Rolf-Dieter Krause – Eine journalistische Karriere mit Haltung

Von Hans-Martin Barthold | 15. November 2013

Rolf-Dieter Krause - ARD-Studioleiter Brüsseln (Foto: WDR/Herby Sachs)

Rolf-Dieter Krause – ARD-Studioleiter Brüsseln (Foto: WDR/Herby Sachs)

Bei meinen ersten Kontakten per Mail und Telefon erlebe ich ihn freundlich zugewandt, aber zugleich stets und unbeirrt auf die Sache konzentriert. Unverbindlicher Small Talk ist seine Sache nicht, eitles Geschwätz, in dem sich nicht wenige seiner journalistischen Kollegen gerne sonnen, bereitet ihm Unbehagen. Stattdessen bevorzugt er, was altmodisch echt und neudeutsch authentisch genannt wird. Am Schluss unseres langen Gespräches bin ich mir gewiss, genau so ist er. Ich rede von Rolf-Dieter Krause, dem Leiter des ARD-Studios in Brüssel, von einigen liebevoll rdk genannt.

Spätestens seit der Eurokrise kennt ihn jedes Schulkind auch noch im entlegensten Dorf auf der schwäbischen Alb. Denn sein Gesicht ist seit deren Ausbruch immerhin in sämtlichen Nachrichtensendungen der ARD allgegenwärtig. Kaum einer erklärt die wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen rund um die europäische Gemeinschaftswährung, deren Hintergründe und wahrscheinliche Auswirkungen so einfach, so verständlich und so überzeugend wie er. Das anerkennen selbst die, die seine politischen Schlussfolgerungen nicht teilen. Solche Kompetenzen gründen bei Rolf-Dieter Krause, der in Lüneburg geboren wurde und in Braunschweig aufwuchs, neben einem wachen Verstand vor allem in unermüdlichem Fleiß, ausdauernder Beharrlichkeit und der Selbstverpflichtung zu intellektueller Redlichkeit.

Interesse für die Menschen hinter den Informationen

Während seiner Zeit an der Braunschweiger Gaußschule dachte er allerdings weder an Brüssel, noch an eine journalistische Karriere. Die Architektur reizt ihn, freilich weniger der Bau von Bürokomplexen, Bankentürmen oder Werkhallen als der von Wohnhäusern. Doch dann setzt er die Vielzahl der Architekten mit der schrumpfenden Zahl von Baulücken in Verbindung, die die Bomben des zweiten Weltkriegs der Stadt geschlagen hatten, und verwirft die Idee. Auch von seinem zweiten Berufswunsch Kapitän nimmt er schnell wieder Abstand. Ihm schwant die Unvereinbarkeit dieses Berufes mit der Gründung einer Familie. Und ohne die möchte er nicht sein.

ARD-Studio Brüssel (Foto: WDR/Herby Sachs)

ARD-Studio Brüssel (Foto: WDR/Herby Sachs)

Was sich daran zeigt? Schon den Schüler Krause zeichnen Eigenschaften aus, in denen wohl auch ein Teil seines späteren Berufserfolgs gründet. Als erstes ist da die Fähigkeit, Wirklichkeit so zu erfassen, wie sie ist, nicht wie man sie sich gerne wünschte. Damit verbunden der Mut, vor unausweichlichen Entscheidungen nicht wegzulaufen, sondern sich ihnen zu stellen. Schließlich die unbedingte Einbettung alles dessen in soziale Bezüge. Umbaute Räume entwerfen, ja, doch nicht, um nur seelenlose Maschinen vor Wind und Regen zu schützen, sondern um Menschen entsprechend ihrer individuellen Wünsche eine intime Vertrautheit zu schaffen. Und ein Beruf in der Seefahrt, der einem zwar das Tor zur großen weiten Welt öffnet, der aber nur zum Preis der Aufgabe von Freunden und Partnerschaft, nur zum Verzicht auf Geborgenheit und Fürsorge, also mit froststarrender  Einsamkeit zu haben wäre, nein.

Als Journalist Auge, Ohr und Mund der Stummen

Doch wenn nicht dies, was dann? Zumal der Vater, mit dem ihn ungeachtet dessen zeitlebens eine enge Beziehung verband, die Finanzierung eines Studiums strikt von unbedingter Leistungsbereitschaft abhängig macht. Aus der Sicht des Sohnes entfaltet diese Forderung allerdings ein eher geringes Überzeugungspotential, hat bisher doch auch lediglich punktueller Lerneinsatz ausgereicht, alle Prüfungsklippen, selbst die des Abiturs, oft zwar knapp, aber doch mit Erfolg zu meistern. Die Nabelschau um Begabungen und Vorlieben ist ebenfalls nur mäßig ergiebig. Was bleibt, sind seine Interessen an allem, was sich im Lande politisch tut, genauso wie seine Neugier auf Gott und die Welt. Vom Vater, Journalist bei der Braunschweiger Zeitung, weiß er, fürs Schreiben in einer Redaktion könnte das passen. Was lag damit näher als ein Volontariat. Damals noch mit langen Haaren – es waren die wilden 70ger Jahre – tauchte er bei der Landeszeitung Lüneburg in den journalistischen Berufsalltag ein.

Rolf-Dieter Krause: Moderation des Europa-Forums (Foto: WDR/Herby Sachs)

Rolf-Dieter Krause: Moderation des Europa-Forums (Foto: WDR/Herby Sachs)

Von Stund an drehte sich die Welt von Rolf-Dieter Krause doppelt schnell. „Ich hatte noch nie so viel, so intensiv und so hart gearbeitet“, erinnert er sich. Wichtiger aber: „Es machte trotzdem irren Spaß und ich tat es gerne!“ Was ihm in der Schule nicht gelungen war, jetzt fiel es ihm fast wie von selbst in den Schoß. Mit dem journalistischen Schreiben, wurde ihm mit jedem Tag und jedem Artikel deutlicher, hatte er seine berufliche Bestimmung gefunden, hatte er endlich das Ende des roten Fadens in die Hand bekommen. Er hat ihn bis heute fest gehalten. Doch der Weg nach Brüssel in die Beletage des Journalismus war noch lang.

Neugierig auf Gott und die Welt

Nach den Lehrjahren bei der Lüneburger Landeszeitung wechselte Krause zunächst zur Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). Zuerst wurde er Lokalredakteur in Kamen und Unna, dann in Hamm. Von den schreibenden Yuppies damals wie heute wenig wertgeschätzt, für Rolf-Dieter Krause wurden dieser Job und diese Städte zum journalistischen El Dorado. Die Existenzkrise von Steinkohle und Stahlindustrie ließ bisher intakte wirtschaftliche, politische und soziale Strukturen wie im Zeitraffer zerbröseln. Das Ruhrgebiet wurde zum Schmelztiegel großer gesellschaftlicher Umbrüche und der junge Journalist Krause war mittendrin. Die hilflosen Versuche der bisher mächtigen „Paten“, zu retten, was doch nicht mehr zu retten war, sie boten Stoff in Hülle und Fülle. Das Wort vom investigativen Journalismus war zwar noch nicht erfunden, aber genau das machten Krause und seine Kollegen. „Wir recherchierten, diskutierten und schrieben bis in die Nacht, wie in Trance“, erinnert er sich dieser Jahre, „an Karriere dachten wir dabei nicht.“

Rolf-Dieter Krause: Im Gespräch mit dem luxemburgischen Außenminister Jean Asselborn (Foto: WDR/Herby Sachs)

Rolf-Dieter Krause: Im Gespräch mit dem luxemburgischen Außenminister Jean Asselborn (Foto: WDR/Herby Sachs)

Zu einer solchen positiven Rückschau mag gewiss auch die Person seines damaligen Chefs Udo Heinze beitragen. „Ich saß ihm gegenüber und konnte täglich vieles von ihm lernen“, erzählt Krause, „neben einer gewissen Gelassenheit vor allem, wie man die richtigen Fragen stellt, um zu ergiebigen Antworten zu gelangen.“ Was der junge Redakteur schon lange ahnte, wurde dabei zur Gewissheit. „Wer Politik begreifen will, muss die wirtschaftlichen Zusammenhänge verstehen!“ Ein entsprechendes Studium, das er deswegen kurzzeitig erwogen hatte, verwarf er der inzwischen familiären Verpflichtungen wegen. Den vielen gleichaltrigen Kollegen erging es ähnlich wie ihm. „So entwarfen wir in der Redaktion ein Curriculum und organisierten eigeninitiativ Seminare und besuchten ausgewählte Weiterbildungsveranstaltungen“, blickt er auf diese bewegten Zeiten zurück.

Macht durch Informationsvorsprung

Ebenso viel lernte der 1,96 Meter Mann freilich durch intensive Gespräche mit Topmanagern aus Industrie und Finanzwirtschaft. Auf die oft gestellte Frage, wo er denn studiert habe, pflegt er deshalb immer wieder gleich zu antworten: „An der Universität des Lebens.“ Tatsächlich bedeutete diese Art des Wissenserwerbs ein Privileg. Schließlich war sein Hörsaal nicht überfüllt mit hunderten unmotivierter Kommilitonen, sondern erhielt er Einzelunterricht in den Geschäftszimmern der Unternehmensleitungen. Seine Dozenten waren keine Edelassistenten, die außer Schule und Hochschule nie etwas anderes gesehen, die außer für die formale Logik von Theoriemodellen nie existenzielle Verantwortung getragen hatten. Stattdessen lernte er bei Führungskräften, die für eventuelle Fehlentscheidungen gerade stehen mussten und gegebenenfalls mit dem Verlust ihres Jobs hafteten. Die Themen der „Vorlesungen“ waren aktuelle Fälle aus dem Wirtschaftsleben, über die Krause gerade schrieb. Ein derart exklusives Lernumfeld können nicht einmal die renommierten Businessschools bieten.

Eine Zeugnisurkunde auf Hochglanzpapier gab es dafür freilich nicht. Stattdessen war die Bestätigung seiner hier erreichten Leistungen praxisgemäß, gleichwohl „magna cum laude“. Er hatte nicht wenige Mächtige aus Wirtschaft und Politik schreibend ihres Heiligenscheins beraubt. In der Sache unangreifbar, so dass die Rechtsanwälte die bereits in der Schublade liegenden Unterlassungsklagen wegen Chancenlosigkeit frustriert in den Reißwolf warfen. Das ist für einen Nachrichtenjournalisten wie die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande mit Eichenlaub und Schwertern. Noch etwas lernte Krause in diesen Jahren. „Ich schrieb nicht allein für Akademiker, sondern für die sogenannten kleinen Leute, für Arbeiter und Angestellte.“ Und seine Aufgabe als Journalist versteht er seitdem, diesen Menschen die Geschehnisse zu erklären, bei denen sie selbst nicht dabei sein können. Um die Welt besser, um sie lebensfähiger zu machen? „Ja“, gibt er freimütig, aber ohne jede naive sozialromantische Attitüde zu. Denn seine Antwort entspringt der tiefen Überzeugung, dass ein demokratisches Gemeinwesen unbedingt der Beteiligung aller an den gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen als der Basis jeden wirtschaftlichen Erfolges bedarf.

Journalismus ist eine öffentliche Aufgabe

WDR Köln/Berlin, 08.05.09: 12. WDR Europa Forum zum Rolf-Dieter Krause: Anmoderation des Europa-Forums (Foto: WDR/Herby Sachs)

WDR Köln/Berlin, 08.05.09: 12. WDR Europa Forum zum Rolf-Dieter Krause: Anmoderation des Europa-Forums (Foto: WDR/Herby Sachs)

Sein Schritt zum Westdeutschen Rundfunk ist deshalb eine logische Konsequenz. „Denn“, ist Krause überzeugt, „journalistische Information ist eine öffentliche Aufgabe.“ Was den Wettbewerb um das journalistisch bestmögliche Ergebnis keineswegs ausschließe. Im Gegenteil sei es genau diese Befreiung vom Zwang betriebswirtschaftlicher Gewinnerzielung, die eine qualitativ hochwertige Berichterstattung garantiere. Freilich weiß Krause nach vielen Jahren Berufserfahrung, dass die Pressefreiheit vor allem eine Freiheit der Verleger, Intendanten und ihrer Chefredakteure, nicht immer und nicht in jedem Fall aber auch des einzelnen Redakteurs ist. In ein tagespolitisch eher unbedeutendes Ressort versetzt zu werden, weil man „zu gut“ ist, so die Begründung allerdings nur hinter vorgehaltener Hand, dass hat auch Krause schon erfahren müssen. Diese Formulierung, weiß man unter Kollegen, ist eine euphemistische Umschreibung dafür, unbequem geworden zu sein, also den Mächtigen zu sehr auf die Füße getreten zu haben. Die Verleihung des Wächterpreises der deutschen Tagespresse 1978 empfand Krause deshalb als fachliche Genugtuung und Bestätigung, beruflich nicht klein beizugeben.

Beim WDR wollte er Rundfunk machen, landete jedoch beim Fernsehen. Dafür musste er das Schreiben neu lernen. Denn ab sofort galt es nicht mehr, sprachlich eingängige Bilder zu entwerfen. Nun hieß die Aufgabe, sich dem Primat der (Fernseh)Bilder unterzuordnen, für diese nachlaufend zu texten und linear zu erzählen. Vorbei war es auch mit der Anonymität des Zeitungsredakteurs. „Als Fernsehjournalist wird man als Person erkennbar“, begriff Krause schnell. Das war ungewohnt. Immerhin hatte ihm sein Vater auf den Weg gegeben: Guter Journalismus ist unauffälliger Journalismus. Vor der Kamera beides miteinander zu verbinden, brauchte es Zeit, Talent und Demut. Dass es dennoch möglich ist, dafür steht heute keiner so wie Rolf-Dieter Krause.

Glück hat am Ende nur der Tüchtige

Krause lernte schnell und fand in Friedrich Nowotny, dem späteren Intendanten des WDR, einen Mentor der Extraklasse. „Wenn du eine Geschichte machen willst“, riet der ihm, „dann geh ganz nah dran. Aber bevor du sie machst, tritt noch einmal drei Schritte zurück.“ Und noch etwas lehrte Nowotny Krause, nämlich das Handeln von Personen einzuordnen, also an deren Ansprüchen zu messen, und das vom Kommentar zu trennen, in dem der Autor die  eigenen Maßstäbe anlegt. Beides stets beherzigt zu haben, ist ein weiterer Baustein seines beruflichen Erfolgs. Jedenfalls holte Nowotny Krause schon bald aus dem Düsseldorfer Landesstudio nach Bonn, nicht jedoch ohne sich zuvor genau angeschaut zu haben, was der bis dahin namenlose Redakteur dort bisher geleistet hatte. Und das fand sein Gefallen. Krauses Credo lautet nicht erst seit diesem Karriereschritt: „Leistung ist kein Garant für Erfolg, aber nur mit ihr kannst du ein Netz für den Zufall spannen.“ Je besser die Leistung, umso enger die Maschen des Netzes, um so wahrscheinlicher, das Glück des Tüchtigen auf sich zu lenken.

Was das bedeuten kann? „Ich habe schon ganze Tage recherchiert, um mir ein bestimmtes Adjektiv zu erlauben und manche Themen verfolgen mich bis in meine Träume“, beschreibt der gebürtige Niedersachse die Mühsal eines Journalisten. Dennoch hat dieser Beruf für ihn bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt. Zeit- und arbeitsaufwendige Recherchen, das A und O für einen beseelten Journalisten wie ihn, sind für Rolf-Dieter Krause Lust, nicht Last. „So lerne ich jeden Tag dazu und werde dafür sogar noch bezahlt“, ist er sich seines ganz persönlichen Privilegs bewusst. Folgerichtig hat er deshalb einen Ausflug ins Management als Programmchef Fernsehen des WDR schon nach kurzer Zeit wieder beendet. „Anders als erwartet, hatte ich in diesem Job so gut wie keine Entscheidungsfreiheit“, begründet er. Mehr noch aber mag ihm wohl die Zeit für die Recherche, seinem Lebenselixier, gefehlt haben. Die Vakanz und das Angebot, das ARD-Studio in Brüssel zu leiten, kamen da wie ein Geschenk des Himmels. Zumal er sich mit der europäischen Idee seit Schülertagen beschäftigte und Brüssel bereits von einer kurzen Zwischenstation kannte.

Ohne Scheuklappen arbeiten

WESTDEUTSCHER RUNDFUNK KÖLN Rolf-Dieter Krause - Studioleiter Rolf-Dieter Krause (Foto: WDR/Herby Sachs)

Rolf-Dieter Krause – Studioleiter Rolf-Dieter Krause (Foto: WDR/Herby Sachs)

Zwar sei die Arbeit eines Nachrichtenjournalisten, und sei er in der Brüsseler Dependance auch Chef von knapp dreißig Mitarbeitern, ähnlich der des Mechanikers auf einem Kreuzfahrtschiff. Da lassen es sich die Gäste bekanntlich jeden Abend mit Frack und langem Ballkleid beim Captain’s Dinner gut gehen. Der Mann aus dem heißen Maschinenraum unter Deck ist da nicht erwünscht. Er würde nur die gute Stimmung stören. „Doch ich fühle mich in dieser Rolle wohl. Ich brauche den Geruch von Öl und Schweiß“, sagt Krause und ergänzt, „unter den Gauklern der Yellowpress wäre ich ein Fremdkörper.“ Wohl wahr, hätte er für eine Karriere dort doch allen aufklärerischen Ansprüchen abschwören müssen. Undenkbar für einen Mann wie ihn. Immerhin ist er fest überzeugt, dass Journalisten eine Haltung haben müssen, und die dürfe nicht beliebig sein. „Journalisten sollten sich vom Chor der Claqueure fernhalten“, formuliert er es. Noch eine Übersetzung einfacher: „Als Journalist darf ich mir meinen gesunden Menschenverstand und meine Instinkte von niemandem abschwatzen lassen.“ Zugleich aber habe man allen Ideologien, die immer nur die eigene Wahrheit gelten ließen, abzuschwören. Die Wirklichkeit sei vielfältig. Weswegen das beste Selbstkontrollsystem in der Bereitschaft bestehe, eine Sache aus ganz unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. „Damit verbunden ist Fairness und Berechenbarkeit gegenüber Gesprächspartnern wie Informanten.“

Was muss passiert sein, wenn ein Mann wie Rolf-Dieter Krause, der seinen Beruf über alles liebt, zögert, ihn jungen Menschen zu empfehlen? Die Arbeitsbedingungen hätten sich dramatisch verändert, lautet seine Begründung. Der Anteil der Freelancer steige beständig, die Zahl der arbeitslosen Redakteure ebenfalls. „Courage und innere Unabhängigkeit als die Eckpfeiler guten Journalismus aber brauchen verlässliche Bedingungen“, weiß er aus eigener Erfahrung. Freie Journalisten seien indessen den Interessen der Mächtigen oft schutzlos ausgeliefert, werde ihnen zur Existenzsicherung eine wohlwollende Berichterstattung abgenötigt. In zahlreichen Fällen sind die Manipulationsversuche darüber hinaus subtiler, aber nicht weniger massiv. „Allein für den Tabakriesen Phillip Morris arbeiten in Brüssel 160 Lobbyisten“, weiß Krause.

Eins ist klar, der Druck in den Medien steigt beständig. Nur mit einem genügend starken Sender oder Verlag im Rücken können sich Journalisten noch der Anwälte solcher Konzerne und ihren Millionen schweren Unterlassungsklagen erfolgreich erwehren. Ein Einzelner ist dagegen chancenlos. Fehler dürfe man sich in einem solchen Umfeld nicht erlauben. Die Arbeitsdichte wachse deswegen beständig. Nicht zu vergessen die Macht der Arbeitgeber. Unübersehbar die Konzentrationstendenzen bei Print- und Online-Medien. Dennoch findet Rolf-Dieter Krause sich und seine Arbeit bis auf deren geringe Familienfreundlichkeit ganz normal. Ins Studio kommt er, so oft es ihm möglich ist, zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Und ja, er sei einer von, Gott sei Dank, noch immer vielen guten Journalisten. „Aber ich rage nicht heraus.“ Auch das ist er, zurückhaltend nüchtern bis zum Understatement!

 


Weiterführende Informationen:
http://korrespondenten.tagesschau.de/author/rdkrause/