Volksbank Braunschweig Wolfsburg – „Wir zocken nicht, wir wirtschaften!“

Von Hans-Martin Barthold | 15. Februar 2014

Die „Toblerone“ – Volksbank-Zentrale am Braunschweiger Hauptbahnhof (Foto: hmb)

Die „Toblerone“ – Volksbank-Zentrale am Braunschweiger Hauptbahnhof (Foto: hmb)

Mit ihrer letztjährigen Bilanzsumme von 2,15 Milliarden und einem Bilanzgewinn von 6,7 Millionen Euro ist sie eine der größten Volksbanken Norddeutschlands. Doch mit Erfolgen geht man in der Zentrale der Volksbank Braunschweig Wolfsburg unweit des Hauptbahnhofes der Löwenstadt diskret um. Die Atmosphäre atmet Selbstbewusstsein ohne Arroganz. „Wir zocken nicht, wir wirtschaften“, bringt der Vorstandsvorsitzende Jürgen Brinkmann die Unternehmensphilosophie der Volksbank BraWo kurz und treffend auf den Punkt. Das Leitbild des „Ehrbaren Kaufmannes“, Synonym für nachhaltiges Wirtschaften, hier gilt es noch etwas. An Eigenhandelsgeschäften beteiligen sich die BraWo-Banker deshalb nur in einem sehr eng gesteckten Rahmen.

Die Finanzkrise haben sie jedenfalls bislang ohne große Einbrüche überstanden. Anders als viele überregional bekannte Namen der Finanzindustrie musste man in der „Toblerone“, wie das Volksbankgebäude von den Braunschweigern liebevoll genannt wird, keine staatlichen Hilfsgelder in Anspruch nehmen. Da stellt sich die Frage nach der Systemrelevanz von Banken plötzlich ganz neu. „Wir sind eine Bank für den Mittelstand, wir fühlen uns der Entwicklung dieser Region verpflichtet und wir sind eine Genossenschaftsbank“, beschreibt die Teamkoordinatorin Personalentwicklung und Leiterin Ausbildung Maren Maibom die Besonderheiten der Volksbank BraWo. Um die sollte wissen, wer sich bei ihr um einen Ausbildungs- oder dualen Studienplatz bewirbt. Denn im Vorstellungsgespräch muss der Bewerber zeigen, wie genau er über die BraWo Bescheid weiß, ob er sich mit ihren Zielen identifizieren kann und sich der Region auch wirklich längerfristig verbunden fühlt.

Nachhaltig lokal verankert

„Die Kunden unserer Unternehmensberater sind Handwerksmeister oder Geschäftsführer mittelständischer Betriebe“, erklärt Maren Maibom die Situation, „und das ist nicht selten eine berufslebenslange Beziehung.“ Soll heißen, in der Zentrale und den 37 Geschäftsstellen der Volksbank Braunschweig Wolfsburg zählen vor allem Kompetenz, Verlässlichkeit und Kontinuität. Das gilt auch für das Privatkundengeschäft. Die Geschäftsstellen verteilen sich auf die Städte Braunschweig und Wolfsburg sowie die Landkreise Gifhorn und Salzgitter. Diese vier Regionen werden von je einem Direktionsleiter geführt. Finanzwirtschaftlicher Sachverstand muss sich allerdings mit der Fähigkeit verbinden, komplizierte ökonomische Sachverhalte für das jeweilige Gegenüber ebenso verständlich wie überzeugend erklären zu können. Heißluftschwätzer sucht Maren Maibom deshalb nicht, wohl aber Nachwuchskräfte mit solider Kommunikationsfähigkeit. Schließlich geht es auch in der Volksbank BraWo ums Beraten und Verkaufen.

Maren Maibom - Teamkoordinatorin Personalentwicklung und Leiterin Ausbildung (Foto: Volksbank Braunschweig Wolfsburg)

Maren Maibom – Teamkoordinatorin Personalentwicklung und Leiterin Ausbildung (Foto: Volksbank Braunschweig Wolfsburg)

Und natürlich sucht sie Bewerber, die sich schon einmal mit dem inneren Fundament von Volksbanken beschäftigt haben. Das Genossenschaftsgesetz macht die Volksbanken nämlich zu etwas Besonderem. Bei der Volksbank BraWo ist jeder vierte Kunde auch Mitglied und damit Teilhaber der Bank. Über die Vertreterversammlung und den Aufsichtsrat sind diese Kunden eingeladen, die Geschäftspolitik mitzubestimmen. Das Modell kommt an. Die Bilanzsumme stieg im Vergleich zum Vorjahr um nahezu 6 Prozent, die Kundeneinlagen sogar um 7,5 Prozent. Und von der elfprozentigen Eigenkapitalquote wagen die Großen der Branche bislang nur zu träumen. Julia Kuch verkörpert das Profil einer modernen Volksbankangestellten ziemlich vollständig. Vor wenigen Tagen erst hat sie ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, wie alle Azubis der BraWo bereits nach zweieinhalb Jahren Lehrzeit. Jetzt arbeitet sie in der Abteilung Marktfolge Aktiv Privatkunden. Da geht es um Verträge zur Baufinanzierung und das, was nach Vertragsabschluss bankseitig im BackOffice abzuwickeln ist.

Mitdenken und eigene Ideen erwünscht

Julia Kuch besuchte das Braunschweiger Lessinggymnasium, das sie mit dem Abitur 2011 abschloss. Schon in der zehnten Klasse hatte sie ihr Schülerpraktikum in einer Geschäftsstelle der Volksbank Braunschweig Wolfsburg gemacht. Das hatte der jungen Fußballspielerin vom VfL Rötgesbüttel so gut gefallen, dass seitdem klar war, eine Ausbildung hier sollte es sein. Ihre freundlichen Umgangsformen und ihre Redegewandtheit machten ihr den Zugang zu jungen wie alten Kunden leicht. Damit punktete sie im Auswahlverfahren und erhielt den heiß ersehnten Ausbildungsvertrag. Von der anschließenden Ausbildung schwärmt sie noch immer überschwänglich. „Überall wurden wir mit offenen Armen empfangen“, sagt sie, „wir haben richtig viel gelernt.“ Der Übergang in ihre jetzige Tätigkeit sei ihr jedenfalls gut gelungen.

Julia Kuch (Foto: Volksbank Braunschweig Wolfsburg)

Julia Kuch (Foto: Volksbank Braunschweig Wolfsburg)

Dieses gute kollegiale Miteinander hat sich mittlerweile auch schon weit über die ostniedersächsischen Grenzen hinaus herumgesprochen. Im letzten Jahr erhielt die Volksbank Braunschweig Wolfsburg die Auszeichnung „Tob Job“, mit dem die compamedia GmbH richtungsweisende Personalkonzepte deutscher mittelständischer Unternehmen prämiert. In der Begründung heißt es, die BraWo habe es in einer für Banken schwierigen Zeit geschafft, ein motivierendes und dynamisches Unternehmensklima zu schaffen. Wie? Die Jury: „Sie beteiligt statt externer Berater die eigenen Mitarbeiter an richtungsweisenden Projekten.“ Da können sich tatsächlich alle, auch die Azubis, einbringen. Und wie ernst es dem Vorstand damit ist, zeigt sich in der finanziellen Ausstattung des betrieblichen Ideenmanagements. Jährlich werden nicht weniger als 75.000 Euro ausgelobt.

Lehre oder duales Studium

Jedes Jahr stellt die Volksbank Braunschweig Wolfsburg zehn Auszubildende und fünf duale Studenten ein. Schon eine Woche vor Ausbildungsbeginn gibt es für alle Neuen zum Kennenlernen ein gemeinsames Grillen am Tankumsee. „Wir legen Wert auf ein gutes Miteinander unserer Ausbildungsjahrgänge“, erklärt Maren Maibom. Einer soll vom anderen profitieren. Das hilft den Auszubildenden und den Ausbildern gleichermaßen. Ausbildungsabbrüche, gar erfolglose Abschlussprüfungen sind deshalb Ereignisse, an die sich kaum jemand in der „Toblerone“ erinnern kann. Um nichts schlechter sieht die Leistungskurve der dualen Studenten aus. Sie kombinieren die Ausbildung zum Bankkaufmann mit einem Studium der Betriebswirtschaftslehre entweder an der Braunschweiger Welfenakademie oder der Berufsakademie der Genossenschaftsbanken in Hannover, das sie in beiden Fällen nach drei Jahren mit dem Bachelor of Arts abschließen.

Auszubildende im Workshop (Foto: Volksbank Braunschweig Wolfsburg)

Auszubildende im Workshop (Foto: Volksbank Braunschweig Wolfsburg)

Während das Studium in Hannover sehr bankwirtschaftlich ausgerichtet ist, zeichnet sich das Curriculum an der Welfenakademie durch eine allgemeinbetriebswirtschaftliche Struktur aus. Damit korrespondieren die späteren Einsatzfelder. Absolventen der Berufsakademie Hannover finden ihren Ansatz eher im Einlagen- und Wertpapiergeschäft, im Vertrieb von Finanzdienstleistungen, im Vermögensmanagement oder dem Kreditgeschäft. Die Absolventen der Welfenakademie eignen sich indessen bevorzugt für eine Tätigkeit in allgemeinen betriebswirtschaftlichen Funktionsbereichen wie dem Controlling oder Marketing. Das Ausbildungskonzept TopStart hält darüber hinaus für die Azubis als auch die dualen Studenten weitere Angebote, insbesondere solche zur Persönlichkeitsentwicklung bereit. „Sehr hilfreich waren für mich die Gesprächstrainings mit externen Coachs“, erinnert sich Julia Kuch.

Leistung wird belohnt

Die Abschlussprüfung ist freilich noch nicht das Ende des Lernens. Mit einem detaillierten Nachwuchskräftekonzept geht es gleich im Anschluss weiter. In der Regel erhalten die Azubis über achtzehn Monate hinweg auf außerplanmäßigen Stellen einen weiteren Kompetenzaufbau. Von hier aus bewerben sie sich dann auf reguläre Stellen und erhalten einen Festvertrag. Mitarbeitern mit weiterreichenden Karriereambitionen steht dann das Personalentwicklungsprogramm „Förderpool“ offen. Voraussetzung dafür ist eine über dem Durchschnitt liegende Beurteilung sowie eine erste berufsbegleitende Fortbildung zum Bankfachwirt oder für die dualen Studenten der Abschluss eines Masterprogramms. Danach winkt eine Spezialisten- oder Führungsfunktion.

Kunst am Bau: Volksbank-Filiale gegenüber dem Braunschweiger Hauptbahnhof (Foto: hmb)

Kunst am Bau: Volksbank-Filiale gegenüber dem Braunschweiger Hauptbahnhof (Foto: hmb)

Auch wenn die historischen Wurzeln der Volksbank Braunschweig Wolfsburg mit der Gründung der Fallerslebener Volksbank 1871 weit in die Vergangenheit zurück reichen, ist ihr Denken und Handeln doch immer auf die Zukunft gerichtet. Im letzten Jahr wurden zwei richtungweisende Entscheidungen getroffen. Zum einen wagte man den Sprung in den Premiumsektor des Privatkundengeschäfts und gründete die Braunschweiger Privatbank. Um allen Kunden ab sofort die gesamte Palette von Finanzprodukten anbieten zu können, übernahm die BraWo schließlich achtzig Prozent der Anteile an der Versicherungsmaklergesellschaft Hosse Stelzer GmbH & Co. KG. Das erweitert die beruflichen Einsatzmöglichkeiten der jungen Nachwuchskräfte um weitere interessante Tätigkeitsfelder.

 


Unternehmenssteckbrief
(Stand: 01.02.2014)

Firmengründung: Fusion zwischen den Volksbanken Wolfsburg und Braunschweig 2005. Der älteste Vorläufer ist die Volksbank Fallersleben, gegründet 1871.
Sitz der Unternehmenszentrale: 38440 Wolfsburg, Am Mühlengraben 1.
Niederlassungen: 37 in den Landkreisen Gifhorn, Salzgitter sowie den Städten Braunschweig und Wolfsburg.
Mitarbeiter: 590, davon 156 in Teilzeit.
Umsatz: Bilanzsumme 2,15 Milliarde Euro; Bilanzgewinn 6,7 Millionen Euro (Geschäftsjahr 2012).
Ausbildungsmöglichkeiten: Bankkaufmann/-frau (ca. 10 Ausbildungsplätze pro Jahr).
Duales Studium: Bewerbungen: Betriebswirtschaftslehre Bachelor of Arts an der Welfenakademie Braunschweig (ca. 4 Studienplätze pro Jahr); Banking and Finance Bachelor of Arts an der Berufsakademie für Bankwirtschaft Hannover (ca. 1 Studienplatz pro Jahr).
Schülerpraktika: sind möglich. Bewerbung mindestens sechs Monate vor Praktikumsbeginn.
Kontaktmöglichkeiten: Maren Maibom, Teamkoordinator Personalentwicklung und Leiter Ausbildung: Tel. 0531 – 70051052; eMail: maren.maibom@vbbrawo.de
Bewerbung Ausbildung, duales Studium und Schülerpraktikum über: https://www.volksbank-brawo.de/volksbank_brawo/karriere/ausbildungs–und-studienangebote/online-bewerbung_ausbildung.html
Internet: www.volksbank-brawo.de

 

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