Nordzucker AG – Mit (süßen) Werten wachsen

Von Hans-Martin Barthold | 15. Februar 2014

Im Leitstand der Zuckerfabrik Uelzen (Foto: Nordzucker AG)

Im Leitstand der Zuckerfabrik Uelzen (Foto: Nordzucker AG)

Es waren vorwiegend Schüler, die letztes Jahr im August aufs Messegelände in Hannover strömten. Knapp 350.000 zählten die Veranstalter am Ende. Die IdeenExpo war ihr Ziel. Der Messestand der Nordzucker AG, Europas zweitgrößtem Zuckerhersteller, zählte zu den meistbesuchten. Kein Wunder, denn ein Projektteam von Auszubildenden aller sechs deutschen Nordzucker-Standorte präsentierte mit einer Modellfabrik Technik zum Anfassen. Freundlich und geduldig erklären die Azubis den Schülern, wie in ihren Fabriken aus vielen Tonnen Rüben viele Tonnen weißer Zucker werden.

Zum Team gehört auch die siebzehnjährige Jenny Kräcker aus Klein Wanzleben. Wie sie technische Abläufe und Prozesse so gut erklären könne, wunderte sich nicht nur der Bundeswirtschaftsminister. Und wie die anderen ist er begeistert, als Jenny erzählt, statt einer Ausbildung im Büro eine Ausbildung zur Industriemechanikerin zu machen. Wer die leuchtenden Augen der zierlichen jungen Frau sieht, zweifelt keine Sekunde an ihrem Bekenntnis, dass das genau ihr Traumberuf ist. Und tatsächlich, auch im Blaumann mit ölverschmierten Fingern macht die Klein Wanzlebenerin noch immer eine gute Figur.

Produzent eines wichtigen Lebensmittels

Jenny Kräcker bei den Praxistagen „Mädchen in Technikberufen“ in Aktion (Foto: Nordzucker AG)

Jenny Kräcker bei den Praxistagen „Mädchen in Technikberufen“ in Aktion (Foto: Nordzucker AG)

Jenny ist stolz auf ihre Fabrik und auf das, was sie produziert. Tatsächlich ist die Zuckerfabrik in Klein Wanzleben eine der größten und modernsten in Europa und Zucker ein wichtiges Lebensmittel. Denn Zucker taugt nicht nur für Edelpralinen und ist nicht bloß Geschmacksträger oder Konservierungsstoff. Vielmehr ist Zucker unverzichtbarer Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung. Als Kohlehydrat ist er vor allem Energielieferant, dazu noch einer aus natürlicher Quelle. Achtzig Prozent seiner jährlichen Produktion, das sind in absoluten Zahlen 2,24 Millionen Tonnen, liefert die Nordzucker AG an die Lebensmittelindustrie.

Zucker, so wie wir ihn heute kennen, ist freilich auch ein Kind der Industrialisierung. Erst 1747 gelang es dem Berliner Chemiker Andreas Sigismund Marggraf, aus bestimmten Rübenarten Zucker zu gewinnen. „Doch dauerte es noch einmal ein halbes Jahrhundert“, weiß Pressesprecherin Tanja Schneider-Diehl, „bis die erste Rübenzuckerfabrik die Zuckerproduktion in großem Stil aufnahm.“ Der wird heute im Übrigen auch für die Arzneimittelherstellung, bei der Produktion von Waschmitteln und Kosmetika sowie in der IT-Industrie benötigt.

Innovatives Unternehmen mit Standorten in vierzehn Ländern

Die Vorläuferbetriebe der heutigen Nordzucker AG gehörten zu den frühen Pionieren dieser Verfahrenstechnologie und so hat das Unternehmen mit dem Lebensmittel Zucker Erfahrungen, die bis ins Jahr 1838 zurück reichen. Da wurde die Fabrik in Klein Wanzleben eröffnet. Heute muss die Nordzucker AG wie alle Lebensmittel produzierenden Betriebe hohe Sicherheitsstandards erfüllen. Die hat jeder Mitarbeiter und jeder Auszubildende schon vom ersten Tag an zu verinnerlichen. Schließlich führen staatliche Kontrollorgane regelmäßige Überprüfungen durch und ist die anschließende Zertifizierung ein Muss für das Unternehmen.

Ein Blick ins Innere der Zuckerfabrik Uelzen – Fast so sauber wie in einem Reinraum (Foto: Nordzucker AG)

Ein Blick ins Innere der Zuckerfabrik Uelzen – Fast so sauber wie in einem Reinraum (Foto: Nordzucker AG)

Außer in Deutschland betreibt die Nordzucker AG Fabriken und Raffinerien in Dänemark, Schweden, Finnland, Polen und der Slowakei. In Norwegen, Griechenland, Island, Irland und den drei baltischen Republiken ist sie darüber hinaus mit Vertriebszentren vertreten. Mit Blick auf Umwelt und Kosten investiert Nordzucker vor allem in den Produktionsstandorten viel Geld in Maßnahmen zur Verringerung des Energieverbrauchs als auch in die Optimierung der Abfall- und Wasserwirtschaft. Unternehmerisch bereitet man sich auf die Deregulierung des Marktes vor, denn 2017 werden die Quotenfestlegungen im Rahmen der bisherigen Zuckermarktordnung auslaufen.

Ausbildung in technischen und kaufmännischen Berufen

Für den innereuropäischen Wettbewerb fühlt sich der Vorstand in der Braunschweiger Zentrale inzwischen gut gerüstet. „Damit das so bleibt, investieren wir gezielt in die Entwicklung unserer Mitarbeiter“, gibt der Personalchef Deutschland, Peter Friedrich, einen Blick ins Innere des Maschinenraums der Nordzucker AG frei. Das beginnt bei der Ausbildung und den dualen Studiengängen, setzt sich im Trainingsprogramm für Nachwuchskräfte in der Produktion fort, schließt das „Sugar Talent“-Programme (international) ein und endet erst mit den vielfältigen Qualifizierungsangeboten der „Sugar Academy“.

Peter Friedrich, Personalchef Deutschland (Foto: Nordzucker AG)

Peter Friedrich, Personalchef Deutschland (Foto: Nordzucker AG)

Auszubildende werden in der Unternehmenszentrale in der Braunschweiger Innenstadt für die Berufe Industriekaufmann/-frau und Fachinformatiker/-in sowie an den Produktionsstandorten (siehe: Unternehmenssteckbrief) für die Berufe Industriemechaniker/-in und Elektroniker/-in gesucht. Die jährlichen Ausbildungsplatzkapazitäten sind stets am künftigen Bedarf ausgerichtet und lagen zuletzt bei durchschnittlich fünfzehn pro Jahr. Mit der Facharbeiterprüfung ist die Zeit des Lernens allerdings noch nicht vorbei. „In den darauffolgenden ein bis zwei Jahren vertiefen die Nachwuchskräfte ihr Wissen on the job, um ihre Fachkompetenz weiter abzurunden und erweiterte Aufgaben zu übernehmen“, erklärt Peter Friedrich.

Welpenschutz, Werte und hohe Ausbildungsstandarts

Die Besonderheiten der Nordzucker AG? „Auch wenn unser Unternehmen aufs Ganze gesehen groß und international aufgestellt ist“, formuliert es Peter Friedrich, „sind wir doch kein Riese.“ Die Strukturen in den einzelnen Werken sind mittelständisch und personell überschaubar. Da kennt jeder jeden. Darüber hinaus ist Zuckerproduktion ein Saisongeschäft. Die Kampagne erstreckt sich in den Fabriken von September bis Januar. Während dieser Zeit laufen die Anlagen rund um die Uhr. Da herrscht hoher Zeitdruck, da muss jeder Handgriff sitzen, denn jede Stunde Produktionsausfall verursacht hohe Kosten. „Unsere Auszubildenden genießen im Rahmen ihrer Ausbildung eine Art Welpenschutz und werden schrittweise an die Verantwortung herangeführt. So werden sie beispielsweise erst zum Ende ihrer Ausbildung im Schichtdienst tätig“, weist der Personalchef auf ein Privileg der Azubis von Nordzucker hin.

So kommen die Zuckerrüben an … (Foto: Nordzucker AG)

So kommen die Zuckerrüben an … (Foto: Nordzucker AG)

Dieses Privileg wird durch ein zweites ergänzt. Während der Instandhaltungsphase in den Monaten Februar bis August werden die Anlagen in weiten Teilen zerlegt, Verschleißteile ersetzt und wieder zusammengebaut. Hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit, muss die Linie nicht bereits am Nachmittag wieder laufen. Welchem Industriemechaniker und Elektroniker bieten sich schon andernorts solche tiefen praktischen Einblicke in Konstruktions- und Funktionsprinzipien von technischen Anlagen wie Rübenwäschen, Zuckerrübenschneidemaschinen, von Anlagen zur Extraktion, Saftreinigung, Verdampfung und Kristallisierung, von Zentrifugen und Zuckerförderwegen oder Abpackmaschinen. Nordzucker vermittelt all das nicht nur in der Theorie, am Modell oder in einer Übungswerkstatt, sondern an der Anlage, mit der in der Saison tonnenweise süße Werte produziert werden!

Werte werden von der Nordzucker AG auch gegenüber dem Personal groß geschrieben. Verantwortung, Engagement, Courage und Wertschätzung skizzieren den Handlungsrahmen im gesamten Konzern. Und schon jetzt bleibt es nicht bei bloßen Worten. Leistungsbereitschaft und Bedarf vorausgesetzt, finanziert das Unternehmen Weiterbildungen zum Techniker, Meister oder Betriebswirt. Mitarbeitern aus der Technik, die perspektivisch für eine Position mit Personalführung vorgesehen sind, werden die entsprechenden arbeitsrechtlichen und betriebswirtschaftlichen Inhalte über das Personalentwicklungsprogramm „Gewerbliche Nachwuchsführungskräfte (national)“  vermittelt. Azubis wie Jenny Kräcker haben gute Perspektiven.

Zielgerichtete Förderprogramme zur Karrierebeschleunigung

… und so verlässt der konfektionierte Zucker die Fabrik (Foto: Nordzucker AG)

… und so verlässt der konfektionierte Zucker die Fabrik (Foto: Nordzucker AG)

In das „Sugar Talent“-Programme (international) werden Mitarbeiter mit hohem Potential für zukünftige Managementaufgaben aufgenommen. Innerhalb von achtzehn Monaten durchlaufen die Teilnehmer aus unterschiedlichen internationalen Standorten der Nordzucker AG verschiedene Trainingsmodule, die sie in praktischen Projektaufgaben anwenden müssen. Das Top-Management ist hierbei als Projektsponsor und Berater eingebunden. Gute Chancen dafür dürften sich auch die dualen Studenten ausrechnen. Die Industriekaufleute studieren an der Welfenakademie, die Informatiker an der Ostfalia Hochschule, auf den Einzelfall zugeschnitten gibt es auch Möglichkeiten für Industriemechaniker. Sie alle haben immerhin schon in der Erstausbildung eine hohe Leistungsbereitschaft unter Beweis gestellt.

So vorausschauend die Nordzucker AG mit verschiedenen Förderprogrammen produktbezogen arbeitet, so strategisch geht sie auch die Personalrekrutierung an. Zahlreiche spätere Bewerbungen entwickeln sich wie bei Jenny Kräcker aus Schülerpraktika oder den Praxistagen „Mädchen in Technikberufen“. Diese Aktivitäten sind inzwischen so erfolgreich, dass sogar die Landesregierung in Magdeburg darauf aufmerksam wurde und sie der Förderung mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds für würdig hielt. Bewerber, die die Nordzucker AG bis jetzt noch nicht auf dem Radar ihrer Bewerbungsbemühungen hatten, sollten das Unternehmen ab sofort auf die Liste möglicher Ausbildungsbetriebe nehmen. Und nichts könnte den Spirit des Unternehmens besser ausdrücken, als wenn Peter Friedrich den Autor des „Kleinen Prinzen“, Antoine de Saint-Exupéry, zitiert: „Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“

 


Unternehmenssteckbrief
(Stand: 01.02.2014)

Firmengründung: 1997 entsteht die Nordzucker AG durch die Vermögensübertragung der Zucker Aktiengesellschaft Uelzen-Braunschweig (ZAG) auf die Zuckerverbund Nord Aktiengesellschaft (ZVN). Als Keimzelle der Nordzucker AG gilt die 1838 gegründete Zuckerfabrik Klein Wanzleben.
Sitz der Unternehmenszentrale: Küchenstraße 9, 38100 Braunschweig
Zuckerfabriken und Niederlassungen: 13 Zuckerfabriken und zahlreiche Handelsniederlassungen in 14 Ländern.
Mitarbeiter: 3.290
Umsatz: 2,44 Milliarden Euro (Gewinn nach Steuern: 360 Millionen Euro)
Ausbildungsmöglichkeiten:

  • Industriemechaniker/-in
  • Elektroniker/Betriebstechnik/-in
  • Fachinformatiker/-in
  • Industriekaufmann/-in

Duales Studium:

  • Betriebswirtschaftslehre (Welfenakademie Braunschweig)
  • Informatik (Ostfalia Hochschule Wolfenbüttel)
  • Maschinenbau (im Einzelfall individuell organisiert)

Bewerbungen (Ausbildung, duales Studium, Schülerpraktika): bewerbung@nordzucker.de 
Internet: www.nordzucker.de

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