikant, Volunteer oder in einem Nebenjob verbessern die Bewerbungschancen erheblich.

Seit letztem Jahr bietet die DFS künftigen Fluglotsen eine Alternative zur klassischen Ausbildung in diesem Beruf an. Es ist ebenfalls ein duales Studium und nennt sich Air Traffic Management. Der erste Studienabschnitt umfasst drei Semester Betriebswirtschaft mit Fokus auf die Luftfahrt an der Hochschule in Worms. Vom vierten Semester an erfolgt die reguläre Lotsenausbildung in Langen. Während des On-the-job-Trainings an ihrem späteren Arbeitsplatz in den Niederlassungen der DFS schreiben die Studierenden ihre Bachelor-Arbeit. Außer diesen derzeit 110 dualen Studienplätzen bietet die DFS auch noch Ausbildungsplätze zum Fachinformatiker für Systemintegration an. Die Abteilungsleiterin Young Talents Management hält beide Berufe allerdings inzwischen nicht mehr für vollständig zeitgemäß. „Die Anforderungen haben sich verändert“, ist Martina Zorbach überzeugt. Auf Routinen ausgelegtes Fachwissen allein reiche zunehmend weniger. „Wichtiger wird die Kompetenz, wie man sich einem Problem nähert und eine Lösungsstrategie entwickeln kann.“ Die Zukunft gehöre deshalb den dualen Studiengängen.

Exklusives Traineeprogramm

Martina Zorbach leitet im DFS-Headquarters in Langen die Abteilung Young Talents Management (Foto: DFS Deutsche Flugsicherung GmbH)

Externe Fachkräfte haben die Wahl zwischen einem Direkteinstieg on the Job oder einem Traineeprogramm. Auch wenn von den ersten bereits Berufserfahrungen gewünscht wird, sollten sie dennoch Erweiterungspotential wie die Bereitschaft mitbringen, sich in der DFS weiterentwickeln zu wollen. Das Traineeprogramm richtet sich indessen an Masterabsolventen. Das Personalmanagement lässt keinen Zweifel an seiner Exklusivität. Für das Business Traineeship werden Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge gesucht. Für das Technik-Traineeship ist der Abschluss in einem der MINT-Fächer erforderlich. Gewünscht werden eine fachlich wie persönliche Nähe zur Luftfahrt und erste Begegnungen mit diesem Arbeitsbereich. Eine kooperative Bachelor- oder Masterarbeit in der DFS wäre so ein Nachweis. Während 24 Monaten durchlaufen die Trainees alle Abteilungen der DFS. Begleitet werden sie von einem persönlichen Mentor und einem ehemaligen Trainee. Ziel ist es, die Nachwuchsführungskräfte bestmöglich auf ihre hohe Verantwortung im anschließenden beruflichen Ansatz vorzubereiten.

Was erwartet die Bewerber um einen dualen Studienplatz oder für eines der Traineeprogramme? Allem voran Recruiter, die sich in einem mehrstufigen Auswahlverfahren für jeden Einzelnen sehr viel Zeit nehmen. Natürlich müssen die formalen Bedingungen für die angestrebte Stelle oder Ausbildung sowie die gewünschten Qualifikationen (Noten, Berufserfahrungen) erfüllt sein. Die erste Stufe besteht in einem onlinebasierten Test zur Erfassung kognitiver Fähigkeiten. Fällt der zur Zufriedenheit aus, folgt ein Telefoninterview. In dem dreht sich alles um die Person. Was ist das für eine Frau oder ein Mann? Ist auch diese Hürde genommen, wartet ein eintägiges Gruppen-Auswahlverfahren im Headquarters in Langen als letzte Stufe. Da gilt es dann, sich in den klassischen Assessment-Center-Übungen wie einer Gruppendiskussion und der Bearbeitung einer anwendungsorientierten Fallstudie zu behaupten. Gesucht werden Bewerber, die Fairness und Kollegialität als wichtige Grundwerte der Zusammenarbeit verstehen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, und die leistungsbereit sind.

Center-Lotsen arbeiten immer im Zweier-Team (Foto: DFS Deutsche Flugsicherung GmbH)

Arbeitgeber für Top Talente und Macher

Neben fachlich überzeugenden Leistungen sind das wichtige Bausteine für eine Karriere in der DFS. Pascal Dombrowsky ist dafür gutes Beispiel. 2010 begann er mit der Ausbildung zum Fluglotsen, seit inzwischen über sechs Jahren arbeitet er in diesem Beruf. Sein Herz schlägt für das Thema Wissensmanagement/Aus- und Fortbildung. Die Ausbildereignungsprüfung hat er bereits mit Erfolg bestanden. Die Aufgabe eines Beobachters und Prüfers für die fortlaufenden Lizensierungsverfahren der Kollegen reizt ihn besonders. Und auch in der Nachwuchsgewinnung engagiert er sich. „Wer will, findet in der DFS viele spannende Möglichkeiten“, ist er überzeugt. Das kann eine Fachfunktion sein, wie sie Dombrowsky anstrebt, aber genauso gut auch die Übernahme einer Führungsposition mit Personalverantwortung.

Yannick Wagner sucht als Referent in der Personalgewinnung bevorzugt IT-Fachkräfte (Foto: DFS Deutsche Flugsicherung GmbH)

Die DFS fördert die berufliche Fort- und Weiterbildung mit zahlreichen Inhouse Seminaren sowie einem umfassenden Beratungsangebot für berufsbegleitende Bachelor- und Masterstudiengänge. Da ahnt man, dass die geringe Personalfluktuation das Ergebnis einer positiven, wenn auch fordernden Arbeitsatmosphäre ist, und nicht nur an den wenigen beruflichen Alternativen für die hoch spezialisierte Flugsicherungsexperten außerhalb der DFS liegt. Ein Letztes. Was sollte jemand mitbringen, der seinen Berufsweg mit der DFS verbinden möchte? Stressresistent sollte er sein, für eine Fluglotsenausbildung nicht älter als 24 Jahre, entscheidungsfreudig, dazu kommunikationsstark und in Englisch sattelfest. Für den operativen Bereich sind darüber hinaus ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen sowie mathematisch-naturwissenschaftliche Interessen unerlässlich.

„In der F&E“, ergänzt Oliver Haßa, „müssen eine unbedingte Neugier und die Fähigkeit zum vernetzten Denken dazukommen.“ Im Übrigen aber sucht Martina Zorbach Bewerber, die luftfahrtbegeistert sind und ihr wissenschaftliches Knowhow gerne in der Praxis anwenden. Immerhin ist die Arbeit hier kein philosophisches Proseminar. Gleichwohl sollte das allerdings nicht mit einer Startup-Denke verwechselt werden. „Die könnte man bei uns nicht ausleben“, gibt Yannick Wagner zu bedenken, „denn Entscheidungsprozesse in der Flugsicherung bedürfen wegen der nationalen wie internationalen Regulierung oft zäher Verhandlungen und der Bereitschaft zum Kompromiss.“

 


Unternehmenssteckbrief
(Stand: 01.08.2020)

Firmengründung: 01. Januar 1993. Die Vorgängerinstitution Bundesanstalt für Flugsicherung nahm die Aufgabe seit 1953 wahr.
Sitz der Unternehmenszentrale: 63225 Langen, Am DFS-Campus 10
Niederlassungen: 20
Mitarbeiter: 5.600 (Frauenanteil: 28%). Davon werden 464 Mitarbeiter als Führungskräfte ausgewiesen (Frauenanteil: 12%).
Umsatz: 1,181 Milliarden Euro (2019).
Ausbildungsmöglichkeiten:

  • Centerlotse
  • Towerlotse
  • Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement
  • Fachinformatiker für Systemintegration

Duales Studium:

  • Flugsicherungsingenieur
  • Informatik
  • Luftverkehrsmanagement
  • Air Traffic Management (in Kombination mit der Fluglotsenausbildung)

Bewerbungen: Vom 01.08. – 31.10. Für das Jahrespraktikum werden Bewerbungen ab dem 01.12. entgegengenommen.
Schülerpraktika: Jahrespraktikum im Rahmen der Fachoberschule Wirtschaft und Verwaltung.
Kontaktmöglichkeiten:

Internet: www.dfs.de

 

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