Landschaftsplaner – Anwälte von Natur und Umwelt

Von Hans-Martin Barthold | 15. Mai 2018

Uferzone der Cottbuser Ostsee – Der ehemalige Braunkohletagebau soll demnächst geflutet werden (Foto: Wikimedia/Jörg Friebe, www.lausitzbild.de)

Sie planen Stadtparks und Fußgängerzonen. Sie werden mit der Rekultivierung von Braunkohletagebauen und Industriebrachen beauftragt. Sie begutachten die Umweltverträglichkeit von Verkehrsprojekten. Sie entscheiden bei großen Eingriffen in den Naturhaushalt über Kompensationsmaßnahmen wie etwa die Aufforstung neuer Waldflächen andernorts. Sie stellen sich, wenn notwendig, auch schon einmal gegen Bauprojekte, nämlich dann, wenn der Bestand geschützter Tier-oder Pflanzenarten in Gefahr gerät. Sie weisen Schutzgebiete aus. Sie beschreiben und kontrollieren die (land)wirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten umweltsensibler Flächen. Sie erstellen und überwachen die Einhaltung von Baumschutzsatzungen. Sie bringen ihre fachliche Expertise sowohl bei der Aufstellung von Landesentwicklungsplänen wie bei der Erarbeitung von Stadtbaukonzepten ein. Sie leihen Politikern im Vorfeld einschlägiger Gesetzgebungsverfahren ihren natur- und umweltorientierten Sachverstand. Sie erforschen die Auswirkungen der zunehmenden Urbanisierung und des hohen Flächenverbrauchs auf die Umwelt und das Klima.

Doch trotz der Vielfalt ihrer Aufgaben ist die Landschaftsplanung, das Management der natürlichen Ressourcen, immer noch ein Beruf mit eher geringem Bekanntheitsgrad. Insider schätzen die Zahl der hier tätigen Fachkräfte auf kaum mehr als 15.000. Neben Absolventen solcher Studiengänge wie Landschaftsplanung, Landschaftsarchitektur, Landnutzungsplanung, Naturschutz und Umweltplanung finden sich darunter auch – meistens als Kooperationspartner, hin und wieder aber auch als Arbeitsplatzkonkurrenten – Biologen, Agrar- sowie Forstwissenschaftler, Geografen und Bodenkundler. Was die Landschaftsplaner von den anderen unterscheidet, ist ihr interdisziplinäres Kompetenzprofil. Schon im Studium stehen juristische und sozialwissenschaftliche Fachinhalte gleichberechtigt neben den naturwissenschaftlichen und gestaltungsorientierten Lehrveranstaltungen. „Ein Problem aus vielen unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten“, sind sich die Studentenvertreter des Fachrates Landschaftsarchitektur und Umweltplanung (LAUM) an der Universität Hannover Manja Jacobsen, René Klinner und Jacob Bernhardt einig, „macht unser Studium so spannend.“

Stets das Ganze in den Blick nehmen

Auch Windkraftanlagen sind ein Eingriff in die Natur (Foto: Wikimedia/Martina Nolte)

Für den Beruf bedeutet das, Landschaftsplaner und Landschaftsarchitekten müssen stets den Blick aufs Ganze richten. Deshalb pflegen sie einen systemischen Denkansatz und fühlen sich dem Gemeinwohl verpflichtet.  Ihre Aufgabe ist es, unterschiedliche und oft genug widerstrebende Interessen in naturverträglichen Kompromissen zusammenzuführen. Dafür zwei Beispiele. Monika Kustusch, Naturschutzreferentin bei der Stadtverwaltung Frankfurt, hat unter anderem auch über die Asphaltierung neuer Radwege zu entscheiden. „Auf der einen Seite bedeutet das eine weitere Flächenversiegelung“, erklärt sie, „andererseits aber hilft es, den Autoverkehr sowie die damit verbundenen Umwelt- und Klimabelastungen zu verringern.“ Es wird schnell klar, ohne intensive Beziehung zur Natur keine erfolgreiche Landschaftsplanung. Zur Arena ideologischer Schaukämpfe aber taugt sie nicht. Das zeigt auch das zweite Beispiel. „Bei der landesplanerischen Beurteilung von Windparks“, ist Professor Klaus Werk von der Hochschule Geisenheim überzeugt, „müssen wir die Umweltfolgen weiter denken als nur bis zur regenerativen Energieerzeugung.“

Und meint damit die Auswirkungen von Windrädern auf das Landschaftsbild, die Anwohner oder eventuelle Beeinträchtigungen von Flora und Fauna. „Es geht nicht darum, eine Meinung durchzusetzen“, beschreibt er die Aufgabe von Landschaftsplanern, „wir müssen Lösungen finden.“ So geht es also um die Fähigkeit zur Zusammenschau von tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Gegensätzen. Der Geschäftsführer des Landesbüros für Naturschutzverbände Nordrhein-Westfalen Martin Stenzel sieht es ähnlich. „Was wir brauchen, ist eine naturverträgliche Energiewende.“ Der Wille zum fairen Kompromiss erweist sich deshalb als wichtige Voraussetzung für den beruflichen Erfolg eines Landschaftsplaners. „Denn nur wenn sich alle Beteiligten in der Entscheidung wiederfinden, der Landwirt ebenso wie der Umweltschützer, wird die gemeinsame Umsetzung gelingen“, ist Klaus Werk überzeugt. Als gleichermaßen bedeutsam erweist sich dafür die Fähigkeit, die natur- und umweltbezogenen Bedarfe für jedermann verständlich kommunizieren zu können. „Denn“, so Werk noch einmal, „Landschaftsplaner stehen immer und überall im Diskurs.“

Lösungen statt ideologischer Besserwisserei

Prof. Klaus Werk, Hochschule Geisenheim (Foto: privat)

Wenngleich mit unterschiedlicher Gewichtung gelten diese Anforderungen in allen Arbeitsfeldern. Das sind vor allem die unteren, oberen und obersten Naturschutzbehörden sowie diverse Fachverwaltungen. Hier arbeiten nach seriösen Schätzungen gut vierzig Prozent der Landschaftsplaner. Die gleiche Anzahl Fachkräfte verdienen ihr Geld in Planungs- und Ingenieurbüros. Der Rest verteilt sich auf Landschaftspflege- und Naturschutzverbände sowie auf die in einigen Bundesländern als Bindeglied zwischen ehrenamtlichem und amtlichem Naturschutz errichteten Biologischen Stationen. Dazu kommen einige spezialisierte Bildungseinrichtungen und Medienredaktionen. Deutlich wird ein Doppeltes. Als Erstes wird der Bedarf an Landschaftsplanern öffentlicher wie privater Arbeitgeber in hohem Maße von der Baukonjunktur bestimmt. Nur wenige Bauprojekte bedürfen nur weniger Planer und umgekehrt.  Zweitens: auch die privatrechtlich organisierten Planungs- und Ingenieurbüros sind wirtschaftlich in hohem Maße von Investitionen in die öffentliche Infrastruktur und damit von der Kassenlage der Öffentlichen Haushalte abhängig.

Gleichwohl prognostiziert Klaus Werk eine steigende Nachfrage nach Landschaftsplanern, früher Landespfleger genannt, und Landschaftsarchitekten. „Für die Klimafolgenabschätzung, den Schutz der natürlichen Ressourcen Boden und Wasser sowie die Aufrechterhaltung der Artenvielfalt zur Sicherung einer ausreichenden Nahrungsversorgung“, argumentiert der Professor aus Geisenheim, „brauchen wir mehr Fachkräfte als gegenwärtig vorhanden.“ Schon jetzt stehe ein Viertel der Fläche Deutschlands unter Naturschutzauflagen. Darüber hinaus würden die Altersstruktur der derzeit berufstätigen Landschaftsplaner sowie neue umweltspezifische Fragestellungen für zusätzliche Nachfrage sorgen. Freilich weckt die offizielle Berufsbezeichnung Landschaftsplaner, obschon unbeabsichtigt, falsche Erwartungen. Denn der überwiegende Teil der Arbeitsplätze findet sich nicht in der Planung, sondern ist eher im Natur- und Umweltschutzmanagement mit umfangreichen administrativen Aufgaben angesiedelt.

Studium verknüpft Wissenschaft und praktische Anwendung

FFH-Schutzgebiet Schwarzes Moor in der Hochrhön (Foto: Wikimedia/Rainer Lippert)

Wie ein Blick in die Curricula aller Hochschulen zeigt, vermittelt das Studium die dafür erforderlichen Qualifikationen allerdings nur in Grundzügen. Hilfe verspricht das sogenannte Technische Referendariat Landespflege, das bis auf Bremen und Sachsen von allen Bundesländern angeboten, aktuell aber nur in Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein praktiziert wird. Es setzt den Masterabschluss voraus und vermittelt Bewerbern für den höheren technischen Verwaltungsdienst umfangreiche Kenntnisse in den Gebieten Verwaltungshandeln, Verfahrensmanagement, Recht, Planung, betriebswirtschaftliches Denken und Mitarbeiterführung. Es endet nach zwei Jahren mit der Großen Staatsprüfung. Die wird im Übrigen nicht lediglich von öffentlichen Arbeitgebern vorausgesetzt. Auch private Planungsbüros schätzen sie als wichtige Zusatzqualifikation. Immerhin erleichtert das Wissen über die Verfahrensabläufe in den zuständigen Behörden die Optimierung der eigenen Planungsprozesse.

Bleiben wir einen Augenblick noch bei der Ausbildung von Landschaftsplanern. Einschlägige Studienmöglichkeiten bieten sich sowohl an Universitäten wie Fachhochschulen. Die naturwissenschaftlichen Anforderungen sind überall moderat und für jeden schaffbar. Gleiches gilt für die entwurfsorientierten gestalterischen Fächer. Dennoch ist die Dropout-Quote im Bachelorstudium beträchtlich. Das jedoch scheint eher in emotionsgesteuerten und unklaren Studienwahlentscheidungen sowie einer vom ersten Semester an überraschend hohen Arbeitsintensität begründet. Was Studierende wie Manja Jacobsen, René Klinner und Jacob Bernhardt am Studium der Landschaftsplanung fasziniert, sind vor allem drei Dinge: die ausgewogene Mischung zwischen wissenschaftlicher Theorie und praktischer Anwendung, die projektorganisierte Studienstruktur und die Überschaubarkeit des Fachbereichs. „Teamfähigkeit“, ist Manja Jacobsen überzeugt, „ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für unser Fach.“ Genauso wie für die spätere Berufstätigkeit. Als Defizit der gegenwärtigen Ausbildung weisen berufserfahrene Fachkräfte auf die inzwischen ungenügenden faunistischen und floristischen Artenkenntnisse der Absolventen hin.

Breites Aufgabenspektrum

Kerstin Berg führt in Hamburg ein eigenes Planungsbüro (Foto: privat)

Ähnlich dem Modell in Hannover erfolgt an den meisten Studienorten die freilich maßvolle Spezialisierung auf einen eher gestalterischen Schwerpunkt (Landschaftsarchitektur) oder für eine stärker managementausgerichtete Tätigkeit (Landschaftswissenschaften, Naturschutz) erst im Masterstudium. Dass dies allerdings keine Festlegung für alle Zeiten sein muss, zeigen die Beispiele von Kerstin Berg und Alice Schröder. Schloss die erste ihr Studium noch vor der Bolognareform an der Technischen Universität Berlin als Diplom-Ingenieurin Landschaftsplanung ab, erwarb die zweite an der Technischen Universität Dresden den Abschluss Diplom-Ingenieur Landschaftsarchitektur und absolvierte im Anschluss daran das Referendariat Landespflege. Heute ist Kerstin Berg Mitinhaberin des Hamburger Planungsbüros Bielfeldt + Berg und als Landschaftsarchitektin Mitglied der Hamburger Architektenkammer. Umgekehrt bearbeitet die Landschaftsarchitektin Alice Schröder beim Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Leipzig die Themenfelder „Landschaftsplanung“ und „Naturschutz im Siedlungsbereich“. Die Berufsbezeichnungen Landschaftsplaner und Landschaftsarchitekt weisen indessen weniger auf Unterschiede im Aufgabenspektrum als vielmehr im Selbstverständnis der Fachkräfte hin.

„Mein Büro“, berichtet die Landschaftsarchitektin Berg, „bearbeitet Aufgaben aus dem gesamten Bereich der Landschafts- und Freiraumplanung.“ Das reicht von der Erstellung von Landschafts-, Grünordnungs-, landschaftspflege-rischen Begleit- und Renaturierungsplänen über Umweltverträglichkeitsstudien, FFH-Vorprüfungen bis hin zur Entwick-lung von Monitoringkonzepten sowie dem Ausgleichsflächenmanagement. Nur die in der Architektenkammer organisierten Landschaftsplaner und Landschaftsarchitekten verfügen über die sogenannte Bauvorlageberechtigung. Das autorisiert sie, Planungsunterlagen bei den Genehmigungsbehörden einreichen zu können. Die Biotopkartierung der jeweils in Rede stehenden Flächen wird aus Kostengründen heute weitgehend von darauf spezialisierten Büros vorgenommen. Von nicht wenigen Landschaftsplanern wird das als Verlust der Ganzheitlichkeit ihrer Tätigkeit empfunden. „Man verliert dadurch die Beziehung zum Objekt“, höre ich mehrfach.

Generalisten mit Helikopterfähigkeit

Alice Schröder arbeite beim Bundesamt für Naturschutz in Leipzig (Foto: privat)

Dem BfN mit Hauptsitz in Bonn und zwei Außenstellen in Leipzig und auf der Insel Vilm an der Ostküste Rügens, betont Alice Schröder, kommt unter allen möglichen Arbeitgebern für Landschaftsplaner eine Sonderstellung zu. Als wissenschaftliche Behörde ist es einem Thinktank vergleichbar, einem für Landnutzungsplanung und Naturschutz. Das BfN unterstützt das Bundesumweltministerium fachlich und wissenschaftlich in allen Fragen des Naturschutzes und der Landespflege sowie bei der internationalen Zusammenarbeit. „Eine unserer Aufgaben ist es“, beschreibt Alice Schröder, „Forschungsvorhaben zu konzipieren, diese – meist gemeinsam mit Hochschulen – umzusetzen und die dabei erzielten Ergebnisse für die praktische Anwendbarkeit und Entscheidungsunterstützung aufzubereiten.“ Das Themenspektrum hierbei reicht von Forschungsprojekten wie „Stadtnatur im Klimawandel“ über Umsetzungsprojekte wie „Ökologische Stadterneuerung durch Anlage urbaner Waldflächen auf innerstädtischen Flächen im Nutzungswandel“ bis zur Initiierung und Unterstützung des Bündnisses „Kommunen für biologische Vielfalt“. Das kommt dem idealtypischen Kompetenzprofil der Absolventen des Studiums Landesplanung sehr nahe. „Wir sind Generaldilettanten“, formuliert es Monika Kustusch mit einem Augenzwinkern. „Wir betrachten das Ökosystem aus der Vogelperspektive. Wir wissen von allem etwas, aber von allem nichts vertieft.“

So sind Landschaftsplaner denn auch stets auf die Zusammenarbeit mit den Spezialisten insbesondere aus der Biologie, Bodenkunde, der Klimatologie, der Agrar-, Bau- und Wasserwirtschaft angewiesen. Sie in Projektteams auf Zeit zusammenzuführen, ihre Fachsprachen für die jeweils anderen Projektpartner zu decodieren, bedürfen sie einer ausgewiesenen Kontaktfähigkeit, einer ebenso präzisen wie klaren Ausdrucksweise, dazu einer professionellen Präsentationskompetenz. Alles Dinge, die auch schon im Studium einen breiten Raum einnehmen. Das jedenfalls bestätigen die Vertreter des Fachrates der Universität Hannover. Kerstin Berg vervollständigt die Aufstellung von fachlichen Fähigkeiten und persönlichen Kompetenzen. „Ich suche Bewerber, die ein Problem schnell und prägnant strukturieren können, die einen ausgeprägten gestalterischen Anspruch besitzen, die neugierig, konfliktfähig und belastbar sind.“ Tatsächlich erleben Landschaftsplaner wie Landschaftsarchitekten in den Kompromissen des Alltags nicht selten Verluste an eigenen Wertvorstellungen. Doch sollte sie das nicht blockieren, die nächsten Chancen zu erkennen.

Im Spannungsfeld vieler Interessen arbeiten

Theaterpark Braunschweig (Foto: Wikimedia/Daderot)

Ich möchte wissen, wie viel Lebenserfahrung ein Landschaftsplaner auf seinem Arbeitsplatz braucht. Schließlich ist die Bürgerbeteiligung in nahezu allen Aufgabenbereichen gleichermaßen vorgeschrieben wie erwünscht. Da ist die Atmosphäre oft sehr emotional. „In unserem Beruf sollte deshalb die Offenheit für andere Meinungen in einem soliden fachlichen Beharrungsvermögen verankert sein“, antwortet Alice Schröder stellvertretend für die Community. Auf noch etwas Wichtiges ist hinzuweisen. Landschaftsplaner stehen bei ihrer Arbeit regelmäßig in einem Spannungsfeld mächtiger politischer wie wirtschaftlicher Interessen. Bei der Gewerbeansiedlung, beim Bau neuer Straßen, bei der Erstellung von Flächennutzungsplänen geht es schließlich um Macht, Einfluss und nicht selten viel Geld. Vor diesem Hintergrund sind Versuche zur Einflussnahme auf die Ergebnisse ihrer Arbeit zwar nicht die Regel, aber eben auch keine Seltenheit. „Wir richten unsere Projekte ausschließlich an den neuesten fachlichen Erkenntnissen aus“, bemerkt Kerstin Berg dazu. „Gefälligkeitsgutachten lehnen wir aus Überzeugung ab, aber auch weil es unserer fachlichen Reputation abträglich wäre.“

Große Verantwortung tragen indessen auch die bei Naturschutzbehörden tätigen Landschaftsplaner. „Ihre Befugnisse umfassen immerhin sogar die Berechtigung, in Eigentumsrechte anderer eingreifen zu dürfen“, weist Klaus Werk auf einen eminent wichtigen Punkt. In der öffentlichen Verwaltung sind Landschaftsplaner darüber hinaus in feste Hierarchien eingebunden, in die es sich einzufügen gilt. „Da ist genauestens geregelt, wer für welches Projekt die Unterschriftenberechtigung besitzt“, formuliert Monika Kustusch ihre Erfahrungen. Sie kann gut vergleichen, denn vor ihrer Anstellung bei der Stadt Frankfurt führte sie viele Jahre ein Ein-Mann-Planungsbüro. Die Arbeitsbelastung sei hier wie dort ähnlich groß. „Für die Bearbeitung von Anträgen gibt es gesetzlich festgelegte Bearbeitungszeiten von meist nur wenigen Wochen“, erzählt sie. Erfolgt die Entscheidung nicht innerhalb dieser Fristen, gilt der Antrag automatisch als genehmigt. „Und bei uns liegen immer viele Anträge gleichzeitig auf dem Schreibtisch.“ Da hilft nur eine gute Selbstorganisation.

Die meiste Zeit am Schreibtisch

Martin Stenzel vom Landesbüro für Naturschutzverbände NRW (Foto: privat)

Eine andere Landschaftsplanerin, die ihren Namen in diesem Bericht allerdings nicht genannt sehen möchte, und die den umgekehrten Weg von der Verwaltung ins eigene Büro ging, urteilt über die Tätigkeit bei Öffentlichen Arbeitgebern sehr kritisch. Sie spricht vom Ärgernis so mancher Schubladenplanungen. Die Kommunen seien schließlich nicht gezwungen, einen politisch unliebsamen Entwurf auch wirklich umzusetzen. Da retten wohl nur eine hohe Frustrationstoleranz, Hartnäckigkeit und diplomatisches Geschick.  Ohne diese Fähigkeiten kommen auch die in Naturschutzverbänden tätigen Landschaftsplaner nicht aus. „Wir organisieren schließlich Willensbildungsprozesse“, beschreibt Martin Stenzel vom Landesbüro für Naturschutzverbände NRW in Oberhausen. Darüber hinaus nehmen sie über das Instrument der Verbandsbeteiligung eine wichtige gesellschaftspolitische Funktion wahr. Für beides bleiben ihm und seinen Kollegen wenig mehr als die Stichhaltigkeit ihrer Argumente. Einfach ist das nicht. Denn bei den Diskussionen innerhalb der Verbände genauso wie denen mit den Bürgern, Politik und Wirtschaft geht es stets ans Eingemachte.

Da avanciert die Tatsache, für die Erstellung der Bebauungspläne von nahezu der Hälfte der nordrhein-westfälischen Kommunen herangezogen zu werden, zu einer „1“ mit Sternchen. Die Kommunen müssen zur Festlegung dessen, wie innerorts gebaut werden soll, schließlich keinerlei umweltbezogene Expertise mehr einholen. Dass es viele dennoch tun, darauf ist Martin Stenzel zu Recht stolz. Um Missverständnissen unter Berufsanfängern vorzubeugen, weist Stenzel nachdrücklich darauf hin, dass sein und seiner Kollegen Job eine reine Schreibtischtätigkeit ist. „Im Gelände arbeitet keiner mehr von uns.“ Angesagt ist umfangreiches Aktenstudium. Monika Kustusch indessen vertauscht das Büro öfter mit der Feldarbeit draußen und genießt es. „Viele Investoren beauftragen zwar renommierte, aber auswärtige Büros“, erzählt sie. „Mein Vorteil ist, ich habe, was ihnen fehlt, die Geländekenntnisse.“ Und die sind für alle Landschaftsplaner das I-Tüpfelchen ihrer fachlichen Kompetenzen.

Ideen für intelligente Lösungen

Dr. Gertrud Hein arbeitet bei der Natur- und Umweltschutzakademie NRW (Foto: privat)

Mit Gertrud Hein, Referentin der Natur- und Umweltschutzakademie NRW (NUA) in Recklinghausen, schließt sich der Kreis. „Wir machen Bildung für nachhaltige Entwicklung“, erklärt sie ihre Aufgabe. Und meint damit, dass die in der Landschaftsplanung gesetzlich vorgeschriebene Bürgerbeteiligung nur dann zum Gewinn wird, wenn die genauso wie die Ehrenamtlichen wissen, worum es im Umwelt- und Naturschutz geht. „Der Hinweis auf die ‚Rote Liste‘ reicht nämlich nicht.“ Wie die meisten Landschaftsplaner ist sie überzeugt, der beste Schutz für die Natur besteht in einer Verringerung der Eingriffsintensität und einer Reduzierung des Flächenverbrauchs. „Dazu brauchen wir am Ende jedoch immer die Einsicht und den Willen aller Beteiligten“, lautet das Fazit des Verbandsmanagers Stenzel. Aber auch eigene kreative Ideen. Und er liefert gleich ein Beispiel: mehretagige Produktionshallen. Auch wenn nicht überall möglich, so doch mancherorts eine intelligente Option. Landschaftsplaner haben halt gelernt, über den Tellerrand hinaus zu schauen.

 


Daten, Fakten & Links
(Stand: 01.04.2018)

Berufstätige Landschaftsplaner: ca. 15.000 (Schätzung).

Altersstruktur berufstätiger Landschaftsplaner: keine Angaben verfügbar.

Arbeitslose Landschaftsplaner: keine Daten vorhanden.

Studierende (Wintersemester 2016/2017): gesamt 6.132* (Frauenanteil: 56 %). Davon sind eingeschrieben an:

  • Universitäten: 2.443 (Frauenanteil: 64 %)
  • Fachhochschulen: 3.536 (Frauenanteil: 50 %)

Studierende im 1. und 2. Fachsemester (Wintersemester 2016/2017): gesamt 1.954* (Frauenanteil: 60 %). Davon sind eingeschrieben an:

  • Universitäten: 821 (Frauenanteil: 67 %). Als Studienanfänger befanden sich im Bachelorprogramm 402 (Frauenanteil: 66 %)
  • Fachhochschulen: 1.070 (Frauenanteil: 54 %). Als Studienanfänger befanden sich im Bachelorprogramm 419 (Frauenanteil: 68 %)

Hochschulabsolventen (Studienjahr 2016): gesamt 1.230* (Frauenanteil: 60 %). Davon entfielen auf:

  • Bachelor: 687 (Frauenanteil: 54 %)
  • Master: 512 (Frauenanteil 46 %)

Hochschulabsolventen an Universitäten (Studienjahr 2016): gesamt 530 (Frauenanteil: 64 %). Davon entfielen auf:

  • Bachelorabschluss: 196 (Frauenanteil: 67 %)
  • Masterabschluss: 334 (Frauenanteil: 62 %)

Hochschulabsolventen an Fachhochschulen (Studienjahr 2016): gesamt: 668 (Frauenanteil: 57 %). Davon entfielen auf:

  • Bachelorabschluss: 490 (Frauenanteil: 52 %)
  • Masterabschluss: 178 (71 %)

Einkommen: abhängig von Region, Unternehmen und Berufserfahrung. Bandbreite zwischen 2.100 € bis 4.800 € brutto.

Studienmöglichkeiten: https://www.hochschulkompass.de/studium/studiengangsuche/erweiterte-studiengangsuche/search/1/studtyp/3.html?tx_szhrksearch_pi1%5Bfach%5D=landschaftsplanung&tx_szhrksearch_pi1%5Bresults_at_a_time%5D=100

Weiterführende Informationen: https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index;BERUFENETJSESSIONID=Eh1JhyMAoWjrVSkcwWv_xanfkb0V98Bo6KpJflilIZrXU-EQSbl1!1841696871?path=null/kurzbeschreibung&dkz=100513

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*) Quelle: Statistisches Bundesamt. Summendifferenzen infolge weniger anderer Abschlussarten.

 

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