Tobit Software AG – Ein Hauch vom Silicon Valley im Münsterland

Von Ullrich Löser | 15. Mai 2018

Gründer und Geschäfstführer Tobias Groten (Foto: Tobit)

Es ist Karnevalsdienstag und ich habe den Zug gewählt. Mein Ziel ist Ahaus, eine friedliche Kleinstadt im Münsterland, nicht weit von der niederländischen Grenze entfernt. Karneval ist hier nicht, aber in der Innenstadt doch schon Betrieb am Morgen. Die  Cafes sind gut besucht. Es wird gefrühstückt. Ein Blick auf die ungewöhnlichste Kirche, die ich seit langem gesehen habe. Ein Betonklotz an den Kirchturm angebaut. Aber innendrin beeindruckend. Der Chef des Taxi-Unternehmens bringt mich zur Tobit Software AG. Mit dessen Chef, Tobias Groten, ist er gemeinsam zur Schule gegangen. „Ein echter Ahauser“ erzählt er, „hat viel für die Stadt getan und macht es immer noch.“ Nach wenigen Minuten stehe ich vor einem imposanten Gebäude in Stahlgrau mit einer Glaswand. Ein „info display“ im Eingangsbereich zeigt alle Aktivitäten und Events des Tages an, auch meinen Besuch.

Die Innenarchitektur verrät Geschmack – alle Wände in Silber und Schwarz, das Licht blau. Direkt im Eingang ein Bistro. Später erfahre ich, dass alle Mitarbeiter während der Arbeitszeit hier kostenlos essen und trinken dürfen! Aber jetzt bringt mich die Mitarbeiterin des Empfangs  zum Meetingroom M 2. Nach wenigen Minuten sind auch meine Gesprächspartner da. Der Umgangston ist locker, man bevorzugt das Du. Dieter von Ackern hat  BWL mit dem Schwerpunkt Marketing in Münster bei Prof. Meffert studiert. Erster Job in einer Agentur in Lüdinghausen, dann zu Tobit und jetzt Manager Marketing Communication. Der zweite ist Peter Sommer. Nach 8 Jahren Bundeswehr studierte auch er BWL mit Schwerpunkt Marketing. Jetzt leitet er das tobit.labs-visitor-center.

Digitalisierung schafft volle Auftragsbücher

Peter Sommer leitet das labs-visitor-center (Foto: Tobit)

Die Tobit Software, von allen nur Tobit genannt, ist eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft. Das, was die Mitarbeiter vor allem anderem auszeichnet, sei Leidenschaft, lasse ich mir erzählen. Es gibt keinen Betriebsrat. Die Gehälter für die Mitarbeiter werden individuell ausgehandelt. 250 Männer und Frauen arbeiten derzeit auf dem Campus. Aus dem Unternehmen sind zahlreiche weitere Gründungen im Münsterland entstanden. So etwa „Develop“ in Gescher und „Shopware“ in Schöppingen.

Was macht das Unternehmen? „Standardsoftware für Mittelständler“, antwortet Dieter van Ackeren. Man sei der europaweit führende software Anbieter für Information, Kommunikation und Organisation, seit Einführung des Smartphones auch führender App-Hersteller. Tobit ist einer der Großen im Bereich der Digitalisierung. „Ohne Digitalkompetenz“, sagt Peter Sommer, „wird in Zukunft kein Beruf mehr auskommen.“

Die Haustechnik digitalisieren (Foto: Tobit)

Digitalisierung ist viel mehr, als nur eine Website zu erstellen. Digitalisierung ist die Software, das  Login. Tobit arbeitet  in allen Wirtschaftsbereichen. Immer geht es  um eine „eins-zu-eins- Beziehung von Mensch und Maschine“, wie es van Ackeren formuliert, geht es um die Vernetzung von allen mit allem. Ein Unternehmen wie Tobit muss dem Markt stets mehrere Jahre voraus denken. Und tut es bis jetzt mit Erfolg.  Beispiel: Dienstleister Hotel und Gaststätten. Hier wird es immer schwerer, Mitarbeiter zu finden. Wobei kann die Digitalisierung helfen?  Für eine Party wurde eine „digitale“ Zapfanlage gebaut, die 1000 Gläser Bier in der Stunde zapft. Der Kunde bestellt per Smartphone, bezahlt per Smartphone –  ohne persönliche Dienstleister, alles digital.

Lösungen für alle Geschäftsfelder

Über das Smartphone werden der Bedarf an Mitarbeitern mit entsprechendem Profil für eine Veranstaltung im  Hotel  gecheckt, diese Mitarbeiter  per Phone zum Job gebeten. Die Bezahlung erfolgt umgehend auf das im Phone hinterlegte Konto. Trinkgeld gibt’s vom Unternehmen automatisch dazu. Dieses neue Arbeiten wird in Ahaus in Bars und Hotels, die dem Unternehmen gehören, getestet. Im digitalen Restaurant konnte ich mir höchstselbst ein Bild von all dem machen. Es ist nur ganz wenig personeller Einsatz nötig. In der Küche bereiten Köche die Speisen zu. Auch sie haben elektronische Hilfen und nutzen alle digitalen Kommunikationsstrategien. Ich bin schwer beeindruckt. Dirk van Ackeren muss seine Tochter von der Schule abholen. Ein Blick aufs Smarthone, Stundenplan des Kindes, regulär erteilter Unterricht, pünktliches Unterrichtsende! Er verabschiedet sich.

Tobit labs (Foto: Tobit)

In den Laboren erlebe ich die Welt des 3 D-Drucks, tauche in ein „Musterhaus“ ein, bei dem alles über das Smartphone gesteuert wird und Anweisungen per Sprache gegeben werden: „Springbrunnen: Go“. Im digitalen Fahrradladen erklären mir die beiden Partner die digitale Anmietung eines Rades ohne manpower. Bestellen, mieten, zurückgeben, nachladen: Alles digital. Meine Frage: Und wenn der Akku lehr ist? Nachsichtiges Lächeln, überall gibt es Ladegeräte oder können Akkus getauscht werden. Höhepunkt ist die Eventhalle. Auch hier ist natürlich alles digitalisiert, von der Licht-Ton-Technik bis zum Gastronomieservice. Dazu eine Großdiskothek von 2400 qm. „So etwas stärkt den Standort Land für junge Menschen“, lacht Peter Sommer. Seine Augen leuchten. Er habe keine Angst vor der Zukunft, sagt er. Man müsse nur verstehen wollen. Und: „Facebook ist überall dabei.“

Breites Angebot an Ausbildungs- und dualen Studienmöglichkeiten

Das Unternehmen Tobit setzt auf eine projektbezogene Arbeitsorganisation. Je nach Auftrag werden Teams neu gebildet und entsprechende Lösungen gesucht. Alles kann ausprobiert werden: „Break things“. Aktuelle Showcases sind Carsharing, Bestellsysteme und vieles andere mehr. Der Puls der Zeit bestimmt den Takt in den Ahauser Büros. Alles, was neu ist, wird ausprobiert und getestet. Tobit nimmt jederzeit Bewerbungen entgegen: Fürs Schülerpraktikum, fürs Schnupperjahr nach dem Abitur, wenn man noch nicht so richtig weiß, wohin es gehen soll, für alle betrieblichen Ausbildungsberufe. Die Ausbildungen werden unter dem Aspekt der Digitalisierung durchgeführt. Das kann schon mal zu Friktionen mit dem Berufsschulunterricht  führen, wird dann aber im Betrieb auf- und nachgearbeitet.

Dieter van Acken ist Chef der Marketing Communication (Foto: Tobit)

Es gibt Akademien für Junge und mehrtägige Fortbildungsveranstaltungen für alle. Kooperationspartner für das duale Studium ist die Westfälische Hochschule mit den Standorten Gelsenkirchen und Bocholt. Die Hochschule kommt darüber hinaus für Lehrveranstaltungen direkt auf den Campus von Tobit nach Ahaus. Bachelorarbeiten können in Zusammenarbeit mit dem Betrieb „geschrieben“ werden und bieten damit einen guten Einstieg ins Unternehmen. Wer nach Ahaus kommt, erlebt eine Kleinstadt, die auch jungen Leuten eine ganze Menge bietet. „Chancen auf dem Land,  Jobs und Parties, fordert uns“, so zum Abschluss meine  beiden Gesprächspartner.

  


Unternehmenssteckbrief
(Stand: 01.04.2018)

Gründung: 1986.

Sitz: 48683 Ahaus, Parallelstraße 41.

Mitarbeiter: 250.

Umsatz: keine Angaben.

Ausbildungsmöglichkeiten: die jeweils aktuellen Ausbildungsplatzangebote sind zu finden unter dem Link https://de.tobit.software/Einstieg.

Duale Studienplätze: die jeweils aktuellen Studienplatzangebote sind zu finden unter https://de.tobit.software/Einstieg.

Internet: https://de.tobit.software/Willkommen.

 

 

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