Daniela Jacob – Eine Frau fürs Klima

Von Hans-Martin Barthold | 15. November 2019

Zeichen des Klimawandels: Orkane und ihre Zerstörungskraft nehmen zu – Der Orkan „Kyrill“ knickte 2007 Strommasten wie Streichhölzer (Foto: Wikimedia/Olaf2)

Viele Zusammenhänge sind noch immer ungeklärt. Wenn auch für Finanzberater vielleicht weniger offenkundig als für Land- und Forstwirte, werden die Veränderungen der Wetterphänomene inzwischen doch unübersehbar. Da verwundert es nicht, dass Klimaexperten wie Daniela Jacob plötzlich zu gefragten Gesprächspartnern werden. Zuvor bediente man sich ihrer Expertise allenfalls dann, wenn wieder einmal Touristen von einem Taifun auf Bali getroffen wurden, ein Hurrikan an der Ostküste der USA entlang fegte oder Starkregen in deutschen Mittelgebirgen Bäche in reißende Flüsse verwandelte. „Diese neue öffentliche Wahrnehmung erleichtert es uns, die Fakten über den Klimawandel wirkmächtiger unters Volk zu bringen“, freut sich die Leiterin des in Hamburg ansässigen Climate Service Center Germany (GERICS). Zu einer simplifizierenden Reduzierung dieses komplexen Themas lässt sie sich gleichwohl ebenso wenig verleiten, wie sie die Angstkeule des Alles oder Nichts lieber anderen überlässt. Da ist sie viel zu sehr Wissenschaftlerin. Für sie zählen Fakten, nicht Stimmungen.

Sie ist überzeugt, wissenschaftliche Erkenntnisse helfen die Welt zu verbessern. Doch gehören dazu Glaubwürdigkeit und Transparenz. Daniela Jacob analysiert deshalb stets ergebnisoffen, grenzt gesicherte Erkenntnisse von Indizien ab und entscheidet anschließend streng nach Datenlage. Das Mögliche zu tun, ist ihr wichtig. Ebenso, andere zum Mitmachen zu begeistern. Weshalb sie sich vom Katastrophengeschrei vieler Klimafundamentalisten fern hält. Wofür sie oft harsche Kritik einstecken muss. Angst, ist sie überzeugt, lähmt und sei deswegen ein schlechter Ratgeber. Sie fordert, sich auf den Klimawandel einzustellen, wer immer daran Schuld trage. Was ihr den Vorwurf einbringt, die hehren Ziele des Klimaschutzes an die Gewinninteressen der Wirtschaft zu verraten. Dabei liegt ihr nichts ferner als Opportunismus. Doch wenn jemand ergebnisorientiert denkt und handelt wie Daniela Jacob, tut er gut daran, sich von jedweder ideologischen Attitude frei zu halten. Das bestimmt ihr Handeln bis heute.

Geradlinig, ergebnisorientiert, kompromissbereit

„Ich will die Dinge verbessern helfen“, formuliert sie das, was sie antreibt. Mit Blick auf den Klimaschutz verficht sie das 1,5 Grad-Ziel mit großer Verve. Engagiert fordert sie eine Reduzierung der CO2-Emissionen. „Weil das der effizienteste Klimaschutz ist.“ Doch heiße das Eine zu tun nicht, das Andere lassen zu müssen. Für sie galt damals und gilt immer noch: Allein das Ergebnis zählt. Macht ist für die Frau, die im westfälischen Bad Salzuflen aufwuchs, bis heute lediglich Mittel zum Zweck. Für sie steht fest, ohne ein Mandat zur Umsetzung von Ideen kann man Themen, Inhalte und Diskussionen nur schwer voranbringen. Aber genauso weiß Daniela Jacob auch, dass den Beteiligten auf dem Weg dahin viele Kompromisse abverlangt werden. Allerdings sind sie für die Klimawissenschaftlerin nicht des Teufels, sondern schlichte Notwendigkeit. Nichts jedenfalls, worüber sich ein endloses Palaver lohnte.

Daniela Jacobs betont lieber die Chancen als die Katastrophe auszurufen (Foto: Christian Schmid/HZG)

Sie kann ungeduldig werden, wenn jemand die schon dreimal besprochenen Dinge zum vierten Mal durchkauen möchte. Zeit ist für die Chefin des GERICS eine viel zu wertvolle Ressource, als das man sie selbstbezogen vergeuden dürfte. Ihr Credo stattdessen: Auf dem kürzesten Weg zur Antwort auf die Frage kommen: Was macht Sinn? Diese Frage leitet Daniela Jacob dem berühmten roten Faden gleich seit ihrer Schulzeit und erkennbar wohl auch weiterhin. An dieser Stelle ein Blick zurück. Daniela Jacob wächst bei der Mutter auf, die ein Lebensmittelgeschäft führt. Sie sieht, wie viele Routinen die tägliche Arbeit nicht nur ihrer Mutter, sondern auch die vieler anderer Menschen bestimmen. Das nötigt ihr großen Respekt ab. Zur erstrebenswerten Verlockung aber wird es nicht. Wohl jedoch wächst, wie sie im Rückblick analysiert, daraus die Motivation für ihren späteren Weg in die (Freiheit der) Wissenschaft. Ihr Vater arbeitet in der Luftfahrtsparte einer bekannten deutschen Versicherung und ist von Flugzeugen begeistert. Oft nimmt er sie zu Segelflugplätzen mit. Und sie begleitet ihn gerne.

Themengeleitet, nicht taktikbestimmt

Bald teilt sie seine Begeisterung fürs Fliegen. Für das man sich, wie sie schnell lernt, gut mit dem Wetter auskennen muss. Einer der beliebtesten Flugplätze des Vaters ist die Wasserkuppe in der Rhön. Dort gibt es nicht nur gute Aufwinde, sondern auch eine Station des Deutschen Wetterdienstes. Die Begegnungen mit den darin tätigen Meteorologen hinterlassen bleibenden Eindruck. Als Leistungskurse in der Oberstufe des Bad Salzuflener Mädchengymnasiums wählt Daniela Jacob ihre Lieblingsfächer Mathematik und Physik. Weil sich für Physik nicht genügend viele ihrer Mitschülerinnen begeistern können, muss sie auf den Kurs am Jungengymnasium ausweichen. Den durch das Pendeln entstehenden zeitlichen Mehraufwand wie auch, sich in den neuen Kursverbund integrieren zu müssen, verbucht sie unter der Rubrik Erfahrungszuwachs. 1980 dann das Abitur und die Entscheidung, was studieren? Wie bei der Leistungskurswahl folgt sie ihrer Begeisterung für (naturwissenschaftliche) Themen und Inhalte. Sie wird es in ihrer über dreißigjährigen Karriere noch mehrmals tun.

Und stets gut damit fahren, wie sie glaubhaft versichert. Für Biologie und Chemie schlägt ihr Herz nur wenig. Für die Mathematik und Physik umso vernehmlicher. Doch ausschließlich Mathematik ist ihr zu abstrakt, Physik zu experimentell. Sie entscheidet sich für die Meteorologie. Als Physik der Atmosphäre lässt sich die gut mit ihren Interessen für angewandte Themen von der Windenergie, über den sauren Regen bis hin zur Luftverschmutzung verbinden. Die Bedeutung wissenschaftlicher Erkenntnisse für die Lebensrealität der Menschen bleibt ihr berufslebenslang wichtiges Anliegen. Schnell wurde ihr während des Studiums klar, dass das, was Otto-Normalverbraucher mit einem Studium der Meteorologie verbindet, also das Wetter und dessen Vorhersage für die nächsten zwei Tage oder Wochen, sie nur wenig interessiert. Es ist das Klima, was sie fasziniert. Damit die Statistik des Wetters über lange Zeiträume, aus der sich vorsichtige Beschreibungen künftiger Lebensbedingungen ableiten lassen. Am meisten aber, welchen Einfluss die menschlichen Einwirkungen darauf haben.

Wissenschaft ist Freiheit

Stets an den Argumenten des Gegenüber interessiert – Daniela Jacob (Foto: GERICS/T. Schaube)

Das Bersten der Atommeiler in Tschernobyl fällt in die Zeit ihrer Diplomarbeit und dieses Ereignis wird lange haften bleiben. Schon früh steht für sie fest, nach Abschluss des Studiums zu promovieren. In unserem Gespräch nennt Daniela Jacob dafür zwei Gründe. „Wissenschaft bedeutet ein hohes Maß an Freiheit“, formuliert sie es. Nicht fürs Nichtstun, wohl aber für die Wahl der Arbeitsinhalte und -methoden. „Und natürlich war mir klar, dass für eine Wissenschaftskarriere die Promotion wie später auch eine Professur unverzichtbare Voraussetzungen sind.“ Sie entscheidet sich für die Universität Hamburg, die im Bereich der Klimaforschung über einen guten Ruf verfügt. Schon während sie an ihrer Dissertation schreibt, gründet sie ein Beratungsunternehmen für die Nutzung der Windenergie, das heute ihr Mann führt. 1991 erhält Daniela Jacob die Promotionsurkunde. Wenig später beginnt sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie. Von einigen Forschungsaufenthalten unterbrochen wird sie hier 22 Jahre tätig sein.

Sie wird, wie alle Wissenschaftler, Erfolge feiern und Niederlagen einstecken müssen. Sie wird Phasen durchleben, in denen sie sich als Wissenschaftlerin wie als Frau zu verlieren fürchtet. Doch bleibt sie sich auch während dieser Zeiten treu. Wie zuvor analysiert sie wissenschaftlich seriös, schärft ihre Argumente, überprüft deren Aktualität beständig, steht sie zu ihren Ergebnissen. Und sie weiß, das alles schließt neben vielen kritischen Rückfragen auch eine hohe Verantwortung ein. Sie konzentriert sich auf die Entwicklung regionaler Klimamodelle, auf die neben der klimawissenschaftlichen Community vor allem Politiker und Wirtschaftskapitäne schon sehnsüchtig warten. Der vielfachen Versuchung zur schnellen Publikation noch ungefestigter Ergebnisse auch aus dem eigenen Institut widersteht sie. Sie testet das Modell lieber einmal mehr als zu wenig. Doch gewinnt Daniela Jacob damit nicht nur Freunde. Was sie seit Studientagen ahnt, aber mit jugendlicher Unbekümmertheit verdrängte, wird schon bald Realität. Auch unter Wissenschaftlern gibt es Neid und Missgunst.

Verstand und Herz der Menschen erreichen

Was jemanden wie sie, die schlecht mit Ungerechtigkeiten umgehen kann, tief verletzt. Zurück bleiben als Schmerzpunkte jederzeit aktivierbare Narben. Für die vielerorts üblichen Machtspiele, in denen es nicht darum geht, wer die besseren Argumente formulieren kann, sondern nur wer der Stärkere ist, mag sie indessen weder Zeit noch Kraft opfern. Stattdessen bleibt sie beim aufrechten Gang und geht unbeirrt ihren Weg. Auch wenn sie, wie sie sagt, keinerlei systematische und vorausschauende Karriereplanungen betreibt. Ihre Karriereentscheidungen richtet sie thematisch aus. Das gilt auch für ihre bislang letzte Station als Direktorin des Climate Service Center Germany (GERICS). So manche ihrer früheren Kollegen halten es für einen beruflichen Rückschritt. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter eines Max-Planck-Instituts wird man entweder irgendwann Nobelpreisträger oder doch wenigstens dessen Leiter. Für Daniela Jacob jedoch impliziert wissenschaftliches Arbeiten stets eine gesellschaftliche Intension.

Karikatur zum Thema Ignoranz von Gerhard Mester (Foto: Wikimedia/Gerhard Mester)

Die Kommunikation von Forschungsergebnissen in die Zivilgesellschaft genauso wie in die Politik und Wirtschaft betrachtet sie deshalb als essentiell. Und genau damit ist das GERICS beauftragt. Daniela Jacob sagt deshalb zu und ist wenig später Vorgesetzte für achtzig Mitarbeiter, die meisten davon Wissenschaftler wie sie selbst. Das Climate Service Center Germany, das sie seit inzwischen vier Jahren leitet, ist kein Forschungsinstitut im engeren Sinn. Es ist vielmehr Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis, mehr noch eine Drehscheibe für klimatologisches Wissen. „Wir sammeln die einschlägigen Ergebnisse aus den unterschiedlichsten Fachdisziplinen, übersetzen sie zielgruppenadäquat und geben umgekehrt die Fragen der Praktiker zurück in die Forschung“, beschreibt die Wissenschaftsmanagerin Jacob ihre gegenwärtige Aufgabe. Womit sich für sie ein Kreis schließt. Denn eine Wissenschaft als Veranstaltung elitärer Zirkel im Elfenbeinturm abseits des pulsierenden Lebens empfand sie stets als Fehlentwicklung.

Klimaschutz ist Wirtschafts- und Sozialpolitik in einem

Zwar erfolgen die Klimaschutzdiskussion ebenso wie die einschlägigen Beschlussfassungen auf globaler Ebene und müssen es auch. Die Umsetzung aber geschieht immer lokal. Die Projekte des GERICS sind denn auch bevorzugt solche mit Städten, Ingenieurbüros und Unternehmen. „Wir haben unsere Infrastruktur und Lebensverhältnisse noch nicht an die Wetterveränderungen angepasst“, beschreibt Daniela Jacob die Situation und versteht es als ihre Aufgabe, das zu verändern. Die ersten Kooperationen gab es mit der Wasserwirtschaft. Dass es beim Deichbau sowohl an den Küsten wie den Flussufern seit einigen Jahren einen „Klimazuschlag“ gibt, dürfen sich die Klimaschützer des GERICS als einen ihrer frühesten Erfolge zuschreiben. Zur Dimensionierung der kommunalen Abwasserkanäle benötigen Städte und Gemeinden belastbare Daten, welche Niederschlagsmengen zukünftig zu erwarten sind. Die Binnenschifffahrt wiederum würde die Tonnage ihrer Schiffe dem sommerlichen Flachwasser anpassen, wenn dies Normalität werden sollte.

Was an diesen Beispielen deutlich wird? Wie eng der Klimaschutz auch mit der Ökonomie verbunden ist. Was manche Wissenschaftler als Zumutung ansehen, ist für Daniela Jacob Herausforderung und Bestätigung zugleich. „Wir entscheiden jetzt, wie viel Armut, wie viel Reichtum, wie viele Risiken und wie viele Chancen wir in den nächsten Generationen haben werden.“ Die Wirtschafts- und Sozialkommission für Asien und den Pazifik (Escap) gibt ihr nachhaltig Recht. „Das wachsende (d. R.: klimabedingte) Katastrophenrisiko verlangsamt den Abbau von Armut“, warnen die Forscher der UNO-Institution. Die jährlichen wirtschaftlichen Verluste, heißt es da weiter, hätten sich allein in der Region Asien-Pazifik gegenüber früheren Schätzungen auf 675 Milliarden Dollar vervierfacht. Nicht allein, aber auch aus wirtschaftlichen Überlegungen, plädiert Daniela Jacob jüngst in einem Interview der Zeitschrift GEO für das Überspringen batteriebasierter Elektroautos und den direkten Übergang zum Wasserstoffantrieb.

Der Klimaschutz und der Tanz

Auch das zeichnet Daniela Jacobs aus: Immer mittendrin (Foto: European R&I Days 2019)

Ich ahne es. Sie weiß es und besitzt darin bereits Erfahrungen. Dieses Plädoyer wird ihr mit Blick auf die aktuellen Entscheidungen in Politik und Automobilindustrie wohl nur wenig Lob einbringen. „Wer einen Standpunkt reklamiert“, gibt sie vor dem Hintergrund vieler Berufsjahre selbstbewusst zu Protokoll, „sollte auch bereit sein, die Konsequenzen zu tragen.“ Über Gegenwind hat sie deshalb nie geklagt. Die Larmoyanz des Opfers fehlt in ihrem Verhaltensrepertoire. Sie setzt auf ein intelligentes, allerdings noch immer eher selten mehrheitsfähiges Argument. „Der Verzicht, Alternativen zu denken“, formuliert sie es, „heißt, das Risiko zu maximieren.“ Wie sie mit solchen Situationen umgeht, ohne zu zerbrechen, möchte ich wissen. Die Familie gebe ihr einen starken Rückhalt. „Und die Liebe zum Tanzen, Flamenco und Stepptanz, die ich mehr als 30 Jahre in meiner Freizeit tanzte“, fügt sie hinzu, „hat mir über viele Frustrationen im Beruf hinweg geholfen.“ Wer hätte das erwartet?

Freilich bleibt Daniela Jacob auch im tänzerischen Ausdruck ihrer Gefühle ganz bei sich selbst. Es ist die klare Struktur des Flamencos und die strenge Disziplin seiner technischen Elemente, in denen sie ihre Emotionen auslebt. „Mit der anarchistischen Improvisation des Hip Hop wüsste ich dagegen wenig anzufangen“, lässt sie lachend einen vielsagenden Blick in ihr Inneres zu. Was Daniela Jacob sonst noch auszeichnet? Neben der Klarheit im Denken wohl vor allem zwei Dinge: Mut und Leistungsbereitschaft. Gerade eben promoviert nimmt sie Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts an einer hochkarätig besetzten Konferenz im französischen Toulouse teil. Der Star der Veranstaltung, ein weltweit bekannter polnischer Mathematiker, referiert vor einem andächtigen Auditorium. Daniela Jacob erkennt einen gravierenden Fehler in seiner Argumentation und spricht ihn daraufhin an. Die Reaktion ist wenig freundlich. Sie aber bleibt beharrlich.

Organisation ist nicht alles, aber …

Am nächsten Tag kommt ein unausgeschlafener Professor zu ihr. Er habe das Modell noch einmal durchgerechnet. Sie habe Recht. Er hätte an entscheidender Stelle ein falsches Vorzeichen gesetzt. Ein Jahr danach lädt er sie in die USA ein. Später bietet ihr das Max-Planck-Institut für Meteorologie einen interessanten Job an. Zufall? Nein doch, denn dessen Glück muss man sich jedes Mal hart erarbeiten. Oder moderner ausgedrückt: Karrierechancen wollen generiert werden, bevor sie einem jemand anbietet. So war es mit einer Honorarprofessur an der norwegischen Universität in Bergen wie auch mit der Gastprofessur in der Fakultät für Nachhaltigkeit der Leuphana Universität Lüneburg. Und wohl auch mit dem Angebot, für einen Sonderbericht (SR1.5) des Weltklimarates (IPCC) Koordinierende Leitautorin zu werden. Als Autorin war sie bereits mehrfach tätig gewesen. Nebenberuflich und ehrenamtlich, wie beim IPCC üblich. So wusste sie, welche zusätzliche und unbezahlte Arbeit da auf sie zukommen würde.

Überzeugungsstark – Daniela Jacob (Foto: GERICS/T. Schaube)

Trotz verschärfter Bedingungen willigt sie ein. Der Bericht, für dessen Zusammenstellung normalerweise zwei bis drei Jahre veranschlagt werden, soll in nur 18 Monaten vorliegen. 60 der insgesamt 200 Seiten verantwortet sie zusammen mit zwei weiteren koordinierenden Autoren. Es geht um die Folgen der globalen Erwärmung. Mehr als 1.000 wissenschaftliche Beiträge wertet sie mit ihrem Team aus. Den ersten Entwurf quittieren Experten und Regierungsvertreter in einem mehrstufigen Review-Prozess mit nicht weniger als 10.000 Kommentaren. Alle müssen dokumentiert und verarbeitet werden. Doch Daniela Jacob ist es gewohnt, dicke Bretter zu bohren. Sie hält den Termin. In der zielorientierten Leitung von Projekten verfügt sie über vielfältige Erfahrungen. Denn auch bei der Einwerbung von Drittmitteln, ohne die Wissenschaftsmanagerinnen wie sie ihre Institute heute nicht mehr führen könnten, wollen die Geldgeber die Ergebnisse ebenso komplett wie pünktlich. Im Nachgang folgen zahlreiche Einladungen zu Vorträgen und Podiumsdiskussionen. Sie macht das gerne und aus Überzeugung.

Noch nicht am Ende des Weges angekommen

Obwohl eine Berufung des IPCC zur Koordinierenden Leitautorin für Klimawissenschaftler der Erhebung in den Adelsstand gleichkommt, hat Daniela Jacob beschlossen, die Arbeit für den Weltklimarat zu beenden. Nicht wegen der hohen Arbeitsintensität. Es gibt einen anderen Grund. IPCC-Autoren dürfen sich zu ihrem Arbeitsthema und den Ergebnissen bis zur offiziellen Vorlage des Berichts öffentlich nicht äußern. Dafür gibt es gute Gründe. Daniela Jacob allerdings möchte sich dem nicht mehr unterwerfen. „Die Zeiträume sind mit Blick auf die Dynamik in der Klimaforschung einfach zu lang.“ Sie möchte sich stattdessen stärker in die (tages)politische Diskussion einbringen. Nein, nicht parteipolitisch. Vielleicht in einer Art Denkfabrik? Doch darüber schweigt sie. Die Richtung jedenfalls wäre klar. „Mir liegt daran, nicht nur mit Katastrophen zu drohen, sondern das Innovationspotenzial der Klimaanpassung als ermutigenden Aspekt herauszustellen.“ Sie selbst hat schon lange persönliche Konsequenzen gezogen. Statt zu fliegen, reist sie in Europa bereits seit zwanzig Jahren nur mehr mit der Bahn. Und ist noch zu (fast) allen Terminen pünktlich angekommen.

 


Weiterführende Informationen

https://www.climate-service-center.de/imperia/md/content/csc/cv_ma/cv_daniela_jacob_0319.pdf

 

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