Klinikum Wolfsburg – Medizinisches Kompetenzzentrum

Von Hans-Martin Barthold | 15. Mai 2016

Krankenhäuser sind Orte der Zuflucht und Hoffnung für Menschen in gesundheitlichen Ausnahmesituationen. Dann also, wenn der Magen, das Herz, die Hüfte oder ein anderes Organ seine Funktion nicht mehr störungsfrei versehen will. In solchen Momenten geht es um medizinische Hilfe ebenso wie um emotionalen Beistand. Das gilt für das Wolfsburger Klinikum wie für die übrigen 1.980 deutschen Krankenhäusern gleichermaßen. Die 1.750 Mitarbeiter in der Wolfsburger Sauerbruchstraße, darunter etwa 240 Ärzte und 700 Pflegefachkräfte, wissen das. Und sind darauf vorbereitet. Deshalb mögen die Bürger der Stadt ihr Krankenhaus, auch wenn sie es verständlicherweise lieber von außen als von innen sehen. Doch wird es unumgänglich, dürfen sie gewiss sein, hier wird ihnen nach bestem medizinischem Wissen geholfen. Diese Erwartungen ihrer Patienten nicht zu enttäuschen, bieten Ärzte, Therapeuten, Pfleger und Techniker ihr ganzes Können auf.

Klinikum Wolfsburg – Besuchereingang (Foto: Klinikum Wolfsburg)

Klinikum Wolfsburg – Besuchereingang (Foto: Klinikum Wolfsburg)

Mit 546 Betten gehört das Klinikum Wolfsburg zu den größten Krankenhäusern Niedersachsens. In der Stadt ist es nach dem Volkswagenwerk zwar mit riesigem Abstand, gleichwohl einer der größten Arbeitgeber. Das, worum es in den 15 hoch spezialisierten Abteilungen, intern auch Kliniken genannt von der Anästhesie über die Gefäßchirurgie und Gynäkologie bis zur Radioonkologie geht, lässt sich in zwei Worten beschreiben: Lebensqualität und Heilung. Die Ergebnisse in der VW-Stadt können sich sehen lassen. Im letzten Jahr wurden nicht weniger als 31.471 Patienten stationär und 45.166 ambulant behandelt. So viel Erfolg ist freilich nicht allein das Verdienst von Ärzten und Pflegefachkräften, obschon sie zahlenmäßig dominieren. Immerhin verteilen sich nahezu zwei Drittel aller Arbeitsplätze auf diese zwei Berufsgruppen. Auf den Gehaltslisten von Klinikdirektor Wilken Köster, seines Zeichens Diplom-Kaufmann, stehen allerdings noch zahlreiche Mitarbeiter anderer Berufe.

Arbeitgeber für ganz unterschiedliche Fachkräfte

Als da wären Apotheker und Pharmazeutisch-Technische Assistenten, Hebammen und Physiotherapeuten, Medizinisch-Technische Assistenten, Köche und Diätassistenten, Medizinische Fachangestellte, Sozialarbeiter sowie Kaufleute und selbstverständlich Gebäudereiniger. Doch Bewerber, die eine Ausbildungsstelle als Anlagenmechaniker, Elektroniker für Geräte und Systeme, Informatikkaufmann, Maler oder Tischler suchen, kommen wohl eher selten auf das Krankenhaus als möglichen Ausbildungsbetrieb. Und doch ist es so. Karsten Dolatka, Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik, ist als Leiter des Technischen Dienstes Chef von 29 Mitarbeitern, davon 8 Azubis. Daniel Feld als einer von ihnen hat vor wenigen Wochen die Facharbeiterprüfung mit Erfolg bestanden. Nun darf er sich stolz Elektroniker/Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik nennen. „Viele Anlagen, mit denen ich während meiner Ausbildung hier zu tun hatte“, erzählt er, „bekommt man in einem kleinen Handwerksbetrieb die ganze Zeit nicht zu Gesicht.“

Tatsächlich ist die technische Infrastruktur eines modernen Krankenhauses ebenso vielfältig wie komplex und so gut wie immer Hightech. Da lastet eine Menge Verantwortung auf den Schultern des Teams von Karsten Dolatka. Die meisten Krankenhäuser sind über viele Jahrzehnte gewachsene Einheiten. Oft stehen Trakte aus den sechziger Jahren neben gerade fertig gestellten Neubauten. Das ist auch in Wolfsburg so. „Bis man das alles sicher beherrscht, braucht es deshalb nach Ende der Ausbildung noch ganz viel Berufserfahrung“, ist Dolatka denn auch überzeugt. Tatsächlich sind seine Mitarbeiter in den nächtlichen und Wochenendbereitschaften ganz auf sich allein gestellt. Bei Ausfällen oder Störungen müssen sie nicht selten binnen weniger Minuten die richtigen Entscheidungen treffen, ohne sich vorher beim Meister rückversichern zu können. Das Tagesgeschäft heißt freilich Wartung und Instandhaltung, bei Um- und Neubauvorhaben auch Koordination des Einsatzes externer Spezialisten.

Technik für die Patienten

Daniel Feld – Frisch gebackener Elektroniker/Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik (Foto: hmb)

Daniel Feld – Frisch gebackener Elektroniker/Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik (Foto: hmb)

„Die meisten unserer Arbeiten“, weist Technikchef Dolatka auf eine Besonderheit, „erfolgen im laufenden Betrieb.“ Das erfordert eine ebenso gute Planung wie Abstimmung mit den betroffenen Stationen, Fremdfirmen und im Einzelfall auch den Patienten. Dann etwa, wenn das warme Wasser einer Dusche ausfällt und gleichzeitig einer der Patienten für den OP vorbereitet werden muss. Oder wenn in einem der 11 Operationssäle eine Versorgungsleitung auszutauschen ist, in den Sälen rechts und links aber mehrere Operationen angesetzt sind. „Techniker im Krankenhaus sind Dienstleister“, beschreibt Dolatka. „Deswegen sollten Bewerber um eine Ausbildungsstelle nicht nur breite Fachkenntnisse, sondern unbedingt auch überdurchschnittlich gute Sozialkompetenzen besitzen.“ Daniel Feld erfüllt alle diese Anforderungen zur Genüge. Er hofft deshalb auch auf einen beruflichen Ansatz im Klinikum. Immerhin erfolgt die Ausbildung in den gewerblichen Berufen unter dem Dach der Stadt Wolfsburg.

Krankenhäuser mit einer Bettenzahl zwischen 300 bis 600 wie das Wolfsburger Klinikum gehören nach der Statistik der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zu den Häusern mittlerer Bettengröße. Aber schon hier handelt es sich um Großbetriebe. Und genauso arbeiten sie inzwischen auch. Arbeitsorganisatorisch besitzt das Klinikum Wolfsburg eine Doppelstruktur. Medizinisch werden die Stationen nach ärztlichen Fachgebieten geordnet. Betriebswirtschaftlich-funktional sind die Bereiche in den ärztlichen und den pflegerischen Dienst sowie den Sektor der Service-Units gegliedert. Zu letzteren gehören beispielsweise das Personalwesen, der Einkauf, die Materialwirtschaft und Logistik, die Finanzen, die EDV und der Patientenservice, der Technische Dienst sowie die Apotheke. Sie erst ermöglichen Ärzten wie Pflegern die Arbeit. Für Patienten und Besucher aber bleiben sie weitgehend unsichtbar.

Vieles gleich und manches anders

Der Berufsalltag von Ärzten und Pflegekräften im Klinikum Wolfsburg unterscheidet sich nicht von dem in anderen Krankenhäusern. Ungefähr je ein Drittel der Krankenhäuser befinden sich in öffentlicher, freigemeinnütziger sowie privater Trägerschaft. Oder gibt es vielleicht doch Unterschiede? Nein, lautet die erste Antwort. Denn Hüft-OP bleibt Hüft-OP und Wundversorgung bleibt Wundversorgung. Und zwar unabhängig, wo diese Eingriffe erfolgen. Aber ja, heißt die zweite Antwort. Denn jedes Klinikum folgt seiner ganz eigenen Unternehmensphilosophie. Nichts desto trotz haben auch die Beschäftigten öffentlicher Krankenhäuser wie dem in Wolfsburg, dessen Träger die Stadt ist, mit den ihnen anvertrauten Geldern so effizient wie irgend möglich zu wirtschaften. Schließlich ächzen alle Kliniken unter steigenden Kosten und immer schwierigeren Verhandlungen mit klammen Krankenkassen.

Bettenhaus des Klinikums Wolfsburg (Foto: Klinikum Wolfsburg)

Bettenhaus des Klinikums Wolfsburg (Foto: Klinikum Wolfsburg)

Wenigsten aber stehen sie nicht wie ihre Kollegen in den privaten Häusern unter dem Zwang, die Gewinne der Aktionäre Jahr für Jahr steigern zu müssen. Die Heilung des Patienten ist hier nicht nur Mittel zum Zweck der Profitmaximierung, sondern Ziel allen Arbeitens. Konzentrieren sich private Krankenhausbetreiber in aller Regel auf gut vergütete Therapiebereiche, bekennt sich das Klinikum Wolfsburg auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu seiner kostenintensiven Kinderstation und baut sie aus. Was jedermann weiß, spricht sich auch unter Bewerbern schnell herum. Unternehmensziele prägen Arbeitsatmosphäre. „Wir haben zunehmend Bewerber“, weiß die Leiterin der Krankenpflegeschule Dagmar Schimkowiak zu berichten, „die sich genau aus diesem Grund bewusst für uns entscheiden und dafür sogar lange Anfahrtswege in Kauf nehmen.“

Mit Menschen für Menschen arbeiten

Auch Medizinstudenten wählen für Famulatur und Praktisches Jahr gerne das vis-à-vis der Porsche-Hütte gelegene Klinikum. Warum? Nicht nur, weil das Wolfsburger Haus akkreditiertes akademisches Lehrkrankenhaus der Medizinischen Hochschule Hannover ist, sondern vor allem weil sie hier ein Team hoch qualifizierter wie gleichermaßen motivierter Ärzte und Pflegefachkräfte vorfinden. Da nimmt es nicht wunder, dass aus dem Praktischen Jahr gar nicht selten eine Verbindung für länger wird. In Zeiten, wo junge Ärzte ihren Arbeitsplatz unter vielen Angeboten auswählen können, spricht das für sich. Ganz ähnlich die Situation bei den Pflegefachkräften. Während nach Informationen der Deutschen Krankenhausgesellschaft inzwischen ein Drittel aller deutschen Krankenhäuser über Probleme bei der Besetzung offener Stellen in der Pflege klagen und jedes fünfte dieser Not gehorchend Fachkräfte gezielt im Ausland sucht, beschreibt Dagmar Schimkowiak die Situation in Wolfsburg nach Zahl und Qualität als weiterhin zufriedenstellend.

Teamarbeit im OP-Saal (Foto: Klinikum Wolfsburg)

Teamarbeit im OP-Saal (Foto: Klinikum Wolfsburg)

Aber auch die Mitarbeiter des Wolfsburger Klinikums bleiben von Arbeitsverdichtung und steigenden fachlichen Anforderungen nicht verschont. Das gilt für alle Berufsgruppen. Die Erklärung dafür ist so einfach wie einleuchtend. Die Krankenhäuser gehören zu den größten Kostentreibern im Gesundheitswesen. Und in deren Kostenstruktur entfallen 22 Prozent auf die Personalausgaben im Pflegebereich. Werden die Geschäftsleitungen also bei weiteren Sparrunden die Pflegefachkräfte vor dem Rotstift schützen können? Mit diesem permanenten Druck müssen Krankenhausmitarbeiter lernen umzugehen ebenso wie sie immer wieder aufs Neue ihren Anteil am Heilungserfolg reflektieren müssen und unter Beweis zu stellen haben. Was sie vereint, ist die Überzeugung, schmerzgeplagten Menschen die Freude am Leben zurückgeben zu können. Als Belohnung winken ihnen die Gesichter dankbarer Patienten.

Spezialisierung erforderlich

Schulleiterin Dagmar Schimkowiak treibt noch eine andere Entwicklung um. Nein, es sind nicht zurückgehende oder zu wenig gut qualifizierte Bewerber für die Ausbildung in der Kranken- und Kinderkrankenpflege. Im Gegenteil, da sieht es auch fürs kommende Jahr wieder gut aus. „Die meisten Bewerber verfügen über die von uns gesuchten Voraussetzungen“, sagt sie. Und meint damit neben den naturwissenschaftlichen Kenntnissen sowie den unabdingbaren Sozialkompetenzen vor allem die Fähigkeit, Menschen und deren Krankheitsverlauf genauestens beobachten zu können. „Nur dann kann man professionell pflegen.“ Vielmehr ist es die geplante Zusammenlegung aller Pflegeberufe, die ihr Sorgen macht. Statt wie bisher drei Ausbildungsberufe in der Gesundheits- und Krankenpflege, der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sowie der Altenpflege soll es bei unveränderter Ausbildungszeit schon bald nur noch ein alle drei Bereiche umfassendes Berufsbild geben.

Gesundheits- und Krankenpflegerin bei der OP-Vorbereitung (Foto: Klinikum Wolfsburg)

Gesundheits- und Krankenpflegerin bei der OP-Vorbereitung (Foto: Klinikum Wolfsburg)

Die hohen Qualitätsstandards in der Pflege zu halten, wird dadurch zweifellos nicht einfacher. Die Etablierung solcher Berufe wie der Operationstechnischen Assistenten (OTA) und der Anästhesietechnischen Assistenten (ATA) weisen auf den hohen Bedarf an fachlicher Spezialisierung. In beiden Berufen bildet das Wolfsburger Klinikum in einer Kooperation mit dem Friederikenstift Hannover aus. Schon jetzt praktiziert das Klinikum Wolfsburg im Pflegeteam auf der Leitungsebene eine Doppelstruktur. Neben der Stationsleitung mit Führungs- und Personalverantwortung steht eine Pflegekraft mit inhaltlich-fachlicher Ausrichtung. In die gleiche Richtung weisen die vielfältigen Weiterbildungsmöglichkeiten für Pflegefachkräfte, die von der Pflegedirektion darin aktiv unterstützt werden. Schon nach zwei Jahren Berufspraxis stehen den Mitarbeitern alle Türen offen. Darüber hinaus beteiligt sich die Krankenpflegeschule mit drei Studienplätzen pro Ausbildungsjahrgang am dualen Studiengang der Fachhochschule Ostfalia Wolfsburg „Angewandte Pflegewissenschaften im Praxisverbund“.

Dem Einzelnen gerecht werden, das Ganze nicht aus den Augen verlieren

Ein Blick in den aktuellen Stellenmarkt beweist die große Nachfrage. Gesucht werden Gesundheits- und Krankenpfleger mit Fachweiterbildungen für Anästhesie- und Intensivpflege, für Geriatrie, für Kinder- und Jugendmedizin sowie Psychosomatik, auch für die pädiatrische Intensivstation. Was sich in all dem spiegelt, ist die absolute Professionalisierung der Arbeitsprozesse in Krankenhäusern, allen voran im Pflegebereich. Die Arbeit in der Chirurgie mit einem Schwerpunkt in der Wundversorgung unterscheidet sich eben von der in der Inneren Medizin, wo die Diagnostik im Vordergrund steht. Der Umgang mit Kleinkindern stellt andere Anforderungen als der mit alten Menschen in der Geriatrie, der mit Wöchnerinnen wieder andere als der mit Schwerstkranken in der Onkologie. So gilt eines für alle Mitarbeiter. Jeder an seinem Platz müssen sie die medizinische Hochtechnologie ebenso beherrschen wie sie dem Wunsch ihrer Patienten nach menschlicher Zuwendung zu entsprechen haben. Im Wolfsburger Klinikum hat man das verstanden.

 


Unternehmenssteckbrief
(Stand: 01.03.2016)

Gründung: 1941.
Anschrift: Sauerbruchstraße 7, 38440 Wolfsburg.
Außenstellen: Schwefelbad Fallersleben (Zentrum für Rehabilitation).
Mitarbeiter: 1.750.
Behandlungsfälle 2015:

  • stationäre Fälle: 31.471
  • ambulante Fälle: 45166

Ausbildungsmöglichkeiten:

  • Anlagenmechaniker/-in für Sanitär- Heizungs- und Klimatechnik *
  • Elektroniker/-in für Informations- und Systemtechnik *
  • Elektroniker/-in für Geräte und Systeme *
  • Gebäudereiniger/-in *
  • Gesundheits- und Krankenpfleger/-in
  • Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-in
  • Informatikkaufmann/-frau *
  • Informations- und Telekommunikationssystemelektroniker/-in *
  • Koch/Köchin *
  • Medizinische(r) Fachangestellte(r)
  • Operationstechnische(r) Assistent/-in **
  • Anästhesietechnische(r) Assistent/-in **

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*) Ausbildung im Verbund mit der Stadt Wolfsburg
**) Ausbildung in Kooperation mit dem Friederikenstift Hannover

Duales Studium:

  • Angewandte Pflegewissenschaften im Praxisverbund

Bewerbungen: bis zum 31. Oktober des Vorjahres.
Schülerpraktika: ja.
Für Medizinstudenten:

  • Famulatur
  • Praktisches Jahr (PJ)

Kontaktmöglichkeiten:

  • Pflegerische Berufe: pflegeschulen@klinikum.wolfsburg.de
  • Berufe im Verbund mit der Stadt Wolfsburg: witke@stadt.wolfsburg.de

Internet: http://www.klinikum-wolfsburg.de/startseite/

 

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