Psychologe – Die Multitalente

Von Hans-Martin Barthold | 15. November 2015

(Karikatur: Ida Bakken)

(Karikatur: Ida Bakken)

Psychologen sind Multitalente. Anders als viele meinen, werden sie nicht bloß in der Behandlung psychisch erkrankter Menschen tätig. Nein, sie arbeiten auch als Schul-, Rechts-, Wirtschafts- oder Verkehrspsychologen, um nur einige ihrer Betätigungsfelder zu nennen. Doch ist die Aufzählung lange nicht vollständig. Unabhängig vom jeweiligen Arbeitsbereich aber verbindet sie eine Gemeinsamkeit. Immer steht der Mensch, besser: stehen Menschen und deren Handlungsmuster im Mittelpunkt ihres Tuns. In den meisten Fällen zu deren Gutem. Leider aber nicht immer. Denn die fachlichen Qualifikationen und Kompetenzen von Psychologen werden auch von Auftraggebern mit eher zweifelhaftem Ruf nachgefragt. So gab die CIA bei den Psychologen James Mitchel und Bruce Jessen die Entwicklung von Foltermethoden für den Kampf gegen den Terror in Auftrag. Mitchel und Jessen lieferten. Darunter solche Methoden wie das Waterboarding, Scheinerschießungen oder wochenlanges Einschließen in engen Stehzellen.

Anschließend überprüften die beiden mit Akribie die Effizienz ihrer Praktiken und „optimierten“ sie. Der Auftrag, für den sie bereit waren, alle moralischen Bedenken hintenanzustellen, soll der CIA 75 Millionen Dollar wert gewesen sein. Tatsächlich ist die Psychologie eine Wissenschaft, die sich mit der Frage beschäftigt, was das menschliche Verhalten bestimmt und wie es gegebenenfalls beeinflusst werden kann – im Guten wie aber offensichtlich auch im Bösen. Folgerichtig stehen deshalb das Beobachten sowie die nach wissenschaftlichen Standards erfolgende Auswertung aller erhobenen Daten im Mittelpunkt. Angesichts dessen spricht man in Fachkreisen von einer empirischen oder Erfahrungswissenschaft. Das lenkt den Blick auf die Mathematik. Denn wichtigstes „Handwerkszeug“ aller Empirie ist bekanntlich die Auswertung von Daten mit statistischen Methoden.

Breit gefächertes Studium

Judith Lanphen (Foto: privat)

Judith Lanphen (Foto: privat)

„Wie wohl viele Studienanfänger war auch ich auf die damit verbundenen mathematischen Anforderungen kaum vorbereitet“, erinnert sich Kristof Hückstädt seiner Überraschung in den ersten Semestern. Hückstädt ist Psychologischer Psychotherapeut und leitender Psychologe im AWO Psychiatriezentrum Königslutter. In seinem Berufsalltag heute kommt der Statistik freilich kaum noch mehr als eine Backroundkompetenz zu. „Das, was mich an der Psychologie aber von Anfang an fasziniert hat“, sagt Hückstädt, „sind ihre Verknüpfungen zur Medizin, den Naturwissenschaften, insbesondere der Biologie, der Sozialpsychologie und Sozialpädagogik.“ Judith Lanphen vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen, im bürgerlichen Berufsleben als Schulpsychologin tätig, steuert eine weitere Perspektive auf die Psychologie bei. Sie kam erst nach drei Studiensemestern Medizin zur Psychologie. „Der Blick der Medizin auf den Menschen war mir zu kleinteilig und zu spezialisiert“, begründet die Düsseldorferin ihren Wechsel.

Der Kardiologe schaue bloß aufs Herz, der Orthopäde nur auf Knochen und Gelenke, der Pneumologe beschränke sich allein auf die Lunge. „Als Psychologe“, so ihre Berufserfahrung, „betrachte ich den Menschen dagegen stets ganzheitlich und in allen seinen Beziehungen zur Außenwelt.“ Ganz ähnlich beschreibt Anja Kannegießer ihren Weg. Die Rechtspsychologin aus Münster hatte vor dem Studium der Psychologie ein Jurastudium mit erstem und zweitem Staatsexamen abgeschlossen. Der Grund: „Ich wollte näher an die Person herankommen, ihre Entwicklungsverläufe und Motive verstehen.“ Für den Verkehrspsychologen Peter Kiegeland aus Braunschweig besteht der Reiz der Psychologie wiederum in der Verbindung von naturwissenschaftlichen Inhalten mit geisteswissenschaftlichen humanistischen Ansätzen. Das bedeutet eine große Herausforderung.

Therapie: verhandeln statt behandeln

Kristof Hückstädt (Foto: privat)

Kristof Hückstädt (Foto: privat)

Vor diesem Hintergrund erweist sich die Psychologie mithin als klassische Grundlagenwissenschaft. Die Psychologen wiederum präsentieren sich in erster Linie als Methodenfachleute für individuelle, Sozialpsychologen stärker als Experten für gesellschaftliche menschliche Verhaltensmuster. Die Bereiche, in denen Psychologen tätig werden, sind deshalb samt und sonders Handlungsfelder an der Schnittstelle zu anderen Professionen. Bei den im klinischen Bereich tätigen Psychologen und Psychotherapeuten ist das die Medizin. Die tägliche Arbeit ähnelt so auch in großen Teilen der eines Arztes. Gleichwohl definiert sich die Rolle eines klinischen Psychologen gegenüber dem Patienten in Teilen anders als die klassische Arztrolle. „In einer Psychotherapie kann der Patient nicht einfach nur seine Beschwerden benennen, um sich dann passiv behandeln zu lassen. In unsere Arbeitsbeziehung muss er vielmehr aktiv Verantwortung übernehmen“, erklärt Kristof Hückstädt.  Während Ärzte Zwangsmaßnahmen verfügen dürfen, hat der klinische Psychologe die Autonomie des Patienten unter allen Umständen zu wahren.

„Eine erfolgreiche Psychotherapie ist zu gleichen Teilen die Arbeit des Patienten und des Therapeuten“, bringt es Hückstädt stellvertretend für seine Kollegen im AWO Psychiatriezentrum Königslutter auf den Punkt. Salopp formuliert: Ärzte behandeln, Psychologische Psychotherapeuten verhandeln. Die überwiegende Mehrheit von ihnen arbeitet auf der Basis einer verhaltenspsychologischen Qualifikation. Psychologen in einem Psychiatriezentrum wie dem in Königslutter mit etwa 700 Betten zur stationären Behandlung müssen also ähnlich einem Naturwissenschaftler belegen können, was sie zu wissen meinen. Noch mehr muss ihre Erklärung den Patienten überzeugen. Denn nur so wird er sich motivieren lassen, den Weg zu gehen, den ihm der Psychologe empfiehlt. „Ich kann niemanden auf den Berg hinauf tragen“, formuliert es Hückstädt salopp, „ich kann mit ihm nur die Vor- und Nachteile dieser Mühsal erarbeiten und ihn auf dem Weg begleiten.“ Wie alle seiner Kollegen hat auch er über eine dreijährige Zusatzausbildung die Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten erworben. Psychiater hingegen sind immer Ärzte (Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie). Nur sie dürfen, was den Psychologischen Psychotherapeuten verwehrt ist: eine medikamentöse Therapie verordnen.

Organisationsstrukturen den Mitarbeitern anpassen

Wilhelm Schilling (Foto: privat)

Wilhelm Schilling (Foto: privat)

Weniger mit Einzelpersonen als vielmehr mit Gruppen von Menschen in Systemen hat es Wilhelm Schilling zu tun. Schilling arbeitet seit 25 Jahren als Wirtschaftspsychologe. Er wird immer dann gerufen, wenn Unternehmen meinen, ihre Gewinne mit einer verbesserten Organisation der Arbeitsprozesse noch einmal steigern zu können. „Das gelingt allerdings nur, wenn ich die Menschen mitnehme und die Prozesse auf sie zuschneide“, ist Schilling, der nach dem Abitur erst einmal eine kaufmännische Ausbildung absolvierte, überzeugt. Und unterscheidet sich darin von der vorwiegend zahlengetriebenen, eindimensionalen Sichtweise der Betriebswirtschaftler. Gleichwohl dürfe man als Wirtschaftspsychologe gegenüber dem unternehmerischen Ziel der Gewinnorientierung sowie den davon bestimmten Denk- und Verhaltensweisen keine Berührungsängste haben. „Doch bleibt der Mensch stets Mittelpunkt unseres Handelns“, argumentiert Schilling. „Deshalb arbeiten wir nie bloß ergebnis-, sondern immer auch konsensorientiert.“

Dabei sehen sich Wirtschaftspsychologen stets einer Grundsatzentscheidung gegenüber. Die formuliert Wilhelm Schilling so: „Müssen Organisationsstrukturen oder muss Mitarbeiterverhalten geändert werden?“ Oft stelle man dann fest, dass das Eine kaum vom Anderen zu trennen sei. Wie beim Coaching von Führungskräften und der Personalauswahl als weiteren wirtschaftspsychologischen Arbeitsfeldern werden (eignungs)diagnostische Qualifikationen zum wichtigsten Handwerkszeug Wilhelm Schillings und seiner Berufskollegen. Das erfordert einen beständig hohen Weiterbildungsaufwand. Nicht alle scheinen bereit, diese Mühe auf sich zu nehmen. Jedenfalls ärgert es Schilling, „dass die eignungsdiagnostischen Verfahren oft nach Augenscheinvalidität ausgewählt werden.“ Soll also heißen, es kommen Verfahren zur Anwendung, die am besten vermarktet werden und für deren Qualität möglicherweise noch keine Belege vorliegen.

Daten und Entscheidungen wissenskritisch reflektieren

Auch Peter Kiegeland braucht in seinem Job als Verkehrspsychologe ebenso viel diagnostische wie methodische Kompetenzen. Das gilt nicht allein bei der Begutachtung der Fahr- und Verkehrseignung von Autofahrern, Lokführern, Piloten oder Schiffskapitänen sowie deren Rehabilitation bei eventuellen Auffälligkeiten, etwa dem Fahren unter Alkohol. Es gilt genauso bei der Gestaltung der Arbeitsplätze hinter Lenkrad, Steuerknüppel oder Stick sowie der Entwicklung kompletter Verkehrssysteme. Peter Kiegeland, der vor seinem Psychologiestudium als Trucker drei Jahre lang selbst kreuz und quer durch Europa fuhr, weiß, wovon er spricht. Immerhin leistete er in seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Kassel die Basisarbeit für die heute gebräuchlichen Fahrer-Warnsysteme gegen Übermüdung. Deren Prinzip ist leicht verständlich. Zunächst beobachtet der Attention Assist die typischen Verhaltensmuster des Fahrers bei bestimmten Bedienhandlungen, die wichtigsten Lenkbewegungen und Spurhalten. Er ermittelt auf diese Weise ein individuelles Fahrerprofil. Spätere signifikante Abweichungen infolge Ermüdung lösen ein Warnsignal aus.

Peter Kiegeland (Foto: privat)

Peter Kiegeland (Foto: privat)

Was für ihn als Verkehrspsychologe die wichtigste Kompetenz sei und wie er seine beruflich verursachten Belastungen beschreibe, möchte ich von ihm wissen. Kurzes Nachdenken, dann zwei Antworten, dazu der Hinweis, dass beides für Psychologen aller Tätigkeitsfelder gelte. „Als wichtigstes habe ich im Studium gelernt, wissenskritisch zu arbeiten“, höre ich ihn sagen. Für Psychologen bedeute das die Bereitschaft, permanent zu hinterfragen, ob man den eigenen Daten trauen kann. Andere Psychologen nennen es die Fähigkeit zum Innehalten. Auch die zweite Antwort formuliert Peter Kiegeland sehr selbstkritisch. „Werde ich mit meinen Einschätzungen und Entscheidungen dem einzelnen Menschen wirklich gerecht?“ Stets muss er zwischen unterschiedlichen Interessen vermitteln.

Da ist das Recht des Einzelnen auf uneingeschränkte Mobilität, dem der Anspruch aller anderen Verkehrsteilnehmer auf größtmögliche Sicherheit im Verkehr gegenübersteht. In anderer Form treibt diese Frage auch die Rechtspsychologin Anja Kannegießer um. Sie arbeitet überwiegend in der Aussagepsychologie, das heißt in der Begutachtung von Zeugenaussagen, sowie in Familienrechtsangelegenheiten. Ein weiteres rechtspsychologisches Arbeitsgebiet ist die Erstellung von Gutachten zur Schuldfähigkeit straffällig gewordener Menschen und deren Prognose. „Während Therapeuten mit der Wahrheit des Klienten arbeiten“, erklärt sie, „muss ich als Rechtspsychologin den Sachverhalt objektivieren.“

Persönlichkeiten und Motive erklären

Anja Kannegießer (Foto: privat)

Anja Kannegießer (Foto: privat)

Dazu verwendet sie, wie für Psychologen auch in allen anderen Arbeitsbereichen üblich, nur wissenschaftlich anerkannte, sogenannte valide Verfahren. Ihre persönliche Meinung hat dahinter zurückzutreten. Freilich gibt sie als Sachverständige lediglich eine Empfehlung ab, die Entscheidung liegt immer beim Richter. Auch Anja Kannegießer führt Gespräche mit den Klienten, im Fachjargon heißt das Exploration, ebenso viel Zeit nimmt das Studium der Akten sowie die Auswertung der Befunde ein. Schon bei einem ganz normalen Fall sind das nicht unter 100 Seiten. Ihr Verhältnis zum Klienten aber unterscheidet sich diametral von dem des Therapeuten zum Patienten. Auf  Vertrauen, dem wichtigsten Ziel des Therapeuten, können Rechtspsychologen nicht hoffen. „Ich habe keine Schweigepflicht“, weist Anja Kannegießer auf einen zentralen Punkt ihrer Tätigkeit, „ich muss dem Gericht alles offenbaren, was mir in meinem Kontakt zum Klienten bekannt wird.“ Die finale Verschriftlichung ihre Erkenntnisse in einem Gutachten setzt schließlich absolute Klarheit im Denken voraus. „Der Richter muss meine Schlussfolgerungen ohne weitere Erklärungen nachvollziehen können“, begründet sie.

Die nachvollziehbare Logik ihrer Argumentation entscheidet auch in der Arbeit von Schulpsychologen über Erfolg oder Misserfolg. Alle Schüler kommen freiwillig. Und machen ihr Bleiben wie das Mittun von einem einzigen Aspekt abhängig, der Überzeugungskraft deren Analysen und Lösungsvorschläge. Freilich werden Schulpsychologen wie Judith Lanphen nicht therapeutisch tätig. Das bleibt den Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten vorbehalten. „Die Schüler, die zu uns kommen“, beschreibt Lanphen die Grenzlinie, „haben Schwierigkeiten mit dem Lernen oder mit ihrem Verhalten in der Schule. Sie sind in den meisten Fällen aber nicht psychisch krank.“ Meist sind es Konzentrationsschwierigkeiten, die Schüler zu ihr oder einem ihrer bundesweit 1.275 Kollegen führen. „Ziel meiner Arbeit ist es zu erreichen, dass Kinder wieder gerne zur Schule gehen und trotz Hindernissen handlungsfähig bleiben“, sagt sie und bindet deshalb auch Eltern und Lehrer als die wichtigsten Multiplikatoren, deren Bereitschaft vorausgesetzt, in den Gesprächsprozess mit ein.

An den Stärken anknüpfen

Markus Flemming (Foto: privat)

Markus Flemming (Foto: privat)

„Dabei arbeite ich wie ein Detektiv“, beschreibt Lanphen, „denn ich möchte an den Stärken der Schüler anknüpfen.“ Und die wollen erst einmal gefunden werden. Das gelingt in vielen Fällen gut. Immerhin genießen Schulpsychologen den Vorteil des Blicks von außen. In den meisten Bundesländern sind sie nicht Teil des Schulkollegiums, sondern Mitarbeiter einer autonomen Beratungsstelle. Doch bedeutet das noch lange nicht die Lösung des Problems. Manchmal verweigern sich die Schüler, verharren Eltern in der Rolle des unbeteiligten Zuschauers, ziehen sich Lehrer gekränkt zurück. „Mit solchen Niederlagen müssen Schulpsychologen lernen umzugehen“, weiß Judith Lanphen aus inzwischen vielen Jahren Berufserfahrung. Entmutigen lässt sie sich dennoch nicht. „Nur wenn ich mich nicht instrumentalisieren lasse, gewinne ich das Vertrauen meiner Klienten“, weiß sie um die wichtigste Voraussetzung für die Arbeit nicht allein von Schulpsychologen.

Ganz Ähnliches gilt beispielsweise auch für die kleine Schar der Sportpsychologen. Auch sie benötigen unbedingtes Vertrauen für das, was sie tun. Sie arbeiten in einem Umfeld, in dem es um Höchstleistung und Erfolg geht. Weshalb jeder mit jedem in Konkurrenz steht. Die Vereine untereinander um den besten Tabellenplatz, der Trainer als sportlicher Experte gegenüber der Sponsoren und Fans verpflichteten Vereinsführung, die Spieler zu den eigenen Mannschaftskameraden um Spielzeit, Prämien und Gehälter. Markus Flemming, der heute die Mannschaft der Eisbären Berlin sportpsychologisch betreut, kennt das aus seiner eigenen Karriere. 17 Jahre lang hütete der Eishockeyprofi das Tor zahlreicher Vereine, darunter auch das der Adler in Mannheim und der DEG Düsseldorf, mit der er zweimal deutscher Meister wurde. „Ich helfe den Athleten, die zu mir kommen, sich mehr zu vertrauen und ihr Leistungspotential auf den Punkt genau abrufen zu können“, beschreibt der Geschäftsführer von Coaching Competence Cooperation Berlin seine Aufgabe. Und vergleicht die möglichen Versagensängste mancher Sportler mit dem Prüfungsstress von Schülern vor der Abiturklausur.

Das Ganze im Blick, dem Menschen verpflichtet

Wolfgang Klöckner (Foto: privat)

Wolfgang Klöckner (Foto: privat)

Wolfgang Klöckner war ebenfalls lange Jahre in der begleitenden Sportpsychologie tätig. Beim Deutschen Volleyball Verband etwa gehörte er jahrelang zum Staff der Herren-Nationalmannschaft. Seine Erfahrungen sind in ihrer Zwiespältigkeit typisch für viele Psychologen auch in anderen Arbeitsfeldern. „Die Trainer können aufgrund ihrer vielfachen Unkenntnis über die Analyse- und Indikationsmöglichkeiten von professionellen Sportpsychologen den Wert unserer Arbeit noch immer nicht gebührend einschätzen“, lautet sein Fazit. Die Arbeitsaufträge seien deshalb häufig ebenso unklar wie die Kompetenzen der Sportpsychologen strukturell viel zu unkonkret verankert. Die seien daran freilich nicht ganz schuldlos. „Die Anfänge der Sportpsychologie in Deutschland lagen an den Universitäten“, so Klöckner.

„Deshalb gab es schon hier viele Spannungen zwischen dem Wunsch nach wissenschaftlich legitimiertem Handeln auf der einen Seite sowie den vielschichtigen Anforderungen der Praxis auf der anderen“, fügt er an. Das gelte umso mehr in Sportarten, wo der Sport inzwischen vor allem zum Entertainment geworden sei. Heute arbeitet Wolfgang Klöckner außerhalb des Staff als Berater. Als Prozesscoach analysiert er die Qualität der organisatorischen und Kommunikationsprozesse zwischen Trainer, Staff und Mannschaft. Und spiegelt anschließend den Verantwortlichen entsprechende Optimierungsmöglichkeiten. Da schließt sich der Kreis. Weil Psychologen stets einzelnen Klienten aus Fleisch und Blut verpflichtet sind, müssen sie deren Umfeld verstehen (wollen). Das ist im Sport nicht anders als in der Schule, als Gutachter vor Gericht ebenso wie in der Therapie.

 


Daten, Fakten & Links
(Stand: 01.09.2015)

Berufstätige: ca. 92.000 (davon ca. 4.000 Fachhochschulabsolventen).
Quelle: Informationssystem Studienwahl & Arbeitsmarkt (Stand: 2012; neuere Daten liegen nicht vor)
Altersstruktur berufstätiger Psychologen:  

  • unter 30 Jahre: 12 %
  • 30 – 40 Jahre: 24 %
  • 40 – 50 Jahre: 29 %
  • über 50 Jahre: 35 %

Quelle: Informationssystem Studienwahl & Arbeitsmarkt (Stand: 2012; neuere Daten liegen nicht vor)
Arbeitslose: ca. 3.000. 41 % aller arbeitslosen Psychologen sind jünger als 35 Jahre.
Quelle: Informationssystem Studienwahl & Arbeitsmarkt (Stand: 2012; neuere Daten liegen nicht vor)
Studenten/Absolventen:

  • gesamt: ca. 50.000
  • Studienanfänger: ca. 17.000 (davon ca. 2.500 an Fachhochschulen)
  • Absolventen: ca. 6.900.

Quelle: Informationssystem Studienwahl & Arbeitsmarkt (Stand: 2013)
Einkommen (brutto):
Öffentliche Arbeitgeber

  • Berufsanfänger (Bachelor): ca. 2.800 Euro
  • Berufsanfänger (Master): ca. 3.800 Euro
  • Berufserfahrene (Master) in Führungsfunktionen: 4.500 Euro

Selbständige Psychologische Psychotherapeuten: ca. 85 Euro/Therapiestunde.
Studienmöglichkeiten:
http://www.dgps.de/index.php?id=64
Weiterführende Informationen:
„Berufsbild Psychologie – Psychologische Tätigkeitsfelder“, Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen, Berlin 2015 (zu bestellen über: info@bdp-verband.de)

 

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