Stiftung Warentest – Die Prüfer vom Verbraucher-TÜV

Von Hans-Martin Barthold

Sitz der Stiftung Warentest am Berliner Lützowplatz (Foto: Stiftung Warentest)

Berlin. Lützowplatz. Hier, den Tiergarten in Sichtweite, bis zum Brandenburger Tor, Staatsoper und Berliner Dom bloß wenige Busstationen, von der CDU-Parteizentrale und zahlreichen ausländischen Botschaften nur einen Steinwurf entfernt,  hier hat die Stiftung Warentest ihren Sitz. Mit Sinn für Symbolik könnte man das unauffällige Bürogebäude als ihr Stein gewordenes Selbstverständnis deuten: unaufgeregt, funktional, sachlich, nüchtern, mitten im Geschehen und dennoch neutral, geerdet, gut vernetzt, kompetent, selbstbewusst. Diese Attribute haben die Stiftung Warentest in den fünfzig Jahren ihres Bestehens zu einer Institution werden lassen. Ihre Anfänge liegen in den Wirtschaftswunderjahren der Sechziger. Auch wenn es überraschen mag, einer ihrer Geburtshelfer war Konrad Adenauer. Ob der zunehmenden Warenvielfalt, so meinte der knorrige Alte aus Rhöndorf, bedürfe der Verbraucher einer faktenbasierten Orientierung.

Die Beteuerungen der Unternehmensverbände, Werbung sei doch schließlich schon Information genug, nahm der erfahrene Politprofi ohne Regung zur Kenntnis. Umstimmen ließ er sich freilich nicht. Sein Nachfolger im Bundeskanzleramt, Ludwig Erhardt, vollendete das Werk. 1966 nahm die Stiftung Warentest ihre Arbeit auf, im März erschien das erste Test-Heft. Warentest wurde als Stiftung gegründet, allerdings mit dem Geburtsfehler eines vorenthaltenen Kapitalstocks. Neben Einnahmen aus dem Verkauf der Test-Hefte vervollständigten deshalb jährliche Zuweisungen des Wirtschaftsministeriums, jetzt des Justizministeriums, den Haushalt. Heute prüfen 350 Mitarbeiter Waren und Produkte aller Art. Von der Kaffemaschine über die Digitalkamera und das E-Bike bis hin zu Fruchtsäften, Laptops oder Waschmitteln, seit zweieinhalb Jahrzehnten auch Lebensversicherungen, Anlagefonds und Finanzdienstleistungen.

Prüfer schürfen nach neuem Wissen

Testanordnung für E-Bikes (Foto: Stiftung Warentest)

Natürlich haben sich die Produkte und Verbrauchergewohnheiten über die Jahre verändert. Gleich geblieben sind die Grundsätze der Stiftung Warentest. Die heißen Neutralität, Objektivität und Unabhängigkeit. Ebenfalls unverändert ist die Identifikation der Mitarbeiter, stellvertretend von der E-Commerce-Managerin Ute Krogbäumker formuliert. „Ich mache Marketing nicht für Erbsen in der Dose, sondern für die Aufklärung der Verbraucher“, beschreibt sie ihre Motivation. Diese Begeisterung vor allem erklärt die extrem geringe Personalfluktuation im Haus am Lützowplatz ebenso wie die hohen Anforderungen an Bewerber bei den Stellenausschreibungen. Das gilt auch und besonders für das Herzstück der Stiftung Warentest, die Thementeams. Sie leisten die eigentliche Arbeit. „Wir“, fasst es die Projektleiterin Simone Lindemann in einem Satz zusammen, „generieren neues Wissen, das wir interessierten Nutzern anschließend über die verschiedensten Medienkanäle anbieten und von dem wir wirtschaftlich leben.“

Fünf Thementeams gibt es: Multimedia, Haus/Energie/Freizeit und Verkehr, Ernährung/Kosmetik und Gesundheit, Geldanlage/Altersvorsorge/Kredite und Steuern, als letztes Versicherungen und Recht. Jedes dieser Teams besteht aus etwa zehn Prüfern und zehn Redakteuren. Dazu kommen die Marktanalysten, Sachbearbeiter und Verifizierer, insgesamt etwa 25 Mitarbeiter. Geführt werden die Teams paritätisch von einer Doppelspitze, das heißt von einem wissenschaftlichen und einem journalistischen Leiter. Die Prüfer besitzen in Abhängigkeit von der Produktgruppe in der Regel einen ingenieur- oder naturwissenschaftlichen, in den beiden Teams mit finanzwirtschaftlicher Ausrichtung, einen wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund. Als ganz wichtig erweist sich Berufserfahrung. Ich frage nach dem idealen Kompetenzprofil eines Bewerbers.

Neugier und fachliche Kompetenz

Heike van Laak leitet die Abteilung Kommunikation (Foto: Stiftung Warentest)

„Wir suchen Leute“, antwortet die Leiterin der Kommunikationsabteilung Heike van Laak, „die nicht nur tolle Entwickler oder Konstrukteure sind, sondern die Technik in ihrer wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Vernetzung denken können.“ Und Produkte nicht bloß wie der TÜV auf die Einhaltung gesetzlicher Mindeststandards, sondern aus dem Blickwinkel der Nutzer kritisch auf ihre Alltagstauglichkeit überprüfen wollen. Genau wie die Betriebs- und Volkswirte den Tunnelblick kurzfristiger Gewinn- und Verlustkategorien zu überwinden bereit sein sollten. „Vor allem aber müssen sie neugierig und willens sein, statt der alten ausgetreten Pfade immer wieder auch neue Wege zu gehen“, bringt van Laak die Wünsche der Stiftung Warentest auf den Punkt. Tests, wie sie hier am Lützowplatz konzipiert werden, sind eine kostspielige Angelegenheit. Die Summen belaufen sich auf eine Größenordnung zwischen 30.000 bis 150.000 Euro. Das verlangt von allen Mitarbeitern die Bereitschaft zu Sorgfalt, Genauigkeit und der Übernahme großer Verantwortung.

Eine schlampige Prüfung und ein nicht valides Testergebnis kämen einer Katastrophe gleich. Immerhin sind das Kapital einer Prüforganisation Kompetenz und Zuverlässigkeit.  Tatsächlich ist die Tragweite ihrer Tests gewaltig. So schreiben zum Beispiel manche Discounter ihren Lieferanten in die Verträge, dass diese sofort gekündigt werden, sollte das Produkt von der Stiftung Warentest mit befriedigend oder gar noch schlechter beurteilt werden. „Da können dann Arbeitsplätze in Gefahr geraten“, weiß Heike van Laak. Und auch, dass derart gerankte Unternehmen in der Wahl ihrer Mittel zur Verteidigung nicht zimperlich sind. Projektleiter, Tester, Redakteure, Verifizierer müssen sich dessen bewusst sein und den unbedingten Willen haben, diesem Druck standzuhalten. Wie schwierig das Geschäft der Stiftung Warentest ist, wie sehr es auf jede Nuance ankommt, und welche hohen Anforderungen sich daraus an die Mitarbeiter ergeben, zeigte sich vor fünf Jahren.

Genauigkeit steht über allem

In diesem Raum eines sächsischen Prüfinstitutes werden Geräusch- und Schwingungsemissionen von Waschmaschinen gemessen (Foto: Stiftung Warentest)

Da ging es um Schokoladen und ihre Inhaltsstoffe. Ritter Sport wurde von der Stiftung Warentest abgewertet, weil die Tester die Angaben des Herstellers für unzutreffend hielten, nur natürliche Ausgangsstoffe verwendet zu haben. Eigene Recherchen und ein externes Gutachten bestärkten sie in der Annahme, der von der Alfred Ritter GmbH & Co. KG in der Produktion vieler Tonnen Schokolade eingesetzte Aromastoff Piperonal könne in diesen Mengen nicht auf natürlichem Weg hergestellt worden sein. Der Lieferant des Aromastoffes, die Firma Symrise, gab jedoch eine eidesstattliche Erklärung ab, die gelieferten Chargen ausschließlich aus botanischen Quellen gewonnen zu haben. Über die Details des Herstellungsverfahrens machte Symrise unter Berufung auf die Wahrung seines Produktionsgeheimnisses freilich keine Aussagen.

Am Ende verließ die Stiftung Warentest das Gericht eines der ganz wenigen Male als Verlierer bei immerhin durchschnittlich sechs Klagen pro Jahr. Das Urteil der Richterin: Die Stiftung müsse wegen der großen Bedeutung ihrer Testberichte Worte und Formulierungen sorgsam wählen. Schlussfolgerungen, und sind sie noch so stringent, genügen dem offenkundig nicht. Gleichwohl verzichtete die Alfred Ritter GmbH & Co. KG auf mögliche Schadenersatzansprüche gegenüber Warentest. Piperonal setzt sie seitdem nicht mehr ein. Aber nicht allein solcher Erfahrungen wegen, sondern bereits von Anbeginn an und aus Überzeugung betreibt die Stiftung ihre Tests mit viel Akribie und einem hohen Qualitätsaufwand. Geduld sowie die Bereitschaft, das eigene Vorgehen immer und immer wieder zu reflektieren, sind deshalb weitere Eigenschaften, über die Warentest-Mitarbeiter unbedingt verfügen müssen.

Testen ist keine Geheimniskrämerei

So werden Wanderschuhe auf ihre Biegefähigkeit geprüft (Foto: Stiftung Warentest)

Und es sind nicht die letzten. Auch die Bereitschaft zum immerwährenden Diskurs, die Freude an der permanenten Präzisierung der Argumente, Sensibilität für das technisch Machbare, schließlich die Bereitwilligkeit zum fairen Ausgleich gehören dazu. An dieser Stelle lohnt es, einen Blick auf die Prozesskette zu werfen. Ganz am Anfang, etwa ein Jahr vor der geplanten Veröffentlichung, steht die Entscheidung, welches Produkt auf seine Funktionstüchtigkeit, Handhabung, Haltbarkeit, seine ökologische und gesundheitliche Verträglichkeit geprüft werden soll. Die Vorschläge dazu kommen aus den zuständigen Thementeams. Das Kuratorium und die Geschäftsleitung entscheiden. Im Anschluss treten die Marktanalytiker auf den Plan. Sie besitzen in der Mehrzahl einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund und bereiten die Daten über die Markthäufigkeit der im Handel vertriebenen Marken auf.

Diese recherchieren sie entweder selbst oder greifen auf Erhebungen der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zurück. Die Marken mit dem höchsten Absatz werden für den Test ausgewählt. Ihre Anzahl ist limitiert, mehr als zwanzig sind es selten. Inzwischen erarbeitet der Warenexperte das Prüfprogramm, das vor dem Start freilich noch im Fachbeirat zur Diskussion gestellt wird. Dem Fachbeirat gehören Vertreter der Hersteller, von Verbraucherorganisationen sowie Neutrale Experten an. Bevor sich die zehn Einkäufer der Stiftung auf den Weg machen, werden allerdings die Unternehmen über den geplanten Produkttest informiert und um Bestätigung der Herstellung bis zur geplanten Veröffentlichung der Testergebnisse gebeten. Schließlich sind Informationen über ein Modell, das der Handel wegen Einstellung dessen Produktion nicht mehr anbietet, für den Verbraucher ohne Wert.

Gute Prüfprogramme sind der Schlüssel zum Erfolg

Hörtest von Smartphones im schallisolierten Raum – Über die acht externen Lautsprecher wird eine Geräuschkulisse simuliert (Foto: Stiftung Warentest)

Aus betriebswirtschaftlichen wie technischen Überlegungen verzichtet die Stiftung Warentest auf eigene Labore und Prüfstrecken. Sie beauftragt mit der Durchführung der Tests spezialisierte Institute. Nach Abschluss der Prüfungen werden die Ergebnisse in einer am Produkt orientierten Matrix aufbereitet. Die Hersteller erhalten die Daten nur ihres Produktes sowie die Möglichkeit, diese zu erklären oder ihnen zu widersprechen. Sind die Einwände substantiell, werden neue Produktmuster gekauft und der Test wiederholt. Es geht für die Hersteller immerhin um viel Geld, manchmal auch die Existenz. Die Arbeit der Prüfer ist, wie gezeigt, eine ausschließlich konzeptionelle und die Sicht auf das Produkt stets eine aus der Perspektive des Verbrauchers. Es geht darum, die technische Funktionalität nachvollziehend zu verstehen, nicht aber sie weiter zu entwickeln. Entscheidend ist, ob das Produkt die Funktion, mit der es das Unternehmen bewirbt und für die es der Kunde erworben hat, ohne Beanstandung erfüllt.

Prüfer sind das Sprachrohr der Verbraucher und artikulieren deren individuell vielfältige Erfahrungen in einer Stimme. Zu wissen, was schon möglich ist und was angestrebt wird, müssen sie deshalb über beste Marktkenntnisse verfügen. Der Besuch von Messen, Roadshows und Kongressen ist wichtiger Teil ihrer Arbeit. Immerhin werden technisch innovative Produktneuheiten in die Tests aufgenommen, auch wenn ihre Marktpräsenz noch gering ist. Pro Jahr führt die Stiftung Warentest rund 120 Tests durch, davon etwa jeden dritten in Zusammenarbeit mit verwandten Institutionen im Ausland. Bei einigen prüft sie inzwischen nicht allein die Produkte, sondern schaut sich auch deren Produktion vor Ort an. Sobald die Rohdaten der Prüfergebnisse vorliegen, treten die Verifizierer auf den Plan. Oft sind es ehemalige Projektleiter. Ihre Aufgabe ähnelt der von Revisoren. Für sie stehen weniger die Ergebnisse selbst als der Weg zur Erlangung dieser Ergebnisse im Mittelpunkt des Interesses.

Das Selbstverständliche hinterfragen

Die Verifiziererin Betina Chill (Foto: Stiftung Warentest)

Schließlich bedarf die Unangreifbarkeit der Ergebnisse der Stringenz der Prüfmethodik. Mit einem unverstellten Blick stellen sie deswegen immer wieder Selbstverständliches infrage. „Vor diesem Hintergrund ist es unsere Aufgabe zu schauen, ob der Weg des Projektleiters nachvollziehbar ist“, beschreibt die Verifiziererin Betina Chill, das, was sie tut. Entsprechen also die Vorgehensweise, die gewählten Methoden und die angelegten Prüfkriterien wissenschaftlichen Standards? Ist die Analyse der Daten in sich stimmig? Haben alle Aspekte auch die ihnen gebührende Gewichtung erhalten? Ist die Hierarchie der Argumente in der Ergebnisanalyse schlüssig? „Als Verifizierer brauchen wir deshalb stets klare und überzeugende Argumente“, bringt Betina Chill die Anforderungen an sie und ihre Kollegen auf den Punkt. Strukturiertes Denken steht in diesem Job über allem.

Die beiden finanzorientierten Thementeams haben ein anderes Vorgehen. Geht es um Beratungsdienstleistungen, sind keine anonymen Einkäufer unterwegs. Stattdessen nehmen zuvor geschulte Tester die betreffenden Dienstleistungen, etwa eine Bankberatung, verdeckt in Anspruch. Werden konkrete Finanzdienstleistungen wie beispielsweise Altersvorsorgeprodukte, geprüft, bittet man die Anbieter schriftlich, ihre Versicherungsbedingungen zur Verfügung zu stellen und/oder bestimmte Rechnungen für einen Modellkunden vorzunehmen. Auf die Dienste externer Prüfinstitute wird in der Regel verzichtet. Die Redakteure, die die Ergebnisse in beiden Fällen am Ende in einem Testbericht zusammenfassen, waren zuvor als Beobachter in allen Arbeitsabschnitten beteiligt. Das war nicht immer so, hat sich aber über die Zeit als beste Gelegenheit für die Aneignung der erforderlichen Fachkompetenz erwiesen.

Bei höchster Genauigkeit eingängig formulieren

Redakteurin Claudia Till (Foto: Stiftung Warentest)

Während dieser Phase haben die Redakteure ausreichend Zeit, sich mit allen Aspekten des Tests sowie der Spezifika des Produkthandlings vertraut zu machen. „Ich habe das, was man als Journalist andernorts häufig schmerzlich vermisst, nämlich ausreichend Zeit zur Recherche“, sagt die Redakteurin Claudia Till. Genau das ist es, was sie an ihrem Job bei der Stiftung Warentest so fasziniert. Ihre Aufgabe ist eine klassische journalistische. Sie hat die Erkenntnisse für die Zielgruppe der Verbraucher als technischen Laien leicht verständlich zu formulieren. Doch dauert es nicht selten, bis alle Beteiligten für ihren Einsatz die Ampel auf Grün stellen. So müssen also auch Claudia Till und alle anderen Redakteure zum guten Schluss gar nicht selten unter hohem Zeitdruck präzise formulieren, im schlimmsten Fall sogar Passagen umschreiben. Die Anforderungen an die Redakteure sind schnell benannt. „Sie müssen technisch komplexe Sachverhalte zielgruppengerecht vereinfachen können“, formuliert sie Heike van Laak.

„Und zwar so, dass die Texte für Print, Online oder Radio und Fernsehen zwar medienspezifisch, gleichwohl fachlich sehr genau und eindeutig sind.“ Leihen die Prüfer den Verbrauchern ihre Augen, verstehen sich die Redakteure als deren Stimme. Wer also den Literarturpreis anstrebt, sollte um den Redakteursjob bei Warentest einen weiten Bogen machen.  Gerne gesehen sind dagegen Bewerber mit Arbeitserfahrungen in einer Ratgeberredaktion sowie aus dem Technik- oder Wissenschaftsressort. Auch Absolventen solcher Studiengänge wie Technische Redaktion haben gute Chancen, Kommunikationswissenschaftler wegen ihrer fehlenden Anwendungsorientierung dagegen nur geringe. Ein guter Zugang bietet sich Studierenden des Faches Wissenschaftsjournalismus der Technischen Universität Dortmund. Dort fungiert die Stiftung Warentest als Kooperationspartner für die Lehrredaktion.

Neue Wege zur Erkenntnis

E-Commerce-Managerin Ute Krogbäumker (Foto: Stiftung Warentest)

Natürlich kommt die Stiftung Warentest nicht ohne innere Verwaltung aus. Die Mitarbeiterzahl im Controlling, dem Personalwesen, der Informationstechnologie und dem sogenannten Inneren Dienst ist freilich äußerst gering. Das Gleiche gilt auch für die Stabsfunktionen Kommunikation, Marketing und Vertrieb, dem Bücherlektorat, dem Justiziariat und dem Leserservice. Bleibt die Frage nach den Karrieremöglichkeiten. Die sind eingeschränkt. Denn wie bei allen Thinktanks sind auch die Hierarchien der Stiftung Warentest flach. Prüfer können zunächst Projektleiter werden. Der nächste Karriereschritt ist der zum wissenschaftlichen, für Redakteure der zum journalistischen Leiter eines Thementeams. Wer sich hierfür interessiert, entscheidet sich für eine Führungsfunktion. Darüber stehen dann nur noch der Bereichsleiter Untersuchungen sowie die Chefredakteure von Test und Finanztest. Als Vorstand steht mit Hubertus Primus derzeit ein langjähriger test-Chefredakteur an der Spitze.

Die immer kürzeren Produktlebenszyklen im Bereich der Konsumwaren, insbesondere in der Unterhaltungselektronik, dazu die Vielzahl rechtlicher Änderungen fordern die Mitarbeiter der Stiftung zunehmend. Die Frauen und Männer vom Lützowplatz antworten mit einer Verstetigung der Untersuchungen und neuen Formen der Ergebnisdokumentation. Anstelle umfangreicher Tests prüft man bei einigen Produktgruppen lediglich noch die neu auf den Markt gekommenen Warenmuster. Die Ergebnisse finden Eingang in eine Datenbank. Über den online verfügbaren Produktfinder können sich die Verbraucher nach ihren je individuellen Wünschen die Prüfergebnisse anzeigen lassen. Neben den umfänglichen Tests veröffentlicht die Stiftung mittlerweile auch untersuchungsgestützte Reports, die sich auf die Bewertung von Teilaspekten beschränken, sowie bloße Marktübersichten.

Den Wandel annehmen

Haltbarkeitsprüfung von Matratzen – 60.000 Mal wird die 140 kg schwere Walze über die Matratze geführt (Foto: Stiftung Warentest)

Die Resonanz der Verbraucher ist nach wie vor gut. Jährlich verkauft die Stiftung 7,5 Millionen Test- und Finanztesthefte. Die Zahl der Internetuser erreicht monatlich 5 Millionen. „Als Medienunternehmen, das wir ja in gewisser Weise auch sind“, sagt Heike van Laak, „schlagen wir uns in schwierigen Zeiten mit überdurchschnittlich gutem Erfolg.“ Gleichwohl bleibt den Mitarbeitern der Stiftung Warentest nicht verborgen, dass sich das Informationsverhalten verändert. Die Individualisierung der Testergebnisse ist eine Antwort darauf. Freilich ist Heike van Laak überzeugt, dass sauber recherchierte Fakten auch in Zukunft ihre Abnehmer finden. Allerdings, weiß man in den Büros am Lützowplatz, will kritischer Konsum gelernt sein. Viele Projekte in Schulen versuchen das zu vermitteln. Endlich steht seit 2016 auch ein ausreichend großer Kapitalstock zur Verfügung und macht die Stiftung von äußeren Einflüssen weitgehend unabhängig. Das gibt der Stiftung Warentest und ihrem Bestreben für einen Markt, wo sich nicht die cleveren, sondern die besten durchsetzen, neue Hoffnung.

 


Unternehmenssteckbrief
(Stand: 15.01.2018)

Gründung: 1966

Sitz der Unternehmenszentrale: Lützowplatz 11-13; 10785 Berlin

Mitarbeiter (2016): 351; davon tätig in:

  • vergleichenden Warentests: 132
  • vergleichenden Dienstleistungsuntersuchungen: 53
  • Marktübersichten und untersuchungsgestützte Reports: 145

Gesamtumsatz (2016): 42 Millionen Euro; davon entfallen auf:

  • Zeitschrift test: 22,624 Millionen Euro
  • Zeitschrift Finanztest: 11,339 Millionen Euro
  • Internet test.de: 3,944 Millionen Euro
  • Bücher: 4,478 Millionen Euro

Finanzierung: Verkaufserlöse und staatliche Zuwendungen (10 Prozent des Haushaltes)

Ausbildungsmöglichkeiten: Kauffrau für Büromanagement (nicht kontinuierlich, sondern nur bei Bedarf)

Einstellung von Hochschulabsolventen: Bewerbungen nur auf Stellenausschreibungen; keine Initiativbewerbungen. Stellenausschreibungen unter: https://www.test.de/unternehmen/stellenangebote-5017301-0/

Internet: https://karriere.test.de/

 

Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.

  

Haben Sie Fragen, Anregungen oder Kritik? Dann schreiben Sie dem Autor eine Mail: info@berufsreport.com