Verwaltungsbeamte – Generalisten mit dem Blick fürs Spezielle

Von Hans-Martin Barthold | 15. Februar 2018

Stadthaus in Köln-Deutz – Hier arbeitet die Mehrzahl der 17.000 Mitarbeiter der Kölner Stadtverwaltung (Foto: Wikimedia/Elke Wetzig)

Wie berichtet man über einen Beruf, den es eigentlich gar nicht gibt? Und den nach Angaben des Statistischen Bundesamtes doch etwas mehr als 1,8 Millionen Menschen ausüben. Was ist von einer Berufsgruppe mitzuteilen, über die nicht nur die Stammtische alles zu wissen meinen? Und deren Arbeitsinhalte doch kaum einer wirklich kennt. Gemeint sind die Beamten. Ich will es genau wissen und mache mich deshalb auf die Suche. Neben vielen Juristen und noch viel mehr Männern und Frauen, die über einen Bachelor der Fachrichtung Allgemeine Verwaltung verfügen (früher: Diplom-Verwaltungswirt), begegne ich auch Ingenieuren, Ärzten, Informatikern, Natur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlern, Polizisten, Lehrern, Sozialpädagogen. Alle sind sie Beamte, aber alle machen sie beruflich etwas ganz unterschiedliches. Meine erste Erkenntnis also: Beamter zu sein, ist kein Beruf mit gleicher Tätigkeit, sondern beschreibt lediglich ein besonderes Arbeitsrechtsverhältnis.

Doch ich lerne noch mehr. Bauingenieure und Architekten in den städtischen Bauämtern, die Ärzte der Gesundheitsämter, Umwelttechniker in den Gewerbeaufsichtsämtern, Vermessungsingenieure in den Katasterämtern oder die Gartenbauingenieure des Grünflächenamtes sind Mitarbeiter des sogenannten technischen Verwaltungsdienstes. Entsprechend ihrer Ausbildung nehmen sie typische Fachaufgaben wahr. Sie prüfen Bauanträge, überwachen das Einhalten der Hygienevorschriften oder führen die Medizinalstatistik, sie kontrollieren die  Emissionsgrenzwerte von Produktionsunternehmen oder sorgen für die Pflege und Neuanlage öffentlicher Parks. Die Mehrheit der Beamten aber, vorwiegend Bachelors of Arts der Fachrichtung Allgemeine Verwaltung und Juristen, arbeiten im allgemeinen nichttechnischen Verwaltungsdienst. Sie meint der Volksmund, wenn er von Beamten spricht. Und um sie soll es in diesem Bericht gehen.

Aufgabenspektrum reicht von A bis Z

Susanne Aumann (Foto: privat)

Womit ein weiteres Merkmal der Tätigkeit von Verwaltungsbeamten in den Blick rückt. Immerhin scheint die Bandbreite ihrer Einsatzmöglichkeiten schier unbegrenzt. Sie reicht von den Finanzen über die soziale Sicherung bis zum Personalmanagement, von Schule und Bildung über den Wohnungsbau, Sport und Verkehr bis zur Abfallwirtschaft, von der Wirtschaftsförderung über Familie und Gesundheit sowie die Kultur bis zur Durchführung von Wahlen. Bearbeiten diese Beamten in den Sozialämtern Anträge auf Grundsicherung, entscheiden sie im Ausländerreferat über den Aufenthaltsstatus von Flüchtlingen, überwachen sie im Kämmereiamt die Einhaltung des Haushaltes, verfassen sie in der Öffentlichkeitsarbeit Pressemeldungen. Für Susanne Aumann von der Stadtverwaltung Aachen ist es genau diese Aufgabenvielfalt, wegen der sie Beamtin geworden ist. „Ich habe mich“, sagt sie im Rückblick, „in erster Linie eigentlich gar nicht für einen Beruf, sondern für einen Arbeitgeber entschieden.“

Susanne Aumann begann nach ihrem Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen im Sozialamt der Stadt Aachen. Vor einem Jahr wechselte sie ins Ordnungsamt. Es wird nicht ihr letzter Stellentausch gewesen sein. Jobrotation ist ein Muss für jeden Beamten – berufslebenslang! „45 Jahre nicht immer ein und dasselbe machen zu müssen“, sagt die 28Jährige, „empfinde ich als Privileg.“ Philipp Mierzwa sieht das ähnlich. Der Beamte im Regierungspräsidium Darmstadt schloss sein Studium 2013 ab. Anschließend begann er als Sachbearbeiter im Geschäftsbereich Gesundheit/Integration/Ausländerangelegenheiten. Jetzt arbeitet er in der Stabsstelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, wo er für ein Europäisches Informationszentrum zuständig ist. „In einer modernen Gesellschaft“, ist Mierzwa überzeugt, „geht es nicht mehr nur um die Anwendung von Recht, sondern müssen Verwaltungen ihr Handeln zunehmend auch kommunizieren und erklären.“

Vorgänge stets juristisch denken

Die Finanzbehörde Hamburg am Gänsemarkt – Nicht nur architektonisch sehr präsent (Foto: Wikimedia/GeorgHH)

Die Beispiele von Susanne Aumann und Philipp Mierzwa zeigen trotz der Vielfalt der Aufgaben auf ein verbindendes Element in der Tätigkeit von Beamten. Und zwar unabhängig davon, ob ihr Dienstherr, wie der Arbeitgeber eines Beamten noch immer heißt, eine Kommunal-, Länder- oder Bundesverwaltung ist. Die Behörden aller drei Zuständigkeitsebenen sind in der Diktion der Staatsrechtler Exekutivorgane. Was das heißt? Zuerst: Beamte müssen den in Gesetze, Verordnungen oder auch nur einfache Beschlüsse gegossenen politischen Willen des Bundestages, der Länder- und Kommunalparlamente (Kreistage, Stadt- und Gemeinderäte) umsetzen. Damit nehmen sie hoheitliche Aufgaben wahr. Sie genehmigen oder lehnen Anträge von Bürgern etwa für den Bau eines Hauses ab (Antragsverwaltung) und sie sanktionieren rechtswidriges Verhalten wie Falschparken mit Zwangsmitteln etwa in Form eines Bußgeldes (Eingriffsverwaltung).

Hier wie dort, und das ist das zweite Merkmal der Arbeit von Beamten, besteht ihre Tätigkeit in der Rechtsanwendung und begründen sie ihr Handeln stets juristisch. So müssen sie prüfen, ist etwas rechtlich zulässig oder ist es das nicht. Hubert Meyers, als Leitender Verwaltungsdirektor Führungskraft in der Stadtverwaltung Aachen und 2. Bundesvorsitzende der komba Gewerkschaft, bestätigt den juristischen Primat in Beruf und Ausbildung. „Gleichwohl“, betont er, „ist das Selbstverständnis moderner Beamter heute das von Dienstleistern für die Bürger.“ Dass das für Beamte in einer Kommunalverwaltung in stärkerem Maße gilt als für Beamte in einer Länder- oder gar der Bundesverwaltung, bestreitet er indessen nicht. „Meine Entscheidung für eine Kommunalverwaltung gründet vor allem darin, dort täglich Kontakt zu den Bürgern zu haben“, bestätigt Susanne Aumann. Auch wenn es nicht immer zu einer einvernehmlichen Lösung kommt, wie sie gesteht.

Unterschiedliche Anforderungen

Philipp Mierzwa (Foto: privat)

In einer Landesverwaltung ist der Kontakt zum Bürger häufig geringer, auch wenn es wie bei Philipp Mierzwa im Europäischen Informationszentrum doch ebenfalls Aufgabenbereiche mit unmittelbarem Bürgerkontakt gibt. Für die Beamten der Bundesverwaltungen gerinnt der Bürger in aller Regel gar zur abstrakten Größe. Proportional umgekehrt verhält es sich mit der Nähe zur politischen Macht und der Loyalität, zu der Beamte gegenüber ihrem Dienstherren verpflichtet sind. Die ist in einer Bundesverwaltung unzweifelhaft am größten und wird überall mit dem Privileg der Unkündbarkeit sowie dem Versprechen einer lebenslangen Alimentation entlohnt. Eine wichtige Aufgabe der Beamten hier ist die Ausformulierung von Gesetzen und Verordnungen nach dem Willen der jeweiligen politischen Führung. Natürlich stehen bei diesen Dingen Fragen von Macht und Machterhalt stets im Hintergrund. Deshalb verwundert es auch nicht, dass der Verband der Beschäftigten der obersten und oberen Bundesbehörden (VBOB) unsere Anfrage um das Besondere der Arbeit von Beamten in einem Bundesministerium während laufender Koalitionsverhandlungen nicht beantworten mochte. Die offizielle Begründung: Terminnot. Über einen Zeitraum von mehr als acht (!) Wochen.

An dieser Stelle rücken die Herausforderungen des Beamtentums besonders stark ins Blickfeld. Ein Bundesbeamter, der namentlich jedoch nicht genannt werden will, spricht von Leidensfähigkeit, die einem nicht selten abgefordert würde. Dann, wenn zum Beispiel die Führung des Ministeriums im Prozess der Gesetzesformulierung externe Berater statt der eigenen Beamten bevorzuge. Oder politische Zwänge die Sachargumente überlagerten. Es ist offensichtlich, wie sehr diese Entwertung der eigenen fachlichen Kompetenzen schmerzt. Es erklärt zugleich die Ängstlichkeit des VBOB in Zeiten, in denen über die politische Struktur der künftigen Regierung noch nicht entschieden ist. Wie sehr Beamte manchmal vom Wohlwollen ihrer Dienstherren abhängen, zeigt sich besonders am Beispiel der politischen Beamten, also Staatssekretäre und Ministerialdirektoren. Sie kann der Minister bei fehlender Loyalität oder auch nur bloßen sachlichen Meinungsverschiedenheiten von einem Tag auf den anderen in den Ruhestand versetzen. Insider sprechen vom Wohlverhaltenszwang.

Unterschiedliche Karrierewege

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Nürnberg – Im Blickpunkt des öffentlichen Interesses (Foto: Wikimedia/Nico Hofmann)

Wer Beamter werden will, muss neben der Wahl der Verwaltungsebene (Kommunal-, Landes- oder Bundesverwaltung) noch eine weitere Entscheidung treffen. Nämlich die, in welcher Laufbahn er eine Karriere anstrebt. Die Begrifflichkeiten hierfür sind allerdings verwirrend. Wird in einigen Bundesländern vom mittleren, gehobenen und höheren Dienst gesprochen, nennen es andere Laufbahngruppen, Qualifikationsebenen oder Einstiegsämter. Bei genauem Hinsehen sind die Unterschiede da wie dort freilich trotz unterschiedlicher Terminologie eher gering. Für den mittleren Dienst erfolgt die Ausbildung unmittelbar in der Verwaltung. Zugangsvoraussetzung ist ein mittlerer Bildungsabschluss. Beamte dieser Laufbahn werden in der Fachtechnik sowie auf einer Sachbearbeitungsebene ohne Ermessensbefugnis eingesetzt. Auch auf die Beamten des gehobenen Dienstes wartet eine Tätigkeit als Sachbearbeiter, im Unterschied zu ihren Kollegen aus dem mittleren Dienst jedoch mit der Verantwortung zur Ermessensentscheidung.

Die Vorbereitung für eine Funktion im gehobenen Dienst erfolgt durch ein duales Fachhochschulstudium und setzt deswegen das Abitur oder mindestens die Fachhochschulreife voraus. Praktische Ausbildungsabschnitte unmittelbar in der Verwaltung wechseln mit studientheoretischen Semestern an den Fachhochschulen für öffentliche Verwaltung. Als Abschluss wird der Bachelor erworben. Das Studium zeichnet sich durch drei Besonderheiten aus. Zum ersten erhalten die studierenden Beamtenanwärter über die gesamte Studiendauer eine attraktive Ausbildungsvergütung. Der zweite Unterschied besteht in der Verortung der Ausbildung. Bis auf Berlin, Brandenburg, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen (nur Landesverwaltung), deren Beamtennachwuchs sich an öffentlichen Hochschulen einschreibt, unterhalten alle anderen Bundesländer für den Beamtennachwuchs eigene Fachhochschulen. Die sind den Innen- und nicht den Wissenschaftsministerien zugeordnet. Wie zu hören ist, erwägt Sachsen-Anhalt das Outsourcing seiner Ausbildung an die Hochschule Harz in Bälde rückgängig zu machen. Auch Niedersachsen plant die Wiedererrichtung einer internen Fachhochschule für die Landesverwaltung, möchte zugleich aber die parallele Kooperation einer externen Ausbildung mit der Hochschule Osnabrück weiter aufrecht erhalten.

Größter Bedarf im gehobenen Dienst

Paul Witt ist Rektor der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl (Foto: Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl)

Eine Ausnahme bildet Baden-Württemberg mit einer gesplitteten Zuständigkeit. Über die fachlichen Inhalte entscheidet in Stuttgart das Innenministerium. Über das Personal und die Berufungen wacht der Wissenschaftsminister. Die dritte Besonderheit besteht im Zulassungsverfahren. Interessenten müssen ihre Bewerbung nicht an die Hochschule, sondern an die gewünschte Verwaltung richten, die auch über die Auswahl entscheidet. Die Beamten des gehobenen Dienstes bilden als anwendungsorientierte Generalisten mit dem Blick fürs Spezielle das operative Rückgrat aller Verwaltungen. Tatsächlich sind über zwei Fünftel der Beamten Beschäftigte des gehobenen Dienstes. Der Frauenanteil beträgt über die Hälfte. Den höchsten Anteil erreicht er im kommunalen Bereich. Hier sind nahezu zwei Drittel aller Beamten des gehobenen Dienstes Frauen. Diesem Personaltableau entsprechend ist die Zahl der Nachwuchskräfte insbesondere im gehobenen Dienst hoch. Über alle Laufbahnen und Ausbildungsjahre verteilt befinden sich derzeit knapp 110.000 Beamte in der Ausbildung.

Und die wird noch immer von rechtlichen Inhalten geprägt, wenn auch nicht mehr so stark wie in der Vergangenheit. Paul Witt, Rektor der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl, weiß auch warum. „Beamte müssen mehr können als nur die Juristerei“, weiß er mit der Erfahrung von elf Berufsjahren im Regierungspräsidium Freiburg und dem Landratsamt Emmendingen. Eine Vorlage für den Stadtrat müsse schließlich nicht nur juristisch geprüft werden. Es gelte auch, die wirtschaftliche Machbarkeit zu beurteilen. Lehrveranstaltungen zu ausgewählten Themen der Betriebs- und Volkswirtschaft, der Soziologie, Psychologie und Kommunikationswissenschaft sind deshalb seit langem bereits integraler Bestandteil des Studiums. „Dieses breite Fundament erleichtert den Funktionswechsel in hohem Maße“, ist Philipp Mierzwa überzeugt. „Wenngleich es natürlich trotzdem jedes Mal eine fachbezogene Einarbeitung braucht und einige Monate vergehen, bis man die volle Handlungssicherheit erreicht“, sagt der hessische Landesbeamte im gehobenen Dienst.

Höherer Dienst immer noch Domäne von Juristen

Schon die ägyptischen Pharaonen setzten für die Verwaltung ihres Reiches auf Beamte – Hier: Statue des Hemiunu, höchster Beamter des Pharaos Cheops (Foto: Wikimedia/Einsamer Schütze)

Bewerber, die eine Führungs- oder Expertenkarriere an der Spitze einer Verwaltung im höheren Dienst anstreben, müssen über einen Masterabschluss verfügen. Auch die von einer Fachhochschule werden anerkannt. Allerdings nur, wenn der Studiengang über eine Akkreditierung verfügt. Bewerber mit dem zweiten juristischen Staatsexamen steigen direkt on the Job ein. Sie stellen nach wie vor die Mehrheit der Beamten des höheren Dienstes, manche sprechen sogar von einem Juristenmonopol. Absolventen aller anderen Fachrichtungen beginnen mit einem zweijährigen Vorbereitungsdienst. Der Bedarf an entsprechenden Nachwuchskräften ist indessen deutlich geringer als der für den gehobenen Dienst. Mit Ausnahme der Länderverwaltungen ist noch nicht einmal jeder fünfte Beamte Beschäftigter im höheren Dienst. Signifikant auch der niedrigere Frauenanteil. Juristen sollten nach Möglichkeit über ein Prädikatsexamen verfügen. Das ist eine 3+ oder besser.

Wenngleich keine der Verwaltungen genaue Zahlen über das Bewerberaufkommen noch Informationen über die Qualifikationsstruktur der Bewerber veröffentlicht, gibt es für die Bewerber offenkundig doch klare Prioritäten. Bewerber für den gehobenen Dienst bevorzugen kommunale Arbeitgeber, Juristen eher Länder- oder Bundesverwaltungen. Die Gründe dafür sind schnell genannt. Susanne Aumann, die auch über Angebote vom Zoll und der Finanzverwaltung verfügte, erklärt ihre Entscheidung für die Stadtverwaltung Aachen mit der ihr wichtigen örtlichen beruflichen Planungssicherheit. Im Übrigen sei ihr die Nähe zu den Bürgern wichtig und genieße sie es, Menschen ganz unmittelbar helfen zu können. „Das Leben“, sagt sie, „spielt sich nun mal vor Ort in den Städten und Gemeinden ab.“ Eine Versetzung nach Bielefeld hat sie nicht zu befürchten.

Entwicklungsmöglichkeiten bis an die Spitze

Genau die aber haben Beamte in den Länder- und Bundesverwaltungen zu akzeptieren, und zwar ohne Wenn und Aber. Juristen scheint das in geringerem Maße zu schrecken. Immerhin sind sie während Studium und Referendariat in aller Regel bereits mehrfach umgezogen. Im Übrigen kommt ihnen die Aufgabenstellung einer Länder- oder Bundesverwaltung, wo es weniger um Einzelfalllösungen, sondern bevorzugt um die Normierung allgemeingültiger Regeln für das gesellschaftliche Zusammenleben geht, stark entgegen. Es entspricht weitgehend dem in Studium und Vorbereitungsdienst Gelerntem. Freilich können auch Beamte des gehobenen Dienstes in den höheren Dienst aufsteigen. Hubert Meyers ist dafür bestes Beispiel. Er begann vor über vierzig Jahren ganz unten im mittleren Dienst. Heute ist er Leitender Verwaltungsdirektor und damit in der höchsten Gehaltsstufe des höheren Dienstes angekommen.

Hubert Meyers (Foto: Eduard N. Fiegel)

„Die an objektiven Parametern ausgerichtete und gegebenenfalls durch eine sogenannte Konkurrentenklage gerichtlich überprüfbare Bestenauslese gibt es so nur in staatlichen Verwaltungen“, blickt Meyers stolz auf seinen Werdegang zurück. Auch wenn es viele Stammtische nicht glauben wollen, die Karriere eines Beamten hängt zuallererst von Leistung und Einsatzbereitschaft ab. Aber natürlich auch davon, wie der Vorgesetzte das eine wie das andere definiert. Susanne Aumann hat vor kurzem berufsbegleitend ein dreijähriges Masterstudium Public Administration abgeschlossen. Bei    Philipp Mierzwa wird es erst im Herbst so weit sein. Und die Aachenerin Aumann hat schon den nächsten Schritt getan. Kurz vor Weihnachten erhielt sie auf ihre Bewerbung für das Führungsnachwuchsprogramm  grünes Licht. Achtzehn Monate wird das dauern. Dann stehen ihr alle Türen einer Beamtenkarriere offen. Aber geschenkt wird dem Beamtennachwuchs nichts. „Zehn Prozent unserer Studenten erreichen das Ziel nicht“, weist Rektor Paul Witt auf die hohen Anforderungen der Ausbildung.

Persönlichkeit mit Fachkompetenz

Die hohen Qualitätsansprüche waren wohl auch der Grund, weswegen sich Innenminister Thomas de Maizière am Ende einem Beschluss der Koalitionspartner von 2013 widersetzte. Dort hatten CDU und SPD vereinbart, dass zukünftig ein Bachelorabschluss bei Vorliegen mehrerer Jahre Berufserfahrung als Eintrittsbillet für den höheren Dienst ausreichen sollte. Daraus wurde nichts, bislang jedenfalls. Soweit zu den formalen Dingen. Doch aus welchem Holz müssen Beamte geschnitzt sein, die in ihrem Beruf erfolgreich und glücklich werden wollen? „Für eine der wichtigsten Voraussetzungen halte ich Neugier“, ist Paul Witt überzeugt. Deshalb auch müssen seine beamteten Studenten mindestens einen fachpraktischen Studienabschnitt in einem anderen Bundesland, im Ausland oder in einem Wirtschaftsunternehmen absolvieren. „Wir möchten, dass Beamte trotz eines mitunter engen Gestaltungsspielraums fähig sind, über den Tellerrand zu schauen.“ Susanne Aumann nennt weitere Aspekte. Weit oben Zuverlässigkeit, die Fähigkeiten zum Umgang mit ganz unterschiedlichen Menschen, eine gute organisatorische Begabung, Frustrationsresistenz.

Das Bundesministerium der Verteidigung ist das Ministerium mit den meisten Beschäftigten (Foto: Wikimedia/Jcornelius)

Ganz wichtig seien auch die Bereitschaft zum sozialen Engagement, egal ob in der Kirchengemeinde, dem Sportverein oder einer politischen Partei. Nicht von ungefähr ist sie, wie Philipp Mierzwa auch, gewerkschaftlich organisiert. Sie in der Bundesjugendleitung der komba gewerkschaft, ihr hessischer Kollege als Landesjugendleiter der Deutschen Verwaltungsgewerkschaft (DVG) in Hessen. Sind noch zwei Dinge zu erwähnen. Bei aller Zielorientierung zählt auch Toleranzfähigkeit zu den Kompetenzen, über die Beamte verfügen sollten. Die Bürger müssen schließlich spüren, dass die Beamten sie und ihre Anliegen trotz unterschiedlicher Meinung in der Sache und hoheitlicher Befugnisse ernst nehmen. „Wir sind für die Bürger da“, fasst es Hubert Meyers treffend zusammen, „niemals ist es umgekehrt.“ Zum guten Schluss müssen sich Beamte in großen Einheiten bewegen können. Schon die Stadtverwaltung Aachen zählt knapp 5.000 Beschäftigte. Bei der nordrhein-westfälischen Landesverwaltung sind es 332.000. Das ist das Personalniveau eines internationalen Großkonzerns. Da sind die Bereitschaft und der Wille zur Zusammenarbeit auch mit unbekannten Kollegen überlebenswichtig.

 


Daten, Fakten & Links
(Stand:15.12.2017)
Quelle: Statistisches Bundesamt

 Berufstätige Verwaltungsbeamte: Die folgenden Daten beziehen sich auf Beschäftigte und Beamte in den sogenannten Allgemeinen Diensten der dem Kernbereich zugeordneten unmittelbaren Verwaltungen des Bundes, der Länder und Kommunen.

Zuständigkeit Beschäftigte
gesamt Beamte (Anteil an allen Beschäftigten in Prozent)
Bundesverwaltung *) 224.135 126.035 (56 %)
Landesverwaltungen 736.250 535.605 (73 %)
Kommunalverwaltungen 451.345 116.655 (26 %)

*) ohne Bundeswehr

 

Zuständigkeit Anteil der Beamten in ausgewählten Laufbahnen auf die Gesamtzahl aller Beamten (in Prozent)
gehobener Dienst Frauenanteil höherer     Dienst Frauenanteil
Bundesverwaltung*) 36 % 32 % 13 % 36 %
Länderverwaltungen 44 % 56 % 35 % 57 %
Kommunalverwaltungen 44 % 61 % 18 % 32 %

*) einschließlich Bundeswehr (die Bundeswehr verfügt im Vergleich zur übrigen Verwaltung traditionell über nur wenige Stellen im gehobenen und noch weniger im höheren Dienst, was die vorliegenden Ergebnisse stark beeinflusst)

Eine Übersicht über alle Beschäftigten im Öffentlichen findet sich unter: https://www.dbb.de/fileadmin/pdfs/2018/zdf_2018.pdf.

Altersstruktur berufstätiger Verwaltungsbeamter: Differenzierte Daten zur Altersstruktur von Beamten liegen nicht vor. Die folgenden Angaben beziehen sich auf alle Beschäftigte (inklusive Angestellte und Arbeiter) in den Allgemeinen Diensten der Verwaltungen von Bund, Ländern und Kommunen.

  • unter 25 Jahre:   8 %
  • 25 – 35 Jahre:  20 %
  • 35 – 45 Jahre:  19 %
  • 45 – 55 Jahre:  29 %
  • 55 – 60 Jahre:  15 %
  • über 60 Jahre:   9 %

Arbeitslose Beamte: Beamte können aufgrund ihres besonderen Beschäftigungsverhältnisses nicht gekündigt und damit auch nicht arbeitslos werden. Über die Zahl der Beamten, die nach Ende ihrer Ausbildung nicht in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit übernommen werden, liegen keine Daten vor.

Einkommen: Das Einkommen eines Beamten richtet sich nach Besoldungsstufe, Dienstalter und Familienstand. Bei den folgenden Daten handelt es sich um Durchschnittsangaben des Bruttoeinkommens für Berufsanfänger.

Besoldungsgruppe Bundesverwaltung Länderverwaltungen Kommunale Verwaltungen
A 9 (gehobener Dienst) 3.550 € 3.090 € 3.120 €
A 13 (höherer Dienst) 5.040 € 4.150 € 4.650 €

Die Bezüge für auszubildende Beamte des gehobenen Dienstes belaufen sich mit geringen Abweichungen zwischen Bundes-, Länder- und Kommunalverwaltungen auf durchschnittlich 1.250 € brutto.
Die Bezüge für auszubildende Beamte des höheren Dienstes im Vorbereitungsdienst belaufen sich mit geringen Abweichungen zwischen Bundes-, Länder- und Kommunalverwaltungen auf durchschnittlich 1.450 € brutto.

Ausbildungs-/Studienmöglichkeiten:

  • gehobener Dienst:   Der Zugang zum gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst erfolgt über ein dreijähriges duales Studium an einer verwaltungsinternen (Fach)Hochschule, das mit dem Bachelor oder einem Diplom abschließt. Über die Zulassung zum Studium an den verwaltungsinternen Hochschulen entscheiden die jeweiligen Verwaltungen, die auch die Verantwortung für die praktischen Ausbildungsabschnitte tragen. Lediglich die Bundesländer Berlin, Brandenburg, Hamburg und Sachsen-Anhalt haben die Ausbildung externalisiert und erfolgt das Studium an öffentlichen Hochschulen.
  • höherer Dienst:  Voraussetzung für die Einstellung in den höheren nichttechnischen Verwaltungsdienst ist ein mit dem Master abgeschlossenes Studium der Rechts-, Verwaltungs-, Staats- oder Wirtschaftswissenschaften. Dann erfolgt der Einstieg über einen Vorbereitungsdienst von mindestens 18, mehrheitlich aber 24 Monaten Dauer. Für Juristen mit dem zweiten Staatsexamen verkürzt sich diese Zeit.

 

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