Erzieherinnen – Kinder und Jugendliche ins Leben be-gleiten

Von Hans-Martin Barthold | 15. Mai 2018

Sandra Ullmann arbeitet als Teamleiterin bei der St. Nikolaus Kinder- und Jugendhilfe Braunschweig (Foto: privat)

Mit hohen Gehältern können Erzieherinnen nicht rechnen. Mit strahlenden Kinderaugen und dem coolen „Danke“ von Jugendlichen dagegen schon. „Zu sehen, dass es gelingt, Vertrauen herzustellen“, beschreibt Sandra Ullmann die Glücksmomente ihres Berufes, „ist jedes Mal ein wunderschönes Erlebnis.“ Die Erzieherin arbeitet als Leiterin einer Wohngruppe in der stationären Kinder- und Jugendhilfe. Gleichwohl klappt das nicht immer. Schließlich arbeiten Erzieherinnen mitten im Maschinenraum der Gesellschaft, oft genug an deren sozialen Brennpunkten. Ihre vornehmste Aufgabe besteht darin, Kinder und Jugendliche auf deren Weg ins Leben zu begleiten. Retten freilich können sie niemanden. Erzieher wollen Regeln und Werte für ein ebenso friedliches wie solidarisches Zusammenleben vermitteln. Was allerdings immer dann knifflig wird, „wenn das Umfeld der Kinder anderen Regeln folgt“, wie es Erzieherin 2 mit einer vieljährigen Berufserfahrung formuliert.


Hinweis der Redaktion: Zwei der in diesem Bericht befragten Gesprächspartnerinnen baten uns nach Durchsicht des Textes zur Freigabe ihrer Zitate, statt mit ihren Klarnamen anonymisiert unter Pseudonym (im Folgenden „Erzieherin 1“ und „Erzieherin 2“) zitiert zu werden.


Doch es gibt über diesen Beruf noch viel mehr Positives zu berichten. Die Nachfrage  nach Erzieherinnen wächst und wächst und wächst. Ein Ende dieses Hypes ist nicht in Sicht. Erzieherin 1 kann ein Lied davon singen, wie schwierig sich die Personalsuche in diesen Tagen gestaltet. Sie leitet eine Kindertagesstätte in einer niedersächsischen Großstadt. Wie viele Kitas auch platzt ihre Einrichtung mittlerweile aus allen Nähten. Hatte man einmal mit zwei Halbtagsgruppen und einer Handvoll Erzieherinnen begonnen, betreuen heute 21 Fachkräfte sechs Gruppen mit insgesamt 120 Kindern, die meisten davon ganztägig. Seit längerem schon muss ein Behelfs-Container die Raumnot lindern helfen. Kaum besser sieht es in der Braunschweiger St. Nikolaus Kinder- und Jugendhilfe aus, der Arbeitsstätte von Sandra Ullmann. Auch deren Leiterin Dorothee Senger sucht händeringend nach Fachkräften. Laut den Arbeitsagenturen sind allein in Niedersachsen über 1.500 Erzieherinnenstellen unbesetzt. Denen stehen lediglich 730 arbeitsuchende Fachkräfte gegenüber. Die Situation für Berufsanfänger könnte also kaum besser sein.

Große Nachfrage, geringe Anerkennung

Nicht alle Kitas haben ein so schönes Außengelände wie die im brandenburgischen Ort Kummersdorf (Foto: Wikimedia/Lienhard Schulz)

Tatsächlich schnellen nicht nur in Niedersachsen die Anmeldezahlen an allen Kitas steil nach oben. Dort und in Hessen werden die Landesregierungen den Kindergartenbesuch unabhängig vom elterlichen Einkommen ab Sommer 2018 beitragsfrei stellen. Zahlreiche Kommunen vermelden, wohl auch als Folge davon, schon jetzt eine Inanspruchnahme der Kitas von inzwischen über neunzig Prozent. In der ambulanten und stationären Jugendhilfe liegt die Quote auf einem ähnlich hohen Niveau, die Suche nach einschlägigen Fachkräften ebenfalls. Ein baldiger Rückgang scheint wenig wahrscheinlich. Darüber hinaus kündigte die Berliner Große Koalition bereits kurz nach der Regierungsbildung einen indessen noch nicht umgesetzten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen an. Für dessen Einlösung wiederum tausende von Erzieherinnen benötigt würden. Zuletzt erwarten die Experten mit Blick auf die Alterspyramide der Erzieherinnen schon bald eine hohe Ersatznachfrage.

Auf die der Bedeutung ihrer Arbeit angemessene gesellschaftliche Anerkennung warten Erzieherinnen indessen weiter vergeblich. Wie ernst die Forderung der neuen Bundesfamilienministerin wirklich gemeint ist und ob ihre politische Macht zu deren Durchsetzung tatsächlich ausreicht, muss sich erst noch zeigen. Franziska Giffey wünscht sich, dass Erzieherinnen künftig wie Grundschullehrer bezahlt werden. Immerhin sei ihr Beruf ein Bildungsberuf. Wohl wahr. Den allermeisten Fachkräften, denen ich während der Recherche zu diesem Bericht begegne, entlockte das gleichwohl nur ein ungläubiges Staunen. Sie wären schon froh, wenn sich ihre Arbeitsbedingungen endlich verbesserten. Erzieherin 1: „Eine Verringerung der Gruppenstärke von 25 auf 20 Kinder würde die Qualität unserer Arbeit enorm verbessern helfen.“ Große Hoffnung hat sie freilich nicht. Die Wünsche von Erzieherin 2 zielen in die gleiche Richtung. „Unsere Personaldecke ist viel zu dünn“, sagt die Leiterin einer Kindertagesstätte im ländlichen Raum.

Dienstleister für Erziehung und Bildung

Kleinkind im Spiel mit seiner Puppe (Foto: Wikimedia/Ms. Melissa)

Gravierender aber noch als die zahlenmäßigen Veränderungen sind die inhaltlichen Entwicklungen des Erzieherinnenberufs. Das gesellschaftliche Umfeld hat sich gewandelt und mit ihm die Kinder. Die Ansprüche der Eltern an die Kitas und damit an die Arbeit der Erzieherinnen haben zugenommen. In den meisten Familien sind beide Elternteile berufstätig, die Kinder deshalb ganztägig in der Obhut der Kitas und Erzieherinnen. Der Hauptteil der Erziehungsarbeit liegt daher inzwischen auf ihren Schultern. Hinzu kommt ein steigender Anteil Kinder aus alleinerziehenden Haushalten, Patchworkfamilien und Familien mit Migrationshintergrund. „Vor diesem Background“, beschreibt Erzieherin 2 ihre Beobachtungen ohne Schuldzuweisung, „erwarten Eltern von uns eine ebenso gute wie schnelle erzieherische Problemlösung, an der sie sich wegen Zeitmangels selbst nicht beteiligen brauchen.“ Erzieherinnen müssen deshalb immer öfter richten, was Eltern nicht mehr schaffen.

Nicht selten bitten die Eltern Erzieherinnen um ganz gezielte Fördermaßnahmen. Fürs freie Malen, fürs Schneiden, für bestimmte Bewegungsübungen, zur Sprachschulung. Tatsächlich reicht die Bandbreite an Fertigkeiten und Fähigkeiten in den Gruppen von niedrig bis ganz hoch. Das macht die Arbeit der Erzieherinnen nicht eben leicht. Der Zeitaufwand für die individuelle Unterstützung jedes einzelnen Kindes nimmt zu, ohne dass die Betreuungsrelation dem angepasst wird. Für 25 Kinder stehen vielfach lediglich zwei Erzieherinnen und für einige Stunden eine Hilfskraft in Form einer Sozialassistentin oder Kinderpflegerin zur Verfügung. „Als ein besonderes Problem erweisen sich die oft mangelhaften Sprachfertigkeiten der Kinder“, benennt Erzieherin 1 eine Entwicklung, die ihr und ihren Kolleginnen zunehmend zu schaffen macht. Und sie meint damit nicht nur Kinder aus Flüchtlingsfamilien, denen selbst die Artikulation von Grundbedürfnissen wie Hunger, Durst oder Schmerz schwer fällt. Auch die Kommunikationsfähigkeit muttersprachlich aufgewachsener Kinder lässt im Zeitalter der digitalen Medien vermehrt zu wünschen übrig.

Begeistern statt belehren


In diesem Haus in Bad Blankenburg wurde der erste Kindergarten weltweit eröffnet. Heute befindet sich hier das Friedrich Fröbel Museum (Foto: Wikimedia/Manfi.B.)

Dass in Niedersachsen die vorschulische Sprachförderung von den Grundschulen an die Kitas rückverlagert und von den Erzieherinnen übernommen werden soll, scheint deshalb sinnvoll. Erzieherinnen sind in diesen Zeiten fachlich freilich noch auf anderen Feldern gefordert. „Kinder können immer weniger spielen“, lässt sich Annette Müller, die eine Kita im Landkreis Helmstedt leitet, in einem Interview der „Wolfsburger Nachrichten“ (06.03.2018) zitieren. „Sie müssen manchmal erst mühsam lernen, sich mit sich selbst zu beschäftigen.“ Was umgekehrt für Erzieherinnen bedeutet, der Erwartung zu widerstehen, die Rolle des Animateurs zu übernehmen. Als weiteres Problem nennt die Kita-Leiterin die zunehmende Leistungsorientierung der Kinder. „Wenn wir spazieren gehen“, erzählt sie, „heißt die erste Frage der Kinder: Wohin?“ Spazieren zu gehen, um sich an einer grünen Wiese, blühenden Blumen oder dem Vogelgezwitscher zu freuen, verunsichere viele Kinder mehr als es ihnen Freude bereite. Solche Entwicklungen fordern Erzieherinnen vielfältige Antworten ab. Denn nur wer selbst begeistert ist, kann andere begeistern.

Angesichts all dessen benötigen Erzieherinnen neben guten Fachkenntnissen, einer gewissen musisch-künstlerischen Begabung, einem ausgeprägten pädagogischem Ethos und einem hohen Verantwortungsbewusstsein deswegen viel Geduld, Nervenstärke und Kreativität. Darüber hinaus sollten sie sich durch eine überdurchschnittliche Belastbarkeit auszeichnen. Sie sollten gut beobachten, zuhören und sich auf andere, auch anders denkende Menschen einlassen können. Sie sollten über ein tragfähiges Wertegerüst ebenso verfügen wie angesichts der eigenen erzieherischen Prägung über die Bereitschaft, das persönliche Handeln immer und immer wieder zu reflektieren, gegebenenfalls auch zu korrigieren. „Gleichzeitig aber“, weist Erzieherin 2 auf einen wichtigen Punkt, „müssen wir gegenüber ungerechtfertigten Ansprüchen standhalten können.“ Freilich gelte es zu differenzieren. „Auf die Wünsche eines Dreijährigen ist anders zu reagieren, als wenn ein Sechsjähriger das gleiche Anliegen hat.“

Orientierung geben und Empathie vermitteln

So spielten Kinder in einem Erntekindergarten 1955 (Foto: Wikimedia/Wehse, Bundesarchiv)

Völlig einig sind sich meine Gesprächspartnerinnen in einem Punkt. „Kinder und Jugendliche sollen nicht funktionieren müssen.“ Die Aufgabe von Erzieherinnen bestehe deshalb auch nicht darin, Kinder abzurichten, sondern ihnen die Regeln eines fairen Zusammenlebens und eine sozialverträgliche Lösung von Problemen beizubringen. „Dafür benötigen Erzieherinnen den Willen und die Fähigkeit zum Dialog sowie zur Mitbeteiligung“, drückt es Erzieherin 1 aus. „Aber natürlich setzen Erzieherinnen schon allein durch die Festlegung der Tagesstruktur auch Grenzen und geben Orientierung.“  Dafür müssen sie den Spagat beherrschen, eine Beziehung zum Kind aufzubauen, wie sie umgekehrt die professionelle Distanz zum Kind zu wahren haben. „Wir wollen und können kein Elternersatz sein“, betont Erzieherin 2. Eine Vorbildfunktion aber besitzen Erzieherinnen sehr wohl. „Kinder zur friedlichen Beilegung von Konflikten aufzufordern und sich anschließend selbst mit der Kollegin lautstark auf dem Flur zu fetzen, geht natürlich nicht“, lacht die Kitaleiterin.

Das gilt auch für die anderen Arbeitsfelder, in den Erzieherinnen tätig sind, also vor allem die Jugendwohnheime, Internate, Familienberatungsstellen, die ambulanten sozialen Dienste und die Einrichtungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe. In denen die Zahl der berufstätigen Erzieherinnen allerdings ungleich geringer ist als in den Kitas, den wichtigsten Arbeitgebern für Erzieherinnen. Sandra Ullmann hat sich nach Stationen in einer Mutter-Kind-Kureinrichtung und einer Kita für die Arbeit in der stationären Kinder- und Jugendhilfe entschieden. „Ich wollte diese Herausforderung, ich wollte mit Kindern arbeiten, die einen schwierigen Weg haben“, sagt sie im Rückblick und bereut ihre Entscheidung nicht, auch wenn sich die Anforderungen stark von denen in einer Kindertagesstätte unterscheiden. Nicht nur gibt es hier Schicht- und Wochenenddienst. Nicht nur ist keines der Kinder freiwillig in der Einrichtung, sondern durch das Jugendamt eingewiesen. Nein, es ist vor allem die geringe Planbarkeit der Arbeit und ihre hohe Intensität.

Eltern zu Verbündeten machen

Haus der Jugend Hamburg – Auch in Jugendzentren arbeiten viele Erzieher (Foto: Wikimedia/GeorgHH)

Wegen der 24-stündigen Rundumbetreuung ist Sandra Ullmann als Gruppenleiterin zusammen mit vier weiteren Erzieherinnen und einer Praktikantin des Freiwilligen Sozialen Jahres lediglich für 10 Kinder zuständig. Aber auch die stellen ihre Empathie nicht selten auf eine harte Probe. Erzieherinnen wie Sandra Ullmann bieten ein zu Hause auf Zeit. Das ist auch den Kindern und Jugendlichen klar. Dafür müssen sie es schaffen, mit den unkontrollierten Gefühlsausbrüchen verletzter, gar nicht selten auch geschundener kleiner Seelen, produktiv umgehen zu können. Sie müssen Vertrauen aufbauen und doch gleichzeitig die Bindung ans elterliche Umfeld stabilisieren. Eine schwierige Gratwanderung, weil in seltenen Fällen die Eltern-Kind-Beziehung so gestört ist, dass die Eltern das Kind nicht mehr haben wollen. Für Sandra Ullmann kommt das jedes Mal einem Stich ins Herz gleich.  „Unabhängig davon und auch wenn es den Hilfeplan gibt“, sagt sie, „muss ich immer schauen, was braucht das Kind gerade jetzt in diesem Augenblick. Und ich muss möglichst sofort darauf reagieren.“ Das setzt jedes Mal aufs Neue die Selbstkontrolle spontanen Verhaltens voraus. Wie in den Kitas gilt auch in der Kinder- und Jugendhilfe die eiserne Regel, mit den Betroffenen sprechen, niemals über sie.

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gelingt Erzieherinnen hier wie dort freilich nur in engster Kooperation mit den Eltern. Das ist besonders für Berufsanfängerinnen eine schwierige Aufgabe, bedarf sie doch nicht allein guter fachlicher Kenntnisse und einer ausgewiesenen Kommunikationsfähigkeit, sondern darüber hinaus eines gerüttelten Maßes an Lebenserfahrung. Überhaupt scheint die Lehrzeit mit dem Ende der Ausbildung lange nicht abgeschlossen. „Bis zur vollen Arbeitsfähigkeit brauchen Berufsanfängerinnen ungefähr ein bis zwei Jahre“, ist Erzieherin 1 überzeugt. Und die Bereitschaft, lebenslang dazulernen zu wollen. Ähnlich Ärzten macht auch Erzieherinnen ein hoher Dokumentationsaufwand zu schaffen. Was muss vom Tagesablauf festgehalten werden? Welche Entwicklungsschritte hat das Kind oder der Jugendliche gemacht? Weshalb konnten angestrebte Ziele nicht erreicht werden? In welchen Fällen und warum sollten externe Fachkräfte hinzugezogen werden? Liegt für die Verabreichung von Medikamenten die erforderliche Bescheinigung des Kinderarztes vor?

Eingeschränkte Karrieremöglichkeiten

Relief über dem Portal der Kinderkrippe St. Josef in Kaufbeuren (Foto: Wikiemedia/Ordercrazy)

Anders als in der freien Wirtschaft sind die beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten für Erzieherinnen gesetzlich geregelt. Mit Berufserfahrung und dem Nachweis über entsprechende Weiterbildungen können auch Erzieherinnen die Leitung einer Kita übernehmen. Gleichwohl haben sich die Chancen dafür verschlechtert, lasse ich mir erzählen. Immer öfter unterliegen Erzieherinnen an Fachhochschulen akademisch ausgebildeten Sozialpädagogen. Doch selbst wenn der Schritt gelingt, sollte er gut überlegt werden. Denn es ist ein Schritt ins Management. Es gilt dann, die Verhandlungen mit den Trägern der Einrichtung zu führen. Viele davon gehören zu einer der beiden großen Kirchen, in denen ein besonderes Arbeitsrecht gilt. Es müssen Personaleinsatz- und Vertretungspläne aufgestellt werden. Kita-Leiterinnen sind für die Anmeldungs- und Auswahlverfahren verantwortlich. Sie müssen die Zusammenarbeit mit Fachdiensten und den aufnehmenden Grundschulen organisieren. All das ist in vielen Fällen ein eher mühsames Geschäft. Der Gestaltungsfreiraum, den eine Leitungsfunktion verspricht, hat seine Kehrseite.

Für viele Erzieherinnen ist dieser Weg deshalb wenig attraktiv. Einige entscheiden sich sogar sehr bewusst für eine Tätigkeit in der Krippenarbeit. Dort dominieren Körpernähe und nonverbale Kommunikation. Und natürlich nehmen pflegerische Tätigkeiten einen ungleich größeren Raum ein. Das Betreuungs- und Bildungsziel ist freilich ein und dasselbe. Die Kinder sollen durch die Begleitung zu genauso selbstbewussten wie mitfühlenden Persönlichkeiten werden. Das führt zur Ausbildung und der Frage, ob sie die Entwicklungen der letzten Jahre in ausreichendem Maße aufgenommen hat. Darauf gibt es keine einheitliche Antwort. Schließlich wird die Erzieherinnenausbildung durch die einzelnen Bundesländer und damit im Detail durchaus unterschiedlich geregelt. Zwar berechtigt sie für eine Tätigkeit in allen Arbeitsfeldern, doch ist sie nach Ansicht Sandra Ullmanns in weiten Teilen (zu) einseitig auf den Elementarbereich ausgerichtet.

Viele Ausbildungswege führen in den Beruf

Kinderdorf Bethanien in Bergisch Gladbach-Refrath – Auch hier arbeiten Erziehrinnen (Foto: Wikimedia/Elke Wetzig)

Bei der Ausbildung zur Erzieherin handelt es sich um eine gestufte Ausbildung, die insgesamt meist vier Jahre umfasst. Zur eigentlichen Erzieherausbildung wird nur zugelassen, wer zuvor die Ausbildung zur Sozialassistentin erfolgreich abgeschlossen hat.  Die anschließenden Ausbildungswege sind inzwischen überaus vielfältig. Neben die klassische Form einer schulischen Ausbildung in Vollzeit treten in immer mehr Bundesländern berufsbegleitende Ausbildungsangebote, Brückenkurse für berufsverwandt ausgebildete Fachkräfte, Anpassungsqualifizierungen sowie unter eng gefassten Voraussetzungen auch die Möglichkeit einer Nichtschülerprüfung. Als Abschluss gibt es die staatliche Zulassung zum Beruf, deshalb die offizielle Berufsbezeichnung „Staatlich geprüfter Erzieher“. Wie bei allen schulischen Ausbildungen erhalten die Azubis keine Ausbildungsvergütung. Viele der Schulen befinden sich darüber hinaus in privater Trägerschaft und erheben Schulgeld. Nur wenn die Eltern ein geringes Einkommen erzielen, kann eine Förderung mittels BAföG erfolgen.

Bei der berufsbegleitenden Ausbildung, die sowohl in der ersten Ausbildungsstufe (Sozialassistent) wie in der zweiten Ausbildungsstufe je ein Jahr länger dauert, zahlen die Praxiseinrichtungen eine Vergütung. Tarifvertragliche Regelungen dafür fehlen allerdings. Ihr Vorteil liegt in den umfangreicheren Praxiserfahrungen. „Die Leute wissen besser, was sie im Beruf erwartet“, formuliert es Erzieherin 1. Ein Orientierungspraktikum, Babysitting, ein Au Pair-Jahr hält sie zur Absicherung des Berufswunsches für hilfreich. Doch sind Pläne, die Ausbildung zum Erzieher in die duale Form des Berufsausbildungsgesetzes zu überführen, bislang nicht über das Stadium von Denkspielen hinausgekommen. Dabei besetzen Erzieher eine gesellschaftliche Schlüsselposition. „Ohne uns“, bringt es Erzieherin 2 salopp auf den Punkt, „könnten die Eltern nicht arbeiten gehen.“ Ein Letztes. 2014 arbeitete in mehr als zwei Dritteln aller Kitas kein einziger männlicher Erzieher. Insgesamt stellen sie nach einer Studie der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin wenig mehr als fünf Prozent aller berufstätigen Erzieher. Lange Zeit galten sie bei Arbeitgebern wie Kolleginnen als potentielle Gefährder. Doch haben Kinder Anspruch auf die realistische Abbildung der Welt. Und die ist divers. Die Zukunft der Erzieherinnen und Erzieher hat Potential und sie wird spannend.

 


Daten, Fakten & Links
(Stand: 31.12.2016; neuere Daten liegen nicht vor)
Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Berufstätige Erzieherinnen in Kindertageseinrichtungen: 555.024 (im Vergleich 2008: 382.417).
Frauenquote: 95 %.
Teilzeitquote: 60 %.
Über die Zahl der außerhalb von Kindertagesstätten in anderen Arbeitsfeldern tätigen Erzieherinnen stehen keine belastbaren Daten zur Verfügung.

Arbeitslose Erzieherinnen: 7.913 (im Vergleich 2008: 17.637)

Stellenangebote für Erzieherinnen: 8.655 (im Vergleich 2008: 2.352)

Altersstruktur berufstätiger Erzieherinnen: keine Angaben verfügbar.

Erzieherinnen in Ausbildung (einschließlich Anerkennungsjahr): 26.000.

Monatliches Einkommen: abhängig vom Träger der Einrichtung, der Berufserfahrung und Funktion durchschnittlich 2.600 Euro brutto.

Ausbildungsmöglichkeiten: https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs/kursList.do?out=gbZiel&elearn=true&fg=gbZiel&gpBy=gvgOrt&anzahlProSeite=200&doNext=list&ae=734&bz=Erzieher&

Weiterführende Informationen: https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index?path=null/kurzbeschreibung&dkz=9162&such=Erzieher%2Fin

 

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