Mediendesigner – Spezialisten für Bewegtbilder und 3D

Von Hans-Martin Barthold | 15. November 2017

George Lucas – Der Erschaffer der Star Wars-Filme (Foto: Wikimedia/Joi Ito)

George Lucas – Der Erschaffer der Star Wars-Filme (Foto: Wikimedia/Joi Ito)

Star Wars-Filme verzaubern inzwischen schon die dritte Generation. Am 14. Dezember wird Film Nummer 8 „Die letzten Jedi“ anlaufen. Eine weitere Trilogie mit den Filmen 10 bis 12 ist schon angekündigt. 6 Milliarden Dollar haben die sieben Vorgänger bis jetzt eingespielt. Noch einmal mehr als 30 Milliarden Dollar soll das Merchandising in die Kassen gespült haben. Damit gehört das Opus seines Erfinders George Lucas zu den erfolgreichsten Werken der Filmgeschichte. Vor allem die außergewöhnlichen Visual Effects faszinieren die Kinobesucher. Lucas gründete dafür mit dem Unternehmen Industrial Light & Magic sogar eine eigene Firma. Und die gehört auch nach vierzig Jahren noch immer zu den Besten ihres Faches. In einem solchen Film mitzuarbeiten, ist der große Traum von Tristan Dunse. Noch ist es ein Traum, doch die erste Hürde hat er bereits übersprungen. Der Visual Effects Artist mit einem Bachelor in Mediendesign der Hochschule Hannover arbeitet bei MPC (Moving Picture Company) im kanadischen Montreal, zu deren Kunden immerhin Branchenschwergewichte wie Walt Disney oder Warner Brothers gehören.

Mit dem jungen Hannoveraner zog auch seine Freundin und ehemalige Kommilitonin Jasmin Fedder in die Stadt am St. Lorenz-Strom. Wie er ist sie Mediendesignerin und arbeitet als Visual Effects Artist. Ihr Arbeitgeber in Montreal heißt indessen Cinesite Studios. Wie MPC gehört Cinesite international zu den Big Playern. MPC besitzt weltweit 9 Niederlassungen, die Mitarbeiterzahl liegt im unteren vierstelligen Bereich. Die von Cinesite erreicht immerhin auch noch einen dreistelligen Wert. In den deutschen Unternehmen sind die Größenordnungen dagegen familiärer. Die RISE FX GmbH als eines der größeren Unternehmen seiner Zunft hierzulande zählt nur etwas mehr als 80 Beschäftigte. Dazu kommen rund 120 Freelancer. Der Mediendesigner Manuel Dongowski arbeitet in der Berliner Zentrale als Visual Effects Artist. Beim Film „Tarzan 3D“ war Dongowski fürs Lighting zuständig. In der teuersten deutschen Fernsehproduktion „Babylon Berlin“ mit Produktionskosten von knapp 40 Millionen Euro, seit Oktober im Bezahlsender Sky zu sehen, trug er Verantwortung fürs Texturieren, also die Definition sichtbarer Oberflächen, sowie für die Beschaffenheit dieser Oberflächen, das sogenannte Shading.

Große Unternehmen suchen Spezialisten, kleine bevorzugen Generalisten

Manuel Dongowski (Foto: privat)

Manuel Dongowski (Foto: privat)

„Babylon Berlin“, eine Geschichte aus dem Berlin der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts, beschäftigte Manuel Dongowski über neun Monate lang. „Im Film gibt es viele Autofahrtszenen, damit also viele Straßen mit vielen Häusern“, erzählt der Absolvent der Hochschule Hannover. Seine wichtigste Aufgabe bestand darin, die Häuserfassaden nach historischen Vorlagen bis in die kleinsten Einzelheiten detailgetreu nachzubilden, so dass der Zuschauer sie für echt hält. Das hat ihm alles abverlangt. Fachliche Kompetenz natürlich, aber vor allem Disziplin und Stehvermögen. „Manche Projekte“, sagt er im Rückblick stolz, „können schon einmal länger dauern.“ Viele Absolventen der Mediendesignstudiengänge deutscher Hochschulen finden ihren Arbeitsplatz freilich in kleinen Betrieben wie der Agentur & Filmproduktion Jungtrieb in Braunschweig. Alex Koppel, einer der Gründer und heute Director of Photography, studierte Mediendesign an der Ostfalia Hochschule in Salzgitter.

Bei seinen Aufträgen, insbesondere Werbespots und Imagefilme, übernimmt Koppel regelmäßig den Platz hinter der Kamera. Zuvor aber hat er auch die konzeptionelle Idee entwickelt, die Location gesucht, das Equipment angemietet, die Darsteller gebucht und die Verträge verhandelt. Was daran deutlich wird? Je größer das Unternehmen, umso tiefergehender die fachliche Spezialisierung bis hin zum Experten für das Texturieren von Baumstämmen oder Gras. Je kleiner, umso größer die Bandbreite der Aufgaben. Mediendesigner wie Alex Koppel müssen deshalb von allem Ahnung haben, allerdings mit dem Handicap, von keinem genug zu wissen. „Deshalb beauftrage ich mit der Umsetzung wichtiger Teilaufgaben Spezialisten“, erklärt Koppel die Arbeitsprozesse in seiner Agentur. Andere machen aus den Gegebenheiten bewusst eine Tugend. Die Hochschule Ravensburg-Weingarten etwa bildet gezielt für die Bedürfnisse mittelständischer Wirtschaftsunternehmen in der Bodenseeregion und nicht fürs internationale Filmbusiness aus.

Gestaltung statt Kunst

Klemens Ehret - Studiendekan an der Hochschule Ravensburg-Weingarten (Foto: Ute Nagel)

Klemens Ehret – Studiendekan an der Hochschule Ravensburg-Weingarten (Foto: Ute Nagel)

„Unser Ausbildungsziel“, erläutert der Ravensburger Professor Klemens Ehret, „ist die Befähigung zur Bearbeitung anspruchsvoller crossmedialer Interaktionsprojekte wie zum Beispiel die Optimierung der Bedienoberflächen von Kundenportalen.“ Für Ehret, der zuvor an der baden-württembergischen Filmakademie in Ludwigsburg studierte, verlangen auch diese Tätigkeiten eine bestmögliche mediendesignerische Qualifikation. Nur eben eine andere als für das Filmgeschäft. Damit stellt sich die Frage, sind Mediendesigner Künstler oder doch nur (Kunst-)Handwerker? Markus Fischmanns Antwort ist unmissverständlich. Und er sollte es wissen, schließlich lehrt der Professor an der Hochschule Hannover Design für elektronische Medien mit dem Schwerpunkt Computeranimation. „Mediendesigner machen keine Kunst“, lautet seine Einschätzung, „ihr Job ist die Gestaltung.“ Das klingt nach professoraler akademischer Wortklauberei. Ist es jedoch nicht. Im Gegenteil.

Beginnt die Arbeit des Künstlers mit der qualvollen Geburt einer Idee, steht beim Mediendesigner die Befragung des Kunden nach dessen zu gestaltenden Bedürfnissen am Anfang. Und die gilt es anschließend umzusetzen, auch wenn sie sich mit den persönlichen ästhetischen Vorstellungen des Mediendesigners nicht decken sollten. Tristan Dunse und Jasmin Fedder formulieren es etwas profaner. „Obwohl uns die Hochschule darauf vorbereitet hatte“, schildern sie ihre Berufserfahrung, „waren wir doch überrascht, wie wenig Raum ein Visual Artist zur künstlerischen Selbstverwirklichung hat.“ Und ergänzen: „Der überwiegende Teil dessen, was wir tagtäglich machen, wird uns vorgegeben.“ Was ihrer Freude an der gestalterisch gleichwohl anspruchsvollen Arbeit allerdings keinen Abbruch tut, wie sie betonen. Eine weitere Besonderheit gestalterischen Arbeitens ist seine strikte Terminorientierung. Die Deadlines einzuhalten, sei in ihrem Geschäft oberstes Gebot, erklären alle vier Mediendesigner übereinstimmend, zahlreiche Überstunden deshalb oft genug die Regel.

Breite berufliche Einsatzmöglichkeiten

Design Center der Hochschule Hannover (Foto: Emil Ducke und David Carreno Hansen/Hochschule Hannover)

Design Center der Hochschule Hannover (Foto: Emil Ducke und David Carreno Hansen/Hochschule Hannover)

Wer sich die Mühe macht und von „Hochschulkompass“, der studiengangspezifischen Datenbank der Hochschulrektorenkonferenz, die Hochschulen mit einem Angebot Mediendesign ausweisen lässt, wird über die Fülle erstaunt sein. Es gibt Hochschulen mit grundständigen Studiengängen Mediendesign, aber auch solche, bei denen das Mediendesign lediglich den Status eines Studienschwerpunkts besitzt, mehrheitlich in Studiengängen wie Design, Kommunikationsdesign oder Visuelle Kommunikation. Universitäten und Kunsthochschulen finden sich unter den Anbietern nur selten. Die Begründung dafür ist der fachtypischen Anwendungsorientierung dieses Studiengangs geschuldet. Unabhängig davon empfiehlt sich Interessenten ein genauer Blick in die Curricula der Hochschulen ebenso wie eine Klärung der später angestrebten eigenen Berufsziele. Beides ist erforderlich, um die Hochschule mit dem individuell am besten passenden Angebot finden zu können. Heißt das Berufsziel 3D, bewegte Bilder und Film, lichtet sich das Feld der anbietenden Hochschulen im Übrigen schnell.

Verbergen sich also unter dem Begriff Mediendesign ganz unterschiedliche Dinge? Tatsächlich ist die Berufsbezeichnung nicht geschützt und die von den Hochschulen benutzte Terminologie höchst uneinheitlich. Und richtig ist ebenfalls, auch Printmedien sind Medien. Im engeren und hier beschriebenen Verständnis aber sind Mediendesigner Fachleute für bewegte (Film-)Bilder und das dreidimensionale Gestalten in der Animation, letzteres bevorzugt in der Games-Industrie. Diese Kompetenzen werden wiederum von ganz unterschiedlichen Bereichen nachgefragt. „Wir in Hannover“, beschreibt Markus Fischmann die Konzeption seiner Hochschule, „zielen mit unserem Profil und den drei Studienschwerpunkten Film, Animation/Visual Effects und Games klar auf eine spätere Tätigkeit in der Unterhaltungsindustrie.“ Die Hochschule Ravensburg-Weingarten setzt in ihrem Studiengang Mediendesign und digitale Gestaltung stattdessen einen anderen Schwerpunkt. „Unsere Absolventen werden Experten für interaktive und visualisierende Lösungen jeglicher Art in mittelständischen Produktionsbetrieben sein“, beschreibt es der schwäbische Studiendekan Klemens Ehret.

Informationstechnik Teil der Gestaltung

Markus Fischmann lehrt an der Hochschule Hannover (Foto: privat)

Markus Fischmann lehrt an der Hochschule Hannover (Foto: privat)

Die Unterhaltungsbranche und Werbeagenturen sind für Mediendesigner wichtige Arbeitgeber. Arbeitgeber allerdings, die sich häufig genug durch besondere Arbeitsbedingungen auszeichnen. Zeit- und Projekt-, teilweise auch Honorarverträge sind üblich, der Zeitdruck durchgehend hoch, 40-Stunden-Wochen eine Seltenheit. Daneben finden die Spezialisten für 3D und Bewegtbilder Beschäftigungen auch in der Informationsindustrie, dazu, wenngleich bislang erst vereinzelt, in Technik und Wissenschaft. Überall wird die Kombination von gestalterischer Kreativität und informationstechnischem Sachverstand gesucht. Von Hochschule zu Hochschule zwar unterschiedlich verteilen sich die Studieninhalte zumeist auf zwei Drittel Gestaltung. Das restliche Drittel entfällt auf die Informationstechnologie. „Hard- und Software werden im Mediendesign zu den wichtigsten Arbeitsmitteln“, begründet Klemens Ehret die hybride Berufsqualifikation seiner Absolventen.

„Die Informationstechnik wird Teil der Gestaltung“, formuliert es sein Hannoveraner Kollege Markus Fischmann. Was freilich keine neue Entwicklung ist. Immerhin haben Maler wie Michelangelo, Dürer oder van Gogh schon immer die Technik ihrer Zeit genutzt. Der Unterschied besteht lediglich in der geringeren Komplexität von Leinen, Pinseln und Farben gegenüber heutigen Rechnern und Programmen. „Das Programmieren gehört allerdings nicht zu meinen Aufgaben“, nimmt Tristan Dunse zukünftigen Mediendesignern die Angst. Gleichwohl benötigt er intensive Kenntnisse über die Leistungsfähigkeit der Programme, mit denen er arbeitet. Und natürlich müssen Mediendesigner gegenüber ihren Kollegen von der IT sprachfähig sein. „Ich muss ihnen immerhin erklären können, für welche Dinge, die ich nicht 100 Mal am Tag per Hand machen möchte, sie mir entsprechende Tools bereitstellen sollen“, beschreibt Manuel Dongowski seine Schnittmenge mit den Medieninformatikern.

Fachleute für bewegte Bilder und die Animation

Tristan Dunse (Foto: privat)

Tristan Dunse (Foto: privat)

So bunt das Herkommen meiner Gesprächspartner auch ist, eines zeichnet sie alle aus. Es ist die Faszination am und die Begeisterung für das bewegte Bild sowie die Animation. Alex Koppel studierte zunächst zwei Semester Medieninformatik, bevor er seine Vorliebe für die Gestaltung entdeckte und zum Mediendesign wechselte. Manuel Dongowski entschied sich nach einem Job im Bereich digitaler Print für ein Studium Mediendesign. Jasmin Fedder traf ihre Entscheidung nach einem einjährigen Praktikum als Fotografin. „Ich merkte“, sagt sie, „dass stehende Bilder mein Herz nicht mehr hoch genug schlagen ließen. Deshalb schrieb ich mich im Mediendesign ein.“ Tristan Dunse wiederum war begeisterter Gamer und entwickelte schon während seiner Schulzeit zusammen mit Freunden eigene Spiele. „Meine Entscheidung für den Film und gegen die Games-Industrie gründet darin, dass ich im Film perfekte Bilder erschaffen kann“, erklärt Tristan Dunse seine Entscheidung. Bei einem interaktiven Spiel müsse indessen alles in Millisekunden live berechnet werden, was wegen der verfügbaren Rechnerkapazitäten zwangsweise Abstriche in der Perfektion bedeute.

„Beim Film hingegen können wir uns für dieselbe Berechnung Zeit lassen, wenn es sein muss auch 30 Stunden pro Bild und mehr.“ Bleibt die Frage, über welche Voraussetzungen erfolgreiche Mediendesigner verfügen müssen. „Zu allererst sollten sie Freude am traditionellen Zeichnen und Malen haben“, antwortet Markus Fischmann. Darüber hinaus sei eine Affinität zur Arbeit mit dem Computer ebenso unerlässlich wie die Identifikation mit dem zu erstellenden Produkt. „In unserem Job beim Film“, ergänzen Tristan Dunse und Jasmin Fedder, „brauchst du unbedingt ein gutes Auge, einen Blick für Motive, Perspektiven, Proportionen, Konturen, Licht und Farben.“ Beide fotografieren viel, vor allem Naturphänomene. „Das schult das Auge mehr als alles andere“, sind sie überzeugt. Wichtig sei auch ein Verständnis der Produktionsabläufe und der Schnittstellen zwischen den jeweiligen Spezialisten, so die Erfahrung Manuel Dongowskis. „Zum Schluss sollten Mediendesigner selbst gut organisiert sein und einen hohen Qualitätsanspruch an ihr eigenes Tun haben“, nennt Markus Fischmann zwei weitere Voraussetzungen.

Den Nerv der Zeit treffen

Alex Koppel – Director of Photography der Agentur & Filmproduktion Jungtrieb (Foto: Ivan Jos Llavore)

Alex Koppel – Director of Photography der Agentur & Filmproduktion Jungtrieb (Foto: Ivan Jos Llavore)

Welche Rolle spielen Zeugnisse und Noten für die Karriere eines Mediendesigners? „Ich bin bisher bei keiner einzigen Bewerbung nach meinem Bachelorzeugnis gefragt worden“, bestätigt Tristan Dunse. Bedeutungslos ist es dennoch nicht. „Ohne diesen Nachweis hätte ich kein Visum für Kanada erhalten“, erklärt er. Und auch öffentliche Arbeitgeber machen eine Einstellung von diesem Nachweis abhängig. Gleichwohl gilt, entscheidend für den Einstellungserfolg ist allein der sogenannte Showreel, also die in einem Videoclip zusammengestellten Arbeitsproben. „Vor diesem Hintergrund tun Studierende gut daran, über Praktika oder eine Tätigkeit als Werkstudent bereits frühzeitig Projekterfahrung zu sammeln“, empfiehlt Manuel Dongowski denn auch Berufsanfängern, wohl wissend, wie schwierig diese Suche ist. Studienarbeiten besitzen zwar ebenfalls Bedeutung, doch atmen sie noch nicht die Realität der wirklichen Arbeitswelt. „Aber genau diese Erfahrung ist Arbeitgebern wichtig.“ Schließlich werkeln Mediendesigner nicht still in einem schnuckeligen Atelier vor sich hin, sondern sind stets in industriellen Arbeitsstrukturen tätig. „Und derentwegen“, weiß Alex Koppel, „ ist Kommunikationsfähigkeit ein Grundpfeiler unseres Berufs.“

Wortkarge Computer-Nerds, so begabt sie auch sein mögen, werden deshalb von den Personalmanagern schnell aussortiert. Die Arbeit von Mediendesignern findet bis auf die Meetings mit den Teamkollegen nahezu ausschließlich am PC statt. In Stoßzeiten auch schon mal zehn Stunden und länger. „Da erlebt man einen Sonnentag plötzlich mit unglaublicher Intensität wieder völlig neu“, schildert Tristan Dunse die aufs höchste verdichteten Arbeitsbedingungen. Ähnlich sind Alex Koppels Erfahrungen. „Weil wir Mediendesigner unseren Job lieben, kann man sich in ihm völlig verlieren.“  Wichtig ist dennoch, das Lebensgefühl der Zielgruppe nicht aus den Augen zu lassen. „Unsere Bilder“, so noch einmal der Braunschweiger Director of Photography, „müssen schließlich den Nerv der Zeit treffen.“ Dem müssen auch die Geschichte und die Dramaturgie der Bilder entsprechen. Das gilt keineswegs nur für die Arbeit im Film, sondern etwa auch wenn es gilt, das Image eines Produktes, eines Unternehmens oder einer Dienstleistung visuell zu gestalten.

Durch Weiterbildung die Berufsfähigkeit erhalten

Jasmin Fedder (Foto: privat)

Jasmin Fedder (Foto: privat)

Berufsanfänger werden in der mediengestalterischen Prozesskette meist mit Detailarbeiten betraut, deren Bedeutung fürs Ganze nicht immer sofort zu entdecken ist. Da haben es die Fachleute fürs Compositing wie Tristan Dunse oder fürs Lighting wie Manuel Dongowski besser. Sie stehen in der Mitte und am Ende der Prozesskette, können das fast fertige Produkt sehen und den Schlusspunkt setzen. „Ich“, sagt Dongowski stolz, „gebe dem Bild oder der Szene den entscheidenden Spirit.“ Ganz ähnlich beschreibt Tristan Dunse seine Arbeit im Compositing, als einem der letzten Akte in der Filmproduktion. „Meine Aufgabe ist es, die Bildelemente aller anderen Abteilungen zum finalen Filmbild zu kombinieren, die Stimmigkeit zu überprüfen und gegebenenfalls entsprechend anzupassen“, erklärt er.

Jasmin Fedder als Roto- und Prep-Artist steht in der Arbeitskette dagegen eher am Anfang. Ihre Aufgaben sind das Freistellen von Objekten (rotoscoping) sowie das Vorbereiten und Säubern des gefilmten Materials (digital preparation). „Dabei“, erzählt sie lachend, „muss ich oft genug mehr entfernen als hinzufügen, Kranseile von einem Stunt, das von einem Windstoß zerzauste Haar der Hauptdarstellerin, ein Beleuchtungskabel, auf das bei der Aufnahme niemand geachtet hat.“ Das setzt höchste Konzentration und absolute Professionalität voraus. Jasmin Fedder hat sie. Während in Werbeagenturen wie der von Alex Koppel Freelancer den Arbeitsmarkt beherrschen, dominiert in den Unternehmen der Filmwirtschaft stattdessen die zeitlich befristete Anstellung, im Extremfall auch nur über wenige Wochen.

Beruf mit hoher Dynamik

„Bei den Großen der Branche ist die Freiberuflichkeit eher unüblich“, weist Tristan Dunse auf einen wichtigen Unterschied. „Die im Filmgeschäft verwendete Hard- und Software wäre für einen Einzelnen viel zu teuer.“ Im Übrigen scheuten die Unternehmen die mit Freelancern verbundenen Sicherheitsrisiken, weshalb sie etwa auch bei RISE ihren Arbeitsplatz in den Unternehmen und nicht im Home Office haben. Tatsächlich käme es einer Katastrophe gleich, wenn nur eine Filmszene vor dem ersten Werbetrailer über die Bildschirme liefe. „Deshalb verfügen unsere PCs auch über keine Verbindung zum Netz“, berichtet Jasmin Fedder. Zwar unterstützen die Unternehmen ihre Mitarbeiter bei der Weiterbildung, deren Planung und Umsetzung aber müssen sie in die eigenen Hände nehmen. Auch wenn die Software nicht immer wieder völlig neu erfunden wird, erfolgt doch eine ständige Applikation, auf die es sich einzustellen gilt.

Industrial Light & Magic (ILM) in Van Nuys, einem Staddteil von Los Angeles – Hier erstellten75 Spezialisten 1977 alle Spezialeffekte für den ersten Star Wars-Film. Später zog ILM nach San Rafael unweit von San Francisco um (Foto: Wikimedia/Jan Hagelskamp1)

In diesen schmucklosen Hallen erstellten75 Spezialisten 1977 alle Spezialeffekte für den ersten Star Wars-Film. Später zog ILM nach San Rafael unweit von San Francisco um (Foto: Wikimedia/Jan Hagelskamp1)

Ehrgeizige Mediendesigner werden früher oder später den Sprung ins Ausland wagen müssen. Denn die Hotspots der Film- und Gameindustrie liegen jenseits der deutschen Grenzen. Für Mediendesigner mit einem Faible für die Filmproduktion sind das vor allem London, Vancouver, Montreal sowie Sidney und Auckland. Doch die Welt der Mediendesigner ist eine äußerst dynamische und sehr schnelllebig. Produzierte die neuseeländische Produktionsgesellschaft New Line Cinema noch vor 25 Jahren den weltweit erfolgreichen Klassiker „Herr der Ringe“, ist sie nach mehreren Verkäufen heute im Warner Brothers-Konzern aufgegangen. Gegenwärtig entstehen neue Arbeitsplätze bevorzugt in Asien. „Diesem Trend können sich auch die etablierten Unternehmen kaum entziehen“, beobachtet Jasmin Fedder. Was die Zukunft sonst noch erwarten lässt? Eine deutliche Vereinfachung des Programmhandlings. „Das wird die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt noch einmal intensivieren“, ist Tristan Dunse überzeugt. Doch überwiegt die Freude an schönen Bildern, die auch sein Werk sind, die bange Skepsis.

 


Daten, Fakten & Links
(Stand:01.11.2017)

Berufstätige: es liegen keine statistisch belastbaren Daten vor.

Einkommen: große Bandbreite, abhängig von Region, Unternehmen, beruflicher Position und Arbeitsverhältnis. Eine Übersicht bietet: https://www.medien-studieren.net/berufe/gehalt-mediendesigner/

Studienmöglichkeiten:

Weiterführende Informationen:

 

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