Betriebswirtschaftler – Job zwischen Sinn und Gewinn

Von Hans-Martin Barthold | 15. August 2017

Ohne sie gäbe es wohl keine erfolgreichen Unternehmen, keine gut entlohnten Arbeitsplätze und damit keine entwickelte Bürgergesellschaft. Kritiker sehen es freilich nicht selten umgekehrt. Und wie bei jeder Berufsgruppe lästern die Stammtische auch über die Community der Betriebswirtschaftler mit so manchem bösen Spruch. „Zu allem entschlossen, doch für nichts wirklich zu gebrauchen“, ist nur einer davon. Ungeachtet dessen bietet sich Jahr für Jahr das gleiche Bild. Und man muss kein Prophet sein, auch für das kommende Wintersemester dasselbe Ergebnis vorherzusagen. Wieder werden sich die meisten Studienplatzbewerber für ein Studium der Betriebswirtschaftslehre (BWL; englisch: business administration) entscheiden. Nicht immer aus Überzeugung. Und manchmal sogar nur aus der Not geboren. Weil die Begabung für und das Interesse an einem natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Studium fehlen. Weil der Arbeitsmarkt für Geistes- und Sozialwissenschaftler so schlecht ist. Weil die zeitintensive Maloche der Rechtswissenschaften abschreckt.

Anna Meike Reimann (Foto: privat)

Anna Meike Reimann (Foto: privat)

Gar nicht selten fällt die Entscheidung aber wohl auch deshalb für die BWL, weil der Mut fehlt, sich statt für ein Studium für eine betriebliche Ausbildung zu entscheiden. Im Übrigen gilt Management einfach als hip und cool. Darüber hinaus lockt die große Bandbreite beruflicher Möglichkeiten von Betriebswirtschaftlern. „Für mich gab das den Ausschlag bei der Studienwahl“, bestätigt die heutige Personalerin Anna Meike Reimann. Tatsächlich bietet die Betriebswirtschaftslehre damit einen Vorteil, den nur noch wenige andere Studiengänge für sich zu reklamieren vermögen. Studierende können die Entscheidung, in welcher Branche und in welchem Funktionsbereich sie später einmal einsteigen möchten, beinahe bis zum Examen offen lassen. Was freilich seinen Preis hat. Kaum nirgendwo anders liegen Chancen und Risiken so eng beieinander wie bei der BWL. Weshalb die hohe Drop out-Quote wenig verwundert. Vielen Studienanfängern wird erst zu spät klar, dass der Erfolg auch in der Betriebswirtschaftslehre von mehr als nur einer Immatrikulationsbescheinigung abhängt.

Fachleute für ökonomische Entscheidungen

Eine zusätzliche Verlockung besteht schließlich darin, dass die Betriebswirtschaftslehre zum Portfolio fast aller Universitäten und Fachhochschulen gehört. Als sogenannte Buchwissenschaft kommt sie schließlich ohne teure Laboreinrichtungen und Versuchswerkstätten aus. Was sie für alle Hochschulpräsidenten zu einem geradezu traumhaft günstigen Studienangebot werden lässt. Gleichwohl täten die Magnifizenzen und Dekane gut daran, die Fülle der Inhalte ebenso wie die akademisch durchaus anspruchsvollen Anforderungen eines BWL-Studiums deutlicher als bisher zu kommunizieren, anstatt die Ungeeigneten und oft genug gleichermaßen Unwilligen in den Prüfungen einfach nur durchzuwinken. Umgekehrt sind Studienanfänger gut beraten, verantwortlich zu prüfen, ob ihre Begabungen und Interessen den Anforderungen doch wenigstens in den wichtigsten Feldern entsprechen. Das eine wie das andere bewahrt vor persönlicher Enttäuschung und könnte helfen, die volkswirtschaftlich hohen Kosten viel zu vieler Studienabbrüche in der Betriebswirtschaftslehre zu reduzieren. Mehr als jeder Vierte wirft das Handtuch vorzeitig.

Karsten Munscheck (Foto: Privat)

Karsten Munscheck (Foto: Privat)

Stellt sich also die Frage, was macht ein Betriebswirtschaftler? Umso mehr, als die meisten Studienanfänger, wohlmeinend formuliert, davon allenfalls schemenhafte Vorstellungen besitzen. Es sind vor allem zwei Dinge. „Weil wir im Studium lernen, wie die Prozesse in einem Unternehmen funktionieren und wie sie noch besser funktionieren könnten“, erklärt es Karsten Munscheck, „sind wir Fachleute für die Optimierung ökonomischer Entscheidungen sowie deren anschließende Umsetzung ins operative Tagesgeschäft.“ Munscheck, der an der Universität Passau studiert und promoviert hat, sollte es wissen. Immerhin war er bei der Deutschen Bank in Frankfurt und New York zwölf Jahre im Bereich der Unternehmensentwicklung tätig. Heute lehrt er an der Hochschule Fresenius Bilanzierung, Controlling, Finanzcontrolling und Kostenmanagement. Daneben arbeitet er als Wirtschaftsmediator.

Der Markt bestimmt das Handeln

Was aber heißt das alles nun konkret? Schauen wir in ein Industrieunternehmen, dorthin, wo die überwiegende Mehrzahl der Betriebswirtschaftler arbeitet. Hier müssen BWLer am Anfang aller Aktivitäten zunächst Marktlücken für die eigenen Produkte finden, durch Analysen bereits vorhandener Daten oder eigene Erhebungen. Dann gilt es, eine Kosten-Nutzen-Rechnung und eine Einschätzung der Wettbewerber vorzunehmen. Wie hoch sind die Investitionen in neue Produktionslinien? Wie viel Kapital, eigenes und fremdes, ist dafür erforderlich? Wie aufnahmefähig ist der Markt? Welchen Preis gelingt es durchzusetzen? Welche Materialien und Vorprodukte müssen und können wo und bei wem eingekauft werden? Besitzen die Mitarbeiter die notwendigen beruflichen Qualifikationen, müssen sie gegebenenfalls nachgeschult werden? Welches Markenimage soll das Produkt erhalten? Wann sind welche Werbekampagnen zu schalten? Wie kann die Absatz- und Vertriebslogistik am besten organisiert werden? Schließlich gilt es, den Zahlungsverkehr zu überwachen, Löhne und Gehälter zur Auszahlung aufzubereiten, dazu die Steuern und Sozialabgaben pünktlich abzuführen, zuletzt die jährlichen Unternehmensabschlüsse zu erstellen.

Cornelia Masbaum (Foto: privat)

Cornelia Masbaum (Foto: privat)

Damit zum zweiten Aspekt betriebswirtschaftlichen Arbeitens. „Bei all diesen Tätigkeiten schauen wir stets auf den Markt“, formuliert es Cornelia Masbaum. Oder anders ausgedrückt: „Die Richtschnur unseres Handelns ist immer der Ausgleich von Angebot und Nachfrage.“ Bei Cornelia Masbaum passte das. Wirtschaftliche Fragestellungen weckten schon früh ihr Interesse. Nach einem Studium an der Fachhochschule Emden und mehreren verschiedenen Berufsstationen ist sie heute als Projektmanagerin beim Eschborner Bildungsanbieter Management Circle beschäftigt. Und so unterscheidet denn vor allem das analytische Verständnis den guten vom weniger guten Betriebswirtschaftler. Ein entsprechendes Zahlenverständnis wird zu seinem wichtigsten Handwerkszeug. „Dennoch“, erklärt Cornelia Masbaum zutreffend, „ist Betriebswirtschaftslehre vor allem Rechnen und weniger höhere Mathematik. Man muss die Botschaften entschlüsseln können, die sich hinter den Zahlen verbergen.“

Zahlen, Zahlen, Zahlen – und noch viel mehr

Tatsächlich nehmen Zahlen im Beruf der allermeisten BWLer eine zentrale Rolle ein. Ganz besonders gilt das für einen Job in der Finanzabteilung, dem Controlling und Rechnungswesen. Doch sind Betriebswirtschaftler alles andere als bloße und nur dem Augenblick verhaftete Zahlenknechte, als die sie oft verunglimpft werden. Beispiel dafür ist Anna Meike Reimann, die sich neben dem Studium ehrenamtlich als Bundesvorsitzende der Hochschulgruppen im Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte (bdvb) engagierte. Die ehemalige Leistungsschwimmerin, die nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau absolvierte und sich erst danach zu einem Studium entschloss, arbeitet gegenwärtig als Human Ressource Business Partner bei einer Essener Wirtschaftskanzlei. „Ich entwickele Konzepte für unsere Personalstrategie der nächsten Jahre“, erzählt sie. Und bleibt dabei ganz Betriebswirtschaftlerin. Sie analysiert die Aufträge und Arbeitsprozesse und leitet daraus die beruflichen Anforderungen ab. Spätestens an diesem Punkt wird klar, dass Neugier eine der Eigenschaften ist, ohne die kein BWLer auskommt.

Wie jedes Jahr – Auch der letztjährige wirtschaftswissenschaftliche Nobelpreisträger, der Finne Bengt Holmström, lehrt in den USA am Massachusetts Institute of Technology (Foto: Wikipedia/Soppakanuuna)

Wie jedes Jahr – Auch der letztjährige wirtschaftswissenschaftliche Nobelpreisträger, der Finne Bengt Holmström, lehrt in den USA am Massachusetts Institute of Technology (Foto: Wikipedia/Soppakanuuna)

Das gilt für Anna Meike Reimann genauso wie für Karsten Munscheck und Cornelia Masbaum. Allerdings, und auch das ist etwas Betriebswirtschaftslehretypisches, die Neugier ist niemals Selbstzweck, sondern stets funktional. „Ich muss meine Neugier am Ende des Tages immer in Zahlen umsetzen können“, beschreibt die Projektmanagerin Masbaum die meist konsequent ergebnisorientierte Erwartungshaltung der Arbeitgeber. Ob das der Grund für ein gar nicht selten eindimensional mechanistisches Weltverständnis so mancher Betriebswirtschaftler ist, ist hier nicht der Ort zu diskutieren. Zur Versuchung aber reicht es allemal. Cornelia Masbaum weist auf eine weitere Besonderheit der Betriebswirtschaft. „BWLer müssen akzeptieren, dass es in den Naturwissenschaften Gesetzmäßigkeiten gibt, sich die Betriebswirtschaftslehre aber eher auf Modelle beruft.“ So präsentiert sich die Betriebswirtschaftslehre als eine Handlungsanleitung für wirtschaftliche Effizienz. Immer und überall (ver)misst sie Leistung. Doch ist die Erkenntnis stets nur Mittel zum Zweck für ergebnisorientierte Entscheidungen. Darum geht es, das ist die Aufgabe der Betriebswirtschaftler. Mit der sollte sich identifizieren können, wer mit diesem Studium sein berufliches Glück suchen möchte.

Heterogene Berufsgruppe

Matthias Berghoff, geschäftsführender Gesellschafter einer Kreativ- und Marketingagentur in Düsseldorf, nähert sich diesem Aspekt seines Berufes von einer anderen Seite. „Der homo oeconomicus der Betriebswirtschaftslehre ist ein theoretisches Konstrukt“, sagt er und weiß um die damit ausgesprochene Provokation am Glaubensbekenntnis vieler seiner Kollegen. „Mit der Wirklichkeit hat das nichts zu tun.“ Für den gelernten Werbekaufmann und studierten BWLer ist genau das die Achillesverse seiner Zunft. „Wenn wir ein Produkt oder eine Idee nachhaltig marktbar machen wollen“, lautet sein Argument, „müssen wir uns viel stärker, als bisher noch üblich, mit der Interaktion von Menschen beschäftigen.“ Denn die zukünftige dienstleistungsorientierte Arbeitswelt, ist Berghoff überzeugt, verlangt sehr individuelle Lösungen. Er hat dieser Erkenntnis deshalb die Tat folgen lassen und sich zu einem zweiten, berufsbegleitenden Studium der Arbeits- und Organisationspsychologie entschlossen.

Matthias Berghoff (Foto: privat)

Matthias Berghoff (Foto: Betty und Betty/Anastasios Koupantsis)

Natürlich weiß der Markenexperte, dass dieser Kompetenz in seinem Arbeitsbereich ein deutlich größeres Gewicht zukommt als im Controlling oder den Finanzabteilungen. Sein Fazit: „Die Community der Betriebswirtschaftler ist keine homogene Berufsgruppe.“ Gunnar Ummen, der nach kaufmännischer Ausbildung und anschließendem BWL-Studium sein Geld seit vielen Jahren in der Wirtschaftsprüfung verdient, bestätigt das. „Nicht jeder ist für jeden Arbeitsbereich geschaffen“, ist er überzeugt. „Die, die in den Vertrieb passen, eignen sich nicht für das Rechnungswesen und umgekehrt.“ Doch ist auch er überzeugt, dass Betriebswirtschaftler, gleich in welchem Funktionsbereich sie einmünden, offen für neue Entwicklungen, mehr noch für die Menschen sein müssen, mit denen sie ihr Beruf zusammenführt.

Job für entscheidungsfreudige Macher

„Betriebswirtschaftler müssen vor allem als Person überzeugen“, ist die Schlussfolgerung, die Ummen daraus zieht. Die Tendenzen einer zunehmenden Spezialisierung im Beruf beobachtet er deshalb mit Sorge. Denn: „Nicht nur in der Wirtschaftsprüfung und Revision ist die Gesamtschau unentbehrlich.“ Kritisch sieht er auch das immer kurzfristiger werdende Erfolgsdenken. „Dabei sollten sich gerade BWLer durch einen weiten Blick auszeichnen.“ Einen solchen Blick über den Tellerrand bieten vor allem die zahlreichen Branchen- und Berufsverbände, die oft auch schon studierenden Mitgliedern offenstehen. „Wir empfehlen Studierenden etwa ab dem zweiten Studiensemester die Mitgliedschaft in einem solchen Verband“, erklärt Matthias Meyer-Schwarzenberger, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Volks- und Betriebswirte e.V. (bdvb).

Matthias Meyer-Schwarzenberger, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Volks- und Betriebswirte/bdvb (Foto: privat)

Matthias Meyer-Schwarzenberger, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Volks- und Betriebswirte/bdvb (Foto: privat)

Mit dem Widerspruch zwischen beruflicher Spezialisierung und dem Blick fürs große Ganze lebt die Betriebswirtschaftslehre freilich bereits seit ihren Anfängen. Die laut Wirtschaftshistorikern bis in die Zeit der ägyptischen Pharaonen zurückgehen. An deren Handelsschulen sollen neben Schreiben und Rechnen auch Fächer wie Buchhaltung und Zahlungsabwicklung unterrichtet worden sein. Und dieser Widerspruch wird ganz gewiss auch zukünftige Ökonomengenerationen begleiten. Zwar schmücken sich mehr und mehr Hochschulen mit Professuren und Lehrangeboten für Wirtschaftsethik, doch auf die alltäglichen unternehmerischen Entscheidungen hat es, wie die zahlreichen Wirtschaftsskandale der jüngsten Zeit zeigen, ganz offenbar noch wenig Einfluss. Was nun einmal zählt, sind Kosten und Gewinn – jetzt und nicht erst in zehn Jahren! Wo Betriebswirtschaftler arbeiten, werden entscheidungsfreudige Macher gesucht, keine Zauderer und Zögerer, keine Wissenschaftler und Perfektionisten, dafür Menschen mit  Mut zur gelegentlichen Lücke. Eine falsche Entscheidung, so heißt es in der Community, sei allemal besser als gar keine.

Praxis- und Lebenserfahrung über allem

Darüber sollte niemand die Nase rümpfen. Denn natürlich besitzen Managemententscheidungen zu keiner Zeit und nirgendwo Ewigkeitscharakter. Ihr Haltbarkeitsdatum ist oft nicht größer als das frischer Salatblätter. Tatsächlich müssen BWLer ihre Entscheidungen immer wieder mit den aktuellen Entwicklungen in Einklang bringen. Und wenn sie sich als falsch erweisen, gilt es nachzusteuern oder sie, falls erforderlich, komplett zu korrigieren. Dafür sollte sich kein Betriebswirtschaftler zu schade sein, ebenso wenig wie es sein Selbstbewusstsein ankratzen darf. Musterlösungen gibt es nur selten. „Teil des Jobs von Betriebswirtschaftlern ist es, Pläne ständig zu überprüfen und sie, wenn notwendig, unideologisch dem Hier und Jetzt anzupassen“, gibt Karsten Munscheck allen Berufsanfängern deshalb mit auf den Weg. Umgekehrt aber bedürfen Betriebswirtschaftler zugleich des Ehrgeizes zur vollständigen Abklärung eines Sachverhaltes – und eines Ziels, das über die reine Profitmaximierung hinaus geht (siehe: Carl H. Hahn – Erfolg braucht einen klaren Kompass). Sonst nämlich geraten sie schnell in die Gefahr, sich im nie endenden Entscheidungsmarathon und einem Ozean an Beliebigkeit zu verschleißen.

Hauptversammlung der Merck KGaA in der Frankfurter Jahrhunderthalle – Hier wird der Daumen für BWLer gehoben oder gesenkt (Foto: Wikipedia/Kuebi)

Hauptversammlung der Merck KGaA in der Frankfurter Jahrhunderthalle – Hier wird der Daumen für BWLer gehoben oder gesenkt (Foto: Wikipedia/Kuebi)

Allerdings scheint es nicht leicht, die Balance zwischen Sinn und Gewinn zu wahren. So manche hoffnungsvoll begonnene Managerkarriere ist daran schon zerbrochen. An der heimischen Uni über den Tellerrand des eigenen Faches zu schauen, mehr noch den Horizont der persönlichen Reifung abseits organisierter Programme so intensiv als irgend möglich zu beschleunigen, empfiehlt Anna Meike Reimann deshalb mit Nachdruck. Sie nahm sich für ein individuell organisiertes Praktikum in China ein Urlaubssemester. „Am meisten habe ich über mich selbst gelernt“, blickt sie zurück. Und: „Das war die beste Berufsvorbereitung.“ Ähnlich fallen die Einschätzungen für eine betriebliche Ausbildung vor dem Studium aus. „Ich konnte ausprobieren, ob ich mit meiner Entscheidung für die Betriebswirtschaftslehre richtig liege“, beschreibt Gunnar Ummen den Wert dieser Art Studienvorbereitung, „und in welchem Arbeitsbereich ich mit meinen Interessen und Begabungen am besten aufgehoben bin.“

Berufseinstieg und Karriere zielorientiert planen

„Aufgrund ihrer Arbeitserfahrung können die Studenten mit Berufserfahrung die Studieninhalte viel besser verarbeiten“, hat auch Cornelia Masbaum während ihrer Tätigkeit in einem hochschulischen Career Service sowie als Dozentin beobachtet. Überhaupt, ergänzt sie noch, zähle für die Karriere eines Betriebswirtschaftlers Praxiserfahrung mehr als irgendwelche hohen akademischen Grade und Titel, was auch auf die Frage nach dem Bachelor- oder Masterabschluss zutrifft. Eine der wenigen Ausnahmen stellt der Job als Vorstands-Assistent dar. Hier erweist sich sogar eine Promotion als dicker Pluspunkt. Und ohne Zweifel auch ein Auslandssemester in den USA. „Denn die sind trendbildend“, begründet Gunnar Ummen. Insgesamt wird der Übergang von der Hochschule in den Beruf freilich schwieriger. Betrug der Anteil der unter 35-Jährigen an allen Arbeitslosen zur Jahrtausendwende nur 33 Prozent, ist er inzwischen auf 55 Prozent angestiegen. Das ist nach Einschätzung von Arbeitsmarktexperten ein überdurchschnittlich ungünstiger Wert.

Gunnar Ummen (Foto: privat)

Gunnar Ummen (Foto: privat)

Wer als Hochschulabsolvent einen guten Einstieg in den Beruf sucht, sollte sich für ein Traineeprogramm bewerben. „Darüber“, meint Karsten Munscheck, „lernt man (s)ein Unternehmen am schnellsten kennen.“ Was er für eine erfolgreiche Karriere als sehr wichtig erachtet. Denn die Kultur (s)eines Unternehmens zu verstehen, sei viel schwieriger, als sich mit der Branchenmentalität vertraut zu machen. Ein letzter Rat. Wer seine ersten Jahre mangels beruflicher Alternativen im Vertrieb verbringt, eigentlich aber eine Tätigkeit in der Finanzabteilung anstrebt, sollte nicht zu viel Zeit ins Land gehen lassen. Mit jedem Jahr wird ein Arbeitsfeldwechsel schwieriger, sind sich alle meine Gesprächspartner einig. Als BWLer haben sie dafür Verständnis. Denn immerhin verursacht eine nochmalige Einarbeitung Kosten. Und die, das ist die vordringlichste Aufgabe ihres Berufsstandes, gilt es zu vermeiden.

 


Daten, Fakten & Links
(Stand: 01.07.2017)

Berufstätige: 2014 betrug die Zahl berufstätiger Betriebswirtschaftler laut dem Informationssystem Studienwahl und Arbeitsmarkt (ISA) 930.000.

Altersstruktur berufstätiger Betriebswirtschaftler (Quelle: ISA):  

  • jünger als 30 Jahre: 14 %
  • zwischen 30 und 40 Jahre: 34 %
  • zwischen 40 und 50 Jahre: 29 %
  • älter als 50 Jahre: 23 %

Arbeitslose Betriebswirtschaftler (Quelle: Statistisches Bundesamt/Mikrozensus aus dem Jahr 2015): ca. 20.000. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 2,8 %. Den Anteil der unter 35-Jährigen unter allen arbeitslosen Betriebswirtschaftlern für das Jahr 2015 gibt die Bundesagentur für Arbeit mit 55 % an.

Studienanfänger Betriebswirtschaftslehre im Wintersemester 2015/2016 (Quelle: Statistisches Bundesamt):

  • Universitäten: 24.404 (Frauenanteil: 47 %). Etwa 64 % der Studienanfänger verteilen sich auf Bachelorstudiengänge. 36 % beginnen einen Masterstudiengang.
  • Fachhochschulen: 50.251 (Frauenanteil: 54 %). Etwa 79 % der Studienanfänger verteilen sich auf Bachelorstudiengänge. 21 % beginnen einen Masterstudiengang.

Studienabsolventen 2015: Gesonderte Absolventenzahlen für die Studiengänge der Betriebswirtschaftslehre liegen nicht vor. Das Statistische Bundesamt weist lediglich Zahlen für den Fachbereich Wirtschaftswissenschaften aus, die die Studiengänge Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspädagogik umfassen.

Einkommen: Je nach Branche, Region und Einstiegsebene stark unterschiedlich.

Studienmöglichkeiten: https://www.hochschulkompass.de

Praktikumsstellen vermitteln u.a.:
Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte (bdvb): https://www.bdvb.de
AIESEC (weltweit): https://aiesec.de/

Weiterführende Informationen:
https://berufenet.arbeitsagentur.de/
und
https://www.uni-due.de/isa

 

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