Leipziger Messe GmbH – Zusammenführen, was zusammenpasst

Von Hans-Martin Barthold | 15. August 2017

Als zentrale Eingangshalle beherbergt die Glashalle zahlreiche Serviceeinrichtungen und bietet Platz für Sonderschauen und Aktionen. (Foto: Leipziger Messe)

Als zentrale Eingangshalle beherbergt die Glashalle zahlreiche Serviceeinrichtungen und bietet Platz für Sonderschauen und Aktionen. (Foto: Leipziger Messe)

Es ist eine Plattitüde und doch nur selten so zutreffend wie hier. Ohne Messen keine guten Geschäfte, ohne Messen keine florierende Wirtschaft. In Leipzig datiert diese Erkenntnis bereits in das Jahr 1165, als der Meißner Markgraf Otto der Reiche der Stadt im Herzen Sachsens das Marktrecht verlieh. Damals wie heute gilt, kaum irgendwo anders können Hersteller und Anwender, Produzenten und Kunden Face to Face so zwanglos zusammenkommen wie auf einer Messe. Das Internetzeitalter hat daran wenig geändert. Und so gibt es denn auch kaum einen besseren Seismografen für die Performance der Märkte, die Hoffnungen und Befürchtungen der Unternehmen, als die Geschäftsergebnisse der Messegesellschaften. Auf Messen wird schließlich die Zukunft gehandelt. Das weist freilich zugleich auf die Abhängigkeit der Messegesellschaften. Im schlimmsten Fall verhageln die schlechten Geschäfte ihrer Kunden nämlich auch die eigene Bilanz. Messegesellschaften sind also klassische Dienstleister. Das ist in Leipzig nicht anders als in Frankfurt und Hannover.

Hier wie dort organisieren die Messemitarbeiter die Fachmessen als Schaubühne für die Kommunikation der wirtschaftlichen Akteure. Die Fachleute sprechen von der Business-to-Business-Kommunikation. Daneben gibt es das Format der Publikumsmessen, die Leipziger Buchmesse als eine der bekanntesten. Was sich daraus für die rund 400 Mitarbeiter der Leipziger Messe GmbH ableitet? Vor allem das. Kommunikation müssen sie selbst aus dem Effeff beherrschen, die uneingeschränkte Serviceorientierung sollte zu ihrer zweiten Natur werden. Doch ist das eine bloß Handwerkszeug und das andere nur eine Frage der Einstellung. „Unsere Kernkompetenz ist die Entwicklung von Ideen“, formuliert der Zentralbereichsleiter Kommunikation und Unternehmenssprecher Steffen Jantz die Aufgaben der Belegschaft. Von Ideen, wie die Anbahnung von Geschäftskontakten zwischen Anbietern und Kunden optimiert werden kann. Es ist die Suche nach weißen Flecken auf der volkswirtschaftlichen Kommunikationslandkarte. Messegesellschaften sind damit ein Eldorado für alle Marketingfreaks.

Ideen sind das Maß aller Dinge

Das Gelände der Leipziger Messe aus der Vogelperspektive. (Foto: Leipziger Messe/Klindtworth)

Das Gelände der Leipziger Messe aus der Vogelperspektive. (Foto: Leipziger Messe/Klindtworth)

Doch müssen Mitarbeiter von Messegesellschaften nicht allein für ihre Kunden Innovationen erzeugen. Von Zeit zu Zeit, eigentlich immer, gilt das auch in eigener Angelegenheit. „Weshalb wir für alle Berufe stets Bewerber mit einem entsprechend großen Kreativitätspotential suchen“, wie es Irma Schulze umschreibt. Was die Referentin für Ausbildung und Personalentwicklung damit meint, erklärt ein Blick in die Geschichte des Unternehmens. 1895 etwa entwickelten die Sachsen die erste Warenmustermesse weltweit. Das traditionelle Signet, das Doppel-M für MusterMesse, erinnert noch heute daran. Die bisherigen Verkaufsmessen waren an ihre ökonomischen Grenzen gekommen. Das Vorhalten großer Lager und die aufwändigen Transporte verursachten der Messegesellschaft wie den Ausstellern immer höhere Kosten. Ab sofort nur noch Warenmuster auszustellen half dem einen wie dem anderen. Die deutsche Wiedervereinigung war eine erneute Zäsur, dieses Mal sogar eine existenzbedrohende.

Dem Leipziger Geschäftsmodell aus der Vorwendezeit, die Universalmessen im Frühjahr und Herbst als wichtige Drehscheiben für den Ost-West-Handel, war mit dem Fall der Mauer von einem Tag auf den anderen die Grundlage entzogen. „Wir wurden nicht mehr gebraucht“, bringt es Steffen Jantz auf den Punkt. Die Konkurrenz in Frankfurt, Hannover, Köln und Düsseldorf war nicht traurig. Doch sie freuten sich zu früh. Die Sachsen  berappelten sich  schnell und wagten 1991 den Neubeginn. Und der gelang besser als gedacht. Auch wenn sie bislang nicht die Umsätze der Platzhirsche erreichen, stehen sie inzwischen wieder auf einem wirtschaftlich soliden Fundament. Auf dem heiß umkämpften Messemarkt will das etwas heißen. Wie die Frauen und Männer der Leipziger Messe GmbH das schaffen, ist schnell erklärt. Sie haben über ihr Geschäft nachgedacht, einen Plan entwickelt und ihn zielstrebig Schritt für Schritt umgesetzt.

Messen, Kongresse und Special Events

Saal 1 des Congress Centers Leipzig zum International Transport Forum (Foto: Leipziger Messe)

Saal 1 des Congress Centers Leipzig beim International Transport Forum (Foto: Leipziger Messe)

Das Geheimnis des Leipziger Erfolges ist ein Doppeltes. Das erste heißt: Dienstleistung aus einer Hand. Neben dem Kerngeschäft umfasst das auch das Catering, den Messebau, dazu die ganzheitliche Kundenbetreuung für Messeauftritte bei anderen Veranstaltern weltweit. Das alles erleichtert die Qualitätssicherung. Auf das zweite Erfolgsgeheimnis haben sie in der Stadt des Thomanerchors zwar keinen Patentanspruch, setzen es aber mit umso größerer Verve und Konsequenz um. Soll heißen, sie nutzen ihre fachliche Expertise in verwandten Geschäftsfeldern wie für die Organisation von Kongressen und Special Events. Die Zahlen sind beiderseits beeindruckend. So planten und organisierten die Mitarbeiter im letzten Jahr nicht weniger als 198 Kongresse und 48 Events aus Wirtschaft, Politik, Sport und Unterhaltung. Mit der HALLE:EINS und deren mobilem Tribünensystem verfügen sie über die flexibelste Veranstaltungshalle Mitteldeutschlands.

In ihr können nahezu alle denkbaren Veranstaltungskonstellationen abgebildet werden. Das verschafft Spielraum, Schwankungen im Kerngeschäft auszugleichen. Die nach der Wende erneuerte und auf der „grünen Wiese“ aufgebaute Infrastruktur erweist sich für beides als unschätzbarer Vorteil. Und den nutzen die Frauen und Männer der Leipziger Messe GmbH ebenso selbstbewusst wie gekonnt. Ohne freilich das Messegeschäft zu vernachlässigen. „Jedes Jahr bringen wir zwei neue Messen an den Start“, sagt Steffen Jantz stolz. 35 sind es insgesamt. Das Portfolio der Ausbildungsberufe, die die Leipziger Messe zur Erfüllung ihrer Aufgaben benötigt, spiegelt genau diese Struktur. Das Profil reicht  von Veranstaltungskaufleuten über Restaurantfachleute, Köche bis zu Fachinformatikern.

Elf Glasröhren verbinden die Glashalle mit den Messehallen. (Foto: Leipziger Messe)

Elf Glasröhren verbinden die Glashalle mit den Messehallen. (Foto: Leipziger Messe)

Unter den Bewerbern mit Abitur besonders begehrt sind die dualen Studienplätze in den Fachrichtungen Messe-, Kongress- und Eventmanagement sowie IT-Informatik. Hier arbeitet das Unternehmen mit der baden-württembergischen Hochschule Ravensburg sowie der Berufsakademie Leipzig zusammen. Der Lernort der dualen Studenten wechselt so im vierteljährlichen Rhythmus. Nach drei Monaten Praxis im Unternehmen folgt eine dreimonatige Studienphase am Bodensee beziehungsweise in Leipzig. Die hohe Anwendungsorientierung, die genaue Kenntnis des Arbeitsablaufes und die Verbundenheit mit dem Unternehmen ermöglichen den Absolventen einen fliegenden Start ohne eine lange und teure Einarbeitungszeit. Im Übrigen ist die hohe Arbeitsbelastung eines dualen Studiums beste Vorbereitung auf den Berufsalltag in einer Messegesellschaft.

Verantwortung verlangt Persönlichkeit

„Unsere Azubis und Studenten müssen schnell lernen, selbständig zu werden“, weist Irma Schulze auf einen wichtigen Punkt. Ihre Begründung ist ebenso einfach wie einleuchtend. „Im Messegeschäft“, sagt sie, „ist der Kunde König und unsere Aufgabe, für seine Zufriedenheit zu sorgen.“ Soll heißen, ein Serviceberuf ist kein Nine-to-Five-Job. Die Aufgabenerledigung bestimmt den Feierabend, die Arbeitsorganisation ist projektorientiert. „Da tragen schon Berufsanfänger ein hohes Maß an Verantwortung“, erklärt Irma Schulze. Wie umgekehrt deshalb niemand nur eine kleine Nummer in einem unpersönlichen Räderwerk ist. Hier sind Persönlichkeiten gefragt, Mitarbeiter, die ihre Frau und ihren Mann stehen, die sich beweisen wollen, wenn auch stets als Teil eines Teams. Neben den Zeugnisnoten in Mathematik, Deutsch und Englisch schaut die Personalreferentin deswegen auch besonders auf die sozialen Kompetenzen der Bewerber.

Blick auf den Messesee, das Congress Center Leipzig und die Glashalle (Foto: Leipziger Messe/Grubitzsch)

Blick auf den Messesee, das Congress Center Leipzig und die Glashalle (Foto: Leipziger Messe/Grubitzsch)

Auf die sonst üblichen Tests verzichtet man auf dem Messegelände im Norden Leipzigs. Nach der Sichtung der Bewerbungsunterlagen gibt es entweder eine Absage oder die sofortige Einladung zum Vorstellungsgespräch. „Da können wir am besten sehen, ob das individuelle Leistungsprofil des Bewerbers den Anforderungen des angestrebten Berufes und unseren Wünschen entspricht.“ Kenntnisse über die  Besonderheiten der Messewirtschaft, Praktikumserfahrungen, Kontaktfreude, Fremdsprachenkenntnisse sind Dinge, die Irma Schulze gerne sieht. Schließlich sind im Messegeschäft die Kunden noch immer das Maß aller Dinge, allen voran die Branchenprimi. Schließlich gilt: kommt der Marktführer nicht, sinkt auch das Interesse derer auf den Plätzen danach. Messemitarbeiter brauchen deshalb neben besten Markt- und Branchenkenntnissen eine unbedingt serviceorientierte DNA, dazu die Bereitschaft, sich in den Kunden hineinzudenken.

Rundumservice zu jeder Zeit

Um diese Anforderungen sollten Bewerber wissen. Denn da mögen die Leipziger keine Kompromisse machen. Sie sind stolz, in Deutschlands größtem Service-Ranking Service-Champions unter den Messegesellschaften drei Mal hintereinander die Nase ganz vorne gehabt zu haben. „Diesen Podestplatz möchten wir gerne verteidigen“, formuliert Steffen Jantz die Erwartungen des Unternehmens an alle Beschäftigten, Auszubildende und duale Studenten eingeschlossen. Bis hin zum Fachinformatiker-Azubi. Der auch? „Aber sicher“, klärt Irma Schulze schnell auf. Man stelle sich vor, am Stand eines Ausstellers fällt die Informationstechnik aus und es käme ein missmutiger Servicetechniker. „Das wollen wir unseren Kunden nicht zumuten“, sagt sie und erklärt auch sogleich das Warum. „Der Kunde ist in dieser Situation nicht mehr arbeitsfähig.“ Da muss er spüren, dass die Messemitarbeiter alles daran setzen, diese Arbeitsfähigkeit schnellstmöglich und kompetent wieder herzustellen.

Buchmesse: Autogrammstunde mit Morton Rhue, US-amerikanischer Bestsellerautor (Foto: Leipziger Messe/Jens-Ulrich Koch) mail@jens-ulrich-koch.de

Buchmesse: Autogrammstunde mit Morton Rhue, US-amerikanischer Bestsellerautor (Foto: Leipziger Messe/Jens-Ulrich Koch)

Deshalb sucht die Personalreferentin so sehr und so intensiv nach Bewerbern mit einer echten Begeisterung fürs Messegeschäft. „Eine gute Gelegenheit, bei der Messe Berufserfahrung zu sammeln“, empfiehlt Irma Schulze etwa allen interessierten externen Studenten, „ist eine Aushilfstätigkeit.“ Entsprechende Möglichkeiten bieten sich bei nahezu allen Veranstaltungen. „Während der Buchmesse“, berichtet die Personalreferentin, „beschäftigen wir beispielsweise über 200 solcher Aushilfskräfte.“ Die fest angestellten Mitarbeiter der Leipziger Messe GmbH sind in der Regel in Projektteams organisiert, je nach Größe mit Verantwortung für eine oder mehrere Messen. Daneben bearbeiten Querschnittsteams und Fachabteilungen übergreifende Aufgaben, so etwa die Werbe-, Online- und Pressekommunikation, Technik, Finanzbuchhaltung oder IT.

Neugierig, innovativ, erdverbunden

Studierenden bietet die Leipziger Messe GmbH neben Praktika im Einzelfall auch die Kooperation für das Erstellen von Bachelor- und Masterarbeiten. Eine Nachfrage lohnt allemal, besonders dann, wenn man ein auch für das Unternehmen interessantes Thema anzubieten hat. Kleiner Tipp: Der steigende Eventcharakter von Messen ist unübersehbar. Aber noch lange nicht sind alle einschlägigen Aspekte, die das Geschäft der Messegesellschaften verändern werden, ausgeleuchtet. Sehr gute Englischkenntnisse sind für Hochschulabsolventen ein Muss.

Die Leipziger Messe GmbH denkt an alles – Im MaxicoM bietet sie Unternehmen moderne Büros und repräsentative Veranstaltungsräume zur Miete (Foto: Leipziger Messe)

Die Leipziger Messe GmbH denkt an alles – Im MaxicoM bietet sie Unternehmen moderne Büros und repräsentative Veranstaltungsräume zur Miete (Foto: Leipziger Messe)

Für die dualen Studienplätze sind auch Bewerber von außerhalb gerne gesehen. „Wir wissen es zu schätzen, wenn Bewerber für ihre Ausbildung das gewohnte Umfeld aufgeben“, formuliert Irma Schulze ihre Hochachtung. Auslandsstationen während der Schulzeit oder nach dem Abitur sind ein weiterer Pluspunkt. Das Flaggenfeld vor dem Haupteingang des lichtdurchfluteten Verwaltungsgebäudes, der sogenannten Glashalle, an der Messe-Allee macht es deutlich. Messen, auch die in Leipzig, sind international. Im Übrigen veranstalten die Leipziger in Warschau, Moskau und China inzwischen eigene Messen.

Auszubildende und duale Studenten durchlaufen in ihrer Ausbildung eine Vielzahl von Fachbereichen und Abteilungen. Das dient nicht allein dem besseren Verständnis für das Gesamtunternehmen und dem Zusammenspiel der einzelnen Fachbereiche. Es soll auch das Knüpfen von Netzwerken ermöglichen. Zugleich  soll es helfen, ein Gespür dafür zu entwickeln, wo der Einzelne mit seinen Vorlieben und Begabungen sein Leistungspotential am besten einzubringen vermag. „Nicht jeder eignet sich für die Akquise neuer Kunden“, wissen der Kommunikationschef und die Personalmanagerin. Ein halbes Jahr vor Ende der Ausbildung bittet Irma Schulze alle Azubis und dualen Studenten zu einem Karriereplanungsgespräch. In den meisten Fällen gelingt ihr der Ausgleich zwischen persönlichen Wünschen und dem Personalbedarf des Hauses.

 


Unternehmenssteckbrief
(Stand:01.08.2017 )

Firmengründung: 1991. Vorläufer war das1916 gegründete „Meßamt für die Leipziger Mustermessen e.V.“. Die weiteren Wurzeln des Messeplatzes Leipzig lassen sich bis ins Jahr 1165 zurückverfolgen.

Sitz der Unternehmenszentrale: Messe-Allee 1, 04356 Leipzig.

Niederlassungen: 23 Auslandsbüros.

Mitarbeiter (gesamte Unternehmensgruppe): ca. 400.
Hinweis: Nach Schätzungen des Ausstellungs- und Messe-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (AUMA) zählen die Unternehmen der Messewirtschaft insgesamt rund 12.000 Mitarbeiter.

Umsatz: 97,3 Millionen Euro (Überschuss: 1,64 Millionen Euro).

Weitere Unternehmensdaten: http://www.leipziger-messe.de/unternehmen/firmenportraet/daten-fakten/

Ausbildungsmöglichkeiten:

  • Veranstaltungskaufmann/-frau
  • Fachinformatiker/-in
  • Koch/Köchin
  • Restaurantfachmann/-frau

Duales Studium:

  • BWL/Messe-, Kongress- und Eventmanagement (Hochschule Ravensburg)
  • IT-Informatik (Berufsakademie Leipzig)

Bewerbungen: http://www.leipziger-messe.de/karriere/

Praktika für Schüler und Studierende: ja.

Kontaktmöglichkeiten:

Internet: www.leipziger-messe.de

 

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