Gesundheits- und Krankenpfleger – Ein Beruf fürs Leben

Von Hans-Martin Barthold | 15. November 2014

Klinikum Braunschweig, Holwedestraße, Station K4, Kinderklinik. Es ist sechs Uhr, der Tag beginnt gerade die Nacht zu verdrängen. In der Neonatologie, wo die Frühgeborenen noch auf den Schutzraum eines Inkubators angewiesen sind, ist gerade Schichtwechsel. Für Miriam Kluger beginnt jetzt der Frühdienst. Viel Zeit, auf Betriebstemperatur zu kommen, bleibt ihr nicht. Das Übernahmegespräch mit der Kollegin aus der Nachtschicht, für die heute der Feierabend auf den frühen Morgen fällt, verlangt volle Konzentration. In dieser Woche ist Miriam Kluger „nur“ für ein Frühchen zuständig. Das Neugeborene ist bereits in der 24. Schwangerschaftswoche auf die Welt gekommen und wiegt noch nicht einmal tausend Gramm. Zum Luftholen wird die Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin, die ihre Ausbildung vor einem Jahr abgeschlossen hat, dennoch kaum Zeit bleiben. Gleichwohl lässt sie keinen Zweifel, mit dem Arbeitsplatz auf der Frühgeborenenstation ihren Traumjob gefunden zu haben.

Hightech-Medizin: Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen mit Inkubator (Foto: Klinikum Braunschweig/Jörg Scheibe)

Hightech-Medizin: Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen mit Inkubator (Foto: Klinikum Braunschweig/Jörg Scheibe)

Bevor sich Miriam Kluger ihrem kleinen Patienten zuwendet muss sie zu allererst den Tagesablauf planen. „Oberstes Ziel dabei sind lange Ruhephasen für das Baby“, erklärt sie, „denn jede Aktivität ist für das Frühgeborene eine Riesenanstrengung.“ Deshalb gilt in der Neonatologie die Maxime des minimal handling. Zuvor checkt sie jedoch die Messreihen aller wichtigen Körperfunktionen, um bei eventuellen Unregelmäßigkeiten sofort den Arzt hinzu zu ziehen. Die Interpretation dieser Daten erfordert ein breites medizinisches Fachwissen. Und spätestens hier wird deutlich, wie groß die naturwissenschaftlichen Anforderungen in der modernen Pflege inzwischen geworden sind. Ohne sichere Kenntnisse in Chemie und vor allem der Biologie geht schon lange nichts mehr. Freilich werden diese Fächer nicht forschungsorientiert gelehrt. Es geht um ihre Anwendung.

„Wir müssen als Pflegefachkräfte nicht bis zu den Details der molekularen Ebene vordringen“, bringt es Stefan Schwark auf den Punkt. Schwark studiert nach einer Pflegeausbildung und anschließender Berufspraxis derzeit an der Universität Bayreuth Gesundheitsökonomie. Wichtige Erkenntnisse für den Berufsalltag, so seine Begründung, würden inzwischen immer stärker aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen zusammengeführt. Medizin, Pflegewissenschaft, Sozialpädagogik und Psychologie seien ebenso relevant wie das in der praktischen Berufsausbildung erlernte Bedienen komplexer technischer Geräte. „Gesundheits- und Krankenpfleger sind in der Arbeitskette von Krankenhäusern und ambulanten Diensten die Allrounder. Die Anforderungen an sie sind heute hoch komplex“, erklärt Schwark.

Pflegen und gleichzeitig die Prozesskette steuern

Miriam Kluger (von links), Ulrich Heller, Beate Michael, Heike Chmela (Foto: hmb)

Miriam Kluger (von links), Ulrich Heller, Beate Michael, Heike Chmela (Foto:
hmb)

Doch zurück in die Braunschweiger Kinderklinik. Bei Miriam Klugers kleinem Patienten liegen heute alle Daten im Normbereich. So kann sie nun die Zeitleiste mit den Terminen für Mahlzeiten, physiotherapeutische Anwendungen, ärztliche Routineuntersuchungen, schließlich auch Zeiten für den Körperkontakt mit der Mutter „bauen“. Das alles muss effizient, heißt in kompakten Blöcken organisiert und mit den jeweiligen Fachkräften koordiniert werden. Zur gleichen Zeit am gleichen Ort beginnt auch für die Gesundheits- und Krankenpflegerin Heike Chmela die Frühschicht. Sie leitet eine Station der Unfallchirurgie und ist in dieser Funktion für 34 Betten, besser Patienten verantwortlich. Auch sie liebt ihren Beruf über alles. „Für eine Tätigkeit in der Pflege“, sagt sie, „ist der Wille, Menschen in schwierigen Situationen helfen zu wollen, eine ganz wichtige Voraussetzung.“ Doch, fügt sie schnell hinzu, der Wille alleine reiche nicht. Mit inzwischen 27 Jahren Berufserfahrung weiß sie, wovon sie spricht. Tatsächlich hat sich der Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers stark verändert.

Da ist auf der einen Seite der enorme medizinische Fortschritt, auf der anderen stehen Kostendruck und Arbeitsverdichtung. Erfordert das eine ein immer breiteres medizinisches Fachwissen, nötigt das andere Heike Chmela und ihren Kollegen überdurchschnittliche organisatorische Fähigkeiten ab. „Wir haben den zeitlich ausgedehntesten Kontakt mit dem Patienten“, erklärt sie, „wir können deshalb am besten beobachten, ob die Therapie greift oder angepasst werden muss.“ So sind denn Pflegefachkräfte heute nicht mehr nur ausführendes Organ, dem Arzt fleißig, aber möglichst unsichtbar und vor allem stumm zu Diensten. „Natürlich gehören die unmittelbaren pflegerischen Tätigkeiten wie etwa Waschen und Lagern auch weiterhin zu unserer täglichen Arbeit“, weiß Pflegedirektor Ulrich Heller, im städtischen Klinikum Braunschweig Chef von über 2.000 Gesundheits- und Krankenpflegern. „Doch unsere Tätigkeit erschöpft sich nicht mehr darin. Immer öfter nehmen wir heute eine Koordinationsfunktion wahr.“

Den Pflegeverlauf vorwegdenken

Fachkrankenpflegerin für Anästhesie (Foto: Klinikum Braunschweig/Jörg Scheibe)

Fachkrankenpflegerin für Anästhesie (Foto: Klinikum Braunschweig/Jörg Scheibe)

Was das heißt? Heike Chmela und ihre Kollegen sind das Scharnier zwischen Patient und Arzt. Sie beobachten, dokumentieren, analysieren und organisieren die therapeutischen Einzelmaßnahmen. Sie kontrollieren die Pflegequalität und sie sind häufig genug Übersetzer in der Patienten-Arzt-Kommunikation. Darüber hinaus müssen sie vom aktuellen Geschehen den zukünftigen Verlauf vorwegdenken. „Wenn ich die möglichen Optionen mit dem Arzt nicht am Morgen bespreche“, erzählt Heike Chmela, „muss ich bis zum nächsten Tag warten, weil der den Rest des Tages im Operationssaal steht.“ So etwas könnte den Heilungsprozess verzögern, die Liegezeit verlängern und damit die Kosten in die Höhe treiben. Denn kaum irgendwo anders ist Zeit so teuer wie in einem Krankenhaus. Ebenso zahlreich und vielfältig sind deshalb die Versuche, dem mit einer Optimierung auch der Pflegestrukturen zu begegnen.

Im Klinikum Braunschweig hat man sich für einen ganzheitlichen Ansatz entschieden. „Zur Gewährleistung höchstmöglicher Qualität und Zeiteffizienz bleibt bei uns die Grundpflege in den Händen von Fachkräften“, formuliert es Ulrich Heller. „Schwankungen der Körpertemperatur oder Hautveränderungen können nur von Fachkräften wahrgenommen und zutreffend interpretiert werden.“ Andere Kliniken favorisieren indessen andere Arbeitsorganisationsmodelle. Der medizinische Vorstand des Uniklinikums Dresden, Michael Albrecht, etwa plädiert für eine höhere Arbeitsteilung. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung forderte er für den Pflegebereich unlängst eine Quote von 20 Prozent Akademikern, 40 Prozent Praktikern mit Berufsabschluss, die restlichen 40 Prozent pflegerischer Arbeiten aber könnten von ungelerntem Hilfspersonal ausgeführt werden. Wie immer auch, Verschiebungen im medizinischen Tätigkeitsspektrum sind in allen Krankenhäusern zu beobachten.

Das eigene Tun ergebnisorientiert reflektieren

Christina Zink/Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe DBfK (Foto: privat)

Christina Zink/Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe DBfK (Foto: privat)

So übernehmen Gesundheits- und Krankenpfleger immer öfter Aufgaben, die früher Ärzten vorbehalten waren. Die Wundversorgung liegt heute in einigen Krankenhäusern schon nahezu ausschließlich in ihrer Verantwortung. Darüber hinaus setzen sie Spritzen, legen Venenkanülen an, verabreichen Medikamente zur Chemotherapie und kümmern sich um die aufwendige Dokumentation. Umgekehrt geben sie ihrerseits wiederum Aufgaben an sogenannte Assistenzdienste ab, allen voran Reinigungstätigkeiten, die Mahlzeitenbestellung und Essensausgabe, aber auch den Transport und die Begleitung von Patienten zu Untersuchungen oder in den Operationssaal. Auf diesem Hintergrund wachsen Gesundheits- und Krankenpfleger zunehmend in die Rolle von Fallmanagern. „Eine bessere Ausbildung wird deshalb unabdingbar“, ist Christina Zink vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) überzeugt. „Wir brauchen den pflegepraxiserfahrenen Akademiker am Krankenhausbett.“

Ähnlich sehen das auch die Praktiker vor Ort. Pflegedirektor Ulrich Heller weist zur Begründung nicht allein auf die Entwicklung der Arbeitsprozesse, sondern auch auf eine veränderte Patientenstruktur. „Ältere Patienten haben oft Mehrfacherkrankungen“, begründet er, „auch deshalb müssen wir das, was wir tun, viel intensiver reflektieren als in der Vergangenheit.“ Das komme jedoch in der Berufsausbildung zu kurz. Deshalb hält auch er eine stärkere Akademisierung des Berufes, wie sie in den skandinavischen und vielen anderen europäischen Ländern bereits lange Standard ist, für wünschenswert. Allerdings dürfe darüber der Praxisbezug nicht verloren gehen. „Wir brauchen weiter Pflegefachkräfte, die wissen, wie ein Krankenhaus riecht“, formuliert er es salopp. Duale Studienmodelle, so Heller, könnten die Lücke am besten füllen. Gegenwärtig aber verfügen erst deutlich weniger als fünf Prozent aller Gesundheits- und Krankenpfleger über einen Hochschulabschluss.

Empathie ist der Schlüssel zum Patienten

Gesundheits- und Krankenpflegerin assistiert bei einer Thoracosopy (Foto:

Gesundheits- und Krankenpflegerin assistiert bei einer Thoracosopy (Foto: Wikipedia/John Ceawford, Photographer)

Tatsächlich, und alle Experten sind sich darin einig, wird die Tätigkeit von Gesundheits- und Krankenpflegern auch weiterhin eine Arbeit direkt am Patienten und deswegen mit einem hohen Praxisanteil bleiben. Für Sandra Schmidt, in Bonn Azubi im zweiten Ausbildungsjahr, ist es genau das, was sie gesucht hat. „Ich brauche diese Körperlichkeit“, formuliert es die ehemalige Jurastudentin. Dafür nimmt sie die hohen beruflichen Belastungen mit Schicht- und Feiertagsdiensten, Stress und einer allenfalls durchschnittlichen Bezahlung in Kauf. Die Fähigkeit, sich in kranke Menschen hineinversetzen, deren Ängste und Aggressionen verstehen zu können, muss unbedingt hinzukommen. Schließlich ist es ein großer Einschnitt, völlig unvorbereitet von einem Tag auf den anderen aus einem selbstbestimmten Leben herauskatapultiert und sich in der Rolle eines hilfebedürftigen Patienten wiederzufinden. „Den Schlüssel zum Herzen des Patienten zu finden, ist die wichtigste Voraussetzung für jede erfolgreiche Pflege“, sind die Erfahrungen Sandra Schmidts.

Krankenpflege ist freilich nicht gleich Krankenpflege, sondern unterscheidet sich je nach ärztlichem Fachgebiet. Die Anforderungen stellen sich in der Chirurgie anders dar als auf der Kinderstation, weichen in der Onkologie von denen in der Orthopädie oder Psychiatrie ab. Allen gemeinsam aber ist das Verständnis einer ressourcenorientierten Pflege. „Immer angepasst an die Leistungsfähigkeit des Patienten“, erklärt die Pflegefachleiterin Beate Michael von der geriatrischen Abteilung des Klinikums Braunschweig den gleichen Sachverhalt mit anderen Worten, „leiten wir ihn an, so viel als möglich selbst zu tun und nicht von den Pflegefachkräften tun zu lassen.“ Daraus ergibt sich für Gesundheits- und Krankenpfleger eine weitere Aufgabe. Sie motivieren und coachen ihre Patienten, sie denken bei der Aufnahme bereits an die Zeit nach der Entlassung. Und da sollen auch die Älteren aus der Geriatrie ihren Alltag wieder ohne fremde Hilfe bewältigen. Bewerber mit Helfersyndrom sind vor diesem Hintergrund gut beraten, ihren Berufswunsch noch einmal zu überdenken.

Ein Beruf fürs Leben

Stefan Schwark (Foto: privat)

Stefan Schwark (Foto: privat)

Klar sein sollten sich künftige Gesundheits- und Krankenpfleger auch über einen weiteren Aspekt, der freilich seit jeher zu diesem Beruf gehört. Bei einer unaufhaltsam alternden Bevölkerung aber erhält er eine neue Qualität. Immer öfter wird das Ziel ihres Tuns nicht mehr in kompletter Heilung bestehen können, sondern werden sich die Pflegefachkräfte auf die Aufrechterhaltung einer nur noch eingeschränkten Lebensqualität ihrer Patienten konzentrieren müssen, nicht selten gar die Rolle eines palliativmedizinisch vorgebildeten Sterbebegleiters anzunehmen haben. Auch wenn die Ausbildung darauf vorbereitet, hat doch der Klinikalltag seine ganz eigene Dynamik. In einer Untersuchung des Universitätsklinikums Freiburg gaben über die Hälfte der Pflegekräfte an, nicht genug Zeit für die Betreuung sterbender Krebspatienten zu besitzen. Stellenstreichungen mögen dafür ein Grund sein, die zunehmende Verdichtung der Arbeit ein anderer. Experten beziffern die Zahl der in den letzen zwanzig Jahren verloren gegangenen Pflegearbeitsplätze auf knapp 50.000.

„Gut vierzig Prozent meiner Arbeitszeit nehmen inzwischen Dokumentationstätigkeiten ein“, fügt Beate Michael eine weitere Perspektive hinzu. Was sie in diesem Zusammenhang besonders bedrückt, nur ein Teil davon helfe, die Pflege zu verbessern. Mehrheitlich sei der bürokratische Aufwand allein der Abrechnung mit den Krankenkassen als Kostenträgern geschuldet. Deren Programm kennt freilich zu lange schon nur eine Richtung: die Kostenschraube jedes Jahr noch eine Umdrehung tiefer ins Fleisch der Klinikbeschäftigten zu drehen. Die Geschäftsleitungen der Krankenhäuser wiederum suchen ihr Heil in der immer weiteren Normierung aller Prozesse, auch im Pflegebereich. Das verengt die Spielräume für eine Pflege, die die Individualität des Patienten wahren möchte, je länger je mehr. Und bei privatwirtschaftlich geführten Häusern geht es nicht mehr nur um eine Kostensenkung, sondern um Gewinnmaximierung. Es ist ein offenes Geheimnis, beim Krankenhauskonzern Helios geben Hedgefonds die Unternehmensziele vor. Da mag sich mancher fragen, wo das enden soll. Wie viele seiner Kollegen will sich auch Ulrich Heller vom städtischen Klinikum Braunschweig aus Verantwortung für die ihm anvertrauten Patienten davon allerdings nicht entmutigen lassen. Er nimmt es als Herausforderung.  „Unsere Profession“, ist er überzeugt, „besteht gerade darin, trotz solcher Rahmenbedingungen erfolgreiche Bewältigungsstrategien zu entwickeln.“

Nicht für alle ein lebenslanger Beruf

In der Notaufnahme muss jeder Handgriff sitzen (Foto: Klinikum Braunschweig/Jörg Scheibe)

In der Notaufnahme muss jeder Handgriff sitzen (Foto: Klinikum Braunschweig/Jörg Scheibe)

Solcher Strategien bedarf es zunehmend auch mit Blick auf die wachsende Zahl an Patienten aus anderen Kulturkreisen. Stefan Schwark berichtet beispielsweise, wie sensibel Frauen aus arabischen Ländern bei Fragen der Körperpflege reagieren, wenn statt einer Gesundheits- und Krankenpflegerin plötzlich ein Gesundheits- und Krankenpfleger vor ihnen steht – und umgekehrt. Trotz dieser und anderer komplizierten, teilweise auch belastenden Rahmenbedingungen identifiziert sich die Mehrheit der Pflegefachkräfte in hohem Maße mit den Tätigkeitsinhalten ihres Berufes. „Unsere Bewerber um einen Ausbildungsplatz“, so Ulrich Heller, „haben ihre Entscheidung zumeist gut durchdacht. Sie wissen, was sie auf Station erwartet.“ Tatsächlich ist die Entscheidung für den Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers eine Entscheidung für das Leben – das der ihnen anvertrauten Patienten wie für das eigene.

Bei kaum einem Beruf aber verschleißt die anfangs überdurchschnittlich hohe Motivation so schnell wie im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege. Das jedenfalls ist Tenor einer durch die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung in Auftrag gegebenen Untersuchung. Christina Zink vom DBfK verweist ebenfalls auf die kurze Verbleibsdauer im Beruf. Seriöse Studien sprechen von nur noch 6,5 Jahren. Für eine steigende Zahl von Gesundheits- und Krankenpflegern ist diese Tätigkeit also keine Entscheidung mehr, die ein ganzes Berufsleben lang hält. Das hat sich offensichtlich auch schon in Bewerberkreisen  herumgesprochen. Die Folgen spüren die Kliniken in Form weniger werdender Interessenten bereits jetzt, und das nicht nur bei der Besetzung ihrer Ausbildungsstellen. So wird von einer rund 30.000 Personen großen Fachkräftelücke gesprochen. Und auch die aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sprechen eine deutliche Sprache. Im August dieses Jahres standen 7.600 offiziell gemeldeten offenen Stellen nur 5.900 arbeitslose Gesundheits- und Krankenpfleger gegenüber. Dafür haben die Kliniken, die bis vor wenigen Jahren aus dem Vollen schöpfen konnten, noch kein Konzept entwickelt.

Sehr gute Weiterbildungsangebote und Aufstiegsmöglichkeiten

Gesundheits- und Krankenpfleger in der Intensivstation (Foto: Klinikum Braunschweig/Jörg Scheibe)

Gesundheits- und Krankenpfleger in der Intensivstation (Foto: Klinikum Braunschweig/Jörg Scheibe)

Doch die Zeit drängt. Auch an anderer Stelle. Traditionell ist der Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers ein Beruf, der überwiegend von Frauen ausgeübt wird. Ihr Anteil hat sich in den letzten fünfzehn Jahren kaum verändert und verharrt mit 86 Prozent auf hohem Niveau. „Wenn wir aber mehr Männer in den Beruf holen wollen“, legt Christina Zink den Finger in die Wunde, „müssen wir die Einkommensmöglichkeiten deutlich attraktiver gestalten.“ Das jedoch scheint kaum weniger leicht, als die Quadratur des Kreises beweisen zu wollen. Unbestritten gut sind hingegen die Weiterbildungsmöglichkeiten, die sich nach einer erfolgreichen Ausbildung bieten. Fachliche Spezialisierungen reichen von der Fachkrankenschwester für Anästhesie, über die Fachkrankenschwester für Hygiene, Onkologie oder den Operationsdienst bis hin zu der für Rehabilitation. Führungsaufgaben gibt es in der Stations- und Pflegedienstleitung. Wer möchte, kann schließlich unter mittlerweile zahlreichen pflegewissenschaftlichen sowie pflegemanagement- und ökonomisch ausgerichteten Studienangeboten auswählen. Nie fehlen sollte indessen auch hier die Liebe zum Beruf – zum Patienten und dessen pflegerischem Wohlbefinden.

 


Daten, Fakten & Links
(Stand: 01. 09.2014)

Berufstätige: 685.000 (Frauenanteil 86,1%)
Altersstruktur berufstätiger Gesundheits- und Krankenpfleger:

  • unter 30: 24%
  • 30 – 55 Jahre: 63%
  • über 55 Jahre: 12%

Arbeitslose: 5.935
Einkommen brutto (bei öffentlichen Arbeitgebern abhängig von Lebensalter und Familienstand):

  1. 2.500 €. Fachkrankenpfleger und Fachkräfte in Führungsfunktionen erreichen ein Einkommen von ca. 3.250 bis 3.500 €.

Ausbildungsvergütung brutto:

  • 1. Ausbildungsjahr:    916 €
  • 2. Ausbildungsjahr:    977 €
  • 3. Ausbildungsjahr: 1.078 €

Ausbildungsmöglichkeiten:
Eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger kann an mehr als 700 Krankenpflegeschulen aufgenommen werden.
Adressen finden sich unter: http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs/kursList.do?out=gbZiel&elearn=true&fg=gbZiel&gpBy=gvgOrt&anzahlProSeite=200&doNext=list&ae=1824&bz=Gesundheits-+und+Krankenpfleger&
Studienmöglichkeiten: über 40 Hochschulen bieten Studienmöglichkeiten im Bereich Pflegewissenschaften, Pflegemanagement und Gesundheitsökonomie an.
Weiterführende Informationen: http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/resultList.do?resultListItemsValues=27354_27355&duration=&suchweg=begriff&searchString=%27+Gesundheits-+und+Krankenpfleger*+%27&doNext=forwardToResultShort

 

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