Deutsche BKK – Arbeitgeber mit sozialem Auftrag

Von Hans-Martin Barthold | 15. Mai 2013

Deutsche BKK – Zentrale in Wolfsburg (Foto: Deutsche BKK)

Deutsche BKK – Zentrale in Wolfsburg (Foto: Deutsche BKK)

Es ist noch nicht lange her. Kommt eine nette ältere Dame zur Kundenberaterin Hanna Mylius und klagt der ihr Leid mit dem neuen Zahnersatz. Er passe einfach nicht. Zum ultimativen Beweis nimmt sie ohne Umschweife das Gebiss heraus und fordert Hanna Mylius freundlich auf, es sich selbst einmal anzuschauen. Mit solchen und anderen herausfordernden Situationen muss Hanna Mylius, Abitur am Albert-Schweitzer-Gymnasium Wolfsburg, als Kundenberaterin einer Krankenkasse umgehen können. Und auch an diesem Tag gelingt es ihr mit freundlicher Zuwendung, die ältere Dame davon zu überzeugen, dass allein der Zahnarzt für Abhilfe sorgen könne. Denn sie als Sozialversicherungsfachangestellte, von den Insidern nur kurz SoFa genannt, sei für die Beratung, die Prüfung der Abrechnung, die Kostenerstattung oder die Feststellung einer eventuellen Zuzahlung zuständig.

Auch wenn nicht alle Arbeitstage solche skurrilen Begegnungen bereithalten, langweilig wird es den Beschäftigten bei der Deutschen BKK in Wolfsburg nie. Brian-Julian Sinz, ehemaliger Schüler des Gymnasiums Anna-Sophianeum in Schöningen und jetzt Sofa-Azubi im dritten Lehrjahr, bestätigt das. Wie Hanna Mylius und die Mehrheit der Mitarbeiter ist auch er derzeit im Kundenservice eingesetzt. Wer einen Kontaktberuf mit sozialer Ausrichtung sucht, der findet hier beides. „In Stoßzeiten sind es manchmal bis zu 300 Kunden am Tag, die meine Kollegen und ich in der Wolfsburger Geschäftsstelle zu beraten haben“, verdeutlicht Hanna Mylius die Intensität der Kontakte. Das gilt auch für den Einsatz im Telefonservice. Es ist ein befriedigendes Gefühl, Menschen in schwierigen Situationen Lösungen für ihre häufig komplexen Probleme anbieten zu können, auch wenn nicht alle Wünsche der Kunden zu erfüllen sind.

Kundenorientierte Lösungen finden

Hannah Mylius (Foto: Deutsche BKK)

Hannah Mylius (Foto: Deutsche BKK)

Klar ist, an glücklichen und gesunden Tagen besteht für die Mitglieder einer Krankenversicherung kaum Anlass, bei Menschen wie Hanna Mylius oder Brian-Julian Sinz vorzusprechen, ausgenommen eine stolze Familie möchte ihr Neugeborenes zur Familienversicherung anmelden. Sonst aber sind es gesundheitliche Beeinträchtigungen, Anträge auf Leistungen, manchmal auch die Unzufriedenheit über den behandelnden Arzt, hin und wieder sogar eine Mahnung wegen ausstehender Mitgliedsbeiträge, weswegen sie sich auf den Weg machen. In diesen Situationen ist fachliche Kompetenz und viel Einfühlungsvermögen gefragt. „Gerade wenn ich dem Kunden erklären muss, dass wir diese oder jene Leistung nur bis zu einer gewissen Höhe oder gar nicht übernehmen können“, sagt Hanna Mylius, „tue ich dies geduldig, freundlich und mit viel Fingerspitzengefühl.“ Nur so könne der Kunde am Ende verstehen, dass es nicht böser Wille der Deutschen BKK oder seines persönlichen Betreuers ist, ergänzt Brian-Julian Sinz, sondern der Gesetzgeber ihnen leider keinen Spielraum lasse. Schließlich wolle die Deutsche BKK in Zeiten freier Wahlmöglichkeiten keinen einzigen ihrer Versicherten verärgern.

Die Deutsche BKK ist eine von deutschlandweit 134 gesetzlichen Krankenkassen. Unter den Betriebskrankenkassen gehört die Deutsche BKK mit knapp 800.000 Versicherten und 1.400 Beschäftigten zu den größten. Gegenüber den Riesentankern der Branche sorgt das für geringe Verwaltungskosten und sichert die entsprechende unternehmerische Flexibilität. Das Headquarters mit 400 Mitarbeitern befindet sich am Willy-Brandt-Platz in Wolfsburg, vis-a-vis dem Phaeno. In diesem Jahr feiert die Deutsche BKK ihr zehnjähriges Jubiläum. 2003 entstand sie aus dem Zusammenschluss der Betriebskrankenkassen der Deutschen Post und der Deutschen Telekom sowie der Betriebskrankenkasse von Volkswagen. Das, was die Deutsche BKK ihren Versicherten anbieten kann, gibt ihr wie den übrigen gesetzlichen Krankenversicherungen das Sozialgesetzbuch V vor. Für nur geringe Anteile der Leistungen gibt es Gestaltungsspielraum. Den nutzt die Deutsche BKK für Extra-Leistungen wie die homöopathische Behandlung beim Arzt, zuzahlungsfreie Arzneimittel oder die kostenlose Auslandskrankenversicherung für ihre Versicherten. Da auch der Beitragssatz vom Gesetzgeber, und zwar für alle gesetzlichen Krankenkassen einheitlich, auf den gleichen Prozentsatz festgelegt worden ist, findet der Wettbewerb zwischen den gesetzlichen Krankenversicherungen vor allem im Service der Kundenbetreuung statt. Mit vierzig Filialen, verteilt über das gesamte Bundesgebiet, sieht sich die Deutsche BKK hierfür gut aufgestellt.

Gesucht: Vielseitigkeit, Ausdrucksfähigkeit, Mobilitätsbereitschaft

Auszubildende der BKK (Foto: Deutsche BKK)

Auszubildende der BKK (Foto: Deutsche BKK)

Zu den Kunden einer gesetzlichen Krankenversicherung gehören, anders als bei der privaten Konkurrenz, immer auch die Unternehmen. Denn aufgrund des 1883 vom damaligen Reichskanzler Otto von Bismarck gesetzlich verankerten Solidarprinzips teilen sie sich mit den Versicherten die Beiträge. Aus deren Summe hat die Deutsche BKK neben den eigenen Sach- und Personalkosten sämtliche Leistungsansprüche ihrer Versicherten im Krankheitsfall zu begleichen. Die für den Beitragseinzug zuständige Abteilung Versicherungs- und Beitragsmanagement hat ihren Sitz in Stuttgart. Alle, auch die Wolfsburger Azubis reisen deshalb im Rahmen ihrer Ausbildung für mehrere Wochen in die baden-württembergische Landeshauptstadt. Überhaupt stellt die Ausbildung bei der Deutschen BKK gewisse Anforderungen an die Mobilitätsbereitschaft der Azubis. Neben den Aufenthalten in Stuttgart gibt es weitere Auswärtsstationen in einer der anderen bundesdeutschen Filialen, dazu mehrere jeweils zweiwöchige Seminare in der BKK Akademie in Rotenburg an der Fulda. Um die Unterkünfte hier wie dort kümmert sich die Deutsche BKK. Für die Azubis, die zu Beginn der Ausbildung bereits achtzehn Jahre alt sind, findet die Theorieausbildung ausschließlich in der BKK Akademie statt, die unter Achtzehnjährigen nehmen zusätzlich am Berufsschulunterricht teil.

Neben der Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten bietet die Deutsche BKK noch eine zweite Ausbildungsmöglichkeit an. Es ist die zum Kaufmann im Gesundheitswesen, freilich mit deutlich weniger Ausbildungsplätzen. So ist in Wolfsburg für 2014 die Einstellung von einem Kaufmann im Gesundheitswesen geplant. Für SoFas werden sieben Plätze angeboten. Während sich für die Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten sowohl Realschüler wie Gymnasiasten bewerben können, müssen die Kaufleute im Gesundheitswesen wegen einer auf zwei Jahre verkürzten Ausbildungsdauer mindestens über die Fachhochschulreife, besser aber über das Abitur verfügen. Bei allen Bewerbern schaut die Ausbildungsleiterin Nicolle Schober-Dreischarf als erstes in den Zeugnissen auf die Noten in Deutsch und Mathematik sowie eines weiteren Interessengebietes des Bewerbers. Das können auch Fächer ohne inhaltlichen Bezug zum angestrebten Ausbildungsberuf sein, also etwa Musik, Religion oder Physik. „Darüber hinaus suchen wir wegen unserer ausgesprochen großen Kundenorientierung vor allem gesellschaftlich interessierte und sprachlich gewandte Bewerber“, sagt sie. Die Bereitschaft zu regionaler Flexibilität ist gerne gesehen. Denn es komme durchaus vor, dass Auszubildende für die Ausbildung umziehen.

Karrieremöglichkeiten bis ganz oben

Brian-Julian Sinz (Foto: Deutsche BKK)

Brian-Julian Sinz (Foto: Deutsche BKK)

Die SoFas beherrschen das gesamte, vorwiegend rechtlich dominierte Spektrum des gesetzlichen Krankenversicherungswesens. Mit diesem breiten Qualifikationshintergrund werden sie bevorzugt als Kundenberater eingesetzt. Die Kaufleute im Gesundheitswesen werden demgegenüber stärker themenorientiert spezialisiert ausgebildet. Ihr Einsatz erfolgt deshalb überwiegend in Vertrieb und Kundenwerbung sowie der Vertragsabteilung für Krankenhäuser und die niedergelassenen Ärzte. Das Besondere der Ausbildung bei der Deutschen BKK ist die gezielte frühe Einbindung in praktische Arbeitsprozesse. Das erleichtere den fachlichen Kompetenzaufbau und fördere die Erfahrung für eine flexible Organisation des täglichen Arbeitspensums, erklärt Nicolle Schober-Dreischarf. Denn im Kundenservice diktierten später Kundenaufkommen wie –anliegen den Arbeitsablauf. Beratung oder Sachbearbeitung, Sachbearbeitung oder Beratung, was seinen Arbeitsrhythmus anbetrifft ist der SoFa kundenbestimmt. Schüler können über ein Praktikum erste authentische Einblicke in den Berufsalltag gewinnen. Bewerbungen für den Ausbildungsbeginn im kommenden Jahr werden bereits seit April entgegengenommen. Duale Studienplätze sind aktuell nicht im Angebot.

Was die Beschäftigten der Deutschen BKK an ihrem Arbeitgeber besonders schätzen, sind die passgenauen Weiterbildungsangebote im Haus wie auch die Unterstützung für externe Fortbildungen, etwa die zum KV-Fachwirt oder zum Pflegeberater. Für leistungsstarke SoFas steht die Karriereleiter bis ganz oben offen. Der Vorstandsvorsitzende Achim Kolanoski ist dafür bestes Beispiel. Für Hanna Mylius und Brian-Julian Sinz ist das zunächst jedoch noch kein Thema. Der eine konzentriert derzeit alle seine Kräfte auf die Abschlussprüfung vor dem Bundesversicherungsamt, die andere möchte sich erst einmal in der Fachabteilung mit entsprechenden Leistungen empfehlen. Beide wissen sie, eine gute Karriere benötigt ein sicheres fachliches Fundament und muss Schritt für Schritt wachsen. Alles Weitere wird sich dann schon ergeben. Denn Krankenversicherungen wird es in dieser oder jener Form schließlich auch noch in fünfzig Jahren bedürfen. Dabei werden die Herausforderungen an die Beschäftigten nicht geringer. Und die SoFas werden auch dann noch mitten im Geschehen stehen.

 


Unternehmenssteckbrief
(Stand: 01.04.2013)

Firmengründung: 2003 als Zusammenschluss aus BKK Post und der Volkswagen BKK.
Unternehmensform: Körperschaft des öffentlichen Rechts.
Sitz der Unternehmenszentrale: 38440 Wolfsburg, Willy-Brandt-Platz 8.
Niederlassungen: bundesweit 40 Niederlassung (davon bilden 12 Niederlassung aus).
Mitarbeiter: 1.400 (davon in der Zentrale in Wolfsburg: ca. 400).
Haushaltsrahmen: 2,5 Milliarden Euro
Ausbildungsmöglichkeiten:

  • Sozialversicherungsfachangestellte/r, Fachrichtung allgemeine Krankenversicherung
  • Kaufmann/-frau im Gesundheitswesen

Duales Studium: z. Zt. kein Angebot
Bewerbungen für Ausbildung und duales Studium: www.deutschebkk.de
Bewerbungen für Hochschulabsolventen: www.deutschebkk.de
Bewerbungen für Studenten (Praktika, Studien- u. Abschlussarbeiten): www.deutschebkk.de
Bewerbungen für Schülerpraktika: www.deutschebkk.de
Kontaktmöglichkeiten: nicolle.schober-dreischarf@deutschebkk.de
Internet: www.deutschebkk.de

 

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