Förster – Die Veränderung ist das Beständige

Von Hans-Martin Barthold | 15. August 2017

Reinhard Ferchland, stellvertretender Leiter des Forstamtes Wolfenbüttel (Foto: privat)

Reinhard Ferchland, stellvertretender Leiter des Forstamtes Wolfenbüttel (Foto: privat)

Nein, grüne Uniformen tragen sie schon lange nicht mehr. Und auch sonst erfüllen sie keines der vielen Klischees, die sich noch immer um ihren Beruf ranken. Ihr Arbeitsalltag hat mit der Idylle vieler Heimatfilme so wenig zu tun, wie die gute alte Pferdekutsche mit einem modernen Formel I-Rennwagen. Das war freilich schon immer so. Zwar verbindet den stellvertretenden Leiter des Forstamtes Wolfenbüttel, Reinhard Ferchland, und den Revierförster Michael Cordes eine ganz besondere emotionale Beziehung zum Gegenstand ihrer Tätigkeit. Doch liegt ihnen nichts ferner, als den Wald zu romantisieren. Wälder sind für sie naturnahe Ökosysteme, die nachhaltige Erzeugung und Nutzung des vielseitig verwendbaren Rohstoffes Holz aktiver Umwelt- und Naturschutz. Was sich gewandelt hat, ist freilich die Notwendigkeit, genau dies zielgerichtet zu kommunizieren. Und da, bedeutet Reinhard Ferchland, gebe es so manche Konfliktlinien.

„Deshalb“, sagt der Forstwissenschaftler, „ist unsere Arbeit mit dem Wald immer stärker eine Arbeit mit den Menschen.“ Also kein Job für jemanden, der die Einsamkeit eines verwunschenen Forsthauses fernab moderner Zivilisation sucht. Im Gegenteil. Denn immer wieder müssen Förster vielfältige (politische) Partikularinteressen in ein ökologisches wie ökonomisches Gesamtkonzept integrieren. Der Förster als Alleinherrscher über seinen Wald, das war einmal. Reinhard Ferchland gibt dafür ein Beispiel. Ein gut ausgebautes Forstwegenetz sei für die Bewirtschaftung des Waldes, also dessen Aufzucht, Pflege und Ernte, unerlässlich. Deshalb müsse man die Wegränder zur Unterdrückung der sonst schnell wuchernden Staudenkultur regelmäßig mähen und mulchen. Die Kritik darauf ließ gleichwohl nicht lange auf sich warten. Das zerstöre die Lebensbasis von Insekten, hieß es aus Naturschutzkreisen. Die Forstleute stellten sich der Diskussion und entwickelten eine Kompromisslösung. Abwechselnd werden nun nur die rechten und dann wieder nur die linken Wegränder gemäht.

Moderne Technik und ökonomische Effizienz

Ein Mischwaldrevier bei Bliesgau (Foto: Wikipedia/Oliver Herold)

Ein Mischwaldrevier bei Bliesgau (Foto: Wikipedia/Oliver Herold)

Ortswechsel. Revierförsterei Barnbruch nordwestlich des Wolfsburger VW-Werksgeländes. Ein Mann stapft mit Smartphone und Tablet durch den Wald. Den Laptop hat er im Auto gelassen. Doch die wenigen Spaziergänger und Jogger an diesem Tag liegen mit ihren Vermutungen falsch. Weder handelt es sich um einen einsamen Geocacher noch um den  versprengten Teilnehmer eines Survivaltrainings für Führungsnachwuchskräfte des benachbarten Automobilbauers. Es ist Michael Cordes auf einem Kontrollgang durch sein Revier. Zur Dokumentation und Pflege des Bestandes nutzen Förster genauso wie zur Organisation des Arbeitseinsatzes der eigenen Leute als auch von Auftragsunternehmen schon seit langem modernste Technik. Das Handling von Geoinformationssystemen (GIS) gehört zum Alltag. Womit sich Michael Cordes bestens auskennt. Immerhin war er zu Beginn seiner Berufskarriere im Forstplanungsamt mehrere Jahre IT-Administrator. „Die Tätigkeit von uns Revierförstern verlagert sich zunehmend an den Schreibtisch“, beschreibt er die Entwicklung. Und das Bedauern in seiner Stimme ist unüberhörbar.

Für Forstleute aus der Laufbahngruppe 2, 2. Einstiegsamt, dem ehemaligen Höheren Forstdienst, wie Reinhard Ferchland gilt das seit jeher. Zugangsvoraussetzung hierfür ist im Übrigen ein forstwissenschaftlicher Masterabschluss, in früheren Jahren war es das Universitätsdiplom. Förster der Laufbahngruppe 2, 1. Einstiegsamt, vormals des Gehobenen Forstdienstes, wie Michael Cordes müssen dagegen „nur“ über einen forstwirtschaftlichen Bachelor, in der Vergangenheit einen Fachhochschulabschluss, verfügen. Dass auch ihr Arbeitsalltag immer stärker von organisatorischen und planerischen Aufgaben bestimmt wird, hat freilich noch einen anderen Hintergrund. 2005 wurde die niedersächsische Forstverwaltung, die bis dahin eine Abteilung des Landwirtschaftsministeriums war, in die Niedersächsischen Landesforsten (NLF) als ein öffentliches Unternehmen mit der Zentrale in Braunschweig überführt. Effizienzsteigerung und Kostenreduzierung hieß das erklärte Ziel. In der Folge wurde die Zahl der Forstämter nahezu halbiert und beträgt gegenwärtig 24. Im gleichen Umfang verringerte sich die Zahl der Revierförstereien auf nun nur noch knapp 230.

Jobmöglichkeiten nicht nur in der staatlichen Forstverwaltung

Holzvollernter (Harvester) bei einem Einsatz im Kiefernwald (Foto: Wikipedia/Hajotthu)

Holzvollernter (Harvester) im Einsatz (Foto: Wikipedia/Hajotthu)

Damit vergrößerten sich die Flächen, für die die Forstämter wie die einzelnen Revierförster zuständig sind. Eine Entwicklung, die in dieser oder jener Form auch in allen anderen Bundesländern zu beobachten ist. Cordes und seine Kollegen tragen heute in der Regel Verantwortung für 1.400 bis 1.700 ha Wald. „Das gelingt nur mit bester Organisation und dem Delegieren vieler Aufgaben an meine Mitarbeiter“, weiß der Chef der Revierförsterei Barnbruch. Und meint damit zu allererst seinen Forstwirtschaftsmeister. Doch auch die Forstwirte müssen nach einer dreijährigen Ausbildung schnell selbständig werden. Die NLF als größter niedersächsischer Waldeigentümer beschäftigen derzeit etwa 1.300 Mitarbeiter. Nahezu jeder dritte Hektar Wald im norddeutschen Bundesland gehört zu ihrem Bestand, insgesamt 330.000 ha. Mit dieser Fläche zählt Niedersachsen nach Bayern und Baden-Württemberg zu den waldreichsten Bundesländern. Doppelt so viel Wald ist in Privatbesitz. Der niedersächsische Waldbesitzerverband zählt 60.000 Eigentümer.

Auf die Kommunen und den Bund entfallen zwischen Harz und Heide mit 81.000 ha und 58.000 ha nur geringe Flächenanteile. Damit sind für Forstleute auch bereits die alternativen Arbeitgeber genannt. Viele Privatwaldbesitzer lassen ihre Flächen allerdings von der Landwirtschaftskammer beförstern, wie es im Fachjargon heißt. Die bürokratischen Auflagen sind hier geringer. Neben der Holzwirtschaft und Möbelindustrie präsentieren sich die Landwirtschaftskammer Niedersachsen als ein weiterer Anbieter von Arbeitsplätzen für Absolventen forstlicher Studiengänge.  Einige Privatwaldbesitzer beauftragen auch die NLF mit der Pflege ihrer Wälder. Nach Jahren eines totalen Einstellungsstopps reagieren die Landesforsten heute auf den demografischen Wandel und stellen wieder in größerem Umfang ein. „Das wird für die nächsten zehn Jahre so bleiben“, beschreibt Mathias Aßmann aus der Zentrale der NLF die mittelfristig guten Chancen für die Absolventen forstwirtschaftlicher Studiengänge. Gleichwohl ist der Beschäftigungssektor für Forstleute ein sehr kleiner. Schon geringe Veränderungen können große Auswirkungen haben, positive genauso wie negative.

Vieles zusammenführen

Buchen-Altwald im Nationalpark Müritz (Foto: Wikipedia/Ökologix)

Buchen-Altwald im Nationalpark Müritz (Foto: Wikipedia/Ökologix)

Das gilt etwa für das in Fachkreisen nicht unumstrittene Ziel, bis 2020 zehn Prozent der öffentlichen Waldflächen aus der Produktion herauszunehmen und stillzulegen. Diese Maßnahme wird Förster nicht überflüssig machen. Ein Mehrbedarf an Fachkräften aber dürfte sich daraus ebenso wenig ergeben. Angesichts derartiger Unwägbarkeiten sind Interessenten und Bewerber deshalb klug beraten, ihre Studien- und Berufsentscheidung besser an den fachlichen Anforderungen und persönlichen Voraussetzungen für eine Tätigkeit im Forst auszurichten. Das Studium präsentiert sich sowohl an den Universitäten als auch an den stärker anwendungsorientierten Fachhochschulen als klassische Querschnittsdisziplin mit einem breiten Fächerspektrum. Das reicht von den Naturwissenschaften mit Lehrveranstaltungen in der Forstbotanik, Physik, Chemie, Mathematik, Bioklimatologie, Bodenkunde, Wildbiologie, Forstzoologie und Forstgenetik  über die Informatik, Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften bis zu den Rechts- und Politikwissenschaften.

Dazu kommen die forstlichen Fachdisziplinen, also Waldbau, Waldökologie, Naturschutz, Waldinventur, Forstplanung, Holzbiologie und -technologie, Forsttechnik, Holzmarktlehre sowie der Waldschutz. In einem Satz zusammengefasst vermittelt das Studium die Kompetenz, das komplexe Ökosystem Wald entsprechend seiner Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion effizient managen zu können. Dass der Wald viel mehr als nur die Summe seiner Bäume ist, lernen Studenten der Forstwirtschaft vom ersten Semester an. Forstleute wie Reinhard Ferchland und Michael Cordes sind denn auch vieles in einem. Sie sind nicht allein Botaniker, Zoologe und Landschaftsplaner, sondern auch Soziologe, Ingenieur, Bodenkundler, Geologe, Kaufmann und Verwaltungsbeamter. Doch reicht das noch lange nicht. Förster brauchen seit Menschengedenken Weitsicht und die Bereitschaft, Veränderung als das einzig Beständige zu akzeptieren.

Arbeiten im Einklang mit der Natur

Neuanpflanzung von Stieleichen mit Gehölzschutz im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge (Foto: Wikipedia/René Kirchhoff)

Neuanpflanzung von Stieleichen mit Gehölzschutz im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge (Foto: Wikipedia/René Kirchhoff)

Immer geht es in ihrer Arbeit schließlich nicht allein um die Anlage einer neuen Schonung oder die Planung des nächsten Holzeinschlags samt anschließendem Verkauf, sondern auch um den Wald von morgen, übermorgen und überübermorgen. Gegenwärtig kreisen die Überlegungen in den Planungsstäben der Forstämter deshalb nicht nur um die besten Holzsorten für Bauwirtschaft und Möbelindustrie sowie eine nachhaltige Biotopstabilität. Von zunehmender Bedeutung wird auch, wie der Wald für die absehbaren Klimaveränderungen fit gemacht werden kann, damit er längeren Trockenperioden, einem zu erwartenden Temperaturanstieg, stärkeren Sturmbelastungen ebenso wie bislang unbekannten Schädlingen und der Konkurrenz mit standortfremden Pflanzen gewachsen ist. Ein Letztes. Neben dem Ehrgeiz, das Tagesgeschäft erfolgreich zu organisieren, müssen Förster es gleichzeitig aushalten, dass erst die Enkelgeneration den Lohn eines großen Teils ihrer gegenwärtigen Arbeit erntet. Zu Akzeptieren, dass von 8.000 jungen Eichensetzlingen  nach etwa 180 Jahren kaum mehr als 100 hiebsreife Bäume übrig bleiben, ist nicht jedermanns Sache.

Der Lohn der Mühe? „Ich kann meine Arbeit sehr selbständig organisieren“, nennt Michael Cordes einen für ihn wichtigen Aspekt. Reinhard Ferchland steuert ein weiteres Argument bei. „Ich bin von der heute für viele Berufe so typischen hochgradigen Spezialisierung ausgenommen.“ Darüber hinaus sind beide von den noch lange nicht vollständig entschlüsselten Zusammenhängen des komplexen Ökosystems Wald fasziniert. „Wir arbeiten ganzheitlich und nachhaltig“, fasst es der stellvertretende Forstamtsleiter Ferchland zusammen. Und wenn sie ins Revier fahren, empfinden sie es manchmal wie einen Kurzaufenthalt im Paradies. „Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen“, höre ich den Revierförster Cordes sagen, der nach dem Schulabschluss zunächst eine Maurerlehre abschloss. Nach einer kurzen Pause liefert er die Begründung nach. „Täglich den Blick auf ein großes Ganzes mit der Lösung einer konkreten Aufgabe vor Ort verbinden zu können, ist ein inzwischen seltenes Privileg.“ Das freilich die Bereitschaft voraussetzt, sich den Gegebenheiten der Natur anzupassen. „Eichen wachsen nun einmal nicht auf leichten Böden“, beschreibt es Reinhard Ferchland. Da überlebe nur die Kiefer.

Wildmanagement für ein ökologisches Gleichgewicht

Jägerin und Stöberhund (Foto: Wikipedia/Jagdexperte)

Jägerin mit Stöberhunden (Foto: Wikipedia/Jagdexperte)

War der Beruf des Försters in der Vergangenheit überwiegend eine Männerdomäne, entscheiden sich bereits seit Jahren auch immer mehr Frauen für diesen Job. Zwei Reviere im Forstamt Wolfenbüttel werden inzwischen von Frauen geführt. Jeder dritte Student ist inzwischen eine Studentin. Auf noch etwas gilt es hinzuweisen. Jeder, der Förster werden will, benötigt den Jagdschein. Auch wenn es manche Tierschützer anders sehen, gibt es einen engen Zusammenhang von Tierbestand und Waldentwicklung. „Der Wildbestand bestimmt unsere Möglichkeiten der Waldbewirtschaftung“, weist Reinhard Ferchland auf einen wichtigen Punkt. Es geht um das ökologische Gleichgewicht. Das gilt umso mehr für die Umstellung der Nadelwald-Monokulturen in Mischwälder. „Wir schießen nicht zum Vergnügen“, erklärt Michael Cordes. Gerade bei Laubbaumsetzlingen sei die Verbissrate enorm hoch. „Gerät die Rotwildpopulation außer Kontrolle, haben Neuanpflanzungen keine Chance.“ Dass andere Waldeigentümer ihre Reviere nicht selten vorrangig für Jagdzwecke unterhalten, steht indessen auf einem anderen Blatt.

Wie die Karriere eines Försters aussehen und wo er arbeiten  kann, dafür ist Reinhard Ferchland gutes Beispiel. Nach seinem Studienabschluss an der Universität Göttingen schloss sich mit dem zweijährigen Referendariat der praktische Ausbildungsabschnitt an. Für die Absolventen von Bachelorstudiengängen beträgt dieser praxisorientierte Vorbereitungsdienst je nach Bundesland zwischen 12 und 18 Monate, heute gelegentlich durch ein Traineeprogramm abgelöst.  Danach war Ferchland im niedersächsischen Forstplanungsamt zwölf Jahre als Sachgebietsleiter in der EDV tätig. „Dadurch lernte ich alle Bereiche der Forstwirtschaft kennen.“ Es folgten im Auftrag der Europäischen Union zwei Auslandsstationen in den Forstverwaltungen Ungarns und Estlands. Nach einer Zwischenstation in der Betriebsleitung, insbesondere für die Waldinformation und Öffentlichkeitsarbeit dann endlich der Außendienst, zunächst im Forstamt Liebenburg und dann stellvertretender Forstamtsleiter in Wolfenbüttel. Im Forstamt Wolfenbüttel finden sich im Übrigen auch ausgewiesene Spezialisten: Förster für Waldökologie, für Öffentlichkeitsarbeit und für Waldpädagogik.

Internationales Spitzenniveau

Revierförster Michael Cordes (Foto: privat)

Revierförster Michael Cordes (Foto: privat)

Mit gut 100 Milliarden Euro Umsatz ist die Forst- und Holzwirtschaft ein durchaus ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor. 11 Millionen Hektar, damit ein Drittel der Fläche Deutschlands, sind Wälder, davon 73 Prozent Mischwälder. Gleichwohl ist die betriebswirtschaftliche Situation vieler Betriebe trotz einer Stabilisierung der Holzpreise angespannt. Die Reduzierung der Sach- und Personalkosten besitzt deswegen allerorten höchste Priorität. Die forstliche Qualität mit der ökonomischen Rentabilität in Einklang zu bringen, ist somit eine stete Herausforderung. Im europäischen Vergleich nimmt die Bundesrepublik einen Spitzenplatz ein. Die Holzvorräte summieren sich auf insgesamt 3,4 Milliarden Festmeter. Auf das Forstamt Wolfenbüttel herunter gebrochen heißt das, es werden unter Wahrung der Bestände, ja sogar mit einem leichten Vorratsaufbau an jedem Arbeitstag 250 Festmeter Holz geschlagen.

Ist Deutschland damit das Mekka der Forstwirtschaftler weltweit? Zumindest besitzt die deutsche Forstwirtschaft gerade durch den Primat der Nachhaltigkeit inzwischen 300-jährige Tradition sowie einen wissenschaftlichen Unterbau wie kaum ein anderes Land. Die Idee, für jeden Baum, den man schlägt, einen neuen zu pflanzen, also der Natur zurückzugeben, was die Menschen zuvor aus ihr entnehmen, geht immerhin auf den sächsischen Forstbeamten Hans Carl von Carlowitz (1645 – 1714) zurück. Und ist, auch wenn mit reichlicher Verspätung und noch keineswegs durchgängig, inzwischen auch von anderen Branchen übernommen worden. Immer öfter machen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dieses Prinzip zur Leitschnur ihres Handelns. Geboren aber wurde die Idee in der Fortswirtschaft.

Kahlschlag (Clearcutting) in Finnland (Foto: Wikipedia/Tero Laakso)

Kahlschlag (Clearcutting) in Finnland (Foto: Wikipedia/Tero Laakso)

Die Frage nach den forstwirtschaftlichen Trendsettern besitzt für alle Studierenden indessen große Bedeutung. Lohnt ein Studienwechsel ins Ausland? Und wenn, wo kann man wirklich etwas dazulernen? Ich denke an Schweden, Finnland, Kanada als die waldreichsten Länder. Und werde schnell eines Besseren belehrt. Dort betreibe man Forstwirtschaft als Kahlschlagswirtschaft. „Das ist auf deutsche Verhältnisse nicht übertragbar“, begründet Michael Cordes. Da lohne eher ein Blick nach Österreich, der Schweiz, Frankreich oder Spanien, ergänzt ihn Reinhard Ferchland. „Besonders Spanien hat mit einem ehrgeizigen Aufforstungsprogramm forstwirtschaftlich einen enormen Sprung nach vorne gemacht“, ist seine Empfehlung. Und auch England unternehme inzwischen große Anstrengungen. Was Ferchland empfiehlt, sind Erfahrungen aus Entwicklungshilfeprojekten. Sie weiteten den fachlichen Horizont und beschleunigten den persönlichen Reifeprozess. „Man sieht den heimischen Wald dann mit ganz anderen Augen.“

 


Daten, Fakten & Links
(Stand: 15.06.2017)

Berufstätige: Offizielle und statistisch belastbare Zahlen von berufstätigen Förstern (Bachelor- und Masterabsolventen forstwirtschaftlicher Studiengänge) liegen leider nicht vor. Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) schätzt ihre Zahl auf etwa 10.000, davon ein knappes Drittel im Einstiegsamt 2 (ehemals Höherer Forstdienst) und zwei Drittel im Einstiegsamt 1 (ehemals Gehobener Forstdienst). Nach den Schätzungen des BDF erreicht der Frauenanteil insgesamt nur 20 Prozent, im Einstiegsamt 2 (ehemals Höherer Dienst) sei er derzeit noch deutlich niedriger. Das Durchschnittsalter liege über 50 Jahre, verbessere sich aber durch vermehrte Neueinstellungen erkennbar.

Studienanfänger (im Wintersemester 2015/2016):

    • Universitäten

Bachelor: 757 (Frauenanteil: 31 %)
Master: 495 (Frauenanteil: 39 %)

    • Fachhochschulen

Bachelor: 594 (Frauenanteil: 27 %)
Master: 85 (Frauenanteil: 32 %)

Studienmöglichkeiten:
https://www.hochschulkompass.de

Einkommen:

      • Bachelorabsolventen in der Laufbahngruppe 1: je nach Berufserfahrung und Verantwortungsumfang zwischen 2.800 und 3.900 Euro brutto.
      • Masterabsolventen in der Laufbahngruppe 2: je nach Berufserfahrung und Verantwortungsumfang zwischen 3.300 und 5.500 Euro brutto.

In der Privatwirtschaft werden die Gehälter frei ausgehandelt. Viele Unternehmen orientieren sich allerdings am Tarif der öffentlichen Arbeitgeber.

Weiterführende Informationen:
https://berufenet.arbeitsagentur.de
und
https://berufenet.arbeitsagentur.de

 

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