Anne-Christine Brehm – Wenn die Karriere der Neugier folgt

Von Hans-Martin Barthold | 14. April 2022

Turm des Freiburger Münsters (Foto: Wikimedia/Andreas Schwarzkopf)

Anne-Christine Brehm hat kurzfristig einen Termin im nahe gelegenen Steinbruch wahrzunehmen. Deshalb müssen wir unser vereinbartes Gespräch verschieben. Solche Termine  gehören zu ihrem Alltag. Die promovierte Ingenieurin der Architektur leitet die Bauhütte des Freiburger Münsters. An dessen Sandstein nagt der Zahn der Zeit und sind deshalb immer wieder Teile der Außenfassade zu ersetzen. Dazu wird Sandstein aus drei benachbarten Steinbrüchen verwendet. Der Bau des Freiburger Münsters begann vor 800 Jahren zwar noch zu Zeiten der Romanik. Vollendet wurde es allerdings im Stil der Gotik und Spätgotik. Ihr Turm misst 116 Höhenmeter und gilt als einer der schönsten Türme abendländisch-christlicher Baukunst. Wenn Anne-Christine Brehm in ihm bis zur Galerie am Ansatz des Turmhelmes hinaufsteigt, hat sie 335 Stufen vor sich. Belohnt wird sie mit einem grandiosen Ausblick in die Landschaft, die sie seit ihrer Kindheit kennt und liebt.

Aber auch beruflich schließt sich ein Kreis für die Architekturhistorikerin und Gotikexpertin. Alle Dom- und Münsterbauhütten besitzen ähnlich wie die in Freiburg eine lange Tradition. Doch gibt es in Deutschland lediglich fünfzehn davon, daneben noch einige Dombaumeister ohne eigene Dombauhütte. Vor diesem Hintergrund erhält man ein Angebot zur Übernahme einer solchen Bauhütte oder Funktion in aller Regel nur einmal im Leben. Endlich angekommen, geht kaum einer wieder weg. Über Jahrhunderte war die Leitung dieser Bauhütten eine Männerdomäne. Heute hat sich das gewandelt. Schon die Vorgängerin von Anne-Christine Brehm war bereits eine Frau. Die Münsterbaumeisterin in Ulm und die Dombaumeisterin in Speyer sind ebenfalls Frauen. Dass die Wahl bei der Besetzung der Stelle in der Münsterbauhütte Freiburg im letzten Jahr auf Anne-Christine Brehm fiel, war dem kleinen Kreis der Kollegen keine Überraschung, sondern eine folgerichtige Entscheidung.

Fachlich und menschlich angekommen

Anne-Christine Brehm untersucht im Stadtarchiv Ulm eine gotische Architekturzeichnung (Foto: Sandra Göttisheim)

Immerhin hatte die Gotik Anne-Christine Brehm schon während ihres Architekturstudiums an der Universität Karlsruhe in ihren Bann gezogen. Doch nicht nur das. Auch das Freiburger Münster war stets in ihrem Blickfeld. 2011 promovierte Anne-Christine Brehm mit einer Arbeit über den 1471 dort zum Münsterbaumeister bestellten Hans Niesenberger. Spätestens seitdem weiß sie auch um die Risiken ihres jetzigen Jobs. Denn Niesenberger, erst hoch gefeiert und zwölf Jahre später sogar zum Dombaumeister in Mailand berufen, wurde zwei Jahre vor seinem Tod in Freiburg wegen angeblicher Baufehler entlassen und verfemt. Dabei weiß jeder, es gibt in der Architektur ebenso wenig wie auf anderen Technikfeldern nur eine einzige Lösung. Ob die gewählte die richtige ist, zeigt sich oft erst im Nachhinein. Und nicht immer endet es gut. Architekten wissen das. Man denke nur an die inzwischen verstorbene Stararchitektin Zaha Hadid und die binnen weniger Jahre aufgetretenen schweren Bauschäden am von ihr entworfenen Wolfsburger Science Center Phaeno.

Bei Anne-Christine Brehm aber überwiegen die Freude und das Glücksempfinden, das sein zu dürfen, was sie heute ist – Münsterbaumeisterin. Auch wenn die Aufgabe eine große Herausforderung darstellt. Besonders schätzt sie die Zusammenarbeit in ihrem 38-köpfigen Team, darunter 15 Steinmetze und 4 Kunsthistoriker. Tatsächlich scheint ihr die Funktion der Münsterbaumeisterin wie auf den Leib geschneidert. Sie ist klug, sie ist gestalterisch begabt, sie ist bautechnisch versiert, sie kann ebenso gut organisieren wie führen und sie ist eine Perfektionistin. Dazu fokusiert sich ihr beruflicher Ehrgeiz auf die Erforschung, Erhaltung und Erklärung architekturgeschichtlicher Kleinode, weniger auf Entwürfe fürs finanziell lukrative, aber eben auch gestalterisch simple industrielle Bauen. Für sie sind die steinernen Zeugen der Vergangenheit wie Bücher, die einen Blick in das Leben der Menschen jener Zeit ermöglichen, die von ihren Erfolgen und Enttäuschungen erzählen, die die Geschichte lebendig werden lassen und die es deshalb lohnt zu bewahren.

Ungeplant alles richtig gemacht

Irgendwo steht immer ein Gerüst – Nordseite des Freiburger Münsters mit Fischbrunnen (Foto: Wikimedia/Andreas Schwarzkopf)

Diesen Erfolg, diesen Weg, diese ebenso selbstbewusste wie zurückhaltende Gelassenheit der Freiburger Münsterbaumeisterin zu verstehen, muss man einige Jahre im Leben der Anne-Christine Brehm zurückgehen. Was wie lange geplant aussieht, entpuppt sich dann schnell als Ergebnis von freimütiger Offenheit, breit gestreuter Neugier und ehrlichem, aber nicht naivem Engagement. Nein, geplant hat die heutige Münsterbaumeisterin diese Karriere wohl wirklich nicht. Doch reihte sich ein Schritt an den anderen, inhaltlich logisch miteinander verknüpft. Der rote Faden erschließt sich auch ihr selbst erst in der Retrospektive. Zusammen mit drei Geschwistern wuchs sie im kleinen Ort Feuerbach unweit von Lörrach am Südhang des Schwarzwaldes auf. Von dort konnte man bei gutem Wetter Basel sehen und bei sehr guten Sichtverhältnissen sogar bis zu den Schweizer Alpen schauen. Nach Freiburg, ihrem heutigen Lebensmittelpunkt, sind es 55 Kilometer.

So verband sich die Geborgenheit des Dorflebens mit dem Blick über den Tellerrand seit frühestem. Es war eine Zeit schier unbegrenzter Freiheit. Draußen vorm Haus, auf den Wiesen und im Wald zu spielen, bedurfte es keiner komplizierten elterlichen Genehmigungen. Man tat es, man probierte sich aus, man lernte, seinen Platz in der Gruppe zu finden, im Erfolg nicht den Verlierer zu demütigen und bei Niederlagen weder die Schuld bei anderen zu suchen noch in Selbstmitleid zu zerfließen. Man begegnete allen ja schon am nächsten Tag wieder. Es war einfach gut, wie es war. Die Urlaubsreisen erlebten Anne-Christine und ihre Geschwister als emotionale wie kulturelle Höhepunkte. Die Bettenburgen an der Costa Brava oder auf Mallorca gehörten nicht zu ihren Zielen. Die Eltern bevorzugten Erlebnisreisen, in die der Vater stets auch Standorte romanischer Sehenswürdigkeiten einbaute. „Die Geschichten, die er uns bei den Besichtigungen erzählte, waren spannend und gaben den Menschen von damals ein Gesicht“, erinnert sich Anne-Christine Brehm anerkennend.

Neugierig auf die ganze Welt

Anne-Christine Brehm kennt nicht nur das eigene Münster – Hier: Bei der Besteigung des Turmhelms des Straßburger Münsters (Foto: Jean-Sébastien Sauvé)

Das Feuerbacher Elternhaus ist ein liberales, das seine vier Kinder zu eigenverantwortlicher Selbständigkeit befähigen möchte. Emotionale Geborgenheit und eine klassisch humanistische Bildung stehen dafür ganz oben an. Ihr Vater, Leiter der von ihm gegründeten Krankenhausschule in Lörrach, unterrichtet Kunst und Handwerk. Darüber hinaus setzte er sich in seinem Berufsleben stets für das Recht von Kindern auf Bildung ein. Die Wahl des Gymnasiums, eine der wohl letzten Entscheidungen, die die Eltern für ihre Tochter treffen, fällt deshalb wenig überraschend auf das dortige Hebel-Gymnasium. Es ist eines der inzwischen nur noch wenigen öffentlich-staatlichen humanistischen Gymnasien, in der Latein ab der fünften Klasse Pflichtfach ist. Was sich für manche Schüler weniger als Freude denn als Quälerei erweist, löst bei Anne-Christine Brehm stille Bewunderung aus. Sie hat eine junge Lehrerein, die die Sprache als Schlüssel zum Verständnis der dahinter stehenden Geschichte und Geschichten lehrt. Die alte römische Rezepte aus dem Archiv mitbringt, in der Schulküche mit ihren Schülern danach kocht und damit alle Sinne für das Sprachenlernen aktiviert.

Nach dem freien Spielen im heimatlichen Dorf erlebt Anne-Christine hier die zweite entscheidende Trainingseinheit für ihr Phantasie- und Gestaltungspotential. Sie tritt in die Arbeitsgemeinschaft Archäologie ein. Die Fahrten zur Augusta Raurica im schweizerischen Rheinfelden und zur Ausgrabung einer Villa Rustica in Grenzach-Wyhlen werden zu Highlights ihrer Schullaufbahn. Es entsteht der Wunsch, Archäologie zu studieren und anschließend an Ausgrabungen teilzunehmen. Trotz ihrer Begeisterung für alte Geschichte geht die Gymnasiastin Anne-Christine Brehm keineswegs mit Scheuklappen durch die Welt. Ihre Neugier erstreckt sich auf alles um sie herum. Ausdruck dafür ist die Wahl ihrer Leistungskurse. Sie entscheidet sich für Kunst und Mathematik. Nicht mit Blick auf eine spätere berufliche Anwendung, vielmehr weil sich darin ihre breit gefächerten Interessen widerspiegeln. Die Eltern stärken ihr ob dieses Vorgehens den Rücken.

Mit beiden Füßen auf dem Boden

Luftbild vom Freiburger Münster (Foto: Wikimedia/Oberth)

Anne-Christine Brehm ist Fahrschülerin, täglich 15 Kilometer hin und genauso viele wieder zurück. Den Führerschein erwirbt sie zum frühestmöglichen Zeitpunkt. „Ich wollte unabhängig vom Fahrplan der Bahn und den Fahrdiensten meiner Eltern werden“, beschreibt sie ihre damalige Gemütslage. Die Entscheidung, was sich ans Abitur anschließen soll, rückt näher. Sie vereinbart ein Beratungsgespräch bei der Berufsberatung des Arbeitsamtes in Lörrach und erzählt dort von ihren Interessen für Geschichte, Kunst, Archäologie sowie Gestaltung. Statt Unterstützung ihrer Wünsche weisen die Berufsberater allerdings auf die für diese Berufsgruppen schwierige Arbeitsmarktlage hin und empfehlen ihr, über Alternativen nachzudenken. Das deckt sich mit der Einschätzung ihrer Eltern auf das, was ansteht. In deren Bekanntenkreis gibt es gerade ein Beispiel dafür, wie risikovoll das Übel andauernder Zeitverträge sein kann, besonders wenn sich kein Anschlussvertrag finden lässt.

Anne-Christine Brehm ist begeisterungsfähig. Zugleich aber steht sie mit beiden Beinen auf dem Boden der Wirklichkeit und wägt mit klarem Verstand die Chancen gegen die Risiken ab. Deshalb lässt sie sich von ihrer Trauer wegen eines unerfüllbaren Traumes nicht übermannen und entscheidet sich für ein Studium der Architektur. Sie geht an die Universität Karlsruhe, heute Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Sie weiß, worauf sie sich einlässt. Zwar wird die Universität Karlsruhe erst 2006, als sie ihr Studium beendet, zu einer der drei ersten deutschen Exzellenzuniversitäten. Die Ansprüche aber sind bereits zu Zeiten, wo sie sich einschreibt, hoch. Das ist 1999. „Baukonstruktion war in Karlsruhe ein wichtiges Fach“, schweifen ihre Gedanken zurück. „Für die Arbeit von Architekten ist es ein unverzichtbares Handwerkszeug.“ Denn, ist Anne-Christine Brehm überzeugt, gute Architektur basiert auf dem Wissen, was technisch machbar ist. Eine Erkenntnis, die sich während ihrer ersten Stelle im Architekturbüro Diener & Diener in Basel bestätigt.

Die Gotik ist eine Lebensart

Die Strebebögen des Freiburger Münsters (Foto: Wikimedia/Lutz H)

Genau dieser Aspekt erweist sich auch für die Münsterbaumeisterin Anne-Christine Brehm als wichtiges Versatzstück in ihrem heutigen Tun. Wie sehr Architekten seit frühesten Zeiten aber auch immer wieder daran arbeiteten, die Grenzen des Machbaren hinauszuschieben, zeigt ihr das Münster jeden Tag. „Ich habe größten Respekt vor den Erbauern“, sagt sie, ohne allerdings in Ehrfurcht zur Salzsäule zu erstarren. Und genau hier liegt auch der Grund ihrer Begeisterung für die Gotik. „Die Gotik ist eine Skelettbauweise“, erklärt sie, „bei der die Wände geöffnet werden und die Lastableitung über Strebebögen erfolgt. Das ermöglicht nicht nur helle, lichtdurchflutete Innenräume, sondern macht die technischen Lösungen transparent und sogar für den Laien erkennbar.“ Der durchbrochene Turmhelm, die Spitze des Freiburger Münsters, ist dafür allerbestes Beispiel und ein Meisterwerk für Stabilität filigraner Bauelemente. Dem Anne-Christine Brehm und ihre Mannschaft jeden Tag neu versuchen, gerecht zu werden.

Freilich gleicht die Welt der Erbauergenerationen, bis zur Fertigstellung vergingen immerhin nicht weniger als 300 Jahre, in vielem auch der heutigen Zeit. Ökonomische Zwänge gibt es nicht erst seit der Moderne. Schon die Baumeister des Münsters hatten damit zu kämpfen. Und mussten sich zu deren Überwindung intelligente Lösungen einfallen lassen. „Teile, die man mehrfach benötigte“, klärt mich Anne-Christine Brehm auf, „wurden aus Kostengründen schon damals seriell gefertigt und gleich vor Ort im Steinbruch behauen.“ Intelligente Lösungen werden freilich auch von der jetzigen Münsterbaumeisterin und ihrer Mannschaft gefordert. Sie nimmt es als Ansporn. Bange machen gilt nicht. Schon in ihren zahlreichen Forschungsprojekten, unter anderem am Ulmer Münster, sowie auf ihrer letzten Stelle im Schweizer Freilichtmuseum Ballenberg sammelte sie Führungserfahrungen. In Ballenberg leitete sie die Abteilung Architektur und Hausforschung. Ihre jetzige Verantwortung ist gleichwohl um einiges umfangreicher. Es schreckt sie nicht. „Ich bin eine Teamplayerin. Erfolge sind immer die Erfolge aller.“

Bauen heißt erklären

Anne-Christine Brehm auf der Chorplattform des Freiburger Münsters (Foto: privat)

Angestellt ist Anne-Christine Brehm beim Münsterbauverein, dessen Präsidium, Vorstand und Aufsichtsrat sie rechenschaftspflichtig ist. Vom Erzbischof über die Regierungspräsidentin und den Oberbürgermeister bis zur Chefin der Landesdenkmalpflege ist dort alles vertreten, was Rang und Namen hat. Ob die Zusammenarbeit mit diesen Gremien nicht schwierig sei, möchte ich wissen. Immerhin geht es, und da unterscheidet sich die Münsterbauhütte kaum von kommerziellen Bauunternehmen, nicht selten ums liebe Geld, wo nach der Weisheit des Volksmundes bekanntlich die Freundschaft aufhört. Anne-Christine Brehm lacht und beantwortet meine Frage anders als erwartet. „Worauf es ankommt ist, dass ich die Aufgaben und vorgeschlagenen Lösungen für jeden ebenso verständlich wie fachlich überzeugend erklären kann“, formuliert sie. „Und da bringe ich viel Erfahrung mit.“ Tatsächlich hat sie seit ihrer Promotion zahlreiche Lehraufträge wahrgenommen. Seit ihrer Habilitation 2018 besitzt sie am KIT Karlsruhe einen ständigen Lehrauftrag.

Hat sie nicht irgendwann einmal mit dem Gedanken an eine wissenschaftliche Karriere gespielt? Schließlich war sie mit der Habilitation nur wenige Meter vor der Ziellinie. Doch, bestätigt sie. Die Entscheidung fiel dann allerdings auf die Münsterbauhütte. Ein weiteres Mal stellt sie ihre Träume der Wirklichkeit gegenüber und folgt ihrem Verstand. Das Risiko einer Berufung auf einen der raren Lehrstühle war ihr zu unkalkulierbar. Und der Weg, sich dafür an vielen Universitäten versuchen zu müssen, zu aufwändig. Der Preis der sozialen Heimatlosigkeit war es ihr nicht Wert. Im Übrigen gibt auch ihre jetzige Stelle Raum für Forschung und Publikationen. Beides ist Bestandteil ihrer Arbeitsplatzbeschreibung. Und es hat sogar den Vorteil einer festen Verankerung in der gelebten dinglichen Geschichte. Wenn sie auf dem Weg zur Arbeit am Bauhüttenmuseum, am Bild- und Planarchiv sowie am Lapidarium, einer Sammlung von mehr als 4.000 Gipsabgüssen, vorbei kommt, weiß sie, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hat.

Teil eines Ganzen

Geniale Architektur – Blick in den durchbrochenen Turmhelm des Freiburger Münsters (Foto: Wikimedia/Andreas Schwarzkopf)

Das Freihandzeichnen ist eine weitere Leidenschaft schon von Schülertagen an. Im Studium war es Pflichtfach. Hin und wieder kann sie es auch jetzt noch gewinnbringend einsetzen. „Beim Zeichnen eines Objektes lernt man, es architektonisch zu analysieren und so seine Geheimnisse zu lüften“, erklärt sie. Und genau das ist es, was Anne-Christine Brehm immer wieder aufs Neue antreibt. Die Neugier pflanzten ihr die Eltern ins Herz. Doch ist es nicht die voyeuristische Neugier des Boulevards. Es ist die Neugier zu erfahren und zu begreifen, wie die Welt funktioniert und wie sie vor vielen hundert Jahren funktioniert hat. Sie kann gut damit umgehen, dass sie Münsterbaumeisterin in einer langen Liste von Namen ist, und nach ihr viele weitere folgen werden. Dass am Münster immer Baugerüste stehen, wertet sie positiv. Schließlich zeigten die Gerüste, das Münster wird erhalten und gepflegt. „Ohne die Arbeit der Steinmetze würde das Münster verfallen und zu einer Ruine.“ Dass das passiert, ist allerdings nicht zu befürchten.

Ob Anne-Christine Brehms Weg in Freiburg endet? Wie sollte das jemand sagen können, der vor neun Monaten erst hierhergekommen ist. Sie selbst hat daran bislang noch keinen Gedanken verschwendet. Dazu bietet die Stelle der Münsterbaumeisterin schlicht viel zu viel von dem, was das Herz der Bauhistorikerin Anne-Christine Brehm bewegt. Zweifel, dass ihr das nicht gut gelingen könnte, scheinen unangebracht. Sie lebt die Ideale ihres Gymnasiums, unangestrengt, glaubwürdig, überzeugend. Wie die heißen? Perspektiven vom Nahen zum Fernen öffnen. Den anderen achten und ihm helfen. Sich um eine fundierte naturwissenschaftliche Bildung bemühen. Ästhetisch-künstlerische Zugänge zur Welt entdecken. Die Zusammenhänge von Kultur- und Geistesgeschichte begreifen. Dem Freiburger Münster dürfte die neue Münsterbaumeisterin gut tun. Für sie selbst ist es eine Erfüllung.

 


Weiterführende Informationen 

Vita: https://de.wikipedia.org/wiki/Anne-Christine_Brehm
Wissenschaftliche Stationen: https://bg.ikb.kit.edu/349.php

 

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