Stadtverwaltung Wolfsburg – Dem Wohl aller Bürger verpflichtet

Von Hans-Martin Barthold | 15. August 2013

Stadtverwaltung Wolfsburg (Foto: Stadt Wolfsburg/Presseservice)

Stadtverwaltung Wolfsburg (Foto: Wikipedia/Vanellus Foto)

Mit über 4.000 Mitarbeitern ist die Stadtverwaltung Wolfsburg nach Volkswagen der zweitgrößte Arbeitgeber der Stadt. Und inzwischen kaum weniger innovativ als der Automobilriese. Das verstaubte Image einer hoheitlichen Behörde hat man im Rathaus mit dem weit hörbaren Glockenspiel jedenfalls schon lange hinter sich gelassen. Zwar gehört die Rechtsanwendung in den Kernbereichen noch immer zu den zentralen Aufgaben der Mitarbeiter. Doch fühlt man sich inzwischen auch hierbei als moderner Dienstleister und damit dem Wohl der Bürger, genauer der Gemeinschaft aller Bürger, verpflichtet. „Denn“, formuliert es Ingrid Reher als Leiterin des Geschäftsbereiches Personal, „unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen müssen immer das gesamtstädtische Interesse im Auge haben.“ Und das materialisiert sich in den politischen Beschlüssen des demokratisch gewählten Rates.

Das Aufgabenspektrum einer Kommunalverwaltung entspricht in etwa dem eines Gemischtwarenladens und reicht von B wie Bürgerdienste über F wie Finanzen und K wie Krankenhaus oder Kultur bis S wie Schule, Sport und Stadtplanung. „Eine solche Vielfalt an unterschiedlichen Aufgaben und Tätigkeiten vermag kein anderer Arbeitgeber seinen Beschäftigten zu bieten“, beschreibt Personalchefin Reher die daraus erwachsenden Vorzüge einer Stadtverwaltung. Tatsächlich kann man hier die Arbeitsfelder wechseln und Karriere machen, ohne sich einen neuen Arbeitgeber suchen zu müssen. Das bieten sonst nur große Konzerne. In Wolfsburg gliedert sich die Verwaltung in fünf, von jeweils einem Stadtrat und dem Oberbürgermeister geführte Dezernate.

Extrem breites Aufgabenspektrum

Die Stadtflagge Wolfsburgs (Foto:)

Die Stadtflagge Wolfsburgs (Foto: Wikipedia/Broadway Berlin)

Sowohl der Oberbürgermeister als auch die Stadträte sind Beamte auf Zeit. Ihre Wahlperiode beträgt acht Jahre, eine Wiederwahl ist selbstverständlich möglich, aber nicht garantiert. Die Stadträte und der OB tragen Verantwortung für 14 Geschäftsbereiche, 7 Referate sowie 24 sogenannte Eigen-/Regiebetriebe und Beteiligungen. Im kommenden Jahr soll mit der Berufsfeuerwehr ein weiterer Geschäftsbereich hinzukommen. Organisatorisch besteht zwischen Geschäftsbereichen und Referaten kein Unterschied. Beide sind für eine klar umrissene Fachaufgabe zuständig. Ob aus einem Referat ein Geschäftsbereich wird, hängt neben seiner fachlichen Bedeutung auch von der jeweiligen Mitarbeiterzahl ab. In den direkt dem Oberbürgermeister zugeordneten Geschäftsbereichen und Referaten konzentrieren sich mit Personal, der Strategischen Planung, der Kommunikation, dem Rechnungsprüfungsamt, den Internationalen Beziehungen und dem Gleichstellungsreferat die für die politische Führung wichtigen Grundsatzabteilungen.

Der Blick auf den Geschäftsverteilungsplan zeigt die großen organisatorischen Strukturen. Über die Aufgaben und Tätigkeiten der Mitarbeiter verrät er eher wenig. Zur Veranschaulichung deshalb ein Beispiel. Hinter dem Geschäftsbereich Bürgerdienste verbergen sich sieben Abteilungen. Die erste davon hat den gleichen Namen wie der Geschäftsbereich. Hier kümmern sich die Mitarbeiter in der Ausländerstelle um den Aufenthaltsstatus für Nicht-EU-Bürger, in der Einwohnermeldestelle um die Ausstellung von Personalausweisen und Reisepässen, in der Führerscheinstelle um die Ausstellung von Führerscheinen und in der Kfz-Zulassungsstelle um die An- oder Abmeldung von Autos und Motorrädern. Bei der Abteilung Standesamt geht es um die Beurkundung von Eheschließungen, Geburten, Sterbefällen oder anderen urkundlichen Angelegenheiten.

Serviceorientierung hat oberste Priorität

Für Themen von Sicherheit und Ordnung, Fragen der Gewerbezulassung, notwendig werdenden Eingriffen in die bestehenden Verkehrsregelungen, eventuellen Bußgeldern, das Ausstellen von Waffenscheinen sowie Entscheidungen in Jagd- und Fischereiangelegenheiten ist die Abteilung Ordnungsamt zuständig. Angelegenheiten des Tierschutzes, Lebensmittelkontrollen, Schutzmaßnahmen bei Tierseuchen, auch die Überwachung der Fleischhygiene fallen in die Zuständigkeit der Abteilung Veterinäramt. Die Abteilung Umweltamt schließlich kümmert sich um die Durchsetzung des Umweltrechtes, die Einhaltung der Rechtsvorschriften bei der Abfallentsorgung sowie den Immissionsschutz. Zur Bearbeitung und Entscheidung dieser Sachverhalte benötigen die Mitarbeiter aller Abteilungen als erstes natürlich solide Kenntnisse der einschlägigen Rechtsverordnungen. Genauso wichtig sind freilich kommunikative Kompetenzen und die Achtung des Bürgeranliegens.

Personalchefin Ingrid Reher (Foto: Stadt Wolfsburg/Presseservice)

Personalchefin Ingrid Reher (Foto: Stadt Wolfsburg/Presseservice)

„Auch wenn der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eventuell eine Untersagungsverfügung erlassen muss, haben die Bürger das Recht auf eine sachkundige, freundliche und zugewandte Erklärung des Sachverhaltes“, formuliert Ingrid Reher eine wichtige Anforderung an Beschäftigte in einer Kommunalverwaltung. Das ist freilich noch nicht alles. „Wir suchen Nachwuchskräfte mit einer guten Auffassungsgabe, analytischem Denkvermögen sowie einer ausgesprochenen Serviceorientierung“, ergänzt die Personalchefin. Die interkulturellen Kompetenzen nicht zu vergessen, denn immer mehr Bürger besitzen inzwischen einen Migrationshintergrund. Zuletzt ist Offenheit für wirtschaftliche Sachverhalte gewünscht. Immerhin benötigen die Geschäftsbereiche und Abteilungen bei einer dezentralen Ressourcenverantwortung solide Kompetenzen für den Einsatz und den Umgang mit Finanzmitteln.

Wirtschaftliches Denken gewinnt an Bedeutung

Speziell daran interessierten Abiturienten bietet die Stadtverwaltung ein duales Studium „Public Management“ an, das die Zugangsvoraussetzung zur Laufbahngruppe II, dem früheren sogenannten gehobenen Dienst (Stadtinspektor) einschließt. Ihren beruflichen Ansatz im Anschluss an das dreijährige Studium finden diese Absolventen bevorzugt in betriebswirtschaftlichen Tätigkeitsfeldern. Dass auch eine Stadtverwaltung einen Haushalt aufstellen muss, überrascht nicht. Aber wer denkt  schon daran, dass es hier eine Abteilung Rechnungswesen mit Zuständigkeiten für die kreditorische Finanz-, die Anlagen- sowie die Bilanzbuchhaltung gibt. Dazu eine Abteilung, die die Dezernate und Abteilungen in Fragen der betriebswirtschaftlichen Entwicklung sowie des Investitionscontrollings berät.

Damit unterscheidet sich die Aufgabenstellung im Geschäftsbereich Finanzen des Rathauses kaum von der in einem Wirtschaftsunternehmen. Freilich geht es in einer Kommunalverwaltung nicht um Gewinnmaximierung, sondern um den optimalen Einsatz der vorhandenen finanziellen Ressourcen zur Verbesserung der Lebensqualität der Bürger. Schließlich kommen die Einnahmen einer Stadt vorwiegend aus Steuereinnahmen. Auch für deren Erhebung sind die städtischen Finanzfachleute zuständig, ebenso wenn es gilt, ausstehende Forderungen von säumigen Zahlern einzutreiben oder die Ansprüche der Stadt bei Insolvenzverfahren zu vertreten. Statt Langeweile also viel Abwechslung und Spannung.

Vielseitige Ausbildungsmöglichkeiten

Rathaus Gebäudekomplex B (Foto: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26097423)

Rathaus Gebäudekomplex B (Foto: Wikipedia/Vanellus Foto)

So viele unterschiedliche Aufgaben einer Kommunalverwaltung übertragen sind, so breit gefächert ist auch die Palette der Berufe, in der die Stadt Wolfsburg ausbildet und einstellt. Mit dem umfangreichen Angebot von gewerblichen, IT- und verwaltungsorientierten Lehrberufen (siehe Unternehmenssteckbrief) richtet man sich an Schulabgänger von Haupt- und Realschulen. Das Einstellungskontingent für diese Zielgruppe beträgt pro Jahr rund fünfzig Ausbildungsplätze. Abiturienten und Fachoberschülern bietet man ein duales Studium in den Fachrichtungen „Public Management“ und „Public Administration“ mit jährlich zehn Plätzen an, sowie einen Platz in der Fachrichtung Informatik. Hochschulabsolventen für Führungsfunktionen oder eine Fachlaufbahn steigen über ein zweijähriges Traineeprogramm ein.

„Wir übernehmen entsprechend unseres absehbaren Bedarfes“, weist die Personalchefin auf den Willen der Stadt zur Übernahme nach Abschluss der Ausbildung hin. Tatsächlich erhält jeder erfolgreiche Azubi ein Angebot. Dabei allerdings differenziert die Stadt entsprechend der erreichten Prüfungsnoten. Bei guten Ergebnissen winkt eine unbefristete Beschäftigung. Liegt der Notendurchschnitt des Abschlusszeugnisses eher im unteren Bereich, gibt es eine zunächst nur zeitlich befristete Übernahme je nach Einzelfall von bis zu zwei Jahren. Gute Arbeitsleistungen vorausgesetzt, besteht die realistische Chance, die zeitlich befristete Beschäftigung in ein Dauerarbeitsverhältnis überführen zu können. Einsatz und Leistung lohnen sich also.

Der Stadt mit dem Herzen verbunden

Gleiches gilt für die Absolventen der dualen Studiengänge „Public Management“ und „Public Administration“. Die Zahl der Bewerbungen dafür ist nach Aussage Ingrid Rehers weiterhin stabil, die Auswahlkriterien allerdings anspruchsvoll. Gewünscht sind Bewerber mit einer guten Kommunikationskompetenz, ausgeprägter Teamfähigkeit, hoher Motivation und erkennbarem Interesse an dieser Stadt. Wie man Letzteres aussagefähig überprüfen könne, bin ich neugierig. Bewerber sollten mit deren wichtigen Themen vertraut sein, heißt es als Antwort auf meinen fragenden Blick. Konkretes Beispiel: „Von den Fusionsbestrebungen zwischen Wolfsburg und dem Landkreis Helmstedt sollte man schon einmal gehört haben.“ Ein bestimmter Notendurchschnitt wird nicht vorgeschrieben, gesellschaftliches Engagement ist indessen gerne gesehen.

Ratssaal – Hier fallen in Wolfsburg die Entscheidungen (Foto: Stadt Wolfsburg/Presseservice)

Ratssaal – Hier fallen in Wolfsburg die Entscheidungen (Foto: Stadt Wolfsburg/Presseservice)

Abiturienten, die sich für das duale Studium beworben haben, müssen sich zunächst einem schriftlichen Eignungstest der Deutschen Gesellschaft für Personalwesen (DGP) stellen. Dem schließt sich ein mündliches Verfahren an, das aus einer Selbstpräsentation, einem Vorstellungsgespräch und Gruppenübungen besteht. Der schriftliche Prüfungsteil stellt vorrangig auf die verbale und numerische Verarbeitungskapazität ab. Drei Viertel des schriftlichen Gesamtergebnisses werden von diesen beiden Teilbereichen bestimmt. In die Beurteilung fließen darüber hinaus Arbeitseffizienz, Rechtschreibung, politische und gesellschaftliche Kenntnisse sowie interkulturelles Wissen ein. In dem mündlichen Teil des Auswahlverfahrens werden Aspekte wie Berufs- und Leistungsmotivation, Kommunikations-, Planungs- und Umsetzungskompetenz sowie der persönliche Gesamteindruck beleuchtet. Es wird also Ausschau nach den Fähigkeiten gehalten, die die Mitarbeiter einer Kommunalverwaltung später im Arbeitsalltag unbedingt benötigen.

Beste Karrierechancen

Ausbildungs- und Studienabbrüche gibt es auch in der Stadtverwaltung, doch sind es eher seltene Ereignisse. „Wir investieren viel Zeit und Manpower in unsere Azubis“, liefert die Personalchefin die Begründung. Die Ursachen für die wenigen Ausbildungsabbrüche lägen zumeist in unzutreffenden Vorstellungen, mit denen die Azubis beziehungsweise dualen Studenten die Ausbildung/das Studium aufnähmen. Die anderen entwickelten während des dualen Studiums mit Blick auf ihren anschließenden beruflichen Erstansatz, der in aller Regel auf der Sachbearbeiterebene beginnt, meist schnell bestimmte Neigungen. Bei den Absolventen der Studienrichtung „Public Administration“ mit einem Schwerpunt in der Rechtsanwendung seien es oft die Bürger- oder Sozialbelange, die stärker betriebswirtschaftlich ausgerichteten Absolventen der Studienrichtung „Public Management“  zieht es indessen stärker zu Aufgaben in betriebswirtschaftlichen Bereichen, wie das Controlling.

Gute Leistungen vorausgesetzt, stehen die Karrieremöglichkeiten in der Wolfsburger Kommunalverwaltung derzeit nicht schlecht. Der Oberbürgermeister ließ sich jüngst in der örtlichen Presse sogar mit dem Satz zitieren, selbst Führungspositionen seien oft nur schwer zeitnah zu besetzen und müssten nicht selten mehrfach ausgeschrieben werden. Und er hat auch gleich die Lösung: eine intensive Förderung der eigenen Talente! Was also will man mehr. Unabhängig davon ist eine Position als Referent oder Abteilungsleiter mit entsprechender Berufserfahrung durchaus erreichbar. Sogar ein Aufstieg in den höheren Dienst und damit die Übernahme von Führungsfunktionen ist nicht völlig außer Sichtweite, auch wenn die Luft dort doch schon recht dünn wird. Schließlich sind nur fünf Prozent aller Mitarbeiter im höheren Dienst. Breitgefächerte Fachkompetenzen sowie Erfahrungen aus den Querschnittsbereichen sind dem beruflichen Fortkommen erfahrungsgemäß überaus dienlich.

 


Unternehmenssteckbrief
(Stand: 01.08.2013)

Stadtgründung: 1938
Anschrift: Porschestraße 49, 38440 Wolfsburg
Mitarbeiter: ca. 4.000 (davon im Städtischen Klinikum: 1.600)
Haushaltsvolumen: 384,2 Mio € (2012)
Ausbildungsmöglichkeiten (für das Einstellungsjahr 2014):

  • Anlagenmechaniker/in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik
  • Elektroniker/in, Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik
  • Elektroniker/in, Fachrichtung Informations- und Telekommunikationstechnik
  • Fachangestellte/r für Bäderbetriebe
  • Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste, Fachrichtung Bibliothek
  • Fachinformatiker/in, Fachrichtung Anwendungsentwicklung
  • Fachinformatiker/in, Fachrichtung Systemintegration
  • Gärtner/in, Fachrichtung Friedhofsgärtnerei
  • Gärtner/in, Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau
  • Gebäudereiniger/in
  • Informatikkaufmann/-frau
  • Kaufmann/-frau für Büromanagement *)
  • Koch/Köchin
  • Mechaniker/in für Land- und Baumaschinentechnik
  • Medizinische/r Fachangestellte/r
  • Sport- und Fitnesskaufmann/-frau
  • Straßenwärter/in
  • Verwaltungsfachangestellte/r *)
  • Verwaltungswirt/in (im Beamtenverhältnis, ehemals mittlerer Verwaltungsdienst) *)

Duales Studium:

  • Stadtinspektor/in (im Beamtenverhältnis) „Public Management“ *)
  • Stadtinspektor/in (im Beamtenverhältnis) „Public Administration“ *)
  • Informatik (mit Ausbildung zum/zur Fachinformatiker/in, Fachrichtung Anwendungsentwicklung)

Schülerpraktika: möglich
Bewerbungen: über www.wolfsburg.de/ausbildungstadt
Bewerbungsfristen für den Ausbildungsbeginn im Jahr 2014 enden am 31.10.2013, für die mit *) gekennzeichneten Berufe bereits am 30.09.2013
Kontaktmöglichkeiten: Frau Grzybowska Tel.: 05361 – 282934; Frau Müller Tel.: 05361 – 281697; Herr Thiemann Tel.: 05361 – 282308
Internet: www.stadt.wolfsburg.de

 

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