So vergeben die Hochschulen ihre Studienplätze

Von Hans-Martin Barthold und Rainer Hoppe | 15. Mai 2015 (Die Autoren danken der Stiftung Hochschulzulassung für die rechtliche Begutachtung des Textes.)

Allgemeine Bestimmungen

In bestimmten Studiengängen können die Hochschulen eine Studienzulassung neben dem Nachweis des Abiturs zusätzlich vom Nachweis eines einschlägigen Praktikums abhängig machen.

Als Wartezeit gilt unabhängig von vorherigen erfolglosen Bewerbungen und unabhängig davon, was der Bewerber in diesem Zeitraum gemacht hat, die Zeit zwischen dem Erwerb des Abiturs und dem geplanten Studienbeginn. Hinzuweisen ist, dass im Auswahlverfahren für die medizinischen und pharmazeutischen Studiengänge Studienzeiten an ausländischen Hochschulen gegenwärtig noch als Wartezeit zählen, während Studienzeiten an deutschen Hochschulen (sogenanntes Parkstudium) nicht als Wartezeit gelten, also wartezeitschädlich sind! In örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen ist die Situation gegenwärtig nicht mehr einheitlich. Einige Hochschulen haben in ihren Zulassungsverordnungen inzwischen festgeschrieben, dass auch Studienzeiten an ausländischen Hochschulen nicht mehr als Wartezeiten gelten, sondern wie Studienzeiten an deutschen Hochschulen wartezeitschädlich sind. Die Hochschulen führen keine fortlaufenden Wartelisten. Bewerber müssen sich also zu jedem Studienanfangstermin erneut bewerben.

Im Zulassungsbescheid wird den Bewerbern eine Frist gesetzt (sogenannte Rückmeldefrist), innerhalb derer sie der Hochschule ihre Bereitschaft erklären müssen, den Studienplatz annehmen zu wollen. Lassen Bewerber diese Frist verstreichen, verfällt die Zulassung.

Besondere Bestimmungen gelten für Bewerber, die einen gesetzlich geregelten Dienst wie etwa das Freiwillige Soziale Jahr, das Freiwillige Ökologische Jahr etc leisten. Können Sie einen angebotenen Studienplatz wegen der Ableistung des Dienstes nicht annehmen,  werden sie nach Ende des Dienstes über die Vorabquote bevorzugt zugelassen. Das bedeutet praktisch eine Studienplatzgarantie. Allerdings gilt diese Garantie nur für die beiden auf das Dienstende folgenden Studienanfangstermine. Danach verfällt sie. Und die Garantie besteht nur für den Studiengang und die Hochschule sowie die Quote, für die und in der zuvor eine Zulassung ausgesprochen wurde. Die zuvor erfolgte Zulassung ist selbstverständlich nachzuweisen. Erfolgte die Zulassung in einem Studiengang des Dialogorientierten Vergabeverfahrens (DoSV), muss der Bewerber sich entscheiden, für welchen Studiengang und welche Hochschule er eine sogenannte Rückstellung wünscht.

Bewerber mit einem in einem EU-Mitgliedstaat, Norwegen, Lichtenstein und Island erworbenen Abitur werden deutschen Bewerbern gleichgestellt. Das Gleiche gilt für Nicht-EU-Bürger, die das Abitur in Deutschland erworben haben sowie für deutsche und nichtdeutsche Bewerber, die das Abitur außerhalb der EU an einer anerkannten Deutschen Auslandsschule erworben haben. Alle anderen Bewerber, auch Deutsche, die das Abitur an einer Schule außerhalb der EU erworben haben, müssen zunächst die Gleichwertigkeit ihres Bildungsabschlusses mit der deutschen Hochschulzugangsberechtigung an der gewünschten Hochschule beantragen und werden dann über die sogenannte Ausländerquote zugelassen.

Bewerber, die wegen persönlich nicht zu verantwortender Umstände daran gehindert waren, das Abitur mit einem besseren Notendurchschnitt oder zu einem früheren Zeitpunkt abzulegen, können einen Antrag auf Nachteilsausgleich stellen und werden dann mit dem fiktiv besseren Abiturnotendurchschnitt oder einer fiktiv längeren Wartezeit ins Auswahlverfahren aufgenommen.

Bewerber, deren Studienabschluss etwa wegen einer Krankheit mit schnell fortschreitendem Verlauf gefährdet ist, können einen Härtefallantrag zur sofortigen Zulassung unabhängig von Abiturnotendurchschnitt oder Wartezeit stellen.

Eigene Zulassungsquoten bestehen unter anderem auch für Bewerber mit besonderer Hochschulzugangsberechtigung sowie für Bewerber, die aufgrund vorliegender Berufspraxis (sogenannte Berufserfahrene Erwachsene) zum Studium zugelassen werden.

Studienplätze, die die Hochschulen in den regulären Vergabeverfahren bis Ende August beziehungsweise bis Ende Februar nicht besetzen konnten, bieten sie im September/Oktober für das Wintersemester und im März/April für das Sommersemester auf dem Portal „Studienplatzbörse“ (www.hochschulkompass.de/studienplatzboerse.html) an. Daneben gibt es ein zweites, ebenfalls nur temporär zur Verfügung stehendes Portal www.freie-studienplaetze.de. Für die Studiengänge des Dialogorientierten Auswahlverfahrens (DoSV) führt die Stiftung Hochschulzulassung ein sogenanntes Clearingverfahren durch. Erfolglose Bewerber sollten alle diese Möglichkeit einer kurzfristigen Bewerbung unbedingt nutzen.

Bewerbungs- und Auswahlverfahren der Hochschulen in zulassungsfreien Studiengängen

Bestehen für den gewünschten Studiengang keine Zulassungsbeschränkungen erhalten alle Bewerber, die sich fristgerecht beworben haben, unabhängig von der Abiturdurchschnittsnote und eventueller Wartezeit einen Studienplatz. Die Bewerbungsfristen können von den sonst üblichen Fristen (15. Juli für das Wintersemester; 15. Januar für das Sommersemester) abweichen und je nach Hochschule gegebenenfalls bis unmittelbar zum Semesterbeginn reichen. Teilweise ist eine Immatrikulation auch ohne formale Bewerbung möglich.

Bewerbungs- und Auswahlverfahren der Hochschulen in örtliche zulassungsbeschränkten Studiengängen

Die Auswahlverfahren in örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen sind so vielfältig wie zulassungsbeschränkte Studiengänge zahlreich. Jedes Auswahlverfahren einzeln zu beschreiben ist deshalb unmöglich. Bewerbern bleibt nichts anderes übrig, als sich die Zulassungsverordnungen der gewünschten Hochschulen en détail und intensiv anzuschauen. Wir möchten uns im Folgenden auf die Erklärung der allen Verfahren zugrunde liegenden Strukturen beschränken.

Nach Abzug der eingangs beschrieben Quoten für ausländische Studienbewerber, Bewerber mit besonderer Hochschulzugangsberechtigung, Härtefälle etc. werden die verbleibenden Studienplätze nach Wartezeit (10 – 25 Prozent) und Leistung (75 – 90 Prozent) vergeben. Die anwendbaren Kriterien in der Leistungsquote werden in den Hochschulzulassungsgesetzen der einzelnen Bundesländer definiert.

In einigen Bundesländern können sich die Leistungskriterien alleinig auf die Abiturdurchschnittsnote beschränken. In anderen Bundesländern, wie etwa Niedersachsen, sind die Hochschulen gezwungen, für einen gewissen (Mindest)Anteil von Studienplätzen noch mindestens ein zweites Auswahlkriterium anzuwenden, wenn gewünscht aber auch zusätzlich weitere. Darüber hinaus dürfen die Hochschulen festlegen, mit welchen Anteilen beziehungsweise zu welchen Prozentsätzen diese einzelnen Kriterien in die Auswahlentscheidung einfließen.

Dabei gelten folgende Grundsätze:

  • die Abiturdurchschnittsnote ist stets Auswahlkriterium.
  • die Abiturdurchschnittsnote darf durch kein anderes Auswahlkriterium dominiert werden.

Beispiel: Die Hochschule legt neben der Abiturdurchschnittsnote als zusätzliche Auswahlkriterien gewichtete Einzelnoten in Fächern, die für den jeweiligen Studiengang besondere Relevanz besitzen, sowie das Ergebnis eines fachspezifischen Studierfähigkeitstests zugrunde. Zulässige Gewichtungen wären:

  • Abiturnote 50%, gewichtete Einzelnoten 30%, fachspezifischer Studierfähigkeitstest 20%.
  • Abiturnote 33,3%, gewichtete Einzelnoten 33,3%, fachspezifischer Studierfähigkeitstest 33,3%.

Eine unzulässige Gewichtung wäre:

  • Abiturnote 20%, gewichtete Einzelnoten 60%, fachspezifischer Studierfähigkeitstest 20%.

Bewerbungs- und Auswahlverfahren der Hochschulen in örtliche zulassungsbeschränkten Studiengängen und einer Vergabe über das Dialogorientierte Serviceverfahren (DoSV)

Einige Hochschulen vergeben ihre örtlich zulassungsbeschränkten Studiengänge über das von der Stiftung für Hochschulzulassung verantwortete Dialogorientierte Serviceverfahren (DoSV). Der Bewerber kann sich in diesem Verfahren für mehrere Studiengänge und jeweils unterschiedliche Hochschulen bewerben. Die Optionen sind auf 12 Bewerbungsmöglichkeiten beschränkt. Die endgültige Priorisierung auf einen Studiengang und/oder eine Hochschule kann der Bewerber erst während des laufenden Verfahrens treffen.

Zunächst muss sich der Bewerber auf dem Internetportal der Stiftung für Hochschulzulassung (www.hochschulstart.de) mit einem Account registrieren. Nach erfolgreicher Registrierung erhält der Bewerber eine Bewerber-ID und eine sogenannte BAN (Bewerber-Authentifizierungs-Nummer). Die Hochschulen können eine zentrale oder dezentrale Bewerbung vorschreiben.

Der Bewerber kann den Stand im Auswahlverfahren jederzeit einsehen und seine Ziele diesem Stand und seinen Zulassungsmöglichkeiten entsprechend anpassen. Alle weiteren Details sind www.hochschulstart.de zu entnehmen.

Bewerbungs- und Auswahlverfahren der Stiftung für Hochschulzulassung für bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge

Dieses Verfahren umfasst gegenwärtig die Studiengänge Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin (Studienbeginn nur im Wintersemester möglich) und Pharmazie. Die Bewerbung erfolgt online mit dem Portal AntOn über www.hochschulstart.de. Die erforderlichen beglaubigten Unterlagen sind weiterhin per Post an die Stiftung Hochschulzulassung einzusenden.

Die Studienplatzvergabe erfolgt im zeitlichen Nacheiander in drei Quoten. Der Bewerber entscheidet, ob er eine Beteiligung in allen drei oder auch nur in einer oder zwei der nachfolgend aufgeführten Quote wünscht. Zur Wahrung der Zulassungschancen sollte aus Bewerbersicht gleichwohl tunlichst keine Quote ausgeschlossen werden.

  • Abiturbestenquote:

In dieser Quote konkurrieren die Bewerber nur mit Bewerbern des eigenen Bundeslandes (Landesquote), unabhängig davon, ob sie das Studium an einer Hochschule des eigenen Bundeslandes oder einer Hochschule eines anderen Bundeslandes aufnehmen wollen. So ergeben sich für die einzelnen Bundesländer in der Regel unterschiedliche Grenzrangwerte. In dieser Quote müssen die Bewerber mindestens eine und dürfen maximal sechs Wunschhochschulen angeben.

Die Auswahl der Wunschhochschulen sollte gut überlegt sein, denn es gibt Hochschulen, die von vielen Bewerbern angewählt werden, und solche, die weniger begehrt sind. Was steht dahinter? Zu den 20% unter den Bewerbern mit der besten Abiturnote zu gehören, bedeutet noch nicht, über diese Quote auch tatsächlich an einen Studienplatz zu kommen. Denn es könnte passieren, dass die angegebene/die angegebenen Hochschulen von mehr Bewerbern angewählt wurde(n), als sie in dieser Quote Studienplätze zu vergeben hat/haben. Dann erfolgt eine erneute Reihung der Bewerber allein nach der Abiturnote ohne Differenzierung nach dem Bundesland, in dem das Abitur abgelegt wurde. Steht man hier unter dem Strich, ist der Vorteil futsch und verfällt die ursprünglich erreichte Zulassung. Bei den nachrangig genannten Hochschulen werden zunächst die Bewerber berücksichtigt, die diese Hochschule an erster Stelle benannt haben. Bewerber, die in ihrer Onlinebewerbung ihren Wunsch, bei erfolgloser Auswahl in dieser Quote am weiteren Verfahren teilnehmen zu wollen, kundgetan haben, werden diesem Wunsch entsprechend am weiteren Auswahlverfahren beteiligt.

Sollten Bewerber aus irgendwelchen Gründen in dieser Quote an einer Hochschule angenommen worden sein, diesen Studienplatz aber ablehnen, werden sie vom weiteren Vergabeverfahren ausgeschlossen. Deshalb sollten nur Hochschulen angeben werden, an denen man auch wirklich studieren möchte.

  • Wartezeitquote:

In dieser Quote werden keine Landesquoten gebildet, sondern konkurrieren die Bewerber ohne Ausnahme bundesweit miteinander. Die Bewerber können erneut maximal sechs Wunschhochschulen angeben, an die sie eine Verteilung wünschen. Diese Hochschulen können, aber müssen nicht identisch mit den Hochschulen sein, die der Bewerber für die Abiturbestenquote genannt hat.

Falls der Bewerber andere als die genannten Hochschulen nicht ausdrücklich ausgeschlossen hat, kann eine Zuweisung bei erfolgloser Prüfung seiner Wunschhochschulen entsprechend sozialer Kriterien auch an eine der anderen Hochschulen erfolgen. Hat der Bewerber aber andere als die von ihm angegebene(n) Wunschhochschule(n) ausgeschlossen und kann dort nicht berücksichtigt werden, wird er vom weiteren Auswahlverfahren ausgeschlossen.

  • Hochschulquote:

Bewerber, die an dieser Quote teilnehmen wollen, müssen mindestens eine und dürfen maximal sechs Wunschhochschulen angeben. Die Hochschulen können in dieser Quote nach einem oder auch mehreren Kriterien auswählen. Bewerber sollten sich die jeweils aktuellen Auswahlmodalitäten genau anschauen. Auswahlkriterien können sein:

  • Abiturdurchschnittsnote (ist immer Auswahlkriterium!)
  • Gewichtete Einzelnoten in Schulfächern, die für den jeweiligen Studiengang besonders relevant erscheinen
  • Ergebnis eines fachspezifischen Studierfähigkeitstests (etwa TMS)
  • Vorbildung durch eine einschlägige Berufsausbildung oder Berufstätigkeit sowie durch eine fachspezifische ehrenamtliche Tätigkeit
  • Persönliches Auswahlgespräch
  • Eine Kombination dieser Auswahlkriterien.

Hinweis: Die Abiturdurchschnittsnote darf durch kein anderes Auswahlkriterium dominiert werden (siehe Beispiel unter „Bewerbungs- und Auswahlverfahren der Hochschulen in örtliche zulassungsbeschränkten Studiengängen“).

Hochschulen können zur Vereinfachung des Verfahrens der eigentlichen Endauswahl eine Vorauswahl nach Abiturnotendurchschnitt oder dem Rangplatz vornehmen, dem der Bewerber der Hochschule auf der Liste der sechs Wunschhochschulen zugeordnet hat.

Beispiel: Die Hochschule legt fest, dass nur Bewerber in die Endauswahl kommen, die:

  • das Abitur mindestens mit dem Notendurchschnitt X abgelegt haben

oder

  • die Hochschule an die erste beziehungsweise zweite oder dritte Stelle der Liste ihrer Wunschhochschulen gesetzt haben.

Hochschulen, die nach Abschluss des Verfahrens nicht alle Studienplätze besetzen konnten, führen zur Vergabe dieser unbesetzten Studienplätze ein sogenanntes Losverfahren durch. Bewerber, die keinen Studienplatz erhalten haben, können sich dafür bis Ende September (Wintersemester) beziehungsweise bis Ende März (Sommersemester) direkt bei den Hochschulen bewerben.

All diese Verfahrensdetails gelingt es freilich nur dann kreativ zu nutzen, wenn man die dahinter liegenden Prinzipien verstanden hat. Die werden im vorherigen Artikel beschrieben. [Zurück zum Artikel]