Rechtsanwalt – Gesetzeslotse und Konfliktmanager

Von Hans-Martin Barthold | 15. Februar 2016

Böse Zungen behaupten, Advokaten bestritten im Zweifel alles. Ausgenommen vielleicht die Tatsache, dass auch am nächsten Morgen die Sonne wieder aufgeht. Rechtsanwälte also eine Horde von lärmenden Streithammeln? Martin W. Huff, Geschäftsführer der Kölner Rechtsanwaltskammer sowie selbst Anwalt, lacht und schüttelt den Kopf. Doch weist er darauf hin, dass Rechtsanwälte stets dann gebraucht würden, wenn Konfliktparteien nicht mehr weiter wüssten. Und gibt zu, dass seinesgleichen in dem einen oder anderen Fall tatsächlich fähig und willens sein müssten, Meinungsverschiedenheiten über einen strittigen Sachverhalt selbstbewusst, mit Leidenschaft und guten Argumenten auszufechten. „Aber“, ergänzt er das Anforderungsprofil seines Berufes, „wir müssen natürlich auch die Kunst des Konsenses beherrschen.“ Beides steht freilich unter dem Vorbehalt, dass Rechtsanwälte neben Richtern und Staatsanwälten als ein Organ der Rechtspflege einige Benimmregeln zu beachten haben. Als da wären nach der Bundesrechtsanwaltsordnung Sorgfalt, Unabhängigkeit, Neutralität, Verschwiegenheit und Sachlichkeit. Zänkische Rechthaberei gehört nicht dazu.

Swen Walentowski/Deutscher Anwaltverein (Foto: Sven Serkis)

Swen Walentowski/Deutscher Anwaltverein (Foto: Sven Serkis)

Soweit die Theorie. In der Praxis stimmt sie freilich nicht mehr immer und manchmal sogar immer weniger mit der Berufswirklichkeit überein. Zwar war die Eröffnung oder Übernahme einer Kanzlei auch schon in früheren Zeiten nicht unbedingt eine Reichtumsgarantie, so versprach dieser Schritt doch immerhin ein sorgenfreies finanzielles Auskommen. Das gilt so inzwischen nicht mehr, zumindest nicht mehr für alle. „Bei vielen Kollegen wird auch nach fünf Jahren noch kein Porsche Cayenne vor der Kanzlei stehen“, formuliert es der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Anwaltvereins Swen Walentowski salopp. Viele Abiturienten wissen das inzwischen. Ein Blick in die Statistik der Bundesrechtsanwaltskammer erklärt einiges, wenngleich noch nicht alles. Allein in den letzten zwanzig Jahren hat sich die Zahl der berufstätigen Rechtsanwälte mehr als verdoppelt, stieg sie von 74.291 (1995) auf 163.513 (2015). Sie arbeiten in 54.912 Anwaltskanzleien. Jeder dritte Rechtsanwalt ist im Übrigen eine Rechtsanwältin.

Ausbildung gleicht einem Marathonlauf

Die Anziehungskraft des Berufs scheint also offenkundig groß. Und tatsächlich gibt es für junge Menschen, deren Interessen weniger auf Mathematik und die Naturwissenschaften, sondern eher auf Fragen eines fairen menschlichen Zusammenlebens ausgerichtet sind, keinen besseren als den Anwaltsberuf. Wer Freude am strukturierten Denken hat, wer Recht nicht als Bauchgefühl, sondern als eine gewachsene und immer wieder neu zu verhandelnde gesellschaftliche Vereinbarung anerkennt, wer die Argumentation und eine kundenorientierte Tätigkeit liebt, ist hier genau richtig. Allerdings ist der Weg in diesen Job mit sieben bis neun Jahren Ausbildungszeit ein langer und nicht selten auch beschwerlicher. Jurastudium, erstes Staatsexamen, Referendariat, zweites juristisches Staatsexamen, das alles bedarf eines langen Atems. Schon das Studium erweist sich als große Herausforderung, „denn es hat mit der Lebensrealität nur wenig zu tun“, begründet der Hamburger Hartmut Scharmer, wie sein Kölner Kollege Huff Kammergeschäftsführer und niedergelassener Rechtsanwalt.

Joachim Wagner, Joachim Wagner (Foto: ARD-Hauptstadtstudio/Steffen Jänicke)

Joachim Wagner,
Joachim Wagner (Foto: ARD-Hauptstadtstudio/Steffen Jänicke)

Das sorgt schon früh für eine exorbitant hohe Zahl an Aussteigern. Nicht einmal jeder zweite Studienanfänger hält bis zum Abschluss durch beziehungsweise scheitert in den Abschlussprüfungen. Die Examensnoten weisen in die gleiche Richtung. Nur jeder sechste Prüfungskandidat erreicht ein „voll befriedigend“ oder besser. Joachim Wagner, selbst Jurist, ehemaliger ARD-Korrespondent in London und Redaktionsleiter des Politmagazins Panorama, dazu Buchautor („Vorsicht Rechtsanwalt – Ein Berufsstand zwischen Mammon und Moral“), sieht für die hohe Dropout-Quote wie die unterdurchschnittlichen Examina freilich noch andere Gründe. „Das Jurastudium ist zu einem Sammelbecken für die Mittelmäßigen geworden“, lautet seine Analyse. Und zieht daraus zwei Schlussfolgerungen. „Vielen Absolventen mit schlechten Noten bleibt gar keine andere Wahl, als Anwalt zu werden“, die erste. Muss-Anwälte heißen sie in Juristenkreisen. Denn bei Justiz, Verwaltung und den angelsächsischen Großkanzleien, den sogenannten Law Firms, hätten sie mit solchen schlechten Voraussetzungen nicht den Hauch einer Einstellungschance. „Aber gerade diese Gruppe beherrscht ihr Handwerkszeug nur mit Einschränkungen“, so Wagner.

Arbeitsmarkt gesättigt

Diese Dinge sehen Kristina Trierweiler, Geschäftsführerin der Bundesrechtsanwaltskammer mit Zuständigkeit für die Juristenausbildung, Hartmut Scharmer, Martin W. Huff und Swen Walentowski erwartungsgemäß anders. Alle verweisen sie darauf, dass die Justiz als langjähriger Wunscharbeitgeber von Prädikatsjuristen deutlich an Anziehungskraft eingebüßt habe. „Und auch wir“, so Huff für die Kanzlei LLR Legerlotz Laschet Rechtsanwälte, „stellen nur noch Bewerber mit sehr guten Noten ein.“ Überhaupt sieht Trierweiler in der Menge der derzeit berufstätigen Rechtsanwälte kein Problem. „Die Menge an Rechtsfragen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Damit ist auch der Bedarf an qualifiziertem Rechtsrat gestiegen“, formuliert sie ihre Überzeugung. Die Zahlen des Informationssystems Studienwahl und Arbeitsmarkt der Universität Duisburg-Essen weisen freilich auf unübersehbare Sättigungstendenzen. Unter allen arbeitslosen Juristen sind über die Hälfte jünger als 35 Jahre. Dieser Wert liegt weit über dem anderer akademischer Berufsgruppen. Der Berufseinstieg fällt den Nachwuchskräften also offensichtlich zunehmend schwerer. Die Anwaltspraxis scheint für viele der letzte Strohhalm, an den sie sich klammern. Doch übertrifft die Zahl der Newcomer den Zuwachs beim Honoraraufkommen deutlich.

Gerichtssaal 01 im Justizzentrum Aachen (Foto:

Schmuckloser Gerichtssaal 01 im Justizzentrum Aachen (Foto: Wikipedia/AC Bahn)

Zudem treffen sie auf einen Markt, der sich als ein sehr heterogener präsentiert. Ganz anders, als die Nichtfachleute meinen. Da stehen den noch immer vielen Ein-Mann/Frau-Kanzleien die internationalen Rechtsfabriken gegenüber, von manchen auch als juristische Legebatterien bezeichnet. Die englische Kanzlei Linklater etwa beschäftigt weltweit über 3.000 Rechtsanwälte und lockt Berufsanfänger mit Einstiegsgehältern von 100.000 Euro und darüber. Ein Prädikatsexamen wird ebenso vorausgesetzt wie beste Englischkenntnisse. Zwölfstundentage und, wenn es die Mandate erfordern, auch eine 7-Tage-Arbeitswoche sind der Preis. Der kollegiale Wettbewerb ist kaum noch steigerungsfähig. Es gilt: up ore out. Die dem Kunden abverlangten Honorare wollen schließlich erst einmal erwirtschaftet werden. Reinhard Birkenstock soll von Jörg Kachelmann für dessen Verteidigung 450 Euro pro Stunde gefordert haben. Daneben erobern seit geraumer Zeit kleine schlagkräftige Boutiquen den Markt. Gegründet werden sie meist von exzellenten Spezialisten aus Großkanzleien.

Fachliche Spezialisierung ein Muss

Ihr Wettbewerbsvorteil ist das, was die Law Firms nicht bieten können, nämlich eine stabile persönliche Betreuung, dazu eine intensive Prozesserfahrung. Demgegenüber erschöpft sich die Arbeit vieler Nachwuchskräfte dort in der Erstellung gutachterlicher Expertisen und zuarbeitender Tätigkeiten für die Prozessführer. Nicht nur bei den Großen, sondern auch in den mittleren und kleinen Kanzleien gibt es für Newcomer ein weiteres Erfordernis. Das heißt: fachliche Spezialisierung. Auf Arbeitsrecht, Verwaltungsrecht, Steuerrecht, Strafrecht, Familienrecht, Mietrecht, Verkehrsrecht, Wirtschaftsrecht, Informationstechnologierecht, Asylrecht oder, oder, oder … Zwar firmieren Jurastudium und Referendariat immer noch unter dem Label einer generalistischen Ausbildung. Richtig ist das schon seit geraumer Zeit allerdings nur noch auf den formalen Abschluss bezogen. Der berechtigt weiterhin zur Ausübung des Richteramtes ebenso wie für eine Tätigkeit in der öffentlichen Verwaltung oder eben der Tätigkeit des Rechtsanwaltes.

Im Großenr Hörsaal der Friedrich-Schiller-Universität Jena drängen sich die Studenten (Foto: FSU/Günther)

Im Großenr Hörsaal der Friedrich-Schiller-Universität Jena drängen sich die Studenten (Foto: FSU/Günther)

Eine fachliche Spezialisierung ist heute bereits im Studium möglich. Die Prüfungsordnung für das erste Staatsexamen gibt nur noch siebzig Prozent der Studien- und Prüfungsinhalte vor. Über die restlichen dreißig Prozent entscheiden die Studenten entsprechend dem universitären Angebot autonom. Diese Chance sollten künftige Rechtsanwälte frühzeitig nutzen. Und im anschließenden praktischen Vorbereitungsdienst, dem Referendariat, konsequent fortführen. Neben den fest vorgegebenen Stationen bei Gericht und einer Staatsanwaltschaft, in der Verwaltung und einer Rechtsanwaltskanzlei kann die Wahlstation erneut in einer Kanzlei absolviert werden. Das System krankt indessen an zwei Punkten. Die Wahlstation wird unter Insidern auch Tauchstation genannt. Man ist zwar in der Kanzlei anwesend, nutzt die Zeit aber wesentlich als Prüfungsvorbereitung für das zweite Staatsexamen. Entsprechend bewegt sich der Kompetenzzuwachs in engen Grenzen.

Laxer Berufszugang sorgt für intensiven Wettbewerb

Überhaupt ist der Zugang zur Rechtsanwaltskanzlei hierzulande eher lax geregelt. Statt zehn Monaten Praxiserfahrung fordern alle anderen EU-Länder eine zwei- bis dreijährige praktische „Lehrzeit“. Da nimmt es nicht wunder, dass sich gerade die zielorientierten Nachwuchsanwälte zunächst einmal für einen Angestelltenjob in einer größeren Kanzlei entscheiden und den Sprung in die Selbständigkeit erst nach drei bis fünf Jahren Berufserfahrung wagen. Eine steigende Zahl junger Anwälte verzichtet allerdings auf diesen Schritt und bleibt berufslebenslang angestellter Rechtsanwalt. Das Erfordernis zur Spezialisierung bleibt davon unberührt. Zunehmend mehr Anwälte entscheiden sich für die berufsbegleitende Weiterbildung zum Fachanwalt. Inzwischen ist jeder vierte Anwalt Fachanwalt, einige davon sogar für zwei oder drei Rechtsgebiete. Im Vergleich zu den beiden Staatsexamina sind die hierfür gestellten Anforderungen moderat. Müssen Referendare innerhalb von vierzehn Tagen neun fünfstündige Klausuren erfolgreich bewältigen, sind es bei der Fachanwaltsprüfung bloß deren drei von insgesamt vier, die im Übrigen beliebig oft wiederholt werden dürfen.

Martin W. Huff (Foto: privat)

Martin W. Huff (Foto: privat)

Im Studium scheitert die berufsspezifische fachliche Ausrichtung in vielen Fällen schlicht an der Orientierungslosigkeit der meisten Studenten. „Daran ändert sich leider oft genug bis zum Ende des Referendariats nichts“, beobachtet Martin W. Huff mit Unbehagen. Huff ist Verfechter eines generalistischen Studiums, plädiert aber mit Blick auf das Referendariat wie der DAV für eine tätigkeitsbezogene (Sparten)Ausbildung. Die Bundesrechtsanwaltskammer lehnt das strikt ab. „Das würde die Durchlässigkeit zwischen den juristischen Berufsfeldern unnötig erschweren“, argumentiert Kristina Trierweiler. Für Huff wäre es hingegen Element zur rechtzeitigen Selbstprüfung. „Will ich wirklich Anwalt werden? Habe ich das organisatorische Geschick wie den unternehmerischen Impetus zur Führung einer Kanzlei? Kann ich mit Mandanten umgehen? Bin ich entsprechend kommunikativ? Kann ich Gesetze, Verordnungen und höchstrichterliche Grundsatzurteile auch für Laien verständlich übersetzen? Gelingt es mir, ein Mandat wirtschaftlich zu führen? Besitze ich die Selbstdisziplin für das tägliche Aktenstudium?“

Unterschiedliche Berufsanforderungen

Die Selbstprüfung schließt eine weitere Frage ein. Künftige Rechtsanwälte sollten nicht allein ihre rechtsfachlichen Interessen klar umschreiben können, sondern auch in der Lage sein zu beantworten, was für ein Anwaltstyp sich hinter ihrer Person verbirgt. Sie werden dabei entdecken, dass beide Dinge eng miteinander verwoben sind. Wird der analytisch vorgehende Jurist sich eher zum Verwaltungs- oder Markenrecht hingezogen fühlen, ist der empathische und auf Ausgleich bedachte besser im Familienrecht aufgehoben. Wird sich der gesellschaftlich engagierte Rechtsanwalt bevorzugt für das Sozial-, Arbeits- oder Mietrecht entscheiden, findet der konfliktfähige Einzelkämpfertyp seine Erfüllung vielleicht stärker im Straf- sowie im Bank- und Kapitalmarktrecht. Während etwa Anwälte für Markenrecht nur selten vor Gericht sind, müssen Strafrechtler in vielen Wochen sogar mehrfach in die Bütt.

Kristina Trierweiler/Bundesrechtsanwaltskammer (Foto: privat)

Kristina Trierweiler/Bundesrechtsanwaltskammer (Foto: privat)

Liegen die Streitwerte bei Kapitalmarktfällen nicht selten in schwindelerregenden Höhen, fristen zahlreiche Strafrechtler eine ökonomische Existenz am unteren Ende der rechtsanwaltlichen Einkommenstabelle, sind sie zum wirtschaftlichen Überleben oft genug auf die Bestellung als Pflichtverteidiger angewiesen. Jochen Wagner hat bei seinen Recherchen auch von Anwälten gehört, deren Einkommen unter der Grenze von Hartz IV liegt und die deshalb auf entsprechende Sozialleistungen angewiesen sind. Unbestritten ist, dass sich inzwischen zahlreiche Juristen, darunter auch erfolglose Rechtsanwälte, als Sachbearbeiter im gehoben Dienst öffentlicher Verwaltungen oder in Versicherungsunternehmen verdingen (müssen). Eine weitere Entwicklung dürfte den Wettbewerbsdruck für Rechtsanwälte in Zukunft erhöhen. Schon heute ist die Tätigkeit eines Rechtsanwaltes zu hohen Anteilen eine Beratungstätigkeit. Im Zivilrecht, schätzen Fachleute, liegt der Anteil außergerichtlicher Einigungen bereits jetzt bei siebzig Prozent.

Universitätsstudium vorgeschrieben

Dieser Trend dürfte sich infolge unübersehbarer Konzentrationstendenzen auf der Mandantenseite weiter beschleunigen. Wenn auch von Kanzlei zu Kanzlei unterschiedlich, so entfallen doch schon aktuell bis zu einem Fünftel des Honoraraufkommens auf Rechtsschutzversicherungen. Tendenz steigend. Darüber hinaus erlaubt das Rechtsdienstleistungsgesetz nichtanwaltlichen Anbietern Zugang zur außergerichtlichen Rechtsdienstleistung. Auch das dürfte dem Wissensmonopol der Anwälte zusetzen. Von der seit 2002 erlaubten telefonischen und onlinebasierten Rechtsberatung erwartet der Deutsche Anwaltverein indessen keine Schwächung, wohl aber eine Entlokalisierung. Der Standort der Kanzlei verliert in diesem Geschäftszweig seine Bedeutung. Gegenwärtig verteilen sich die meisten Anwälte auf München, gefolgt von Frankfurt und Berlin. Als gering schätzt Swen Walentowski die Gefahr durch nichtdeutsche Berufskollegen ein. „Die Sprachbarriere wie die fehlenden landesspezifischen Rechtskenntnisse sind eine bislang kaum zu überwindende Hürde“, so der DAV-Geschäftsführer. Umgekehrt gilt freilich das Gleiche.

Gesetzeskommentare sind ein wichtiges Handwerkszeug für Rechtsanwälte (Foto:

Gesetzeskommentare sind ein wichtiges Handwerkszeug für Rechtsanwälte (Foto: Wikipedia/Gnom)

„Wenigstens neun von zehn unserer Mandate kommen aus dem deutschen Rechtsraum“, bestätigt Martin W. Huff. Mit dem IT-Recht, dem Europäischen oder Migrationsrecht verzeichnen bisher am Rande liegende Fachgebiete einen Bedeutungszuwachs und den dafür qualifizierten Anwälten neue Mandate. Ob das die Verluste an anderer Stelle kompensieren kann? Es wurde schon gesagt. Es soll an dieser Stelle aber aus gutem Grund noch einmal wiederholt werden. Der Weg zur Anwaltskanzlei ist lang und steinig. Er führt nur über ein Universitätsstudium. Die inzwischen zahlreichen Studienmöglichkeiten an Fachhochschulen berechtigen nicht zur Arbeit als Rechtsanwalt. Anwalt zu sein, heißt zur Überraschung vieler Neulinge, sich einer strukturellen Konfliktsituation ausgesetzt zu sehen. Anwälte sind qua Beruf stets Interessenvertreter ihrer Mandanten, aber eben gleichzeitig auch dem Gemeinwesen verpflichtetes Rechtspflegeorgan. Entsprechend gut ausgebildet sollte die Frustrationstoleranz sein. Die formelle Struktur des Rechts tut ein Übriges.

Rechtsanwendung statt Rechtsgestaltung

Rechtsanwälte sind vor allem Experten für die Rechtsanwendung. Das sollte ihnen liegen, das müssen sie können, das sollte ihnen Freude machen. „Rechtsanwendung heißt“, erklärt Swen Walentowski, „für das konkrete Problem eines Mandanten unter den aktuellen rechtlichen Gegebenheiten kreativ nach einschlägigen Lösungsmöglichkeiten zu suchen.“ Gute Juristen, gute Rechtsanwälte zeichnet die Fähigkeit aus, analytisch und systemisch denken zu können. Assoziatives Handeln führt eher seltener zum Erfolg. Und natürlich benötigen Rechtsanwälte eine überdurchschnittliche Formulierungsgabe, schriftlich wie mündlich. Da sind tagtäglich viele Schriftsätze zu erstellen. Da muss das Vorgehen mit den Mandanten in zahlreichen Gesprächen ausgehandelt werden. Da ist vor Gericht vorzutragen. In allem unterliegt er dem Anspruch erhöhter Zuverlässigkeit. Die sogenannten Abmahnfürsten und industriell arbeitenden Hartz IV-Anwälte, die sich darum wenig scheren, besitzen deshalb nur wenige Freunde. In seltenen Fällen sind Rechtsanwälte aber auch bei der Rechtssetzung beteiligt. Wenn sie etwa in der obersten Instanz so überzeugend argumentieren, dass die Richter nicht anders können, als diese Argumente in ihr Grundsatzurteil einfließen zu lassen, an dem sich die künftige Rechtsprechung zu orientieren hat.

 


Daten, Fakten & Links
(Stand: 01.12.2015)

Berufstätige: 163.513 (Frauenanteil: 34 %).
Fachanwälte: 41.172. Davon besitzen 8.296 Anwälte den Fachanwaltstitel für zwei Rechtsgebiete, 693 Anwälte für drei Rechtsgebiete.
Altersstruktur berufstätiger Rechtsanwälte:  es liegen keine entsprechenden Daten vor.
Arbeitslose Rechtsanwälte: keine Daten vorhanden.
Studienanfänger Rechtswissenschaften (Universitäten): rund 26.000 (in 2013).
Absolventen Rechtswissenschaften (Universitäten): 9.000 (in 2013).
Einkommen: abhängig von Standort, Kanzleigröße und Mandatsaufkommen sowie vom Arbeitsrechtsstatus (angestellter Anwalt oder freiberuflicher Anwalt), der Berufserfahrung und der fachlichen Spezialisierung. Die Bandbreite streut zwischen 2.000 Euro und mehreren 100.000 Euro (brutto).
Studienmöglichkeiten: (nur an Universitäten) http://www.hochschulkompass.de/studium/suche/erweiterte-suche.html?tx_szhrksearch_pi1[search]=1&genios=&tx_szhrksearch_pi1[studtyp]=1&tx_szhrksearch_pi1[xtend]=1&tx_szhrksearch_pi1[fach]=Rechtswissenschaft&tx_szhrksearch_pi1[riasecLevel]=&tx_szhrksearch_pi1[sit]=1&tx_szhrksearch_pi1[sitenabled]=0&use[full]=0&tx_szhrksearch_pi1[zubesch]=&tx_szhrksearch_pi1[zusemester]=&tx_szhrksearch_pi1[lehramt]=&tx_szhrksearch_pi1[master]=0&tx_szhrksearch_pi1[sprache]=&tx_szhrksearch_pi1[ort]=&tx_szhrksearch_pi1[plz]=&tx_szhrksearch_pi1[name]=&tx_szhrksearch_pi1[hstype][1]=1&tx_szhrksearch_pi1[traegerschaft]=
und
http://www.jura.uni-sb.de/internet/jurfak.html
Weiterführende Informationen:
http://anwaltsblatt-karriere.anwaltverein.de/de/
und
http://www.brak.de/fuer-anwaelte/beruf-anwalt/
und
http://www.juracafe.de/ausbildung/index.htm
und
http://www.jurawiki.de/JuraStudium

 

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