Wolfsburger Wirtschaft und Marketing GmbH – Informieren, kümmern, begeistern

Von Hans-Martin Barthold | 15. Februar 2017

Geschäftsführer Holger Stoye (Foto: WMG)

Geschäftsführer Holger Stoye (Foto: WMG)

Unter den Spielern des Rugby-Weltmeisters Neuseeland würde Holger Stoye nicht auffallen. Groß ist er, breitschultrig, mit raumgreifendem Schritt und einem kräftigen Händedruck. Wo er allerdings noch zu üben hätte, wären die martialischen Gesten beim Haka, den die „All Blacks“ zur Einschüchterung des gegnerischen Teams vor jedem Match zu tanzen pflegen. Dazu blicken die Augen des Mittvierzigers viel zu freundlich. Sein Zungenschlag verrät ihn als gebürtigen Ruhrpottler. Seit sechs Jahren allerdings ist der diplomierte Raumplaner bekennender Wolfsburger, fußballgenetisch freilich seit Kindertagen den blauen Trikots der Knappen verbunden. Aber inzwischen besitzt er auch für das Grün des VfL Wolfsburg viel Sympathie. Stoye ist einer von zwei Geschäftsführern der Wolfsburger Wirtschaft und Marketing GmbH und als solcher Chef über ein knappes halbes Hundert Mitarbeiter.

In den Augen vieler besitzt er damit einen Traumjob und einen Traumarbeitgeber. Achtzig Prozent der WMG gehören schließlich der Volkswagenstadt. Umgekehrt gilt freilich das Gleiche. Mit Stoye fand sich ein Fachmann mit großer Erfahrung. Seine Aufgabe ist es, das Gesicht der Stadt als einem wirtschaftlichen Hotspot und Ort mit hoher Lebensqualität überall im Lande bekannt zu machen. Das könnte nirgendwo besser aufgehoben sein als bei ihm. Statt spektakulärer, aber nur kurzzeitig wirkender Aktionen heißt Stoyes Devise: langfristige Solidität. Seine beruflichen Stationen zuvor hießen Xanten und Recklinghausen. Seitdem weiß er, Erfolge gibt es in der Wirtschaftsförderung ebenso wie im Stadtmarketing stets erst dann, wenn die Bürger das Eine wie das Andere zu ihrem eigenen Anliegen machen.

Interdisziplinär und ganzheitlich arbeiten

Der Neubau des „Inside Hotel“ veränderte Wolfsburgs Skyline (Foto: WMG)

Der Neubau des „Inside Hotel“ veränderte Wolfsburgs Skyline (Foto: WMG)

Soziologen sprechen in diesem Zusammenhang bedeutungsvoll von der Bürgergesellschaft. Anders Holger Stoye. Er übersetzt solche Fachbegriffe lieber in die Sprache des einfachen Mannes. Und so heißt denn der aktuelle Slogan der WMG für Unternehmen wie Bürger „Willkommen – Erleben – Investieren“. Stellt sich die Frage, was konkret versteckt sich dahinter? Und was macht die WMG so sexy für Auszubildende wie Hochschulabsolventen? Es sind vor allem drei Dinge. Die Aufgaben der WMG erfordern von jedem Beschäftigten eine interdisziplinäre Denke und eine ganzheitliche Perspektive. Das gilt für die drei Geschäftsbereiche Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Tourismus gleichermaßen. „Unsere Aufgabe“, formuliert Stoye die letzte Besonderheit, „ist nicht allein die strategische Planung. Große Teile davon setzen wir auch selbst um.“

So etwas garantiert ein ungefiltertes Feedback ebenso wie es vor theoriegeleiteten Höhenflügen schützt. Aus der Sicht manches Arbeitnehmers mag das kleinteilig wirken. Holger Stoye beschreibt es indessen als ein Mittel für die unverzichtbare Erdung zur Wirklichkeit (s)einer Stadt. Für die Beschäftigten der WMG, die sich zu ungefähr je einem Drittel auf die drei Geschäftsfelder verteilen, liegt genau hierin der Reiz ihrer Tätigkeit. Natürlich abhängig von der jeweiligen Funktion geht es in unterschiedlicher Gewichtung gleichermaßen um wissenschaftliche Analyse und praktische Anwendung. Und dafür müssen sie alle die Lebenszusammenhänge der Stadt verstehen, für die sie arbeiten. „Unser Herz“, sagt Stoye, „muss unbedingt im gleichen Takt wie das der Stadt schlagen.“  Das verbindet die Mannschaft. Das ergibt eine unverstellt offene Arbeitsatmosphäre.

Mit Aufgabe und Stadt identifizieren

Die beiden Geschäftsführer der WMG: Holger Stoye (li.) und Joachim Schingale (Foto: WMG)

Die beiden Geschäftsführer der WMG: Holger Stoye (li.) und Joachim Schingale (Foto: WMG)

Die Mannschaft besteht in der Wirtschaftsförderung mehrheitlich aus Wirtschaftsgeografen, Regional- und Raumplanern. In den benachbarten Arbeitsfeldern dominieren Tourismuskaufleute, Eventspezialisten, Sozialwissenschaftler, ergänzt um Kollegen mit einem Herkommen aus der Verwaltung. „Als WMG‘ler sind wir Mittler zwischen Politik, Wirtschaft und Verwaltung“, beschreibt Holger Stoye den gerade deshalb hoch komplizierten Job seiner Leute. Jeden Tag aufs Neue wird ihnen der Spagat zwischen fachlicher Spezialisierung und einer generalistischen Sicht auf das Wirtschaftsgeschehen in ihrer Stadt abverlangt. Deshalb müssen sie die unterschiedlichen Sichtweisen der Akteure ebenso verstehen wie sie die Kunst zu beherrschen haben, deren jeweilige Ziele in eine gemeinsame Strategie zu integrieren. Angesichts dieser Anforderungen veranschlagt Stoye die „Lehrzeit“ im Bereich der Wirtschaftsförderung nach dem Studium auf noch einmal mindestens drei Jahre. Und weiß, dass derart hoch qualifizierte Fachleute dann auch auf der anderen Seite des Tisches beste Chancen haben.

Vor allem in der Wirtschaftsförderung geht es um ökonomische Sachverhalte, zuvorderst um Standortentscheidungen und Investitionen. Da sind die Fragen der Unternehmen. Was spricht für eine Verlagerung meiner Fertigung nach Wolfsburg? Weshalb macht die Ansiedlung eines Logistikzentrums hier Sinn? Ist die Umsatzrendite für die Eröffnung eines weiteren Verkaufsmarktes groß genug? Welche Märkte ließen sich von diesem Standort zusätzlich erschließen? Wo finde ich entsprechende Flächen und zu welchen Preisen? Wie steht es mit dem einschlägig qualifizierten Fachkräfteangebot? Welche Lohnstruktur finde ich vor? Wirtschaftsförderer sind allerdings auch in schwierigen Zeiten gefragt, dann etwa, wenn eine Insolvenz droht oder ganz plötzlich wichtige Aufträge wegbrechen. Da sind aber ebenso die Ziele der Stadt. Welche Branchen und Unternehmen passen in die Region und sollen angesprochen werden? Welche Förderung könnten wir einsetzen? Mit welchen Infrastrukturmaßnahmen sind wir bereit, in Vorleistung zu gehen?

Unbedingter Wille zu Tiefgang und Erfolg

Das jährliche Stadtfest zieht nicht nur die Wolfsburger an – Im letzten Jahr rockte „Marquess“ die Bühne im Allerpark (Foto: WMG)

Das jährliche Stadtfest zieht nicht nur die Wolfsburger an – Im letzten Jahr rockte „Marquess“ die Bühne im Allerpark (Foto: WMG)

Um ähnliche Fragestellungen geht es im Stadtmarketing und im Tourismus. Welche Events sind geeignet, die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt zu vertiefen? Womit locke ich Fremde zu einem Besuch? Was sorgt für nachhaltige Attraktivität, damit Fachkräfte nicht länger von Berlin nach Wolfsburg pendeln, sondern hier ihren Wohnsitz nehmen? So wird schnell klar, die Frauen und Männer der WMG müssen eine Vielzahl von Bällen gleichzeitig in der Hand halten. Denn vieles ist mit vielem verbunden. Die Mitarbeiter der WMG besitzen den Vorzug der kurzen Wege. Denn die WMG bündelt die Arbeitsbereiche unter einem Dach, während man dafür andernorts jeweils eigenständige Gesellschaften gründet. Was viele Schnittstellen und einen hohen Koordinierungsaufwand nach sich zieht. Die Wolfsburger Konstruktion erleichtert es, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Faden ziehen oder ihn locker lassen zu können. Das hilft, die Prioritäten zielführend zu setzen, und sich nicht im Unwichtigen zu verzetteln.

Während sich Joachim Schingale als Geschäftsführer für das Ressort Tourismus und Eventmanagement keine Sorgen um gut qualifizierte Bewerber machen muss, ist das Interesse für die Wirtschaftsförderung und das Stadtmarketing insbesondere unter den Young Professionals überschaubar. Und nicht alle Bewerber erfüllen die Anforderungen, die die Geschäftsführer der WMG stellen (müssen). Querbeet über alle Funktionen sind das ökonomische Kompetenz, unternehmerisches Denken, Organisationstalent und eine überdurchschnittliche Kommunikationsfähigkeit. „Wer bei uns arbeiten möchte, sollte in alle Westentaschen passen, ohne allerdings sein Ziel aus den Augen zu verlieren“, formuliert es Holger Stoye salopp. Also eher nichts für Dünnbrettbohrer. „Wir suchen Mitarbeiter“, ergänzt er deshalb, „die den unbedingten Willen haben, sich in ein Projekt hineinzubeißen und es zum Erfolg führen wollen.“ Da heißt es dann jedes Mal, ein Konzept zu erstellen, Informationsdaten aufzubereiten, Interessenten zu akquirieren, Partner zusammenzuführen, die Umsetzung zu begleiten.

Die Kundenperspektive zur eigenen machen

Das jährliche Stadtfest zieht nicht nur die Wolfsburger an – Im letzten Jahr rockte „Marquess“ die Bühne im Allerpark (Foto: WMG)

Jan-Hendrik Klamt, Leiter Sonderprojekte, Finanzen & Personal (Foto: WMG)

Wo und wie gelingt der Einstieg in die WMG? „Unser Stellengerüst“, erklärt Jan-Hendrik Klamt als Leiter Sonderprojekte, Finanzen & Personal, „wird durch den Hauptgesellschafter, die Stadt Wolfsburg, bestimmt.“ Für Hochschulabsolventen führt der Weg in die WMG in der Regel über ein 18-monatiges Volontariat. Drei Volontäre sind es derzeit. Die Fachrichtung ist dabei nicht festgelegt. Gleichwohl besitzen Raumplaner, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler sowie Absolventen der Studiengänge Tourismuswirtschaft und Eventmanagement einen Aufmerksamkeitsvorteil. Die zweite Zugangsmöglichkeit bietet sich über ein duales Studium, für das freilich nur nach Bedarf eingestellt wird. Kooperationspartner ist die duale Hochschule Baden-Württemberg. Praxis- und Studienphasen wechseln einander alle drei Monate ab.

Aktuell sind zwei Studierende am Standort Ravensburg in der Fachrichtung Betriebswirtschaftslehre/Fachrichtung Messe-, Kongress- und Eventmanagement, dazu einer am Standort Mannheim in der Fachrichtung Betriebswirtschaftslehre/Fachrichtung Wirtschaftsförderung eingeschrieben. Der Geschäftsbereich Tourismus bietet darüber hinaus regelmäßig Ausbildungsplätze für den Beruf Kaufmann für Tourismus und Freizeit an. Hier steht die Praxis im Vordergrund. Der Einsatz nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung erfolgt mehrheitlich in der zur WMG gehörenden Touristinformation. Der erste Eindruck prägt das Bild einer Stadt, egal ob der Kontakt Face to Face stattfindet oder telefonisch erfolgt. Entsprechend freundlich und dem Kunden zugewandt sollte das Naturell der Bewerber sein. Umgekehrt findet hier der seine Bestimmung, der auf Menschen neugierig ist und deshalb einen Kontaktberuf sucht.

Karriere projektbezogen denken

Bürgermagazin „Dein Wolfsburg“ stärkt die Bindung der Bürger zu ihrer Stadt (Foto: WMG)

Bürgermagazin „Dein Wolfsburg“ stärkt die Bindung der Bürger zu ihrer Stadt (Foto: WMG)

Bleiben die Angebote an Studierende für ein Praktikum oder zur Betreuung von Bachelor- und Magisterarbeiten. „Wir erwarten allerdings, dass die Interessenten bereits mit klaren Vorstellungen an uns herantreten“, weist Holger Stoye diplomatisch auf die begrenzten Zeitressourcen seiner kleinen Mannschaft. Wenn es freilich thematisch passt, also beide Seiten fachlich profitieren, dann könnte eine solche Begegnung der Beginn einer länger währenden Verbindung werden. Bliebe ein Hinweis darauf, dass die angehenden Kaufleute für Büromanagement der Stadt Wolfsburg für einige Wochen in der WMG zu Gast sind. Später beruflich hier Fuß zu fassen, bedarf es angesichts des mit fünf Mitarbeitern nur dünn besetzten Backoffice der WMG indessen großen Glücks. Besser, wenngleich ebenfalls noch immer nur in homöopathischer Dosierung, stehen die Chancen für Beamte aus dem gehobenen Dienst, insbesondere für solche mit dem Ausbildungsschwerpunkt Public Management. (Zu den Ausbildungsmöglichkeiten bei der Stadt Wolfsburg siehe auch unseren Beitrag „Dem Wohl aller Bürger verpflichtet“.)

Wer mit der WMG als Arbeitgeber liebäugelt, sollte sich in erster Linie von der Freude an der Aufgabe leiten lassen. Der Grund ist ebenso einfach wie überzeugend. „Wir besitzen eine sehr flache Hierarchie“, weist Personalmanager Klamt auf einen wichtigen Punkt. Den Sachbearbeitern stehen sechs Abteilungsleiter vor. Die Richtlinienkompetenz liegt in den Händen der beiden Geschäftsführer, die ihrerseits dem Aufsichtsrat, dem Wirtschaftsausschuss sowie dem Handels- und Tourismusbeirat Rechenschaft geben müssen. Karriere definiert sich in der WMG vorwiegend aufgaben- und projektbezogen. Das gibt freilich schon den Sachbearbeitern neben viel Verantwortung einen großen Gestaltungsspielraum. Weniger in der Wirtschaftsförderung, dafür umso mehr in den Geschäftsfeldern Tourismus und Stadtmarketing, werden zunehmend Kenntnisse im Management von Social Media benötigt. „Wir wollen und müssen mit unseren Informationen, je länger je mehr, direkt bis zum Endverbraucher vordringen“, wirft Stoye einen Blick voraus. Er und seine Mannschaft arbeiten daran.

 


Unternehmenssteckbrief
(Stand:01.12.2016 )

 Firmengründung: 2005 (Aufnahme des Geschäftsbetriebs zum 01.01.2006).

Sitz der Unternehmenszentrale: Porschestraße 2, 38440 Wolfsburg

Mitarbeiter: 47

Ausbildungsmöglichkeiten: Kaufmann für Tourismus und Freizeit

Duales Studium:

  • Betriebswirtschaftslehre/Fachrichtung Messe-, Kongress- und Eventmanagement
  • Betriebswirtschaftslehre/Fachrichtung Wirtschaftsförderung

Einstiegsmöglichkeiten für Hochschulabsolventen: gesucht sind vor allem Absolventen der Fachrichtung Raumplanung, Regionalwissenschaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Tourismuswirtschaft, Eventmanagement, Public Management

  • Direkteinstieg
  • Volontariat

Bewerbungen: Initiativbewerbungen sind jederzeit möglich; Aktuell unberücksichtigte Bewerbungen können mit dem Einverständnis des Bewerbers gespeichert werden. Ansonsten werden freie Stellen öffentlich ausgeschrieben.

Studentenpraktika: ja

Betreuung von Bachelor-/Magisterarbeiten: ja

Kontaktmöglichkeiten: karriere@wmg-wolfsburg.de

Internet: www.wmg-wolfsburg.de

 

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