Egger – Deutschlands Schichtstoffspezialisten kommen aus Gifhorn

Von Hans-Martin Barthold | 15. Februar 2015

So empfängt Egger in Gifhorn Mitarbeiter und Kunden (Foto: hmb)

So empfängt Egger in Gifhorn Mitarbeiter und Kunden (Foto: hmb)

Gifhorn ist Kreisstadt eines der flächengrößten Landkreise Niedersachsens. Die Gegend hier am Südrand der Lüneburger Heide erstreckt sich flach wie ein Tisch. Da will es so gar nicht ins Bild passen, dass neben dem Werkstor der Firma EGGER Im Weilandmoor 2 an einem von drei Fahnenmasten tagtäglich die Flagge der Alpenrepublik Österreich gehisst wird. Hochgebirgsflair in der niedersächsischen Tiefebene? Wenn man nicht wüsste, dass die meisten Norddeutschen mit dem närrischen Treiben in Köln oder Düsseldorf kaum etwas anzufangen wissen, könnte man an einen Karnevalsscherz glauben. Doch es hat alles seine Richtigkeit, denn die Zentrale der Fritz EGGER GmbH & Co. OG hat ihren Sitz in der nahe Kitzbühel gelegenen österreichischen Marktgemeinde St. Johann. Und Gifhorn ist einer von 17 über ganz Europa und Russland verstreuten Produktionsstandorten der EGGER-Gruppe, ein wichtiger dazu. Mit 33 Millionen m² Gesamtkapazität ist das Gifhorner Werk schließlich der größte Schichtstoffhersteller in Deutschland.

Darauf sind die 300 Mitarbeiter stolz, auch wenn der Name EGGER nur den Fachleuten bekannt ist. Zwar dürfte es kaum jemanden geben, der nicht schon mit Schichtstoffen von EGGER in Berührung gekommen ist, doch liefert EGGER nicht in den Einzelhandel, sondern ausschließlich an weiterverarbeitende Unternehmen vor allem in der Möbelindustrie und an Türhersteller. Dort werden sie als Oberflächen für Küchenarbeitsplatten und Möbel sowie eben Türen verwendet. Schichtstoffe, der Name weist darauf hin, sind mehrschichtig aufgebaut.  Sie bestehen aus einem melaminharzimprägnierten Dekorpapier und je nach Stärke aus einem oder mehreren mit Phenolharz imprägnierten Natronkraftpapieren. Auf entsprechenden Produktionsanlagen werden diese harzgetränkten Papiere unter hohem Druck und Wärme miteinander verpresst. Neben der Möbel- und Türenindustrie finden sie auch im Laden-, Messe- und Innenausbau sowie im Schiffs- und Fahrzeugbau Verwendung.

Das Herz schlägt in der Produktion

Einrichtung und Anfahrt einer Produktionslinie (Foto: hmb)

Einrichtung und Anfahrt einer Produktionslinie (Foto: hmb)

„Unsere Schichtstoffe“, erklärt die Geschäftsführerin Andrea Oldenburg-Zillig, „zeichnen sich durch eine robuste Beanspruchbarkeit aus. Gleichzeitig verfügen sie aber über sehr gute Postforming-Eigenschaften.“ Soll heißen, beim Auftrag auf das Trägermaterial, das sind zumeist Spanplatten oder Mitteldichte Faserplatten (MDF), können sie gut an Rundungen angepasst werden. Je nach Kundenwunsch fertigt EGGER die Schichtstoffe in einem Dickenspektrum von 0,15 bis 1,2 mm. Zur Auswahl stehen 800 Dekore, von denen jedes einzelne wiederum mit unterschiedlichen Oberflächenstrukturen gefertigt werden kann. Eine erst im letzten Jahr errichtete neue Produktionslinie mit integrierter Kühlstrecke ermöglicht EGGER nun sogar die Herstellung von Hochglanzschichtstoffen. Die Produktionslinien vermitteln einen imposanten Eindruck. Die Qualität der Schichtstoffe wird durch die zum Einsatz kommenden Papiere, vor allem aber durch die Zusammensetzung der Harzmischung bestimmt. Die ist deshalb, wen wundert es, streng gehütetes Betriebsgeheimnis. Das Papier, von dem pro Jahr weit über zehntausend Tonnen verarbeitet werden, beziehen die Gifhorner von Lieferanten aus Deutschland, Finnland und den USA.

Die störungsfreie Produktion qualitativ hochwertiger Schichtstoffe ist das Herzstück von EGGER in Gifhorn. Schließlich muss man verkaufen, soll der Geschäftsbericht einen Gewinn ausweisen. Und so laufen denn die Maschinen an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr. Die Herren der Anlagen, die längste zählt über siebzig Meter, sind die Maschinen- und Anlagenführer. Sie haben das Sagen, sie überwachen deren fehlerfreien Lauf, sie richten die Anlagen für jede Charge neu ein, achten darauf, dass Geschwindigkeit, Wärme und Druck die vorgegebenen Toleranzen nicht über- oder unterschreiten, sie beheben einfache Störungen. „Die meisten Ausbildungsplätze bieten wir deshalb für die Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer, bei uns liebevoll Machine Commanders genannt, an“, erklärt der für Gifhorn zuständige Personalreferent Marko Kieschnik. Er hat seinen Dienstsitz im sauerländischen Brilon, kennt aber auch im Gifhorner Werk alle Winkel und jeden Mitarbeiter.

Azubiauswahl mit Langfristplanung

Andrea Oldenburg-Zillig ist Chefin in Gifhorn (Foto: privat)

Andrea Oldenburg-Zillig ist Chefin in Gifhorn (Foto: privat)

Nur zu produzieren, reicht freilich nicht aus. Die Ware muss ebenso pünktlich beim Kunden sein. Das ist Aufgabe der Fachkräfte für Lagerlogistik, die in gleicher Weise für das Vorhalten der Ausgangsstoffe Verantwortung tragen. Auch in diesem Beruf bildet EGGER regelmäßig jedes Jahr aus. „Zunehmend müssen wir auch der Alterstruktur unserer Belegschaft genauso wie den gestiegenen technischen Standards unserer Produktionsanlagen Rechnung tragen“, blickt Andrea Oldenburg-Zillig voraus. Deshalb plant sie, schon in Kürze ebenfalls in den Berufen Industriemechaniker für Instandhaltung sowie Elektroniker für Betriebstechnik auszubilden. „Wir wollen damit den Know-How-Transfer von unseren erfahrenen älteren Kollegen auf die nachrückenden jungen Fachkräfte vorbereiten“, begründet Personalmann Kieschnik die anspruchsvollen Pläne der Geschäftsleitung. Für die Ausbildung zum Industriekaufmann, der bei EGGER häufig auch eine Industriekauffrau ist, besitzen Abiturienten die besten Chancen.

„Wir binden unsere Azubis sowohl im gewerblichen wie im technischen Bereich von Beginn an gezielt in die normalen Arbeitsprozesse ein“, macht die Geschäftsführerin deutlich, warum sie bei der Bewerberauswahl großen Wert auf Selbstständigkeit und Zielorientierung legt. „Wir sind ein Familienbetrieb“, so Oldenburg-Zillig weiter, „da muss jeder sehen, wann es gilt zuzupacken, und sollte er beziehungsweise sie nicht erst dreimal durch Kollegen oder den Vorgesetzten darauf hingewiesen werden müssen.“ Dazu passt, dass nach der Sichtung der Bewerbungsunterlagen sofort zum Bewerbungsgespräch eingeladen und auf einen Auswahltest verzichtet wird. Bei den Zeugnissen werden passable Noten in Deutsch und Mathematik erwartet, bei den zukünftigen Industriekaufleuten darüber hinaus auch gute Ergebnisse in den Fleißfächern Politik/Wirtschaft, Geschichte und Geographie. Unentschuldigte Fehltage werden dagegen zum sofortigen Ausschlusskriterium.

Familiäre Atmosphäre schließt Azubis und duale Studenten ein

Elektronische Anlagensteuerung (Foto: hmb)

Elektronische Anlagensteuerung (Foto: hmb)

„In einem Familienbetrieb, wie wir es sind“, beschreibt Marko Kieschnik die Personalphilosophie von EGGER, „muss es einfach passen. Denn bei unseren flachen Hierarchien verteilt sich die Verantwortung auf alle Schultern.“ Warum EGGER bei der Auswahl seiner Auszubildenden so genau hinschaut, hat freilich noch einen anderen Grund. „Wir bilden bedarfsorientiert aus und schauen deshalb schon bei der Auswahl, wer am besten auf das Anforderungsprofil der Stelle passt, die wir in drei Jahren besetzen müssen“, erläutert Andrea Oldenburg-Zillig. So sind die Auswahlkriterien stets sehr individuell und hängen davon ab, ob später ein extrovertierter Verkäufer für den Vertrieb benötigt wird oder ob es um eine Stelle im Rechnungswesen geht, wo nicht Wortgewalt, sondern ganz allein Genauigkeit zählt. Bewerber für eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer müssen darüber hinaus über die uneingeschränkte Farbsehtüchtigkeit verfügen.

Die spielt bei den Bewerbern um einen der begehrten dualen Studienplätze keine Rolle, gute Zeugnisse umso mehr. Studienplätze werden, wenngleich auch hier streng bedarfsorientiert, in der kaufmännischen Fachrichtung Betriebswirtschaft/Industrie und den Ingenieurfachrichtungen Holztechnik sowie Kunststofftechnik angeboten. In allen drei Studiengängen wechseln sich praktische und studientheoretische Ausbildungsabschnitte im Drei-Monats-Rhythmus miteinander ab. Für die Studiensemester fahren die Studierenden an die Duale Hochschule Baden-Württemberg ins odenwäldische Moosbach. Neben einer attraktiven Ausbildungsvergütung, die selbstverständlich auch während der Studienphasen  gezahlt wird, erhalten die dualen Studenten darüber hinaus einen Mietkostenzuschuss, Fahrtkostenerstattung und Bücherkosten. Nicht zu vergessen, übernimmt EGGER die Semestergebühren. Bei EGGER sind leistungsstarke und neugierige Bewerber willkommen.

Bessere Bewerbungschancen für Frühaufsteher

Personalreferent Marko Kieschnik (Foto: Schmidt Fotografie/Egger)

Personalreferent Marko Kieschnik (Foto: Schmidt Fotografie/Egger)

Feste Bewerbungsfristen gibt EGGER nicht vor. Doch werden Frühaufsteher belohnt. Das Bewerbungsportal ist ab Ende Juli/Anfang August frei geschaltet. Passen Zeugnis und Lebenslauf, wird zu den fortlaufenden Bewerbungsgesprächen eingeladen und werden bei positivem Ergebnis sofort anschließend die Ausbildungszusagen gegeben. Wer über keinen Internetanschluss verfügt, darf seine Bewerbungsunterlagen auch weiterhin per Post einreichen. EGGER legt viel Wert auf Schülerpraktika sowie selbst organisierte Ferienarbeit. „Die Berufsbegründungen solcher Bewerber sind einfach oft überzeugender“, sind die Erfahrungen von Andrea Oldenburg-Zillig nach vielen Jahren Azubiauswahl. EGGER bietet beide Möglichkeiten an, jeweils mit Vertrag und Vergütung. Ferienarbeiter müssen wegen des Schichtbetriebes freilich bereits 18 Jahre alt sein.

Bleibt die Frage nach der unternehmerischen Zukunft wie den beruflichen Karrieremöglichkeiten bei EGGER. „Wir haben in den Standort Gifhorn im letzten Jahr knapp 16 Millionen Euro investiert“, weist Andrea Oldenburg-Zillig auf die Bedeutung, die ihr Unternehmen dem Standort für die Zukunft beimisst. Ein deutlicheres Zeichen für die Beschäftigungssicherung kann die Geschäftsleitung kaum geben. Wer weiter gesteckte Karriereziele hat, kann auch die bei EGGER verwirklichen. Wie in einem Familienbetrieb üblich, ist der unmittelbare Fachvorgesetzte stets erster Ansprechpartner. „Mit den Personalentwicklungsprogrammen start up sales für eine Karriere im Vertrieb, logstep für eine fachliche Spezialisierung und startklar für Führungsfunktionen bieten wir für jeden Mitarbeiter etwas“, ist der Personalfachmann Marko Kieschnik überzeugt.

Karriere in der EGGER-Gruppe

Werksgelände Gifhorn aus der Luft (Foto: Egger)

Werksgelände Gifhorn aus der Luft (Foto: Egger)

Der Technische Leiter Einkauf in Gifhorn ist dafür gutes Beispiel. Er schloss erst 2009 seine Ausbildung ab und trägt bereits fünf Jahre später große Verantwortung. Und wer regional mobil ist, kann es sogar noch weiter schaffen, so wie Andrea Oldenburg-Zillig. Sie stieg nach Ihrem Studienabschluss 1999 ins Unternehmen ein, begann in St. Johann, wechselte nach Wismar, anschließend ins Werk Hexham nach England und kam dann über Brilon als Geschäftsführerin nach Gifhorn. „Ich fühle mich in der EGGER-Familie wohl“, gibt sie freimütig zu. Diese Atmosphäre macht sie auch für Azubis und Bewerber erlebbar. So gibt es bei EGGER im Frühling ein von den Azubis organisierten Kennlerntag für die Neuen zusammen mit deren Eltern und vor den Abschlussprüfungen noch einmal eine zweiwöchige Intensivvorbereitung. Jedes Jahr treffen sich die Auszubildenden aller EGGER-Werke irgendwo in Deutschland für eine gemeinsame Teambuildingaktion, zuletzt zum Floßbau am Möhnesee. An diese Treffen erinnern sich die ehemaligen Azubis noch Jahre später.

 


Unternehmenssteckbrief
(Stand: 01.02.2015)

Unternehmensgründung: 1989 durch Übernahme der 1975 gegründeten Firma DEKOFLEX.
Unternehmensanschrift: Im Weilandmoor 2, 38518 Gifhorn.
Sitz der Zentrale: Fritz EGGER GmbH & Co. OG, Weiberndorf 20, 6380 St. Johann in Tirol, Österreich.
Niederlassungen der EGGER-Gruppe: 17 Produktionsstandorte in 7 Ländern; 22 Vertriebsbüros in 21 Ländern.
Mitarbeiter/Werk Gifhorn: 300.
Umsatz: EGGER Gruppe 2,2 Milliarden Euro.
Ausbildungsmöglichkeiten/Werk Gifhorn:

  • Maschinen- und Anlagenführer/-in
  • Industriekaufmann/-frau
  • Elektroniker/-in für Betriebstechnik (geplant)
  • Industriemechaniker/-in für Instandhaltungstechnik (geplant)

Duales Studium:

  • Betriebswirtschaft/Industrie
  • Holztechnik
  • Kunststofftechnik

Bewerbungen:  www.egger.com/jobs oder per Post an Anschrift oben.
Schülerpraktika: ja. Anfragen unter marko.kieschnik@egger.com
Kontaktmöglichkeiten: marko.kieschnik@egger.com
Internet: www.egger.com

 

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