Fachinformatiker – Die Architekten moderner Kommunikationsstrukturen

Von Hans-Martin Barthold | 15. August 2013

Alexander Ohk - Volle Konzentration (Foto: hmb)

Alexander Ohk – Volle Konzentration (Foto: hmb)

Ich mache mich auf den Weg nach Braunschweig. Dort habe ich einen Termin bei der ckc ag, mit 500 Mitarbeitern und mehreren Niederlassungen einer der führenden IT- und Business-Consulting-Anbieter Norddeutschlands. Alexander Ohk, Abitur an der Gaußschule und seit sieben Jahren bereits im Unternehmen, dazu Steffen Leitloff, Auszubildender im zweiten Lehrjahr, zuvor Schüler der Realschule Meine, haben sich zu einem Gespräch bereit erklärt. Sie wollen mich in die Geheimnisse ihres Berufes einweihen. Beide sind sie Fachinformatiker, Ohk mit der Fachrichtung Anwendungsentwicklung, Leitloff mit der Fachrichtung Systemintegration. Ich bin auf ein eher zähes Gespräch eingestellt. Schließlich gelten Mathefreaks zwar als analytisch denkende und präzise formulierende Zeitgenossen, zu den begnadeten Rednern zählt man sie indessen nicht.

Doch ich werde freundlich begrüßt, lerne zwei junge Männer mit unkomplizierten Umgangsformen kennen, erlebe eine angenehm offene Gesprächsatmosphäre. Beide strafen meine Befürchtungen ebenso wie die weit verbreiteten Klischees Lügen. Von wegen maulfaul. Ihre Erklärungen sind stattdessen so ausführlich, dass auch ich als Laie sie begreife, gleichwohl bleiben sie konzentriert, logisch, stets genau auf den Punkt ausgerichtet. Meine erste Lektion besteht deshalb aus zwei Erkenntnissen. Ja, Fachinformatiker müssen sehr präzise arbeiten. Denn schon ein Flüchtigkeitsfehler kann ein ganzes Programm oder ein komplettes Netzwerk zusammenbrechen lassen. Und nein, Fachinformatiker dürfen keine in sich gekehrten, introvertierten Charaktere sein. Als Dienstleister, der sie sind, garantiert allein eine intensive Kommunikation mit dem Kunden die Entwicklung einer genau passenden Anwendungssoftware sowie die Konfiguration einer ebenso leistungsfähigen IT-Infrastruktur. Plaudertaschen allerdings sind unerwünscht. Die Kunden erwarten Diskretion und Verschwiegenheit.

Ohne Kommunikation geht nichts

Alexander Ohk arbeitet als Fachmann für die Anwendungsentwicklung in vielen seiner Projekte direkt beim Kunden. Seine Aufgabe ist es, insbesondere kaufmännische oder technische Arbeitsprozesse in EDV-Programme zu überführen. Deshalb steht am Anfang seiner Arbeit jedes Mal intensives Zuhören und ausdauerndes Nachfragen. „Ich muss ja wissen, was ich zu programmieren habe“, erklärt er. „Und dafür muss ich die fachlichen Abläufe verstehen, für die das Programm eingesetzt werden soll.“ Gewiss hat der Kunde seinem Auftrag in den meisten Fällen ein sogenanntes Lastenheft beigefügt, worin er seine Wünsche an das Programm und was es leisten können soll, niedergeschrieben hat. Zwar vollständig, ist es häufig aber sehr allgemein formuliert. Der Kunde ist immerhin kein IT-Spezialist. Genau dafür holt er sich ja Profis wie die ckc group ins Haus. Wegen deren Programmiererfahrung erwartet er von ihnen Hilfestellung auch bei der Präzisierung seiner Zieldefinition.

Steffen Leitloff - Schon wieder Dringlichkeiten abwägen (Foto: hmb)

Steffen Leitloff – Schon wieder Dringlichkeiten abwägen (Foto: hmb)

„Das ist eine Phase intensiver, gar nicht selten auch kontroverser Diskussionen mit dem Kunden wie auch innerhalb des Teams“, weiß Alexander Ohk aus zahlreichen Projekten. Dienstleistungsorientierung, Kritikfähigkeit, Toleranz und Teamgeist sind deshalb wichtige Eigenschaften, die Fachinformatiker besitzen sollten. Denn in der Softwareentwicklung gibt es nie nur einen einzigen, sondern stets mehrere Lösungswege. Für welchen sich das Projektteam am Ende entscheidet, hängt von der Überzeugungskraft der jeweiligen Argumente ab. Was muss das Programm unbedingt leisten, was wäre programmtechnisch noch möglich, steht der Programmieraufwand für Extras in einem wirtschaftlichen Verhältnis zum Nutzen für den Anwender? Kann das Programm bei Bedarf zu einem späteren Zeitpunkt erweitert werden? Ist es benutzerfreundlich und sicher?

Statt Konfektionslösungen zählt die Einzelanfertigung

Die eigentliche Arbeit des Projektteams, das zu großen Teilen aus Hochschulabsolventen besteht, beginnt anschließend mit der Erstellung des Pflichtenheftes. Jetzt werden die Programmarchitektur sowie die Programmiersprachen festgelegt und entschieden, welche Entwicklertools, das sind gewissermaßen Hammer und Meißel, also die Werkzeuge der Programmierer, zum Einsatz kommen. Im nächsten Schritt erfolgt dann die Aufteilung in Arbeitspakete und die Festlegung, in welcher Reihenfolge diese anschließend von den Programmierern wie Alexander Ohk abgearbeitet werden müssen. Bei großen Aufträgen wird das wegen der knappen Zeitvorgaben in der Form des Simultaneous Engineering, also einer verteilten gleichzeitigen Entwicklung der verschiedenen Programmteile, umgesetzt. Das erfordert erneut einen permanenten fachlichen Austausch der Programmierer untereinander. Denn die Anschlüsse der einzelnen Programmteile müssen schließlich genau so exakt ineinandergreifen wie die Zahnräder eines Schaltgetriebes.

Die Softwareentwicklung endet mit umfangreichen Tests, in der die letzten Fehler eliminiert werden. Erst dann ist die Arbeit von Alexander Ohk getan. Was den begeisterten Badmintonspieler daran noch immer fasziniert? „Anders als man vielleicht an den Stammtischen vermutet, kann ich in meinem Job nicht nach Schema F arbeiten. Jeder Auftrag ist ein Unikat, jedes Mal muss ich eine auf den konkreten Einzelfall bezogene Lösung finden“, beschreibt Ohk die Begeisterung für seinen Beruf. Und die teilt er mit Steffen Leitloff, ohne dessen interne Dienstleistung Programmierer wie er nicht arbeitsfähig wären. Denn erst Systemadministratoren wie Leitloff vernetzen Hard- und Softwarekomponenten zu komplexen IT-Systemen, Rechner mit Servern und den sogenannten Peripheriegeräten (Drucker, Fax, Scanner etc.) und warten diese. „Jeder Kundenauftrag, jeder Störfall ist anders“, beschreibt Leitloff seine Freude am Beruf, „die Lösungen fordern von mir jedes Mal neu hinschauen, analysieren, nachdenken, kombinieren, umsetzen. Denn Lösungen von der Stange gibt es auch in der Systemintegration nicht.“

Teamwork, Durchhaltevermögen, Wille zum Erfolg

ckc group in Braunschweig (Foto: hmb)

ckc group in Braunschweig (Foto: hmb)

Ich gewinne eine weitere Erkenntnis. Der Beruf des Fachinformatikers ist eine Mannschaftssportart! Einzelgänger sollten sich lieber nach etwas anderem umschauen. Sowohl in der Anwendungsentwicklung wie in der Systemintegration als auch im Zusammenspiel der beiden Arbeitsbereiche untereinander gilt, die tragfähige Lösung bedarf stets engster Zusammenarbeit und Kooperation mit den Kollegen. Was ein erfolgreicher Fachinformatiker sonst noch mitbringen muss? Ich denke zuerst an überdurchschnittlich gute Mathekenntnisse. Die Bestätigung meiner beiden Gesprächspartner dafür kommt allerdings anders als erwartet. Alexander Ohk hatte Mathe nur als Abdeckerkurs, Steffen Leitloff begann seine Ausbildung nach der Mittleren Reife. Und beide berichten zu meiner großen Überraschung, dass in der Berufsschule das Fach Mathematik im Stundenplan gar nicht mehr auftaucht. Die Verbindung zur Mathematik besteht vor allem in der systematischen Arbeitsmethodik. Hier wie dort geht man algorithmisch vor. Das sollte man schnell verinnerlichen. In der Systemintegration, bemerkt Leitloff, komme der Physik ohnehin die größere Bedeutung zu.

Was Fachinformatiker sonst noch auszeichnet, ist vor allem Durchhaltevermögen, überdurchschnittliche Konzentrationsfähigkeit und der ausgeprägte Wille, Lösungen zu finden, wie schwierig die Rahmenbedingungen auch immer sein mögen. Und irgendwie sind sie das jedes Mal. Er habe vor kurzem bei der Installation eines neuen Peripheriegerätes ziemlich lange nach den erforderlichen Treibern gesucht, beschreibt Leitloff eine gar nicht so seltene Erfahrung. Noch einmal von vorne beginnen, heißt es dann, wenn sich der Erfolg auf diesem Weg nicht einstellt, dann vielleicht auf einem anderen. Aufgeben gibt es nicht. Das ist bei Alexander Ohk ganz ähnlich. „Oft sind die Softwaretools, mit denen wir in der Programmierung arbeiten, nicht fehlerfrei“, berichtet er. Die Lokalisierung solcher Fehler kostet viel Zeit, die im Arbeitspaket natürlich nicht vorgesehen und deshalb an anderer Stelle wieder hereinzuholen sei. Oft müsse man dafür mit Programmierern rund um den Globus korrespondieren. Gute Englischkenntnisse sind deswegen für Fachinformatiker ebenso unerlässlich wie eigeninitiatives und selbständiges Arbeiten.

Der PC – dein Freund und ständiger Begleiter

Der Schwerpunkt der Ausbildung und späteren Berufstätigkeit von Fachinformatikern beider Fachrichtungen liegt in der Anwendung und Umsetzung. „Als Fachinformatiker benutze ich Java vor allem als Programmiersprache“, erklärt mir Alexander Ohk, „meine Teamkollegen mit Hochschulabschluss sind dagegen fachtheoretisch breiter aufgestellt und können auch auf den tieferen Verständnisebenen von Java navigieren.“ Entsprechend dieser unterschiedlichen Qualifikationsprofile erfolgt die Aufgabenverteilung im Projektteam. Die hat dann jeder sehr selbständig zu organisieren. „Als Systemadministrator muss ich in kürzester Zeit entscheiden, welchem Hilferuf eines Kollegen die höchste Priorität zukommt, ob zuerst die kaputte Maus ausgetauscht werden muss oder ob der Ausfall eines Druckers Vorrang hat“, schildert Steffen Leitloff eine typische Alltagssituation in der Systemnadministration. „In unserem Beruf muss man erst überlegen und dann loslaufen, niemals umgekehrt“, bringt es Alexander Ohk auf den Punkt.

Alexander Ohk - Alles o.k.? (Foto: hmb)

Alexander Ohk – Alles o.k.? (Foto: hmb)

Alexander Ohk teilt sich sein Arbeitszimmer mit zwei weiteren Softwareentwicklern. Auf jedem Schreibtisch stehen zwei Monitore. Ein Sinnbild für den Beruf. „Wir alle brauche eine hohe Affinität zum Computer“, sind sich Ohk und Leitloff einig. Jeder, der eine Ausbildung in diesem Beruf anstrebe, solle verantwortlich prüfen, ob er die besitze. Immerhin begleite der Rechner einen ohne Pause jeden Tag, gegebenenfalls ein ganzes Berufsleben lang. Für Ohk und Leitloff war das klar, der eine hatte Informatik in der Oberstufe belegt, der andere nach der Realschule noch die Berufsfachschule Informationstechnik besucht. Sie fanden, was sie suchten. Und haben mit der ckc group einen hoch interessanten Arbeitgeber. ckc hat immerhin Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen. Das garantiert ein breites Erfahrungsspektrum und engt fachlich nicht so ein, als wenn man bei einem IT-Anwender tätig ist, etwa einem Unternehmen des produzierenden Gewerbes oder einer Verwaltung.

Als Ausgleich treiben meine beiden Gesprächspartner viel Sport. Sie kennen aber auch so manchen Nerd, für den der PC selbst die Zeit nach Feierabend dominiert. Das vermeiden sie bewusst. Schließlich geht trotz vieler in- und externer Fortbildungsseminare eh noch der eine oder andere Abend für die Weiterbildung drauf. Auch darauf sollten sich Fachinformatiker einstellen. Die Entwicklungssprünge in der IT sind noch immer groß, die Sicherheitsanforderungen an die Systemadministratoren gewinnen eine immer weiter wachsende Bedeutung. Langeweile? Fehlanzeige!

 


Daten, Fakten & Links
(Stand: 30.07.2013)

Berufstätige Fachinformatiker: Das Statistische Bundesamt zählt insgesamt 159.000 Softwareentwickler (Frauenanteil: 14%) sowie 88.000 Rechenzentrums und DV-Benutzerservice-Fachleute (Frauenanteil: 11%), ohne aber nach Ausbildungsabschluss (Lehre bzw. Hochschulabschluss) zu differenzieren.
Ausbildungsplätze: ca. 8.000 pro Jahr
Ausbildung: die Ausbildung erfolgt in den Fachrichtungen Anwendungsentwicklung sowie Systemintegration (Ausbildungsdauer jeweils 3 Jahre)
Bildungsabschlüsse aller Auszubildenden:
ca. 75% Abitur, ca. 25% Mittlerer Bildungsabschluss
Informationen zum Berufsbild: http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/resultList.do?resultListItemsValues=13814_58403&duration=&suchweg=begriff&searchString=%27+Fachinformatiker*+%27&doNext=forwardToResultShort
Weiterbildungsmöglichkeiten: Staatl. gepr. Techniker/Fachrichtung Informatik, Fachwirt Computer Management, Betriebswirt für Informationsverarbeitung
Gehaltsspiegel:

 

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