AWO-Bezirksverband Braunschweig – Mehr als nur ein sozialer Dienstleister

Von Hans-Martin Barthold | 15. Februar 2018

Seifenblasen faszinieren alle Kinder (Foto: AWO-Bezirksverband BS)

Der AWO-Bezirksverband Braunschweig e.V. ist ein bekanntes soziales Dienstleistungsunternehmen und auch einer der größten Arbeitgeber der Region. Die wichtigsten Kennziffern des AWO-Bezirksverbandes Braunschweig können sich sehen lassen. In über 100 Einrichtungen, die sich von Gifhorn bis zum Harz und von Peine bis nach Helmstedt verteilen, arbeiten rund 3.300 Mitarbeiter. „Wir beschäftigen vor allem Altenpfleger, Erzieher und Sozialassistenten, Sozialpädagogen und Sozialarbeiter, dazu einige Erziehungswissenschaftler, Psychologen/Psychotherapeuten und Förderschullehrer, in der zentralen Verwaltung zusätzlich Kaufleute und Betriebswirtschaftler, Juristen im Justiziariat, im Gebäudemanagement sowie dem Fuhrpark darüber hinaus auch Mitarbeiter mit technischem Background.“ Mit dieser Aufzählung gewährt Personalfachmann Armin Geissler Einblicke in die Berufsstruktur.

 Die Arbeitsfelder im AWO-Bezirksverband Braunschweig reichen von Einsatzmöglichkeiten in Wohn- und Pflegeheimen über die Kurzzeit-, Tages- und ambulante Altenpflege, die Arbeit in der Betreuung von Menschen mit Demenz, dem betreuten Wohnen, der telefonischen Pflegeberatung bis hin zur Pflegenotaufnahme. Der Betrieb zahlreicher Kindertagesstätten, von Beratungsstellen für Erziehungs- und Familienthemen, von Einrichtungen in der Suchthilfe und Suchtprävention folgt ausschließlich gemeinnützigen Zwecken. Ein Selbstverständnis der AWO ist es, mit ihren vielfältigen Sozialdiensten einen Beitrag zum Zusammenhalt der Generationen zu leisten. Ein Schwerpunkt liegt deshalb auch in den Jugend- und Erziehungshilfen.

Berufliche Einsatzmöglichkeiten von A bis Z

Hausaufgabenhilfe (Foto: AWO-Bezirksverband BS)

Das Angebot reicht von Wohn- und Tagesgruppen, Einrichtungen zur Verselbständigung, dem Familienwohnen bis hin zu Förderschulen und erlebnispädagogischen Angeboten. Ein Beitrag zur Inklusion liefert die Arbeit in den sozialpsychiatrischen Wohnheimen und dem ambulant betreuten Wohnen für psychisch erkrankte Menschen. So bietet der AWO-Bezirksverband Braunschweig Beschäftigungsmöglichkeiten quer durch die gesamte Spannbreite sozialer Berufsfelder. Wer von der Arbeit mit Senioren zur Jugendhilfe wechseln möchte, wer anstelle einer Tätigkeit in der Erziehungshilfe sich lieber in der Integration von Flüchtlingen einbringen will, wer in der Familienberatung seine Talente für die Arbeit mit psychisch Erkrankten entdeckt, kann dies tun, ohne den Arbeitgeber wechseln zu müssen, wie das sonst oft notwendig ist. Gleichzeitig bieten sich aufgrund der Größe des Verbandes gute Aufstiegsperspektiven.

Organisatorisch gliedert sich der AWO-Bezirksverband Braunschweig in fünf Geschäftsfelder. Senioren & Pflege ist davon nicht nur der größte, sondern auch der am stärksten wachsende Sektor. Es folgen die Bereiche Familie & Erziehung, Jugend & Erziehungshilfen, Gesundheit & Psychosoziale Hilfen sowie Arbeitsmarktprojekte. Die AWO zeichnet sich aus durch die weit verzweigte dezentrale Unternehmensstruktur, die große Eigenständigkeit der einzelnen Geschäftsfelder und Einrichtungen und die enge Verbindung zwischen ambulanten und stationären Dienstleistungen. Denn der Anspruch der AWO ist es, die Selbstständigkeit der ihr anvertrauten Menschen so lange wie möglich zu erhalten. Alle neu eingestellten Mitarbeiter nehmen an einem Einführungsseminar teil. Für Beschäftigte, die an der Übernahme einer Führungsfunktion interessiert sind, wurde ein Führungsförderungsprogramm entwickelt.

Wertegebundener Arbeitgeber

Tagespflege im Braunschweiger Stadtteil Heidberg (Foto: AWO-Bezirksverband BS)

Die AWO ist nicht nur ein soziales Dienstleistungsunternehmen, sondern auch ein sozialpolitischer Mitgliederverband mit einer inzwischen fast hundertjährigen Geschichte. 1919 rief die SPD-Reichstagsabgeordnete Marie Juchacz die AWO ins Leben, schon 1920 wurde der Ortsausschuss Braunschweig gegründet. Die Gründungsidee einer sozial gerechten Gesellschaft bestimmt nach wie vor die Leitsätze der Arbeit und prägt nicht nur das Verhältnis zu denen, die der Hilfe bedürfen. Es findet sich genauso im Verhältnis der Mitarbeiter untereinander. „Wir bestimmen“, heißt es da, „unser Handeln durch die Werte des freiheitlich-demokratischen Sozialismus: Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit.“ Es ist empfehlenswert, die eigenen persönlichen Überzeugungen mit diesen Werten in Zusammenhang bringen zu können. Neben dem AWO-Bezirksverband Braunschweig existieren sieben Kreisverbände und siebzig Ortsvereine.

Im AWO-Bezirksverband geht es um den ganz persönlichen Einsatz jedes einzelnen Mitarbeiters. Um diesen zu intensivieren, fördert die AWO das Ideenmanagement in einem Innovationslabor für soziale Dienstleistungen. Dem ersten in Niedersachsen überhaupt. „Jeder Mitarbeiter kann sich mit seinen Ideen für neue oder bestehende Dienstleistungen, die die selbstbestimmte Teilhabe von Menschen an der Gesellschaft verbessert, bewerben“, erklärt Martina Bartling, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim AWO-Bezirksverband, die Zielstellung des Innovationslabors. Und zwar unabhängig davon, wie ausgereift diese Idee bereits ist. Für die anschließende umsetzungsreife Entwicklung der Ideen zu neuen sozialen Dienstleistungen erhalten die Gewinner eines Ideenwettbewerbs Unterstützung von Experten und werden dafür vorübergehend von der Arbeit freigestellt. Im Januar ist die erste Staffel in eigens dafür umgebauten Räumlichkeiten auf dem AWO-Kampus am Peterskamp im Braunschweiger Stadtteil Querum gestartet.

Mitgestaltung erwünscht

Personalfachmann Armin Geissler (Foto: AWO-Bezirksverband BS)

„Wir verzeichnen seit Einführung des Projekts nicht nur steigende Bewerberzahlen“, beobachtet Armin Geissler. „Auch die Qualität der Bewerbungen hat sich verbessert.“ Trotz aller Erfolge bleibt die Situation auch für den AWO-Bezirksverband Braunschweig angespannt. Das gilt ganz besonders in der Altenpflege, wo der Bezirksverband 30 Ausbildungsplätze pro Jahr bereitstellt. Die Anstrengungen zur Besetzung dieser Plätze enden schon lange nicht mehr an den Stadt- und Landesgrenzen. Bereits zum zweiten Mal bildet der AWO-Bezirksverband Braunschweig mit großem Engagement zehn vietnamesische Fachkräfte für einen Einsatz in der Altenpflege aus. Die meisten davon haben die Chance zur Weiterbeschäftigung genutzt und sind geblieben.

Angehenden Erziehern bietet der AWO-Bezirksverband als Praxispartner schon während der schulischen Ausbildung Gelegenheit für erste Einblicke in die AWO-Arbeitswelt. Immerhin entfallen auf Erzieher die zweitmeisten Planstellen nach den Altenpflegern. Die AWO beobachtet daher aufmerksam die politischen Überlegungen, in der Ausbildung zu Erziehern eventuell ähnliche Wege gehen zu wollen wie in der Altenpflege. Dort kann die Ausbildung sowohl schulisch wie betrieblich erfolgen. Auch in der Ausbildung zu Sozialpäda-gogen/Sozialarbeiter beteiligt sich der Braunschweiger AWO-Bezirksverband. Das praktische Jahr zur staatlichen Anerkennung nach Ende des Studiums können die Absolventen in seinen Einrichtungen absolvieren. Eine nicht geringe Zahl kehrt nach Beendigung des Studiums zur AWO zurück.

Lebensbewusstes Personalmanagement

Schwangerenberatung (Foto: AWO-Bezirksverband BS)

Oft beginnen die Kontakte aber noch viel früher, wenngleich auch unverbindlicher. Über 100 Plätze in den Freiwilligendiensten hat der AWO-Bezirksverband Braunschweig jedes Jahr zu besetzen. Die Motive, aus denen heraus sich Schüler nach dem Schulabschluss für einen Freiwilligendienst entscheiden, sind ganz unterschiedlich. Geht es den einen um erste Erfahrungen in der Arbeitswelt, wollen andere ihrem gesellschaftlichen Engagement Ausdruck verleihen, nutzen die dritten diese Zeit, über die Entscheidung für ihren künftigen Berufsweg nachzudenken. Der AWO ist wichtig, dass die Interessenten den Willen zur Arbeit an und mit den hilfebedürftigen Menschen mitbringen.

Sie erleben einen Arbeitgeber, der soziale Verantwortung nicht bloß nach außen, sondern auch innerhalb seiner eigenen Mauern lebt. Alle Mitarbeiter werden nach Tarif bezahlt, können sich auf einen aktiven Betriebsrat verlassen, finden stabile Arbeitsteams vor, werden bei Weiterbildungsaktivitäten unterstützt und erleben, dass die Work-Life-Balance Chefsache ist. „Die Zahl unserer Arbeitszeitmodelle ist riesig“, berichtet Armin Geissler, „denn wir wollen möglichst alle familiären Belange bei der Dienstplangestaltung berücksichtigen. Wir reden nicht nur über familien- und lebensphasenbewusste Personalpolitik, wir praktizieren sie.“ So ist es ganz selbstverständlich, dass auch Führungskräfte Teilzeit arbeiten (können). Stolz verweist der Personalfachmann auf die Zertifizierung durch die berufundfamilie® gGmbH der Hertie-Stiftung. Die verlieh dem AWO-Bezirksverband Braunschweig bundesweit als erster AWO-Gliederung das Zertifikat.

Karriere bei der AWO

Erzieherin in einer Kita-Gruppe (Foto: AWO-Bezirksverband BS)

Die AWO als sozialen Dienstleister in der Altenpflege, Familienhilfe und Jugendarbeit kennt in der Region Südostniedersachsen fast jeder. Dass man innerhalb der AWO auch eine große Karriere machen kann, ist weniger bekannt. So kann sich beispielsweise eine Altenpflegefachkraft mit Unterstützung des Arbeitgebers bis zur Einrichtungsleiterin hoch arbeiten. Ein gutes Beispiel für solche beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten ist auch der Vorstandsvorsitzende Rifat Fersahoglu-Weber. Schon als Schüler hat er Hausaufgabenhilfe beim AWO-Kreisverband Salzgitter geleistet. Später absolvierte er ein Anerkennungsjahr im AWO-Wohn- und Pflegeheim in Wolfenbüttel, bekleidete danach weitere Positionen bei der AWO und steht heute an der Spitze des AWO-Bezirksverbandes Braunschweig.

 


Unternehmenssteckbrief
(Stand: 15.01.2018)

Firmengründung: 1920. Verbot und Einzug des Vermögens von 1933 bis 1945. 1946 unabhängige Neugründung. Ab 1945 Schwerpunkt in der Heimbetreuung elternloser Kinder und Jugendlicher. 1946 wurde die AWO unabhängig neu gegründet. Ende der sechziger Jahre 280 Vollzeitbeschäftigte. Seit den siebziger Jahren Ausbau zum Wirtschaftsunternehmen.

Sitz der Unternehmenszentrale: Peterskamp 21, 38108 Braunschweig

Stationäre und ambulante Einrichtungen: https://www.awo-bs.de/awo-zwischen-harz-und-heide.html

Mitarbeiter: ca. 3.300

Umsatz: keine Angaben

Ausbildungsmöglichkeiten:

  • Altenpfleger/-in
  • Kaufmann/-frau für Büromanagement

Duales Studium: nein

Bewerbungen: https://www.awo-bs.de/stellenangebote.html

Praktika: für

  • Erzieher/-innen in der Ausbildung
  • Bachelor of Arts Soziale Arbeit (Praxisjahr zur staatlichen Anerkennung)
  • Schüler der Fachoberschulen Sozialwesen
  • Schülerpraktika

Kontaktmöglichkeiten: info@awo-bs.de

Internet: www.awo-bs.de

 

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