Ehme de Riese – De(r) Riese, die Werte und das Sehen

Ehme de Riese vor seinem Geschäft am Nordkopf (Foto: Ehme de Ries

Ehme de Riese vor seinem Geschäft am Nordkopf (Foto: Ehme de Riese)

Ausgebildete Fachkräfte geben ihre Bewerbung inzwischen auf Verdacht und in der Hoffnung einer irgendwann einmal frei werdenden Stelle ab. Wolfsburger, die eine Brille samt guter Beratung suchen, gehen heute zu Ehme de Riese. Die Begründung für beides manifestiert sich im Slogan dieses Augenoptikers. „Alles, außer gewöhnlich!“ heißt der und ist nicht nur proklamierter Anspruch, sondern in alltäglichen Service umgesetztes Programm. Wer nach der Erklärung für so viel Außergewöhnlichkeit sucht, muss seinen Blick auf den Firmengründer als Herz und Hirn dieses Betriebes richten. Mit friesischem Stammbaum in Wolfsburg geboren zog es den nach dem Abitur am Theodor-Heuss-Gymnasium zunächst in die Fremde. Ausbildung zum Augenoptiker bei Fielmann in Münster, wenig später Wechsel nach Stuttgart verbunden mit dem Schritt in die Selbständigkeit, zuletzt Chef von zehn Filialen sowie 150 Mitarbeitern. Dann, nach zwanzig Jahren im Ländle, der Break auf dem Gipfel des unternehmerischen Erfolges, für ihn selbst ein logischer Schritt, für Außenstehende eine der Midlif-Crisis geschuldete Kurzschlussreaktion.

2002 die überraschende Rückkehr nach Wolfsburg, Übernahme eines zum Verkauf stehenden Augenoptikergeschäftes am Nordkopf der Porschestraße, Neuanfang im Alter von 50 Jahren als One-Man-Show. Die Platzhirsche lächelten mitleidig. Sie hielten den Mann in den außergewöhnlichen Anzügen mit einer Vorliebe für grelle Farben und ungewöhnliche Formen für etwas spinnert. Einige schlossen wohl schon Wetten auf sein unternehmerisches Ableben ab. Sie sollten sich täuschen. Heute hat er sie alle hinter sich gelassen, ist er in punkto Brillen der Local Hero und die erste Adresse der Stadt, zählen inzwischen auch Vorstandsmitglieder von Volkswagen und deren Familien zu seinen Kunden, betreut er die Frauenfußballmannschaft des VfL als Sportoptiker. Felix Magath gar ließ sich das de Riese-Logo auf dem Brillenbügel eingravieren, kostenlose Werbung bundesweit. Drei Mal schon wurde das Unternehmen unter die TOP 100-Augenoptiker Deutschlands gewählt. Mehr geht kaum.

Konzept- und imageorientiertes Arbeiten

Der Chef vor einer Brillenkollektion (Foto: Ehme de Riese)

Der Chef vor einer Brillenkollektion (Foto: Ehme de Riese)

Die meisten Mitarbeiter arbeiten natürlich auch bei Ehme de Riese in Beratung und Verkauf. Denn das Produkt eines Augenoptikers sind nun mal landauf landab Brillen und die wollen an den Mann gebracht werden. „Um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, müssen auch wir Umsatz machen“, beschreibt de Riese nüchtern die Aufgabe für seine Angestellten. Der Unterschied aber liege im Wie. „Unsere Kunden sind unsere Gäste. Gäste. Die uns ernähren, und das lassen wir sie spüren“, sagt er. Und diese Dienstleistungsmenatlität müsse jeder bis ins Unterbewusste verinnerlichen. In de Riese-Diktion heißt das: „Meine Mitarbeiter müssen konzept- und imageorientiert arbeiten können.“ Salopper formuliert: „Meine Mitarbeiter arbeiten nicht nur als Augenoptiker, sondern sie arbeiten als Augenoptiker bei Ehme de Riese!“  Deshalb, fügt er an, seien gute Kommunikationsfähigkeit und technisch-handwerkliche Perfektion für eine Einstellung bei ihm zwar eine unabdingbare, aber noch lange keine ausreichende Voraussetzung.

„Ich suche Mitarbeiter, die championsleaguetauglich sind. Regionalliganiveau reicht mir nicht“, so O-Ton de Riese. Wieder so ein Spruch, der heute gut in die Zeit passt, bei de Riese aber sehr wohl einen substantiellen Hintergrund besitzt. Die Definition dieser hohen Anforderungen formuliert der bekennende Wolfsburger ohne Scham sehr bodenständig. „Fachkräfte, die bei mir arbeiten wollen, und Schüler, die sich um eine Ausbildung bewerben, müssen wahrhaftig und eigenbegeisterungsfähig sein.“ Warum dieser tiefe Griff in die Mottenkiste personaler Tugenden, frage ich? Meine Skepsis begegnet dem modebewussten Augenoptiker ganz offensichtlich nicht zum ersten Mal. Jedenfalls braucht er nach der Antwort nicht lange zu suchen. „Um die großen und kleinen Probleme in meinem Unternehmen lösen zu können, brauche ich Angestellte, die sagen, was sie denken und mich nicht in falscher Sicherheit wiegen aus Angst, es könnte sie ihre Karriere kosten.“ Das sei nicht immer leicht durchzuhalten, gibt er zu, für den unternehmerischen Erfolg gleichwohl unabdingbar. Gute Erfahrungen hat er mit Studenten des dualen Studiengangs Augenoptik der Ostfalia Hochschule Wolfsburg während deren Praktika in seinem Haus gemacht. Um so mehr bedauert er, dass dieser zum kommenden Wintersemester eingestellt werden wird.

Alle für einen, einer für alle

Den Blick stets nach vorne gerichtet (Foto: Ehme de Riese)

Den Blick stets nach vorne gerichtet (Foto: Ehme de Riese)

Freilich gelte es, Kritik konstruktiv zu bündeln, auf die sachliche Problemlösung zu fokussieren und nicht in die persönliche Ebene abdriften zu lassen. Dazu versammelt de Riese seine Mitarbeiter täglich jeden Morgen zu einer Teamsitzung. „Das ist keine Kuschelrunde“, erklärt er deren Sinn, „sondern hier werden die Dinge besprochen, die uns hindern, noch besser werden zu können.“ Da gehe es manchen Tag durchaus ans Eingemachte. Immer aber ende es in der gegenseitigen Vergewisserung: alle für einen, einer für alle. Bei de Riese heißt der Schwur der drei Musketiere dann etwas weniger pathetisch: „Mit Schwung und guter Laune, viel Erfolg!“ Und tatsächlich, ich kann auch bei mehrmaligem Hinschauen kein missmutiges Gesicht ausmachen. Dagegen blicken einen viele neugierige Augen zugewandt und freundlich an. Die Atmosphäre lässt fast vergessen, dass auch hier Geschäfte gemacht, Leistungen in Rechnungen gestellt und anschließend beglichen werden müssen. Aber all das eben in einem besonderen Rahmen. „Mit unserer 3-Jahre-sorglos-Garantie“, formuliert es de Riese, „signalisieren wir dem Kunden, es ist ein Geben und Nehmen auf Augenhöhe.“

Hier zeigt sich etwas, das typisch ist für das Unternehmen Ehme de Riese. Hier wird immer einen Schritt weiter geschaut als anderswo. Und das erwartet der Chef auch von seinen Mitarbeitern. Zwar werde es im Geschäftsfeld von Brillen und Sehlinsen keine gravierenden Einbrüche mehr geben. Das habe man schließlich alles schon hinter sich. „Die Krankenkassen“, sagt er, „beteiligen sich bei Anschaffung wie Reparatur von Sehhilfen schon seit vielen Jahren nicht mehr.“ Dennoch bleibt auch für die Augenoptiker die Welt nicht stehen. Augenärztliche Laserbehandlungen, vor allem aber der Vertrieb übers Internet nehmen zu. Im letzten Jahr wurden bereits mehr als drei Millionen Brillen online verkauft.

Mit Premiumqualität zu immer wieder neuen Ufern

Dem Kunden stets freundlich zugewandt (Foto: Ehme de Riese)

Dem Kunden stets freundlich zugewandt (Foto: Ehme de Riese)

Für diesen Wettbewerb sieht de Riese sich und seine Mannschaft freilich gut aufgestellt. „Wir setzen dem unser Konzept der sozialen Kontakte entgegen“, argumentiert er. Er sei fest überzeugt, dieses menschliche Bedürfnis bleibe und Internetanbieter könnten es nicht erfüllen. „Wir schon!“ Die Beratung beim Kauf einer Brille sei ebenso individuell wie umfassend. Da gehe es nicht allein nur um die Stärke der Gläser und das Styling des Gestells. Da gehe es vielfach um Sorgen und Nöte, manchmal sogar weit über die Korrektur des eingeschränkten Sehens hinaus. „Meine Mitarbeiter sollen ihre Kunden nicht lieben, mögen aber müssen sie sie schon.“ Belohnt werden sie mit dem Angebot ganzheitlichen Arbeitens. „Bei uns bestimmt der Kundenberater den Prozess von Anfang bis Ende eigenverantwortlich“, weist de Riese auf einen wichtigen Punkt. Ausmessung, Beratung, Bestellung, Anpassen und Ausliefern. Die Zufriedenheit des Kunden ist ganz allein sein Werk.

Gut vorbereitet auf den neuen Wettbewerb sieht sich der Wolfsburger Augenoptiker mit dem niederländischen Namen auch wegen seiner hohen Qualitätsansprüche. „Augenmessungen werden in meinem Unternehmen ausschließlich von Mitarbeitern mit Meisterqualifikation durchgeführt.“ Neun von fünfundzwanzig Angestellten sind Meister. Auf eine derartige Qualifikationsstruktur vermag kaum ein anderer Augenoptikerbetrieb zu verweisen. „Alles, außer gewöhnlich!“ eben. Doch das ist noch nicht das Ende der Entwicklung. Zwei seiner Mitarbeiter haben inzwischen erfolgreich die neuartige Weiterbildung zum Optometristen abgeschlossen. „Das sind die ersten zwei in ganz Wolfsburg“, berichtet Ehme de Riese stolz. Während sich die Augenoptik mit dem einzelnen Auge beschäftigt, besitzen Optometristen eine weitergehende Handlungskompetenz für das sogenannte binokulare, also das beidseitige Sehen, sind sie damit Experten auch für Fragen der Blendempfindlichkeit, des Bewegungssehens, der Farbunterscheidung, Kontrastwahrnehmung oder Tiefenunterscheidung. Darüber hinaus hat sich de Riese frühzeitig den Einsatz hoch empfindlicher Messtechnik von Zeiss gesichert, führt er ausgefallene Gestellkollektionen kleiner Hersteller, die die großen Brillendiscounter wegen der begrenzten Produktionskapazitäten dieser Hersteller nicht anbieten wollen oder können.

Ende und Anfang aller Mühen ist die Kundenzufriedenheit

Lachen kann anstecken (Foto: Ehme de Riese)

Lachen kann anstecken (Foto: Ehme de Riese)

Ein bezeichnendes Schlaglicht auf den Geist dieses Unternehmens wirft folgende Begebenheit. Ein hochrangiger VW-Manager begründete sein Kommen mit den Worten: „In meinem Umfeld sagt man, es gibt Optiker und es gibt Ehme de Riese.“ Andere hätten es als ultimative Erfolgsbestätigung genossen, sich in ihre Finca auf Teneriffa zurückgezogen und von Stund an die Geschäfte von angestellten Managern weiterführen lassen. Auch Ehme de Riese spürt die Bestätigung und ist glücklich. Doch er sieht auch die Gefahr, die jedes Lob und jeder Erfolg einschließt. Sie seien das, was für Adam und Eva der Apfel im Paradies war. In solchen Augenblicken erinnere er sich deshalb gerne an seinen Lehrherren Günther Fielmann. Denn der habe ihn gelehrt, dass Erfolgstrunkenheit, Größe und vermeintliche Unbesiegbarkeit jedes Untergangs Anfang seien.

Und so bricht er noch einmal zu neuen Ufern auf. Demnächst wird er im Stadtteil Steimker Berg als Vollendung seiner Mehrmarkenstrategie ein drittes Geschäft eröffnen. Die Kunden können dann zwischen Premium, Premium light und Premium plus wählen. Es ist damit nicht lediglich ein weiteres Geschäft hinzugekommen. Nein, er hat sein Konzept unter anderen Rahmenbedingungen multipliziert. „Und wenn das auf der richtigen Spur ist, dann bleibt als letztes die Regelung meiner Nachfolge“, sagt er, lacht und weiß, bis dahin wird noch einiges Wasser die Aller hinab fließen. Für die Mitarbeiter aber bietet es neue Chancen. Seit kurzem sind zwei langjährige Fachkräfte zu Teilhabern aufgestiegen.

 


Unternehmenssteckbrief
(Stand: 30.04.2013)

Firmengründung: 2002
Unternehmensform: Offene Handelsgesellschaft (OHG)
Anschrift: Porschestraße 9 – 11, 38440 Wolfsburg
Mitarbeiter: 25 (davon 9 Augenoptikermeister), 4 Auszubildende, 2 duale Studenten
Ausbildungsmöglichkeiten: Augenoptiker/in, Bürokaufmann/-frau
Bewerbung an: Postanschrift oder online an info@ehmederiese.de
Bewerbungen für Schülerpraktika: Postanschrift oder online an info@ehmederiese.de
Kontaktmöglichkeiten: info@ehmederiese.de oder Tel.: 05361 – 12735
Internet: www.ehmederiese.de

 

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