Das passende Studienangebot (2) – Geisteswissenschaften sind etwas für Entdecker

Von Rainer Hoppe | 15. November 2017

Der Vordenker der Aufklärung – John Locke (Foto: Wikimedia/Godfrey Kneller)

Der Vordenker der Aufklärung – John Locke (Foto: Wikimedia/Godfrey Kneller)

Die Geisteswissenschaften sind besser als ihr Ruf. Das gilt auch für die meisten Absolventen. Ihnen bieten sich viel mehr Beschäftigungsmöglichkeiten, als sich so mancher Stammtischfanatiker vorzustellen vermag. Freilich gilt dies nur für diejenigen, die die Devise beherzigen: Nicht warten, sondern die Initiative in die eigenen Hände nehmen. Wer sich also lieber zu einer Bushaltestelle begibt, um auf ein pünktliches fahrplanmäßiges Erscheinen des Busses zu warten, der einen abholt und an das ersehnte Ziel bringt, ist bei diesen Fächergruppen falsch aufgehoben. Wer indessen fasziniert ist von den vielen Möglichkeiten, an ein Ziel zu kommen und sich gerne auf die Suche begibt, für sich selbst die beste Alternative zu finden, wer in einem scheinbaren Umweg auch einen gewinnbringenden Erkenntnisgewinn zu entdecken bereits ist, und wer gerne auf der Strecke nach links und rechts schauen möchte, um Neues und vielleicht sogar Besseres zu entdecken, findet hier einen Trainingsplatz mit hervorragender Infrastruktur.

Konkret bedeutet dies, dass bei diesen Fachrichtungen ein erfolgreicher Studienabschluss allein oftmals nicht ausreicht, um zum gewünschten Arbeitsplatz zu kommen. Praktika während des Studiums, Mitarbeit an Projekten, aber auch das Einbringen zusätzlicher Kenntnisse wie zum Beispiel Fremdsprachenkenntnisse und Fähigkeiten über das Erbringen der notwendigen Studienleistungen hinaus entscheiden ganz wesentlich über den Erfolg. Und natürlich Kontakte, die man beispielsweise durch Praktika im Studium gewonnen hat – dazu natürlich auch Glück, wie überall! Selbstverständlich finden sich auch bei diesen Studiengängen Angebote für eher sicherheitsbewusste Menschen, die gerne schon vorab wissen möchten, was sie nach dem Studium damit anfangen können. Entsprechende Beispiele später.

Gesellschafts- und Sozialwissenschaften: Das Verstehen kommt vor dem Handeln

Haus der Geschichte in Bonn – Ort der Zeitgeschichte (Foto: Wikimedia/Jpetersen)

Haus der Geschichte in Bonn – Ort der Zeitgeschichte (Foto: Wikimedia/Jpetersen)

In dieser Fachrichtung beschäftigt man sich hauptsächlich mit Fragen, in welchen sozialen, wirtschaftlichen, rechtlichen und individuellen Zusammenhängen Menschen miteinander leben und arbeiten, modern würde man sagen: interagieren. Der Mensch und die Menschen miteinander stehen hier im Mittelpunkt der Betrachtungen. Typische Studiengänge hierbei sind Pädagogik, Psychologie, Sozialpädagogik und Sozialwissenschaften. Diese Studienfächer werden beinahe ausschließlich von Universitäten angeboten. Allein der Studiengang Soziale Arbeit (Sozialarbeit, Sozialpädagogik) wird vornehmlich an Fachhochschulen gelehrt, weil hier eher die praktische Tätigkeit im Mittelpunkt steht – und nicht so sehr ein theoretischer, forschender Ansatz wie bei den anderen Studienangeboten.

In der Pädagogik/Erziehungswissenschaft  geht es um die Entwicklung sowohl des einzelnen Menschen als auch um Einrichtungen, die diese Entwicklung fördern. Es geht um die Förderung des menschlichen Miteinanders in den unterschiedlichsten Zusammenhängen wie beispielsweise in der Familie, aber genauso um schulische und außerschulische Förderungseinrichtungen. (Siehe dazu auch: „Erziehungswissenschaftler – Fachleute für Erziehung, Bildung und Qualifizierung“ – http://www.berufsreport.com/erziehungswissenschaftler) Je nach Studienangebot an den Universitäten können einzelne Studienangebote und Studienschwerpunkte sehr unterschiedlich sein. Hier ist es dringend nötig, sich bereits vorab Gedanken darum zu machen, wo man nach dem Studium tätig sein möchte, um sich anschließend Hochschulen zu suchen, die in diesen Bereich die entsprechenden Studienschwerpunkte anbieten. Auch ein frühzeitiges Kennenlernen möglicher Tätigkeitsfelder etwa durch ein FSJ kann hier sehr sinnvoll sein.

(Karikatur: Ida Bakken)

(Karikatur: Ida Bakken)

Mit ganz ähnlichen Fragestellungen beschäftigt sich auch die Psychologie. Aber als empirische Wissenschaft ist sie wesentlich stärker an statistischen Methoden und Auswertungen orientiert, zudem sind naturwissenschaftliche Erkenntnisse einflussreich auf die Definition der Ausgangslage von Psychologen. (Siehe dazu auch: „Psychologe – Die Multitalente“ – http://www.berufsreport.com/psychologe) Ein grundständiges Psychologie-Studium gibt es nur an Universitäten. Die Angebote an Fachhochschulen beziehen sich ausschließlich auf die angewandte Psychologie, insbesondere die Wirtschaftspsychologie. Währenddessen werden Fächer der diagnostischen und klinischen Psychologie nur an Universitäten gelehrt. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die anschließenden Beschäftigungsmöglichkeiten. An allen staatlichen Universitäten wie auch an den wenigen Fachhochschulen gibt es leider nahezu flächendeckend Zulassungsbeschränkungen.

Absolventen der Studiengänge Sozialarbeit/Sozialpädagogik helfen Menschen, die zur Lösungen unterschiedlichster Lebensprobleme Unterstützung benötigen. Schon das Studium ist deshalb auf die praktische Anwendung dieser Hilfsmöglichkeiten orientiert, weswegen diesen Studiengang in der Regel und bevorzugt Fachhochschulen anbieten. Sozialpädagogen müssen sich gut in gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und gesetzlichen Zusammenhängen auskennen. Praxiserfahrungen bereits während des Studiums durch Praktika, eine Ausbildung vor dem Studium oder ein FSJ, überhaupt Lebenserfahrungen aller Art sind durch kaum etwas anderes zu ersetzen. Die späteren Tätigkeitsfelder und berufliche Beschäftigungsmöglichkeiten korrelieren wie nur bei wenigen anderen Studiengängen in starkem Maße mit den gewählten Studienschwerpunkten.

Sozialwissenschaften erklären die Grundlagen, die Erscheinungsformen und potentielle Entwicklungen einer Gesellschaft. (Siehe hierzu auch: „Soziologen – Die Welterklärer“ – http://www.berufsreport.com/soziologen) Persönliche Voraussetzungen hierfür sind neben fundierten historischen Kenntnissen ein großes Interesse an wirtschaftlichen, politischen, juristischen und sozialpsychologischen Fragestellungen. In vielen Zusammenhängen sind auch sichere Kenntnisse empirischer Methoden (Statistik) nötig. Bekannte Sozialwissenschaftler sind z.B. der bisherige Bundestagspräsident Norbert Lammert und der ehemalige Bundesminister Jürgen Trittin. Das Studium findet ausschließlich an Universitäten statt. Fachleute rechnen auch die Studiengänge Politologie, Sport und Theologie zu dieser Fächergruppe.

Flüchtlingshilfe – Aufgabe für Sozialarbeiter (Foto: Wikimedia/Officiale U.S. Navy Page)

Flüchtlingshilfe – Aufgabe für Sozialarbeiter (Foto: Wikimedia/Officiale U.S. Navy Page)

Allen vorgestellten Studiengängen ist gemeinsam, dass sie der unbedingten Bereitschaft zur Bearbeitung eines überdurchschnittlich großen Lesepensums bedürfen, gute Analysefähigkeiten und Ausdrucksformen erfordern, hohe Ansprüche an Sprach- und Fremdsprachenkenntnissen stellen und wegen der statistischen Methoden insbesondere in den Sozialwissenschaften und der Psychologie eine gewisse Sicherheit in der Mathematik voraussetzen. Systematisch denken und nicht nur Erlerntes wiedergeben zu können, neue eigene Gedanken, Ideen und Pläne zu entwickeln und zu präsentieren, erfordert die Fähigkeit zur Entwickelung strukturierter und nachvollziehbarer Lösungsvorschläge. Im Studium wie im späteren Berufsleben ist Teamarbeit sehr wichtig, Eigeninitiative bei der Suche nach einer adäquaten Beschäftigung unverzichtbar.

Sprach- und Kulturwissenschaften: Den Kontext im Blick behalten

In dieser Fächergruppe beschäftigen sich die Studierenden mit den Kulturleistungen der Menschen. Neben der Sprache sind dies vor allem die Philosophie die Literatur und die schönen Künste. Die Geschichtswissenschaften beschäftigen sich mit den kulturellen, oftmals staatlich organisierten Institutionen und den gesellschaftlichen Folgen zurückliegender sozialer, politischer, wirtschaftlicher und religiöser Entwicklungen. Typische Studiengänge hierfür sind Anglistik, Germanistik, Geschichte, Kulturwissenschaften, Romanistik, Medienwissenschaften und Slawistik, um die wichtigsten zu nennen. Meistens werden diese Studiengänge an Universitäten angeboten. Eher anwendungsorientierte Schwerpunkte wie in den Medienwissenschaften und Journalistik gibt es aber auch an Fachhochschulen.

Klaus Modick – Sprachwissenschaftler, Schriftsteller und literaturübersetzer (Foto: Wikimedia/Dontworry)

Klaus Modick – Sprachwissenschaftler, Schriftsteller und Literaturübersetzer (Foto: Wikimedia/Dontworry)

Die Sprachwissenschaften wie Anglistik, Germanistik, Romanistik, Slawistik und andere beschäftigen sich mit der oder den Sprachen eines Landes/eines Kulturraumes, auch mit der Sprachgeschichte und –entwicklung, den sprachwissenschaftlichen Elementen (Linguistik), der Literaturwissenschaft, darüber hinaus mit der Landeskunde, Geschichte, Wirtschaft und Politik. Oftmals sind in einer Studienrichtung mehrere Fremdsprachen vertreten, in der Romanistik etwa Französisch, Italienisch, Spanisch, Katalanisch, Portugiesisch sowie Rumänisch und Rätoromanisch. In diesen Studiengängen geht es nicht allein darum, die jeweilige(n) Sprache(n) zu erlernen, sondern gesellschaftlich-kulturelle Entwicklungen analysieren und bewerten zu können. Dies wie auch die systematische Auseinandersetzung mit der Sprache, ihrer Logik und ihrem Aufbau erfordert ein hohes Maß an ebenso strukturiertem wie logischem Denken. Wem es eher um den Transfer von einer Sprache in die andere in Schrift (Übersetzen) und Sprache (Dolmetschen) geht, ist indessen besser in den Studiengängen Dolmetschen/Übersetzen aufgehoben. (Siehe dazu auch: „http://www.berufsreport.com/dolmetscher-und-uebersetzer“)

Geschichtswissenschaften orientieren sich in aller Regel nicht an modernen Staatskonzeptionen, sondern rekonstruieren gesellschaftliche Zusammenhänge zurückliegender Zeitepochen. Insbesondere das Studium der alten Geschichte, die sich inhaltlich im Übrigen in unmittelbarer Nähe zur Archäologie befindet, der Geschichte des Mittelalters, aber auch der neueren Geschichte, die im frühen 16. Jahrhundert ansetzt, ist deshalb vor allem ein Quellenstudium. Nur die Zeitgeschichte, zwangsläufig hier mit großen Bezügen zur Politologie, kann Bezug auf aktuelle Strukturen und damit auch auf moderne Zeitdokumente nehmen. Historiker müssen immer über einen Fundus von Fremdsprachenkenntnissen verfügen. Allein das Studium der deutschen Geschichte wäre ohne Kenntnisse des Mittel- und Althochdeutschen, aber genauso ohne Latein, Französisch, Englisch, Niederländisch, teilweise auch einiger slawischer Sprachen nicht möglich.

Der Studiengang Kulturwissenschaften zwingt zunächst zu einer sehr gründlichen Auseinandersetzung damit, was genau die anbietende Universität hierunter versteht. Einerseits gibt es Hochschulen, die die Kulturwissenschaften sehr sozialwissenschaftlich als eine Auseinandersetzung mit den wirtschaftlichen, sozialen und politischen Lebensbedingungen eines Kulturraumes begreifen. Andere Universitäten stellen dagegen die Auseinandersetzung mit den schönen Künsten in den Mittelpunkt des Studiums. Entsprechend unterschiedlich sind die Studieninhalte und –schwerpunkte.

Sascha Lobo mit dem Thema "The Age of Trotzdem" am Medienwissenschaftler Sascha Lobo 2016 auf der re:publica in Berlin – (Foto: Wikimedia/Gregor Fischer)

Sascha Lobo mit dem Thema „The Age of Trotzdem“ 2016 auf der re:publica in Berlin (Foto: Wikimedia/Gregor Fischer)

Medienwissenschaftliche Studiengänge erfreuen sich einer sehr großen Beliebtheit. Doch unter dem Sammelbegriff „Medien“ verbergen sich Dutzende verschiedene Studienangebote mit vollkommen unterschiedlichen Studieninhalten. So gibt es sehr theoretische Auseinandersetzungen mit der Wirkungsweise der Medien (vornehmlich in den Studiengängen Kommunikations- und Medienwissenschaften), eher technische Studiengänge wie Medieninformatik und Medientechnik oder an der Praxis orientierte Studiengänge wie Journalistik (Siehe dazu auch: „Journalist – Ermittler, Analyst und Welterklärer“ – http://www.berufsreport.com/journalist). Oftmals finden sich auch Verknüpfungen zu anderen Fächern wie z.B. in der Medienpsychologie oder beim Medienmanagement, das man auch getrost als Schwerpunkt eines betriebswirtschaftlichen Studiums begreifen kann. Es reicht also keineswegs, sich für ein Studium „Medien“ zu interessieren. Vielmehr ist es zwingend erforderlich, dass man sich genau mit den Inhalten der angebotenen Studiengänge beschäftigt. Allen Studiengängen gemeinsam ist gleichwohl, dass die Studierenden vornehmlich an einer späteren Beschäftigung in Medienunternehmen interessiert sind.

Zu dieser Fächergruppe gehören zahlreiche weitere Studiengänge, so zum Beispiel Ethnologie, Kunstgeschichte und Kunstwissenschaften, klassische Philologien oder Theaterwissenschaften. Auch in dieser Fächergruppe sind unbedingt eine freiwillige, eigenverantwortliche Lern- und Lesebereitschaft erforderlich, ebenso wie der Wille, einen sehr breiten Fächerkanon zu akzeptieren. Darüber hinaus wird erwartet, das eigene Studium eigenverantwortlich zu strukturieren und dafür nicht auf eventuelle Vorgaben der Universität zu warten. Auslandserfahrungen, sei es über Studiensemester oder durch Praktika, sind unerlässlich.

Deutsches Theater Berlin, rechts daneben die Kamerspiele (Foto: Wikimedia/Andreas Praefcke)

Deutsches Theater Berlin, rechts daneben die Kammerspiele (Foto: Wikimedia/Andreas Praefcke)

Beschäftigungsmöglichkeiten für Absolventen dieser Fachgruppe sind vielfältig vorhanden. Doch ist auch hier ein hohes Maß an persönlichem Einsatz erforderlich. Keineswegs studiert man in den Sprach- und Kulturwissenschaften für die Arbeitslosigkeit. Allerdings kann es sie durchaus geben, wenn man zu spät oder zu wenig an die eigene Profilbildung gedacht hat. Personen wie Frank Schirrmacher, bis zu seinem Tod Herausgeber der FAZ, studierter Germanist, Klaus Modick, einer der bekannteren deutschen Schriftsteller und insbesondere bekannt als Literaturübersetzer, studierter Anglist, und der Historiker Guido Knopp, der nicht nur im Fernsehen neue Sendeformate geschaffen hat, sondern die Geschichte wieder zu einer äußerst populären Wissenschaft gemacht hat, mögen hier als positive Beispiele dienen.

Wirtschafts- und Rechtswissenschaften: Es geht um ökonomische Effizienz und gesellschaftlich toleriertes Verhalten

Wirtschaftswissenschaften ist neben den bekannten Wirtschaftsstudiengängen Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre kein eigenständiger Studiengang, sondern Sammelbegriff für alle Ökonomiestudiengänge. Studiert jemand Wirtschaftswissenschaften, wird er sich während des Studiums überlegen müssen, ob er einen betriebs- oder einen volkswirtschaftlichen Schwerpunkt wählt. Das Studium wird an Universitäten und Fachhochschulen angeboten, wobei volkswirtschaftliche Studienangebote wegen ihres stärkeren wissenschaftsanalytischen Ansatzes bis auf wenige Ausnahmen den Universitäten vorbehalten sind.

Das ifo Institut in München (Foto: Wikimedia/Carl Steinbeißer)

Das ifo Institut in München (Foto: Wikimedia/Carl Steinbeißer)

Die Betriebswirtschaftslehre beschäftigt sich mit allen Fragen der Führung und Entwicklung eines Betriebes. (Siehe dazu auch: „Betriebswirtschaftler – Job zwischen Sinn und Gewinn“ – http://www.berufsreport.com/betriebswirtschaftler) Im Laufe des Studiums wählen die Studierenden aus zahlreichen Schwerpunkten in der Regel zwei aus, mit denen sie sich vertiefend beschäftigen, ohne allerdings hiermit schon eine Festlegung für den späteren Berufseinstieg oder gar ein ganzes Berufsleben vorher zu bestimmen. Betriebswirtschaftliches Denken bietet Handwerkszeug genug, um später auch in verwandten oder naheliegenden Tätigkeitsbereichen arbeiten zu können. Bekannteste Schwerpunkte sind Accounting und Finance, Rechnungswesen, Controlling, Logistik, Marketing und Personal (Human Resource Management).

Die Volkswirtschaftslehre hingegen beschreibt und analysiert, wie sich gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge entwickelt haben und weiter entwickeln werden. Auch wenn die Bedeutung des „Bauchgefühls“, insbesondere bei einzelnen Unternehmensentscheidungen, immer wieder betont wird: Ohne eine aussagekräftige Datenstruktur sind wirtschaftliche Entscheidungen rational nicht zu treffen. Dies bedeutet, dass Mathematik und Statistik zwingend zum Handwerkszeug von Wirtschaftswissenschaftlern gehören. Das gilt für einige Teilbereiche der Betriebswirtschaftslehre (Controlling, Logistik) und vor allem natürlich die Volkswirtschaftslehre mehr als für andere Teilbereiche der BWL.

Da heute alle wirtschaftlichen Entscheidungen nicht mehr allein auf nationaler Ebene getroffen werden können, gehört ebenso ein sicherer Gebrauch der englischen Sprache zwingend zum Alltag der Wirtschaftswissenschaftler. Ein Auslandsaufenthalt während des Studiums, sei es über ein Auslandssemester oder über Praktika, gehört mittlerweile zum ganz normalen Kompetenzprofil von Wirtschaftswissenschaftlern. Ebenso kommt Praktika während des Studiums und der Mitarbeit in Projekten wegen ihrer Anwendungsorientierung eine hohe Bedeutung zu. Immer wieder werden, vor allem von privaten, also kostenpflichtigen Hochschulen, neue Studiengangbezeichnungen kreiert, die ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Hochschulen signalisieren sollen. Genaues Hinsehen und ein Blick in die Studienpläne lohnt. Zumeist verbirgt sich in den neuen Schläuchen nur alter Wein und dienen die exotischen Namensschöpfungen lediglich auf Gewinn ausgerichtetes Marketing.

Moderner Wissensspeicher für Geisteswissenschaftler - Universitätsbibliothek Freiburg

Moderner Wissensspeicher für Geisteswissenschaftler – Universitätsbibliothek Freiburg (Foto: Wikimedia/joergens.mi)

Die Rechtswissenschaften (Jura) beschäftigen sich mit den Gesetzen und ihrer Geschichte, der individuellen, wirtschaftlichen und staatlichen Ordnung auf der Grundlage von Rechtsgeschäften. (Siehe dazu auch: „Rechtsanwalt – Gesetzeslotse und Konfliktmanager“ – http://www.berufsreport.com/rechtsanwalt   sowie   „Richter – Streit in Urteile gießen“ – http://www.berufsreport.com/richter) Dieses Studium ist ausschließlich an Universitäten möglich. Vereinzelt wird an Fachhochschulen der Studiengang Wirtschaftsrecht angeboten, der aber nicht für eine Tätigkeit in einem Rechtsamt (Richter, Staats- oder Rechtsanwalt) befähigt.

Juristen arbeiten nicht nur im Staatsdienst, bei Behörden, in Ministerien oder bei Gericht oder in der Rechtspflege. Viele Juristen arbeiten auch in Verbänden und Interessenorganisationen, in der Politik oder in der Wirtschaft. Dieses Studium ist zwar nicht durch Mathematik belastet, setzt aber zwingend überdurchschnittliche logisch-systematisierende Fähigkeiten voraus. Ebenso wird ein präziser Sprachgebrauch (zunehmend auch in einer Fremdsprache) unabdingbar. Angehende Juristen müssen in der Lage sein, ihr Studium weitgehend selbst zu organisieren.

Freiwillige Lern- und Lesebereitschaft, ein ständiger Aufenthalt in der Universitätsbibliothek, Interesse auch an rechtsaffinen Entwicklungen in der Innen-, Außen- oder Wirtschaftspolitik sind wichtige Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium – und einen guten Job. Ein gesellschaftliches Engagement über das Studium hinaus, zum Beispiel in der Politik oder in Interesseninitiativen, wird in dieser Fächergruppe durchgängig positiv bewertet. Die Anzahl der Beschäftigungsmöglichkeiten in dieser Gruppe ist sehr groß, Beschäftigungsalternativen lassen sich in ihrer Mehrheit sehr konkret umschreiben. Im Gegensatz zu den beiden ersten Fächergruppen werden sich sicherheitsbewusste Menschen deshalb hier gut aufgehoben fühlen.

Kunst und Gestaltung: Gefordert sind Kreativität und Wagemut

Fakultät für Industriedesign an der Technischen Universität Delft (Foto: Wikimedia/Henriette)

Fakultät für Industriedesign an der Technischen Universität Delft (Foto: Wikimedia/Henriette)

Dass dieses Kapitel am Ende des Artikels steht, hat vielleicht auch damit zu tun, dass sich an dieser Stelle der eine oder andere Leser schon einmal verabschieden möchte. Immerhin geht es in künstlerischen Studiengängen nicht darum, sich nur theoretisch mit Kunst zu beschäftigen. Die Kunstwissenschaft, die genau das tut, gehört zur kulturwissenschaftlichen Fächergruppe. Hier geht es darum, selber künstlerisch tätig zu werden. Und schon vor Beginn des Studiums müssen die Interessenten durch eigene Mappen und/oder Eignungsprüfungen nachweisen, dass sie dazu in der Lage sind. Auch wenn eine Berufstätigkeit in diesem Sektor ohne eine alltägliche Nutzung des Computers kaum noch vorstellbar ist (außer in der freien Kunst), müssen vor dem Studium eigene handwerkliche Fähigkeiten und die persönliche Kreativität nachgewiesen werden. Auch während des Studiums spielen handwerkliche Fähigkeiten, eigene Ideen, Fantasie und Schaffenskraft eine herausgehobene Rolle.

Viele Hochschulen (Fachhochschulen, Universitäten und Kunsthochschulen) bieten Gestaltungsstudiengänge an, oft mit sehr unterschiedlichen Namen, letztendlich verbergen sich dahinter aber immer zwei grundsätzliche Strömungen. Es gibt produktorientierte Design-Studiengänge. Dazu zählen vor allem Industrie-, Produkt-, Mode- (Siehe dazu: „Modedesigner – Fashion forever“ – http://www.berufsreport.com/modedesigner), Schmuck- und Fahrzeugdesign. Daneben gibt es mit den Kommunikations- oder Grafik-Design-Studiengänge einen zweiten Bereich. (Siehe dazu: „Kommunikationsdesigner – Nur die Wirklichkeit wirkt wirklicher“ – http://www.berufsreport.com/kommunikationsdesigner)  Interesse an einer technischen Lösung von Gestaltungsfragen kann vielleicht darüber Aufschluss geben, welcher Bereich sinnvoller erscheint. Designer müssen immer auch ein Interesse an anderen Fächern haben: Welche Farbe wie auf einen Menschen wirkt, beantwortet eigentlich eher die Psychologie, Designer müssen dieses Wissen aber anwenden. Mit welchem Werbeetat für ein Produkt geworben wird, ist eine betriebswirtschaftliche Frage, bestimmt aber den Wirkungsrahmen eines Designers. Und ob das Rot der Sparkassen auch von der Santander-Bank benutzt werden darf, musste erst kürzlich ein deutsches Gericht entscheiden (es darf nicht genutzt werden!). Und im Arbeitsalltag ist ein sicherer und kreativer Umgang mit dem Computer und seinen Arbeitsmitteln (Drucker, 3D-Drucker, Plotter) unerlässlich. Im produktionsorientierten Design ist auch technisches Interesse erforderlich.

Ausstellung von Neo Rauch in der Galerie Rudolfinum 2007 (Foto: Wikimedia/Galerie Rudolfinum)

Ausstellung von Neo Rauch in der Galerie Rudolfinum 2007 (Foto: Wikimedia/Galerie Rudolfinum)

Ganz im Gegensatz hierzu steht der Studiengang Freie Kunst, der freischaffende neue Künstler hervorbringen soll. Juristische oder wirtschaftliche Erwägungen sollen dabei keine Rolle spielen. Es geht vielmehr darum zu erlernen, wie man das eigene künstlerische Talent entfalten kann. Arbeitsplätze für Gestalter gibt es zuhauf. Ob man allerdings das Glück hat, als (freier) Künstler mit seinen Ideen Menschen begeistern zu können, entscheidet sich immer wieder neu. Nicht jeden Tag wird eine Nachfolgerin für die lila Milka-Kuh gesucht! Was Künstler und Gestalter mit Schauspielern (Siehe dazu: „Schauspieler – Die Traumfabrik verlangt Talent, Disziplin und harte Arbeit“ – http://www.berufsreport.com/schauspieler) und Musikern (Siehe dazu: „Orchestermusiker – Die Klangkünstler“ – http://www.berufsreport.com/orchestermusiker), die an dieser Stelle nicht vergessen werden sollen, gemeinsam haben? Die je besonderen Begabungen, das Fundament einer guten Ausbildung und natürlich der unbändige Ehrgeiz. In beiden Berufen bieten viele private Ausbildungseinrichtungen ohne Hochschulstatus ihre Dienste an. Die staatlichen Hochschulen überzeugen demgegenüber durch fachliche wie personelle Breite und Diversifikation.

 

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