Trainer/Übungsleiter – Zwischen Hingabe und Besessenheit

Von Hans-Martin Barthold | 15. November 2017

Werden die einen wie Popstars gefeiert, sind die anderen nur einer Handvoll Insidern bekannt. Besitzen die Heroes Millionenverträge, verdienen die Namenlosen sogar mit mehreren Jobs gleichzeitig meist weniger als ein Oberstudienrat. Die Welt der Trainer ist so vielfältig wie die Pflanzen auf einer blühenden Sommerwiese zahlreich. Ihr Job folgt in stark kommerzialisierten Sportarten wie Fußball, Handball, Basketball oder Eishockey anderen Regeln als in den klassischen Amateurdisziplinen Turnen, Leichtathletik oder Schwimmen. Ebenso wie sich die Anforderungen im Hochleistungssektor von denen im Nachwuchsbereich unterscheiden. Noch anders sieht die Welt der Übungsleiter im Breitensport aus. Geht es bei ihnen um Spaß und Gesundheit, entscheidet sich das Schicksal der Trainer an messbaren Leistungen, also Siegen, Medaillen und Rekorden. Bleibt der Erfolg aus, droht ihnen schnell die scheinbar unvermeidliche Entlassung.

Die 1. Vorsitzende des Berufsverbandes der Trainer/innen im deutschen Sport - Dafni Bouzikou (Foto: privat)

Die 1. Vorsitzende des Berufsverbandes der Trainer/innen im deutschen Sport – Dafni Bouzikou (Foto: privat)

Aber der Job gibt denen, die ihn ausüben, auch viel. Bei Siegen den Himmel auf Erden, im Alltag die Befriedigung, aus eigener Kraft etwas aufbauen zu können. „Du arbeitest sehr selbständig“, beschreibt es Dafni Bouzikou, die 1. Vorsitzende des Berufsverbandes der Trainer/innen im deutschen Sport (BVTDS). Über zehn Jahre lang arbeitete sie als Co-Trainerin bei der bekannten Männermannschaft in der Basketballbundesliga, den Frankfurt Skyliners. „Du kannst etwas nach deinen Ideen kreieren. Mehr noch kannst du die Ergebnisse sofort am nächsten Spieltag sehen.“ Und meint damit das Beobachten und Analysieren des gegnerischen Teams, die Entwicklung einer erfolgversprechenden Strategie und das Coachen der eigenen Mannschaft während des Spiels, am Ende das Ergebnis mit Sieg oder Niederlage. Doch hat das alles seinen Preis. Zeit fürs Private, Zeit für Partnerschaft, gar für Kinder, Zeit, einfach einmal abschalten zu können, bleibt kaum.

Große Gestaltungsmöglichkeiten

Während die Lizenz von Übungsleitern eine allgemeingültige ist, befähigt der Trainerschein stets nur zur Tätigkeit in einer spezifischen Sportart. Um als Übungsleiter oder Trainer arbeiten zu können, bedürfen die einen wie die anderen einer Lizenz. Die sind in beiden Bereichen aufsteigend in verschiedene Qualifikationsstufen unterteilt. Bei den Trainern wird zusätzlich zwischen einer Arbeit im Leistungs- und der im Breitensport unterschieden. Es beginnt jeweils mit der Lizenzstufe C für die Einstiegsebene. Bei den Übungsleitern ist die B-Lizenz (mittlere Ebene) auch schon die oberste Stufe. Sie ist differenziert nach Breitensport, Sport in der Prävention und Sport in der Rehabilitation. Bei den Trainern geht es bis zur Lizenzstufe A. Im Leistungssport kommt mit dem Diplom-Trainer, im Fußball dem Fußballlehrer, eine letzte Qualifikation hinzu. Die Ausbildungen dafür  erfolgen an der Trainerakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), im Fußball an der Deutschen Sporthochschule, beide in Köln. Auch wenn nur einer von zehn Trainern und Übungsleitern seinen Job hauptberuflich ausübt, bilden diese professionell tätigen Lizenzinhaber aber mit knapp 48.000 Männern und Frauen eine stattliche Berufsgruppe.

Nicht aufgeben, an die eigenen Stärken glauben - Michael Krüger an der Seitenlinie von Alemannia Aachen (Foto: privat)

Nicht aufgeben, an die eigenen Stärken glauben – Michael Krüger an der Seitenlinie von Alemannia Aachen (Foto: privat)

Alle Trainer- und Übungsleiterlizenzen werden von den Spitzenfachverbänden vergeben, setzen entsprechende Lehrgänge und eine erfolgreiche Prüfung voraus. Ein bestimmter Schulabschluss wird nirgendwo gefordert. Die Zulassung zum Ausbildungsgang der Trainer-A-Lizenz im Leistungssport wird jedoch zwingend von einer Empfehlung des zuständigen Landesfachverbandes abhängig gemacht. Schließlich müssen die Lizenzen in den einzelnen Fachverbänden unterschiedlich in einem Korridor von zwei bis vier Jahren verlängert werden, was die Teilnahme an entsprechenden Fortbildungsveranstaltungen voraussetzt. Für den beruflichen Alltag rückt freilich etwas in den Vordergrund, das in keinem Lehrgang vermittelt werden kann. „Trainer“, ist der Fußballlehrer Michael Krüger nach 35 Berufsjahren überzeugt, „müssen Persönlichkeit besitzen und Zuversicht ausstrahlen.“ Der Trainerberuf ist kein nine-to-five-job. Er fordert den ganzen Mann und die ganze Frau. Er fordert die totale Hingabe.

Ganz oder gar nicht

Ralf Hasenhüttl, Trainer des Fußballklubs RB Leipzig, in der letzten Saison Vizemeister hinter Bayern München, formulierte es vor wenigen Wochen im Sportinformationsdienst (sid) so: „Der Trainerjob ist derart aufwendig, dass du unter der Woche kaum Zeit für die Familie hast. Für den Erfolg opfere ich praktisch mein Privatleben.“ Dafni Bouzikou kennt das auch. Nicht nur einmal rief der Cheftrainer mitten in der Nacht bei ihr an und bat sie ohne Aufschub um die Einschätzung einer Videosequenz des letzten Spiels. „Da kam es dann schon mal vor, dass ich gerade mein Kind stillte, in der einen Hand das Handy und in der anderen die Fernbedienung für den Videorecorder.“ Sie beschreibt das nicht anklagend. Sie schildert lediglich, wie der Trainerjob einen Menschen in Beschlag nimmt. „Da ist im Kopf für nichts anderes mehr Platz.“ Eine 40-Stundenwoche kennen Trainer allenfalls vom Hörensagen. Obgleich nicht in dieser extremen Form, so weiß doch auch Ulrike Nasse-Meyfarth um solche Ansprüche.

Ulrike Nasse Meyfarth - Konzentriert wie eh und je (Foto: Wikimedia/Petra Klawikowski)

Ulrike Nasse Meyfarth – Konzentriert wie eh und je (Foto: Wikimedia/Petra Klawikowski)

„Als Trainer“, sagt die Olympiasiegerin im Hochsprung von 1972 und 1984, „musst du für deine Schützlinge den ganzen Tag über verfügbar sein und für alles eine Lösung haben.“ Sie selbst lag nach einer Verletzung mehrere Tage im Gästezimmer ihres damaligen Coaches. „Ich hätte sonst nicht gewusst, wohin ich sollte.“ Dazu kommen die Wettkämpfe an den Wochenenden verbunden mit vielen Reisen. Die führen in manchen Sportarten wie Badminton nicht nur in die nächste Nachbarstadt, sondern oft sogar bis nach Asien. Nasse-Meyfarth arbeitet heute in ihrem alten Verein Bayer Leverkusen 04 als Nachwuchstrainerin. Ein großer Teil ihrer Arbeit ist Elternarbeit. „Nur darüber gewinne ich Zugang zu den Kindern und Jugendlichen.“ Die Leistung steht hier nicht im Vordergrund. „Mein Ziel ist es, Spaß an der Bewegung zu vermitteln. An eine spätere Karriere als Leistungssportler verschwenden die Kiddies zu diesem Zeitpunkt noch keine Gedanken.“

Führen wichtiger als trainieren

Was aber unterscheidet einen guten von einem nur durchschnittlichen Trainer? „Der gute Trainer hat ein Auge für den Athleten und erkennt, was der in einem bestimmten Moment gerade braucht“, beantwortet Ulrike Nasse-Meyfarth meine Frage. Und weiß genau, wovon sie spricht. Den ersten Olympiasieg gewann sie mit der Unbeschwertheit einer 16-Jährigen. Sie hatte lediglich drei Tage in der Woche trainiert. Vier Jahre später bei den Olympischen Spielen in Montreal dann das Erdbeben. Die Titelverteidigerin schied sang- und klanglos schon in den Vorwettkämpfen aus. Sie war am Boden zerstört. Sie war verzweifelt. Sie wechselte den Trainer. Der neue empfahl ihr einen Zweistufenplan. Stufe eins: viel Training, Stufe zwei: sehr viel Training. Zum ersten Mal begann Ulrike Nasse-Meyfarth zu kämpfen. Sie lernte, sich selbst zu überwinden. Mit Erfolg. 1984 in Los Angelos gewann sie zum zweiten Mal Gold. „Diesen Sieg“, sagt sie im Rückblick, „hatte ich mir hart erarbeitet.“ Ihr Trainer, Gerd Osenberg, in der deutschen Leichtathletik einer der großen, hatte schnell erfasst, was notwendig war.

Und immer wieder werden die gleichen Abläufe geübt (Foto: Wikimedia/ US Navy, ID 070214-N-8483H-001)

Und immer wieder werden die gleichen Abläufe geübt (Foto: Wikimedia/ US Navy, ID 070214-N-8483H-001)

Das, was viele am Trainerberuf fasziniert, ist dessen gestalterische Freiheit. Tatsächlich haben vor allem Cheftrainer eine beinahe unbegrenzte Entscheidungsmacht, allerdings nur so lange ihre Mannschaften und Athleten siegen. Bleibt der Erfolg jedoch aus, und sei es aus Gründen, die der Trainer gar nicht beeinflussen kann, kommt es regelmäßig zur Trennung. Michael Krüger hat das auf seinen 23 Trainerstationen in Deutschland, Ägypten, dem Sudan und in Äthiopien trotz Pokalsiegen und Meisterschaften mehrfach erlebt. „Der Trainerberuf ist ein Risikojob“, sagt er. „Aber das weiß jeder, der sich darauf einlässt.“ Dennoch tun Entlassungen weh und nagen am Selbstbewusstsein. Auch wenn das kaum einer zugibt, denn als Trainer muss man stark sein, im Profisport ganz besonders. Schließlich ist der Trainerberuf ein Führungsjob. „Eine Mannschaft zu trainieren, ist nicht das große Ding“, formuliert es Krüger salopp, „eine Mannschaft zu formen und zu führen umso mehr.“

Glaubwürdig kommunizieren

Tatsächlich gilt es nicht bloß, Kondition und Technik jedes einzelnen zu optimieren und Bewegungsabläufe wie Spielzüge zu automatisieren. Wichtiger noch als die Trainingsmethodik, es müssen Rollen und Hierarchien festgelegt sowie die Spieler, die nicht auflaufen können, bei der Stange gehalten werden. „Das Problem eines Trainers sind nicht die Stars, deren Leistungen unbefriedigend sind“, bringt es Dafni Bouzikou, die heute als Supervisorin und Sportpsychologin arbeitet, auf den Punkt. „Das Problem sind die Spieler, die nicht zum Einsatz kommen.“ Das gilt in der Kreisklasse wie in der Bundesliga. Dort aber ganz besonders. „Denn um ganz oben mitmischen zu können“, erklärt Krüger, der in der ersten und zweiten Bundesliga unter anderem Hannover 96, Eintracht Braunschweig und Alemannia Aachen betreute, „brauchst du heute einen großen Kader.“ Wie Führungskräfte in der Wirtschaft benötigen Trainer deshalb überdurchschnittliche kommunikative Fähigkeiten. Genauso wichtig, sie sollten glaubwürdig sein. „Spieler müssen ihrem Trainer vertrauen können“, so noch einmal Michael Krüger. Hockey-Trainer Johannes Schmitz bestätigt das. „Ein Trainer muss den Spielern gegenüber ehrlich sein, auch dann, wenn es notwendig wird, ihnen zu sagen, dass es (noch) nicht reicht.“

Hockey-Trainer Johannes Schmitz (Foto: Hockey Pictures/Barbara Förster)

Hockey-Trainer Johannes Schmitz (Foto: Hockey Pictures/Barbara Förster)

Johannes Schmitz spielte bis zum letzten Jahr beim HTC Mülheim. Der Klub ist mehrfacher deutscher Hockeymeister. Jetzt hat der BWL-Student die Seiten gewechselt und ist in die Trainerrolle geschlüpft. Im Westdeutschen Hockeyverband betreut er den Nachwuchs der U-16, national ist er zuständig für die U18-Auswahl. In beiden Funktionen muss er freilich nicht nur das ständige Gespräch mit den Spielern, sondern auch mit seinen Trainerkollegen in den Vereinen und Landesverbänden suchen. Seine Aufgaben unterscheiden sich aber auch in vielem anderen von denen der Vereinstrainer, denn die Spieler, die Johannes Schmitz beruft, sind bereits fertig ausgebildet. „Denen muss ich deshalb nicht mehr das Stoppen und Passen beibringen“, erklärt er. „Meine Aufgaben bestehen vor allem darin, die Spielerpersönlichkeit zu formen und die Rollen im Mannschaftsgefüge festzulegen.“ Sein Vorteil, er kann sich zu jeder Zeit immer die besten aussuchen.

Unterschiedliche Akzente bei Vereinen und Verbänden

Die Begründung dafür ist ebenso einfach wie einleuchtend. Trainer von Auswahlmannschaften sind weder an Spielzeiten noch Wechsel- und Transferfristen gebunden. Ihre Terminkalender werden von Ländervergleichen, Turnieren, regionalen und Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spielen bestimmt. Die Planungen richten sich deswegen nicht nur auf das nächste Spiel am kommenden Wochenende, sondern sind längerfristig angelegt. Müssen Vereinstrainer, wie Dafni Bouzikou und Michael Krüger es waren und Ulrike Nasse-Meyfarth es noch immer ist, mit den Spielern arbeiten, die sie vorfinden, stehen Verbandstrainern stets die Besten zur Verfügung. Hat die Saison erst einmal begonnen, ist die Verbindung von Spielern, Athleten und Vereinstrainern wie die von siamesischen Zwillingen. Bis zum Saisonende bilden sie eine Zwangsgemeinschaft. Das bedeutet im Umkehrschluss aber die Gelegenheit zur täglichen  intensiven Zusammenarbeit. Jeder kennt jeden mit seinen Stärken und Schwächen. Es ist wie in einer Familie.

Turnen – Manchmal muss der Trainer auch selbst Hand anlegen (Foto: Wikimedia/Nevit Dilmen)

Turnen – Manchmal muss der Trainer auch selbst Hand anlegen (Foto: Wikimedia/Nevit Dilmen)

Verbandstrainern wie Johannes Schmitz verbleiben für das Training stattdessen nur schmale Zeitfenster. Was er freilich mit seinen Vereinskollegen teilt, ist der ewige Zeitdruck, unter dem alle Trainer stehen. Lange auf den Erfolg warten mögen nämlich weder die Vereins- oder Verbandspräsidenten noch die Fans. Und auch Sponsoren wie Werbepartner haben sich bislang nur selten durch Geduld ausgezeichnet. Das gilt in abgewandelter Form auch für den Amateurbereich. Jedenfalls ist die Drohung vom Bundesinnenminister noch lange nicht verhallt. Der will den Fachverbänden, die hinter den vorgegebenen Medaillenzielen zurückbleiben, in Zukunft die Sportförderung drastisch beschneiden. An dieser Stelle zeigt sich die Schattenseite des Trainerberufs. Tatsächlich sind sie hier wie dort das schwächste Glied in der Kette. Dabei weiß kaum einer besser als die Trainer, dass man gerade auch im Sport Beharrlichkeit und Kontinuität braucht. Spielerpersönlichkeiten benötigen Zeit zum Wachsen. Auch wenn man jeden Tag an den Grashalmen zieht, wächst der Rasen deswegen nicht schneller.

Stallgeruch ist wichtig

Bleibt eine weitere Frage. Sollten Trainer über eigene Erfahrungen als Leistungssportler verfügen? Die Antwort aller meiner Gesprächspartner ist ein einhelliges Ja, allerdings mit der Ergänzung, dass Erfahrung alleine noch niemanden zu einem guten Trainer machen. Man müsse auch nicht auf Champions League-Niveau gespielt haben oder in der Diamond League gestartet sein. Was für sie das Normalste der Welt ist und warum sie es deshalb nicht zum Thema erheben, sind die Fähigkeiten, die ein Leistungssportler erwirbt und ohne die auch ein Trainer nicht auskommt: vor allem die sozialen Kompetenzen und das Siegen wollen. Es gehe einfach um das Erleben, wie die Sportart funktioniert, und die Akzeptanz, die die Spieler einem solchen Trainer entgegenbringen. Auch wächst man so organisch in die Netzwerke, die für die Jobsuche hohe Bedeutung haben. Im Übrigen wird die Qualität der Trainerausbildungen als gut beurteilt, auch im internationalen Vergleich. „Die Lizenz ist aber nur die Eintrittskarte“, sagt Michael Krüger. „Wie beim Führerschein braucht man dann viel Praxis.“ Dass die Lizenzen keine staatlichen Berufsabschlüsse sind und deshalb bei einer eventuellen Berufsunfähigkeit keine Versicherungsleistungen auslösen, sei nur am Rande vermerkt.

Enge Ballführung – Übung unter dem kritischen Blick des Trainers (Foto: Wikimedia/Pierre Eyves Beaudouin)

Enge Ballführung – Übung unter dem kritischen Blick des Trainers (Foto: Wikimedia/Pierre Eyves Beaudouin)

Ausbildungsdefizite sieht Dafni Bouzikou an anderer Stelle. „Trainer sind in weiten Teilen ihrer Arbeit Konfliktmanager“, so ihre Begründung. „Darauf werden sie noch immer nicht ausreichend vorbereitet.“ Und auf die Rolle als Motivator? „Dieser Aspekt wird überbewertet“, ist Michael Krüger überzeugt. Seine Begründung: „Wer im Leistungssport motiviert werden muss, der hat die falsche Branche gewählt.“ Je exponierter die Stellung, umso wichtiger wird indessen eine professionelle Medienkompetenz. Schließlich ist Sport seit je ein öffentliches und Medienereignis. Als Trainer muss man zu guter Letzt die Gratwanderung beherrschen lernen, trotz vieler Einflüsterungen von da und von dort seinen Weg zu gehen. Freilich ohne zum kauzigen Einzelgänger zu werden. Schließlich müssen Trainer heute nicht nur ihre Mannschaft führen, sondern auch ein Team von ihnen zuarbeitenden Spezialisten – im Fußball neben den Co- und Torwarttainern die Trainer für Fitness und Athletik, die Rehabilitationstrainer, die Spielbeobachter, die Videoanalysten, die Ernährungsberater, die Physiotherapeuten und Ärzte, die Mentalcoaches.

Trainer und Erzieher

Den Trainern und Übungsleitern im Breitensport stehen solche üppigen Ressourcen nur in den seltensten Fällen zur Verfügung. Sie müssen mit weniger auskommen. Ihre Ergebnisse können sich trotzdem sehen lassen. Jörg Meyer ist ein Beispiel dafür. Beim TV Jahn Wolfsburg hat er, durchaus typisch für die Gilde der Übungsleiter, gleich mehrere Hüte auf. Der studierte Sportmanager arbeitet in einem der mitgliederstärksten Sportvereine Niedersachsens als Assistent der Geschäftsführung, ist als Trainer mit C-Lizenz für mehrere Basketballjugendmannschaften in den obersten Ligen des Landes verantwortlich und betreut darüber hinaus als Übungsleiter Gruppen im Freizeitbereich. „Für die Jugendmannschaften entwickele ich Trainingspläne, die sich über die gesamte Saison erstrecken“, erzählt er. „Als Übungsleiter agiere ich eher spontan. Meine Aufgabe hier ist vor allem eine erzieherische.“ Die Kinder in diesen Gruppen, bedeutet er, kommen nicht selten aus Brennpunktschulen und sozial schwierigen Verhältnissen. „Über den Sport wollen wir ihnen Kompetenzen vermitteln, die sie auch im Leben draußen erfolgreich sein lassen.“

Taktikschulung (Handball) – Eine Mannschaft muss als Team funktionieren (Foto: Wikimedia/Kuebi)

Taktikschulung (Handball) – Eine Mannschaft muss als Team funktionieren (Foto: Wikimedia/Kuebi)

Ulrike Nasse-Meyfarth formuliert das Gleiche so: „Sport ist Teil der körperlichen Ausbildung und der charakterlichen Erziehung.“ Doch gehe es dabei nicht um Spitzenergebnisse und Rekorde. Nein, sportlicher Wettbewerb habe einen Wert an sich. Den Übungsleitern und Trainern fällt dabei eine wichtige Rolle zu. „Sie führen das ich-bezogene Individuum zum wir eines Teams“, beschreibt es Dafni Bouzikou. Und bei aller Leidenschaft, die Trainer besitzen (müssen), ist sie überzeugt, sollten sie im Sportler immer den Menschen sehen und dessen Leben nach dem Sport. „Vor allem in den Amateursportarten“, weist Johannes Schmitz auf einen wichtigen Punkt, „liegt am Karriereende nicht viel Geld auf der hohen Kante. Deshalb achten wir sehr auf die Berufsausbildung unserer Spieler.“ Ihre eigene Karriere können Trainer freilich kaum planen. Befristete Arbeitsverträge sind das Normale. Warum lieben Trainer ihren Beruf dennoch? Weil er Erfolg, Freude, Niederlage, Spannung, Frust, Teamwork, Kampf, Grenzerlebnis, Zweifel und Hoffnung, weil er ein Abenteuer ist! Ein Abenteuer, das allerdings gar nicht wenige lange vor der Rente beenden und in einen anderen Beruf wechseln.

 


Daten, Fakten & Links
(Stand:01.10.2017)

Berufstätige Trainer/Übungsleiter:
Quellen: DOSB, DOSB-Trainerakademie, DFB. Die Zahlen stammen aus 2014.
Hinweise: Nicht alle Lizenzinhaber üben auch eine Trainer-/Übungsleiterfunktion aus. Die Spitzenfachverbände vergeben insbesondere für ihre Leistungsligen den Diplom-Trainern/Fußballlehrern entsprechende Qualifikationsnachweise in eigener Verantwortung.

Lizenzinhaber (2014)
Lizenz gesamt männlich weiblich Geschlecht nicht erfasst
Diplom-Trainer 1.322 (Gesamtzahl der seit 1974 vergebenen Abschlüsse) k.A k.A.
Fußballlehrer 890 (2016) k.A. k.A.
Trainer – A (Leistungssport) 11.772 9.131 1.538 1.103
Trainer – B (Leistungssport) 30.982 17.622 4.881 8.479
Trainer – C (Leistungssport) 127.669 69.303 28.629 29.737
Trainer – A (Breitensport) 912 760 122 30
Trainer – B (Breitensport) 7.229 4.948 2.153 128
Trainer – C (Breitensport) 123.652 71.257 43.827 8.568
Übungsleiter – B (Breitensport) 13.129 1.238 11.891 0
Übungsleiter – B (Prävention) 41.760 8.600 31.945 1.215
Übungsleiter – B (Rehabilitation) 44.670 13.696 30.511 463
Übungsleiter – C 181.204 54.332 96.942 29.930
Neu erworbene Lizenzen/Qualifikationen (2014)
Lizenz gesamt männlich weiblich Geschlecht nicht erfasst
Diplom-Trainer 28 (2016) ca. 88 % ca. 12 %
Fußballlehrer 25 (2017) 24 1
Trainer – A (Leistungssport) 697 534 136 27
Trainer – B (Leistungssport) 1.926 1.376 507 43
Trainer – C (Leistungssport) 7.994 5.374 2.417 203
Trainer – A (Breitensport) 196 168 28 0
Trainer – B (Breitensport) 1.149 773 372 4
Trainer – C (Breitensport) 11.664 7.914 3.526 224
Übungsleiter – B (Breitensport) 1.590 195 1.395 0
Übungsleiter – B (Prävention) 3.022 868 2.068 86
Übungsleiter – B (Rehabilitation) 5.420 1.621 3.736 63
Übungsleiter – C 14.265 5.816 8.156 293

Arbeitslose Trainer/Übungsleiter: keine Angaben verfügbar.

Ausbildung: Sportvereine und –verbände machen die Anstellung von Trainern meist abhängig vom Nachweis einer entsprechenden Lizenz. Zum Erwerb dieser Lizenzen bieten die Verbände Seminare an, die mit einer Prüfung abschließen. Die Lizenzen sind keine staatlich anerkannten Berufsabschlüsse.

Einkommen: große Bandbreite; abhängig von Funktion, Verein und Fachverband. Das durchschnittliche Nettoeinkommen von Bundestrainern erreicht nach Informationen der Deutschen Sporthochschule Köln 2.960 Euro.

Weiterführende Informationen:
https://berufenet.arbeitsagentur.de

 

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