Bestattungsfachkraft – Profis für Abschied, Trauer und Neubeginn

Von Hans-Martin Barthold | 15. August 2020

Jennifer Schmid ist 23 Jahre jung und arbeitet als Bestatterin oder, wie es im Amtsdeutsch korrekt heißt, als Bestattungsfachkraft in einer süddeutschen Kleinstadt. Die Menschen, die zu ihr kommen, befinden sich regelmäßig in einer Ausnahmesituation, stehen oft sogar unter Schock. Denn nicht immer ist der Tod vorhersehbar. Gar nicht selten kommt er unverhofft und trifft die Angehörigen ohne jede Vorbereitung. Dieses Mal aber ist es eine ganz besondere Situation. Jennifer Schmid muss die Trauerfeier für eine 14-Jährige organisieren, die von einem Klassenkameraden erstochen wurde. Wie kann es in einem solchen Fall gelingen, der Trauer einen würdigen Rahmen zu geben, damit das Leid die Eltern, die kleine 8-jährige Schwester sowie die Verwandten nicht erdrückt, sondern sie den Trauerprozess annehmen und irgendwann zu einem guten Neubeginn führen können? Jennifer Schmid schlägt die Aufbahrung im engsten Familienkreis, in einem hellen, freundlichen Raum mit warmem Kerzenlicht und Luftballons vor.

Jennifer Schmid ist Siegerin im Bundesleistungswettbewerb der Bestattungsfachkräfte (Foto: Sascha Wissing)

Der Pfarrer betritt, so der von ihr organisierte Ablauf, mit den Eltern zuerst den Raum. Vater und Mutter bekommen Zeit zu einer nicht öffentlichen, ungestörten, ganz persönlichen Verabschiedung von ihrem Kind. Das vertraute familiäre Umfeld soll ihnen dafür Sicherheit geben. Im zeitlichen Abstand folgen die anderen. Jennifer Schmid hat eine Verwandte gebeten, die kleine Schwester zur Seite zu nehmen und sie zu bitten, ein Bild für ihre große Schwester zu malen. Es soll anschließend als letzter Gruß in den Sarg gelegt werden. Mit diesem Zeremoniell möchte Jennifer Schmid etwaige Schuldgefühle verhindern. Jeder soll Raum für seinen ganz individuellen Abschied erhalten. Es soll kein Ärger über eine verpasste Gelegenheit, es soll kein Groll zurückbleiben. Wirkliche Trauer gelingt schließlich trotz allen Leids nur in Harmonie. Am Ende steigen die Luftballons zum Himmel. Die Augen sind voller Tränen über den Verlust des Liebsten. Und wenn, so wie in diesem Fall, hinter den Tränen auch Trost schimmert, dann hat Jennifer Schmidt alles richtig gemacht.

Persönlichkeit und immer wieder Persönlichkeit

Das hier geschilderte Szenario ist zwar fiktiv, weil für die letztjährige Siegerin im Bundesleistungswettbewerb der Bestattungsfachkräfte nur eine Prüfungsaufgabe. Unrealistisch ist der Fall dennoch nicht. Bestattungsfachkräfte haben es stets mit existenziellen Grenzwertsituationen zu tun. Weshalb Bewerber für eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft über ein gerüttelt Maß an Persönlichkeit und psychischer Stabilität verfügen sollten. Denn nicht nur ist der Umgang mit ganz unterschiedlichen Kunden eine große Herausforderung. Auch der täglich großen Nähe zum Chef beziehungsweise zur Chefin in den überwiegend kleinständischen Bestattungsunternehmen muss man mit allen Vor- und Nachteilen standhalten können. Tatsächlich ist jeder fünfte Auszubildende älter als 24 und jeder vierte besitzt bereits Berufserfahrung aus einer anderen vorherigen Ausbildung. Gleichwohl scheint auch das noch keine Garantie, die Ausbildung erfolgreich abschließen zu können. Ein knappes Drittel der Auszubildenden wirft das Handtuch lange vor der Abschlussprüfung. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einer der wichtigsten aber scheint im hohen Druck zu liegen, unter dem Bestatter arbeiten.

Christina Siegwarth führt in Emmendingen ein eigenes Bestattungsunternehmen und lehrt am Berufsausbildungszentrum Münnerstadt Trauerpsychologie (Foto: alexjung)

Doch die, die durchhalten, erweisen sich als sehr gut ausgebildete Fachkräfte. Der Prüfungserfolg erreicht immerhin 94 Prozent. „In unserem Beruf gibt es keine Generalprobe, bei uns ist immer gleich Premiere“, formuliert Christina Siegwarth eine der Besonderheiten ihres Berufes. Siegwarth führt in Emmendingen nahe Freiburg ein eigenes Bestattungsunternehmen. Ihr Kollege Wilfried Odenthal aus Neuss empfindet es ebenso. „Wir haben stets nur einen Versuch.“ Dabei geht es weniger um den Ehrgeiz und die Eitelkeit der Bestattungsfachkräfte, es gleich beim ersten Anlauf perfekt umsetzen zu können. Im Vordergrund steht vielmehr das Erleben der Trauernden. Für sie ist die Trauerfeier ein Ort, das letzte Mal Gemeinschaft mit dem Verstorbenen zu haben. Und damit sollte sich eine schöne Erinnerung verbinden. Denn es gibt keine Wiederholungsmöglichkeit. Ein schlechtes Erlebnis durch eine unpassende oder gar fehlerhafte Organisation bleibt ewig haften. Mit dieser Erwartung müssen Bestattungsfachkräfte umgehen lernen, ohne ihre Fröhlichkeit zu verlieren.

Viele Berufe in einem

Womit Bestatter ebenfalls lernen müssen umzugehen, ist die Ungewissheit über das, was am nächsten Arbeitstag oder, sofern sie zum Bereitschaftsdienst eingeteilt sind, auch schon in der bevorstehenden Nacht auf sie zukommt. Das kann ein erwarteter Todesfall ebenso wie ein plötzlicher Unfalltod oder ein Selbstmord sein. Melden sich beim ersten die Angehörigen, werden sie bei Unfall, Mord und Suizid von der Polizei gerufen. Wünschen sich Angehörige oft noch Zeit zum Abschiednehmen und bitten den Bestatter erst am nächsten Tag ins Haus, müssen Bestatter, wenn die Ordnungsbehörde ruft, innerhalb von dreißig Minuten am Ort des Geschehens sein. Und auch Altenheime gewähren wegen fehlender eigener Kühlmöglichkeiten keinen Aufschub. So beschränkt sich die Planbarkeit ihres Tuns auf die Organisation der in Auftrag gegebenen Trauerfeiern. Doch auch hier gilt es gar nicht selten, von den ursprünglichen Planungen abweichen und improvisieren zu müssen. Dann etwa, wenn die Angehörigen oder der Pfarrer das eine oder andere abgesprochene Detail spontan noch einmal verändern möchten.

So vielfältig sind die Aufgaben der Bestattungsfachkräfte (Foto: BDB)

Was sich daran zeigt? Bestattungsfachkräfte üben einen Dienstleistungsberuf aus. Einen vielfältigen dazu. Ihre Aufgaben erstrecken sich von der Kundenberatung über die hygienische Versorgung der Leiche und deren anschließender Präparierung, die Herrichtung des Sargs, die Abwicklung der gesetzlich vorgegebenen Verwaltungsangelegenheiten bei Behörden, Banken und Versicherungen, die Organisation der Trauerfeier einschließlich Blumen- und Kerzenschmuck, in kleineren Orten auch das Ausheben der Grabstelle bis hin zum Management des eigenen Betriebes. So ist der Bestatter vieles in einem: Seelsorger und Trauerbegleiter, Psychotherapeut, Hygienefachkraft und Maskenbildner, Tischler, Raumausstatter und Florist, Kaufmann für Versicherungen und Finanzen, Verwaltungsfachangestellter, Eventmanager und Unternehmer. „Diese Vielfalt an Aufgaben und Tätigkeiten fasziniert mich“, begründet die Leipzigerin Pearl-Mayte Friedrich denn auch ihre Berufsentscheidung. Vor wenigen Wochen erst hat sie die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen.

Mitfühlen ohne mitzuleiden

Während in kleineren Bestattungsunternehmen jede Bestattungsfachkraft alles machen (können) muss, ist in größeren die Spezialisierung auf einzelne Teilbereiche die Regel. „Die beruflichen Basics sollte aber auch hier jeder beherrschen“, ist es Christina Siegwarth wichtig zu betonen. Wilfried Odenthal beobachtet freilich eine Akzentverschiebung in seinem Beruf. „Die Angehörigen legen vermehrt Wert auf die Ausgestaltung der Trauerzeremonie, während die eigentliche Bestattung stärker in den Hintergrund rückt“, ist er überzeugt. „Dem müssen wir Rechnung tragen.“ Doch sei jeder Trauerfall und jeder Auftrag anders. Sich darauf einzustellen, ist die große Kunst des Bestatters und Empathie deswegen seine wichtigste Kompetenz. Daneben aber bedarf es einer hohen Professionalität. „Bestattungsfachkräfte müssen mitfühlen, aber nicht mitleiden“, formuliert es Christina Siegharth.

Eine liebevolle Dekoration verlangt Fingerspitzengefühl und einen Blick für die Ästhetik (Foto: BDB)

Das scheint umso wichtiger, als Trauer eine höchst individuelle Gefühlsäußerung ist, die es in jedem Einzelfall angemessen aufzunehmen, aber nicht unbesehen und schon gar nicht leichtfertig zu verstärken gilt. Tatsächlich kommen Menschen aus allen sozialen Schichten zum Bestatter, arme und reiche, gebildete und ungebildete, Frauen und Männer, Deutsche und Nichtdeutsche, jeder mit (s)einer ganz eigenen Lebensgeschichte. Gar nicht selten schauen Bestatter dabei in so manchen menschlichen Abgrund – beim Verstorbenen wie den Angehörigen. „Trauer“, erklärt Christina Siegwarth, „hat stets auch etwas mit Bindung und Schuldgefühlen zu tun.“ Damit zielführend und versöhnungsorientiert umzugehen, bedarf es einer großen Sensibilität auf Seiten der Bestattungsfachkräfte. „Einen gemeinsamen Nenner zu finden“, weiß Pearl-Mayte Friedrich, „erweist sich in zahlreichen Fällen als gar nicht einfach.“ Zumal das Zeitfenster für den Bestatter regelmäßig ein eng begrenztes ist.

Eigenes Tun selbstkritisch reflektieren

So ist neben ungekünstelter Ehrlichkeit genaues Zuhören etwas, was jede Bestattungsfachkraft schnell lernen muss, auch um die zwischen den Zeilen versteckten Informationen und Botschaften der Angehörigen zutreffend entschlüsseln zu können. „Denn nur so gelingt es mir, einen guten Trauerprozess anzustoßen“, sind die Erfahrungen Jennifer Schmids. Diese emotionale Herausforderung schätzt sie an ihrem Beruf ebenso wie die ästhetischen Gestaltungsmöglichkeiten, ohne nur auf das eine oder das andere fixiert zu sein. Christina Siegwarth weist noch auf einen weiteren wichtigen Punkt hin. „Wir Bestatter dürfen im Chaos nie den Kopf verlieren“, formuliert sie es. Und meint dabei nicht allein das organisatorische, sondern auch das Gefühlschaos der Trauernden. Das eigene Tun immer und immer wieder selbstkritisch zu reflektieren, sei deshalb eine Grundvoraussetzung für ihren Beruf. Neben der psychischen ist freilich auch die körperliche Belastung hoch. 150 Kilogramm schwere Leichen zu bewegen, ist schließlich keine Kleinigkeit.

Wilfried Odenthal führt ein Bestattungsunternehmen in Neuss (Foto: privat)

Verändern gesellschaftliche Entwicklungen den Beruf des Bestatters? Ohne Zweifel ja. Immer mehr Verstorbene und Angehörige haben keine religiösen Bindungen mehr. Nicht selten übernehmen entsprechend qualifizierte Bestattungsfachkräfte die Rolle des Pastors als Trauerredner. Darüber hinaus weiß kaum jemand besser als Bestattungsfachkräfte, dass die Probleme zur Verarbeitung des Verlustes eines Ehepartners, von Eltern oder Kindern meist erst nach der Trauerfeier beginnen, dann wenn der Druck nachlässt, funktionieren zu müssen. Die Pfarrer als frühere Ansprechpartner fallen wegen zunehmend größerer Pfarrbezirke dafür immer öfter aus. Christina Siegwarth hat sich zur Trauerpsychologin weitergebildet und betreut mit dieser Expertise derzeit mehrere Trauergruppen. Wilfried Odenthal hat diese Arbeit indes aufgegeben. Im städtischen Raum, sagt er, füllen diese Lücke zunehmend die Hospize. „Und die machen das inzwischen sehr gut.“ Er bietet seine Hilfe stattdessen für die Auflösung digitaler Nachlässe und die Erstellung webbasierter Gedenkportale an.

Beruf und Ausbildung mit hohen Anforderungen

Die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge pro Jahr beträgt ca. 220. Nach Auskunft des Bundesverbandes Deutscher Bestatter liegt die Zahl der Bewerber deutlich höher. Unter den Auszubildenden sind Männer und Frauen nahezu gleich stark vertreten. Jeder dritte Azubi verfügt über die Fachhochschul- oder die allgemeine Hochschulreife. Was überraschen mag, den Ausbildungsberuf Bestattungsfachkraft mit einer bundesweit einheitlichen Ausbildungsverordnung gibt es erst seit 2003. Noch immer aber ist eine solche Ausbildung zur Ausübung dieses Berufes nicht zwingend erforderlich. Es reicht nach wie vor der Besitz eines Gewerbescheines. Auch wenn zur Führung eines Bestattungsunternehmens keine Meisterqualifikation vorgeschrieben ist, zählen die Betriebe seit kurzem doch endlich zum Vollhandwerk. Unerlässlich ist die Meisterqualifikation freilich, um ausbilden zu können. Wilfried Odenthal ist darüber hinaus überzeugt, dass Bestatter je länger je mehr Zukunftschancen nur noch mit einer guten Qualifikation besitzen.

So empfängt das Bundesausbildungszentrum für Bestatter in Münnerstadt seine Azubis (Foto: BDB)

„Die Ausbildung ist anspruchsvoll“, bestätigt denn auch Pearl-Mayte Friedrich. Der Berufsschulunterricht erfolgt im Blockunterricht für die Azubis aus Nordrhein-Westfalen in Wermelskirchen, für die aus Bremen und Niedersachsen in Springe, für alle anderen in Bad Kissingen. Darüber hinaus bietet der Bundesverband Deutscher Bestatter allen Azubis an seinem Bundesausbildungszentrum (BAZ) und dem ihm angeschlossenen Lehrfriedhof im bayerischen Münnerstadt ein- und zweiwöchige überbetriebliche Ausbildungskurse an. Das, was die Lehre der dortigen Dozenten besonders wertvoll macht, sind ihre langjährigen Praxiserfahrungen. Christina Siegwarth, die in Münnerstadt die Themen Trauerbegleitung und Trauerpsychologie vertritt, ist dafür ein gutes Beispiel. Tatsächlich benötigen Bestattungsfachkräfte die Kompetenz, ihr Fachwissen auf den Einzelfall anwenden und nicht nur eine Checkliste abarbeiten zu können. Schließlich ist jeder Trauerfall ein ganz besonderer. „In meiner Arbeit gibt es deshalb keine Routine“, formuliert es Jennifer Schmid.

Der Unvorstellbarkeit einen Rahmen geben

Besonders schwierig seien Trauerfeiern für jung verstorbene Menschen, empfindet es Pearl-Mayte Friedrich. Dann, wenn ein Leben nicht zu Ende gelebt werden konnte. Oder wenn es wie bei Früh- und Fehlgeburten, den sogenannten „Sternen-“ oder „Schmetterlingskindern“, noch gar nicht richtig begonnen hat. „Eine Trauerfeier ist ja nicht nur etwas fürs Auge, sondern auch fürs Herz“, gibt Friedrich sich überzeugt. Und weiß doch gleichzeitig, wie schwierig es in diesen Fällen ist, der Unvorstellbarkeit Form und Sprache zu geben. Wilfried Odenthal weist noch auf einen anderen Aspekt seines Berufes. „Nicht alle Kundengespräche zeichnen sich durch eine einvernehmliche Harmonie aus“, berichtet er. Oft machen Dissonanzen und seit langem verfestigte Streitigkeiten zwischen den Angehörigen eine Einigung über Ausstattung und Ablauf einer Trauerfeier schwierig. Da kommt den Bestattungsfachkräften nicht selten eine weitere zusätzliche Funktion zu, nämlich die des Mediators.

Die Leipzigerin Pearl-Mayte Friedrich hat vor wenigen Wochen ihre Ausbildung als Bestattungsfachkraft erfolgreich abgeschlossen (Foto: privat)

Ähnliche Erfahrungen besitzt Christina Siegwarth. Sie berichtet von Kunden, die keine Entscheidung treffen wollen oder die einmal getroffene Entscheidungen immer wieder umwerfen, auch zu Zeitpunkten, wo die Arbeit bereits weit vorangeschritten ist. „Da brauche ich dann manchmal schlicht eine Auszeit, um den Akku wieder vollladen zu können“, gibt die Bestatterin aus Emmendingen unumwunden zu. Umgekehrt kann freilich auch das Glücksempfinden groß sein. Ungeplant werde ich Zeuge davon. Während meines Gespräches mit Pearl-Mayte Friedrich kommt eine ältere Frau zu ihr, ohne Termin, aber dafür mit einem Blumenstrauß. Sie wolle sich nur für die wunderschöne Trauerfeier ihres Mannes bedanken. Lächelt und geht wieder. Ich begreife schnell. Beim Bestatter ist es wie in allen klientenbezogenen Berufen. Vertrauen herstellen zu können, ist die Grundlage des Erfolgs. Hier scheint es gelungen. „Wenn ich so etwas erlebe“, sagt die frisch gekürte Bestattungsfachkraft, „bin ich glücklich.“

Jeden Kunden ernst nehmen

Was die gute von der weniger guten Bestattungsfachkraft unterscheidet? Der gute Bestatter ist neugierig und weltoffen. Denn nur wenn es ihm gelingt, die Lebenswirklichkeit des Toten wie seiner Angehörigen zu erfassen, wird er den Abschied als einmaliges Erlebnis inszenieren können, wird er den Zurückbleibenden einen Weg zum Weiterleben zeigen können. Tatsächlich gibt es in einer multikulturellen Gesellschaft viele Lebenswirklichkeiten, die sich je nach religiöser oder weltanschaulicher Orientierung in sehr unterschiedlichen Trauerritualen niederschlagen. Die Bestattungsfachkräfte müssen keine dieser Überzeugungen zu ihren eigenen machen. Aber sie müssen sie kennen und ihre Hintergründe verstehen. Sie sind Dienstleister. Wie sonst sollten sie die Angehörigen angemessen beraten können. Dabei geht es nicht nur um die Frage einer Erd- oder Feuerbestattung, sondern auch darum, ob es einen konkreten Ort der Erinnerung geben soll, an den man beliebig oft zurückkehren kann, oder dieser Ort wie bei der Seebestattung ein allgemeiner und anonymer wird.

Bestattungsfachkräfte müssen auch handwerklich geschickt sein (Foto: BDB/Loewinger)

Bleibt die Frage, welche Weiterbildungs- und beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten Bestattungsfachkräften offen stehen. Da sind zunächst die Möglichkeiten für eine fachliche Spezialisierung zum Bestatter im Notfalleinsatz, zum Bürokommunikationsfachwirt, zum Thanatopraktiker als Experte für die hygienisch und ästhetische Aufbahrung eines Toten, zum geprüften Kundenberater Friedhofsservice, zum geprüften Kremationstechniker, mit einer eher allgemeinen Ausrichtung zum geprüften Bestatter und mit Blick auf eine angestrebte Selbständigkeit die Weiterbildung zum Bestattermeister, die die Ausbildungsberechtigung einschließt. Der Schritt in die Selbständigkeit will freilich gut bedacht sein. Der Markt ist immerhin eng, wenn auch krisensicher. Ob man sich zu behaupten vermag, wird von der fachlichen Expertise ebenso abhängen wie von den unternehmerischen Fähigkeiten. Ein Tipp noch für Berufsinteressierte: Praktika in mehreren Unternehmen schärfen das Gespür für die richtige Berufswahl, in diesem Fall ganz besonders.

 


Daten, Fakten & Links
(Stand: 01.07.2020)

Berufstätige Bestattungsfachkräfte:
Nach Informationen des Deutschen Handwerkskammertages (DHKT) existieren einschließlich aller Filialen rund 5.400 Bestattungsunternehmen.
Nach Informationen des Bundesverbandes Deutscher Bestatter arbeiten in dessen Mitgliedsunternehmen, das sind ca. 80 Prozent der Bestattungsunternehmen, etwa 700 Bestattungsfachkräfte.
Arbeitslose Bestattungsfachkräfte: keine Angaben verfügbar.
Gesamtzahl der Auszubildenden in 2018: 486 (Frauenanteil: 52%); davon im ersten Ausbildungsjahr 210 (Frauenanteil: 56%)
Ausbildungsvergütung: Einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag gibt es nicht. Der Bundesverband Deutscher Bestatter empfiehlt 2020 für das 1. Ausbildungsjahr 520 €, für das zweite Ausbildungsjahr 610 € und für das 3. Ausbildungsjahr 700 €.
Einkommen: Einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag gibt es nicht. Das Gehalt einer Bestattungsfachkraft hängt deshalb insbesondere von der Region und der Größe des Betriebes ab. Einstiegsgehälter liegen in einem Korridor von 1.900 € bis 2.200 € brutto.
Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten:

  • Geprüfter Bestatter7Geprüfte Bestatterin
  • Bestatter/Bestatterin im Notfalleinsatz
  • Thanatopraktiker/-in
  • Geprüfter Kremationstechniker/-in
  • Geprüfter Kundenberater/Geprüfte Kundenberaterin Friedhofsservice
  • Bürokommunikationsfachwirt/-in
  • Bestattungsmeister-in.

Weiterführende Informationen: https://www.bestatter.de/beruf/bestatter-beruf/

 

Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.

Haben Sie Fragen, Anregungen oder Kritik? Dann schreiben Sie dem Autor eine Mail: info@berufsreport.com