Flughafen Hannover-Langen GmbH – Nur fliegen ist noch schöner

Von Hans-Martin Barthold | 15. November 2013

Hannover Airport (Foto: Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH)

Hannover Airport (Foto: Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH)

Die Anfahrt atmet einen Hauch von Großzügigkeit und internationalem Flair. Tatsächlich lässt das großzügige Ambiente rund um den Flughafen Hannover-Langenhagen die sonstige niedersächsische Beschaulichkeit schnell vergessen. Sie genieße das jeden Tag, wird mir Bianca Funk später erzählen. Funk ist Leiterin Ausbildung der Flughafengesellschaft. Kurz bevor ich Parkhaus P1 erreiche, startet eine Maschine der russischen Aeroflot, gewinnt schnell an Höhe und verschwindet schon bald danach hinter den an diesem Tag tief hängenden Wolken. Wie ich nachher auf dem Timetable sehe, ist ihr Ziel der Moskauer Airport Scheremetjewo. Scheremetjewo ist der Flughafen, auf dem der amerikanische Whistleblower Edward Snowden, das Auslieferungsgesuch der US-amerikanischen Regierung und die Wut des Geheimdienstes NSA als seines ehemaligen Arbeitgebers im Nacken, auf seiner Flucht bekanntlich  über zehn Tage lang im Transitbereich festsaß, bevor ihm die russischen Behörden vorläufiges Asyl gewährten.

Wenig später landet eine Maschine der Turkish Airlines. Sie kommt, die Wärme des Mittelmeeres noch im Cockpit, aus Istanbul ins kühle norddeutsche Schmuddelwetter. Ihre braun gebrannten Fluggäste blicken entsprechend mürrisch und ein wenig fröstelnd auf das Kofferband. Die Besatzung aber wird schon innerhalb der nächsten Stunde wieder der Sonne am Bosporus entgegenfliegen. Ich begebe mich in die Abflugebene von Terminal B. Hier bin ich mit der Ausbildungsleiterin und der angehenden Bürokauffrau Kira-Susan Zikeli verabredet. Sie werden mir das Unternehmen Hannover Airport, vor allem aber dessen Ausbildungsaktivitäten vorstellen. Auch Vielflieger wissen oft nicht, dass ohne die Dienste dieses Unternehmens kein einziges Flugzeug landen und starten könnte. Noch weniger Menschen ist bekannt, dass auf dessen Lohnlisten neben Bauingenieuren, Feuerwehrleuten, Speditions- und Logistikexperten, auch Industriemechaniker, Elektroniker, Kaufleute für Büromanagement, Kfz-Mechatroniker und sogar ein Bird Controller stehen.

Der Welt ein Stückchen näher

Ankunft (Foto: Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH)

Ankunft (Foto: Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH)

Was macht die Arbeit von Bianca Funk und ihren Kollegen auf dem Verkehrsflughafen Hannover so besonders? Worin unterscheidet sie sich von der bei Conti, Volkswagen oder der NordLB? „Es ist das Feeling“, erklärt Kira-Susan Zikeli, „auch wenn sich die Tätigkeit selbst kaum von der in einem anderen Unternehmen unterscheidet.“ Kira-Susan wird in wenigen Wochen ihre Ausbildung abschließen, ein Übernahmeangebot hat sie schon in Händen. Bei der Flughafengesellschaft zu arbeiten, ist für viele noch immer etwas Exklusives. Täglich starten Flugzeuge nach London, Lissabon oder Fuerteventura, kommen sie aus Paris, Antalya oder Hurgada. Nur selbst zu fliegen, ist wohl noch schöner. „Ein Flughafen ist wie eine Stadt im Miniaturformat“, erklärt Bianca Funk. „Und damit alles rund um die Uhr funktioniert, ist die Palette der bei uns beschäftigten Berufe auch so breit.“

Die Airlines benötigen für ihre Flugzeuge am Boden eine moderne, vor allem aber leistungsfähige Infrastruktur. Das beginnt mit der Befeuerung der Start- und Landebahnen, setzt sich in der Vorfeldkontrolle und der Einweisung ans Gate fort, umfasst das Ent- und Beladen, die Entsorgung und Wiederbetankung, im Winter auch die Enteisung und endet erst mit dem Rangieren des Fliegers zurück in die Startposition. Und das alles auf die Minute genau. Daneben müssen die Gebäude und Grünflächen unterhalten werden. Nicht funktionierende Gepäckbänder, Rolltreppen oder Lifts würden den Flugbetrieb ebenso wie eine fehlerhafte Logistik beträchtlich durcheinander bringen. Für alle diese Aufgaben ist die Flughafengesellschaft mit ihren Tochterfirmen verantwortlich. Dass Fluggäste wie auch Spediteure zufrieden über Service und Qualität der Hannover Airport urteilen, sind alle Mitarbeiter bestrebt. Der Wettbewerb unter den Flughäfen wird schließlich immer intensiver, denn Frachtraten und Passagierzahlen stagnieren ebenso wie die Programme der Airlines zur Kostenreduzierung tiefe Spuren hinterlassen.

Hohe Identifikation mit Arbeitgeber Flughafen

„On the way“ - Bianca Funk (Mitte) mit Azubis der Flughafengesellschaft (Foto: Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH)

„On the way“ – Bianca Funk (Mitte) mit Azubis der Flughafengesellschaft (Foto: Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH)

Ein Drittel aller Beschäftigten sind technische Fachkräfte. Großer Bedarf besteht auch an Logistikfachleuten. Immerhin hält der Flughafen Hannover mit über 20.000 m² eine riesige Logistikfläche vor. Diese Berufsstruktur schlägt sich kaum überraschend in den angebotenen Ausbildungsberufen nieder (siehe Unternehmenssteckbrief). Insgesamt beschäftigt die Flughafengesellschaft knapp 700 Mitarbeiter, darunter 32 Azubis. Weitere Fachkräfte haben Arbeitsverträge bei einer der Tochtergesellschaften. In einige Jobs, insbesondere auf dem Vorfeld und der Flugplanung, führen spezielle Einweisungen, deren Inhalte nicht durch das Berufsbildungsgesetz, sondern auf der Grundlage luftverkehrsspezifischer Verordnungen geregelt werden. Darüber hinaus begegnen dem Fluggast auf einem Flughafen typischerweise noch andere Berufe, etwa beim Einchecken die Servicekaufleute im Luftverkehr oder im Backoffice die Luftverkehrskaufleute. Diese Berufe werden jedoch nicht von der Flughafengesellschaft, sondern den einzelnen Luftverkehrsgesellschaften oder darauf spezialisierten Dienstleistungsunternehmen ausgebildet. Die Fluglotsen auf dem Tower wiederum gehören zur Deutschen Flugsicherung.

„Für unsere Ausbildungsstellen, und das gilt in ganz besonderer Weise auch für die technischen Berufe, suchen wir vor allem Bewerber mit Interesse an unserem Unternehmen, dazu einer guten Kommunikationsfähigkeit“, erklärt Bianca Funk ihre Wünsche an interessierte Schüler. Irgendwie hänge bei der Flughafengesellschaft nämlich alles mit allem zusammen, gelte es tagtäglich, mit anderen Abteilungen und auch externen Betrieben zu kooperieren, etwa die Mitarbeiter auf dem Vorfeld mit den Towerlotsen von der Deutschen Flugsicherung, der jeweiligen Besatzung, den Entsorgern, den Reinigungsunternehmen, den Caterern, der Betankung und so weiter, und so weiter …. „Man muss es einfach mögen, bei uns zu arbeiten“, bringt es Bianca Funk auf den Punkt. Tatsächlich ist die Unternehmenstreue groß. Allein in ihrer Abteilung, zählt Funk auf, hätte jeder dritte Kollege schon seine Ausbildung am Hannover Airport absolviert – und sei geblieben. Die Flughafengesellschaft als Arbeitgeber sieht das gerne. „Wir bilden mit der klaren Zielstellung einer späteren Übernahme aus“, wirbt Bianca Funk.

Selbstbewusst, selbständig und flexibel

Eine Maschine wird in die Starposition rangiert (Foto: Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH)

Eine Maschine wird in die Starposition rangiert (Foto: Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH)

Auf diesem Hintergrund sieht das Auswahlverfahren nach einer Gruppenarbeit und einem  Vorstellungsgespräch in den technischen Berufen deshalb auch noch ein zweitägiges Probepraktikum vor. Die gewünschten Schulabschlüsse sind in den einzelnen Berufen unterschiedlich, im kaufmännischen Bereich allerdings werden ein erfolgreicher Abschluss der Berufsfachschule Wirtschaft, die Fachhochschulreife oder das Abitur gerne gesehen „Wir erwarten von unseren zukünftigen Azubis darüber hinaus eine gewisse Selbständigkeit, Flexibilität und sicheres Auftreten“, sagt Bianca Funk. „Unser Unternehmen ist über ein großes Areal verteilt“, liefert Kira-Susan Zikeli die Begründung. Da sei es wichtig, sich möglichst schnell zurechtzufinden, ohne dass einen immer jemand an die Hand nehmen müsse.

Hochschulabsolventen werden bedarfsorientiert direkt on the job eingestellt und sollten andernorts bereits erste Berufserfahrung gesammelt haben. Allerdings können schon während des Studiums Kontakte geknüpft und Praktika vereinbart werden. Das gilt übrigens auch für Schülerpraktika. Sofern für die entsprechenden Themen eine fachliche Expertise vorhanden ist, steht die Flughafen GmbH für die Betreuung studentischer Bachelor- und Masterarbeiten ebenfalls zur Verfügung. „Are you ready for take off“, heißt deshalb die Frage Bianca Funks an jeden einzelnen Bewerber.

In außergewöhnlichen Situationen klaren Kopf behalten

Packaging einer Lufthansamaschine (Foto: Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH)

Packaging einer Lufthansamaschine (Foto: Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH)

Tatsächlich sind die Zahlen beeindruckend. Allein das Betriebsgelände umfasst 570 Hektar, sind die Passagierterminals 75.000 Quadratmeter groß, darauf 88 Check-in-Schalter, 20 Flugsteige, drei Abflug-Bus-Gates. Über fünf Millionen Fluggäste werden in Hannover pro Jahr abgefertigt. Das Luftfrachtzentrum hat eine Jahreskapazität von ca. 60.000 Tonnen Luftfracht. Gewiss, an so ein internationales Luftdrehkreuz wie Frankfurt reichen die Zahlen nicht, beeindruckend aber sind sie dennoch. „Wir sind ein klassischer Dienstleister“, verdeutlich Bianca Funk. Wie bei anderen Unternehmen seien auch bei der Flughafengesellschaft viele Arbeitsprozesse standardisiert. „Unsere Mitarbeiter aber müssen in außergewöhnlichen Situationen, und von denen gibt es auf einem Flughafen täglich viele, fähig sein, schnell und unkompliziert flexible Lösungen finden zu können.“ Das gilt für die Logistiker sowie die Frauen und Männer im Airport Service Center besonders. Der Kunde wünscht die Lösung seines Problems, der Weg zum Ergebnis ist die Sache der Flughafenmitarbeiter. Doch auch die Facharbeiter in der Technik müssen sich solchen Situationen gewachsen zeigen. Denn in vielen Fällen gibt es dort ebenfalls keine Lösungen von der Stange.

Flexibel müssen auch schon die Azubis sein. In manchen Berufen wird schließlich in einem Kooperationsverbund mit anderen Unternehmen ausgebildet. Da muss man sich schnell auf neue Bezugspersonen einstellen, erfolgreiche Problemlösungen des einen Unternehmens adaptieren und ohne Qualitätsverlust auf die Strukturen des anderen übertragen. Wer Lust auf fremde Länder hat, über ausbaufähige Sprachenkenntnisse verfügt und auf gute Ausbildungsleistungen verweisen kann, dem stehen schon während der Lehrzeit alle Tore ins Ausland offen. Im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Austauschprogramms „Leonardo da Vinci“ kann ein individueller Auslandsaufenthalt organisiert werden. „Wir reden nicht nur von der Internationalität, wir leben sie auch“, sagt Bianca Funk stolz.

Gesuchte Spezialisten: Firefighter

Der Abendsonne entgegen (Foto: Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH)

Der Abendsonne entgegen (Foto: Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH)

Eine Abteilung mit ganz eigenen Gesetzen ist die achtzig Mann starke Flughafenfeuerwehr. Die Nachwuchsgewinnung für diesen Bereich gelingt freilich nicht mehr so problemlos wie noch vor Jahren. Der Beruf hat an Strahlkraft verloren, seitdem sich zunehmend mehr Jugendliche über Freizeitaktivitäten statt ihren Beruf definieren. Aber wer Interesse für die jeweils neueste Technik hat und die ganz persönliche Bestätigung sucht, der findet hier beides ohne Einschränkungen. Flughafenfeuerwehren müssen entsprechend der ICAO-Richtlinien stets mit dem neuesten Equipment ausgerüstet und garantiert innerhalb von nur drei Minuten an jedem Ort des Flughafens sein. Da sich Unglücke nur selten langfristig vorher ankündigen, besteht die Herausforderung vor allem darin, in Bruchteilen von Sekunden aus der Ruhephase in den Hochleistungsmodus wechseln zu können. Das bedeutet immer wieder Training und zahlreiche Übungen für den Ernstfall, der hoffentlich nie eintritt.

 


Unternehmenssteckbrief
(Stand: September 2013)

Firmengründung: 1952
Sitz der Unternehmenszentrale: Petzelstraße 84, 30855 Hannover
Eigentümer: Stadt Hannover, Land Niedersachsen, Fraport AG
Tochterunternehmen:

  • Aircargo Services Hannover GmbH (ASH)
  • AirITSystems GmbH (AirIT)
  • Hannover Aviation Ground Services GmbH (AGS)

Leistungsdaten (2012):

  • Flugbewegungen(Starts und Landungen): 80.139
  • Fluggäste (ohne Transit): 5,3 Millionen Personen
  • Luftfracht (ohne Transit): 4.457 Tonnen

Umsatzerlöse: 137.8 Millionen Euro
Konzernmitarbeiter: 1.283 (davon 40 Auszubildende)
Ausbildungsmöglichkeiten:

  • Kaufmann/-frau für Büromanagement
  • Veranstaltungskaufmann/-frau
  • Servicefachkraft für Dialogmarketing
  • Elektroniker/-in für Betriebstechnik
  • Industriemechaniker/-in Fachrichtung Instandhaltung
  • Kaufmann/-frau für Spedition und Logistikdienstleistung
  • Fachkraft für Lagerlogistik
  • Feuerwehrmann

Duales Studium: Luftverkehrsmanagement (wird 2014 nicht angeboten)
Bewerbungen: vom 01. August bis zum 31. Oktober jeden Jahres; zu richten an: Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH, Postfach 420280, 30662 Hannover oder online an ausbildung@hannover-airport.de
Schülerpraktika: Kontaktmöglichkeiten unter praktikum@hannover-airport.de
Praktikum für Studierende/Bachelor- oder Masterarbeit: Kontaktmöglichkeiten unter praktikum@hannover-airport.de

 

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