Sport-Thieme – Sportgeräteprofis mit Herz und Verstand

Von Hans-Martin Barthold | 15. November 2013

Hans-Rudolf Thieme, Inhaber und Geschäftsführer (Foto: Sport-Thieme)

Hans-Rudolf Thieme, Inhaber und Geschäftsführer (Foto: Sport-Thieme)

Ich werde Zeuge eines kurzen Dialogs – und es hätte kaum ein besseres Beispiel zur Beschreibung der Arbeitsatmosphäre in diesem Unternehmen geben können. Martin Strobel, einem meiner Gesprächspartner, ist die beginnende Grippe schon deutlich ins Gesicht geschrieben. Er pendelt täglich von Magdeburg bis nach Grasleben. Trotzdem hat er sich auf den Weg ins Unternehmen gemacht. Schließlich wollte er den mit mir vereinbarten Termin nicht platzen lassen. Kurze Unterbrechung durch Hans-Rudolf Thieme, promovierter Ökonom und Chef des Hauses. Er hat eine Rückfrage an seinen Mitarbeiter wegen eines anderen Sachverhaltes. Strobels Grippesymptome bleiben ihm nicht verborgen. Intensiv erkundigt er sich deshalb noch nach dem Befinden meines Gesprächspartners. Wow!

Viele Arbeitnehmer können heute vermutlich nicht mehr von solchen Chefs berichten. Die von Sport-Thieme im kleinen Ort Grasleben bei Helmstedt allerdings schon. Sollte da etwa die Zeit in der niedersächsischen Provinz stehen geblieben sein? Von wegen. Wenn es eines Beweises dafür bedürfte, dass die Verbindung moderner Unternehmensstrukturen mit zwischenmenschlichem Respekt, ja beinahe liebevollen Umgangsformen der Führungskräfte zu den Mitarbeitern und umgekehrt möglich ist, Sport-Thieme wäre wohl ein Paradebeispiel. Da verwundert es nicht, dass mehr als jeder zweite ehemalige Azubi sich zum dauerhaften Bleiben im Unternehmen entschließt und fast die Hälfte der Mitarbeiter seit mindestens zehn Jahren zum Betrieb gehören. Nachhaltigkeit endet bei Sport-Thieme also nicht bei Energie und Umweltschutz, sondern gilt auch und besonders für die Personalwirtschaft.

Allen Kunden einen Mehrwert bieten

Azubis beim obligatorischen Sporttag (Foto: Sport-Thieme)

Azubis beim obligatorischen Sporttag (Foto: Sport-Thieme)

Das imponiert und dafür nehmen manche Mitarbeiter weite Wege oder sogar einen Umzug in Kauf. Martin Strobel, Sportmanager mit einem Diplom der Fachhochschule Ostfalia Salzgitter und heute verantwortlich für das internationale Marketing, kommt täglich aus Magdeburg. Christian Neumann, Sportmanager mit einem Bachelor-Abschluss des englischen New College Durham, stammt aus der Nähe von Greifswald. Sport-Thieme ist ein Sportartikel-Versandhaus mit eigener Fertigung, im institutionellen Sport sogar bundesweiter Marktführer. Beliefert werden vor allem Vereine, Schulen, Kindertagesstätten, Behörden und Fitnessstudios als kommerzielle Sportanbieter. Freilich muss sich Sport-Thieme gesellschaftlichen Veränderungen anpassen und tut das nach eingehender Analyse ohne Berührungsängste. Deshalb werden seit einigen Jahren schon medizinische Einrichtungen für Rehabilitation und Therapie, seit kurzem auch Seniorenheime als neue Kunden mit einem speziell zusammengestellten Katalog beworben.

Neben der Hauptniederlassung in Grasleben unterhält das Unternehmen noch Verkaufsniederlassungen in Berlin, Düsseldorf und Nürnberg. Erwähnenswert darüber hinaus ist die internationale Ausrichtung. Immerhin erwirtschaftet Sport-Thieme fast ein Sechstel seines Umsatzes im europäischen und außereuropäischen Ausland, erfolgt der Versand in mittlerweile fünfzig Länder weltweit. Nur sieben Prozent des Umsatzes entfallen auf Endverbraucher. Das prägt die Arbeit in besonderem Maße. Schließlich haben institutionelle Kunden professionelle Ansprüche an fachliche Kompetenz und Servicequalität. Die Thieme-Mitarbeiter unternehmen deshalb alles, um sich stets auf den neuesten Wissensstand zu bringen. Und es ist ihr Ehrgeiz, das in ihrem Firmenslogan enthaltene Versprechen einzulösen, das da heißt „Wir sind Ihr Team“.

Beratungsqualität auf höchstem Niveau

Bei mehr als 17.000 lieferbaren Artikeln für über 40 Sportarten und bis zu 1.200 Bestellungen täglich ist das durchaus keine Kleinigkeit. Immerhin haben sie es auf der Auftraggeberseite mit Fachleuten zu tun. Die erwarten auf konkrete Fragen kompetente Antworten. Die Arbeit hier ist deshalb nicht zu vergleichen mit der bei anderen Versandhändlern im Konsumartikelsektor. Auf diesem Hintergrund wird verständlich, weswegen Sport-Thieme sowohl sein Call-Center als auch den Kunden- und Montageservice im eigenen Haus mit eigenen Leuten besetzt. In einer Zeit, wo alle Welt von Kostenreduzierung durch Outsourcing redet, ist das bemerkenswert. Der wirtschaftliche Erfolg aber gibt Sport-Thieme recht. Und was das Marketing anlangt, macht ihnen so schnell niemand etwas vor, Provinz hin oder her. Ähnliches gilt bei knapp 900 Zulieferern und über 150.000 Kunden auch für die Logistik.

Ein Jahrgang Sport-Thieme-Azubis (Foto: Sport-Thieme)

Ein Jahrgang Sport-Thieme-Azubis (Foto: Sport-Thieme)

Long-life-learning wurde deshalb in Grasleben schon praktiziert, lange bevor es bei den Global Playern zur Managementphilosophie erhoben wurde. Vielleicht liegt aber auch gerade hierin das Geheimnis, was einen Job in diesem mittelständischen inhabergeführten Unternehmen so attraktiv macht. Jedes Jahr stellt Sport-Thieme rund zehn neue Azubis ein. Der größte Bedarf besteht an Groß- und Außenhandelskaufleuten sowie Fachkräften für Lagerlogistik. Für Abiturienten ebenfalls interessant sind die Ausbildungsmöglichkeiten zum Fachinformatiker sowie zum Mediengestalter Digital und Print. Beide Berufsgruppen braucht das Unternehmen, denn Sport-Thieme lässt all seine Kataloge wie auch den Internet-Shop im eigenen Haus entwerfen und betreiben. Vierzig Prozent des Versandhandelsumsatzes werden bereits heute via E-Commerce abgewickelt, Tendenz steigend.

Verantwortungsbewusstsein plus Leistungsbereitschaft

Für Azubis wichtig, bei Sport-Thieme wird niemand allein gelassen. Jeder Neue erhält einen Paten zur Seite gestellt, nicht als Aufpasser, sondern als Ansprechpartner für Fragen, auf die man noch keine eigenen Antworten hat. Das Unternehmen lässt jungen Menschen bewusst Zeit zum Wachsen und Selbständigwerden. Die Paten sind Azubis aus dem zweiten oder dritten Lehrjahr. „Da gibt es dann garantiert keine Verständigungsprobleme“, weiß Ausbildungsleiterin Hildegard Siemann. Überhaupt liegt ihr und der Geschäftsführung viel an einem kollegialen Arbeitsklima, bodenständig gewachsen, nichts Aufgesetztes und schon gar nicht nach der Methode chaka chaka … Zum Ausbildungsbeginn gibt es für die Azubis quer über alle Ausbildungsjahre eine zweitägige Kennenlernfahrt. Es geht um die Integration in die Thieme-Familie, also ums Teambuilding.

Jahresevent: Fallschirmspringen (Foto: Sport-Thieme)

Jahresevent: Fallschirmspringen (Foto: Sport-Thieme)

Monatliche Azubitreffen, der wöchentliche Azubisport, dazu das ein oder andere externe Seminar intensivieren den Zusammenhalt weiter. Viel Feedback gibt es auch in den einzelnen Ausbildungsstationen. So erstellt jede Abteilung eine Beurteilung, die anschließend in einer intensiven Stärken-Schwächen-Analyse ausgewertet wird. Nicht um jemanden auf seine Fehler zu reduzieren, sondern um sich weiterentwickeln zu können. Deshalb nimmt man sich für die Bewerberauswahl viel Zeit. Je besser die Grundlagen, umso größer die Chancen für einen Ausbildungsplatz. 17 Jahre Mindestalter werden vorausgesetzt, ein mittlerer Abschluss ist gewünscht, Fachhochschulreife oder Abitur sind gerne gesehen. Im Zeugnis fällt der Blick zuerst auf die Noten in Deutsch, Mathe und Englisch. Gute Ergebnisse hier aber werden von unentschuldigten Fehltagen sofort zunichte gemacht. An dieser Stelle gibt es kein Pardon. „Das ist für uns ein wichtiges Indiz für Verantwortungsbewusstsein und Verlässlichkeit“, lautet die Erklärung der Verantwortlichen von Sport-Thieme.

Gerne sieht man es beim Graslebener Versandhändler auch, wenn die Eltern ihre Kinder in dem Bemühen unterstützen, bei Sport-Thieme beruflich Fuß zu fassen. „Die soziale Einbettung ist gewiss nicht alles“, ist Hildegard Siemann überzeugt, „aber fehlt sie, fehlt ein wichtiger Eckpfeiler für den Erfolg.“ Da die Arbeit der Groß- und Außenhandelskaufleute häufig übers Telefon läuft, wird schließlich auch viel Wert auf eine klare Aussprache gelegt. Und auch im weiteren Sinn stehen kommunikative Fähigkeiten auf der Rangliste gewünschter Kompetenzen ganz weit oben. Der Beamte des städtischen Sportamtes will anders angesprochen werden als der Unternehmer eines Fitnessstudios oder der Manager eines Bundesligaklubs. Die Mentalitäten sind regional sehr unterschiedlich. Doch alle müssen das Gefühl haben, mit ihren Wünschen, Sorgen und Nöten in den richtigen Händen zu sein, egal ob sie von einer der ostfriesischen Inseln anrufen, einen rheinischen Zungenschlag haben oder nur in schwäbischem Dialekt verhandeln können. Hier stellt das Unternehmen hohe Anforderungen. Das gilt in gleicher Weise fürs Auslandsgeschäft.

Das Ohr am Puls des Kunden

Alle ziehen an einem Strang (Foto: Sport-Thieme)

Alle ziehen an einem Strang (Foto: Sport-Thieme)

Kommunikation ist für Thieme allerdings keine Einbahnstraße. Denn langfristig kann ein Versandhändler nur dann Erfolg haben, wenn er die Wünsche seiner Kunden aufzunehmen und in seiner Produktpalette widerzuspiegeln vermag. Die ins Haus zu holen, ist deshalb eine ganz wichtige Aufgabe für alle Thieme-Mitarbeiter, besonders natürlich von denen, die im unmittelbaren Kundenkontakt arbeiten. Mehr als 1.000 Neuentwicklungen sind so über die Zeit in den hauseigenen Werkstätten entstanden. Jedes Jahr rücken rund 400 Artikel neu in den Katalog. Wo die Azubis diese sozialen Fähigkeiten trainieren können? „Zum Beispiel als Volunteer bei den National Games der Special Olympics“, gibt Martin Strobel ein Beispiel. Zuletzt fanden die Sommerwettbewerbe 2012 in München statt, die Winterspiele 2013 in Garmisch Partenkirchen. Immer dabei auch Azubis von Sport-Thieme. Special Olympics sind die Sportorganisation für geistig Behinderte. Sie organisiert neben nationalen auch europäische und Weltspiele. Für die meisten Azubis sind es die ersten Kontakte mit behinderten Menschen. „Die prägen und formen“, beobachtet Martin Strobel. „Wer einmal teilgenommen hat, möchte gerne wieder fahren.“

Nach der Ausbildung erfolgt der berufliche Ansatz gemäß Bedarf und Interesse vor allem im Kundenservice, im Marketing, dem Einkauf, Produktmanagement oder der Logistik. Berufliches Weiterkommen ist abhängig allein von den gezeigten Leistungen. Wer sich zu einem Abend- oder Fernstudium entschließt, kann auf tatkräftige Unterstützung des Unternehmens zählen. Danach eröffnen sich, wie den jährlich bis zu fünf Trainees mit Hochschulabschluss auch, gute Aufstiegsmöglichkeiten, vor allem im Marketing, dem Export und den zentralen betriebswirtschaftlichen Steuerungsfunktionen. Gerne gesehen sind Absolventen solcher Studiengänge wie Sportmanagement, Sport und Technik, Betriebswirtschaft sowie Informatik. Die Leistungen, die Sport-Thieme ihnen allen bietet, können sich sehen lassen: 13. Monatsgehalt, Gewinnbeteiligung, Gesundheitstage, Zuschüsse für Kinderbetreuung, Physiotherapie, Fitnessstudio, Mittagessen und Anfahrt zur Arbeitsstelle. Da bleiben kaum Wünsche offen. Daran soll sich auch beim bereits eingeleiteten Stabwechsel in der Geschäftsführung von Hans-Rudolf Thieme auf seinen Schwiegersohn Maximilian Hohe und seine Tochter Katharina Thieme-Hohe nichts ändern.

 


Unternehmenssteckbrief
(Stand: 01.11.2013)
Firmengründung: 1949
Sitz der Unternehmenszentrale: 38368 Grasleben, Helmstedter Straße 40
Verkaufsniederlassungen: Berlin, Düsseldorf, Nürnberg
Mitarbeiter: 275 (davon 23 Auszubildende)
Umsatz: ca. 40 Mio Euro (davon 87% in Deutschland und 13% im Ausland)
Ausbildungsmöglichkeiten:

  • Kaufmann/Kauffrau Groß- und Außenhandel
  • Fachinformatiker/-in, Fachrichtung Anwendungsentwicklung und Fachrichtung Systemintegration
  • Mediengestalter/-in Digital und Print, Fachrichtung Gestaltung und Technik, Ausbildungsschwerpunkt Printdesign und Ausbildungsschwerpunkt Webdesign
  • Holzmechaniker/-in
  • Fachkraft für Lagerlogistik
  • Fachlagerist/-in

Duales Studium: kein Angebot
Schülerpraktika: 10 Plätze pro Jahr
Bewerbungen: schriftlich oder online
Kontaktmöglichkeiten: Hildegard Siemann, Tel.: 05357 – 181145; Fax: 05357 – 970145; Mail: hsiemann@sport-thieme.de
Internet: http://www.sport-thieme.de/wirueberuns/ausbildung/

 

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