Zoo Hannover – Tiere erlebnisorientiert präsentieren

Von Hans-Martin Barthold | 15. August 2013

Eisbärpanorama in der Yukon Bay (Foto: Erlebnis-Zoo Hannover)

Eisbärpanorama in der Yukon Bay (Foto: Erlebnis-Zoo Hannover)

Der Zoo Hannover hat in seiner nun fast 150jährigen Geschichte schon viele Höhen und Tiefen erlebt bis hin zur Pleite und kurzzeitigen Schließung in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts oder der nahezu völligen Zerstörung in den Wirren des zweiten Weltkriegs. Vor zwanzig Jahren fand man sich erneut in einer schwierigen Situation. Doch Deutschlands fünftältester zoologischer Garten ist aus all diesen Krisen immer wieder gestärkt hervorgegangen und gilt heute auch im internationalen Vergleich als einer der leistungsfähigsten sowie am besten geführten Einrichtung dieser Art. Sein Tierbestand wird vom Pressesprecher Sebastian Bär mit 3.306 Exemplaren angegeben. Das größte Tier ist mit 5,80 Metern der Giraffenbulle Schorse, das kleinste die Blattschneider-Ameise Bärbel. Sie misst lediglich fünf Millimeter.

Weshalb Sebastian Bär sich so sicher ist, dass es nicht vielleicht doch 3.305 oder 3.307 Tiere sind? „Die Angaben stammen von der jährlichen Inventur“, erklärt er lachend, „und sind deshalb recht genau.“ Jedes Jahr zählen die Tierpfleger dann zehn Tage lang mit Akribie alles, was kreucht und fleucht. Am einfachsten ist diese Datenerhebung noch bei den Faultieren, denn die hängen stundenlang nur still im Baum ab. Auch bei Elefanten und Giraffen kann man sich kaum vertun. Schwieriger wird es schon bei den Präriehunden, die bereits bei der leisesten Gefahr blitzschnell in ihrem Bau verschwinden, oder den Goldfischen, die in einer solchen Situation einfach abtauchen. Die Blattschneider-Ameisen führen die Tierpfleger zwar nicht rechnerisch, wohl aber zähltechnisch an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Pragmatisch einigten sich die Zooexperten deshalb allerorten auf die Formel: ein Volk gleich ein Tier. Ausgehend von ihrer Präsenz bei den täglichen Fütterungen kommen bei frei fliegenden Vögeln schließlich sehr präzise Hochrechnungsmodelle zum Einsatz.

Großer Bedarf bei Dienstleistungsberufen

Restaurantfachfrau Bahar Tuncel (Foto: Erlebnis-Zoo Hannover/Frank Wilder)

Restaurantfachfrau Bahar Tuncel (Foto: Erlebnis-Zoo Hannover/Frank Wilder)

Mehr noch als die Tiere interessieren mich freilich die Menschen, die im Zoo Hannover arbeiten und was sie dort machen. „Mit allen Teilzeitkräften beschäftigen wir 480 Mitarbeiter“, klärt mich Sebastian Bär auf. Zwar komme auch der Zoo Hannover nicht ohne gut qualifizierte Tierpfleger und zwei fest angestellte Tierärzte sowie eine tiermedizinische Fachangestellte aus. Schließlich seien gesunde und gut gepflegte Tiere noch immer das Aushängeschild jeden Zoos. Aber unter allen Beschäftigten seien Tierpfleger inzwischen eine Minderheit. „Die überwiegende Mehrzahl unserer Kollegen arbeitet mittlerweile in gastronomischen Dienstleistungsberufen“, weist Sebastian Bär auf den Strukturwandel des Hannoveraner Zoos, der heute ein Erlebnis-Zoo ist. Dazu kommen Berufe zur Aufrechterhaltung der technischen als auch organisatorischen Infrastruktur, wie etwa der Elektroniker für Betriebstechnik, der Gärtner mit der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau, der Veranstaltungskaufmann oder die Absolventen des dualen Studiums Freizeitwirtschaft.

„Leider hat sich unser modernes Profil noch nicht bei allen Lehrstellenbewerbern herumgesprochen“, lenkt Sebastian Bär meinen Blick auf die Ungleichgewichte der jährlich eingehenden Bewerbungen. Die sind für den Beruf des Tierpflegers so zahlreich, dass man auch jedem Meerschweinchen schon bald seinen ganz persönlichen Betreuer zur Seite stellen könnte. Was wohl weder den Finanzen des Zoos und auch den Tieren nicht gut täte. Die Berufe aber, für die man sich in der Personalabteilung gerne mehr Bewerbungen wünschte, finden bei den Schulabgängern eine deutlich geringere Resonanz. Das gilt für die Restaurantfachleute ebenso wie für die Fachkräfte im Gastgewerbe, die Fachleute für Systemgastronomie oder die Köche. Doch genau hier benötigt das Unternehmen Erlebnis-Zoo fachlich kompetente Mitarbeiter. „Saubere Gehege und muntere Tiere setzen unsere Besucher voraus“, begründet Sebastian Bär, „ihr Wiederkommen allerdings machen sie vom Service rund um das Tiererlebnis abhängig.“

Exzellente Ausbildungsqualität

Alexander Walter (li.) und Jörg Kantor (re.): als beste Ausbilder ausgezeichnet (Foto: Erlebnis-Zoo Hannover)

Alexander Walter (li.) und Jörg Kantor (re.): als beste Ausbilder ausgezeichnet (Foto: Erlebnis-Zoo Hannover)

Diese Entwicklung hat man in Hannover früh erkannt und in die entsprechende Infrastruktur investiert. Die Zeit maroder Frittenbuden, von jedem Ort des Geländes ohne Wegweiser und nur nach der Geruchswolke ihres verbrannten Speiseöls zu finden, ist lange vorbei, damit endlich auch das Stigma der Mitarbeiter, sich trotz dreimaligen Duschens und einer großen Dosis Parfüm davon selbst nach Feierabend nicht restlos befreien zu können. Die Gastronomie im Zoo Hannover hat für jeden Geldbeutel, groß oder klein, etwas zu bieten. In jeder Preisklasse allerdings auf Spitzenniveau. Und das gilt auch für die Ausbildungsqualität. So wurde im Frühjahr das Gasthaus Meyer vom Branchenmagazin chefs! mit der „Chefs Trophy Ausbildung 2013“ ausgezeichnet. Die Freude darüber war bei Jörg Kantor, Leiter des Gasthauses Meyer, und Küchenchef Alexander Walter, groß. „Bei uns zu arbeiten“, zeigt sich Walter überzeugt, „ist nicht einfach nur ein Job, sondern eine Berufung, Diese Begeisterung möchten wir gerne weitergeben und jungen Menschen eine optimale Ausbildung ermöglichen.“

Tatsächlich vermittelt eine Ausbildung in einer der verschiedenen Zoo-Restaurationen eine auch außerhalb der Zoomauern anerkannt gute Qualifikation. Dazu den Nachweis, stressbelastbar zu sein und zupacken zu können. Denn im Sommer klettert die Besucherzahl an guten Tagen schon einmal über die 10.000er Marke. Und alle wollen früher oder später ihren Hunger stillen. Allein im Gasthaus Meyer werden an solchen Tagen gut 1.300 Gerichte zubereitet und erwarten die Gäste trotz voller Tische einen freundlichen Service. Ziel ist schließlich, den Zoo-Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen. Lange, bevor der Zoo seine Pforten öffnet, beginnt deshalb der Dienst der Frühschicht. Für die Mitarbeiter der Spätschicht endet die Arbeit selten vor 22 Uhr.

Das gilt auch für die Mannschaft der Yukon Market Hall in Yukon Bay, dem Refugium von Eisbären, Robben, Wölfen, Karibus und Pinguinen. Am Klondike Grill werden nicht selten bis zu 900 Bison-Burger geordert und werden ca. 45 Kilogramm Ketchup verbraucht – täglich! „Wir fordern von unseren Auszubildenden viel“, erzählt Pressesprecher Bär, „fördern sie gleichzeitig aber auch sehr.“ So würden sie vom ersten Tag an in alle Arbeitsprozesse direkt eingebunden. Statt einer Ausbildung im keimfreien Labor finden sie sich eher als„lernende Kollegen“ unter Berufserfahrenen. Fordern und fördern, ist freilich nicht nur Anspruch, sondern wird in Hannover zielorientiert umgesetzt. „Jeder Auszubildende hat seinen ganz persönlichen Paten“, sagt Bär, „an den er sich jederzeit wenden kann.“

Mitarbeiter machen Zoobesuch zu einem unvergesslichen Erlebnis

Hendrik Wilk am Räucherofen von Yukon Bay (Foto: Erlebnis-Zoo Hannover)

Hendrik Wilk am Räucherofen von Yukon Bay (Foto: Erlebnis-Zoo Hannover)

Mir wird schnell klar, jede Berufsgruppe im Erlebnis-Zoo hat ihre Highlights. Während Tierpfleger vom Zauber der Geburt des Elefantenbabys Amithi in der Nacht des Heiligen Abends noch viele Monate später schwärmen, ziehen die Servicemitarbeiter ihre tägliche berufliche Befriedigung aus der Zufriedenheit der Gäste, aus am Ende des Tages vielleicht müden, aber glücklich strahlenden Kinderaugen. Das freilich ist noch nicht alles. Der Erlebnis-Zoo Hannover ist mit jährlich über 2.000 Festen eine Top-Eventlocation. Im Zoo Hannover ausgebildete Veranstaltungskauffrauen und –männer organisieren nach den Wünschen der Kunden Kindergeburtstage inklusive Zoo-Safaris und Besuchen beim Lieblingstier. Sie gestalten Konfirmationen, romantische Hochzeiten, darunter auch immer mal wieder solche von Paaren, die im Zoo ihr erstes Rendezvous hatten, und natürlich jede Menge Firmenjubiläen. Dreißig Zoo-Scouts, meist Studenten in einer Nebenbeschäftigung, führen Gruppen themenorientiert über das 22 Hektar große Zoogelände. Für Unternehmensmitarbeiter bieten sie darüber hinaus sogenannte Team-Challenges an. Dabei wissen sie den Besuchern, unterhaltsam wie fachlich fundiert, jede Menge zum Thema Teamwork im Tierreich zu berichten und stellen mit viel Fingerspitzengefühl die Teamfähigkeit der Gäste selbst auf die Probe.

All das sollte freilich nicht vergessen machen, dass der Zoo Hannover den vielen kulinarischen und erlebnisorientierten Events zum Trotz noch immer ein Tierpark ist. Einer, der sich hohen wissenschaftlichen Standards verpflichtet weiß. Schließlich sind die heutigen Zoos mehr denn je zu einer Arche Noah für bedrohte Tierarten geworden. Immerhin verschwinden in jeder Stunde nicht weniger als drei davon wegen Wilderei, Umweltvergiftung oder Vernichtung ihrer Lebensräume von der Erde – unwiederbringlich und für immer. Spezielle Erhaltungszuchtprogramme zoologischer Gärten weltweit sollen diesen Aderlass, wenn sie ihn schon nicht gänzlich aufzuhalten vermögen, so doch wenigstens verlangsamen und in einzelnen Bereichen zurückdrängen.

Das Zooteam: Tierforscher, Pfleger und Servicemitarbeiter

Löwin am Sambesi-Park (Foto: Erlebnis-Zoo Hannover)

Löwin am Sambesi-Park (Foto: Erlebnis-Zoo Hannover)

Bei der Zucht von Zootieren deren genetische Diversität zu wahren, die frei lebenden Populationen wenn möglich durch Auswilderungsprogramme von in Zoos gezüchteten Tieren wieder auffrischen zu können, wurden die sogenannten Zuchtbücher eingeführt. Der Zoo Hannover ist an über dreißig derartigen Zuchtbüchern beteiligt, für drei davon, nämlich die Addax-Antilopen, den nordafrikanischen Strauß und die Pferdeantilope, ist er sogar verantwortlich. Koordiniert und überwacht werden die Zuchtbücher von der World Association of Zoos and Aquaria (WAZA) sowie ihrem Europäischen Ableger, der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA). Ein Zoomitarbeiter, in der Regel ein Zoologe, bestimmt aus seiner Kenntnis des genetischen Status der Tierart, welche Tiere sich verpaaren dürfen, stellt neue Zuchtgruppen zusammen und organisiert am Schluss auch den Austausch der Tiere zwischen den einzelnen Tierparks.

Im Hannoveraner Zoo setzt man auf artspezifische Sozialverbände anstelle der früher üblichen Sammlung in Kleinstgruppen. Erfahrene Zoopraktiker wissen darüber hinaus, dass die Vermehrung von Wildtierarten umso besser gelingt, je artgerechter die Lebensräume sind, in denen ihre Haltung erfolgt. Die naturnahen Erlebniswelten Afrikalandschaft Sambesi, Gorillaberg, der indische Dschungelpalast, das australische Outback oder die Kanada typische Yukon Bay bieten den Hauptakteuren des Hannoveraner Zoos ein ihren ursprünglichen Lebensräumen nachempfundenes Gelände. Es gewährt ihnen die erforderlichen Bewegungsspielräume und Rückzugsmöglichkeiten ebenso wie es den Besuchern faszinierende Begegnungen und Biologie live ermöglicht. Dem dienen auch die täglichen Shows und kommentierten Fütterungen. Tierisch spannend, dabei unterhaltend informieren schließlich zahlreiche Schilder und Exponate.

Den Besuchern die Begeisterung vorleben

Hier schließt sich der Kreis. Einen Zoo wirtschaftlich zu betreiben, da sind sich die Macher in Hannover einig, gelingt nur über die Begeisterung der Besucher, 1,3 Millionen waren es im letzten Jahr. „Denn“, formuliert Sebastian Bär den Anspruch seines Unternehmens, „nur was Menschen kennen, werden sie lieben. Und nur was Menschen lieben, werden sie schützen!“  Da sind Tierpfleger genau so gefordert wie Gärtner oder Veranstaltungskaufleute und Köche. Sie alle müssen ihren Gästen die Begeisterung vorleben, die einen in der Arbeit mit den Tieren, die anderen bei der Pflege der Grünflächen, die dritten mit einer perfekten Organisation all der Dinge rund um den Zoo, die letzten mit freundlichem Service, selbst zu Zeiten, wenn „der Bär los ist“. Immerhin lebt der Zoo vor allem von den Eintrittsgeldern sowie den Einnahmen aus Souvenir-Shops, den Erlösen der Gastronomie und der zahlreichen Eventveranstaltungen. Zahlreiche Auszeichnungen bestätigen inzwischen Macher wie Mitarbeiter.

 


Unternehmenssteckbrief
(Stand: 01.05.2013)

Firmengründung: 4. Mai 1865
Unternehmensform: GmbH
Anschrift: 30175 Hannover, Adenauerallee 3
Mitarbeiter: 480
Ausbildungsmöglichkeiten:

  • Fachmann/-frau für Systemgastronomie
  • Restaurantfachmann/-frau
  • Koch/Köchin
  • Fachkraft im Gastgewerbe
  • Gärtner/-in Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau
  • Tierpfleger/-in Fachrichtung Zoo
  • Veranstaltungskaufmann/-frau
  • Elektroniker/-in Betriebstechnik

Duales Studium:

  • Bachelor of Arts Freizeitwirtschaft (in Kooperation mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Standort Ravensburg)

Bewerbungen für Ausbildung, duales Studium und Schülerpraktika: (unterschiedliche Bewerbungsfristen) Informationen unter www.zoo-hannover.de/jobs
Kontaktmöglichkeiten: info@zoo-hannover.de
Internet: www.zoo-hannover.de
Weitere Informationsmöglichkeiten über Zoos in Deutschland: www.zoo-infos.de

 

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