Beruf(e) in der Pflege – Alles neu und vieles wie zuvor

Von Hans-Martin Barthold | 15. Februar 2020

Es mag nicht jeder so sehen. Und es werden auch nicht alle Beteiligten in gleicher Weise davon profitieren. Aber an politischen Maßstäben gemessen ist das zu Jahresbeginn in Kraft getretene Pflegeberufereformgesetz ein Coup. Seine Geburtshelfer feiern es denn auch bei allen öffentlichen Auftritten als die lange überfällige Zusammenführung der bisher eigenständigen Berufe Gesundheits- und Krankenpfleger (siehe dazu den Beitrag “Gesundheits- und Krankenpfleger – Ein Beruf fürs Leben”), Altenpfleger sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger zu nun nur noch einem Beruf, dem der Pflegefachfrau beziehungsweise des Pflegefachmanns. Wenigstens die Berufsbezeichnung ist eingängig! Doch wer ins Gesetz hineinschaut, wird überrascht sein, was er dort noch findet. Denn zugleich ermöglicht das Pflegeberufereformgesetz bei der generalistischen Ausbildung nicht bloß die Wahl des Vertiefungseinsatzes in der Pädiatrie und Altenpflege, sondern auch weiterhin eine Ausbildung zum Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger sowie zum Altenpfleger (Pflegeberufereformgesetz §§ 60 u. 61).

Das gilt nicht lediglich für die bereits vor dem 1. Januar 2020 begonnenen, sondern auch die in den nächsten Jahren neu beginnenden Ausbildungen. Insofern bleibt zunächst alles beim Alten. Abhängig von der Nachfrage wird erst 2025 über den Fortbestand dieser beiden bisher eigenständigen Pflegeberufe endgültig entschieden. Dieses Verfahren dürfte der in Pflegekreisen vorherrschenden Unsicherheit geschuldet sein, ob eine generalistische Ausbildung für alle pflegerischen Arbeitsbereiche auch wirklich gleich gut auszubilden vermag. Da verwundert die Kritik vieler Fachkräfte über die sogenannte Generalisierung der Pflegeausbildung nachhaltig. Vor allem Kinderkliniken klagen lautstark über die ihnen angeblich durch das Pflegeberufereformgesetz genommene Möglichkeit, spezialisiert auf die Besonderheiten in der Pflege von Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen ausbilden zu können.

Die Pflege in der Anästhesie stellt an die Fachkräfte hohe Anforderungen (Foto: Klinikum Braunschweig/Jörg Scheibe)

Gewiss gibt es Veränderungen im Ausbildungsablauf. Doch der Beruf und seine Spezialisierung auf die Kinderheilkunde bleiben zunächst erhalten. Genauso wie weiterhin zum Altenpfleger ausgebildet werden darf. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Träger der praktischen Ausbildung, also Krankenhäuser, stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen, es auch wollen und dafür die entsprechenden Ausbildungsressourcen vorhalten – für die spezialisierte Ausbildung zum Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger oder Altenpfleger, aber eben immer auch zur generalistischen Ausbildung Pflegefachmann. Dazu gleich mehr.  Und dass sie Bewerber für diese spezialisierten Pflegeberufe begeistern können. Ein Handicap bleibt für beide Berufe gleichwohl bestehen. Es ist die fehlende EU-weite Anerkennung, die die Pflegefachfrau/der Pflegefachmann ihnen nun voraus haben.

Unterfinanzierung erschwert den Systemwechsel

Das Pflegeberufereformgesetz ist freilich auch ein modernes Schurkenstück. Denn jeder dritte Euro, den die neue Pflegeausbildung kostet, wird unter Missachtung des Solidarprinzips den Schwachen aufgebürdet. Denen also, die bei Langzeiterkrankungen oder wegen Altersgebrechen unverschuldet auf professionelle stationäre Unterbringung oder ambulante Hilfe angewiesen sind. Gesprochen wird darüber allerdings nur verschämt in Hinterzimmern. Konkret: Die Träger der praktischen Ausbildung ebenso wie die Pflegeschulen erhalten ihre Kosten im Umlageverfahren aus einem extra dafür gegründeten Ausgleichsfonds erstattet. Das Verfahren soll sicherstellen, dass alle Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen an den Kosten der Ausbildung beteiligt werden, auch die, die nicht ausbilden. Dazu werden neben den Bundesländern und Krankenversicherern auch die stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen herangezogen. Im Pflegeberufereformgesetz ist das, wie Insider der Berliner Politikszene zu wissen vorgeben, auf Intervention der am Gesetzgebungsverfahren beteiligten Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gleichermaßen unschuldig wie unmissverständlich so formuliert: „… sind die auf sie entfallenden Umlagebeträge in der Vergütung der allgemeinen Pflegeleistungen berücksichtigungsfähig.“ Was nichts anderes heißt, als dass diese Kosten an die zu Pflegenden weitergereicht werden dürfen. Das wird nach Expertenmeinung die Pflegekosten in diesen Einrichtungen um rund vier Euro pro Kopf und Pflegetag erhöhen.

Dennoch wird das Geld in den Ausgleichsfonds nicht reichen. Die Unterfinanzierung lugt aus allen Knopflöchern. Für im Gesundheitswesen Beschäftigte ist das nichts Neues. Vierzig Prozent der Krankenhäuser schreiben bereits und nach Meinung des Präsidenten der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, vor allem wegen der unzureichenden Finanzierungsrahmenbedingungen rote Zahlen. Für die Finanzierung der neuen Ausbildung scheint das kein gutes Omen. Brandenburg dürfte dafür nur ein Beispiel sein. Das zuständige Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz berechnet nach eigenen Angaben den Finanzierungsbedarf für die neu geregelte Pflegeausbildung mit 24,3 Millionen Euro pro Jahr und geht von rund 3.880 Pflege-Azubis aus. Gleichzeitig vereinbarte das Ministerium mit den Pflegeschulen und den Trägern der praktischen Ausbildung für 2020 und 2021 jährliche Pauschalbudgets pro Auszubildenden wie folgt.

Eine Pflegefachkraft assistiert bei einer Thorakoskopie (Foto: Wikimedia/John Crawford)

Bei den Pflegeschulen, wo das Budget vom Lehrer-Schüler-Schlüssel abhängig gemacht wird, beträgt es zwischen 8.050 bis 8.800 Euro. Die Träger der praktischen Ausbildung sollen 8.400 Euro erhalten. Verteilt man die 24,3 Millionen des Ausgleichsfonds auf 3.880 Pflegeauszubildende, ergibt sich freilich eine erhebliche Unterdeckung. Wer und wie diese Finanzierungslücke geschlossen werden soll, konnte – oder wollte (?) – uns das Ministerium in Potsdam auf Anfrage nicht erklären. Ob es so gelingt, die Zahl der Pflege-Azubis und damit auch die Qualität in der Pflege zu erhöhen, bleibt nicht nur in Brandenburg mehr als zweifelhaft. Vier von fünf Krankenhäusern haben Probleme, Pflegepersonal zu finden. In den letzten drei Jahren hat sich die Zahl der vakanten Pflegestellen in der Intensivmedizin um 50 und auf Allgemeinstationen sogar um über 200 Prozent erhöht. In ganz Deutschland sind nach dem aktuellen Krankenhaus-Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts schon jetzt 17.000 Pflegestellen unbesetzt. Manche Kliniken loben bereits Prämien für die Gewinnung von Fachpersonal in der Pflege aus. In der Altenpflege liegt die Zahl der fehlenden Fachkräfte nach seriösen Schätzungen fast doppelt so hoch. Auf 100 freie Stellen kommen lediglich 21 Bewerber, heißt es.

Primat liegt bei der Praxis

Doch aus den Niederungen der Gesundheitspolitik zurück zu den aus Bewerbersicht wichtigsten Details des Pflegeberufereformgesetzes. Schließlich muss, wer in der Pflege tätig werden will, eine Ausbildung nach den Richtlinien dieses Gesetzes abgeschlossen haben (Pflegeberufereformgesetz §4). Die Ausbildung zur Pflegefachfrau beträgt in Vollzeitform drei, in Teilzeitform höchstens fünf Jahre. Sie qualifiziert für einen Einsatz in allen pflegerischen Berufsfeldern und macht einen Wechsel der Pflegefachkräfte von einem Arbeitsbereich in den anderen leichter. Aber natürlich werden die Chancen insbesondere für Berufsanfänger umso größer sein, wenn der im Abschlusszeugnis ausgewiesene Vertiefungseinsatz identisch mit dem angestrebten Arbeitsfeld ist. Die Ausbildung besteht aus theoretischem und praktischem Unterricht an staatlichen, staatlich genehmigten oder staatlich anerkannten Pflegeschulen sowie einer praktischen Ausbildung in Krankenhäusern, stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen. Der Anteil der praktischen Ausbildung überwiegt. Auf ihn entfallen, gleichgültig ob die Ausbildung in Vollzeit oder Teilzeit duchgeführt wird, 2.500 Stunden, auf den theoretischen und praktischen Unterricht an den Pflegeschulen nur 2.100 Stunden.

Für den theoretischen und praktischen Unterricht erstellen die einzelnen Pflegeschulen schulinterne Curricula. Die müssen sie am Rahmenlehrplan der bundesweit gültigen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung oder an einem eventuell durch die Bundesländer verbindlich festgelegten Lehrplan ausrichten. Gleiches gilt für die praktische Ausbildung, die sich in den Orientierungseinsatz, Pflichteinsätze sowie einen im Abschlusszeugnis auszuweisenden Vertiefungseinsatz untergliedert. Für künftige Azubis wird die Palette der fachlichen Vertiefungsmöglichkeiten in der praktischen Ausbildung zu einem entscheidenden Qualitätsmerkmal der Ausbildungseinrichtung werden. Denn erfahrungsgemäß schälen sich die fachlichen Vorlieben der Auszubildenden oftmals erst während der Ausbildung heraus. Hier stehen die allermeisten Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen derzeit noch ganz am Anfang. Helfen werden da wohl nur Kooperationen untereinander. Schließlich ist kein Träger der praktischen Ausbildung gesetzlich verpflichtet, Azubis eines anderen Trägers aufzunehmen. Und auch die Pflegeschulen werden sich um ihre Partner für die praktische Ausbildung viel mehr als in der Vergangenheit bemühen müssen. Es sei denn, sie sind integraler Bestandteil der jeweiligen Pflegeeinrichtung, was wohl die Zukunft sein und zu einer Zentralisierung der Ausbildung führen dürfte.

Statt Schulgeld jetzt Ausbildungsvergütung für alle

Arbeitsrechtlicher Vertragspartner der Auszubildenden ist der Träger der praktischen Ausbildung. Der kann diese wie auch andere Aufgaben allerdings an die Pflegeschule delegieren. Die Azubis sind für die gesamte Dauer der Ausbildung Arbeitnehmer im Sinne des Betriebsverfassungs- beziehungsweise des Personalvertretungsgesetzes. Schulgeld, wie zuvor besonders in der Altenpflegeausbildung üblich, darf nicht mehr erhoben werden. Der Träger der praktischen Ausbildung ist vielmehr gesetzlich verpflichtet, den Azubis für die gesamte Dauer der Ausbildung eine angemessene Ausbildungsvergütung zu zahlen. Sofern die Höhe der Ausbildungsvergütung nicht in einem eventuell bestehenden Tarifvertrag geregelt ist, gilt eine (Ausbildungs-)Vergütung nach höchstrichterlicher Rechtssprechung dann als angemessen, wenn sie den Durchschnitt der ortsüblichen (Ausbildungs-)Vergütung um nicht mehr als 20 Prozent unterschreitet. Bewerber sind also gut beraten, sich rechtzeitig über die Höhe der Ausbildungsvergütung in den einzelnen Pflegeeinrichtungen zu erkundigen. Sie geben letztlich auch darüber Aufschluss, wie erwünscht sie dort sind.

In der Notaufnahme muss auch bei den Pflegefachkräften jeder Handgriff sitzen (Foto: Klinikum Braunschweig/Jörg Scheibe)

Das wichtigste, was Bewerber berücksichtigen müssen, ist freilich die berufliche Ausrichtung ihrer künftigen Pflegekarriere. Im Ausbildungsvertrag müssen nämlich der angestrebte Abschluss, also Pflegefachfrau/Pflegefachmann, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-in oder Altenpfleger/-in, und beim Pflegefachmann auch der Vertiefungseinsatz aufgenommen werden. Für beides besitzen die Auszubildenden ein Wahlrecht. Und das ist kompliziert. Die Wahlfreiheit in der generalistischen Ausbildung zur Pflegefachfrau/Pflegefachmann beschränkt sich auf den jeweiligen Vertiefungseinsatz. Der kann im Laufe der Ausbildung korrigiert werden. Allerdings sind die Azubis dafür auf das Einvernehmen mit der Pflegeschule und der Pflegeeinrichtung angewiesen. Wer sich eine tiefergehende Spezialisierung zum Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger oder zum Altenpfleger vorbehalten möchte, sollte taktisch vorgehen. Wichtig zu wissen ist dabei, dass eine Aufnahme dieses Berufswunsches in den Ausbildungsvertrag noch keine endgültige Festlegung ist, sondern nur eine Option für diese Spezialisierung sichert. Frühestens sechs Monate, mindestens aber vier Monate vor dem letzten Ausbildungsjahr müssen die Azubis ihre Entscheidung dem Träger der praktischen Ausbildung dann mitteilen.

Kompliziertes Wahlrecht

Bleibt der oder die Auszubildende beim ursprünglichen Berufsziel Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger beziehungsweise Altenpfleger, muss er von seinem Wahlrecht aktiv Gebrauch machen und dies dem Träger der praktischen Ausbildung mitteilen. Die Ausbildungsinhalte des letzten Ausbildungsjahres werden dann entsprechend angepasst. Hat er sich allerdings umentschieden und strebt entgegen seinen ursprünglichen Wünschen die generalistisch ausgerichtete Ausbildung zur Pflegefachfrau an, verzichtet er auf das Wahlrecht und setzt die Ausbildung gemäß des dafür geltenden Curriculums fort. Ein Wahlrecht hat also nur der, der sich im Ausbildungsvertrag auf einen der beiden Spezialberufe festgelegt hat. Eine Sprecherin des baden-württembergischen Sozialministeriums weist denn auch mit Nachdruck darauf hin, dass ein während der Ausbildung wahrzunehmendes Wahlrecht nur zugunsten der generalistischen Berufsausbildung Pflegefachfrau, aber eben nicht und niemals umgekehrt für die Berufe Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin oder Altenpflegerin bestehe. Voraussetzung ist freilich, zu Ausbildungsbeginn eine Ausbildungseinrichtung zu finden, die die gewünschte pflegerische Spezialisierung beziehungsweise den gewünschten Vertiefungseinsatz anbietet und in den Ausbildungsvertrag aufnimmt.

Ein weiteres Qualitätsmerkmal für eine gute Ausbildung ist natürlich die Qualifikation der Lehrkräfte an den Pflegeschulen sowie der Praxisanleiter in den Pflegeeinrichtungen. Das Pflegeberufereformgesetz legt dafür Mindeststandards fest. Bewerber sollten sich erkundigen, ob die eingehalten werden. Die Lehrkräfte für den theoretischen Unterricht müssen über ein Hochschulstudium mit Masterabschluss verfügen. Für die Erteilung des praktischen Unterrichts an den Pflegeschulen ist lediglich ein Hochschulabschluss erforderlich. Das Betreuungsverhältnis der hauptamtlichen Lehrkräfte zur Zahl der Ausbildungsplätze sollte mindestens 1:20 betragen. Wohl wissend, dass der Lehrermarkt leer gefegt ist, können die Länder bis 2029 davon allerdings abweichen. Nordrhein-Westfalen, wo die Regelungen des Pflegeberufereformgesetzes nach Information des Sozialministeriums zu einer Lücke von nicht weniger als 700 Lehrern führen wird, hat angesichts dessen das Betreuungsverhältnis schon jetzt auf 1:25 abgesenkt und wird für die Erteilung des theoretischen Unterrichts auch Bachelorabsolventen einstellen, sofern sie das Masterstudium schon begonnen haben.

Mangel an Lehrern und Praxisanleitern

Die Pflege auf der Intensivstation verlangt absolute Konzentration (Foto: Klinikum Braunschweig/Jörg Scheibe)

Im Vergleich dazu sieht das baden-württembergische Kultusministerium für die Bereitstellung einschlägig qualifizierter Lehrkräfte keinerlei Probleme. Und das, wo die Altenpflegeschulen, die nahezu komplett den Berufsbildenden Schulen zugeordnet sind, wie alle Pflegeschulen ab sofort und ohne wenn und aber die generalistische Pflegeausbildung anbieten müssen. Man werde darauf achten, dass an jeder dieser künftigen Berufsfachschulen für Pflege Lehrpersonal mit Expertise für alle drei Schwerpunkte unterrichten. Also alles ganz easy, heißt es aus Stuttgart, denn die habe man ja bereits im System. Wie das? Wo sie bisher lediglich Altenpfleger unterrichteten? Ergäben sich dennoch Lücken, werde man fortlaufend Fortbildungen anbieten oder entsprechend qualifizierte Lehrkräfte einstellen. Bei einem schon jetzt unergiebigen Arbeitsmarkt stellt sich allerdings die Frage: Woher nehmen und nicht stehlen? Die Gelassenheit der zuständigen Ministerien wie auch der Schulträger hat freilich einen handfesten Hintergrund. Alle Schulen mit staatlicher Anerkennung in der bisherigen pflegerischen Ausbildung besitzen bis 2029 Bestandsschutz. Erst danach, also erst in zehn Jahren (!), müssen sie die zuvor geschilderten Anforderungen an die Qualifikation ihrer Lehrkräfte erfüllen.

Ein noch größeres Problem stellt sich bei den Trägern der praktischen Ausbildung. Praxisanleiter sind in allen Pflegeeinrichtungen Mangelware. Immerhin müssen sie über eine berufspädagogische Zusatzqualifikation von mindestens 300 Stunden verfügen und diese jedes Jahr im Umfang von 24 Stunden aktualisieren. In der Vergütung aber schlägt sich das kaum nieder. Dabei ist ihre Aufgabe anspruchsvoll. Immerhin entfallen zehn Prozent der praktischen Ausbildung auf die so wichtige Praxisanleitung. Alles in allem werden sich die neuen Pflege-Azubis sowohl in den Pflegeschulen wie bei den Trägern der praktischen Ausbildung auf viele organisatorische Provisorien einstellen müssen. Dies wie auch die Qualifikation von Lehrkräften und Praxisanleitern wird ihnen am Ende des Tages eine allenfalls mindergute Ausbildungsqualität bescheren. Ob das die Attraktivität des Pflegebereiches erhöht, darf bezweifelt werden. Die medienwirksamen Anwerbekampagnen der Bundesregierung rund um den Globus dürften ihr Übriges dazu tun. Machen sie doch deutlich, wie gering das Sozialprestige der Arbeit hier für einheimische Bewerber inzwischen ist. Und wie gering ausgeprägt die Bereitschaft der Arbeitgeber zu einer wertschätzenden Vergütung ausfällt.

Pflegeausbildung an Hochschulen

Das wird absehbar wohl auch für die Absolventen der hochschulischen Pflegeausbildung gelten. Das Pflegeberufereformgesetz erlaubt den Hochschulen erstmals eine primärqualifizierende Pflegeausbildung. Das Ausbildungsziel dieser Studiengänge ist die Pflegetätigkeit direkt am Patienten. Der Unterschied zur klassischen Pflegeausbildung besteht darin, dass die entsprechenden fachlichen und persönlichen Kompetenzen, wie es im Pflegerberufereformgesetz heißt, hier auf wissenschaftlicher Grundlage und Methodik vermittelt werden. Das soll ihnen die Steuerung und Gestaltung hochkomplexer Pflegeprozesse ebenso erleichtern helfen wie es sie befähigt, an der Entwicklung von Qualitätsmanagementsystemen mitzuwirken. Die Studiendauer umfasst mindestens drei Jahre und schließt wie bei der konventionellen Ausbildung Praxiseinsätze in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen mit ein. Auf der Grundlage landesrechtlicher Genehmigungen können ein geringer Anteil der Praxiseinsätze in den Pflegeeinrichtungen durch praktische Lerneinheiten an der Hochschule ersetzt werden. Ob das die Berufschancen erhöht, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlicher ist schon, dass die parallele Ausbildung von Pflegefachkräften an Fachhochschulen nun zu einer Zweiklassengesellschaft führt: Die Pflegefachmänner und Pflegefachfrauen fürs Grobe und die fürs Feine. Für Gesundheitsmanager bietet die hochschulische Ausbildungsvariante freilich einen großen Vorteil. Sie ist kostenneutral. Denn die Fachhochschulen werden durch das Wissenschaftsministerium finanziert und die Studenten erhalten eine Förderung durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG).

 


Weiterführende Informationen

Pflegeberufereformgesetz: https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?start=%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl117s2581.pdf%27%5D#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl117s2581.pdf%27%5D__1576918550180

Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Pflegeberufe: https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&jumpTo=bgbl118s1572.pdf#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl118s1572.pdf%27%5D__1576920558634

 

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