IAV GmbH – Die automobile Denkfabrik

Von Hans-Martin Barthold | 15. Mai 2014

Die EU-Kommission hat der Automobilindustrie erneut eine schwierige Aufgabe gestellt. Liegen die Flottenwerte der CO²-Emissionen aktuell noch bei rund 130 Gramm pro Kilometer, müssen die Hersteller diesen Wert bis 2020 auf 95 Gramm reduzieren. Nach Meinung aller Experten ist das ein ambitioniertes Ziel. Und einig sind sich die Fachleute auch, dass dafür alle Komponenten eines Autos auf den Prüfstand müssen, es nicht allein etwa mit der Optimierung der Motorleistung zu schaffen ist. Da geht es auch um Getriebe, Reifen, Fragen von Karosserie und cw-Werten, Materialentwicklungen, Assistenzsysteme oder Überlegungen zur Energierückgewinnung. Vor allem aber gilt es, all diese Teillösungen zu einem ganzheitlichen Lösungspaket zusammenzufügen.

IAV-Entwicklungszentrum Gifhorn (Foto: hmb)

IAV-Entwicklungszentrum Gifhorn (Foto: hmb)

Das ruft nach Engineering-Dienstleistern, freilich nicht so sehr nach Spezialisten für nur einen Teilaspekt, sondern solchen, die alle Funktionen eines Automobils und deren Zusammenspiel beherrschen. IAV (Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr) mit ihrem Entwicklungszentrum in Gifhorn, wo rund 3.500 Mitarbeiter beschäftigt sind, die meisten davon Ingenieure, ist so einer. „Wir vereinen in unserem Unternehmen Entwicklungskompetenz quer über alle automobilen Funktionen“, beschreibt Personalteamleiter Bernd Engeler das Leistungsportfolio von IAV. Das erstreckt sich von der Antriebselektronik über Antriebsstrangkonzepte, Fahrwerk, Getriebe bis hin zu den klassischen Verbrennungsmotoren, schließt aber auch die E-Traktion, Gastriebe und Hybridkomponenten mit ein.

Automobile Entwicklungen aus einer Hand

„Genauso wichtig ist“, sagt Engeler, „unser Leistungsspektrum reicht vom Entwurf eines Fahrzeugs bis hin zur Serienbetreuung.“ Das wissen die Kunden aus der Automobilindustrie zu schätzen. Die Auftragslage sieht bislang entsprechend gut aus. Im letzten Jahr hat das Unternehmen deshalb über 400 neue Mitarbeiter eingestellt, erwartungsgemäß wiederum die meisten davon Ingenieure. Groß ist inzwischen das Areal entlang der Rockwellstraße, auf dem die IAV in Gifhorn angesiedelt ist. Und noch immer reicht es nicht, sind bereits Erweiterungen der Bürokapazitäten geplant. In modernen Industriegebäuden suchen die IAV-Mitarbeiter nach innovativen, vor allem aber ebenso zukunftsfesten wie alltagstauglichen Lösungen. Für PKW im Übrigen genauso wie für den Schwerlastbereich.

High Tech vom Feinsten am Arbeitsplatz von Timo Merkhoffer (Foto: IAV)

High Tech vom Feinsten am Arbeitsplatz von Timo Merkhoffer (Foto: IAV)

„Wir sind eine Projektcompany“, beschreibt Bernd Engeler die Struktur von IAV salopp aber zutreffend. Was er damit meint, sind vor allem die flachen Hierarchien und das forschungsintensive universitäre Flair, durch das sich IAV auszeichnet. Hier ist das Ziel immer, eine Lösung zu finden, die es so noch nicht gibt. Allerdings sucht Engeler keine Nerds, sondern Entdeckertypen mit Bodenhaftung. Die Arbeitsatmosphäre ist locker. Schlips und Kragen müssen es nicht jeden Tag sein, das Sweatshirt macht es auch. Wichtig ist einzig das Ergebnis. Wie in amerikanischen Unternehmen gilt für die interne Kommunikation untereinander das Du. Vom guten Miteinander, ohne die die Erfolge nicht möglich wären, schwärmen alle, vom Geschäftsführer bis zum Studenten und Praktikanten. Und von denen hat IAV viele. Die meisten schnuppern das erste Mal Berufswelt. Über IAV sind sie des Lobes voll.

Exzellente Ausbildung stellt hohe Anforderungen

Die automobile Zukunft mitzugestalten, das ist es, was die IAV-Mannschaft fasziniert und worauf jeder Einzelne stolz ist. Bis hin zum Auszubildenden. Die sind gegenüber den vielen Ingenieuren zwar eine Minderheit, als künftige Facharbeiter in den Projektteams freilich unverzichtbar. Immerhin stellen sie die technische und kaufmännische Infrastruktur für die zahlreichen Projektteams sicher. Auch wenn sie selten in der ersten Reihe stehen, könnten die Ingenieure ohne sie nicht erfolgreich sein. So werden regelmäßig Technische Produktdesigner, Elektroniker für Geräte und Systeme, Fachinformatiker für Systemintegration sowie Kaufleute für Büromanagement sowie Kraftfahrzeugmechatroniker ausgebildet. Auf höchstem Niveau, wie Michael Börke, Ausbilder in der IT-Abteilung, betont.

Angehender Fachinformatiker Mario Motschnik mit Ausbilder Michael Börke (Foto: hmb)

Angehender Fachinformatiker Mario Motschnik mit Ausbilder Michael Börke (Foto: hmb)

Börke ist für vier Fachinformatiker-Azubis verantwortlich. Er nimmt sich Zeit für jede Frage. „Wir haben in der IT von IAV besonders hohe Sicherheitsstandards“, sagt er, „und investieren deshalb viel Manpower in die Ausbildung unserer Nachwuchskräfte.“ Azubi Mario Motschnik bestätigt das mit einem intensiven Kopfnicken. Bei IAV gelernt zu haben, ist auch über die Region hinaus ein Gütesiegel. Das gilt uneingeschränkt für alle IAV-Standorte, von denen Gifhorn im Übrigen der mit weitem Abstand größte ist. Insgesamt hat IAV über 5.000 Beschäftige. Letztes Jahr baute der Berliner Kfz-Mechatroniker Lennart Poppe die achtbeste Abschlussprüfung in der Bundeshauptstadt. So etwas gelingt nur mit guten Ausbildern. Und die hat IAV. Schließlich weiß man, das Kapital eines Ingenieurdienstleisters ist die Kompetenz seiner Leute.

Azubis knüpfen enge Netzwerke

Das gilt auch und besonders für die ca. 150 Büromanagerinnen im Hintergrund, darunter pro Jahr zwei Auszubildende. „Wir sind interne Dienstleister für die Projektteams“, erklärt die Ausbilderin Ramona Kootz, „unsere Aufgabe ist es, den Technikern organisatorisch den Rücken frei zu halten, damit die sich ganz auf ihre Entwicklungsarbeit konzentrieren können.“ Die Auszubildenden werden deshalb schon früh praxisnah an die täglichen Arbeitsabläufe herangeführt. Laura Trenkel und Josefa Niemann, beide im zweiten Ausbildungsjahr, lernen also, Projekte zu budgetieren, Kalkulationen im System anzulegen, Bestellungen aufzugeben, Flüge und Hotels zu buchen, Dienstreisen abzurechnen, Veranstaltungen zu organisieren, Weiterbildungsseminare entsprechend den Abteilungsbedarfen zu planen und noch vieles andere mehr.

Personalteamleiter Bernd Engeler (Foto: privat)

Personalteamleiter Bernd Engeler (Foto: privat)

Laura Trenkel und Josefa Niemann rotieren wie auch die meisten anderen Auszubildenden während ihrer Ausbildungszeit durch alle Abteilungen von IAV, die Kaufleute dürfen sogar für ein paar Tage in die Berliner Zentrale, weil einige Ausbildungsschwerpunkte nur dort konzentriert sind. „Dadurch kennen die jungen Leute unser Unternehmen und wissen später, wen man bei welchem Problem ansprechen könnte“, erzählt Bernd Engeler. Umgekehrt ist diese Wanderschaft für die Azubis Gelegenheit zu schauen, wo es ihnen am besten gefällt. Die letzte Ausbildungsstation findet in der Regel bereits dort statt, wo der berufliche Ansatz nach erfolgreicher Abschlussprüfung erfolgt. Die Erfolgsquote der IAV-Azubis beträgt nach Unternehmensangaben 100 Prozent. Ramona Kootz, Michael Börke und Bernd Engeler können sich jedenfalls an niemanden erinnern, der nicht bestanden hat. Darin spiegeln sich die Qualität der Bewerberauswahl, aber natürlich auch die Leistungsbereitschaft der Auszubildenden.

Immer wieder blitzt es durch, dass der wichtigste Wettbewerbsfaktor für einen Ingenieurdienstleister wie die Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr (IAV) leistungsfähige Mitarbeiter sind. Das weiß man bei IAV und handelt entsprechend. Das erste Screening im Auswahlverfahren wird in der Berliner Zentrale anhand der Zeugnisse sowie der Ergebnisse im Onlinetest vorgenommen. Gewünscht werden ein sehr guter Realschulabschluss, Fachhochschulreife oder das Abitur. Auch der  Besuch einer für den Wunschberuf förderlichen Berufsfachschule wird bei IAV gerne gesehen. Die in die engere Wahl gekommenen Bewerber werden anschließend zum Bewerbertag ins Entwicklungszentrum in die Rockwellstraße eingeladen. Gewiss schauen Bernd Engeler und die Ausbilder in den Gesprächen schon genau hin. „Doch unter Druck setzen wir niemanden“, macht der Personalteamleiter deutlich.

Gut organisierte Bewerber mit Bodenhaftung

Ausbilderin Ramona Kootz mit den Azubis Laura Trenkel und Josefa Niemann (Foto: hmb)

Ausbilderin Ramona Kootz mit den Azubis Laura Trenkel und Josefa Niemann (Foto: hmb)

Josefa Niemann und Laura Trenkel haben den Bewerbertag noch in sehr guter Erinnerung. „Wir hatten das Gefühl“, erinnern sie sich, „man ist neugierig auf uns und freut sich.“ Deshalb fiel ihnen die Entscheidung für IAV am Ende auch nicht schwer. Bereut haben sie es, wie sie sagen, bisher nicht. „Wir suchen Bewerber, die aufgeschlossen sind“, beschreibt Iris Weidner aus der Personalabteilung, „die auf andere zugehen und sich gut ausdrücken können.“ Gegenüber unternehmensfremden Personen ist allerdings Verschwiegenheit angesagt. Auch ich erfahre keine Details von Ihrer Arbeit. Wie bei allen Entwicklungsunternehmen unterliegt das höchster Geheimhaltung. Am wichtigsten aber sei es, seine Dinge gut selbst organisieren zu können. „Bei unseren flachen Hierarchien müssen sie schnell auf gleiche Augenhöhe zu den berufserfahrenen Kollegen kommen“, so noch einmal die Personalfachfrau.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Vor dem Eingang von Haus 4 steht ein sogenanntes Sonnensegel, eine kleine Photovoltaikfläche, die sich durch eine ausgefeilte Technik immer im günstigsten Winkel zur Sonne aufstellt. Und auf der Ideen-Expo letztes Jahr machten die Azubis von IAV mit einem E-Cart mächtig Eindruck bei den Besuchern. Beide Projekte organisierten Auszubildende aus dem Entwicklungszentrum Gifhorn eigenverantwortlich. Entwickler üben sich halt früh, die von IAV ganz besonders. Im vergangenen Jahr wurde im Rahmen eines Pilotprojektes erstmals auch die Einstellung dualer Studenten für die Fachrichtungen Fahrzeugtechnik und Elektrotechnik praktiziert. Sollte dies ein Erfolg werden, soll dies zu einer weiteren Möglichkeit werden, engagierte junge Menschen bei IAV auszubilden und an das Unternehmen zu binden. Als Kooperationspartner steht die Ostfalia Hochschule mit ihren Standorten in Wolfsburg und Wolfenbüttel bereit. „Damit wollen wir unsere Nachwuchsingenieure schnell an die spezifischen Anforderungen von IAV heranführen“, begründet Bernd Engeler diesen Schritt und freut sich auf dieses neue Projekt. Doch mit Projekten hat man ja bei IAV Erfahrung …

 


Unternehmenssteckbrief
(Stand: 01.04.2014)

Firmengründung: 1983.
Sitz der Unternehmenszentrale: 10587 Berlin, Carnotstraße 1.
Niederlassungen:

  • Entwicklungszentren: Berlin, Chemnitz, Gifhorn.
  • Engineering-Büros: Dresden, Friedrichshafen, Ingolstadt, Kassel, Ludwigsburg, München, Neckarsulm, Neustadt/Weinstraße, Nürnberg, Regensburg, Rostock, Rüsselsheim, Weissach.
  • Tochterunternehmen in: Brasilien, China, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien, Japan, Korea, Mexico, Russland, USA.

Mitarbeiter: 5.700 (Entwicklungszentrum Gifhorn: 3.500)
Umsatz: 595 Millionen Euro.
Ausbildungsmöglichkeiten:

  • Elektroniker/-in für Geräte und Systeme
  • Fachinformatiker/-in Fachrichtung Systemintegration
  • Kaufmann/-frau für Büromanagement
  • Kfz-Mechatroniker/-in (nur nach Bedarf)
  • Technischer Produktdesigner/-in

Duales Studium: in den Fachrichtungen

  • Fahrzeugtechnik
  • Elektrotechnik

Bewerbungen: vom 01.08. bis zum 30.11. eines Kalenderjahres für eine Ausbildung im Folgejahr.
Schülerpraktika: ja.
Kontaktmöglichkeiten: Bewerbungen für Ausbildungsplätze, Schülerpraktika, Bachelor- und Masterarbeiten sowie studentische Aushilfsjobs über: www.iav.com/karriere
Internet: www.iav.dcom

 

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